Bloody Stupid B-Movies: The Star Wars Holiday Special

Exordialtopik
Spätestens seit der Prequel-Trilogie ist es jedem bewusst: George Lucas ist böse und das Franchise Star Wars ist in unruhigen Gewässern angelangt. Verkitscht, verquastet und in vielen Aspekten hoffentlich schnell vergessen, scheinen die Episoden I bis III zu demonstrieren, dass der bloße Name Star Wars noch kein Garant für Qualität ist. Anzeichen dafür konnte man natürlich schon in den egewokten Sequenzen eines Return of the Jedi erkennen, aber in dem Film gab es genug Qualitätsmaterial um die Schwächen dezent ignorieren zu können.
Schon zuvor, anno domini 1978, gab es dabei einen deutlichen Hinweis, dass selbst die Macht der dunklen Seite von Kommerz und schlechtem Fernsehen nicht gewachsen ist: Das Star Wars Holiday Special. Dankbarerweise mehrere Jahrzehnte nur flüsternd in den Korridoren von Todessternen und Rebellenbasen der gesamten weit, weit entfernten Galaxie erwähnt worden und höchstens mal als schlechtes VHS-Bootleg auf irgendwelchen Conventions aufgetaucht (im Grindhouse-Doppelfeature mit Dr. Cormans Fantastic Four), haben die bekannten Videoportale im Internet nun jedem Interessierten und Lebensmüden die Chance gegeben sich den kreativen Frontalzusammenprall anzugucken, der nur ein einziges Mal in der Geschichte des US-Fernsehens komplett ausgestrahlt wurde. An jenem verhängnisvollen 17. November 1978 auf CBS.
Man fragt sich: Wie konnte dieses Projekt je schief gehen? Denn was erscheint natürlicher als die Kombination von Star Wars mit einer Varieté-Show? Höchstens noch die Verbindung von The Road Warrior mit karpatischem Ausdruckstanz. Oder natürlich jenes TV-Special vom Ende der Siebziger, das erkannte dass Citizen Kane viel besser wird, wenn man die Geschichte von Charles Foster Kane kombiniert mit Einspielern aus dem Circus Krone.
Allerdings, soviel Fairness muss sein, kann man diesen lieblos-verkitschten Kommerzschlunz dem fiesen George Lucas nur sehr bedingt anlasten. Natürlich, er hat die Lizenzrechte an CBS abgetreten und das erste Skript abgenickt (konnte er damals noch, weil er damals noch einen Hals hatte). Ziel war es, dass die Marke Star Wars so im öffentlichen Bewusstsein blieb. Aber dann hielt er eiskalt fest: “Macht doch was ihr wollt, ich geh jetzt The Empire Strikes Back produzieren.”
Die Abwesenheit des sympathischen Filmverdrehers nutzten die Produzenten Ken & Mitzie (Mitzie?) Welch - laut IMDb auch verantwortlich für die televisionäre Perle A Special Olivia Newton-John - um das Drehbuch so weit umzuschreiben, dass selbst Schorsch Lucas - als er das Endprodukt sah - erkannte, was für einen grottenüblen Unsinn er da abgesegnet hatte. Und George Lucas ist nicht gerade bekannt dafür grottenüblen Unsinn zu erkennen, wenn er ihn sieht. (*Hust*Midi-Chlorians*Hust*.) Lucas beschloss: Das Projekt würde ein Mal ausgestrahlt werden und dann dem Orkus des Vergessens anheim fallen. Leider konnte Lucas - und er hat es versucht, glaubt mir - die Ausbreitung des Internets nicht stoppen. Jenem Ort der nichts vergisst. Schon gar nicht schlechte Fernsehshows, welche die im Netz heimischen Nerds damals gesehen haben.
Das Schöne ist: Das Star Wars Holiday Special ist Teil des großen Kanons. Irgendwie. Auch wenn wir nicht darüber reden. Das ist ein wenig wie mit dem missgestalteten Cousin, den man in Ketten liegend in einem dunklen, abgesperrten Raum im Keller hält. Sicher, er hat seit zwanzig Jahren das Tageslicht nicht gesehen und ist gezwungen sich von Ratten, toten Katzen und Hobos zu ernähren… aber irgendwie ist er doch Teil der Familie. Auch wenn man ihn lieber totschweigen würde. Und als alter Star-Wars-Nerd ist es damit absolut legitim das Special so zu behandeln, wie ich auch jeden regulären Film behandelt hätte. Nicht dass mich das Fehlen dieser Legitimation daran gehindert hätte. Aber das ist wie mit geplanten Kriegen und der Legitimation durch den Weltsicherheitsrat. Klar, man braucht die Zustimmung der Veto-Mächte eigentlich nicht. Aber es ist trotzdem irgendwie nett, wenn man sie hat.
Nacherzählung
Unsere Geschichte beginnt, wie einige - aber längst nicht alle - guten Geschichten, vor langer, langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie. Genauer, im Cockpit des Millenium Falcon in dem Chewie gerade etwas knurrig ist, weil er befürchtet dass Han ihn nicht rechtzeitig zum “Life Day” heim nach Kashyyyk fliegen kann. Der “Life Day” ist sowas wie Kwanzaa für Wookies. Einige Kommentatoren wagten es sogar, den Life Day als Wookie-Weihnacht zu bezeichnen, aber das halte ich für gewagt. Immerhin sollte Jesus Christus erst lange, lange Zeit später und in einer weit, weit entfernten Galaxie geboren und nach ein paar Dekaden gekreuzigt werden. Und obwohl man in der Bergpredigt sicher ein Gleichnis erkennen kann, dass sich auf die gesamte Wintersportindustrie erstreckt, bin ich ziemlich sicher, dass es keinerlei Verweise auf irgenwelche Wookies irgendwo in der Bibel gab. Außerdem ist Chewie bekanntermaßen jüdischen Glaubens.
Ich würde jetzt gerne behaupten, dass der Rest des Universums dankenswerter Weise nichts über dieses heidnische Spektakel irgendwelcher waldbewohnender Pelzbälle weiß… aber da das hier Star Wars ist und 90% des Fandoms aus totalen Vollnerds besteht, hat man natürlich die Lücken mit jeder Menge Fancruft gefüllt:
Life Day was the Wookiee holiday celebrated by the inhabitants of Kashyyyk every three years. It was a celebration of the planet’s diverse ecosystem and the many forms of life it encompassed. It also was a time to remember family members who had died, and the young ones who continued to bring new life to a family. Life Day was an almost sacred holiday, and many Wookiees returned to Kashyyyk in order to celebrate it. Life Day was held once every three local years for many generations, but during the Galactic Civil War, its importance to the Wookiees became more pronounced. Wookiees were spread across the galaxy, either because they had been enslaved by the Galactic Empire or for personal reasons, and they began celebrating Life Day each year as a way to remain in touch with their history. Over time, the holiday found its way into various other cultures.
Da. Life Day ist ein politisch-korrekter Feiertag ohne jedweden religiösen Hintergrund. Das knallende Geräusch in der Distanz, das ist der Kopf von Bill O’Reilly der gerade explodiert. Persönlich wäre mir ja eine Art Wookie-Jesus lieber gewesen. Oder eine ordentliche Mythologie, in Richtung der Edda. Man sollte doch davon ausgehen können, dass eine Spezies die schon ein verlorenes Holo-Schachspiel zum Anlass nimmt dem Gegenüber den Arm aus dem Gelenk zu drehen, eine ordentlich blutrünstige Mythologie und Naturreligion hätte. Aber, Pustekuchen. Wookies sind offenbar Vollhippies. Hätte man sich bei den Haaren ja denken können. Und nach dieser riesigen Tangente über Religion in weit entfernten Galaxie: Zurück zur Hauptstoryline.

Han und Chewbacca fliehen gerade vor zwei Imperialen Sternzerstörern, springen in den Hyperraum und wir bekommen den Vorspann vorgesetzt. Komplett ohne nach hinten kriechende Schrift, aber dafür mit Voice Over das uns ankündigt, wen wir in den nächsten rund 90 Minuten zu Gesicht bekommen werden. Starring Mark Hamill als Luke Skywalkers neue, total verschnittene Frisur. Starring Carrie Fisher als Jack Nicholson nachdem er in One Flew Over The Cuckoo’s Nest lobotomisiert wurde. (Achtung: Das eben war ein Spoiler.) Starring: Anthony Daniels als C3PO und R2-D2 als R2-D2. Kein Scheiß. Sie sagen: “R2-D2 als R2-D2″. Tja. Sucks to be you, Kenny Baker.
Even more starring: Chewbaccas bisher noch nie und danach auch nie wieder gesehene Familie, Bea Arthur aus The Golden Girls, Art Carney aus The Muppets Take Manhattan und Diahann Carroll aus dem Denver Clan. And most of all starring: The Jefferson STARSHIP. Jawoll, die Band die in den Achtzigern versuchte Rock and Roll endgültig zu vernichten, war hier an dem Versuch beteiligt das Star-Wars-Franchise noch im Kindbett zu ersticken. Wenigstens war Grace Slick hier wohl gerade so auf Droge, dass sie an diesem Spektakel nicht teilnehmen konnte. Und damit dürfte dann auch alles gesagt sein, was man über dieses Special wissen muss. Was uns hier bei Agitpop nicht davon abhält, einfach weiter zu labern.

Nach einer kurzen Eröffnungseinstellung, die uns zeigt wie man auf dem Wookie-Planeten Kashyyyk lebt (nämlich in deutlich erkennbaren Matte Paintings), lernen wir erstmals die Familie Chewbacca kennen: Seine Frau Malla, seinen Vater Itchy und seinen Sohn Lumpy. Damit können wir auch gleich festhalten, dass Chewie mit seinem Rufnamen wirklich Glück gehabt hat. Weiterhin können wir festhalten, dass Lumpy seinem Vater absolut nicht ähnlich sieht. Dann wiederum: Als intergalaktischer Schmuggler ist Chewie selten daheim und Ma Bacca natürlich sehr oft sehr einsam. Dr. Saiuss vom Planet der Affen kann derweil sehr, sehr einfühlsam sein. Darum ist er auch ein singender, swingender Doktor der Liebe. Wahrscheinlich weiß Chewie, dass der Kleine nicht sein wirklicher Sohn ist und hat der abgebrochenen Promenadenmischung deshalb einen Namen gegeben, den man heute nicht einmal mehr dem fiesesten Dackel antun würde. Lumpy. Autsch.
Da mir gerade auf schockierende Weise bewusst wird, dass es irgendwo da draußen Porn gibt, der Frau Chewbacca beim vollziehen des Geschlechtsakts mit Dr. Saiuss zeigt (Regel 34) werde ich das Thema jetzt dezent fallen lassen. Stattdessen lebe ich meinen inneren Lothar Matthäus aus und wende mich der Dekoration so einer durschnittlichen Wookie-Wohnung zu: Wookies stehen definitv auf bequeme TV-Sessel mit braun-beiger Polsterung. Wenn ich eine Rasse übergroßer Yorkshire-Terrier wäre, ich würde mir ja Möbel zulegen, die keine Wookiehaar-Fänger sind. Aber da ich meinen Arm im Gelenk mag, werde ich da mal nicht lange debattieren. Wookies mögen weiterhin Friseurstühle mit denen man diesen grauseligen Dauerwellen basteln kann. (Was einiges über Wookiefell erklärt.) [SCHRANKWAND]
Hmmmm. Eindeutig: Ein paar Nachkommen der Wookies müssen es auf die Erde geschafft haben und sind ganz alleine für die Gestaltung deutscher Wohnzimmer in den Siebzigern verantwortlich. Ich sollte mal meine Oma fragen, wer ihr damals den Wohnraum designt hat.
Wer glaubt, dass das Leben im Star-Wars-Universum immer total aufregend und spannend ist, der wird hier brutalst eines besseren belehrt. Ma Bacca backt gerade lecker Kekse (wobei sie eine Schürze trägt, damit das Fell nicht verdreckt), spült ein wenig Geschirr und schickt Lumpy los mal schön den Müll raus zu bringen. Wookies stehen nämlich tierisch auf ein traditionelles Familienbild und würden geschlossen die CDU wählen, wenn das böse, galaktische Imperium eine Demokratie wäre. Und ganz ehrlich: Ich verstehe, warum Chewie das Universum bereist und regelmäßig sein Leben in waghalsigen Abentuern riskiert: Suicide by proxy. Zuhause darf er sich wahrscheinlich den ganzen Tag anknurren lassen: Nimm die Füße da runter. Mäh mal den Rasen. Du könntest im Haus auch mal mit anpacken. Hol mal den Kurzen aus der Schule ab. Dem ist es wahrscheinlich vorzuziehen, dass man auf einer imperialen Planetenvernichtungsraumstation beschossen wird.
Familie Bacca ist besorgt, dass Chewbacca noch nicht daheim ist. Um sich ein wenig abzulenken wirft man den Holotisch an und betrachtet ein paar Minuten lang wie irgendwelche Menschen in Insektenkostümen mit ziemlich tuckigen, kniehohen Hippie-Stiefeln zu schlechter Musik herumhopsen. Sehr lange “ein paar Minuten lang”. Wenn Wookies das hier als eine akzeptable und spannende Form der Unterhaltung empfinden, dann dürften sich Wookies nur für einen sehr kleinen Teil der galaktisch relevanten Kunst verantwortlich zeichnen. Danach erleben wir eine weitere Episode aus dem spannenden Familienleben der Wookies. Klein-Chewie darf das Geschirr abtrocknen, während Ma Bacca am Heimcomputer nachguckt ob schon Raumschiffe im System eingetrudelt sind. Die Anwort: Nein. Das steht übrigens in lupenreinem Englisch auf dem Monitor, nicht in galaktischem Basic. Aber die kleine Schwäche wird nächstes Jahr auf der 30th Anniversary Star Wars Holiday Special Special Edition sicher behoben.
Da man noch immer besorgt ist, entscheidet man Mr. Luke Skywalker anzurufen. Denn man hat ein heimliches Fernsprechgerät hinter einer der Pressspanplatten in der Schrankwand versteckt. Verwegen, verwegen. Und man hat natürlich die direkte Durchwahl des Mannes der den Todesstern vernichtete. Warum auch nicht. In einer Szene, in der wir Mark Hamills unglaubliche Schauspielkunst und Mark Hamills unglaubliche Detektivskills bewundern können (”Was sagst du, Frau Chewbacca? Timmy ist in einen Brunnen gefallen und kommt dort alleine nicht mehr raus.”) sagt er den Baccas, dass sie sich um Chewie keine Sorgen zu machen brauchen, während R2-D2 aus Lukes X-Wing eine Trockeis-Nebelmaschine bastelt. Präventiv, für den noch bevorstehenden Gastauftritt von The Jefferson STARSHIP. Außerdem bitte Luke Frau Chewbacca doch einfach mal zu lächeln… moment… flirtet Luke da gerade mit Chewies Gattin? Heiliger Strohsack! Der Regel 34 wegen breche ich auch diese Szenenbeschreibung ab.
Weil Frauen - das haben mehrere Feldversuche des Agitpop Forschungszentrums für Fernsprechscherereien ergeben - ja gerne, oft und lange telefonieren, ruft Mrs. Bacca jetzt auch gleich noch einen Handelsposten an (zwischen den Gesprächen zeigt der Bildschirm einen total psychedelischen Bildschirmschoner), der von Saun Dann - einem alten Freund der Familie - geleitet wird. Mr. Dann kann aber gerade nicht frei sprechen,weil ein imperialer Schnauzbartträger (keine offizielle Berufsbezeichnung) gerade durch den Laden läuft. Und weil der Mann mit dem Pornobalken eine total mies geschnittene Uniform abbekommen hat, ist er ziemlich bräsig. Eigentlich ist er ja nur im Laden um die Porno-Magazine anzutatschen und eventuell noch “aus Versehen” ein halbes Regal voller Marmeladengläser umzustoßen. Unfälle passieren. An dem Taschenaquarium, das ihm Saun Dann verkaufen will, hat er allerdings kein Interesse. Er “hasst Fische”. Uuuuuh, der Mann ist böse.
Sprechen wir mal kurz über das Telefonsystem: Wenn die Baccas jemanden anrufen, dann sehen sie sofort was auf der anderen Seite der Leitung gerade vor sich geht. Sie beobachten also Saun Dann ehe der bemerkt, dass da jemand am Fernophon ist. Damit stellt sich doch die Frage: Was ist denn das für ein blödes System? Das Fernsprechgelöt klingelt nicht und der Angerufene muss nicht einmal abnehmen? Man kann sofort ins Wohnzimmer fremder Leute gucken? Was wenn die gerade nicht gestört werden wollen? Oder sich in einer kompromittierenden Position befinden? Wahrscheinlich hat AT&T das imperiale Telefonmonopol inne. Dann hätte es einen Grund, dass deren Logo der Todesstern ist. Und spätestens seit den Achtzigern wissen wir ja auch, dass solche Telcos immer böse sind. Weshalb sie dieses fiese Anrufsystem erfunden haben.

Mr. Dann bemerkt irgendwann dass da jemand am anderen Ende der Leitung ist. In totaler Code-Manier erklärt er Ma Bacca, dass der “shaggy carpet” unterwegs sei, auch wenn unklar ist wann er ankäme. Geknüpft wurde der Teppich von einer Frau. Alleine. “By Han…d. Solo!” Gut dass der Imperiale Uniformierte zu sehr damit beschäftigt ist, sich seinen Schnurrbart sinnlich zu streicheln und grundlos böse zu sein, weshalb er die dezent versteckte Botschaft nicht mitbekommt. Von Saun Dann bekommt er aber zumindest einen total sinnlosen “Körperpfleger” mit, der aussieht wie eine elektrische Zahnbürste. Natürlich bezahlt Slartibartfast dafür nicht. Nur für den Fall das jemand noch nicht mitbekommen hat, dass das “Evil Galactic Empire” und all seine Angestellten böse sind. Bööööööse.
Nachdem Darth Vader seinen Gastauftritt hatte (hmm, habe ich diese exakte Szene nicht schon in Episode IV gesehen?) und befahl, dass man jeden einzelnen Haushalt im System nach Rebellen durchforsten soll (und die Wüste durchkämmen), kehren wir endlich zur spannenden Lebenswirklichkeit im Hause Bacca zurück. Ma Bacca hat mal wieder ihre Schürze an und bereitet das Abendessen vor. Denn das ist es, worum es in Star Wars eigentlich schon immer ging: Wookies beim Zubereiten von Speisen zugucken. Total futuristisch benutzt Ma Bacca auch kein Kochbuch, sondern schaut sich die imperiale, vier-armige Version von Tim Mälzer auf ihrem Flat-Screen-TV an. Wow. Flat Screen TV. Diese Show war ihrer Zeit mindestens 20 Jahre voraus.
SciFi-Tim-Mälzer winkt, Ma Bacca winkt zurück und mir wird klar warum Chewie so selten daheim ist. Wenn meine Gattin den Leuten im Fernsehen winken würde, ich würde mir auch möglichst viele Outdoor-Hobbies zulegen (Todessterne in die Luft jagen, huttische Mafia-Bosse wütend machen). Der Sci-Fi-Koch, in seiner Sci-Fi-Küche mit einem Sci-Fi-Pott und Sci-Fi-Kuchenformen an der Wand, erklärt wie man lecker Mittagessen aus Bantha-Fleisch kocht (”Bantha Suprise”) und erinnert mich mit seinem Auftritt arg an den schwedischen Koch aus der Muppet Show. Nur unlustiger. Dezidiert unlustiger. “What a time waster, what a fucking time waster”, würden die Libertines dazu sagen, wenn das nicht das Fazit für das ganze Special wäre.
Smörebröd, smörebröd, römpömpömpöm. Das imperiale Fernsehen schafft es ganz offensichtlich den literarischen Anspruch eines Jürgen auf NeunLive nochmal gehörig zu unterbieten. Muss ein Mittel der Imperialen Oberschicht sein um den Pöbel ruhig und strunzdumm zu halten. Prolefeed in Reinform. Irgendwann wird es selbst Ma Bacca zu dämlich - die wie gesagt am Anfang noch dem Mann im Fernseher fröhlich zuwinkte - und sie stellt die Glotze ab. Danke. Millionen Zuschauer dürften bei der Erstausstrahlung in diesem Moment exakt das Gleiche getan haben. Noch so ein Beweis dafür, dass das Imperium böse ist. Oder vielleicht ist diese Szene auch eine extrem klug verpackte Mediensatire… wobei… neeeee.

Schnitt. Tie Fighter greifen in einer total spiffigen Actionsequenz jetzt den Millenium Falcon an und ein sympathischer Imperialer erscheint auf den Fernsehbildschirmen der Nation um den Wookies zu erklären, dass jetzt Kriegsrecht herrscht. Da der Bau (und die anschließende Vernichtung) des Todessterns aber ein klaffendes Loch in den imperialen Haushalt gerissen hat, musste man leider jedwede Kulissen verkaufen. Weshalb der Imperiale seine Kriegsrechtsmeldung vor einer Pappwand verliest, die man in möglichst psydelischen Farben anstrahlt. Hat was tholianisches an sich. Vielleicht hat sich aber auch einfach nur jemand auf das Set von Star Trek - The Original Series verirrt. Trek, Wars… nimmt sich ja nichts.
Um die Show nicht zu deprimierend wirken zu lassen kommt Saun Dann bei den Baccas vorbei und bringt gleich noch einen Sack Life-Day-Geschenke mit. Wobei Chewies Frau ihr Geschenk erst bekommt, nachdem sie Saul ein Küsschen gegeben hat. … … öhm, gibt es irgendwen im Universum der nicht versucht das zottelige Flittchen klar zu machen?
Anyway. Wo wir gerade von Interspecies Erotica reden: Händler Bob weiß, was Opa Itchy mag. Ein bisschen virtuelle Pornographie, die Opa Bacca in Kombination mit dem Friseurstuhl verwenden kann. Das ist mal ein sinnvolles Geschenk. Während Itchy sichtlich erregt ist, beginnt ein flitteriges Flittchen dem Wookie-Rentner zu erzählen, dass er sie erschaffen habe, dass sie ihn anbetungswürdig finde und dass sie “sein Traum und sein Vergnügen” wäre. Dieser Wookie steht auf menschliche Bräute die ihre Klamotten im Lametta-Schlußverkauf besorgen. Falls Menschen auf Wookies wirken, wie Wookies auf Menschen (das Sexluder mit dem Chewie verheiratet ist, jetzt mal ausgenommen), dann ist das schon ziemlich krank für eine Kindersendung. Wobei Chewies Dad statt eines Money Shots auch nur eine öde Gesangseinlage bekommt. Irgendwo wird demnächst eine Pornovideothek von einem wütenden Wookie auseinander genommen.

Zurück zur spannenden - gääähn - Haupthandlung. Dieses Mal ruft Prinzessin Leia bei den Baccas an. Und weil den Rebellen offenbar auch das Geld für Kulissen ausgeht, meldet sie sich live aus dem Transporterraum der alten Enterprise. Ist das ein offizielles Crossover? Leia würde gerne Chewie sprechen. Aber der ist ja noch nicht anwesend. Also bittet sie, dass man den wildfremden Familienfreund ans Sprechrohr holt. Der stellt sich als “Freund der Rebellion” vor und Leia sagt: “Gut.” Und bittet ihn, auf die Wookies aufzupassen. Wohl gemerkt: Saun Dann ist ein alter Sack den Leia nicht kennt, die Wookies hingegen sind… Wookies. Groß. Kräftig. Drehen Arme raus. Solche Späße.
Abgesehen davon: “Gut?” Puh, Glück gehabt… oder wie? Was wäre wenn der Mann überzeugter Imperialer wäre? Ist es wirklich klug als wichtige Person in der Rebellion einem wildfremden Kerl blind zu vertrauen? Wie hat es die Rebellion geschafft bisher nicht von den Imperialen ausgelöscht zu werden? Egal, denn gerade jetzt klingelt es bei Familie Bacca an der Tür. Die Baccas erwarten, dass das Chewie ist aber stattdessen sind es ein imperialer Offizier, zwei Sturmtruppler und einer der Kerle, die auf dem Todesstern den Laser bedient haben. Gut, die haben wahrscheinlich bis Episode VI auch sonst eher wenig zu tun, weshalb sie bis dahin als Sekretärinnen für höherrangige Imperiale arbeiten müssen.

Die Imperialen durchsuchen die Wohnung und wir stellen zwei Dinge fest: Wookies stehen tierisch auf kitschige Porzelanschwäne… und imperiale Sturmtruppen offensichtlich auch. Den versteckten Fernsprecher findet man nicht, dafür aber eines der Geschenke die Saun Dann den Baccas mitbrachte. Die futuristische Version eines Transistorradios. Der Todessterlaseroperateur fordert, ihm zu zeigen, was dieses Gerät so kann und er bekommt: STARSHIP!
Und nach dem Auftritt der Band als Holofiguren sehen wir einen sehr glücklichen Todessternlaseroperateur: Denn das Imperium liebt sich sein STARSHIP. Womit man dann auch endgültig weiß, dass diese Band absolut bösartig war. By the way: In der Special Edition zum dreißigsten Jubiläum von Star Wars wird der Imperator erklären, worauf man das Imperium aufgebaut hat. Auf “Rock aaaaand roooooolllll…”
Dann wird er seine Fender Stratocaster unter der Robe hervor holen und die Blitze, die er bisher aus den Fingerspitzen abschießt, werden dann von der Teufelsgitarre abgegeben. Das wollte George Lucas ja eigentlich schon immer so machen, aber bisher war die Technik noch nicht so weit. Zu diesem Schattenriss aus dem Holo-Auftritt sage ich derweil mal lieber gar nichts:

Nach einem kleinen Handgemenge und der Andeutung, dass unser imperialer Kapitän Chewies Ehefrau auch nicht von der Bettkante stoßen würde (irgendwas entgeht mir da), bekommen wir den Film im Film. Denn Jr. Bacca schaut sich einen Cartoon an. Da hier die Rebellen die Helden sind, gehe ich stark davon aus dass dieser Cartoon nicht von der imperialen Propagandaleitstelle herausgegeben wurde, sondern rebellenallianzische Propaganda ist. Ob die Rebellen wohl auch ihre eigene Micky Maus haben, die schon die Kleinsten belehrt, wo der Lüftungsschacht bei einem Todesstern zu finden ist? Ich finde es jedenfalls moralisch verantwortungslos schon Kinder in diesen Krieg zu ziehen. Verdammte linksradikale Terroristen.
Star Wars - Das Holiday Special - Der Cartoon im Film
Um das Thema “Star Trek Wars” beizubehalten, geht der kleine Propagandacartoon damit los, dass jemand vom “Starlog 3.24.1″ spricht. James T., bist du es? Und obwohl die Zeichnungen definitiv nicht mit dem besten von Liquid Television mithalten können, erinnert der Cartoon irgendwie an Æon Flux. Vielleicht weil die Gesichter irgendwo zwischen “bizarr” und “geschmolzen” anzusiedeln sind. Himmel, Han Solos Visage hat nun nicht einmal mehr im entferntesten etwas mit Harrison Fords Haupt zu tun.
Zur Story: Der Millenium Falcon rast an einer Rebellenbasis vorbei, Chewie reagiert nicht auf den Funkkontakt und im Hintergrund hängt Han gefesselt und kopfüber rum. Luke schwingt sich in einen Y-Flügler und verfolgt den Falcon auf einen komplett aus Kool-Aid bestehenden Mond, der so psychedelisch wirkt, dass das traditionelle Fortbewegungsmittel hier ein Gelbes U-Boot sein dürfte. Lukes Y-Wing wird von einem fiesen Drachen bedroht, aber - Fans von Star Wars, starten Sie Ihre Motoren - Luke wird gerettet von niemand geringerem als dem Fettmeister himself: Mr. Boba Fett, in seinem ersten Auftritt innerhalb der Continuity. Einen Drachen reitend und eine Art Laserstimmgabel schwingend, erklärt er Luke ein Freund zu sein. Was Luke ihm abkauft. Die Macht ist noch nicht stark in diesem Skywalker.
Gemeinsam findet man den Falcon und stellt fest, dass das Raumschiff vom Imperium mit einem Schlafvirus verseucht wurde, das neben Han auch sofort Luke erwischt. Glücklicherweise kann Fett mit dem Wissen auftrumpfen, dass es in der nahe gelegenen Stadt ein Gegenmittel gibt. Das nicht nur frei verkauft, sondern sogar in einem Schaufenster beworben wird. Obwohl die Stadt eindeutig unter imperialer Kontrolle ist. Denn ein böses, galaktisches Imperium hat sicher nichts dagegen wenn das Gegengift zu den eigenen, coolen Biowaffen auf dem freien Markt gehandelt wird. Wirtschaftsliberalistischer als das Imperium kann man eigentlich gar nicht mehr sein. Ich frage mich ja so langsam, ob die Bothans die Pläne für den Todesstern wirklich gestohlen haben, oder ob die auch zwischen Praline und kicker an jedem Zeitungskiosk frei verkauft wurden.
In der Stadt zeigt Fettba Bo sein wahres Gesicht (figurativ gesprochen, tatsächlich sollte das ja erst in Episode II geschehen), als er von einem öffentlichen Fernsprecher aus Darth Vader anruft und ihm sagt, dass der Plan funktioniert und die Rebellen ihm, Boba McFett, vertrauen. Das ist ein guter Moment für… die Werbung.
Das erwähne ich nur aus einem einzigen Grund: Nach der Werbung gibt es kurz die CBS News in denen es unter anderem auch um den Kalten Krieg und die Neutronenbombe der Sowjets geht. Und die Nachricht in Sachen Neutronenbombe wird mit dem sicher schicksten Dia aller Zeiten angekündigt. Hier ein Beweisphoto:

Zurück vom Kalten zum Sternenkrieg. C3PO will mal kurz herausfinden, was dieser ominöse Boba Fett so tut und… schaltet sich direkt in das Gespräch zwischen Boba und Darth Vader ein. Huh? Selbst wenn C3PO gewusst hätte, auf welcher Frequenz der Fettster gerade telefoniert… der Mann spricht mit der Nummer 2 des Imperialen Unrechtsstaats. Einem Staat der vor kurzem seine richtig töfte Superwaffe, den Todesstern, verloren hat. Wegen rebellischer Spione. Sollte es da nicht zumindest so sein… und ich spreche wirklich vom Allermindesten… dass man seine Kommunikation in irgendeiner Form verschlüsselt? Einen Scrambler benutzt, PGP… oder zumindest in Schweinslatein spricht? Ixnay on the Eathstarday.

Als Boba aus der Stadt zurückkommt und Luke und Han gegengiftet, da lassen die beiden klugen Droiden ihre Infobombe fallen: Der Mann ist die rechte Hand vom Vaderdarth. Und Boba - nachdem er betont: “Das hat euch der Teufel verraten!” - zündet seinen Jetpack und flieht durch das Schiebedach des Millenium Falcon. Die Restcrew versammelt sich derweil im Cockpit, wo Chewie feststellt, dass er schon immer wusste, dass da etwas faul ist am fettigen Boba. Warum? “Er hat nicht richtig gerochen.” Zwei Sekunden Pause und - wie in den besten Episoden von Star Trek - alle Mann beginnen zu lachen, ich beginne zu kotzen und Ende. Zurück zur Rahmenhandlung.
Nacherzählung - Teil II
Während der junge Chewiesohn sich seinen Cartoon angeguckt hat, haben die Imperialen sein Kinderzimmer durchsucht. Und mit “durchsucht” meine ich “kaputt gemacht”. Was ganz großes Tennis ist, weil das eine derartig willkürliche Zerstörung ist, dass es schon ans Lächerliche grenzt. Da tritt dann ein Stormtrooper einfach so einen Tisch um. Nur weil er es kann. Und böse ist. Bööööse. Dem Plüsch-Bantha wird der Kopf abgerissen. Spielzeuge werden zetreten. Und generell führen sich die zwei Sturmtruppler eher auf wie verzogene Teenies. Als Lumpy dann in sein Zimmer zurück kehrt, stehen ihm die Tränen in den Augen und eine unendlich traurige Musik setzt ein.
Auch diese Szene dient dazu uns klar zu machen, dass das Imperium böse ist. Ich meine - hey! - einen Planeten wie Alderaan in die Luft jagen? Geschenkt. Sowas kann man als Kollateralschaden verbuchen und es hat ja nicht nur die Falschen getroffen. Auf Alderaan lebten ja sicher auch ein paar Kriminelle oder Hunde, die ihr Herrchen immer gebissen haben, oder so. Aber das Zimmer eines kleinen, pelzigen Kindes kaputt machen? Damit ist der Rubicon überquert, Gentlemen. Wieviel böser kann man denn sein? Das bedeutet Krieg.
Klein-Chewie beginnt nun das High-Tech-Spielzeug zu basteln, das ihm Saun Dann geschenkt hat. Wobei die Bauanleitung sich auf einer Cassette befindet (wie zukunftsträchtig) und von einem “amorphischen Cyborg” gesprochen wird, der zwischendrin gerne Mal Max Headroom channelt und am Ende ganz zusammenbricht. Was a.) dafür spricht, dass es wohl zu umständlich wäre sowas von einem Menschen sprechen zu lassen und zu un-futuristisch eine schriftliche Gebrauchsanleitung beizulegen und was b.) ein weiterer Versuch ist hier “Comedy” unterzubringen über die wir lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Die Tyrell-Corporation musste sich nie mit diesem Unsinn herumplagen.
Im Wohnzimmer wird derweil per Fernseher verkündet, dass jetzt eine Show läuft, die das Imperiale Konzil allen Bürgern empfiehlt um anständig zu bleiben und die “required viewing for all members of the Imperial Forces” ist. Was mir nur sehr bedingt smart vorkommt. Wäre ich ein Rebelle: Jetzt würde mich irgendwas anstellen, denn die nächsten Minuten müssen ja alle imperialen Streitkräfte fernsehen. Die Show, die das Imperium den Streitkräften präsentiert heißt Life on Tattooine. Sie ist “ungeprobt, ungeschnitten und ohne moralischen Wert” und sie dient dazu, die Stimmung der Imperialen Kräfte zu heben: Denn die können nun das Leben auf Tattooine mit ihrem eigenen vergleichen und dankbar darüber sein dürfen, dass sie nicht auf Tattooine leben müssen. Außer natürlich sie gehören der imperialen Garnison auf Tattooine an. In dem Fall: Well, guys, you’re pretty much fucked.

Irgendwer hat wohl einen Haufen nicht benutzter Probeaufnahmen für die Tattooine-Szenen in Star Wars im Keller der Skywalker-Ranch gefunden, weshalb wir nun mit Life on Tattooine bestraft werden. Was sagt euch das, junge Regisseure? Probeaufnahmen gleich nach dem Dreh vernichten. Die Show selbst ist absolut sinnlos, mehr Prolefeed für die Massen und ein weiterer Beweis dafür, dass jedes deutsche Testbild mehr Unterhaltungswert hat als das imperiale Fernsehen in seinen besten Momenten. Nach ein paar Minuten Outtakes aus dem ersten Film, steuert die Kamera geradewegs in die allseits beliebte Mos Eisley Cantina. Droiden sind da nicht erwünscht, imperiale Kamerateams schon.
Was erfahren wir nun von dieser informativen Ausgabe der Aktuellen Kamera? Die Cantina wird von einer Bardame namens Edwina (Bea Arthur) geleitet, ohne eine gute Ausleuchtung sehen die Aliens in der Kantine wie schlecht designte Muppet-Verschnitte aus und Ponda Baba mag wegen Obi-Wan Kenobi seinen Arm verloren haben, aber nicht seine Lust zu schwofen.
Ohnehin: Der ganze “hive of scum and villany”-Unsinn? Eine Fassade, nur für Luke und Obi-Wan aufrecht erhalten. Denn wenn gerade keine Jedi unterwegs sind, dann geht es in der Cantina gesitteter zu als im Cheers oder jeder anderen Bar im Universum. Edwina wehrt die amorösen Advancen eines Aliens ab, das durch ein Loch in seinem Kopf trinkt, sechs Finger hat (mehr Beispiele dafür, dass auch die Nachgeburt von guter Comedy irgendwie ihren Weg ins Fernsehen findet) und Edwina eine Blume mitbringt. In Anbetracht der Tatsache, dass Tattooine ein arider Planet ist, dürfte das Grünzeug ziemlich teuer sein. In Anbetracht der Tatsache, dass das Special auch eher trocken bis staubig ist, dürfte das aber auch niemandem klar gewesen sein.
So oder so, das Imperium ist mal wieder böse (und galaktisch) und verhängt eine Ausgangssperre über Tattooine. Das stört die Gäste aber gar nicht, sie skandieren “drink, drink, drink”. Das funktioniert auch in weit entfernten Galaxien. Edwina gesteht den Gästen eine weitere Runde zu - obwohl es gegen imperiales Gesetz ist… und obwohl ein imperiales Kamerateam diese krasse Gesetzesübertretung mitfilmt - und beginnt dann eine Gesangseinlage, die den Gästen der Bar wirklich gut gefällt. Mann, Luke und Ben Kenobi haben ja so den falschen Tag erwischt um mal in der Cantina vorbeizuschauen.

Der Broadcast endet und ich kann mir richtig vorstellen wie wahnsinnig das die imperiale Moral gesteigert haben muss. Wenn das Imperium seine eigenen Angestellten so hasst, dass sie gezwungen sind sich so einen Rotz anzugucken, dann ist es ja kein Wunder, dass man letzten Endes verloren hat. Chewies Sohn hat übrigens inzwischen seinen Zauberkasten fertiggebaut und tut nun so, als wenn er ein imperiales Oberkommando wäre, das den Außentrupp zur Basis zurückbeordert.
Während drei Viertel des Suchtrupps zur Basis zurückkehren, wird ein Sturmtruppler in der Wohnung gelassen. Für den Fall, dass der ominöse fünfte Beatle oder der vierte eigentlich verzeichnete Wookie (Chewbacca… what a Wookie) doch noch eintrudelt. Und dieser Sturmtruppler bemerkt, dass das “Zurück zur Basis!” nicht vom Oberkommando Wehrmacht, sondern von einem kleinen Wookie mit seinem Spielzeugcomputer kam. (Weitere Anzeichen dafür, dass das Imperium diesen Krieg nie gewinnen konnte.) Nach der Zerstörung des Computers gedenkt der Sturmtruppler auch Chewies Bastard von einem Sohn zu zerstören, aber Mr. Bacca persönlich kehrt in diesem Moment in die Wohnung ein. Der Sturmtruppler ist überrascht und Han Solo nutzt die Gelegenheit um den Weißhelm zuerst zu entwaffnen und ihn dann durchs Geländer den kilometerhohen Baum hinab zu stürzen. Womit - ohne hier etwas vorweg nehmen zu wollen - Captain Solo selbst in diesem total miesen Special die coolste Sau von allen ist und 100% des Realfilm-Bodycounts für sich beanspruchen darf. You go, girl.
Dann zeigt sich wieder die B-Seite: Der idiotische Han Solo der nichts zu Ende denkt. Was ihn sympathisch macht, aber auch der Grund dafür ist, dass er kurze Zeit nach diesem Special in einen schmucken Wandschmuck auf Tattooine verwandelt wird. Denn wie Han Solo feststellt: “It’s okay, everybody.” Sicher: Ein toter, imperialer Soldat. Eine Gruppe imperialer Soldaten die gleich bemerken wird, dass sie verarscht und gar nicht zur Basis zurück beordert wurde. Was könnte da schon schief gehen?

Vielleicht das, was uns das Fernsehen verrät. Denn da stellt das schon bekannte imperiale Äquivalent zu Jo Brauner fest, dass der Funkkontakt zu Soldat B-4711 abgebrochen ist und fordert ein, dass sich B-Kölnisch Wasser melden solle. Ja, das Verschwinden von Soldaten gibt das Imperium via TV der gesamten Nation bekannt. Vielleicht hat das Imperium ja schon einiges vorgemacht, dass sich auf der Erde Ozeanien irgendwann abschauen sollte. Von wegen Bildschirme im Haus, die 24 Stunden am Tag an zu sein haben, damit man die Bürger überwachen und sie konstant mit Propaganda füttern kann. Parteimitglieder dürfen den Bildschirm für zwei Stunden am Tag ausschalten.
Der Macht sei Dank ist Saun Dann - der mal kurz weg war - gerade rechtzeitig zurück gekehrt um schnell Deus Ex Machina zu spielen, das Imperium unter einer kostenpflichtigen Service-Hotline (böse) anzurufen und zu betonen, dass der Soldat sich jede Menge Essen geklaut habe und dann in Richtung Berge geflohen sei. Ein Umstand, den das Imperium dem Kleintierhändler natürlich sofort abkauft. Hielt ich zuerst für ein Plotloch. Aber wenn man sich mal anschaut, dass die Sturmtruppler sich in dem Zimmer von Chewies Sohn aufgeführt haben wie Alex und seine Droogs an einem öden Freitag auf der Suche nach einer Spur Ultra Violence, dann erscheint die Geschichte von Saul D. gar nicht mehr so abwegig. Vielleicht sollte das Imperium einfach mal seine Rekrutierungspolitik überdenken.

Jetzt, wo die Welt gerettet und die Gefahr gebannt ist, kann man endlich Lichtmess spielen. Die Wookies ziehen sich kollektiv lustige Mork-vom-Ork-Roben über, feiern ihre heidnischen Bräuche ab und marschieren ins Licht und direkt zum Baum des Lebens. Dort warten bereits R2-D2 und C3PO, die allen Wookies einen knorken Life Day wünschen. Und C3PO wünscht sich, dass er mehr wäre als ein mechanisches Wesen, so dass ihn auch die Freude dieses Festtags erfüllen könnte. Oh, Blechmann, du hattest die ganze Zeit über ein Herz. Ich würde ja heulen vor Rührung, bin aber zu verwirrt darüber, dass C3PO und R2D2 plötzlich auf Kashyyyk sind… und Luke und Leia auch… wo zum Geier kommen die jetzt her?
Okay, dachte ich, vermutlich nutzt Leia diese heidnische Zelebration dazu um mehr Wookies für die Rebellen zu gewinnen. So frei nach dem Motto: “Ich kann eine Sonnenfinsternis heraufbeschwören und wenn ihr mir nicht gegen das Imperium (böse und pan-galaktisch donnergurgelnd) helft, dann werde ich euch vernichten. Glasperlen, anybody?” Stattdessen beginnt Leia allerdings - zum Theme von Star Wars und äußerst schief - ein Lied anzustimmen, das von Frieden und Harmonie handelt. Soviel zu “sich der eigenen Rolle entsprechend verhalten”. Da waren uns allen dann STARSHIP doch lieber.
Und ganz im Ernst, dieser Auftritt sollte ausreichen um Leia ans Imperium zu verraten. Luke und Han wirken eher peinlich berührt, als motiviert. Und die meisten Wookies wirken so, als wenn sie sich eine vernünftige dritte Alternative wünschen würden, die weder so willkürlich bösartig ist wie das Imperium, noch von verkappten Karaoke-Queens geleitet wird, wie die Rebellenallianz. Und nach der Vorgruppe Leia Organa und das Rebellen-Quartett: Mon Mothma spielt “Freebird”.
Nach einem kurzen Zusammenschnitt der besten Szenen von Chewie aus Episode IV sehen wir erst wie Chewie total hirntot in die Kamera guckt (Reaktion auf Leias kleinen Anfall von Celinedionitis?) und dann wie viele Familie Bacca am Küchentisch sitzt und zu ihrem Heidengott betet. Und mit dieser Schlußeinstellung endet unsere kleine Reportage aus dem Alltagsleben der Wookies auf Kashyyyk. Ich bin das Star-Wars-Äquivalent zu Bernhard Grzimek und mit einem kurzen “Serengeti darf nicht sterben” bin ich draußen wie Wedge und Lando aus dem zweiten Todesstern.
Fazit
George Lucas hat angeblich mal über das Star Wars Holiday Special gesagt:
If I had the time and a sledgehammer, I would track down every copy of that show and smash it.
Womit feststeht, dass die größte Gefahr für das Internet nicht eine kollektive DDoS-Attacke der Al-Quaida oder eine Gruppe fieser chinesischer Elite-Hacker ist, sondern George Lucas mit einem Vorschlaghammer. Und ganz ehrlich, ich hätte ja nie geglaubt, dass ich das mal sagen würde, aber ich kann George Lucas hier absolut verstehen. Das Star Wars Holiday Special ist ein Musterbeispiel dafür, wie man eine Fernsehsendung nicht machen sollte. Außer das Ziel ist es gewesen, 90 Minuten mit dem unlustigsten Fernsehhumor westlich von Gott sei Dank… dass Sie da sind zu füllen. In dem Fall kann man hier wirklich so einiges lernen.
Star Wars war - wie wir aus unzähligen Artikeln zu dem Film wissen - ein “Weltraummärchen”. Eines mit viel Projektionsfläche: Der einfache Farmersjunge vom Land, der die Prinzessin rettet (okay, das ist seine Schwester… aber das wusste man damals ja noch nicht) und nebenbei den Drachen (Todesstern) erlegen darf. Und wer es etwas ruppiger mochte, der durfte sich auf Han Solo projezieren. Als Spin-Off zu diesem Märchen ist das Holiday Special in etwa so, als wenn man ein Spin Off zu Dornröschen drehen würde… das sich dann damit beschäftigt, wie das Küchenpersonal im Dornröschenschloß das Festmahl vorbereitet oder auch mal schnell feucht durchwischt, falls das nötig sein sollte. Der Absprung von “X-Wing im Graben” zu “Wookies anderthalb Stunden bei der Hausarbeit zugucken” ist schon ein ziemlich gewagter leap of faith.
Das wird auch nicht dadurch besser, dass einem die ständigen Wookie-Dialoge in Knurr- und Röhrsprech nach knapp fünfzehn Minuten nur noch auf die Eier gehen. Was sich nicht bessert in den folgenden 75 Minuten. Jenseits davon muss man sich fragen, ob die Macher dieses Specials überhaupt mal den ersten Film gesehen haben. In der schmierigen Kaschemme in der Han Solo noch vor kurzem die Wand mit Greedos fritiertem Gehirn dekoriert hat, wird jetzt getanzt? Und die Bardame ist davon überzeugt, dass jedes noch so kleine Problem mit einem schnellen Lied zu beheben ist? Ohne dass ihr einer der Weltraumpiraten mit dem Blaster die Frisur ankokelt? Wow… so kann man die Reputation eines ganzen Orts auch ruinieren. Hive of scum and villainy? Deine Mutter.
Ohnehin: Die Kombo Varieté + Star Wars funktioniert… “überraschenderweise”… nicht. Das Zielpublikum des Sternenkriegs waren ganz eindeutig Jungen die Spielzeug kaufen und jung gebliebene Männer (Kindsköpfe). Beides nicht gerade die Zielgruppen, die man mit einer Happy Slappy Variety Hour in Verbindung bringen würde. Außer vielleicht mit der Muppet Show, aber die konnte zumindest eine ganze Schubkarre Anarchie, einige der bewusst miesesten Kalauer aller Zeiten und Statler & Waldorf vorweisen, während dieses Special Bea Arthur, die Schralle aus dem Denver Clan und The Jefferson STARSHIP präsentiert. STARSHIP, um Gottes Willen. Gut, es hätte schlimmer kommen können, wenn man eine Country-&-Western-Kombo eingeladen hätte. Aber auch nicht mehr viel schlimmer.
Wenn man die langweiligen Putz-&-Koch-Szenen und die überflüssigen und unlustigen Gesangseinlagen und Sketche weglässt, dann bleibt nicht mehr viel übrig. Und wenn man bedenkt, dass das was übrig bleibt irgendwie Kanon ist, dann reicht das fast schon aus um die Episoden V und VI auch gleich mal präventiv abzuwerten. Einfach weil es verdammt schwer fällt, das Imperium als Bedrohung zu sehen, wenn man überlegt dass die Leute sich von einem Kinderspielzeug austricksen lassen, zu blöd sind zu bemerken wenn einer ihrer Männer im Dienst getötet wird (hohe Desertationsrate, nehme ich mal an) und ganz nebenbei noch böse sind einer total cartoonhaft-überzogenen Manier. Tische umtreten und Schnurrbartkämmer ohne zu bezahlen abgreifen. Dieses “böse sein, nur um böse zu sein”. Wäre ein veritabler Superschurke wie beispielsweise Herzog Igzorn aus der Gummibärenbande dabei gewesen, als die Imperialen das Kinderzimmer zerlegten, er hätte diese Form der Bösartigkeit sicher als “total sinnlos” und “albern” empfunden.
Nicht dass die Rebellen hier besser wirken. Prinzessin Leias windschiefe Gesangseinlage am Ende des Specials reicht eigentlich völlig aus um zu wissen, dass man dem Haufen Bekloppter zwar nicht im Wege stehen will… aber ihnen folgen möchte man vermutlich auch lieber nicht.

Gibt es irgendwelche “mitigating factors” für diesen TV-Gau? Einen. So ein wenig. Das Cartoon-Segment in der Mitte sieht gar nicht mal so schlimm aus und es hat Boba Fett ins Universum von Star Wars eingebracht. Was aber eigentlich auch nicht davon ablenken darf, dass die Story auch in diesem Cartoonsegment höchst halbgar bis hirnzersetzend hanebüchen ist. Trotzdem: Im Vergleich zum Rest dieses Specials wirkt das Zeichentricksegment so, als habe man Akira irgendwo in die Mitte des neuesten Uwe-Boll-Spektakels gepackt. Oder als wenn STARSHIP auf der Special Edition ihres Best-Of-Albums die komplette “Strange Days” von den Doors als kleines Interludium einbauen würden.
Alles in allem ist das Star Wars Holiday Special ein Musterbeispiel für alles was am amerikanischen Fernsehen der Siebziger Jahre schlecht war. Und es ist ein Dämon der alle Beteiligten bis heute verfolgt: Alec Guiness und Peter Cushing dürften drei Kreuze gemacht haben, dass ihre Figuren schon im ersten Film ablebten. Anders als Mark Hamill, Carrie Fisher, Harrison Ford, James Earl Jones und den anderen Beteiligten kann sich George Lucas zumindest damit trösten, dass sein Name nicht einmal im Abspann fällt und er somit seine Hände mehr oder weniger in Unschuld waschen darf.
Wer tatsächlich das Bedürfnis hat, George Lucas so richtig zu ärgern, der darf die bekanntesten Videohoster im Netz nach Bootlegs dieses Geschmacksverbrechens abgrasen. Zur Warnung: Nach diesen 90 Minuten ungefiltertem Bullshit kann es passieren, dass man die Prequel-Trilogie plötzlich für richtig gut hält. Das Gefühl geht nach einiger Zeit wieder weg (so wie auch das Bedürfnis den eigenen Kopf so lange gegen die nächste Wand zu hauen, bis der Schmerz nachlässt). Und in der Zwischenzeit ist man innerlich so tot, dass man sich sogar an den übelsten Film heranwagen kann, den man bisher nie komplett ertragen konnte.

Achja: Fans von The Jefferson STARSHIP dürfen dieses Special natürlich gar nicht verpassen. Und Fans von Jefferson STARSHIP dürfen auch gleich noch der Endnote fünf Punkte hinzufügen. Euch Leuten ist ohnehin nicht mehr zu helfen.
0/5


September 7th, 2007 at 4:26 pm
Herrlich zu lesen… ich hab mich schlappgelacht. Aber ich glaube ich tu mir den Quark besser niemals an. Das hört sich noch schlimmer an als die EwokKinderfilme…
September 7th, 2007 at 6:05 pm
JESUS, Björn! Du machst mich fertig mit deinen langen Artikeln ;).
Wo nimmst du nur die Zeit her?
Das ist jetzt ca. der 10. Artikel, den ich noch lesen muss von dir. Ich komme gar nicht mehr hinter her ;).
September 7th, 2007 at 7:31 pm
Hab mich fast verpinkelt vor lachen.
Übrigens, das schlimmste an Regel 34 ist, dass sie wahr ist!
Und ich finde es gut, dass du Herzog Igzorn in den Artikel eingebracht hast. Da kommen schöne Erinnerungen an meine Kinderzeit zurück.
Ansonsten: Ich hatte nie vor das Holiday Special zu sehen und werde es jetzt erst recht nicht sehen.
September 7th, 2007 at 8:03 pm
Ich muss Taluien beipflichten, vor diesem meisterhaften Artikel hielt ich die Ewok-Kinderfilme für den schlimmsten Teil von StarWars, jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ich glaube, wenn ich irgendwann mal 90 Minuten Zeit übrig habe und sehr merkwürdige Laune, dann muss ich mir das auch mal antun.
September 8th, 2007 at 12:14 pm
[...] Agitpop: Bloody Stupid B-Movies: The Star Wars Holiday Special Das Star Wars Holiday Special ist Teil des großen Kanons. Irgendwie. Auch wenn wir nicht darüber reden. Das ist ein wenig wie mit dem missgestalteten Cousin, den man in Ketten liegend in einem dunklen, abgesperrten Raum im Keller hält. Sicher, er hat seit zwanzig Jahren das Tageslicht nicht gesehen und ist gezwungen sich von Ratten, toten Katzen und Hobos zu ernähren… aber irgendwie ist er doch Teil der Familie. Auch wenn man ihn lieber totschweigen würde. Und als alter Star-Wars-Nerd ist es damit absolut legitim das Special so zu behandeln, wie ich auch jeden regulären Film behandelt hätte. Nicht dass mich das Fehlen dieser Legitimation daran gehindert hätte. Aber das ist wie mit geplanten Kriegen und der Legitimation durch den Weltsicherheitsrat. Klar, man braucht die Zustimmung der Veto-Mächte eigentlich nicht. Aber es ist trotzdem irgendwie nett, wenn man sie hat. [...]
September 8th, 2007 at 2:47 pm
Komisch…. ich habe nach der Hälfte aufgehört zu lesen, weil (und so geht es mir immer wenn du Trash zerlegst) ich den Quatsch gleich selber sehen will!!! Autsch!
September 9th, 2007 at 12:08 pm
Während ich das Special nach der Hälfte abgebrochen habe, weil es so unglaubliche Pisse ist. Wer auf tolle schlechte Unterhaltung steht, sollte sich ‘Turkish Star Wars’ antun. Ehrlich.
September 9th, 2007 at 12:26 pm
Wobei… Allein schon die Küchenszenen werfen zahlreiche Fragen auf: Warum nutzen die Wookies keinen Geschirrspülautomaten? Sind dort Haare im Essen ein Garant für Qualität? Stinken die Hände nach nassem Hund? Müssen sie sich die Hände nicht fönen? Und wie muss so ein Fön designt sein, damit sich keine Haare in ihm verfangen?