Die Filmkristallkugel: September ‘07 - November ‘07
Zeit für die dritte Filmkristallkugel. Standardanfang: Gedanken zu Trailern von Filmen die mich interessierten und die in den nächsten drei Monaten in den USA anlaufen sollen.
Ich steh’ ja wirklich auf gut gemachte Western. Sergio Leone, Sergio Corbucci, Fred Zinnemann, Clint Eastwood. Und sogar Sam Raimis The Quick & The Dead und Richard Donners Maverick fand ich ganz charmant. Aber dieser Trailer gibt mir irgendwie gar nichts. Gut, da ist Russel Crowe und Sachen explodieren und Leute schießen aufeinander… aber irgendwie reizt mich der Trailer trotzdem noch gar nicht, weil das alles sehr generisch wirkt. Mal die ersten Kritiken abwarten.
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Basierend auf einem Comic der von der wirklich coolen Grundidee (dreißigtägiger Vampirangriff dank Polarnacht auf Barrow, ein Kaff in Alaska) und dem ziemlich spiffigen Artwork von Ben Templesmith lebte, aber gleichzeitig auch sehr darunter litt, dass Autor Steve Niles ein echtes Problem damit hat einen soliden Handlungsbogen aufzubauen. Die einzelnen Stories fühlten sich immer so an als wenn in der Mitte ein entscheidender Teil fehlte und das Ende kam immer schrecklich abrupt. Wie aus dem Nichts. Aber immerhin, die Action stimmte. Wenn man es schaffen sollte, die Action genau so umzusetzen - und der Trailer verspricht einige visuelle Schmankerl und orientiert sich sehr nett an Templesmiths Zeichnungen- und nebenbei die Handlung und die Charakterisierung ein bisschen aufwertet, dann könnte das hier einer der coolsten Vampirstreifen der letzten zehn oder fünfzehn Jahre werden. Ich freu mich drauf. (Plus: Muse kommt als Trailermucke für solche Filme immer gut, wie der Herr ASB schon sehr richtig feststellte.)
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Wir hatten italienische Amerikaner im ersten Scarface, im Paten und als Goodfellas, wir hatten jüdische Amerikaner in Once Upon A Time In America, wir hatten kubanische Flüchtlinge im Remake von Scarface und Ridley Scott wagt sich nun an einen Mafia-Film in dem es um die afro-amerikanische Mafia geht. Pluspunkt ganz am Anfang: Der Film strahlt ein sympathisches Siebziger-Flair aus, was bedeutet dass wir uns keine Sorgen machen müssen, dass uns ein Bling-Bling-Gepose im Stile von Get Rich or Die Tryin’ ins Hause steht. (Wobei wir aber wohl leider auch keinen Blaxploitation-Style mitbekommen werden. Schade.) Und zu einem guten Rise-und-Fall-Mafia-Epos kann ich eigentlich nie “nein” sagen. Selbst wenn schon wieder der fiese Russel Crowe mitspielt.
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The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
Hm, der Teaser verrät natürlich noch gar nichts über den Film. Der öffnende Shot erinnert mich stilistisch ein wenig an Jim Jarmuschs Dead Man. Und ob ich Brad Pitt den Jesse James abkaufe, das wird sich noch zeigen. Der Film selbst scheint in der Post-Production schwere Probleme gehabt zu haben: Die dreistündige Testversion war zu lang, das Studio wollte mehr Action und weniger Introspektive. Gegen einen wirklich guten Spät-Western hätte ich allerdings nichts einzuwenden. HBOs wunderbare Serie Deadwood hat mich für das Thema wieder sehr empfänglich gemacht und Clint Eastwoods Unforgiven liegt ja nun auch schon wieder 15 Jahre zurück. Mal schauen was der volle Trailer verspricht.
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Ist es wirklich schon fast zehn Jahre her, dass Seinfeld endete? Yikes. Der erste Gedanke: Promis als Insekten? Hatten wir das nicht schon in Antz? Mein zweiter Gedanke: Die ersten beiden Trailer für Jerry Seinfelds neues, animiertes Spektakel sind mit das unterhaltsamste, was ich in den letzten Jahren an Trailern gesehen habe. Da läuft ein Realfilm-Jerry-Seinfeld dann in einem überdimensioniertem Bienenkostüm durch ein Realfilm-Set und erlebt die Tücken des Filmdrehs, ehe ein gastauftretender Steven Spielberg einwilligt halt einen Animationsfilm zu drehen. Das ist schon mal sehr lustig und sympathisch. Trailer 3 und 4 - in denen es wirklich um den Film selbst geht - deuten derweil darauf hin, dass Bee Movie auch mit ordentlich schwarzem Humor nicht geizen wird. Und schwarzen Humor kann Seinfeld definitiv. Sieht also bisher ziemlich gut aus.
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Brauchen wir diese Beowulf-Version wirklich? Die ultimative Verfilmung hat uns doch schon Christopher Llambert im Jahre 1999 gebracht. Okay, lassen wir den Spott. Der Film kann einige sehr interessante Namen vorweisen: Roger Avary (Killing Zoe) und Neil Gaiman (Sandman, American Gods) haben die Adaption geschrieben, Robert Zemeckis darf Regie führen und vor der Kamera werden sich Anthony Hopkins, John Malkovich und Angelina Jolie ein Stelldichein geben. An Namepower mangelt es schonmal nicht.
Der Trailer sieht aus wie das uneheliche Kind von 300 und Herr der Ringe und wirkt an vielen Stellen schon sehr gekünstelt, weil man den CGI-Übermord doch sehr deutlich erkennen kann. Andererseits: Erstmals scheint ein Beowulf-Film den Drachen einzubinden und gerade Neil Gaiman, einem meiner Lieblingsautoren, traue ich tatsächlich zu, dass er aus dem Stoff etwas ganz Neues und ganz Eigenes machen kann. Bleibt halt abzuwarten ob das Pendel am Ende in Richtung kreativer Story oder cgi-beladenem Actionfeuerwerk ausschlägt. Idealerweise verbindet Beowulf natürlich beides.
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Noch kein Trailer vorhanden. George A. Romero kehrt zu seinen Wurzeln zurück und gibt uns einen Indie-Film über eine Gruppe Filmstudenten, die einen Horrorfilm drehen wollen… ausgerechnet in der Nacht der Lebenden Toten. Laut diesem Interview stilistisch an das Blair Witch Project angelehnt, will Romero seinen Zombie-Mythos auffrischen und ein paar unbeantwortete Fragen klären. Der letztere Teil macht mir ein wenig Magendrücken, weil man einen Mythos schnell toterklären kann oder riesige Logiklöcher aufreißt, bei dem Versuch kleinere zu schließen… aber dann wiederum: Land of the Dead hat mir gezeigt, dass Romero es noch immer kann. Und wegen des Indie-Status dieses Films hat er kein Studio hinter sich, das ihn ausbremsen könnte. Ich bin also mal sehr gespannt darauf, was der kleine Mann mit der riesigen Brille hier mit dem Zombie-Genre anstellt.
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Fast zehn Jahre in der Mache: Der Film auf den wir alle gewartet haben. Die Fortsetzung von Elizabeth. In dieser Episode: Wird es Elizabeth 1 (zusammen mit Johnny 5, Ripley 8 und Malcolm 10) schaffen die fies-gemeine spanisch-katholische Armada zu stoppen? Der Trailer verspricht brachiale, überproduzierte und überkandidelte Geschichtsklitterung mit klarem Gut-Böse-Schema. Das wiederum verspricht viele belanglose Dokus über “die echte Armada” in irgendwelchen Specials im SPIEGEL oder während der Guido-Knopp-Stunde im ZDF (jetzt mit 10% weniger Hitler).
Die Seeschlachten könnten ganz lustig werden, was auch für Clive Owen als Sir Walter Raleigh und Geoffrey Rush als Sir Francis Walsingham gilt. (Let’s face it: Lizzie 1 hatte das beste Privy Council.) Aber lustige Seeschlachten kann ich auch ohne bedeutungsschwangeren Pompkitsch in Pirates of the Carribean haben. Weckt mich wenn wir in der Phase des elisabethanischen Zeitalters ankommen, in der Francis Drake die Karibik unsicher macht. Okay?
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Weil keine Kino-Saison vollständig wäre ohne einen Streifen, in dem ein ultramaskuliner Virilitätsklotz sich plötzlich mit einem kleinen Kind rumschlagen muss und diese Art von Film ja nie aus der Mode kommt. Ist ein bisschen wie mit mit Syphilis, Chlamydien oder der Pest am Arsch. Dieses Mal mit Schwarzenegger Vin Diesel Hulk Hogan The Rock und einem weiteren Kind dessen Namen man erst wieder lesen wird, wenn es mit 16 als drogensüchtiges Wrack die Tabloids füllt. Danke, Hollywood. Danke, Walt Disney. Danke, Standard-Plot-Generator.
Oh, eines noch: The Rock? Falls das dein Versuch ist dich “aus der Schublade des Actionhobels” rauszuspielen: Voll in die Falle gelaufen. Das versucht jeder Actionhobel mal und es klappt nie. Damit hast du dich sogar noch tiefer in die Schublade begeben. Aber, hey, den Karrieren von Vin Diesel und Hulk Hogan hat es ja auch nicht gesch… ähm… okay… nächster Film.
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Eigentlich gibt mir dieser Trailer ja gar nichts. Jede Frau mit der Dane Cook schläft findet kurz danach ihren Traummann. Weshalb alle Frauen mit Dane Cook schlafen wollen. Bis Dane Cook auf Jessica Alba trifft und nicht mit ihr schlafen will… weil er sie nicht an einen anderen Mann verlieren möchte. Oooooch. Spätestens jetzt sollte sie zu den unter ihrem Büro-Stuhl befestigten Kotztüten gegriffen haben. Denn hier die Rollenbeschreibung von Jessica Alba:
a lovable but clumsy penguin trainer
Liebenswerte, wenn auch leicht tollpatschige, [verrückter Beruf hier einfügen]? Wow, Hollywood. Das ist ja mal gaaaanz was Neues. Total unschabloniert. Chapeau. Und da behauptet man, euch gingen die Ideen aus. Bonusbrech dafür, dass sie “Pinguine dressiert”. Das ist einerseits total crazy und flippig, so wie es die Zielgruppe wünscht, andererseits aber immer noch dicht genug an Hollywoods momentaner Faszination für Pinguine um nicht total abwegig zu wirken. Wenn dieser Film dann nächstes Jahr einen Oscar abräumt, dann weiß ich zumindest ganz sicher, dass inzwischen 90% der Academy von bösartigen Pinguinmenschen von Beteigeuze oder den fiesen Pinguinen von Leng ersetzt worden ist.
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Ein Slasherfilm der alten Schule im Jahre 2007? Irgendwo zwischen der “Hillbilly-Idylle” des ersten Texas Chainsaw Massacre und dem bewaldeten Camp Crystal Lake aus Friday the 13th? Die Namen der Akteure vor der Kamera klingen für den Horror-Kenner schon mal interssant: Robert Englund, Tony Todd und Kane Hodder. Der Trailer sieht auch angenehm vermodert und verkommen aus. Nachdem das post-ironische Slasher-Genre seit den Tagen von Scream zur Parodie seiner selbst verkommen ist und die modernen Remakes alter Horrorfilme (Michael Bay präsentiert ein texanisches Kettensägenmassaker) generell eher zum Gähnen als zum Gruseln waren, könnte es wirklich an der Zeit sein, dass Hollywood sich an seine alten Schlockbuster-Werte erinnert.
Allerdings muss man natürlich im Gegenzug aufpassen, dass der Film am Ende nicht einfach wie ein blasser Abklatsch des New American Horror wirkt. Irgendetwas Neues muss er dem Menü hinzufügen. Dass der Film sich im ersten Anlauf wegen Sex und Gewalt ein NC-17-Rating eingefangen hat, deutet auf jeden Fall darauf hin, dass das hier kein total eierloser Mainstreammurks werden sollte.
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Endlich. Eine Spielserie die bekannt ist für ihre Fähigkeit eine total simple Story in einen konvuluten, narrativen Clusterfuck zu verwandeln kommt auf die große Leinwand. Und um dem Vorbild in nichts nachzustehen, arbeitet der Hitman im Film für einen Kirchenorden im Exil und tötet “um die Welt von dem Bösen zu befreien, das sie infiziert”. Natürlich wird der Hitman betrogen und - kleine Vermutung - der Orden ist vielleicht nicht ganz so toll wie er erscheint. Fügen wir dem Gesamtbild noch einen Faktoid aus der Wiki hinzu (”the greatest threat to 47’s survival may be the stirrings of his conscience and the unfamiliar emotions aroused in him by a beautiful, damaged girl“) und wir dürfen davon ausgehen, dass auch dieses Jahr kein Oscar an eine Videospielverfilmung geht. Nicht einmal die Actionszenen im Trailer sprechen mich an und als videospielender Actionnerd sollte ich doch eigentlich zur Zielgruppe gehören, oder? Der Trailer wirkt nicht einmal “so schlecht, dass er schon wieder gut” sein könnte, sondern einfach nur langweilig und belanglos. Wann kommt Hitman 5 als Spiel auf den Markt?
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Der neue Streifen von Sean Penn, basierend auf einer blablabla. Ich glaube ja, diese Art von Filmen ist das was unsere Generation als “cooles” Surrogat für die “uncoolen” Natur-Dokus auf den öffentlich-rechtlichen Sendern verwendet. Aber gut, der Trailer sieht auf jeden Fall sehr bildgewaltig aus. Und daraus können wirklich wunderschöne Filme entstehen. Nur dass die mich meist nicht ins Kino treiben… was hier wohl auch wieder so sein wird.
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Der Film zu den Riyadh Compound Bombings und ein Beweis dafür, dass der Krieg gegen den Terror wirklich nicht mehr “heilig” ist, sondern im Actiongenre ein wenig in die Rolle schlüpft, die in den Achtzigern der Krieg gegen die Drogen hatte: Ein bequemer Backdrop vor dem man seine Kaputtmach-Orgien abfeiern kann und trotzdem irgendwie relevant wirkt. Der mit Rockmusik unterlegte Trailer, der uns in Zeitlupe fliegende Bazooka-Geschosse und sich auf den Kopf drehende Autos präsentiert, deutet auf jeden Fall nicht darauf hin, dass uns hier ein übermäßig nachdenklicher Film droht. Auf eine gewisse 24-Art-und-Weise sieht das alles trotzdem irgendwie schick aus.
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Meryl Streep und der Giftzwerg im gleichen Film? Junge, manchmal magst du mich wirklich nicht, Hollywood. Dann wiederum, Robert Reford ist dabei. (Wie kann der Mann bitte schön schon 71 Jahre alt sein? Okay… Botox + gute Gene.) Während der Rest der Welt fasziniert auf den Irak-Krieg blickt, scheint dieser Streifen zwischen dem “vergessenen” Krieg in Afghanistan und Washington hin- und herzupendeln. Was der Trailer noch offen lässt ist, ob er sich als patriotisches Vehikel, Antikriegsanklage oder Mittelding zwischen den beiden Extremen versteht. Interessant ist er aber schon alleine deshalb, weil Popkultur (und nichts anderes ist Hollywood) immer gleichermaßen von der Realität beeinflusst wird und auch die Realität beeinflusst. Das bedeutet, dass Lions and Lambs wohl in der ersten großen Abhandlung zum Thema “War on Terror in Fiction” aufgegriffen werden dürfte.
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Ein Anwaltsthriller… eigentlich dürfte man jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, präventiv “John Grisham” rufen und dann panisch aus dem Fenster springen. Aber der Film wird von George Clooney produziert. Und man muss es Häuptling Silberlocke einfach lassen: In den letzten Jahren hat er sich eine Reputation dafür geschaffen, gute und interessante Drehbücher auszuwählen und zu fördern. Ich vertraue also einfach mal darauf, dass Clooney seinen Touch nicht verloren hat. Der Trailer sieht nach sehr klassischer Thrillerware aus, aber das muss nun wirklich nicht schlecht sein. Immerhin ist der Thriller als Genre schon ziemlich wetterfest.
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Aus der Kategorie: Filme die man in Deutschland wohl nicht mit ihrem Originaltitel rausbringen wird. Da ist irgendwas im Nebel. (Geisterpiraten?) Gruppe die unter widrigen Umständen gefangen ist und dann langsam zerbricht? Das ist eine Standardformel, aber immerhin eine aus der bessere Filme entstehen können als aus der Formel “Muskelmann + altkluges Kind”. Auch wenn die CGIdechse (Wortspielhölle, Ladies und Gentlemen) im Trailer irgendwie käsig wirkt. Wie bei fast allen King-Verfilmungen der letzten Zeit: Sieht nach ‘nem Film aus, den man sich mal auf DVD oder Freitags auf ProSieben angucken kann, aber Kinogeld muss man dafür eher nicht ausgeben.
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Falls jemand noch nicht gerafft hat, dass der Filmtitel schon einen echten Comedyburner verspricht: Billy Bob Ex-Jolie hält auf dem Filmplakat zwei Basketbälle in Schritthöhe. Von wegen “giant balls” und “wood cock” und so. That being said: Billy Bob Thornton kann sehr unterhaltsam sein und Physical Comedy ist nie wirklich aus der Mode gekommen. Die Szene im Trailer in der Thornton den jungen Sean William Scott (wir erinnern uns: der Sohn von Stiflers Mom) mit einem Baseballschläger traktiert sah amüsant aus. Und Klappstühle auf den Rücken kommen immer gut. Sieht definitiv nicht “kinounterhaltsam” aus, aber für die DVD könnte es schon reichen.
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Die Coen-Brüder waren ja mal die heißesten Eisen die Hollywood im Feuer hatte, aber in den letzten Jahren tat sich da leider erschreckend wenig. Der Trailer zu No Country gibt uns verschrobene Charaktere aus dem Süden der USA, ein wenig Action und einige Leichen. Erster Gedanke: Fargo im Sand. Wird es wohl am Ende nicht werden, so weit traue ich den Coens dann doch noch. Tatsächlich sorgt der Fargo-Faktor für einen gewissen Vertrauensvorschub: Denn mit dem Film haben sie ja bewiesen, dass sie schwarzhumorige Thriller mit sympathischen, leicht bizarren Figuren beherrschen. Also: Spielt’s nochmal, Joel & Ethan.
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Ich frage mich ja ernsthaft, ob wir uns derzeit künstlerisch in einer Phase des amerikanischen Kinos befinden, die vergleichbar ist mit der Desillusioniertheit der Post-Vietnam-Ära. Auf jeden Fall scheint Hollywood endgültig seine Freude am Krieg gegen den Terror verloren zu haben (vielleicht mit der Ausnahme von Actionregisseuren wie Michael Bay… aber aus Vietnam konnte man damals ja auch noch Missing in Action und Rambo 2 basteln) und sich jetzt künstlerisch kritisch mit dem Post-9/11-System auseinanderzusetzen. (Was für mich ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass auch der Bevölkerungsmainstream in den USA dem derzeitigen System kritisch gegenüber steht.)
Hier geht es, wie der Titel schon andeutet, um das System der Extraordinary Rendition… wenn man es schafft da einen Film zu drehen der unbequem ist, der es schafft das ganze nicht als Gut-Böse-Stück aufzuführen, sondern mit vielen Grautönen zu arbeiten, der vor unbequemen Wahrheiten (du warst nicht gemeint, Al Gore) zurückschreckt, der versucht zu erklären warum das System benutzt wird, obwohl es grundlegende menschenverachtend ist und keine einfachen Antworten anzubieten, dann könnte das hier wirklich guter, wirklich interessanter Film werden. Das sind natürlich sehr viele Wünsche auf einmal. Aber, egal ob ich ihn sehe oder nicht: Liebe Feuilleton-Redakteure, starten Sie schon einmal ihre Schreibmaschinen.
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Der erste Resident Evil war um einiges besser als er das Recht hatte zu sein. Also, nicht in der Kategorie “Kinofilm”, sondern eher in der Kategorie “Bierfilm”. Bierflaschen verzerren nämlich die Wahrnehmung eines… aber das ist eine These, die ich dann mal morgen oder so mit schematischen Darstellungen hier im Blog präsentiere. Anyway. Resident Evil 2 hat mich nicht ganz so überzeugt in der Kategorie “großer, dummer Film”, aber er hat seinen Job gut genug getan. Und der Trailer zu Resident Evil: Extinction verspricht mehr vom Gleichen: Zombies, Babes, überkandidelte bis lächerliche Actionszenen und dazu noch ein ziemlich spiffiges Mad-Max-Wüsten-Setting. Ein Film fürs Kino? Teufel, nein. Denn den Film will man mit Kumpels gucken. Und die Kosten für zwei oder drei Kino-Tix kann man besser in eine Leih-DVD und einen Kasten Bier investieren. Aber ich denke es ist nicht zu vermessen, wenn ich die ersten Biere für den Film schon mal kaltstelle.
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Was mich gerade ein wenig beunruhigt: Dass der Teaser-Trailer für eine Komödie zwar ein wenig Slapstick hatte, aber ansonsten nicht einen Lacher vorwies und der zweite Trailer sich etwas zu stark auf Geschlechtsteilwitze konzentrierte. Aber eigentlich… eigentlich… sollte hier gar nichts schief gehen können, denn so ziemlich in Sachen Prominenz bietet der Film ein echtes All-Star-Team der britisch-amerikanischen Comedy: Regisseur David Schwimmer kennt man aus den beliebten Comedyshows Friends und Band of Brothers, Simon Pegg war für Spaced, Hot Fuzz und Shaun of the Dead verantwortlich, Dylan Moran gab den herrlich bärbeißigen Bernard Black in Black Books und Hank Azaria spricht unter anderem zwei Millionen Stimmen bei den Simpsons. Wenn man Pegg, Moran und Azaria nur genügend Raum gibt ihr natürliches Comedytalent einfach auszuspielen, dann müsste das hier eine wirklich gute Komödie werden.
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Ich habe ja noch nicht einmal den ersten Saw gesehen, darum hier nur eine generelle Frage (gestellt mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Saw V und Saw VI schon in der Machte sind und basierend auf meiner Erfahrung mit anderen Horrorserien, die drei oder mehr Teile vorweisen konnten): Züchtet sich Hollywood da gerade ein neues Franchise heran, über dessen Lächerlichkeit wir in zehn bis fünfzehn Jahren alle lachen werden und dass dann nur noch für Trinkspielchen auf Bad-Taste-Parties dienen wird? Antworten werden in den Comments entgegen genommen.
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Britischer Gun-Porn mit Clive Owen. Das ist schon mal nicht schlecht. Die im Trailer angebotene Ballerorgie scheint sich auf dem Lagrange-Punkt zwischen The Matrix, Crank und Die Hard 2 zu befinden. Stil scheint der Film zu haben. Bleiben die üblichen zwei Fragen bei solchen Style-over-Substance-Trailern: Hat der Film auch seinen eigenen Stil oder saugt er nur den Stil aus anderen Filmen aus? Und schafft es der Film mich auch zu unterhalten, wenn in den Feuerpausen mal Charakterisierung her muss oder der Plot abgearbeitet werden will? Für einen amüsanten DVD-Abend sollte die Ballerorgie aber ziemlich sicher reichen.
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Illegaler Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. Das ist ein ziemlicher Downer. Aber gleichzeitig auch thematisches Neuland. Mir fiele gerade kein größerer Hollywood-Film ein, der sich damit auseinander gesetzt hat. Am Trailer nervt das übermäßig mit Pathos beladene Ethno-Geheule, aber die Bilder sehen gut photographiert aus. Die entscheidende Frage wird sein, ob es dem Film gelingen wird, das Thema sensibel und angemessen umzusetzen, ohne ins total reißerische zu verfallen und ohne am Ende ins klischeehafte Hollywood-Fahrwasser zu geraten? Dann könnte Trade das werden, was Traffic für das Thema Drogenhandel war. Die Academy liebt auf jeden Fall Filme dieser Art, die Tinseltown das Gefühl von Relevanz vermitteln. Ich prognostiziere also einfach mal präventiv mindestens eine Nominierung in einer der Hauptkategorien.
September 3rd, 2007 at 6:26 pm
Anthony Hopkins, John Malkovich und Angelina Jolie
WOW! Gleich drei Leute, von denen ich nicht wüßte, wie ich sie in dem Film unterbringen sollte. Naja, Hopkins vielleicht als Hrothgar? Malkovich? Unferth vielleicht. Aber JOLIE? Wealhtheow? Oder Ma Grendel?
September 3rd, 2007 at 6:28 pm
Und ja, ich gebe zu, nicht den ganzen Artikel vor meinem Kommentar gelesen zu haben.
September 3rd, 2007 at 6:30 pm
OK, ich bin gut. Verdammt gut sogar.
September 3rd, 2007 at 6:33 pm
Und du bist schneller als ich, ich wollte dich gerade loben. Habe ich je von meinem Plan erzählt einen Beowulf zu drehen, in dem nicht Menschen sondern Gegenstände die Rollen spielen? Nur um das Wortspiel machen zu können, dass Hrothgar König der Gardinen ist?
September 3rd, 2007 at 6:37 pm
Erinnert mich an unseren alten Witz, “Gardenian” “Gardinien” zu nennen. Laß’ Dir das vom Herrn H. berichten. Ich habe jetzt auch eine Idee, wo deren Name herkommen könnte.
September 3rd, 2007 at 6:41 pm
Nach dem Erfolg von 300 (konnte man da ja noch nicht wissen) hätte ich im Übrigen Butler als Beowulf genommen. Nochmal.
September 3rd, 2007 at 6:43 pm
Ich hätte ja auf Gardena getippt, aber die stellen Gartengerümpel her. Hmm. Butler kann man in der DVD-Version digital über Ray Winstone drüberkopieren.
Mein Beowulf-Film wäre übrigens hundertprozentig in Alt-Englisch, eventuell bei komplettem Verzicht auf Untertitel. (Oder die Untertitel auch in Alt-Englisch.) Kunst, Baby, Kunst.
September 3rd, 2007 at 6:48 pm
Jau, natürlich im Stabreim. Das wäre der Fall gewesen, wenn Mel Gibson die Sache in die Hand genommen hätte. Aber dafür gibt “Beowulf” dann wohl doch nicht genug Ultraviolence her, hätte man aufmotzen müssen. Und so bin ich froh, daß uns das erspart geblieben ist.
September 3rd, 2007 at 6:53 pm
Ich glaube, die Szenen in denen Grendel die gardenische Trinkhalle besucht, aus denen ließe sich in Sachen Gewaltporn schon einiges machen. Und der full scale dragon assault am Ende des Gedichts gibt auch einiges her in Sachen potentieller Gewaltdarstellung.
September 3rd, 2007 at 7:04 pm
OK, Trailer angesehen. Ma Grendel scheint mir eher vom ‘99er Film inspiriert zu sein als vom Werk. Wären die Verteidiger der Werktreue unter den “Beowulf”-Fans so zahlreich und radikal wie bei LOTR, dann sollten alle Beteiligten erst mal im Untergrund verschwinden. Scheint aber ganz netter Fantasy-Porn zu sein, bin also mal gespannt. Auch darauf, ob und wann MartinM was dazu schreibt.
September 3rd, 2007 at 7:25 pm
OK, das Potential der beiden Szenen sei zugestanden, aber müßte Gibson die dann nicht auf 100 Minuten strecken?
September 3rd, 2007 at 7:27 pm
Ich sage nur ein Wort: Trilogie, Baby. Trilogie.
September 3rd, 2007 at 7:38 pm
“Hatchet” bringts nicht. Echt nicht.
Vertrau mir.
September 3rd, 2007 at 7:40 pm
[...] agitpopblog: [...]
September 3rd, 2007 at 9:21 pm
“Trilogie, Baby. Trilogie.”
Bist Du also ein Anhänger der Dreiteiligkeitsthese (saugeiler Ausdruck) und wagst es somit, Tolkien zu widersprechen?
September 4th, 2007 at 12:13 am
Elizabeth: The Golden Age
Es gibt immer eine Fortsetzung! Immer!
Hatchet
Ist wahrscheinlich schlecht, hatte aber den ultimativen Werbeslogan, der mir wirklich gefallen hatte: “It´s not a Sequel, it´s not a Remake, it´s not based on japanese one. Old school American Horror!”
Hitman
Die Trailer-action war ok, aber es kotzt mich richtig an, dass derzeit so gut wie kein Hollywood-Film ohne eine Liebesgeschichte auskommt. Denn der Hitman ist ja eigentlich ein emotionsloses Arschloch.
Resident Evil: Extinction
Der erste Resident Evil Film war grottenschlecht.
Der zweite war eigentlich auch schlecht, war aber immerhin ein B-Movie mit ordentlich action.
Der dritte Teil hat ein Mad Max-setting. Mmh. Naja.
Run, Fatboy, Run
“Aber eigentlich… eigentlich… sollte hier gar nichts schief gehen können, denn so ziemlich in Sachen Prominenz bietet der Film ein echtes All-Star-Team der britisch-amerikanischen Comedy: Regisseur David Schwimmer kennt man aus den beliebten Comedyshows Friends und Band of Brothers, Simon Pegg war für Spaced, Hot Fuzz und Shaun of the Dead verantwortlich, Dylan Moran gab den herrlich bärbeißigen Bernard Black in Black Books und Hank Azaria spricht unter anderem zwei Millionen Stimmen bei den Simpsons. Wenn man Pegg, Moran und Azaria nur genügend Raum gibt ihr natürliches Comedytalent einfach auszuspielen, dann müsste das hier eine wirklich gute Komödie werden.”
Also, wenn ich mich nicht irre, dann hast du als du Mr und Mrs Smith verrissen hast gesagt, dass gute Schauspieler allein einen Film nicht automatisch gut machen…
Davon mal abgesehen: Es muss jedes Jahr mindestens einen Geschlechtsteilwitz-film geben, also: da ist er!
Ansonsten: Hot Fuzz war schlechter als Shaun of the dead, und black books hatte einen sehr eigenen(, aber wirklich großartigen) Humor, den ich mir nur schwer in einem Film vorstellen kann. Und noch schwerer fällt es mir mir diesen Humor in einem Film aus diesem Jahrzent vorzustellen.
Shoot ‘Em Up
Der einzige Film aus deiner Aufzählung, den ich mir vielleicht im Kino ansehe. Der Trailer sah zumindest vielversprechend aus. Und er sah so aus, als ob man ihn auf einer Kinoleinwand ansehen muss um ihn richtig zu erleben. Aber ich warte erstmal die Kritiken aus dem Internet ab.
September 4th, 2007 at 6:02 pm
Saw I: Sehr gut, innovativ, faszinierend.
Saw II: Gut und immer noch sehenswert. Sogar mit weniger Logiklöchern, obwohl das bei solchen Filmen natürlich zweitrangig ist.
Saw III: Nervig.
September 4th, 2007 at 6:39 pm
“Gut und immer noch sehenswert. Sogar mit weniger Logiklöchern, obwohl das bei solchen Filmen natürlich zweitrangig ist.”
Sie haben ja sogar noch welche aus dem ersten Teil dicht gemacht, wenn ich mich recht erinnere. Und ja: Der dritte Teil war wirklich nicht mehr so besonders - das Ende hat mich allerdings doch wieder überraschen können.
September 4th, 2007 at 10:10 pm
SAW 1 gingso. Der Twist war ziemlich konstruiert.
SAW 2 schwächer. Der einzige richtige Charakter war der Polizist, die Leute im Haus waren 1:1 von Filmen wie Cube geklaut.
SAW 3 war halt noch härter genauso schwach wie der 2te.
Man muss wirklich keinen gesehen haben. Ich dachte eigentlich die hätten das Genre nach den Misserfolg von Hostel 2 eingesargt.
September 6th, 2007 at 12:23 am
Darf ich auch mal?
SAW 1: Überflüssiger überschätzter Müll. Nette Grundidee, hätte ein Knaller werden können, handwerkliches Totalversagen bei der Umsetzung.
Sequels: nicht gesehen.
September 6th, 2007 at 11:54 am
Ich kenne aus der SAW-Reihe nur den ersten Teil, den ich aber ganz gut fand. Gute Grundidee und ein paar Wendungen, die ich nicht erwartet hätte. Nichts um dafür ins Kino zu gehen. Hab ihn auch nicht im Kino gesehen, sondern bei nem Kumpel, der sich den Film bei der Videothek ausgeliehen hat.
Die anderen hab ich nicht gesehen, weil, wie gesagt zum Kinogehen lohnts sich nicht und auch sonst wirkten die anderen so als ob, es dort mehr um die blutigen Tode geht, als um die Handlung.
September 6th, 2007 at 6:15 pm
@Cabuflé: Was hat dir denn bei der Umsetzung so sehr gefehlt. Fandest du die Regie/Kamera so schlecht?
@Kolleteralschaden [sic!]: Ich glaube nicht, dass die Produzenten einen Hehl daraus machen würden, dass die originellen Todesarten wichtiger als die Handlung sind. Zwei cool-überraschende Wendungen gibt es auch beim zweiten Teil.
September 7th, 2007 at 3:20 pm
Hmmm, ich bemühe mich, mich kurz zu fassen, und bitte Björn mir im Zweifel einen Maulkorb zu verpassen, wenn ihm das ganze zu OT wird…
Regie/Kamera? Nun, die Kamera an sich ist gar nicht mal so schlecht, im Gegenteil, das sind im Prinzip alles richtig gute Bilder. Die Regie hingegen ist als solche für mich kaum sichtbar, und da liegt die Crux: Der Film ist eine vergleichsweise wahllose Aneinanderreihung von für sich genommen zum Teil sogar starken Szenen, die aber im Gesamtzusammenhang nirgendwo hinführen. Und zwar wirklich nirgendwo!
Anständig gemachter “Torture Porn” (wie ich finde übrigens eine unglückliche Bezeichnung, die fälschlicherweise nahelegt, das ganze wäre ein neues Phänomen und nicht blos eine weitere Episode in der ewigen popkulturellen Retrospirale) lässt mich zumindest die Qualen der Opfer persönlich nachempfinden (Hostel) oder wirft mich in einen fiesen moralischen Zwiespalt, indem ich unverblümt zur Identifikation mit den Tätern aufgefordert werde (The Devil’s Rejects), was unabhängig davon, wie man es ethisch beurteilen mag, immerhin eine intensive Erfahrung und eine formell zu würdigende künstlerische Leistung ist.
Saw hingegen schafft nicht mal das: ich sehe ein anonymes Opfer nach dem anderen in einer neuen kreativen Folterkammer und denke so: Boah, das ja ma wieder fies jetze… ohne dass mir das Leiden der Betroffenen oder die moralische Zwickmühle in der sie stecken in irgendeiner Form nahegehen würden. Die beiden Opfer, die ausführlicher gezeigt und mir als Identifikationsfiguren angeboten werden widerum beschäftigen sich eher mit gemütlichem Smalltalk, als der Visualisierung ihres Terrors. Was um so trauriger ist, da man aus diesem “Du oder er!”-Prinzip tatsächlich richtig viel hätte rausholen können.
Diese dramaturgischen Schnitzer finden ihre stilistische Entsprechung in der videoclipartigen Montage mit harten Jumpcuts, Zeitrafferaufnahmen usw.
David Fincher und Oliver Stone gelangen auf diese Weise wirklich eindringliche und mitreißende Bild- und Tongewitter. Saw-Regisseur James Wan lässt jedoch das Fingerspitzengefühl vermissen mit dem Fincher und Stone (u. a.) am Werk waren. Bei ihm verkommt das ganze zum puren Selbstzweck, zielt nicht auf die Erzeugung einer konkreten Emotion beim Zuschauer sondern sagt die ganze Zeit nur: Kuck ma, wie krass das alles ist!
So ist Saw am Ende vielleicht gar nicht mal so richtig beschissen, ja sogar ein nettes Party-Tape. Da der Film aber so von vorne bis hinten auf “Kult” und “neue Avantgarde” gebürstet ist und nicht als Direct-to-DVD im Hinterzimmer einer Videothek auf bekiffte Freaks wartet (was angemessen wäre) fallen die ganzen Schwachpunkte in meinen Augen nunma deutlich schwerer ins Gewicht…
September 7th, 2007 at 4:04 pm
Wieso zu OT? Ich habe im Post selbst eine Frage gestellt und ihr diskutiert gerade darüber. Macht mal ruhig weiter.
September 7th, 2007 at 9:10 pm
Wegen der Aufforderung bin ich ja auch (gerne) speziell auf Saw eingegangen.
@cabuflé: Ein Problem mit den Identifikationsfiguren sehe ich auch, allerdings ein anderes als du. Ich finde, Dr. Gordons Charakter wird ausreichend beleuchtet, um normalerweise eine Beziehung zu dieser Figur aufbauen zu können. Aber was ist er? Ein oberflächlicher, arroganter Arzt, der seine Frau betrügt. Ok, das ist es auch wofür Jigsaw ihn bestraft, aber eigentlich sollte man einem Horrorfilmopfer die eine oder andere positive Eigenschaft zubilligen, um Mitleid oder andere Emotionen zu wecken. So geht mir dieser Typ am Gluteus Maximus vorbei. Soll Jigsaw ihn doch über die Klinge springen lassen… Dass für diese Rolle ausgerechnet Cary Elwes, der Trottel aus Helden in Stumpfhosen und Hot Shots gecastet wurde, macht es umso leichter.
Trotzdem hat mir der Film wie gesagt aufgrund des Einfallsreichtums gut gefallen.
September 9th, 2007 at 5:21 am
Na ja, den Einfallsreichtum als solchen vermag ich ja auch zu würdigen, aber das vergrößert das Debakel in meinen Augen: In Saw schlummern mindestens drei gute Filme, die halt nur leider zu einem unförmigen grobschlächtigen Klumpen zusammengebacken sind. Ich will das gerne am Beispiel der Figur von Dr. Gordon erörtern:
Ein fähigerer Regisseur (oder sagen wir: “ein besonnener” - Herrn Wan auf Grund eines missglückten Erstlings jegliches Talent abzusprechen läge mir fern) hätte es geschafft, dass ich mich trotz dieser Mäkel mit Gordon identifiziere. So schwer wäre das nun nicht. Arroganz und Untreue sind ja letztlich allzu menschliche Schwächen, die jeder zumindest im Ansatz nachzufühlen im Stande ist.
Oder er wäre den umgekehrten Weg gegangen: Hätte voll auf die von dir beschriebene Abneigung gesetzt, Gordon als mieses Arschloch vorgeführt, dem man die Behandlung durch JigSaw so richtig gönnt, also den Zuschauer in die Rolle des Täters gedrängt, was ja im Horrorgenre eine durchaus gängige Vorgehensweise ist und sich bei diesem Stoff, der zum großen Teil von der Faszination für all die kreativen Foltermethoden lebt, auch angeboten hätte.
Denkbar (und vermutlich letztlich die interessanteste Variante) wäre es auch gewesen beides zu kombinieren: Erst den Hass auf den Doktor schüren und anschließend, wenn die erste Genugtuung ob seines plötzlichen Leides verklungen ist, die Taktik wechseln und den Zuschauer die Qualen unmittelbar spüren lassen.
In der vorliegenden Form hängt es halt irgendwie dazwischen in der Luft, der Typ ist mir, ebenso wie sein Mitgefangener, einfach ziemlich egal.
Dass Cary Elwes vorher in erster Linie durch komödiantische Rollen aufgefallen ist, spricht widerum nicht zwangsläufig dagegen, ihn für eine derartige Rolle zu besetzen.
September 10th, 2007 at 3:53 pm
Jetzt verstehe ich endlich, was du mit verpassten Chancen meinst. Ja, darauf können wir uns einigen. Gute Argumentation.