Bayern-Post: Halbzeit 2007/2008

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Bundesliga - Die Hinrunde

Herbstmeister also. Irgendwie. Mit einem Ergebnis und einem Spiel, welche die letzten zwei Monate besser zusammenfassen, als das tausend Worte tun könnten. Nicht dass mich das davon abhalten würde, hier mit der Wortgießkanne über den Rasen der Allianz Arena zu schreiten und mit der Heckenschere gegen Wortbildgewächse, wie das gerade verwendete, vorzugehen. Ribéry rennt wie ein geölter Blitz über den Platz, während in Berlin gemauert wird wie zuletzt 1961. Und je schneller Ribéry läuft, desto heftiger knallt er gegen die Mauer. Und der Frust nimmt mit jeder erfolglosen Spielminute zu. Am Ende ein Ergebnis, das man inzwischen sooft in Bayernspielen gesehen hat, dass man fragen muss, ob es nicht eine Jahreskarte für die Spiele des FCB erworben hat. Und falls dem so ist, ob man es nicht qua Gesetz vom Betreten des Stadions abhalten kann.

Der Saisonbeginn scheint weit, weit zurückzuliegen. War damals nicht noch Helmut Schmidt Kanzler? Commodore Trikotsponsor? Und hat nicht vor 17. Spieltagen noch Preußen Münster in der Bundesliga gespielt? Wir erinnern uns: Jene drei Spieltage, als der Stern des Südens aus drei Spielen 9 Punkte und 10:0 Tore mitnahm. Als die Presse begann am Rad zu drehen, von König Franck I. zu schreiben (gut, das war legitim, so beeindruckend wie der kleine Franzose etwa die Bremer beim 4:0 schwindelig spielte) und von einem FC Bayern zu fabulieren, der die Saison ohne Punktverlust, ja ohne Gegentor beenden könnte. Dem man vielleicht einfach die Meisterschaft jetzt schon geben sollte, vielleicht hätte er die freien Wochenende ja nutzen können um den Weltfrieden zu stiften oder ein Heilmittel gegen AIDS zu finden. Vorsichtigere Stimmen traten auf die Euphoriebremse und verwiesen darauf, dass die Spiele gegen den HSV und Schalke als Lackmustest dienen würden.

Und hier zeigte sich dann, dass der FCB eben auch nur mit Wasser kocht. Auch wenn er einen Wasserkocher benutzt, der mehrere Millionen kostet. Aus beiden Spielen holte man je einen Punkt und insgesamt ausgeglichene 2:2 Tore. Katastrophal ist etwas anderes, aber es zeigte den Fans, Spielern und Verantwortlichen, dass man gegen die Spitzenteams der Liga - die sich inzwischen darauf eingestellt hatten, dass im Herbst 2007 nicht mehr die Punkteverschenker des Frühjahrs 2007 unterwegs waren - ein konzentrierter Fußball gespielt werden musste, der vielleicht nicht so schön sein würde wie der Traumfußball der ersten drei Spieltage. Die von der Presse herbeigeredete Krise allerdings war übertrieben, denn beide Spielen hätten konzentriertere Bayern gewinnen können und vom 6. bis zum 10. Spieltag kehrte der FC Bayern zurück, den man Anfang der Saison zu fürchten gelernt hatte. 15 Punkte und 15:2 Tore, darunter auch ein 5:0 Triumph über Energie Cottbus. Zugegeben, das ist kein Spitzenclub, aber auch solche Mannschaften sind nicht nur als willige Opfer in der Liga. Wie ja Wolfsburg gestern auf brutalstmögliche Art mitbekam.

That being said: Irgendetwas ist zwischen Spieltag 10 und Spieltag 11 geschehen. Denn das Team das seitdem in Stadien quer durch Europa aufläuft, das ist nicht das Team das in der ersten Saisonhälfte unterwegs war. Ich kann nicht sagen, was passiert ist. Dass es nur am bösartigen Spielplan des “Fiat Punto Clio Cup” und der Ermangelung eines dritten Sonntagsspiels liegen soll, das halte ich nur für marginal glaubwürdiger als die Erklärung, dass Thomas Schaaf sich mit den Raëlianer zusammengetan hat, die den gesamten Bayernkader geklont haben, dabei aber jeden Funken Spielfreude dadurch ausgeschaltet haben, dass sie jedem Klon zumindest teilweise ballack’sche DNA einpflanzten. Bei Licht betrachtet halte ich die Klontheorie sogar für glaubwürdiger. Gab es nicht mal Gerüchte das Bremens Ex-Manager Willie Lemke für den Geheimdienst tätig war? Der könnte sowas sicher organisieren, oder?

Egal. Seit dem 11. Spieltag ist das da, was man an Spieltag 4 und 5 schon herbeischreiben wollte: Die Krise. Und ja, wir sprechen hier von Jammern auf dem hächsten Niveau, aber es gibt Grund zum jammern. Und wenn Uli Hoeneß jetzt sagt: “Man muss aufhören, ständig unzufrieden zu sein, denn wir sind Herbstmeister“, dann hat er damit natürlich Recht. Aber, ganz im Ernst, glauben tut er das doch selbst nicht. Außer natürlich die fiese werderbremianisch-raëlianische Weltverschwörung hat auch Uli Hoeneß geklont und ihm die DNA seines Bruders Dieter verpasst.

Die Bilanz der letzten sieben Bundesligaspiele spricht für sich. Zehn von 21 möglichen Punkten, dazu ein trostloses Torverhältnis von 4:4. Nur gegen Wolfsburg hat es der FCB geschafft mehr als eine Bude zu machen und gleich vier Mal durften die Spielberichtler jenes Kleinod deutscher Lyrik auspacken, das da heißt “Tore: Fehlanzeige”.

Das Problem ist, dass die Gegner inzwischen wissen, wie sie mit dem FC Bayern 2.0 umzugehen haben. Besonders die spielerisch schwächeren Teams. Der Trick ist es, Franck Ribéry auszuschalten. Der Herz und Gehirn der neuen Bayern ist. Kommt Ribéry nicht zum Zug, dann spielt auch der restliche Verein so wie letztes Jahr, kurz bevor die USA - gegen den Willen des Weltsicherheitsrats - in München einmarschierten und Felix Magath wegen Verbrechen gegen die Spielkultur in Garching aus einem Loch im Boden zerrten. Teams die versuchen Ribéry auszuschalten und dabei auch zu gewinnen, mit denen kann der FCB einigermaßen umgehen. Aber sobald andere Teams anfangen mit einem 10-0-0-System auf 0:0 zu spielen, ist die Offensive der Bayern ausgehebelt.

Die traurige Wahrheit ist, dass wir zwar Herbstmeister sind, man aber fast jedes Unentschieden (Dortmund mal ausgenommen, dass hätte in beide Richtungen schwingen können) hätte in einen Sieg verwandeln können. Und das nicht nur vom spielerischen Potential her. Man schaue sich mal das Spiel gegen Eintracht Frankfurt an, dass dem gegen Hannover 96 glich: Oliver Kahn kommt im ganzen Spiel 9 Mal mit dem Ball in Kontakt und könnte sich eine kleine Cabana im Strafraum basteln und sich da dann die Bundesligakonferenz im Radio anhören. Damit er am Samstag zumindest irgendwas mit Fußball zu tun hat.

Der restliche FCB drischt derweil fast 40 Mal das Runde aufs Eckige der Frankfurter. Aber, anders als gegen 96, schafft er es keine Bude zu machen. Was in gewisser Hinsicht auch eine Leistung ist, aber fieserweise vom DFB nicht mit Bonuspunkten belohnt wird. Zumindest Fair-Play-Punkte sollte es geben, dass man so freundlich darauf verzichtet hat die Frankfurter sturmreif zu schießen und zum Heulen zu bringen. Was dann dazu geführt hätte, dass - aus der ohnehin eher klammen Vereinkasse - die Ergotherapie für Oka Nikolov bezahlt werden müsste, der sich beim zwanzig Mal hinter sich greifen den Rücken verrenkt hätte. Gute Menschen, diese Bayern. (Der Fairness halber: Nikolov hätte in dem Spiel jeden Ball gehalten, selbst wenn die Bayern auf internationale Spitzenspielzüge wie den Teufelsdreier gesetzt hätten.)

Bei der bisher einzigen Saisonniederlage gegen Stuttgart, aber auch bei den anderen Unentschieden, wirkte das Spiel des FC Bayern stellenweise so lust- und ideenlos, dass ich immer mal wieder sicherheitshalber den Videotext einschalten musste um sicher zu gehen, dass ich nicht durch ein Zeitloch gefallen und im Herbst des letzten Jahres gelandet war. (Sollte das doch passiert sein, liebe Leser, setzen Sie bei Oddset lieber nicht zuviel darauf, dass der nächste Europameister England heißen wird. Nur so als Tipp, mit dem ich hoffentlich nicht das Raumzeitkontinuum zerstöre.) Die Flügel im Spiel des FCB waren meist verwaister als die deutschen Autobahnen am autofreien Sonntag und die Unschlagbarkeit der internationalen Spitzentaktik “immer hoch und durch die Mitte, irgendwas muss ja reingehen” scheint sich in der restlichen Liga noch nicht rumgesprochen zu haben.

Die Mannschaft steht und fällt mit Franck Ribéry. Was für dessen Klasse spricht, aber leider nicht für die Klasse des restlichen Teams. Das sah man auch heute wieder. Am Anfang und am Ende, als Ribéry sich voll reinkniete, da wirkte es so, als könne der FCB gewinnen. In der Phase dazwischen, als Ribéry voll manngedeckt war, entschloss sich der FC Ribéry in einen verspäteten Solidarstreik mit den GDL-Lokführern zu treten. Hoeneß hat natürlich Recht: Wir sind Herbstmeister. Wenn auch nur wegen der üblichen Unfähigkeit der restlichen Liga. Wer rechnet schon damit, dass sich die Weserkicker in der Vorwoche von Hannover 96 (wir erinnern uns: das Spitzenteam das diese Woche von Cottbus gedemütigt wurde) mit 4:3 schlagen lässt?

Aus einer rein gewinnorientierten Sicht ist das Minimalziel erreicht. Aber wenn das Festgeldkonto wirklich nur aufgebrochen wurde um diese Saison gegen Teams wie Frankfurt, Dortmund, Hertha und Duisburg nicht zu verlieren (Gewinn optional, aber nicht zwingend erforderlich), dann habe ich vielleicht ein falsches Anspruchsdenken. Aber, wie oben schon verzapft, das was der Hoeneß da sagt, das glaubt er ja selbst nicht.

Erste Zwischenrunde: Fiat Punto Clio Cup

Anfang der Saison, es war nach dem ersten Spieltag, da schrieb jemand im kicker (war es Karl-Heinz Heimann, der oft den Scheinwerfer, gelegentlich aber auch am Rad dreht?), dass der FC Bayern mit seinem diesjährigen Kader ein Favorit auf den Gewinn der Champions League wäre. Nach bisher fünf Spielen im Fiat Punto Clio Cup kann man dazu festhalten: Ääääääht, falsch.

Denn wirklich guten Fußball hat der FCB dieses Jahr im internationalen Unterhaus noch nicht gezeigt. Gut, das ist nicht im Ansatz so katastrophal wie die CL-Saison 2002/2003, als man mit 2 Punkten aus sechs Spielen heimfuhr, aber für ein Team das sich selbst eher an Real Madrid, dem AC Milan oder dem FC Chelsea, denn am AZ Alkmaar, dem AE Larisa oder Kommentatorenschreck Dnjepr Dnjepropetrowsk messen lassen will, sollte schlicht mehr drin sein. Wenn schon die Herbstmeisterschaft primär darauf zurückzuführen ist, dass die anderen Teams es hassen Chancen zu ergreifen, dann gilt das in dieser Gruppe des Fiat Punto Clio Cups erst Recht: Mit soliden 5 Punkten aus 3 Spielen hat man am kommenden Mittwoch immer noch die Chance Gruppensieger zu werden. Oder gegen den punktgleichen Tabellenzweiten aus Griechenland rauszufliegen. Auch das würde ich der Mannschaft in der derzeitigen Form zutrauen.

Das beeindruckendeste an der bisherigen internationalen Spielzeit war definitiv der “Rasen” der uns im Spiel gegen Roter Stern Belgrad präsentiert wurde. (Ich würde es Acker nennen, aber dann würden mich die gesammelten Teilnehmer an Bauer sucht Frau wegen Rufschädigung abmahnen lassen.) Hey, Roter Stern, ich finde es ja toll, dass ihr ein Mahnmal habt um den Greueln des Kosovo-Krieges zu gedenken… aber müsst ihr das Teil ausgerechnet in eurem Stadion auslegen?

Anyway, die Vorrunde durch zwei - nie wirklich gefährdete, aber auch nicht sonderlich souverän wirkende - Arbeitssiege überstanden und dann in der Gruppenphase… *sigh*… sowohl gegen Braga (das Stadion mit der malerischen Naturkulisse, die als Spielfläche sicher geeigneter ist als das Rasenimitat in Belgrad), als auch gegen Bolton (wir erinnern uns, die Stadt mit der horrenden Gangkriminalität, die nicht Ipswich ist) wären Siege zwingend erforderlich gewesen, hätte man nicht fahrlässig Chancen im Familienpack verschenkt und den Gegner quasi eingeladen doch bitte den Ausgleich zu erzielen. Schriftlich eingeladen. Wobei man die Einladung mit einem Tintenfüller in Handschrift verfasste. Und mit kleinem Herzchen über dem i von Ausgleich versah.

Bolton, herrje, die standen zum damaligen Zeitpunkt auf Platz 19 der Premier League, hatten in 12 Spielen einen ganz Sieg eingefahren (ein Gefühl, dass ich als Bayernfan wohl auch noch diese Saison kennenlerne, wenn der Hang zum 0:0 anhält) und feiern das 2:2 als eines der größten Erfolgserlebnisse der Vereinsgeschichte. Und ganz im Ernst, der Sieg gegen Belgrad war auch das exakte Gegenteil von eindeutig. Zumindest konnte Belgrad so zwei Tore schießen. Wäre ja ärgerlich, würde man ganz ohne Torerfolg aus der Gruppenphase scheiden, gell?

Auch hier zeigt sich der neue, menschliche FC Bayern, der in dieser Form Chancen auf den Friedensnobelpreis nächstes Jahr hat. Am Mittwoch wird es entscheidend. Für den FCB im Allgemeinen, für Hitzfeld im Speziellen. Denn ein Ausscheiden in der Zwischenrunde des Fiat Punto Clio Cups mit dieser Truppe - gegen Fußballgroßmächte wie eben Bolton, Belgrad oder Braga - dürfte im Bayern-Schmachschrank im gleichen Regal landen wie das 0:1 damals gegen Vestenbergsgreuth. Sollte es so kommen, man darf die Schuld bei sich selbst suchen. Denn mit den bisher verschenkten vier Punkten wäre man sicher in der nächsten Runde und könnte jetzt gelassen der Winterpause entgegensehen.

Hilde, der FC Hollywood ist wieder da

Lange war er verschollen, der gute, alte FC Hollywood. Einige vermuteten, dass er ins Bernsteinzimmer gezogen wäre und dort Yes-Törtchen verspeiste, während er zusammen mit dem Yeti William Shakespeares Xenomorph las und sich von mehreren verlorenen Symphonien Schuberts berieseln lies. Wieder andere vermuteten, er wäre zusammen mit Amelia Earhart nach Atlantis gezogen, wo er für Stefan Effenberg eine Hörbuchversion der Hitlertagebücher aufnehme. Egal was die Wahrheit sein mag: Seit November ist er wieder da, jener FC Hollywood, dessen bloße Erwähnung bei der Sportjournaille zu multiplen Orgasmen führt.

Alles begann mit dem unglücklichen saudummen 2:2 gegen Bolton. Danach machte Kalle Rumpelstilzchen seinem Spitznamen alle Ehre und nahm Ottmar Hitzfeld öffentlich aufs Korn: “Wenn man zu so einem Spiel 66.000 Zuschauer ins Stadion bringt, haben die ein Recht auf die beste Mannschaft und nicht auf irgendetwas anderes. Fußball ist nicht Mathematik. Ich sage nicht, wen ich dafür kritisiere. Ich sage nur: Ich bin stocksauer. [...] [Podolski und Ribéry] Die beiden haben Extraklasse gespielt, aber leider nur 65 Minuten.” Unrecht hatte Rummenigge damit natürlich nicht, die Frage war nur, ob man das Bitchfest so in die Öffentlichkeit tragen und Hitzfeld damit das erste Bein des Trainerstuhls unterm Hintern wegschießen musste. Hitzfeld giftete zurück: “Ich hoffe, dass ich das Fußball-Einmaleins kann.

Anschließend fuhren Hoeneß, Rummenigge und Hitzfeld gemeinsam in den Stadtwald um einen Baum zu holen, der jetzt brennen konnte. Seit Rummenigges Frontalangriff auf den Fußballlehrer aus Lörrach wurde von der Vereinsspitze kein Mistelzweig in Richtung Hitzfeld gereicht, der Trainer wurde nicht öffentlich aus der Schußlinie genommen. Eine Verhaltensweise, die nicht nur mir bekannt vorkommen dürfte. Felix Magath erging es letzte Saison nicht anders und auch die erste Abschiebung Hitzfelds verlief nach einem ähnlichen Muster.

Eines steht, so wie es bisher aussieht, fest: Ottmar Hitzfeld wird nächste Saison nicht mehr an der Säbener Straße trainieren. (Und ich fragte ja schon, wieso er sich den Job überhaupt nochmal angetan hat..) Die Frage ist nur, ob er das Minenfeld FC Bayern bis 2009 überleben wird. Mit der Herbstmeisterschaft ist, egal wie knapp, das Minimalziel erreicht. Aber sollte der FC Bayern am Mittwoch aus dem Cup gekegelt werden, dann sollte man nicht ausschließen, dass schon zu Beginn der Rückrunde ein neuer Mann am Spielfeldrand stehen wird. Und bei der angespannten Stimmung, die derzeit vom Präsidium ausgeht, ist auch nicht garantiert dass Herbstmeisterschaft und weiterkommen den Verbleib Hitzfelds bei den Bayern garantieren. Yep, ein Trainer dessen Team in dieser Saison nur einmal verloren und nur 8 Gegentore kassiert hat, steht nach dem Abschuß Middendorps bei Bielefeld (keine Sorge, Arminia, der kommt wieder… das tut er ja immer) ganz weit oben auf der Liste der Wackelkandidaten. Der FCB hat seine eigenen Gesetze.

(Wobei man natürlich Kalle Rummenigge fragen darf, ob es bei der Suche nach einem potentiellen Nachfolger hilft, dass man den Trainer auf diese Art offen zum Schafott führt. Internationalen Spitzentrainer dürfte der Aktionismus des Präsidiums, das ja ohnehin als nicht sonderlich zurückhaltend bekannt ist, nicht eben wie eine Einladung mit offenen Armen erscheinen. Wenn das so weitergeht, dann wird vielleicht Kalle R. unter Beweis stellen müssen, was er in seinem eigenen SNES-Spiel so alles gelernt hat und den FCB höchstpersönlich zum Gewinn des Uefa Cups der Champions League der Fußballweltmeisterschaft führen müssen.)

Kaum dass die Hitzfelddebatte in den Hintergrund zu treten drohte, kam es zur nächsten Schaueinlage. Die Fans mussten sich mit der Nationalelf rumlangweilen, da entschloß sich Herr Hoeneß persönlich in die Bresche zu springen und explodierte publikumswirksam auf der Jahreshauptversammlung. Natürlich kam, wie zu erwarten war, der Trapattoni-Vergleich, weil die Damen und Herren vom Sportboulevard halt auch davon leben, jedes noch so kleine Ereignis zu einer ZOMG!-Katastrophe nie gesehenen Ausmaßes aufzublasen. Was nichts daran ändert, dass Hoeneß Auftritt unglücklich war. Gut, ich bin nun sicher kein Fan der “Wir sind bessere Fans als wie ihr!”-Attitüde einiger Ultras und der Mann musste sich ein paar sehr debile Fragen und Vorwürfe gefallen lassen (”Herr Hoeneß, warum hat der Geheimdienst des FC Bayern weder den 11. September, noch die Hypothekenkrise verhindert?”)… aber jeder Vorwurf ging wohl nicht ins Leere. Besonders was die Stimmung im Stadion angeht, die zumindest zum Teil durch Umgestaltung des Blockssystems geändert werden könnte. (Wobei ich als Distanzfan da natürlich auf die Stadiongänger Thomas und Probek verweisen würde.) Aber der Ausbruch war… ungeschickt.

Besonders weil Hoeneß direkt danach im Blickpunkt Sport noch ein paar weitere Schippen ins Feuer legte. Wer mal wissen will, wie es so in einer Diktatur aussieht, wenn sich el Presidente von den gleichgeschalteten Medien die Füße lecken lässt, der muss nur mal Blickpunkt Sport im BR angucken, wo Hoeneß unwidersprochen die hiesigen Ultras vom Club 12 und der Schickeria München mit den rechtsgerichteten, radikalen Ultras in Italien gleichsetzt und sie zu geheimen Untergrundorganisationen stilisiert, die sich (how shocking!) im Netz nicht mit Klarnamen zu erkennen geben, sondern Pseudonyme verwenden und sich weigern dem FCB Namen und Adresse bekannt zu geben. Und die Hofpostille Sport-ZEITUNG teasert daraufhin: “Hoeneß fürchtet um sein Leben.” Wobei es eigentlich nur darum geht, dass Hoeneß mit seinem Rücktritt droht.

Während auch diese Bagatelle bald aus dem öffentlichen Blickfeld verschwunden war, nistete sich der FCB - siehe oben - sportlich im Mittelfeld ein und präsentierte sein neues Credo: “Die Null muss stehen - vorne und hinten!” Und aus Angst, dass die Presse den Spaß an den Torschußverweigerern im Schlauchboot verlieren könnte, ging es dann letzte Woche nochmal richtig rund: Hitzfeld schmeißt Kahn aus dem Aufgebot für das Spiel gegen Hertha! Wobei nicht ganz klar ist, warum. Die offizielle Erklärung: Kahn verließ die Weihnachtsfeier des FCB ein paar Stunden zu früh um mit Deutschlands bekannster D-Prominenter Verena K. abzuzappeln (deren Stellung als Kapitöse im All Star Team der Spielerfrauen inzwischen bedroht wird von Loddars Neuer). Das verstieß gegen die Vereinstradition - erst richtet der Kapitän ein paar Worte an die Sponsoren, dann macht der Präsident der Sekretärin ein Kind - weshalb Hitzfeld durchgreifen musste.

Aufgrund der akut angespannte Situation geisterten natürlich auch genügend andere Versionen herum: Kahn wurde suspendiert, weil er im Kicker die neuen Stars Toni und Ribéry kritisiert hatte. Hitzfeld griff zu diesem drastischen Mittel, um den Spielern zu zeigen, dass er noch nicht weg ist und sich auch nicht so leicht wegbekommen lässt. Und hat zu diesem Zweck auch gleich ihn hier als offiziellen Pressesprecher des FC Bayern eingestellt. Alternativ kann es auch sein, so munkelt man, dass Hitzfeld gar nicht von sich aus gehandelt hat, sondern auf Druck aus dem Präsidium. Auch das möchte man, wenn man den Führungsstil von Rummeneß bedenkt nicht ausschließen.

Kaderschmiede: Die Einzelkritiken

Der Trainer: Man muss kein Pessimist sein, um zu sehen das Ottmar Hitzfelds Zeit beim FC Bayern abläuft. Die Frage ist nur: Wann? Läuft es gut, dann wird Hitzfeld die Saison überstehen. Scheidet der FC im DFB Pokal aus oder fällt er in der Tabelle auf Platz 2, dann wird es eng für den sympathischen Proffi mit Doppel-F. Und sollte der FCB am Mittwoch im Fiat Punto Clio Cup ausscheiden, dann würde nicht darauf wetten, dass die Trainingseinheiten im Januar 2008 noch von ihm geleitet werden. (Angeblich steht der Fluchtjet zu den Gnomen von Zürich ja schon auf Abruf bereit.)

Die Kritik an Hitzfeld ist nicht völlig unbegründet: Auch mit der neuen Startruppe verfällt er gerne in Muster, die schon das Ende seiner letzten Trainerphase beim FCB so unschön gestalteten. Da ist zum Beispiel die Tendenz zur Defensivtaktik. Muss man gegen eine Mannschaft wie Frankfurt oder Duisburg - die offensichtlich nicht wissen, dass das Spielfeld jenseits der eigenen Hälfte weitergeht - tatsächlich starr auf der Viererkette beharren? Müsste man da nicht, auf die Gefahr sich einen Konter zu fangen, drücken bis zum geht nicht mehr und versuchen die Frankfurter schwindelig und müde zu spielen? Statt kurz vor Schluß nochmal zu ziehen und ein Schlaudraff oder Kroos zu bringen, wird dann lieber der eine Punkt verwaltet und ein Willy Sagnol eingewechselt. Sicher: Ein Punkt ist ein Punkt. Aber wenn man zwei Mal ein 0:0 verwaltet, dann hat man immer noch einen Punkt weniger als wenn man einmal durch einen Konter in der Schlußoffensive verliert, aber dafür das nächste Mal gewinnt.

Und da ist Hitzfelds Tendenz dazu Ergebnisse, egal wie knapp der Vorsprung ist, zu verwalten. Solange das gut geht: Fein. Aber es geht eben nicht immer gut. Siehe Bolton. Da führte man 2:1 und Hitzfeld nahm mit Ribéry, Schweinsteiger und Podolski die kreativen Elemente des Spiels schon früh vom Platz. (Podolski ging, er sollte sich für das Wochenende schonen, schon nach Minute 58.) Das Resultat: Bayern spielte den Ergebnisfußball der letzten Jahre. Mit dem bekannten Ergebnis. In diesem Fall war das ein 2:2.

Aber: Man muss Hitzfeld auch Dinge zugestehen. Er hat eine denkbar ungünstige Position. Zu Saisonbeginn, als alles nach Plan lief, da wurde so getan, als bräuchte das Team keinen Trainer. Als würden Ribéry, Klose und Toni das ganz unter sich ausmachen. Jetzt wo es plötzlich mies läuft, soll nur Hitzfeld alleine schuld sein? Ach komm. Gut gezz, saufen und kotzen gleichzeitig kann selbst der FC Bayern nicht. Hitzfeld ist derjenige, der den Umbruch beim FC Bayern forciert hat. Ohne ihn gebe es die Neuzugänge wohl nicht. Und die Neuzugänge sind wichtig: Bisher wurden 27 Bayernbuden von den neuen Spielern geschossen, nur 4 Tore wurden von Spielern erzielt, die schon letzte Saison da waren. Das spricht eine deutliche Sprache. Und er hat es geschafft ein stabiles Mittelfeld zu basteln, das eben nicht nur aus Ribéry besteht, sondern in dem auch van Bommel, Demichelis und Zé Roberto wiederholt Spitzenleistungen gebracht haben.

All das sollte man nicht übersehen. Hitzfelds Schlüsselaufgabe wird es sein, über die Winterpause hinweg den FCB zusammenzuschweißen, zu einer Einheit zu machen - man hört ja viel darüber, dass eine klare Trennung zwischen den Deutschen (mit Ehrengast Mark van Bommel) und den schlecht integrierten ausländischen Stars bestehe. Und einen Weg zu finden, die Lethargie zu brechen, Spielfreude zu wecken und die Spieler zu motivieren. Eine schwere Aufgabe, die nicht gerade erleichtert wird, durch das Damoklesschwert (Otto Rehagel Gedächtnisversion) das über seinem Kopf baumelt.

Die Torhüter: Ich wollte zwar das Rensing mehr Spielpraxis bekommt, aber doch nich auf diese Art und Weise. Egal, durch Verletzung oder Ausmusterung Kahns hat Rensing in dieser Saison schon 8 Mal spielen dürfen und dabei nur sieben Gegentore kassiert. Gute bis solide Leistungen erbrachte er, aber gelegentlich - etwa beim 2:3 gegen Belgrad - wirkte er etwas unsicher. Ich gehe aber stark davon aus, dass die Routine noch kommt. Die Bundesligareife hat er bisher auf jeden Fall bewiesen. Bei Oli Kahn droht derweil der Abriss des eigenen Denkmals. Eine Suspendierung wäre vor einigen Jahren selbst dann nicht angedacht worden, hätte er ein Loch in Andreas Herzog getreten. Die Gerüchte davon, dass Kahn im Verein isoliert ist und keinen Fürsprecher mehr hat, scheinen sich zu bestätigen. Es wäre bedauerlich wenn Oli Kahn auf die gleiche Art bei Bayern ausscheiden würde, wie damals Lothar “Nicht mal Greenskeeper” Matthäus. Denn die Saisonleistung ist bisher, wenn er mal beschäftigt ist, auf gewohnt hohem Niveau. Bernd Dreher freut sich derweil auf die Rente und keinen Bock nochmal ran zu müssen. Der hofft einfach nur, dass er nicht doch noch Ersatzkeeper wird, sollte Oli Kahn noch während der Saison komplett aus dem Kader geworfen werden.

Die Abwehr: Die Verteidiger des FC Bayern haben ja bisher wenig zu tun gehabt. Mit 8 Gegentoren ist man da Ligakönig. So wenig Buden hat in den letzten zehn Jahren kein anderer Herbstmeister kassiert. Was zum Teil auch daran liegt, dass viele Vereine diese Saison vor den FCB stehen wie das Kanninchen vor der Schlange und jede Sturmbemühung einstellen, aus Angst sie könnten sich sonst ein Gegentor einfangen. Aber: Wenn der Gegner doch mal durchkommt und kontert, oder so wie Stuttgart richtig Druck macht, dann sieht das stellenweise schon eher ungelenk aus, da hinten. Christian Lell beispielsweise ist bestenfalls ein Notnagel. Ein talentierter Notnagel vielleicht, aber nicht bundesligareif. Dafür ist er dann doch noch zu unerfahren. Seine 16 Einsätze in diesem Jahr liegen auch am Verletzungspech der anderen Defensivspieler. (Btw: Lell lebt ganz offensichtlich Berti Vogts Credo aus, dass Gewalt nicht ins Stadion gehört sondern zuhause mit der Freundin ausgelebt werden sollte. Ob das wohl für einen Posten in der nigerianischen Nationalelf reicht?)

Verletzungspech. Beweisstück A: Jansen, Marcell. Der Neueinkauf war - auch hier zeigte Hitzfeld Händchen - dieses Jahr noch das Beste was defensiv über die Außen spielte. Jansen machte einen besseren Eindruck als Lell oder Philipp Lahm. Zumindest bis ihn der Bänderriss Anfang November außer Gefecht setze. Bleibt zu hoffen, dass er nach seiner Rückkehr ins Team nicht unter ähnlichen Nachwehen leidet wie Podolski, Schweinsteiger oder besagter Lahm. Der wirkt nämlich im Spiel gehemmt und erschreckend unaggressiv. So als habe er Angst, er könne sich erneut verletzen. 2009 endet der Vertrag und angeblich habe der Nationalspieler für die Zeit danach schon bei Barca unterschrieben. Sollte dem so sein, dann sollte man - bei der bsiherigen Form - darüber nachdenken ob man ihn nicht schon jetzt gehen lässt. 15 Millionen soll er angeblich wert sein. Das könnte, bei seiner bisherigen Leistung, eine gute Abfindung sein um einen langfristigen Ersatz zu suchen.

[Edit: Hier stand mal der Blödsinn, dass Hannover 96 dem FCB 8,5 Millionen für den unzufriedenen Valerien Ismaël überweist. Das kommt daher, dass ich - wie Boris zu Recht in den Kommentaren anmerkt - zu blöd bin Pressemitteilungen zu lesen. Tatsächlich überweist Hannover 96 nur 200.000 Ecu. Was für die Leinekicker billig ist und für Bayern ein weiterer gefloppter Großtransfer. Aber: Immer noch besser als Ismaël bis zum Vertragsende sein Gehalt auszahlen zu müssen.]

Apropos unzufrieden. Das ist Daniel van Buyten der diese Saison seine Zeit auf Bank und Tribüne absitzt, bis er verkauft wird. Nach dem grottigen letzten Jahr ist er dieses Jahr kein integraler Teil der Abwehr mehr. Und auch Willy Sagnol will weg. Der war von April bis November verletzt und dann unzufrieden, dass er nicht sofort wieder in der Startelf gesetzt war. Was, bestenfalls, ramdösig ist. Lell ist keine Bedrohung, Lahm spielt bisher eine schwache Saison, Jansen ist verletzt, Ismaël geht zu den 96ern, Lucio ist gesperrt und van Buyten irrelevant. Da wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, ehe der Franzose wieder die Abwehr dirigiert hätte. Die Freigabe, sagt die Presse, hat Hoeneß ihm erteilt. Man habe sowieso zu viele Spieler. Zur Strafe wurde Sagnol aber im Fiat Punto Clio Cup noch für ein paar Sekunden auf den Platz geschickt. Wechselt er nicht zu einem Championsleaguisten, so wird er diese Saison international nicht mehr tätig.

Lucio spielt derweil, nachdem er sich letztes Jahr dem Niveau der Restmannschaft angepasst hatte, eine hervorragende Saison. Nach dem Ausfall Sagnols war er der klare Abwehrchef und auch in schlechten Spielen einer der motiviertesten Männer auf dem Platz. Sicher stehend, gut ordnend… bis er sich dann in Stuttgart übermotiviert die Rote abgeholt hat und damit bis zum Start der Rückrunde gesperrt wurde. Wo so viele gehen, könnte es sein dass Mats Hummels, bayerisches Jungtalent, in der Rückrunde sein Ligadebut gibt. Außer er geht leihweise zum BVB, der angeblich Interesse an ihm hat. Als Ausgleich für den Weggang von Ismaël und den potentiellen Abgang von van Buyten und Sagnol kommt ab Jännar 2008 Breno. Der ist 18 Jahre alt, laut Giovanne Elber 18 Millionen Dollar wert (Nachtrag: wobei, der Dollarschwäche wegen bekommt dafür ja im Intersport heute kaum noch ‘nen Sack Trainingsbälle), ein Jahrhunderttalent - zumindest aber Weltklasse - und Brasilia… ach, scheiße!

Es gibt so Wortkombos die will man nicht lesen. Sowas wie “Gesetzesentwurf”, “durchgewunken” und “Schäuble”. Oder “Deutscher”, “Meister” und “Schalke”. Und eben “Jahrhunderttalent”, “Bayern” und “Südamerika”. Ich will nicht pessimistisch wirken, aber die Vereinshistorie lässt da nicht mehr als sehr vorsichtigen Optimismus zu. Erinnert sich noch jemand an das Jahrhunderttalent Roque Santa Cruz? Und haben wir nicht diese Saison ein Jahrhunderttalent im…

Mittelfeld: Stimmt. Und zwar Sosa. Für den hat man 9 Millionen auf den Tisch gelegt. Im Gegenzug spielte der gute Mann diese Saison schon volle 134 Minuten (Liga + Fiat Punto Clio Cup) in denen er exakt 0 Tore erzielte, aber immerhin auch 0 Vorlagen gab. Und gegen den BVB, wo er mal einen langen Einsatz hatte, zeigte sich, dass es letztlich egal ist ob er auf dem Platz steht oder man mit 10 Spielern aufläuft. Bisher ein typisches Bayerntalent. 99% der Südamerikaner spielen wie junge Götter. Irgendwie schafft es der FCB sich immer das andere 1% zu importieren. Auch das ist eine Leistung.

Abgesehen davon ist das Mittelfeld diese Saison kaum zu beanstanden, zumindest wenn es gut läuft. Fangen wir da an, wo es selbst dann noch Beanstandungen gibt. Ottl ist - wie Lell - eher ein Ergänzungstalent als ein Stammspieler. Und Bastian Schweinsteiger ist von seiner WM-Leistung immer noch weiter entfernt als Kurt Beck von der Kanzlerschaft. Schwaches Passspiel, kaum Zug nach vorn und nur selten gehen kreative Impulse von ihm aus. Was aber auch daran liegt, dass Schweini sich zu Scholl oder Deisler 2.0 entwickelt: Das Talent ist da, wird aber vom Verletzungspech ausgehebelt. Bei Schweini ist es das linke Knie, an dem er schon die ganze Zeit laboriert. Ist es die Borrelliose? Sind die Zähne schuld? Oder hat ihn Lukas Podolskis Freundin von Papa Shango mit einem fiesen Voodoo-Fluch belegt? So lange das Knieproblem nicht behoben ist, wird Schweini wohl weiter seiner alten Form hinterherlaufen.

Während alles von Ribéry schwärmt, wird übersehen dass einer der wichtigsten Mittelfeldeinkäufe dieser Saison der Rückkehrer Zé Roberto ist. Der spielt, als wäre er nie weggewesen und gibt dem Mittelfeld nach hinten eine Sicherheit, die in der letzten Saison komplett gefehlt hat. Lucios gute Leistungen gehen auch darauf zurück, dass er und Zé perfekt miteinander harmonieren. Und zusammen auch noch Martín Demichelis mitziehen, der zum ersten Mal seit er 2003/2004 zum FCB wechselte, konstant die Leistung zeigt, die uns damals versprochen wurde. Und auch Zé muss für seine Konstanz gelobt werden: Denn selbst in Phasen in denen Altintop und Ribéry schwächeln, hängt sich der brasilianische Senior voll rein. Respekt.

Hamit Altintop hat derweil, zumindest in der ersten Hälfte der Hinrunde, auch geglänzt und sich wohlig in die Rolle von Brazzo Salihamidzic eingefügt. Drei Tore, vier Vorlagen, kreatives und motiviertes Spiel. Respekt an Hitzfeld, dass er den - von mir als Bankdrücker eingeschätzten - Ex-Schalker so gut ins Spiel integriert hat. Neben Zé und Ribery war er zu Beginn der Saison definitiv die tragende Säule im Mittelfeld. Leider gilt auch hier, dass dem Höhenflug der tiefe Sturz folgte. In den letzten Spielen wirkte Altintop erschreckend lustlos und ausgelaugt. Hoffen wir, dass die Winterpause ihn zur alten Form zurückbringt.

Was auch für den Star des Teams gilt: Franck Ribéry. Der ist, so dämlich das klingt, zu wichtig für den FCB. Spielt Ribéry sein Spiel, dann ist der FC Bayern zumindest national nicht zu stoppen. Wenn er zaubert, dann zaubert er wirklich auf Weltklasseniveau und bringt eine Magie in die Bundesliga, das bisher der Serie A, der Primera Divisiona oder der Premier League vorbehalten schien. (Bremen hat das am eigenen Leib gespürt.) Geschwindigkeit, Technik, Spielübersicht, Tricks… das ist wirklich der Hammer. Nur: Ist Ribéry verletzt (wie gegen Dortmund), ist er gut gebunden oder hat keine Lust (angeblich soll ihm der deutsche Winter zu kalt sein), dann spielt der ganze FC Bayern so, als wäre das ballackförmige, Spielfreude fressende Monster der letzten Jahre wieder zurück. Und das war in den letzten Wochen zu oft der Fall.

Es ist schwer zu sagen, was man dagegen tun soll. Der FC Bayern kann sich nicht voll darauf konzentrieren Ribéry von den restlichen Gegnern abzuschirmen. Ein zweiter Kreativspieler im Mittelfeld wäre derzeit Gold wert. Denn derzeit weiß der Gegner: Alles auf Ribéry einstellen und die Bayern sind entmannt. Und spielt das auch oft genug, was nicht mehr möglich wäre, müsste man auf zwei Mittelfeldzauberer aufpassen. Die andere Hoffnung ist, dass die Gegner es schaffen den vernarbten Spaßvogel so richtig wütend zu machen. Denn wenn er wirklich wütend ist, dann wird er euch nicht gefallen. Das haben die Bielefelder Fans erleben müssen. Die Genialität ist da. Allein an der Konstanz mangelt es derzeit.

Das zweite Kreativzentrum könnte, in der nahen Zukunft, Toni Kroos werden. Der war stellenweise sehr stark (gegen Cottbus), stellenweise sehr schwach (gegen Bielefeld), aber für seine 17 Lenze ist der Knabe ungeheuer beeindruckend. (Vielleicht kauft ihn ein südamerikanischer Verein für 20 Millionen Euro.) Es gilt jetzt Kroos langsam aufzubauen, ihn nicht zu stark zu pushen, aber ihn trotzdem schrittweise in die erste Mannschaft einzuführen. Das Talent hat er, weshalb er - wenn er auf dem Platz steht - selbst als Junior die Freistöße schießen darf. Und: Ohne Kroos wären wir womöglich nicht einmal über die erste Runde des Fiat Punto Clio Cups hinausgekommen.

Mark van Bommel lebt derweil auf, jetzt wo er nicht mehr das ganze Mittelfeld auf seinen Schultern tragen muss. Stellenweise entwickelt der gallig-rumpelfüßige Antreiber sogar sowas wie Spielkultur. Allerdings ist er auch deutlich hinter Ribéry und Zé nur noch die Nummer Drei im Bayernmittelfeld. Und er muss eine neue Rolle für sich finden, gelegentlich wirkt er wie ein Fremdkörper im neuen Mittelfeld. Vielleicht kann van Bommel die Rolle eines Eishockey-Goons übernehmen, dessen Aufgabe es dann wäre die Gegner so einzuschüchtern, dass sie Ribéry nicht einmal mehr böse angucken. Weder auf dem Spielfeld, noch nachher im Fernsehen in der Sportschau. Das sollte er können…

Sturm: Ich habe es gesagt, und ich sage es nochmal: Wir haben zu wenig Stürmer. Erinnert sich noch jemand an das Spiel gegen Lissabon? Poldi hatte die Vogelgrippe, oder sowas. Schlaudraff war weiterhin langzeitverletzt und Kloses Knie war kaputt. Als einzige Spitze blieb Luca Toni. Gut da ist noch Sandro Wagner, der bisher vier Mal kurz vor Schluß eingewechselt wurde, aber dem Knaben fehlt es (noch) am Killerinstinkt. Wir brauchen einen echten fünften Stürmer, so ein Engpass kann ganz schnell wieder kommen.

Wobei natürlich nicht nur Sandro Wagner der Killerinstinkt fehlt. Die Chancenauswertung der Bayernstürmer zeigt, dass sie in Mathe nicht aufgepasst haben. Wenn man aus zehn 90% Chancen nur eine Bude erzwingt, dann hat man da irgendwas falsch verstanden. Wobei, gelegentlich trifft man das Tor auch gar nicht. Ich würde sagen, sowas rächt sich irgendwann, aber das tut es ja schon seit ein paar Wochen. Es ist nicht so, dass die Torflaute der zweiten Hinrundenhälfte daran läge, dass man keine Torchancen hätte.

Luca Toni hat zu Saisonbeginn die wichtigen Buden gemacht. Fünfmal erzielte er das 1:0… aber leider hat er seit Spieltag 9 nur ein weiteres Tor und eine weitere Vorlage erzielt. Und von Spieltag 10 bis 16 einen Kickernotenschnitt von 4,29 erhalten. Seit kurzem werden Tonis spielerische Schwächen deutlich: Unsichere Annahme hoher Bälle und das häusliche einrichten im Abseits. Inklusive Lesesessel, Solarium und Playstation 3 auf der er das neue Pro Evo zockt. (Wo er immer haushoch gewinnt, weil er die Abseitsregel ausschaltet.) Vielleicht kennt man das Abseits ja in Italien nicht. Was vorne derzeit fehlt, ist Konkurrenz.

Denn ehrlich: Der einzige andere Stürmer den wir derzeit haben ist Miroslav Klose. Und der spielt mit Toni zusammen, er kämpft nicht gegen ihn um seinen Platz. Traumstart in die Saison und seit Spieltag 9 ähnlich schwach wie Toni und ebenfalls mit einem ganzen Torerfolg auf dem Bettpfosten. Da wo Klose zu Beginn wuselte wie ein Derwisch, da schleicht er jetzt müde und demotiviert über den Platz, so als fehle ihm jeder Zugang zur restlichen Mannschaft. So einsam und gedankenverloren wirkt er, man könnte glauben er würde in jedem Spiel den Geist von Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990 channeln.

Ich wünschte mir jetzt, auch das sagte ich ja schon zu Saisonbeginn, wir hätten Roy Makaay gehalten. Denn ein motiverter Stürmer, der sich jetzt beweisen will und damit auch Klose und Toni Druck macht, der fehlt. Und Verlass war auf “das Phantom” immer. Denn wer soll sonst vorne Druck machen? Lukas Podolski bleibt das Sorgenkind des FCB. Vielleicht ist es mit ihm und Schweinsteiger wie mit Frauen, deren Menstruationszyklus sich angleicht. Beide sind entweder zusammen ganz stark oder, so wie derzeit, ganz schwach. Bisher wurde der Prinz neun Mal ein- und einmal ausgewechselt. Maximalspielzeit: 45 Minuten, normalerweise stand er aber weniger als 30 Minuten auf dem Platz. Damit wird Poldi jede Woche länger bei Schmidt & Pocher imitiert, als er in der Allianz Arena auf dem Rasen steht. Das einzig gute Spiel dieser Saison war gegen Bolton. Und da wurde er erst ausgewechselt und dann wurde seine Leistung übersehen, wegen des Rosenkriegs Rummenigge gegen Hitzfeld. In dieser Form sehe ich Poldi nicht mehr lange beim FCB.

Und Jan Schlaudraff? Den habe ich, erneut, im Sturm eingeordnet, damit es hier nicht ganz so öde und verlassen wirkt. Seit seiner Verletzung in der Saisonvorbereitung hat er kaum Spielpraxis bekommen. Insgesamt 103 Minuten stand er in Liga und Cup auf dem Platz, getroffen hat er bisher nur in einem Spiel der Bayern Amateure. Schwer zu sagen, wie er sich letztlich einfügen wird, wenn er wieder fit ist. Aber die Notwendigkeit eines weiteren Stürmers sollten die letzten sieben Spieltage dem Präsidium vor Augen geführt haben.

Der Ausblick

Die Krise - von der allen Realisten klar war, dass sie kommen würde - ist da. Es ist eine, das sei zugegeben, Luxuskrise. Aber der derzeitige Bayernkader muss mehr zu Stande bringen als ein 0:0 gegen die Meidericher, Äbblwoischlürfer oder Herthasten. Gut, Herbstmeister ist fein und man muss nicht alles kaputtreden. Aber wenn Muhammad Ali, in seiner Hochphase und als Schwergewichtsweltmeister, gegen das kleine Mädchen antritt, das damals Schni-Schna-Schnappi gesungen hat… und am Ende der 12 Runden nach Punkten ein Unentschieden erzwungen hat, weshalb er den Titel behalten darf, dann ist Ali zwar weiterhin Weltmeister, aber enttäuschend ist das schon. (Hinweis: Ja, in meiner Phantasie tritt Ali gegen Menschen an die mich nerven. Nein, normalerweise gewinnt er durch KO… erste Runde, erste Minute. Ali boma-ye!)

Der Baum brennt: Primär sportlich. Und zeitgleich verfällt man in das alte Verhalten zurück, dass man schmutzige Wäsche öffentlich wäscht und galant in die vom Sportboulevard ausgelegten Fallen läuft. Um nochmal die Boxmetapher zu nehmen: Diese Winterpause ist für den FC Bayern das, was für einen Boxer die Ringglocke ist, wenn er stehend angezählt wird. Während in der Ringecke der Manager überlegt den Trainer noch während des Kampfes zu feuern und die Zuschauer die Champagnergläser zum Werfen bereithalten. Es gilt jetzt, für Trainer und Präsidium, Ruhe in die Mannschaft zu bringen und der Presse weniger Vorlagen zu liefern.

Nach der Winterpause - sollte man am Mittwoch gewinnen - steht man wieder bei Null. Alles ist drin: In beide Richtungen. Im Cup und dem DFB-Pokal kann man in den K.O.-Runden nichts garantieren. Ein Sicherheitsnetz, wie in dieser Zwischenrunde benötigt, gibt es dann nicht mehr. Und in der Liga ist man punktgleich mit den Bremern, die in den letzten Monaten deutlich frischer wirkten als der FC Bayern. So wie in der letzten Phase der Hinrunde kann es nicht weitergehen. Aber: So wie zu Saisonbeginn wird es auch nicht mehr laufen, dafür sind anderen Teams zu sehr auf den neuen FCB eingestellt. Die Frage wird also sein, ob Ottmar Hitzfeld einen Dritten Weg für dieses Team finden kann.

***

Der Autor dieses Texts hat keine Ahnung von Fußball, was man daran sehen kann, dass er Bayernfan ist. Er hat allerdings das Vorwort einer Fußball-Comic-Anthologie verfasst und lange genug Pro Evolution Soccer, Bundesliga Manager und Anstoß gespielt um sich als Fachmann in Fußballfragen zu fühlen. “Das was der Réthy oder Beckmann können”, so der Autor in einem kicker-Interview, “das kann ich schon lange.”

6 Responses to “Bayern-Post: Halbzeit 2007/2008”

  1. Boris Says:

    Jetzt mal nur überflogen, erst will die Klausur gewuppt werden - ich komm immer öfter nicht mehr mit, ob du clever meta-meta-ironisierst oder dich auch mal irrst oder vertippst. 8,5 Millionen für Ismael? Sosa aus Südafrika? Gerade über die mit bemerkenswert unschwäbischer Leidenschaft verbrannten 8,3 Millionen für Valerien Ismael wären das ein oder andere Wort wert gewesen…

    Editier deinen Artikel ja nicht, bevor die Klausur rum ist und ich mich dransetzen kann :D - du weißt ja: kein Pardon bei diesem Thema.

  2. Arkion Says:

    Hach wie schön…

    Aber irgendwie war das genau so abzusehen… übrigens genauso wie die Tatsache, daß Bayern am Ende doch Meister wird, weil Bremen (wie jedes Jahr) noch eine kleine sportliche Krise bekommt (Torwart oder so), in Hamburg Van der Vaart irgendwann durch einen Trainingsunfall ausfällt und damit die Mannschaft lahmlegt, Leverkusen nie Meister wird und Schalke (leider) auch nicht mehr… Das ist meine kleine Prognose für die zweite Saisonhälfte…

  3. Björn Says:

    @Boris: Fuck, du hast doppelt Recht. Das mit Ismaël hatte ich damals so gelesen, dass Hannover quasi die Ablöse zahlt, die Bayern damals den Bremern gezahlt hat. Aber… argh… 200.000 Ecu? Immer noch besser als dem Tribünewarmhalter das Gehalt zu zahlen, aber… argh!

    Dann wiederum: In Sachen mittelgroße Transfers haben die Bayern seit Jahren einen Inverted Midas Touch. Da muss man nur überlegen, dass insgesamt 27 Mios für die Gebrüder Kovač hingeblättert wurden. 16 Millionen für Claudio Pizarro. 10 Mios für van Buyten. Gerade in den Regionen hat sich der FCB in den letzten zehn Jahren viele Klopse geleistet.

    Das mit Sosa ist allerdings ein simpler Fehler, der sich auch aus dem Text erschließt, wo ich ja vorher noch von Südamerikaner schreibe. Da hat mich einfach die sprachliche Nähe von Süda[me]rikaner und Süda[f]rikaner überrumpelt.

    Ich editier das trotzdem schon einmal. Kannst danach immer noch fröhlich draufhauen. Und trotz allem: Viel Glück bei der Klausur…

    ***

    @Arkion: Und genau das ist die Sache, mit diesem Kader sollte Bayern nicht irgendwie Meister werden, sondern die Meisterschaft klar selbst erspielen. Weil man gegen Teams wie den MSV die sicheren Punkte einfahren sollte. Breitnigge hat das Elend der letzten Spiele auf den Punkt gebracht:

    In den letzten 10 Spielen 6-7 Punkte und 20(!) Tore (in der Differenz) auf Werder Bremen verloren.

    Ich muss Thomas Schaaf eines lassen: Bremen ist seit Jahren die spielfreudigere und innovativere Mannschaft. Vielleicht, das habe ich ja schon vor der Saison gesagt, braucht Bayern endlich einen jüngeren, frischeren Trainer, der neue Wege zu gehen bereit ist. Aber: Da ist das Problem mit dem Präsidium, das ja auch gleichzeitig als Manager, Pressesprecher und Trainer fungieren möchte… *sigh*… ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber derzeit ist Uli Hoeneß eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Fraglich nur, wie sich der FCB - der ja in dieser Form eindeutig Hoeneß’ Baby ist - nach ihm entwickeln wird.

    Großes Lol übrigens @ “in Hamburg Van der Vaart irgendwann durch einen Trainingsunfall ausfällt und damit die Mannschaft lahmlegt“. Trainingsausfall den er medizinisch beim Fitnesscheck in Barcelona oder Madrid gleich mitkontrollieren lässt, wa’?

  4. Rayson Says:

    Zum Spiel am Samstag: Eine Berliner Zeitung schrieb, das 0:0 sei “auch in dieser Höhe verdient” gewesen. Mal ehrlich: Was erwarten diese Bayern denn? Dass Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte, für die ein Unentschieden gegen die angebliche Übermannschaft immer ein psychologischer Sieg sein wird, mit Hurra in ihr Verderben stürmen? Wie sinnvoll ist es, ein Team zusammenzustellen, das nur gegen die notorisch offensiven Bremer oder Mannschaften, die gerade gegen ihren Trainer spielen, besonders gut aussieht? Der Liga-Alltag ist Graubrot, die Lachsschnittchen werden nur selten gereicht.

    Und von wegen Verletzungspech. Was soll denn der Thomas Schaaf sagen? Der Unterschied ist: Bremen spielt ein System. Nicht nur in der 1. Mannschaft, sondern auch, wie die St.-Paulianer leidvoll erfahren mussten, in den anderen. Und zwar so gut, dass es denen nicht nur fast egal ist, welche, sondern auch wieviele eigene Spieler auf dem Platz stehen.

    Wenn aus den Bayern mehr werden soll, brauchen sie erstens ein System und zweitens viel Zeit. Letzteres wird ihnen dieses Präsidium nicht geben. Es ist vielleicht ein Fehler, die Topfunktionäre mit erfolgreichen Ex-Fußballern zu besetzen. Den Unternehmensgründer als Aufsichtsratschef zu nehmen, ist nämlich auch nie eine gute Idee. Da hat man dann als an der Basis rackernder Verantwortlicher lauter Typen um sich rum, die alles besser können und einen nur deshalb als notwendiges Übel akzeptieren, weil die Alternative dazu Selbermachen hieße. Und das wollen sich die Herren dann doch nicht antun: Zuviele Besserwisser, man hat ja schon mit diesen Fans genug Ärger. Also “helfen” und “unterstützen” sie nach Kräften, indem sie ständig mosern. Ein typischer Mittelständler hat meist nur einen Typen von dieser Sorte, bei Bayern sind es mindestens drei, die bei dieser Tätigkeit Schichtdienst schieben.

  5. Björn Says:

    Was erwarten diese Bayern denn? Dass Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte, für die ein Unentschieden gegen die angebliche Übermannschaft immer ein psychologischer Sieg sein wird, mit Hurra in ihr Verderben stürmen?

    Ich befürchte, dass Ottmar Hitzfeld gerade genau das erwartet. Natürlich ist es frustrierend, wenn der Gegner mauert wie nichts Gutes. Aber sowohl in der Einzelklasse als auch im Zusammenspiel sollte die Bayernmannschaft in der Lage sein gegen Teams wie Frankfurt oder den MSV ein 1:0 zu erzwingen. Das ist ja alles was es braucht. Danach muss der Gegner ja das Spiel aufmachen, will er zumindest als “moralischer Sieger” vom Platz gehen.

    Wenn aus den Bayern mehr werden soll, brauchen sie erstens ein System und zweitens viel Zeit.

    Wie du selbst sagst: Zweitens ist das Problem. Das Präsidium denkt zu kurzfristig. Und übersieht, dass Bremen in Deutschland ein erfolgreiches Team wurde als es gefühlte 100 Jahre langsam unter Otto Rehhagel wuchs, oder jetzt schon wieder fast ein Jahrzehnt unter Thomas Schaaf.

    Einer der Trainer die ja immer wieder erwähnt werden, ist Arséne Wenger. Die Frage ist: Warum sollte der Arsenal verlassen? Einen Verein in dem er seit 11 Jahren sein System aufbauen konnte. Die Zeit wird er beim FCB nicht erhalten, da gewinnt er sofort die Champions League oder es würde nach einem Nachfolger geguckt. (Hitzfelds dritte Ära?)

    Ich stimme dir aber mit dem System zu: Bayern muss sich sinnvoll verstärken, ruhig mit Stars wie Ribéry, aber nebenbei eigene Spieler heranzüchten, die sich langsam ins System einfügen. Kroos und Hummels könnten solche sein. In kleineren Rollen können das langfristig auch Lell oder Ottl werden. Was aufhören muss, ist dass das Präsidium sieht “aah, der van Buyten, Ismael, Pizarro, van der Vaart, Popcornverkäufer aus Lautern ist diese Saison toll geworden, den Kaufen wir”… ohne dass er ins System passt und obwohl man auf der Position schon einen guten, eingespielten Mann hat, dem dann der teure Neueinkauf vorgesetzt wird.

    Wenn das nicht passiert, dann wird Bayern auf Jahre hinweg nicht nur europäisch, sondern auch in Deutschland an Bedeutung verlieren. Die Frage ist halt ob Hoeneß und Rummenigge - besonders Rummenigge - in der Lage sind sich freiwillig von einem Teil der bisherigen Macht zu trennen und zu sagen: Jürgen Klopp, oder wer auch immer Nachfolger von Hitzfeld wird, wir vertrauen dir und lassen auch mal eine mittelmäßige Saison über uns ergehen, aber übernächstes Jahr wollen wir Wachstum und Resultate sehen.

    Denn kurzfristige Schübe wie dieses Jahr (also Großeinkauf) kann sich Milan oder Madrid regelmäßig leisten, Bayern aber nur alle paar Jahre. Und auch nur wenn Zwischendurch der Erfolg kommt. Wie beim letzten Bayern-Post schon geschrieben: Die Zukunft der Bayern muss darin liegen, dass sie eine starke und junge Kernmannschaft aufbauen und die dann an einigen Stellen mit - gerne auch teuren - Spielern verstärken.

  6. popkulturjunkie.de » diverse interpreten (2007.12.17). Says:

    [...] - Unglaublich umfangreicher Rückblick auf das Jahr des FC Bayern - im “agitpop”-Blog. [...]

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