Gedanken zu Mügeln: Das Scheitern der Zivilgesellschaft
Dann also doch nochmal zu Mügeln, auch wenn das Thema im Medienzyklus inzwischen stark auf dem absteigenden Ast ist und wohl in ein paar Tagen zusammen mit Lindsay Lohans neuester Justizposse oder dem Diana-Gedenkgottesdienst in die “War da was?”-Kategorie einsortiert wird. Zumindest sofern sich keine schockierenden, neuen Erkenntnisse ergeben. Dass die attackierten Inder ein paar Sakara-Steine bei sich trugen und einen fiesen Kali-Kult in Deutschland einführen wollten, oder sowas. Was wohl, da bin ich mal wagemutig, eher unwahrscheinlich ist.
Beim antibuerokratieteam in den Kommentaren findet sich ein Link auf diesen Bericht der Leipziger Volkszeitung. Im verlinkten Text lassen sich ein paar Infohäppchen entdecken, die ich an anderer Stelle bisher noch nicht gesehen hatte. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich die Mügeln-Berichterstattung eher periphär verfolgte. To wit:
Nach den Übergriffen in Mügeln prüft die Polizei auch Ermittlungen gegen einige der acht indischen Opfer. Einige Inder hätten auf dem Fest vor einer Woche mit abgebrochenen Glasflaschen zugestochen, bevor sie gejagt wurden, schreibt das Nachrichtenmagazin “Focus”.
[...]
Ein älterer Festbesucher sei von einem indischen Gast geschubst worden. Daraufhin sei in dem vollen Festzelt Unruhe entstanden. „Es hat sich ein Kreis um die Inder gebildet.“ Diese hätten daraufhin Glasflaschen zerschlagen und seien damit in Abwehrhaltung gegangen. Dann seien vier oder fünf Leute auf die Eingekreisten losgegangen. Daraufhin hätten diese mit den Flaschen um sich geworfen.
[...]
Sie habe beobachtet, wie drei Inder einen Deutschen traktiert hätten, sagt Festbesucherin Friederike Friede aus Oschatz. Was den ersten Auseinandersetzungen folgte, sei nichts Geplantes gewesen. „Das hat sich hochgeschaukelt, so viel Gewalt habe ich noch nie gesehen.“
Was in den Kommentaren beim A-Team einen gewissen Marco zu folgender Aussage brachte: “[sarkasmus]Johannes, Du NAZI!!! Willst Du wohl nicht am Bidl der unschuldigen Inder ruckeln, die von deutsschen Bestien angefallen wurden!! [/sarkasmus]”
Was bei mir die Frage weckt, Marco: Das nennst du Sarkasmus? Dann habe ich mein Leben lang irgendwas falsch gemacht. Und ganz nebenbei weckt es zudem die Frage: Geht’s noch? Nein, ganz im Ernst: Geht? Es? Noch?
Sicher, man muss vorsichtig sein, ehe man jemanden oder gar einen ganzen Ort als rechtsextrem brandmarkt. Nicht zu Unrecht wird immer wieder auf den “Fall Joseph” verwiesen. Im Rechtsstaat, wie auch in der Wissenschaft, muss man anerkennen, dass die einfachste Antwort nicht immer die richtige ist. Man darf sich seine Meinung nicht im Vorfeld bilden und dann nur noch die Dinge betrachten, die die eigene Meinung bestätigen. Allerdings: Bei bestimmten Hinweisen ist es dann doch durchaus legitim ganz bestimmte Schlüsse zu ziehen. Wenn es geht wie eine Ente und quakt wie eine Ente…
Falls - und daran scheint ja derzeit kein Zweifel zu bestehen - rechte Parolen skandiert wurden, während man die acht Inder hetzte, dann war die Tat ein “rechtsextremer Akt”. Es muss nicht als rechtsextremer Akt angefangen haben. Es mag tatsächlich als simple Festschlägerei begonnen haben, die dann um sich griff… ich habe selbst schon erlebt, wie schnell sowas außer Kontrolle geraten kann. Aber in dem Moment, in dem die Parolen hinzukommen, wird daraus eine rechtsextreme Tat.
Da ist es dann egal, ob die Jagd begonnen wurde weil rechtes Gedankengut vorlag, oder ob man erst als die Jagd schon im Gange war die Gelegenheit nutzte “seiner Meinung freien Lauf” zu lassen und einfach mal in der Mege zu skandieren, was man sich alleine nicht traut. (It’s herd behaviour.) Es ist dann auch ganz egal, ob die Inder selbst den Streit provoziert haben oder tatsächlich unschuldig waren. Ganz abgesehen davon, dass ich die Verhältnismäßigkeit selbst im geistig umnachtetsten nicht aus dem obigen Artikel ableiten könnte. Aus ein paar Schubsern wird eine Treibjagd? Das Ganze erscheint aus der Außensicht als willkommene Gelegenheit seine Xenophobie einfach mal richtig schön auszuleben. Und wenn diese Xenophobie in den Köpfen verankert ist, dann braucht sie keinen echten Grund um offen zu Tage zu treten. Falls nötig findet sie schon einen.
Das was da in Mügeln aufgebrochen ist - unabhängig davon wie die Szenen nun begonnen haben - ist ein Warnsignal. Es ist ein Warnsignal das Besseres verdient hätte, als kurz der Aufmacher jeder Zeitung zu sein, nur um dann - wenn die Gedenkkonzerte und die Politikerbesuche vorbei sind - wieder vergessen zu werden. Zumindest ehe man sich nur noch in einer Bildstrecke “Die schlimmsten Exzesse der Nachkriegsgeschichte” daran erinnert, die beim Online-SPIEGEL oder der Online-Süddeutschen die Clickrate in die Höhe treiben soll, wenn das nächste Mal ein Asylantenheim brennt oder eine Gruppe Ausländer dem wütenden Mob zum Opfer fällt. Denn das was sich in Mügeln zeigt, das sind die radikalen und abstoßenden Auswirkungen einer Ideologie, die sich auch wieder in der Mitte der Gesellschaft breit macht.
Exzesse finden immer zuerst am Rand statt… aber sie treten normalerweise erst dann dort auf, wenn sich ein bestimmtes, radikales Gedankengut zumindest schon in der Mitte festgesetzt hat. Things fall apart; the centre cannot hold. Zumindest schließe ich das aus einigen Gesprächen, die ich seit Mügeln geführt habe. Frei nach dem Motto: “Es gibt ja auch für Deutsche No-Go-Areas in Deutschland. Geh mal Nachts alleine durch Kreuzberg. Darüber berichtet die Presse nicht.” So als wenn das irgendeine Begründung für irgendwas wäre.
So als wenn Gewalt gegen Ausländer okay wäre, weil ja auch Ausländer Gewalt gegen Deutsche verüben. Sorry, genau so läuft das Würfelspiel Zivilgesellschaft mit angeleimten Rechtsstaat nicht. Es sollte keine No-Go-Areas in Deutschland geben. Für niemanden. Man sollte als Deutscher so ungefährdet durch Kreuzberg gehen können, wie man als Inder ein Volksfest in Mügeln besuchen können sollte. Was aber nicht sein kann, ist das wir “Gleiches mit Gleichem” vergelten. So als wäre es okay Unrecht zu begehen, weil einem ja selbst Unrecht wiederfahren ist. Mit der gleichen Logik dürfte ich morgen ein fremdes Auto klauen, sofern mir meines gestohlen wurde. Und da würde jeder sagen: “Das ist doch totaler Unsinn.” Bei den No-Go-Areas oder der Gewalt gegen Ausländer scheint aber, zumindest bei einem Teil der Gesellschaft (und zwar einem Teil der durchaus gut situiert ist und nicht mit Bomberjacke und Springerstiefeln durch die Gegend rennt), das Gefühl durch: “Selber Schuld.” Was - sofern überhaupt möglich - nur noch blödsinniger dadurch wird, dass man alle Ausländer in die gleiche Schublade packt.
Ich verweise da mal auf einen sehr schönen Text des immer lesenswerten Martin Marheinecke:
Die alten und neuen Nazi sind “Radikale der Mitte”, vertreten Ansichten, die aus der Mitte der Gesellschaft stammen. So gesehen ist das Wort “rechtsextrem” unzureichend. Man kann davon ausgehen, dass unzählige “brave Bürger” heimlich das denken, was weniger Nazischläger tun. Selbst wenn sie ansonsten “unpolitisch”, geschweige denn NPD-Wähler, sind.
Es gärt tatsächlich etwas in der Mitte - woran das auch immer im Detail liegen mag - das nicht ignoriert werden darf. Zumindest sofern wir unseren freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat bewahren wollen. Und aus diesem Grund halte ich auch die Debatte über das NPD-Verbot, neu aufgeflammt nach den Vorfällen von Mügeln, für nichts als eine Nebelkerze. Ich hege nun garantiert keinerlei Sympathien für diese Partei. Ganz im Gegenteil. Ich halte die NPD und alles wofür sie steht für widerlich, verachtenswert und undemokratisch. Und ich habe keinerlei Verständnis oder Respekt für irgendjemand der diese Partei wählt. Da zählt auch das Argument “Protestwähler” nicht. Es gibt lustigere Protestparteien, die man wählen kann. Wer “Hass”, “Menschenverachtung” und “Fremdenfeindlichkeit” als Protestwahl ansieht, der hat legt bedenklich schwere Demokratiedefizite offen.
Und genau darum ist es zu simpel die NPD einfach zu verbieten. Weil es das klassische Politikerverhalten ist: Wir kratzen an der Oberfläche und das Problem ist gelöst. So wie bei den Killerspielen. So wie bei den Hakenkreuzen. Aus den Augen bedeutet schließlich aus dem Sinn. Quod erat demonstrandum. Hat ja schließlich auch ganz hervorragend bei der FAP geklappt. Die haben wir im Februar 1995 verboten und seitdem haben wir keinerlei Probleme mit Rechtsextremismus mehr in Deut… oh, snap. Ich erkenne die Unwucht in diesem Plan.
Ein NPD-Verbot würde vielleicht Deutschland nach außen hin attraktiver machen, weil man nicht mit der Schande leben muss, dass man irgendwann eine rechte Partei im Parlament haben mag. Aber das wäre es dann auch. Wahrscheinlich würde es die Situation an anderer Stelle sogar noch verschlechtern: Keine rechte Partei die ernsthaft an der 5%-Hürde kratzt? Dann haben wir auch kein rechtes Problem mehr in Deutschland. Ergo kann man versuchen Gelder aus dem Kampf gegen Rechts abzuziehen. Was ein Beispiel dafür ist, wie man in der deutschen Politik Pferde gerne von hinten aufzäumt.
Rechtes Gedankengut entsteht nicht, weil rechte Parteien existieren. Rechte Parteien blühen dann auf, wenn rechtes Gedankengut schon vorhanden ist. Wenn eine Partei wie die NPD plötzlich als “Bedrohung” angesehen wird, dann hat das einen Grund. Es zeigt, dass Menschen in der Mitte anfangen, dem Programm dieser Partei Beachtung zu schenken. Weil sie mit der Demokratie unzufrieden sind. Weil sie mit den Alternativen unzufrieden sind. Sowas ist ein Warnsignal.
Es ist eine eindringliche Mahnung, dass man die Demokratie stärken muss, dass man den Kampf um diese Bürger aufnehmen muss, dass man ihnen deutlich machen muss warum die NPD (oder die DVU) keine Alternative sein kann. Die NPD in so einer Situation einfach zu verbieten, das wäre ein wenig als wenn Nachts der Feuermelder losgeht und man diesen dann abschraubt, damit man in Ruhe weiterschlafen kann. Das eigentliche Problem besteht noch immer. Und das rechte Gedankengut der gesellschaftlichen Mitte findet halt eine neue Partei, von der es bedient wird.
Kehren wir nochmal nach Mügeln zurück und nehmen wir nochmal die vorgeblich sarkastische Aussage von Marco, die ich einfach mal dreisterweise als symptomatisch für das bezeichne, was sich so manch einer denkt: “[sarkasmus]Johannes, Du NAZI!!! Willst Du wohl nicht am Bidl der unschuldigen Inder ruckeln, die von deutsschen Bestien angefallen wurden!! [/sarkasmus]”
Ich übersetze mal: “Die Inder haben angefangen, die Deutschen haben sich verteidigt. Selbst Schuld, ihr fiesen Asiaten.” Nur dass diese Denke natürlich auch in jedweder Hinsicht falsch ist. Ich versuche mal, die Situation zu entpolitisieren. Gehen wir jetzt mal - und ja, das ist Spökenkiekerei, sowas machen wir hier eigentlich nicht - kurz davon aus, dass sich die Situation wie folgt ereignet habe: Eine Gruppe, die aus acht Deutschen besteht (und bitte, man fange jetzt keine Debatte über Passdeutsche an, darum soll es mal kurz nicht gehen), provoziert Streit auf einem Dorffest. Die Situation eskaliert, ein Mob bildet sich und verfolgt diese Acht, die sich - um ihr Leben fürchtend - in einer Pizzeria verbarrikadieren. Da es ja Deutsche sind, werden keine rechten Parolen skandiert, aber trotzdem schauen mehrere Dutzend Gaffer dem Schauspiel tatenlos zu
Und, lieber Marco, merkst du was? Selbst wenn man den rassistischen oder nicht-rassistischen Hintergrund rausnimmt: Die Sache wird nicht besser. Es ist egal wer angefangen hat. Es ist egal, wer welche Hautfarbe hat oder woher kommt. Das was in Mügeln passiert ist, das ist - unabhängig von allen anderen Faktoren - der totale Zusammenbruch der Zivilgesellschaft und jener Ordnung, die ein funktonierendes Zusammenleben garantiert. Wir haben Grundregeln, an die wir uns alle halten müssen, wenn wir wollen, dass Demokratie funktioniert. Dazu gehört auch, dass wir das Gewaltmonopol an den Staat abgetreten haben. Und es ist scheißegal was man sonst vom Staat hält, das ist eine Regel mit der ich leben kann.
Selbst wenn Person A auf einem Schützenfest jemanden ermordet, selbst wenn Person B sich als Kinderschänder herausstellt - was Extremfälle sind, die gerade nichts mit den realen Vorkommnissen zu tun haben - dann legitimiert selbst das nicht dass ein Mob Person A und Person B jagt und Leib und Leben der beiden bedroht, während der Rest der Gesellschaft daneben steht und das Spektakel begafft. Das ist etwas absolut Grundsätzliches.
Wenn wir das nicht akzeptieren, wenn wir wirklich so tun als gäbe es in einem demokratischen Rechtsstaat eine Situation, in der eine solche Verhaltensweise gerechtfertigt wäre, dann ersetzen wir die Demokratie durch die Ochlokratie. Ihr nacktes, widerwärtiges, pervertiertes Spiegelbild: Nicht die Herrschaft des Volkes, die Herrschaft des Mobs. Demokratie ist in bestimmter Hinsicht nicht zu diskutieren: Wir setzten die Unverletzlichkeit der Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit fest. Unter anderem. Darüber stimmen wir nicht ab. Wenn wir aber den Mob machen lassen, wie er will, dann kannst man sicher sein, dass genau diese “gutmenschlichen Bremsklötze” die ersten Dinge sind, die wir verlieren. Und das ist nicht akzeptabel.
Eine tolerante Gesellschaft darf sich Exzesse wie in Mügeln nicht leisten. Egal wer angefangen hat, egal wer beteiligt war. Und die Medien sollten auch über solche Exzesse, über ein solches Scheitern der Zivilgesellschaft, berichten wenn die Opfer keine Ausländer sind. Einfach weil es in jedem Fall eine Schande ist. Und das in Mügeln an den Tag gelegte Demokratiedefizit sollte eigentlich eben sovie Aufmerksamkeit erhalten, wie die nationalistische und extremistische Gesinnung die noch zusätzlich Benzin in die Flammen gegossen hat. Darum geht es: Aus der Situation in Mügeln sollte eine Grundsatzdebatte entstehen, was der Rechtsstaat zu tolerieren gewillt ist und was nicht.
Aber man sollte sich nicht in widerwärtigen Einzelfällen verlieren. Außer man ist gewillt, diese in den größeren Kontext zu setzen. In jedem anderen Fall ist es nur ein weiterer Schritt im üblichen Canossa-Gang nach solchen Vorfällen: Drüber schreiben, Einzelfälle aufgreifen die man sonst ignoriert hätte, bemerken, dass man sich langweilt, eine neue Sau durchs Dorf treiben und die Einzelfälle wieder mehrere Monate ignorieren. Wenn wir - Mediennutzer und Medienmacher - diesen Zyklus durchbrechen und verhindern, dass das Thema wieder in den Hintergrund rückt, dann wäre das auch schon ein Schritt in die richtige Richtung.
Wichtig ist Ehrlichkeit. Wichtig ist Offenheit. Wichtig ist Härte. Man kennt die Einwürfe: “Wir dürfen nicht den ganzen Osten, nicht eine ganze Region, nicht alle Bürger des Ostens, stigmatisieren wegen der Ausfälle einiger, weniger.” Fast richtig. Extremismus in den Köpfen ist ein gesamtdeutsches Phänomen. Es nur auf den Osten zu schieben, die Menschen im Osten zu dämonisieren, das kann es auch nicht sein. Denn auch das wäre zu kurz gegriffen, auch das wäre eine Fehleinschätzung.
Aber wir müssen trotzdem aufhören uns in die Tasche zu lügen. Die radikalen Exzesse finden fast ausschließlich im Osten statt. Die Statistiken belegen, dass trotz weniger Bürger und trotz weniger Ausländer rechtsgerichtete Gewalttaten im Osten häufiger stattfinden als im Westen. Und darum muss man dort auch ansetzen. Man darf halt nur nicht da aufhören, sondern muss danach die nächsten Schritte nehmen und das gesamtdeutsche Problem bedenken. Das Problem des Extremismus in den Köpfen, der halt nicht so deutlich sichtbar wird. Und die damit verbundene Frage: Wie können wir dem entgegen wirken?
Es bringt nichts, wenn wir uns vormachen, dass es kein echtes Problem gäbe. Es bringt auch nichts auf die Erziehung in der DDR zu verweisen oder darauf wie heldenhaft man im Osten dem Unrechtsregime der DDR ‘89 entgegen trat. Viele der Skinheads im Osten haben die DDR so wenig oder noch weniger miterlebt als ich. Das sind oft keine Ex-FDJler, das sind keine enttäuschten Sozialisten: Das ist zu einem nicht zu unterschätzenden Teil eine Problemgeneration, die wir uns erst nach dem Fall der DDR herangezüchtet haben. Klar, Mauer in den Köpfen und so. Aber die Ost-West-Teilung funktioniert da nur bedingt: Wir haben ein Deutschland, also ist es auch ein deutsches Problem. Das geht uns alle an.
Scheiße kocht über wenn man nichts dagegen tut. Und derzeit dampft es halt in den neuen Bundesländern deutlicher als in den alten Bundesländern. Das heißt nicht, dass der geistige Brand nicht übergreifen wird, wenn man nichts dagegen tut. Das Scheitern der Zivilgesellschaft in einzelnen Gebieten ist eine demokratische Katastrophe die wir nicht tolerieren können. Nirgendwo. Scheißegal ob das nun das Kreuzberger Ghetto eine verschlafene Kleinstadt in der Ückermark sein mag. So etwas verlangt nach ehrlichen Worten, so etwas verlangt danach, dass man das Problem deutlich anspricht und dann den Arsch hochbekommt und guckt, was man dagegen tun kann. Und, nein, ich habe keine simple Lösung von der ich garantieren kann, dass sie funktioniert. Ich kann nur garantieren, dass die Dinge schlimmer werden, wenn wir nicht endlich den Kreislauf aus Katastrophe-Palaver-Ignorieren durchbrechen.
Wenn es nötig ist ganze Regionen zu stigmatisieren, weil dort die Demokratie nicht funktioniert, dann muss man genau das tun. Dann muss man halt, wie Hendryk M. Broder fodert, Reisewarnungen aussprechen, damit diese Gebiete ihre Probleme finanziell merken und aus Eigennutz zum Handeln gezwungen werden. (Moment: Ich stimme Broder zu? So weit ist es gekommen.) Ein Staat der nicht gewillt ist die körperliche Unversehrtheit aller in ihm lebenden Menschen (egal ob hier daheim oder nur zu Gast) zu gewährleisten, weil er zuviel Angst davor hat, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit den Problemen seinem “Image” schaden könnte, der verdient sich die Beschreibung “Rechtsstaat” nicht.
Sofern man sich der Demokratie verpflichtet fühlt - egal ob man sich als konservativ einschätzt, als liberal, libertär, links oder sonstwas - darf man Situationen wie in Mügeln und den inzwischen rituellen Zirkus danach nicht einfach tolerieren. Ich bin für Vorschläge offen, was man als einzelner Bürger tun kann. Politikern keine Ruhe lassen, bis sie die Probleme anerkennen und gewillt sind zu handeln? Druck auf die Presse ausüben, damit sie die Thematik nicht einfach ignoriert? Mit denen sprechen, die glauben, dass das alles ja so schlimm gar nicht ist? Niemand von uns kann sich da aus der Verantwortung stehlen, denn auch das ist der Preis der Demokratie: Dass man sich für sie einsetzen muss, wenn man wirklich an sie glaubt. (Und, ja, ich spotte oft zynisch über die Demokratie. Aber sie ist trotzdem die beste Regierungsform die wir bisher entwickelt haben.)
Mügeln sollte zu einem Wort werden, dass uns als Warnung, aber auch als Aufforderung dient die Dinge endlich zu ändern. Die Probleme anzusprechen und anzupacken. Es wäre eine Schande wenn Mügeln nur ein weiteres Schlagwort wie Rostock-Lichtenhagen, Mölln oder Solingen oder Hoyerswerda würde, das wir alle paar Jahre auspacken um unsere Abscheu über solche Vorfälle auszudrücken und dann doch einfach weiterzumachen wie bisher. Soviel sind wir der Zivilgesellschaft schuldig.
August 27th, 2007 at 3:15 pm
>Mügeln sollte zu einem Wort werden, dass uns als Warnung, aber auch als Aufforderung dient die Dinge endlich zu ändern.
Das Problem ist, da draußen gibts noch mehr, die keine Medienaufmerksamkeit erlangen und die Braunen herrschen dennoch. Hier reicht z.B. ein Steinwurf in gewisse gebiete der Pfalz um genügend Potential abzudecken. Das Problem ist so alt wie die BRD, war nie weg und zeigt nun wieder an vielerlei Stellen sein häßliches Anlitz.
August 27th, 2007 at 3:35 pm
Die selbe Geisteshaltung, die man in den Kommentaren beim Antibürokratieteam findet, ist übrigens auch in der Diskussion zu Roman Weidenfellers rassistischer oder sexistischer Äußerung in Richtung Gerald Asamoah bei Allesaussersport.de aufgetaucht. Und ich habe Dich jetzt mal von dort verlinkt, wenn Du Dir schon so viel richtige Gedanken zum Thema gemacht hast.
August 27th, 2007 at 3:44 pm
Ich habe nach vielleicht 20% aufgehört zu lesen, als klar wurde, dass es auch in diesem Beitrag dem Autor nicht um die objektiven Fakten geht. Sowas kennzeichnet für mich nämlich die Aufgabe jedweder Vernunft für eine Wiederholung der eigenen, längst vorgefassten Meinung.
Und wenn man wie in den letzten Tagen sehen kann, wie weit diese Einstellung in der deutschen Veröffentlichungsgesellschaft verbreitet zu sein scheint, macht mich persönlich das schon ausgesprochen ärgerlich.
August 27th, 2007 at 3:58 pm
1+
August 27th, 2007 at 4:15 pm
@Oli:
Natürlich ist das kein neues Problem, natürlich lässt sich das auch anderswo finden. Das bestreite ich ja auch gar nicht. Aber wenn die Allgemeinheit nur dann hinguckt, wenn ein Extremfall stattfindet - so wie jetzt in Mügeln - dann müssen wir die Sache halt daran aufhängen, damit sie die Aufmerksamkeit erhält die sie verdient hätte.
***
@Probek:
Hui. Interessante gedankliche Verbindung, hatte ich so noch gar nicht gesehen. Ich arbeite mich nachher mal durch die Weidenfäller-Debatte. Danke für den Link.
***
@NoteMe:
Ich habe nach vielleicht 20% aufgehört zu lesen, als klar wurde, dass es auch in diesem Kommentar dem Autor nicht um die objektiven Fakten geht.
Ich bedauere natürlich sehr, dass ich zu Ihrer Verärgerung beigetragen habe und kann nur hoffen, dass ich nicht am Ende Schuld bin wenn Sie ein Magengeschwür bekommen, oder so. Das würde mir wirklich Leid tun. Ich hoffe aber, dass ich in Zukunft wieder die von Ihnen vertretene “längst vorgefassten Meinung” teilen kann. Und sei es nur, damit sie sich nicht so ärgern müssen.
Mensch ärgere dich nicht,
Björn
August 27th, 2007 at 6:18 pm
Ich stimme dir größten Teils zu aber die Stigmatisierung bringt vielleicht genau das Gegenteil. Die Ausländerfeindlichkeit ist meist dort am größten wo die wenigsten sind. Wenn durch Warnhinweise in Reiseführern weniger Ausländer in bestimmte Regionen ziehen oder reisen. Wird die Situation nicht besser. Es fehlen Konzepte um den Leuten die Demokratie näher zu bringen. Es gehört mehr dazu als alle 4 Jahre ein Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen.
August 27th, 2007 at 7:32 pm
Es fehlen Konzepte um den Leuten die Demokratie näher zu bringen. Es gehört mehr dazu als alle 4 Jahre ein Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen.
Hast ‘nen Vorschlag? Dachte ich mir.
Mag den Text. In letzter Zeit fühle ich mich als Ausländer tatsächlich immer weniger wohl, in Deutschland wie auch sonst überall. Das mag daran liegen, dass ich erwachsener werde und kindliche Schutzmechanismen ablege, aber ich bin auch sensibler geworden für eben diesen Radikalismus der Mitte, den Marheinecke in deinem Ausriss anführt - erst recht, wenn ich in entsprechenden Diskussionen als “Bildungsinländer” ausgeklammert werde. Bin ja kein Türke, ne? Ist ja nicht so schlimm dann. Wenn ich mal eine Glatze auf der Straße sehe, wird mir unwohl. Wenn ich bei meinem Ferienjob in der Großküche den Köchen zuhöre, kriege ich aber Angst.
August 28th, 2007 at 12:18 pm
Ich bin mir auch nicht so sicher, ob Stigmatisierung was bringt. Es ist doch längst so, dass diese in den Köpfen schon stattgefunden hat. Ich habe selbst nie irgendetwas schlimmes erlebt, aber, wenn ich an Brandenburg oder Sachsen-Anhalt denke, fühle ich mich unwohl. In meinem Freundeskreis ist es so, dass diese Gegenden als “voll mit Nazis” gelten (obwohl es meist gar nicht stimmt).
Ich stimme Dir zu, dass das Problem eher darin besteht, dass Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gesellschaftlich akzeptabel ist. Wie man dagegen effektiv vorgehen kann, weiß ich aber auch nicht. Vielleicht durch Aufklärung und gegenseitige Begegnung, die über einmal im Jahr Tag der offenen Moschee hinausgeht?
Diese Aufrechnerei begegnet einem ja öfter, gerne auch als Verharmlosung deutscher Kriegsverbrechen. Bei dem von Dir angeführten Beispiel wurde ich aber doch stutzig. Ich frage mich, ob es wirklich sogenannte “No-Go-Areas” für nicht-Orientalen gibt. Ich bin nämlich schon oft nachts allein durch Kreuzberg (und auch Neukölln) gelaufen, fühlte mich aber ganz und gar nicht bedroht. Klar, in Berlin tritt soziales Elend und gescheiterte Integration oft ziemlich offen zu Tage, aber Angst hatte ich hier nachts noch nie.
Deine Gegenanalogie mit dem Autodiebstahl ist eine super Idee! Werde ich mir merken und auch einsetzen in Zukunft.
August 28th, 2007 at 12:47 pm
hinterlässt mehr als einen faden Nachgeschmack:
http://www.spiegel.de/img/0,1020,951049,00.jpg
August 28th, 2007 at 2:02 pm
Damit sollen die Chinesen doch bloß als neoliberal gebranntmarkt werden.
August 28th, 2007 at 4:51 pm
[...] Gedanken zu Mügeln: Das Scheitern der Zivilgesellschaft Bjoern versucht die Problematik dieser Gesellschaft in puncto Rechts zu ergründen. [...]
August 28th, 2007 at 8:51 pm
Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel. Da sind viele Dinge ziemlich genau beim Namen genannt.
Was man selbst tun kann?
Zum Einen: “mit gutem Beispiel vorangehen”, wenn Zivilcourage gefordert ist, egal ob es um - auch “nur” latenten - Rassismus, Sexismus oder ganz profan eine aufzuhaltene Tür für die uralte Frau da vorne geht. Zur Not als der “politisch-korrekte Gutmenschenspießer” dastehen.
Zum Andern: Jugendlichen(!) zuhören. Sie fragen, warum sie bestimmte Vor- bzw. Einstellungen haben. Sie ernst nehmen - auch wenn sie den übelsten Schwachsinn von sich geben und das Ruhigbleiben denkbar schwer fällt.
Meiner Erfahrung nach führt frühe Ausgrenzung nicht unbedingt zur “Resozialisierung” aus heiterem Himmel, sondern eher zu verstärktem Rückzug in den Grund der Ausgrenzung. “Du bist dumm, weil Du das denkst”, bringt ebenso verblüffend wenig Erfolg. Erklären. “Verständlichere” Analogien vorbringen.
Ganz schlechte Reaktion: mit weit aufgerissenen Augen “das darf man doch nicht sagen,” sagen (eine Geschichtslehrerin als einzige Reaktion auf eine holocaustrelativierende Aussage eines 14-jährigen Schülers).
Gesamtgesellschaftlich wäre es _vielleicht_ ein Ansatz, die Jugend- und Sozialarbeit (im Osten) nicht mehr zu weiten Teilen der NPD bzw. deren Jugendorganisationen zu überlassen.
August 28th, 2007 at 9:31 pm
mal angenohmen, ich wäre sowas wie ein egoistischer anarchist, ich würde auf den staat scheißen und auf das was um mich herum vorgeht, solange es mir gut geht. mal angenohmen “uns” gäbe es viele… ich rate mal, dass es in deutschland, eigentlich in der welt, es immer nur eine geringe zahl menschen gibt, die weit genug denken um sich mit gesellschaft, staat, blablazeugs =P zu befassen. der rest ist mob, daran wird sich nie was ändern, denke ich. wir sind nur affen mit großen köpfen. hab ich schon mal hier so argumentiert…mir wurde gesagt, es wäre zu pauschal…
seid bisle mehr moralfreier (mein wort =) ) , offener =) .. um den rest werden sich wissende, fähige menschen wie der schriftsteller hier (keine beleidigung, ernsthaft, die texte sind gut: Canossa-Gang.. da hab ich mir doch sofort gedacht irgendwo gehört.. hat was mit entschuldigen zu tun.. musste aber nachgucken -.-) kümmern. und wenn was schiefgeht, besorgt euch eine shotgun und einen bombenkeller ^^ (ich hab einen, mein haus stammt aus dem jahre 1938 und wurde vorsorglich gebaut =P )
“Das was in Mügeln passiert ist, das ist - unabhängig von allen anderen Faktoren - der totale Zusammenbruch der Zivilgesellschaft und jener Ordnung, die ein funktonierendes Zusammenleben garantiert. Wir haben Grundregeln, an die wir uns alle halten müssen, wenn wir wollen, dass Demokratie funktioniert. Dazu gehört auch, dass wir das Gewaltmonopol an den Staat abgetreten haben. Und es ist scheißegal was man sonst vom Staat hält, das ist eine Regel mit der ich leben kann.”
hier dazu
“I think we’re already ‘circling the drain’ as a species, and I’d love to see the circles get a little faster and a little shorter.” - me too. George Carlin, wer ihn wohl im letzten? artikel verlinkt hat… thx =) funny man, manchmal…
and i like evolution =P
August 28th, 2007 at 10:38 pm
Unsortierte Gedanken folgen jetzt:
Erstmal Kudos das du im Gegensatz zu vielen Menschen erkannt hast das die Probleme des Ostens keine DDR-Probleme sind, sondern ausgehend von der Generation danach (nach dem Zusammenbruch einer ganzen Weltanschauung (ich vermeide bewußt Ausdrücke wie “Regime” oder ähnliches wie es die westliche Geschichtsschreibung gerne benutzt)) herrühren.
Und obwohl wir nun schon lange “ein” Deutschland sind, fühle ich mich als Mensch der ‘90 eingeschult wurde, und nie ein FDJ-Hemd trug nicht unbedingt als “Deutscher”, zumindest dann nicht wenn ich in den Westen/Süden fahre bzw. mich mit Leuten von dort auseinandersetzen muß.
Offensichtlich scheinen Ostdeutsche in den Köpfen vieler Menschen aus dem Westen nur sächselnde, Stullen-fressende Taugenichtse zu sein - woher diese Einstellung kommt, will mir angesichts diverser belegbarer Beweise aus der DDR-Geschichte (immerhin wurde das DDR-Schulsystem nach Skandinavien exportiert, und dort verfeinert… die Ergebnisse kennen wir ja, Hallo Pisa-(West)deutschland) nicht ganz einleuchten.
Anyway, die Problemgeneration nach dem Zusammenbruch bekam und bekommt diese Einstellung noch immer (also bald 20 Jahre nach “Vereinigung) zu spüren… einer Freundin wollten die Lehrer an der Uni irgendwo im Ruhrpott nicht Hand geben, als Sie erfuhren sie sei ostdeutsch… Ost- und Westgehälter sind immernoch nicht ordentlich angeglichen usw. usf.
Was hat das mit Demokratie und einem Volk zu tun?
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Dann sprichst du viel von Toleranz und Grundregeln… bei uns, im alternativen Stadtviertel von Rostock hat gerade ein Naziladen aufgemacht (die Betreiber kommen übrigens aus Hamburg). Und die Linken bzw. Alternativen führen sich leider mind. genauso schlimm auf wie die Rechten… Nulltoleranz, Gewaltbereitschaft, immer 103% Action. Dabei sollten die das doch eigentlich am Besten wissen?!
Davon abgesehen, hör’ dich mal in der populären Jugendkultur um, HipHop & Rap bspw. fördern doch gerade zu Intoleranz. Auge um Auge, Zahn um Zahn… von Vielen auf Minderheiten. Praktisch die genaue Umkehrung von bspw. klassischen Rockthemen bei denen der unverstandene Einzelne sich immer gegen Alle behaupten muß.
Von der reinen Verdummungsmusik wie zwischen den Rap-Videos auf MTVIVA laufen, will ich erst gar nicht anfangen… die Generation die gerade heranwächst ist wohl das Schlimmste was es je gegeben hat. Und ich bin gerade erst 23 Jahre alt, und fürchte mich jetzt schon davor wenn diese emotional und moralisch verkrüppelten Kinder irgendwann mal groß sind und unser Land führen sollen…
Davon abgesehen ich habe lange Haare und trage gerne schwarz… die Blicke in der Bahn JEDEN Tag sind zum kotzen. Als ob die ganzen Leute noch nie langhaarige Menschen gesehen hätten…
Die Stimmung in diesem Land ist einfach zum kotzen, und gerade die Rechten bieten die Toplösung für all die Menschen mit Ängsten vor allem und jedem.
Gleichschaltung für alle, das Unbekannte, Andere raus, weg mit freier Entfaltung und Persönlichkeit… und vorallem weg mit dieser doofen FREIHEIT, die ist doch einfach nur anstrengend!
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Davon abgesehen, in Bützow (ca. ne’ halbe Stunde von Rostock) gab’s am Wochenende auch wieder Rechte Krawalle (50 Leute zünden Dönerbude an)… und vor einiger Zeit wurde hier an einem See mit einer finnischen Maschinenpistole rumgeballert, und russische Aussiedler vollgepöbelt (die sich der Probleme dann selbst angenommen haben).
Die Kacke ist hier m.M.n. auf jeden Fall schon weit über’s Dampfen hinaus… eigentlich warte ich nur noch auf Putschversuche seitens der NPD. Denn immerhin haben sie es geschafft das man zumindest in Schwerin den Anträgen der NPD zuhört, obwohl diese vorher grundsätzlich ungehört übergangen wurden…
Okay, ist alles recht planlos/Stammtisch meinerseits… aber ich bin zu müde das jetzt noch in qualitativ hochwertige Form zu bringen mit Quellen und Belegen ~ wenn gewünscht hol’ ich das aber gerne nach…
August 29th, 2007 at 4:17 pm
@Alubath
Ich versteh ja deine Wut aber deine Übertreibungen helfen keinen.
Rap ist wahrscheinlich kein Auslöser für Rassismus. Für Schwulenfeindlichkeit oder Sexismus vielleicht. (Ich mag diese Musik auch nicht aber alles kann man denen nicht in die Schuhe schieben)
Die jetzigen Schüler sind nicht alles Idioten. Ich merke zumindest keinen großen Unterschied zu meiner Generation (damals).
Und Bildung ist leider auch keine Heilung für Nazis.
Die Chefs der NPD sind ja nicht alles Sonderschüler gewesen.
August 29th, 2007 at 6:28 pm
Okay… Textstelle populärer Gangsta-Rap:
Wir sind Kanacken!
Wir sind in der Überzahl!
Massiv Wir sind überall Alter!
Du kannst uns nich’ wegkriegen!
Wir Blut gegen Blut!
Wir sind überall, wir sind in Überzahl!
Wir zieh’n dich ab und planen einen Überfall!
Ihr ruft den Streifenwagen, ich ruf den Leichenwagen!
Mir egal, Waffe raus ihr könnt die Leichen tragen!
Lyrics Wir sind überall, wir sind in Überzahl!
Wir zieh’n dich ab und planen einen Überfall!
Lyric Ihr ruft den Streifenwagen, ich ruf den Leichenwagen!
Mir egal, Waffe raus ihr könnt die Leichen tragen!
Ihr könnt nichts tun!
Ihr könnt nur zuschauen!
Scheiss auf die Bullen!
Ganz ehrlich man!
Ich scheiss voll auf dein Staat!
Mir kann keiner was sagen!
Ich bin Araber!
UND SCHEISS WIE DIESER IS POPULÄR, NICHT DAS CLEVERE ZEUG! Und wenn ich dann irgendwelche weißen Unterschichtenkinder morgens in der S-Bahn solchen Dreck skandieren höre, dann krieg’ ich echt ‘nen Hals…
August 29th, 2007 at 6:30 pm
>Und Bildung ist leider auch keine Heilung für Nazis.
Das nicht Bildung und eine funktionierende Gesellschaft sind notwendig. Je mehr man sich abkapselt und das ist trotz alles Community-Geschwafels allerorten der Fall, um so größer ist die Anfälligkeit gegenüber “einfachen Lösungen” für Probleme aller Art.
Die propagierte Ellbogengesellschaft ist mehr denn je etabliert und das ist der Punkt der “früher” vorhanden war. Nicht in Perfektion, aber mehr denn heute.
August 29th, 2007 at 11:07 pm
@ Aulbath
Der Text ist nicht wirklich schlimm.
Sicher die glauben tatsächlich das sie was mit Gewalt lösen können aber das Nazi Problem ist nicht wegen solcher an Selbstüberschätzung leidender Rapper entstanden. Die Lyrics hier sind mehr eine Art “zurück gekläffe”.
Was nur zeigt das viele Ausländer/Immigranten glauben sie seien auf sich allein gestellt. Sie denken scheinbar den weißten “Deutschen” sei es egal was die Nazis tun.
August 30th, 2007 at 10:33 am
Diese und ähnliche Vorfälle sind ja ebenfalls bereits Zurückgekläffe.
Oder - wenn man schon tierische Vergleiche verwenden muss - sie sind das Angstbeißen einer (vermeintlichen?) Minderheit, bei der sich so einiges an Frust und Unsicherheit angestaut hat. Und wer ist schuld? Die Medien!
(Ach ja @ Horst: Wolltest du den meisten oder den weißen “Deutschen” schreiben?)
August 30th, 2007 at 12:25 pm
Hallo erstmal
Schön geschrieben und wenigstens ein Versuch der Erklärung.
Leider sind Deine Analysen nicht ganz korrekt.
1. Die Phrase “Gewalt ist keine Lösung”, ist sowas von abgedroschen.
Sieh dir nur mal den 11.September und dessen Gegenreaktin an.
Von Staatswegen ist Gewalt anscheinend doch eine Lösung.
Ehrlich gesagt, wenn mich jemand angreift(egal welche Hautfarbe und Nationalität) wehre ich mich natürlich auch.
2. Damit kommen wir gleich zum nächsten Punkt. Selbst 18 Jahre nach der Wiedervereinigung fühlen wir uns als Deutsche 2.Klasse.
Das hat “Aulbath” schon ganz gut beschrieben, Du mußt mal ein paar Foren abklappern, der Ossi-Haß besteht immer noch und nimmt sogar noch zu. Nach reichlich Ungerechtigkeiten die hier geschehen sind, muß man sich wundern, das in den Leuten langsam die kalte Wut aufsteigt.
Zu DDR Zeiten wurden wir schon zu “Ausländerfreunden” erzogen. Damals hieß das noch “unsere sozialistische Brüder”. Die durften sich dafür auch ungestraft hier austoben, und wir mussten dem tatenlos zusehen.
Jetzt leben wir ind der BRD und haben uns gefälligst wieder freundlich zu den Zuwanderen zu verhalten.
Bei mir um die Ecke gabs mal ein Asylantenheim. Was sich dort zugetragen hat ist unbeschreiblich. Viele dieser Asylanten haben sich verdammt daneben benommen, und wir mussten das wieder dulden.
Ausländer sind auch Menschen, mit macken, Fehlern guten wie schlechten Eigenschaften. Ein Deutsche wird zu recht bestraft wenn er eine Straftat begangen hat. Warum verschont man einen anderen, nur weil er zufällig eine andere Hautfarbe hat?
Zu diesen Mist kommt dann auch noch die üblichen Vorurteile, Ossis sind faul, rechtsradikal und meckern nur.
Wer fängt nicht irgendwann an sich zu wehren, wenn so über ihn geredet wird.
Deshalb kommen die schönsten Ost-Analysen ja auch aus den alten Bundesländern.
Es wird langsam Zeit, das man begreift, das wir hier im Osten anders aufgewachsen sind. Das wir uns nicht alles schlechtreden lassen und in manchen Dingen besser gelebt haben als heute.
Manche Sprüche erinnern mich an Siegermentalitäten, aber nicht an ein wiedervereinigten Deutschland. West gegen Ost, vielleicht auch eine Variante von Fremdenfeindlichkeit.
MfG
August 30th, 2007 at 1:08 pm
Ähm meisten.
Das mit den toitschen Schafen ist schon ein dicker Hund. Als ob der Hund durch seine fremde Herkunft verdorben wurde.
Ich finde es auch immer seltsam das bei großen Unglücken (Zug Unfälle, Überschwemmungen ,Großbrände) im Ausland, nur das vorhanden sein von deutschen Opfern entscheidet ob es eine “Seite 1″ oder eine sonstige Nachricht auf der letzten Seite ist. (in deutschen Zeitungen natürlich)
August 30th, 2007 at 1:41 pm
@Aulbath & Horst:
Ich denke, Musik kann auf jeden Fall ein Medium sein, dass bestehende Gefühle bestärkt oder ihnen hilft offen zum Ausdruck zu kommen. Das kann gut sein, das kann auch schlecht sein. Nicht umsonst rekrutieren sich ja auch viele auf der anderen Seite des Spektrums über Rechtsrock. Musik kann also Intoleranz schüren. Ganz sicher.
Aber Musik kannst du ja auch nie aus dem gesamtgesellschaftlichen Konstrukt herauslösen. Nehmen wir jetzt mal die weißen Zahnarztkinder aus Suburbia aus, dann drückt dieser aggressiv “arabische” Ghetto-Gangsta-Rap (Bushido, G-Hot, Azad) ja schon ein “Lebensgefühl” aus. Den Glauben daran, dass man - warum auch immer - das Recht habe sich so aufzuführen, schwächere zu dissen, den ganzen Rotz. Es ist ja auch kein Zufall, dass in den USA intelligenter Message-Rap langsam vom NWA-Gangsta-Rap ersetzt wurde, als in LA die Race Riots ausbrachen, etc. Oder nimm “The Guns of Brixton“… das drückt eine Grundstimmung aus, die sich dann ein paar Jahre später in den Race Riots offen zeigte.
Auch da kreiiert ja erst ein bestehendes Grundgefühl die Musik, die dann dieses Gefühl bei anderen wieder verstärkt. Das ist also auch ein Zeichen dafür, dass man gucken muss wie man die Leute da rausholt oder verhindert, dass sich solchen verspackten Ideologien hingeben. Dass die derzeitige Generation aber die worst ever ist oder so… naaa, das fängt sich: O tempora, o mores ist ein ziemlich altes Meme.
Zurückgekläffe (mit eventuellem Gebeiße, wie Hen schon erwähnte) ist auf jeden Fall keine Antwort die langfristig funktionieren kann. Weil sich sowas immer weiter steigert und immer weiter gegenseitig hochschaukelt, bis es sich irgendwann katastrophal entläd. Escalation ladder, blablabla…
***
@Horst & Oliver:
Was viel wichtiger ist als “Bildung” ist die Fähigkeit “kritisch denken” zu können und - Achtung, gutmenschliches Pädagogengeschwafel - die Fähigkeit zur Empathie. Wie man letzteres natürlich schafft ist die klassische Frage: Die konservative Antwort “mehr Disziplin, mehr Law & Order, deutsche Wertekunde” halte ich auch für eher fragwürdig…
***
@Wut-Ossi:
Au Mann. Wo soll ich anfangen… ich geh’ mal der Reihe nach vor. “Gewalt ist manchmal eine Lösung”. Aber sie ist meistens (meistens) die schlechteste Möglichkeit. Und wenn andere Lösungen ähnliche Erfolgsaussichten haben, dann sollten diese vorgezogen werden.
Zu 9/11: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Natürlich hatten die USA das Recht sich zu wehren. Natürlich war es auch richtig, dass die USA im Zweiten Weltkrieg in Europa Nazi-Deutschland bekämpft haben. Aber: Was hat das mit Mügeln zu tun? Ein Krieg mit Millionen Toten oder ein Terror-Anschlag mit tausenden Toten steht für mich nicht nur auf einem anderen Blatt Papier als$eine “Kneipenschlägerei” oder wie auch immer man Mügeln harmlos sehen will… das Blatt Papier befindet sich für mich in einem anderen Buch, in einer anderen Bücherei, in einer anderen Stadt, auf einem anderen Kontinent.
Ich schrieb oben vom “Gewaltmonopol” des Staates. In bestimmten Situationen habe ich das Recht eine Gefahr abzuwenden, indem ich mich auf das Notwehrrecht berufe. In Ausnahmefällen darf ich eine Festnahme vorwegnehmen. Mehr nicht. Und das in Mügeln war, wenn ich der Presse glauben darf, keine Notwehrsituation. Fünfzig gegen Acht? Das klingt alles eher nach Lynchmob. Und sowas hat in einer funktionierenden Gesellschaft kein Existenzrecht.
Wehren ist eine Sache, aber sowas wie “Verhältnismäßigkeit” sollte man vielleicht nicht ganz wegwischen. Wenn dir jemand Unrecht antut, dann hast du trotzdem kein Recht es ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen. Du wendest dich an die Justiz und hoffst, dass er dir zu deinem Recht verhilft. So sind die demokratischen Grundregeln. Auch wenn die vom Bauchgefühl her unbefriedigend sein mögen, aber bei kühlem Kopf betrachtet gibt es dafür schon einen verdammt guten Grund…
Ad 2: Zu deinen “sozialistischen Brüdern”. Was willst du mir sagen? Die waren damals Arschlöcher, also darf ich das heute an anderen ausleben? Dass du dich freundlich zu jemandem (Inländer, Ausländer, Zwischenländer, Zu- oder Abwanderer) verhälst, solange er dir persönlich nicht quer gekommen ist, das halte ich für gesellschaftlichen Kitt. Aber wenn du das nicht tun willst, dann lässt du’s und bist unfreundlich. Auch das ist dein gutes Recht. Spätestens bei Körperverletzung und fremdenfeindlichen Parolen hört meine persönliche Toleranz aber auf. Punktum.
Das mit den Asylanten, die sich daneben benommen haben: Ärgerlich. Aber auch hier: Was hat das mit den Indern in Mügeln zu tun? Du kannst ja nicht von deinen Asylanten auf andere schließen. Und dulden: Du kannst auf rechtsstaatlichem Wege versuchen was dagegen zu tun. Eine Menschenjagd gehört definitiv nicht dazu.
Und zu deinem schweren Einzelschicksal als Ostdeutscher: Huh? Also, den Ausländern kriechen wir in den Arsch, an den Ossis lassen wir’s aus? Oder wie darf ich den Satz verstehen? Abgesehen davon: Du kannst mir sicher ein paar konkrete (!) Beispiele nennen, bei denen die Justiz die Gesinnung zeigt, die du ihr unterstellst. Also, Fälle wo Ausländer oder deutsche nicht-weißer Hautfarbe trotz klarer Beweislage freigesprochen wurden, und zwar aufgrund ihres gesellschaftlichen Status. Bis das kommt behandle ich die Aussage mal höflich als Stammtischgewäsch.
Kommen wir zu “Wer fängt nicht irgendwann an sich zu wehren, wenn so über ihn geredet wird.” Keine Ahnung. Aber wenn unter “sich wehren” für dich fällt, dass man Hass-Parolen skandiert und Leib und Leben seiner Mitbürger bedroht, egal was vorgefallen ist, dann ist offenbar noch nicht schlecht genug über dich geredet worden. Wenn “sich wehren” bedeutet, dass man ungehemmt seinem Hass freien Lauf lässt und gewillt ist anderen Menschen Unrecht anzutun, weil man ja das Gefühl hat, dass einem selbst Unrecht widerfahren ist (oder weil einem tatsächlich Unrecht widerfahren ist), dann macht das die Sache um nichts besser. Dass andere sich dir gegenüber wie Arschlöcher aufgeführt haben gibt dir nicht das Recht selbst zum Arschloch zu werden.
Zu den letzten Sätzen werde ich fast nichts sagen, weil ich nicht in der DDR groß geworden bin und mir darum mal meine Wertung erspare. Eine unbefangene Aufarbeitung die nicht dämonisiert, aber auch nicht schön redet oder das Gefühl hat, dass nach jedem Negativa gleich erwähnt werden muss, dass ja nicht alles schlecht war… das würde ich mir als Geschichtsstudent aber inzwischen wirklich mal wünschen.
Bliebe noch die letzte Aussage: “West gegen Ost, vielleicht auch eine Variante von Fremdenfeindlichkeit.” Sorry. Bullshit. Und selbst wenn es so wäre: Das gäbe immer noch keinem das Recht selbst zum Fremdenfeind zu werden oder das Gefühl der eingen Benachteiligung an anderen auszuleben, die noch Schwächer sind als man selbst. Gabriel Laub schrieb mal: “Der Sklave will nicht frei sein, er will Sklavenaufseher werden.”
Genau so kommt mir dein Comment vor. Dass du eine Art moralisches Recht hast andere zu diskriminieren, dass scheint dir wichtiger zu sein als dass du selbst nicht wegen deiner Herkunft diskriminiert wirst.
August 30th, 2007 at 2:00 pm
Die Phrase “Gewalt ist keine Lösung”, ist sowas von abgedroschen.
Das Sprüchlein “Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde” ist sowas von abgedroschen.
Sieh dir nur mal den 11.September und dessen Gegenreakti[o]n an.
Von Staatswegen ist Gewalt anscheinend doch eine Lösung.
Nein, ist sie nicht. Sie ist eine Reaktion auf eine Reaktion auf eine Reaktion … und dient nur dazu, schnell und vermeintlich im Sinne des Volkes zu handeln. Bzw. des wütenden Mobs, der Köpfe rollen sehen will, nur um später von den Folgen dieser Reaktion geschockt zu sein.
Ehrlich gesagt, wenn mich jemand angreift(egal welche Hautfarbe und Nationalität) wehre ich mich natürlich auch.
Mit Worten oder Taten? Deeskalierst du die Situation oder bestrafst du Gleiches mit Gleichem bzw. Kleinigkeiten mit Schlimmerem?
(Und ja: Es ist egal, ob dein Gegenüber dick ist oder schwarz. Du wirst diese Eigenschaft beleidigen, weil sie dich von ihm/ihr unterscheidet.)
Selbst 18 Jahre nach der Wiedervereinigung fühlen wir uns als Deutsche 2.Klasse.
Wir? Oder nur die, die sich solchen Kram tagtäglich einreden lassen? Den “Ossi-Haß” schlachten nicht nur Wessis aus. Auch meinereiner macht gern mal einen Ost-Spruch. Immer ironisch, versteht sich.
Die durften sich dafür auch ungestraft hier austoben, und wir mussten dem tatenlos zusehen. [...] Bei mir um die Ecke gabs mal ein Asylantenheim. Was sich dort zugetragen hat ist unbeschreiblich. Viele dieser Asylanten haben sich verdammt daneben benommen, und wir mussten das wieder dulden.
Die haben sich vielleicht gewundert, als es dann eines Tages plötzlich Steine und Brandsätze hagelte.
Warum verschont man einen anderen, nur weil er zufällig eine andere Hautfarbe hat?
Gute Frage. Vielleicht liegt es ja am positiven Rassismus. Den gibt es nämlich auch, so albern das klingt.
Zu diesen Mist kommt dann auch noch die üblichen Vorurteile, Ossis sind faul, rechtsradikal und meckern nur. Wer fängt nicht irgendwann an sich zu wehren, wenn so über ihn geredet wird.
Ob mit Stöcken oder Steinen, irgendwann platzt jeder Kopf.
Das wir uns nicht alles schlechtreden lassen und in manchen Dingen besser gelebt haben als heute.
Genau. Denk nur mal an den Sandmann und Ellentie und das Spielhaus und Schrebergärten und Zeug. Das alles hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind: Alltagsrassisten und Lynchmobster.
West gegen Ost, vielleicht auch eine Variante von Fremdenfeindlichkeit.
Mach dir nix draus: Die Westler spinnen eh alle.
August 30th, 2007 at 3:28 pm
@Wut-Ossi
” Selbst 18 Jahre nach der Wiedervereinigung fühlen wir uns als Deutsche 2.Klasse.”
Ich nicht.
Das die Ausländerfeindlichkeit im Osten höher ist ist ja belegbar. Es gibt aber hier(Osten) eine generelle Abwehrreaktion gegen jede Kritik. Sicher herrscht oft ein verzerrtes Bild vom Osten aber auf beiden Seiten. Vielleicht ist das Wegreden von Ausländerfeindlichkeit in beiden Teilen ein Grund das sich nie was ändert. Jeder hat nen anderen Sündenbock. Der Westen sagt das ist ein Ost Problem, der Osten sagt das sei ein West Import.
Der Staat gibt den Gemeinden die Schuld ,die sagen sie haben dafür vom Staat zu wenig Geld bekommen. Und der Staat hilft angeblich den Asylanten zuviel und fördere dadurch die Missgunst der Deutschen.
Besonderst letzte These halte ich für stark fragwürdig.
August 30th, 2007 at 3:49 pm
Uuups, gar heftig Gegenreaktionen.
Spass beiseite, Ich habe weder was gegen Wessis noch gegen Ausländer.!!!
Wahrscheinlich habe ich mich etwas zweideutig ausgedrückt, im gegenteil.
Einer meiner Freunde ist Russlanddeutscher, und der Marokkaner um die Ecke streichelt sogar mein Hund.
Beim Griechen hatte ich mein bestes Essen bisher und beim Chinesen bin ich auch 1-2 mal die Woche.
Aber wenn man unbedingt ein rechtsradikalen sehen will???
Ich habe weder was gegen Ostfriesenwitze noch gegen Ossiwitze. Frag mal ein Kölner was er von Düsseldorf hält.
Eure Abwehrreflex klappt ja noch recht gut. Ist bloss Peinlich, wenn man auf dem linken Auge blind ist.
Wir sind ja wohl alle davon überzeugt, das Gewalt keine Lösung ist. Das sollte dann aber auch für alle in Deutschland lebenden Menschen gelten.
Aber mit ein paar verblödeten Ost-Glatzen kann man ja viel besser ein Aufschrei produzieren. Bloß komisch das deren “Führer” aus den Westen kommen und auch von dort finanziert werden.
Anderseits gibt es Ehrenmorde, gequälte Ehefrauen pöbelnde Jugendliche u.v.m. Da hört man plötzlich nichts mehr von euch. Diese Art von Gewalt scheint wahrscheinlich was anderes zu sein.
Bei diese Art ein und den selben Fakt(Gewalt) aus zwei verschiedenen Perspektiven zu betrachtet, muss man sich nicht wundern wenn gewisse Ereignisse vorkommen.
Ein Geschichtstudent sollte sich auch mal die Mühe machen, sich persönlich zu informieren. In der gängigen Literatur wird die Ostzone sehr verzerrt dargestellt. Jetzt hast Du die Möglichkeit Geschichte live zu erleben, oder traust Du dich nicht rüber zu uns?
Wundert mich nicht, das auch jetzt noch so´ne bescheuerten Meinungen über uns bestehen.
MfG
August 30th, 2007 at 4:34 pm
Einer meiner Freunde ist Russlanddeutscher, und der Marokkaner um die Ecke streichelt sogar mein Hund. Beim Griechen hatte ich mein bestes Essen bisher und beim Chinesen bin ich auch 1-2 mal die Woche.
Aber wenn man unbedingt ein rechtsradikalen sehen will???
Ich akzeptiere mal das du wirklich nichts gegen Ausländer hast. Aber über die “Beweisführung” solltest du doch mal nachdenken. Diese “einer meiner Freunde ist”-Schiene ist eigentlich eher Klischee als sonstwas. Aber okay.
Eure Abwehrreflex klappt ja noch recht gut. Ist bloss Peinlich, wenn man auf dem linken Auge blind ist.
Hast natürlich Recht. Wenn ich darüber schreibe, dass in Mügeln wohl auch rechte Parolen skandiert werden, dann sollte ich natürlich auch im gleichen Atemzug erwähnen, dass ich gegen Gewalt von links, oben, unten und sogar aus der Mitte bin. So wie man in jedem Bericht über die Gefahren des Flugverkehrs erwähnen sollte, warum Autos, Schiffe oder zu Fuß gehen genau so gefährlich sind. Im Ernst: Wenn ich hier über rechte Gedanken schreibe, dann schreibe ich über rechte Gedanken. Dass ich linke Gewalt ebenso ablehne sollte eigentlich aus meinem Text klar werden. Die Grundregeln fürs Zusammenleben von denen ich schrieb gelten für alle.
Und weil du gerade so schön kollektivierst. Hier mal was Aulbath ein wenig weiter oben geschrieben hat:
Von wegen selektiver Wahrnehmung und so.
Wir sind ja wohl alle davon überzeugt, das Gewalt keine Lösung ist. Das sollte dann aber auch für alle in Deutschland lebenden Menschen gelten.
Äh… sagtest du nicht eben noch “1. Die Phrase “Gewalt ist keine Lösung”, ist sowas von abgedroschen” und “Ehrlich gesagt, wenn mich jemand angreift(egal welche Hautfarbe und Nationalität) wehre ich mich natürlich auch“? Aber da habe ich mich vielleicht verlesen.
Darum jetzt mal die Aufforderung: Wenn du mir zeigen kannst, wo ich in meinem Text je in Frage gestellt habe, dass der generelle Gewaltverzicht für alle in Deutschland lebenden Menschen gilt, dann bekommst du von mir einen No-Prize.
Aber mit ein paar verblödeten Ost-Glatzen kann man ja viel besser ein Aufschrei produzieren. Bloß komisch das deren “Führer” aus den Westen kommen und auch von dort finanziert werden.
Ja. Scheiße auch. Lassen wir die “Ost-Glatzen” einfach mal machen und konzentrieren wir uns voll auf den Westen. Du bekommst aber schon zumindest den Gist meines Textes mit, oder? Wenn es im Osten derzeit stärker brennt als im Westen (sprich: mehr Gewalttaten dieser Art vorliegen), dann hat es erstes Anliegen zu sein, dass man den Brand da löscht ehe er sich ausbreitet. Und dann kann man die Brandstifter packen, egal wo die nun herkommen. Du versuchst hier eine Ost-West-Achse reinzubasteln, die mir - persönlich - scheißegal ist. Wenn man ein Problem hat, dann muss man sich darum kümmern… egal wo es nun vorliegt.
Anderseits gibt es Ehrenmorde, gequälte Ehefrauen pöbelnde Jugendliche u.v.m. Da hört man plötzlich nichts mehr von euch. Diese Art von Gewalt scheint wahrscheinlich was anderes zu sein.
Ach, Digger. Du hast sicher ausführlich in meinem Archiv rumgestöbert, dass du dir das Recht rausnimmst mir da Verharmlosung oder Ignoranz vorzuwerfen, oder? Weil ich sowas ja nie kritisiert habe. Ich hätte jetzt gedacht, du wärst hier reingestolpert, hättest diesen Text gelesen und dann eine verallgemeinernde Meinung vorgefasst, wer ich bin, wofür ich bin und worüber ich geschrieben habe und worüber nicht. Dann hätte ich gefragt, ob ich dir ‘ne Schere und Kleber leihen soll, damit du dir ‘nen besseren Strohmann basteln kannst.
Aber so wie du dagegen eintrittst, dass man ganze Bevölkerungsgruppen über ein Kamm schert… da hast du dich sicher vorher informiert, bevor du hier irgendwas insinuierst. Oder?
Bei diese Art ein und den selben Fakt(Gewalt) aus zwei verschiedenen Perspektiven zu betrachtet, muss man sich nicht wundern wenn gewisse Ereignisse vorkommen.
Genau. Selber Schuld, die Brut. Und wenn nicht selber Schuld, dann sind die dran Schuld die diese Art von Gewalt geißeln und die andere nicht. Mal abgesehen von der total verqueren Logik: “gewisse Ereignisse” ist ein richtig geiler Euphemismus. Füll den bitte mal für mich auf: Was genau ist für dich ein “gewisses Ereignis”?
Ein Geschichtstudent sollte sich auch mal die Mühe machen, sich persönlich zu informieren. In der gängigen Literatur wird die Ostzone sehr verzerrt dargestellt. Jetzt hast Du die Möglichkeit Geschichte live zu erleben, oder traust Du dich nicht rüber zu uns?
Du verwechselst Geschichte mit Politologie. Die sind direkt am Tagesaktuellen dran. Die “gängige Literatur” ist - du hast ein falsches Bild von der Geschichtswissenschaft - übrigens nur Teilgebiet. Der Rest, der wichtigere Teil, ist Quellenarbeit und Quellenkritik. Da arbeitet man dann Stasi-Dokumente, Reden, Briefe, Protokolle, zum Teil NVA-Speisekarten, et cetera ab. Dinge die in realitas während der DDR in der DDR entstanden. Und wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass die SED solche Dokumente nicht geschaffen hat um sich selbst als “schlecht” darzustellen, dann habe ich - ehrlich gesagt - kein Interesse an dämlicher Apologetik.
Natürlich habe ich nicht da gelebt… aber ich habe auch nicht im Dritten Reich gelebt. Oder in der Sowjetunion. Oder jetzt in Nordkorea. Oder in Robert Mugabes Zimbabwe. Oder in Francos Spanien. Oder in Griechenland während der Papadopoulos-Regierung. Und ich zweifle nicht daran, dass auch da “nicht alles schlecht” war. Trotzdem würde ich da nicht leben wollen. Und ich hätte auch keine Lust wenn ich da auch bei allem was kritikwürdig war sofort nachschieben sollte: “Aber alles war nicht schlecht.”
Wundert mich nicht, das auch jetzt noch so´ne bescheuerten Meinungen über uns bestehen.
Im Gegensatz zu einigen der anderen “Zonis” die hier mitdiskutieren tutst du aber gerade auch wenig um dem Bild zu helfen. Mit ein bisschen weniger Pathos und Selbstmitleid wird das vielleicht auch was mit der Diskussion…
August 30th, 2007 at 7:05 pm
Ich stimme dir in vielem zu, Björn, aber hier ist der Widerspruch:
Du schreibst von einem “Scheitern der Zivilgesellschaft”. Wie kann etwas scheitern, das es nicht gibt? Konnte zu DDR-Zeiten eine solche entstehen? Ich schätze, eher nicht. Und leider gibt es in der Ex-DDR dann auch zu viele Landstriche, in denen sie auch danach nicht entstand, nicht entstehen konnte. Das sind echte Problemgebiete mit realen Menschen mit echten Schicksalen. Hier nur auf “rechtes Gedankengut” zu verweisen, reduziert Komplexität unzureichend. Dieses “Gedankengut” ist eher parallele Folge als eigentliche Ursache.
Das eigentliche Problem ist, dass dort junge Männer ohne Perspektive aufwachsen. Wir kennen das Problem aus anderer Sicht: als solches türkischer oder arabischer Gangs in den Großstädten. Was zeigt, dass es hier nicht um Pässe, Geschichte oder sonstige Schablonen geht, sondern um schiere Soziologie.
Und noch was: Den Staat hier auf die Anklagebank zu setzen, scheint mir eher Teil des Problems zu sein. Der Staat hat da, wo er sinnvoll reagieren kann, tatsächlich unmittelbar und sinnvoll reagiert. Die Polizei hat die Opfer geschützt und nicht die Täter und wurde demzufolge auch Ziel des Mobs. Die magere Ausbeute an tatsächlich von der Staatsanwaltschaft Verfolgten muss zwar verwundern, dürfte sich aber vor dem Hintergrund der Fälle, die strafrechtlich-technisch ähnlich zu bewerten wären, deutlich relativieren. Wir haben nun einmal zum Glück kein Gesinnungsstrafrecht. Die Härte, die der Staat sonst vermissen lässt, kann deswegen nicht willkürlich für speziell motivierte Straftaten reserviert werden.
August 30th, 2007 at 8:18 pm
“@ Aulbath
Der Text ist nicht wirklich schlimm.
Sicher die glauben tatsächlich das sie was mit Gewalt lösen können aber das Nazi Problem ist nicht wegen solcher an Selbstüberschätzung leidender Rapper entstanden. Die Lyrics hier sind mehr eine Art “zurück gekläffe”.
Was nur zeigt das viele Ausländer/Immigranten glauben sie seien auf sich allein gestellt. Sie denken scheinbar den weißten “Deutschen” sei es egal was die Nazis tun.”
Gastarbeiter und ihre Kinder, die Angst des deutschen Handwerkers vor Billigarbeitern aus dem Ausland… so fing’s an, die Ausländerghettos und der dazugehörige Rap sind doch nur die aktuellen Entwicklungen einer Geschichte die im Westen schon 1960/70 entstand.
Und wenn hinter dem Sprachgesang nicht auch handfeste Taten stehen würden, dann würde mich das Ganze ja nicht so aufregen.
Außerdem propagieren unsere “arabischen” Freunde und Einzelschicksale auf naiv-trashige Art und Weise recht brisantes Gedankengut ~ Stolz, Ehre, Blut & Boden, Herrenmenschen… merkst du was?
Sowas kann und will ich nicht dulden, vorallem dann nicht wenn mir die Antifa vorwirft ich höre neonazistischen, menschenhassenden Antisemitenmetal. Hier läuft einfach entschieden was schief…
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Ansonsten ist noch ganz interessant das Gedankengut schlauer Menschen aus dem Westen (man sehe sich mal diverse NeoNazi-Größen an, Geldgeber und “Führer” sind doch meist gutbetuchte Westdeutsche), hier im Osten einfach auf viel fruchtbareren Boden stößt… weil hier die Situation einfach viel mit der Wirtschaftskrise anno 1929 und den mistigen Jahren bis ‘33 gemeinsam hat. Und die verhältnismäßig wenigen Ausländer die hier leben, aber in den Medien doch vordergründig präsent sind geben doch ein prima Feindbild ab. Das Unbekannte fürchtet man, nicht etwas mit dem man aufgewachsen ist.
Insgesamt würde ich aber sagen das Rassismus und aufsteigender Neonazismus definitiv ein gesamtdeutsches Problem ist, nur im Westen einfach nicht so offen zur Schau gestellt wird/gestellt werden kann weil es genug mächtige Gegenströmungen gibt die dagegen vorgehen.
Allerdings bin ich auch der Meinung das man auch solche Einstellungen akzeptieren sollte - sowas wie ein NPD-Verbot halte ich für eine Bankrotterklärung der Regierung, wenn einem nichts mehr einfällt, einfach verbieten… und sollte die NPD erst verboten sein, dann wird’s richtig Ärger geben - denn dann ist Götterdämmerung für die Hardliner, und ich könnte mir vorstellen der offen geforderte Straßenkampf (z.B. bei den Demos gegen das Nazigeschäft hier in Rostock) bleibt dann nicht nur altermedia-online Geschwafel sondern könnte durchaus Wirklichkeit werden.
—————————————————————————-
Was das Thema Ost/West angeht… mal ein dummer Spruch über Ostdeutschland ist okay (hey, wir machen auch ständig Witze über die Bayern, nun gut… das sind ja auch keine Deutschen
*SCHERZ!!!*), wenn aber ein Deutscher in Deutschland aufgrund seiner Herkunft offen beleidigt oder gesellschaftliche Probleme bekommt (Ausgrenzung, Mobbing, ungleiche Bezahlung etc. pp) dann ist das schon ziemlich hart… ich seh’s bei mir im Betrieb ~ wir gehören alle zum gleichen Unternehmen (Sitz in Hannover).
Müßen aber länger Arbeiten und bekommen weniger Geld als unsere Kollegen in Hannover… davon abgesehen das wir unterbesetzt sind, und manche Leute 500 und mehr Überstunden haben, wollen wir mal gar nicht erst reden…). Warum kriege ich kein Westgehalt? Nur weil ich Ossi bin? Mach’ ich schlechtere Arbeit? Bin ich ein schlechter Mensch? HALLO?
August 30th, 2007 at 9:46 pm
Ein NPD Verbot hat vor und Nachteile.
- Ein Vorteil ist das sie weil nicht mehr gewählt werden dürfen/können keine Steuergelder mehr bekommen.
Pro Stimme bekommen Pateien einen Betrag.
http://de.wikipedia.org/wiki/Parteienfinanzierung#H.C3.B6he_der_Finanzierung
Nachteil: sie gründen einfach ne neue Partei oder gehen zur DVU.
Vorteil: Leute könnten denken das wenn die Partei nicht verboten ist, sei es ok sie zu Wählen.
Nachteil: Angeblich müssten die Justitz ihre V-Leute abziehen.
Kann ich ehrlich gesagt nicht glauben.
Usw.
Ich weiß nicht so recht was für mich wichtiger ist.
Eigentlich sollte man auch ohne solche Verbote auskommen.
Aber wenn ich höre das die auch Parteienfinanzierungs- Mittel aus der Steuerkasse bekommen wird mir schlecht.
August 31st, 2007 at 9:53 am
Hallo
Erstmal muß ich zugeben, das ich kein “Studierter” bin, deswegen habe ich etwas Schwierigkeiten meine Gefühle in Worte zu kleiden.
Nimmst Du ja auch schön auseinander, mein Geschreibsel.
1. Ja ich habe nur diesen einen Post von Dir gelesen.
2. Beziehe ich mich mehr auf die Mitposter hier und deren Antworten.
3. Ja, ich bin nicht mit allem einverstanden was Du so schreibst.
4. Ja, Du bist rhetorisch besser drauf als ich.
Neuer Ansatz:
Ich hatte schon Diskusionen mit hiesigen Studenten, die teilweise noch “bessere” Argumente hatten. Beispiel: “Wir sind schuld am Elend Afrikas”
Wenn man dann fragt, was er persönlich beiträgt (Patenschaft o.ä.)
um dieses Elend zu mildern, kommt plötzlich nur Stille.
Will sagen Theorie und Praxis liegen manchmal mächtig auseinander.
Du sitzt in der Bibliothek und am PC und versuchst die Ostdeutsche Geschichte zu analysieren.
Hat Dir schon mal jemand gesagt, das nicht alles in den Akten steht?
Aber was nicht schwarz auf weiß notiert ist, existiert dann folglich auch nicht.
Ja, die meisten Ostdeutschen haben sich mit diesen System arrangiert, war auch nötig um zu überleben.
Wir haben uns unsere eigenen Freiräume geschaffen, wo uns die”Partei” auch in Ruhe gelassen hat. Aufgrund der Mangelwirtschaft wurde der gemeine Ossi sehr erfinderisch, und gute Beziehungen waren alles.
Was ich persönlich sehr bedauere, sind die nach der Wende zusammenbrechenden Freundschaften und Familienbande.
Der Einzug der Marktwirtschaft hat vor allem im sozialen Sektor enorme Auswirkungen gehabt. Jetzt zählt nur noch Besitz und Status, die Mitmenschligkeit geht den Bach runter.
Der Halt ist uns abhanden gekommen, deswegen haben es hier die Rattenfänger viel einfacher als in den alten Bundesländern.
Ja, ich habe alles mitgemacht. Vom Kindergarten über die Schule, Lehrausbildung bis hin zum sozialistischen Betrieb. Unsere unvermeidlichen “Pflichtveranstaltungen” (Pioniernachmittag, Planerfüllung u.a.) wurden schnellstmöglich durchgezogen, damit wir endlich nach Hause kamen. Denn da begann erst das richtige Leben für uns.
Du bist jetzt aufgewachsen, für Dich klingt das so fremd, wie ein in Afrika aufgewachsener Mensch.
Obwohl wir beide Deutsche sind, so unterschiedlich ist auch unsere Geschichte.
Deshalb hasse ich die Betrachtungsweise unseres Lebens aus den “Elfenbeinturm”. Die absolute Weigerung sich mit den Zeitzeugen auseinanderzusetzen macht die ganze Sache nicht gerade sympatisch.
Ich muß mir nicht von irgendeinen Studenten erklären lassen, wie ich aufgewachsen bin, ich hab´s selber erlebt.
Das ist auch der Grund dafür, das viele ältere Ossis sehr empfindlich auf euch reagieren.
Leider wird das aber sofort als Jammer,-Mecker Ossi abgetan.
Ihr müsst erstmal lernen uns zuzuhören und dann erst zu analysieren, dann klappt es auch besser mit der Versändigung.
So, jetzt kannst Du mein Text wieder auseinander nehmen und mir nachweisen, das ich ein Idiot bin. Ich werds ertragen, trotzdem wünsche ich Dir noch einen schönen Tag.
MfG
August 31st, 2007 at 1:43 pm
@Rayson & zum Teil Aulbath:
Guter Einwurf mit der Strukturschwäche. Aber auch darum bin ich eben der Meinung, dass wir jetzt handeln müssen. Und wenn derzeit der Baum im Osten eben mehr brennt, dann muss man jetzt im Osten handeln. Ich komme aus Ostwestfalen, was es in Sachen Strukturschwäche mit einigen - nicht den schlimmsten, zugestanden - Gebieten im Osten aufnehmen kann. Meine ganze Heimatregion ist richtig schön nach unten gerissen worden, weil das lokale AKW (Würgassen, wichtigster Geld- und Arbeitsplatzgeber) wegen Rissen im Reaktormantel mal eben 16 Jahre früher stillgelegt wurde als geplant. Davon hat sich die Region nie wieder erholt. Für junge Leute gibt es da auch keine Chancen. Die paar Firmen die noch in der Region sind (Möbelfirmen, größtenteils) bauen mehr und mehr Stellen ab, weil sie die im Ausland kostengünstiger besetzen können. Und - zack! - schon macht sich wieder der Glaube breit, dass uns die Ausländer die Arbeitsplätze wegnehmen. Die NPD-Plakate von wegen deutsche Jobs für deutsche Arbeiter hingen im letzten Wahlkampf an jeder vierten Laterne.
Das rechte Gedankengut wird in Ostwestfalen aufgefangen von einem schon immer sehr konservativen Gedankengut. Die CDU ist bei uns in der Region noch zu stark in allen Lebensbereichen verankert als dass sich daneben eine rechte Partei breit machen könnte. Aber das grundsätzliche Gedankengut ist auch vorhanden und wartet nur darauf aufzubrechen. Ich habe da doch auch schon Dorffeten und Schützenfest erlebt, da doch auch schon Leute reden hören. Und wenn es da aufbricht, dann fordere ich doch keine Sonderbehandlung. Eher: Ich fordere jetzt schon, dass man zusieht, dass es nie so weit kommt, dass die hässliche Fratze überhaupt das Tageslicht erst sieht.
Ich persönlich - und ich spreche hier nur für mich - sehe das nicht als Ost/West-Problem. Das ist ein Problem das sich jetzt im Osten deutlicher zeigt als im Westen, aber im Westen auch jederzeit aufbrechen kann. Ländliche Strukturen, schwache Wirtschaftslage, generelle Demokratieverdrossenheit. Das ist für mich der Cocktail, der dieser Art von menschenverachtender Ideologie zum Erfolg verhilft. Und den gibt es vermehrt auch im Westen. Ich halte es nur für problematisch zu warten bis sich das im Westen auch endlich zeigt ehe man klare Worte findet, damit man direkt beweisen kann, dass man nicht mit zweierlei Maß misst.
Zum Staat: Damit meine ich primär die lokalen Einheiten. Respekt für das Verhalten der Polizei. Respekt für die zwei oder drei Polizisten die sich dem Mob entgegen gestellt haben, bis Verstärkung kam. Aber wenn ich das Interview mit dem Bürgermeister in der Jungen Freiheit lese (komplett online, aber kein Direktlink möglich), dann stellt sich für mich halt schon die Frage, ob da die Lokalpolitik nicht bestehende Probleme lange ignoriert hat, weil die eigene Ideologie blendete.
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@Aulbath:
Insgesamt würde ich aber sagen das Rassismus und aufsteigender Neonazismus definitiv ein gesamtdeutsches Problem ist, nur im Westen einfach nicht so offen zur Schau gestellt wird/gestellt werden kann weil es genug mächtige Gegenströmungen gibt die dagegen vorgehen.
Eben, mein Reden. Feuer bekämpft man direkt da wo sie brennen. Und da wo sie aufflammen könnten wartet man eben nicht bis es brennt, sondern man schlägt präventiv Schneisen um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Ich verstehe nicht, warum einige das nicht sehen können. Wenn sich Ideologie in Region A besteht, sich aber in Region B massiv offen zeigt, dann muss man im Umgang mit Regon A und B halt unterschiedliche Werkzeuge verwenden. Das hat doch nichts damit zu tun, dass man irgendwen unterbuttern oder alle über einen Kamm scheren will. Das Recht würde ich mir sowieso nicht rausnhmen.
wenn aber ein Deutscher in Deutschland aufgrund seiner Herkunft offen beleidigt oder gesellschaftliche Probleme bekommt (Ausgrenzung, Mobbing, ungleiche Bezahlung etc. pp) dann ist das schon ziemlich hart…
Richtig. Aber daran zweifelte ich ja auch nie, oder? Ich würde deine Aussage sogar noch erweitern: Wenn ein Mensch, egal ob Deutscher oder Ausländer, in Deutschland… und dann würde ich den Rest den du sagtest unterschreiben. Zur Lohnangleichung kann ich leider nichts substantielles sagen, dazu fehlen mir einfach die wirtschaftlichen Vorkenntnisse.
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@Wut-Ossi:
Nimmst Du ja auch schön auseinander, mein Geschreibsel.
Pass auf, ich kenne dich ja nicht persönlich. Also: Was ich von dir kenne sind deine bisherigen zwei Comments (jetzt drei). Das ist alles womit ich arbeiten kann. Und wenn ich das Gefühl habe, dass du Position X vertrittst und ich diese Position nicht teile, dann sage ich dir das auch so. Wenn du eine bessere Alternative hast, dann ruhig her damit. Mal abgesehen davon: Wir diskutieren gerade. Dazu gehört auch das Auseinandernehmen von anderen Positionen um die eigene Position zu stärken. Solange da keine Attacken ad hominem drin sind (die packe ich nur aus, wenn jemand eindeutig trollt… siehe NoteMe oben), halte ich das alles für fair.
1. Ja ich habe nur diesen einen Post von Dir gelesen.
Siehst du. Darum reagiere ich ein bisschen verschnupft, wenn man mir Positionen unterstellt die meine nicht sind, die man aber mit einem schnellen Überblick im Blog klären könnte. Besonders wenn man selbst gerade argumentiert, dass nicht alle Ostdeutschen im Kollektiv gesehen werden dürfen. (Was ja auch stimmt.) Aber im Gegenzug bist du selbst halt auch nicht schlecht im Schubladen-Denken. Jetzt als Disclaimer: Ich glaube an diesen universalistischen Blödsinn in Sachen Freiheit, Menschenrechte, Demokratie. Ob Repressionen von Links oder Rechts kommen, von Deutschen oder Ausländern kommen ist mir dabei herzlichst egal.
3. Ja, ich bin nicht mit allem einverstanden was Du so schreibst.
Das würde mich auch sehr überraschen. Das kann ich auch von niemandem erwarten. Das erwarte ich auch von keinem. Ich hatte mal was zu Diskussionen geschrieben: Im Idealfall nehmen beide was aus der Diskussion mit. Ich hoffe, dass das hier auch so ist. Aber deshalb kann man ja ruhig trotzdem deutlich werden.
Du sitzt in der Bibliothek und am PC und versuchst die Ostdeutsche Geschichte zu analysieren. Hat Dir schon mal jemand gesagt, das nicht alles in den Akten steht?
Aber was nicht schwarz auf weiß notiert ist, existiert dann folglich auch nicht.
A.) Zeitzeugen fallen auch unter die Quellen.
B.) Dokumente sind leider manchmal vertrauenswürdiger als Zeitzeugen.
C.) Feste Geschichte gibt es nie, die Interpretation wird immer von der aktuellen Strömung beeinflusst.
D.) So wie ich das sehe spreche ich doch gerade mit mindestens drei Ostdeutschen (von denen einer in der DDR aufwuchs) über das Thema, oder?
Ja, die meisten Ostdeutschen haben sich mit diesen System arrangiert, war auch nötig um zu überleben. Wir haben uns unsere eigenen Freiräume geschaffen, wo uns die”Partei” auch in Ruhe gelassen hat. Aufgrund der Mangelwirtschaft wurde der gemeine Ossi sehr erfinderisch, und gute Beziehungen waren alles. Was ich persönlich sehr bedauere, sind die nach der Wende zusammenbrechenden Freundschaften und Familienbande.
Das sind Emotionen die ich dir auch gar nicht absprechen kann, gar nicht absprechen will. Aber hinter der “Freundschaft und Familienbande” stand halt trotzdem ein System in dem es keine demokratische Parteienlandschaft gab, in dem vorgeblich beste Freunde sich gegenseitig an den Staatsapparat verraten haben, in dem es keine freie Presse gab und in dem die Bürger notfalls mit tödlicher Gewalt von der Ausreise abgehalten wurden.
Das darf dabei eben auch nicht übersehen werden. Und als jemand der das nicht miterlebt hat und absolut wertneutral sieht, habe ich entschieden dass es das für mich nicht wert wäre. Und dass es darum gilt zu ergründen wie es dazu kommen konnte. Damit man rechtzeitig bemerkt, wenn sich so eine Gefahr wieder ergibt und ihr Herr werden kann.
Und ich werde da nicht einzelne Menschen bewerten. Das steht mir nicht zu. Ich weiß nicht wie ich mich verhalten hätte als Bürger der DDR oder als Bürger im dritten Reich. Darum werde ich nicht über einzelne Menschen urteilen. Ich behalte mir aber trotzdem vor, das System an sich komplett und überzeugt abzulehnen. Und jetzt sind wir doch bei einer DDR-BRD-Debatte, die ich eigentlich gar nicht vom Zaun brechen wollte.
Der Einzug der Marktwirtschaft hat vor allem im sozialen Sektor enorme Auswirkungen gehabt. Jetzt zählt nur noch Besitz und Status, die Mitmenschligkeit geht den Bach runter.
Die Marktwirtschaft hielt allerdings auch Einzug, das darf man nicht vergessen, weil ein Teil der “Mitmenschlichkeit” in der DDR über Jahrzehnte hinweg schlicht auf Pump finanziert wurde, aber unter realistischen Bedingungen nicht bestehen konnte.
Obwohl wir beide Deutsche sind, so unterschiedlich ist auch unsere`Geschichte.
Deshalb hasse ich die Betrachtungsweise unseres Lebens aus den “Elfenbeinturm”. Die absolute Weigerung sich mit den Zeitzeugen auseinanderzusetzen macht die ganze Sache nicht gerade sympatisch.
Nochmal: Zeitzeugen sind auch Quellen. Auch. Du musst im Gegenzug eines sehen: Wenn ich das System DDR wegen seiner undemokratischen Repressalien ablehne, dann urteile ich damit nicht über die Bürger. Dann behaupte ich damit nicht, dass die Menschen in der DDR schlecht waren oder dass das System auch seine guten Seiten gehabt haben mag. Aber die Einschränkungen, die das System mit sich brachte sind für mich so essentiell, so grundlegend, dass es keine noch so guten Seiten gegeben haben kann, die das rechtfertigten. Punkt. Und, ja, das ist meine persönliche Meinung. Das darf jeder anders sehen. (Ah: Das heißt übrigens auch nicht, dass man nicht versuchen darf die guten Seiten ins bestehende System zu retten.)
Ich muß mir nicht von irgendeinen Studenten erklären lassen, wie ich aufgewachsen bin, ich hab´s selber erlebt. Das ist auch der Grund dafür, das viele ältere Ossis sehr empfindlich auf euch reagieren.
Ich erkläre dir nirgendwo wie du aufgewachsen bist. Ich betone, dass der Sozialismus der DDR ein menschenverachtendes Politsystem war, dass ich grundlegend ablehne. Das hat nichts mit dir oder einem anderen DDR-Bürger zu tun. Bzw. schon mit einigen Führungsmitgliedern der SED, Mitarbeitern der Stasi, etc.
Ich kann durchaus differenzieren zwischen der DDR als Staat und Bürgern der DDR als Individuen. Und wenn ich das ein ablehne, dann darf das die zweite Gruppe nicht persönlich nehmen. Ich höre da auch oft, dass man “nur seine Ruhe haben will”. Aber so geht das Spiel halt auch nicht: Geschichte muss aufgearbeitet werden. Und je eher sowas stattfindet, desto besser.
Leider wird das aber sofort als Jammer,-Mecker Ossi abgetan.
Ihr müsst erstmal lernen uns zuzuhören und dann erst zu analysieren, dann klappt es auch besser mit der Versändigung.
Gerne. Wärst du gewillt im Gegenzug das “ihr” stecken zu lassen und mit mir als Individuum zu diskutieren, nicht mit mir als Wessi, als Student oder was auch immer (was Teile meiner Persönlichkeit sind, aber keine vollständigen Umschreibungen…)
So, jetzt kannst Du mein Text wieder auseinander nehmen und mir nachweisen, das ich ein Idiot bin. Ich werds ertragen, trotzdem wünsche ich Dir noch einen schönen Tag.
Den schönen Tag wünsche ich auch. Aber nochmal: Das eingeschnappte “nachweisen, das ich ein Idiot bin”, das hilft dem Bild als Jammer-Ossi nicht. In einer offenen Diskussion muss man halt einstecken und austeilen können. Und, nur so am Rande, wenn ich den Text so auseinandernehme, dann diskutiere ich. Wenn ich dich rund machen wollte, das würde ganz anders aussehen. Glaub mir.
August 31st, 2007 at 8:05 pm
Gut, hast mich überzeugt.
Ich habe noch paar andere Post von Dir gelesen, hat mir etas die Augen geöffnet.
Du betrachtes alles vom Idealistische und Humanistischen Standpunkt aus. Da muß ich Dir in vieklen Punkten recht geben.
Ich dagegen bin Realist, vieleicht manchmal zu emotional betrachte ich die Dinge.
Deshalb habe ich auch mein Nick geändert, die Wut ist abgeebbt.
Die Trennung von System und Bürger funktioniert aber leider nicht so einfach. Viele Bürger im Osten haben das System gestützt, weil sie glaubten es wäre das bessere.
Mit den unterschiedlichen Anfängen unserer beiden deutschen Staaten gings ja schon los.
In der BRD gabs irgendwann den”Marschallplan” der das Land aus den Nachkriegsdreck geholt. Danach begann ein unwahrscheinlicher Wirtschaftsaufschwung, der den Bundesbürger zu einen bescheidenen Wohlstand verholfen hat.
In der Ostzone dagegen lief es völlig anders. Der Russe hat als Reperationsleistungen ne menge rausgeschaft. Angefangen von Schienen, wir hatten praktisch kein zweites Gleis mehr, bis hin zu Maschinen u.a.
Meine Mutter war auch eine dieser Trümmerfrauen in Berlin, die bei 2 Stullen am Tag rackern musste. Der Rest der Familienhabe ging für Nahrungsmittel auf dem Schwarzmarkt drauf, um nicht zu verhungern.
Die DDR hat praktisch bei Null angefangen, weil wir Deutsche waren ist auch was drauss geworden. Dann begangen die Fehler der Regierung, die 1953 zum Aufstand geführt haben. Da spätestens begann das System seine Unmenschlichkeit.
Trotzdem ist der Ostdeutsche stolz auf das Geschaffene, weil es überaus schwierig war politisch und Materiel.
Deshalb auch diese Empfindlichkeiten, bei gewissen “Wessi-Reden”.
Diese Herabwürdigung unserer Leistungen machen mich manchmal wütend.
Wir mussten buchstäblich aus Sche… Gold machen, den Reperaturzwang haben wir heute manchmal immer noch.
Du könntest mal rausbekommen, wieviel die DDR an Reperationsleistungen an die UDSSR zahlen mußte, bei uns wurden diese Sachen sehr unter dem Deckel gehalten.
So jetzt zu der heutigen Zeit, die leider auch nicht mehr viel mit Demokratie zu tun hat.
Was sagst Du zu den Überwachungsplänen des Innenministers(Internet, Telefon, biometrische Pässe u.v.m)?
Was sagst Du dazu, das die Grünen damals als sie an der Macht waren, den Kriegseinsatz zugestimmt haben?
Was sagst Du zu den Zwangsmassnahmen die den Bürger übergeholfen werden mit der Begründung “Klimawandel”.
Den direkten Angriff auf das Privateigentum des Bürgers.
Dazu hätte ich gerne deine Meinung gehört , kann mir danach vieleicht ein besseres Bild von Dir machen.
Und nichts für ungut für meine vorigen Postings, Wut verschleiert desweilen den klaren Blick der Dinge.
MfG
September 1st, 2007 at 11:25 am
Was ich persönlich sehr bedauere, sind die nach der Wende zusammenbrechenden Freundschaften und Familienbande.
Der Einzug der Marktwirtschaft hat vor allem im sozialen Sektor enorme Auswirkungen gehabt. Jetzt zählt nur noch Besitz und Status, die Mitmenschligkeit geht den Bach runter.
Das ist aber doch wohl das Problem der einzelnen Bürger. Niemand zwingt dich, deine Mitmenschen plötzlich nur noch unter kommerziellen Gesichtspunkten wahrzunehmen. Auch nicht der böse Kapitalismus.
Oh, hoppla: Das haben die Ostler ja früher schon getan. Denn [a]ufgrund der Mangelwirtschaft wurde der gemeine Ossi sehr erfinderisch, und gute Beziehungen waren alles. Was wohl heißen soll, dass es auch nutzlose Fresser gab, weil sie nichts Brauchbares beizutragen hatten.
Ich muß mir nicht von irgendeinen Studenten erklären lassen, wie ich aufgewachsen bin, ich hab´s selber erlebt.
Die bloßen Zeitzeugen haben aber leider den Nachteil, dass sie nur eigene Erfahrungen haben. Ich wurde 1982 in Dresden geboren und hab darum nur die tollen (will sagen: verspielten) Seiten des DDR-Systems kennengelernt.
Auch meine Verwandtschaft ist - wie die meisten DDR-Bürger - ungeschoren davongekommen. Niemand von denen wurde an der Grenze niedergeschossen und keiner kam ‘als Politischer’ nach Bautzen.
Aber wenn ich mir nun anmaßte, aufgrund meiner und deren Erfahrungen die DDR schönzureden, würde ich sicherlich viel Applaus bekommen von all denen, die ebenso empfinden. Und mich bei den Opfern komplett lächerlich machen, weil ich Sub- und Objektivität verwechsle. Darum mach ich’s nicht.
Björn und andere geschichtsinteressierte jüngere Menschen (und ältere Geschichtswissenschaftler) erklären dir nicht, wie dein Leben war. Sie sind nicht abwechselnd auf Schocks und Spaß aus wie die DDR-Specials im MittelDeutschen Rundfunk, sondern auf Zusamenhänge.
Nein, sie zeigen uns, wie es insgesamt in dem Staat aussah, in dem wir ein wenig aufwuchsen; und welchen Schatten / welches Licht die Vergangenheit auf die Gegenwart wirft.
Darüber sollte man sich freuen und nicht gleich in Verteidigungsstellung gehen, bewaffnet nur mit ein paar Anekdoten.
September 1st, 2007 at 5:24 pm
Hallo Björn
Kleiner Nachtrag zu Mügeln.
http://www.junge-freiheit.de/
Ließ Dir bitte besonders das Interview mit den Bürgermeister durch. Auch die” Hetzjagt von Journalisten” ist sehr interessant.
Bitte das Blättchen nicht wieder in die rechte Ecke schieben, einfach mal alles durchlesen.
@henteaser
Erstmal gehts hier nicht darum die “DDR” schönzureden oder die roten Socken zu Verteidigen. Mir gehts darum, nicht alles schlecht zu reden!
Alle wollen die DDR so Objektiv beurteilen wie möglich, raus kommt aber immer wieder nur - Das war ein Verbrecherstaat und die Menschen haben ein radikalen Hang nach rechts.
Es wird verallgemeinert, einzelne schlimme Geschehnisse als Symptom für den ganzen Osten genommen.
Sachsen war nicht umsonst zu DDR Zeiten das “Tal der Ahnungslosen”, aufgrund des schlechten Empfangs des “Westfernsehens”.
Wir dagegen konnten auch schon damals den”Feind” empfangen.
Wenn man nicht ganz verblödet war, konnte man auch erkennen das im Kapitalismus nicht alles Gold war, was geglänzt hat.
Ehrlich gesagt, habe auch ich mich vom Konsum blenden lassen , endlich ein Auto oder Computer. In den Anfangszeiten gabs (so weit ich weis) auch keine Probleme mit “Nazis”.
Jetzt die Frage, wie und warum konnte sowas geschehen. Warum sind die blöden Glatzen so aufgestiegen????
Um das zu analysieren kann man nicht einfach irgend welche Schnellschüsse hinlegen, oder aus weiter Entfernung sein Schulwissen verbreiten.
Du bist eigentlich bewußt erst zur Nachwendezeit aufgewachsen, kennst also das meiste auch nur von Erzählungen.
Wahrscheinlich kannst Du deswegen den Reflex “Verteidigungsstellung ” nicht mehr verstehen.
Ich hasse nur den Reflex”alle Ossis sind verkappte Nazis”, weil die ja so schlecht aufgewachsen und ideologisch verkrüppelt worden sind.
Wie Du an meinen letzten Posting erkennen kannst, bin ich schon eine weile länger auf der Welt. Ich habe damals gut gelebt(vom fehlenden Hightec- Produkten mal abgesehen) dafür gearbeitet und zu Feierabend meinen Spass gehabt. Deshalb kann ich die Hetzkampanien nicht so richtig verstehen.
Ist natürlich meine eigene persönlich Meinung, das möge jeder Ossi anders sehen, je nach dem wie seine Erfahrungen sind.
Bevor ich mir aber über andere Sachen eine Meinung bilde, sehe ich mir diverse Quellen an, und das von ganz links über die mitte bis hin zu rechts.
Natürlich nicht die Volksverhetzenden Seiten.
Es ist sehr gefährlich nur ein offizielles Medium zur Kenntnis zu nehmen.
Sieht man gerade im Fall Mügeln, Vorverurteilungen bevor überhaupt die Polizei ermittelt hat und dann schön Breitgetreten. Jetzt muß eine ganze Stadt wegen ein paar Idioten leiden.
Findest Du das richtig???
MfG
September 2nd, 2007 at 12:00 am
Die Trennung von System und Bürger funktioniert aber leider nicht so einfach. Viele Bürger im Osten haben das System gestützt, weil sie glaubten es wäre das bessere.
Dann stellt sich bei diesen Bürgern für mich eine persönliche Frage, auf ganz individueller Ebene: Wieviel von dem was in der DDR vorgefallen ist wussten sie. Wer das System gestützt hat, obwohl ihm bewusst war, dass Menschen verschwinden, wie das MfS arbeitet, dass an der Grenze auch geschossen wird, der hat sich bei mir das Recht auf Mitleid oder Verständnis verspielt. Das ist aber eine ganz persönliche Ebene: Es gibt kein System das ideologisch diese Form von Repression ganz elementarer Grundreche rechtfertigt. Four Freedoms, Paines Rights of Men, die Schublade…
Mit den unterschiedlichen Anfängen unserer beiden deutschen Staaten gings ja schon los. In der BRD gabs irgendwann den”Marschallplan” der das Land aus den Nachkriegsdreck geholt. Danach begann ein unwahrscheinlicher Wirtschaftsaufschwung, der den Bundesbürger zu einen bescheidenen Wohlstand verholfen hat. In der Ostzone dagegen lief es völlig anders.
Ich sehe zwar, worauf du hinaus willst, aber das macht das - natürlich von den Sowjets und ihren deutschen Fans installierte - System der Repression auf dem die DDR fußte in keiner Weise besser oder tragbarer.
Was sagst Du zu den Überwachungsplänen des Innenministers(Internet, Telefon, biometrische Pässe u.v.m)?
Das hier.
Was sagst Du dazu, das die Grünen damals als sie an der Macht waren, den Kriegseinsatz zugestimmt haben?
Hatte ich noch kein Blog, aber das ich dem machtpolitischen System Fischer-Schröder kritisch gegenüber stand, das wirst du mir einfach mal abnehmen müssen.
Was sagst Du zu den Zwangsmassnahmen die den Bürger übergeholfen werden mit der Begründung “Klimawandel”.
Nichts, weil ich mir bisher nie die Zeit nahm mich mit der Materie so weit auseinander zu setzen, dass ich das Gefühl hätte einen informierten Kommentar abgeben zu können.
Den direkten Angriff auf das Privateigentum des Bürgers.
Nichts, weil ich da nicht genau weiß, was du jetzt im Detail meinst.
Gegenfrage: Was sagst du jetzt zur konkreten Situation in Mügeln. Und zwar unabhängig der Thematik Deutsche versus Ausländer oder Ost versus West, sondern gezielt mit Blick darauf, dass es 50 gegen 8 waren, dass dutzende andere Bürger gafften statt zumindest zu gehen und dass die 50 später wohl noch die Polizei attackierten?
Ließ Dir bitte besonders das Interview mit den Bürgermeister durch. Auch die” Hetzjagt von Journalisten” ist sehr interessant.
Habe ich ja oben schon verlinkt. Die Kommentare des Bürgermeisters halte ich im besten Fall für politisch unbedacht. Den Artikel/Kommentar “Hetzjagd von Journalisten”… es ist die Junge Freiheit. Deren Artikel lese ich mit dem gleichen Maß an Skepsis wie die Artikel der Jungle World auf der anderen Seite.
Das Blatt presst die Situation nämlich auch ganz bequem durch den Rinks-Lechts-Filter, statt wirklich darüber nachzudenken. Nur dass man hier die Rollen der Schurken vertauscht hat und “die linke Presse” als Ursache des Problems sieht. Und dieser wieder stark gewordene Trend alles als klar links oder klar rechts definieren zu wollen geht mir auch ganz gehörig auf die Eier, aber das ist wieder ein anderes Thema…
Ich erlaube mir jetzt mal deine Ansprache an Hen aufzugreifen, okay?
Mir gehts darum, nicht alles schlecht zu reden!
Alle wollen die DDR so Objektiv beurteilen wie möglich, raus kommt aber immer wieder nur - Das war ein Verbrecherstaat und die Menschen haben ein radikalen Hang nach rechts.
Lassen wir den “radikalen Hang” mal raus: Die DDR war ein Verbrecherstaat. Und da ist etwas, dass ich genau so auch sagen würde und wo ich nicht sehe, warum ich das relativieren sollte. Damit sage ich ja nicht, dass alle DDR-Bürger Verbrecher waren. Aber nochmal: Wahlen die weder frei, noch geheim waren? Schießbefehl an der Grenze? Verfolgung jedweder politischen Opposition? Das MfS? Folter gegen Dissidenten? Wenn das nicht ausreicht um die DDR als Verbrecherstaat zu definieren, was braucht es denn dann?
Es wird verallgemeinert, einzelne schlimme Geschehnisse als Symptom für den ganzen Osten genommen.
Redest du jetzt gerade von Vorfällen wie Mügeln oder von Ereignissen in der DDR? Falls letzteres, weil du danach ja vom “Tal der Ahnungslosen” schreibst: Bollocks. Das waren keine “Einzelereignisse”, dass waren organisierte und staatlich verordnete Standards. Und alles andere halte ich für geschichtsklitternde Verharmlosung.
Wenn man nicht ganz verblödet war, konnte man auch erkennen das im Kapitalismus nicht alles Gold war, was geglänzt hat. Ehrlich gesagt, habe auch ich mich vom Konsum blenden lassen , endlich ein Auto oder Computer. In den Anfangszeiten gabs (so weit ich weis) auch keine Probleme mit “Nazis”.
Rostock-Lichtenhagen war 1992. Und das was sich da entladen hat entsteht nicht über Nacht, also werden die Grundprobleme und die Grundstimmungen schon in der “Anfangszeit” vorhanden gewesen sein. Abgesehen davon: Was hat denn der Kapitalismus jetzt schon wieder mit irgendwas zu tun? Respektive: Denkst du ernsthaft, dass es nur die Alternative Raubtierkapitalismus oder sozialistischer Repressionsstaat gibt? Regen oder Traufe? Teufel oder tiefblaue See?
Jetzt die Frage, wie und warum konnte sowas geschehen. Warum sind die blöden Glatzen so aufgestiegen???? Um das zu analysieren kann man nicht einfach irgend welche Schnellschüsse hinlegen, oder aus weiter Entfernung sein Schulwissen verbreiten.
Vielleicht kann man ja das “Schulwissen aus der Entfernung” mit Studien und Gesprächen vor Ort kombinieren. Denn anderweitig wird dieser Spruch oft genug genutzt um jeden Blick auf mögliche Probleme einfach mundtot zu machen. Wenn man nicht über ein Problem redet, dann existiert es auch nicht. Bis es irgendwann so schön fett geworden ist, dass man es nicht mehr oder nur noch unter großen Schmerzen lösen kann. Denkverbote werden die Situation nicht lösen. Und auch nicht die Idee, dass sich das Problem “Mangel an Zivilgesellschaft oder Zusammenbruch selbiger” schon von selbst löst, wenn man nur nicht hinguckt und nur nicht drüber redet.
Ich hasse nur den Reflex”alle Ossis sind verkappte Nazis”, weil die ja so schlecht aufgewachsen und ideologisch verkrüppelt worden sind.
Und weil du gerade auf meinem Blog diskutierst kannst du mir sicher ein Beispiel nennen wo ich, Hen oder einer der anderen Diskutanten hier exakt diese Position vertreten hat. Ansonsten wäre ich sehr dankbar, wenn wir hier über Dinge reden würden, die hier tatsächlich gesagt wurden. Die anderen Positionen darfst du gerne an den Stellen diskutieren, an denen sie im Gespräch fielen. Aber hier würde ich mich freuen wenn wir nicht über depperte Statements diskutieren würden, die keiner der Anwesenden von sich gegeben hat.
Wie Du an meinen letzten Posting erkennen kannst, bin ich schon eine weile länger auf der Welt. Ich habe damals gut gelebt(vom fehlenden Hightec- Produkten mal abgesehen) dafür gearbeitet und zu Feierabend meinen Spass gehabt. Deshalb kann ich die Hetzkampanien nicht so richtig verstehen.
Als jemand der nicht da gelebt hat: Geh mal ins Stasi-Museum in der Normannenstraße. Und dann guck dir an - und zwar festgehalten in den Worten der Mitarbeiter des MfS, nicht irgendwelcher West-Wissenschaftler - was mit denen passiert ist, die nicht gut gelebt haben oder nach Feierabend mehr Demokratie wollten statt ihren Spaß. Und dann verstehst du vielleicht auch, warum es mir und einigen anderen schwer fällt diese “aber es war ja nicht alles schlecht”-Position anzuerkennen. Es war natürlich nicht alles schlecht. Aber in einem zentralen Punkt war das System der DDR tatsächlich “einfach nur schlecht”. Und der Punkt ist so zentral dass er für mich den Umstand überbrückt, dass man vielleicht ein ganz angenehmes Leben führen konnte, so lange man nicht negativ auffiel…
Es ist sehr gefährlich nur ein offizielles Medium zur Kenntnis zu nehmen. Sieht man gerade im Fall Mügeln, Vorverurteilungen bevor überhaupt die Polizei ermittelt hat und dann schön Breitgetreten.
Was ist denn ein offizielles Medium? Trotz der Position der JF: Die Presse ist nicht gleichgeschaltet. Und wenn Süddeutsche, FR, FAZ, taz und sogar die NZZ im Ausland sich einigermaßen einig sind, über den Ereignishergang, dann akzeptiere ich das erstmal. Aus der “Question Authority”-Position kann nämlich ganz schnell Paranoia werden, wenn man gar nichts mehr akzeptiert, dass nicht ins eigene, ideologische Bild passt.
Jetzt muß eine ganze Stadt wegen ein paar Idioten leiden.
Findest Du das richtig???
Die Stadt hat knapp über 4.000 Einwohner. 50 davon haben aktiv Menschen gejagt und sich dann mit der Polizei angelegt. Dazu noch mehrere Dutzend Schaulustige. Das ist zwar gerade einmal etwas über 1% der Stadtbevölkerung, aber trotzdem schon dezidiert mehr als “ein paar Idioten”. Ich beschrieb oben, dass so ein Vorfall für mich zeigt, dass die Stadt ein deutliches Demokratieproblem hat. Dabei bleibe ich. Und die Frage, wie es so weit kommen konnte ist absolut legitim. Was ist denn die Alternative? Wo liegt denn deine Quote? Ab wieviel Prozent Anwohnerbeteiligung darf man kritisch nachfragen, ob ein Ort es mit der Demokratie vielleicht nicht so hat, wie er es gerne haben dürfte?
September 2nd, 2007 at 12:37 am
Ein Tübinger Geschichtsstudent zitierte seinen Professor mit: “Der größte Feind des Historikers ist der Zeitzeuge.”
September 2nd, 2007 at 1:16 am
Ich dachte immer der größte Feind des Historikers wäre der Politologe. Aber vielleicht ist der ja Zeitzeuge…
September 2nd, 2007 at 2:01 am
zwei Unis, zwei Welten
September 2nd, 2007 at 12:01 pm
Ich komme nun auch mal wieder dazu nach meiner kleinen “Abwesenheit”, Blogeinträge nachzuholen.
Björn, ich versuche mich mal an einer kleinen Textanalyse, so wie wir es mal in der Schule gelernt haben.
Ich stimme deinem Text zu 80% zu, bin aber am Ende doch etwas enttäuscht, welche Richtung dein Eintrag einschlägt.
Dein Text benennt in der ersten Hälfte ganz einwandfrei die gesellschaftlichen Umstände dieser Ausschreitungen, zeigt die falschen Reaktionen und die unsinnige Krisenbewältigungsversuche von Teilen der Gesellschaft (Politiker, Medien). Anschließend beginnst du auch, die Ursachen des Problems zu suchen, was ich völlig korrekt finde (”es gärt in der Mitte der Gesellschaft”). Die Intention deines Eintrages ist spätestens hier klar, dass es um ein gesamt-gesellschaftlich relevantes Probelm geht, mit dem nicht so leicht fertig zu werden ist und welches zu dem durch deinen Text nachvollziehbaren Versagen der Zivilgesellschaft führt (”der totale Zusammenbruch der Zivilgesellschaft und jener Ordnung, die ein funktonierendes Zusammenleben garantiert”). So weit überblicke ich das doch richtig? Ich denke mal ja, denn all das würde ich so auch unkommentiert unterschreiben und dir die 1+ druntersetzen.
Leider schlägst du dann in meinen Augen die falsche Richtung ein und produzierst einen Widerspruch, der nicht zur ersten Hälfte des Textes passt. So wunderbar du anfangs auf das gesamt-gesellschaftliche Problem hinweist, so bizarr wird es dann, wenn du anfängst auf die Exzesse im Osten einzuschlagen. Du bist anfangs von den Exzessen am Rande der Gesellschaft zum Kern des Problems vorgedrungen und nun verlässt du diesen Weg wieder und suchst die Lösung am Rand der Gesellschaft? Willst du dadurch die Mitte heilen? Indem du Teile des Ostens (oder anderer Regionen, in denen es Ausschreitungen gibt) stigmatisierst? Ich dachte, dass aufgrund der ersten Hälfte deines Textes nun gerade nicht, dass es ein ostdeutsches Problem war.
Rayson hat einen wunderbaren Kommentar geliefert, den ich stattdessen gerne in deinem Text gelesen hätte anstelle des Stigmatisierungs-Vorschlages. Dieser Ansatz eignet sich doch viel besser, das Problem weiter zu verflogen. Ich bin nämlich der Meinung, dass du die falschen Fragen stellst, den falschen Weg einschlägst, nachdem du zum Kern des Problems vorgedrungen bist. Warum stellst du dir nicht die Frage, wieso es ein gesamt-gesellschaftliches Problem dieser Art gibt? Warum drehst du dich stattdessen den Statistiken und dem Hinweis, dass es im Osten die Ausschreitungen gibt, zu? Warum bleibst du nicht auf deinem Weg und stellst die Fragen, wo die Fehler in der Geselslchaft oder dem System liegen? Warum versuchst du keine Erklärung zu liefern, wieso sich dieses Gedankengut in der Gesellschaft festsetzt? Das ist in meinen Augen der Weg, den du hättest weiter beschreiten sollen.
Die Hinweise auf den Osten und eine sogenannte Problemgeneration als Erklärungsversuch halte ich deshalb nur für ein Stellvertreterproblem und ich kann mir einfach keinen Reim darauf machen, wieso du dies im Sinne des gesamt-gesellschafltichen Problems anbringst. Die Forderung nach der Stigmatisierung von Gebieten im Osten (oder wo auch immer) beißt sich schließlich mit der obigen Forderung, dass es keine No-Go-Areas in Deutschland geben sollte. Da du hier noch Broder einbringst, wird das dann auch sehr geschmacklos.
So, soviel von meiner Seite. Ich hoffe, ich bin dir nicht zu sehr auf die Füße getreten, da ich selbst weiß, dass es als Ausenstehender immer leicht ist, etwas zu kritisieren. Ich mache weiß Gott selbst genug Widersprüche in meinen paar Texten. Aber ich hoffe, es ist klar geworden, worauf ich hinaus wollte und wo meiner Ansicht nach der Fehler in deinem Eintrag liegt.
September 3rd, 2007 at 1:39 pm
Hallo Björn
Ich gebs auf mit Dir. Deine Absolut negative Einstellung zur DDR läßt Du Dir auf keinen Fall ausreden.
Wenn man sich nur die negativsten Beispiele rauspickt, muß man natürlich auch zu diesen Ergebnis kommen.
“Ich sehe zwar, worauf du hinaus willst, aber das macht das - natürlich von den Sowjets und ihren deutschen Fans installierte - System der Repression auf dem die DDR fußte in keiner Weise besser oder tragbarer.”
Du siehst nicht worauf ich hinaus will.
Wenn man beim Start ins neue Leben reichlich Geld zu verfügung hat ist der Anfang bedeutend leichter. Fehlt Dir das Geld und nimmt man Dir auch noch was weg, was wird dann mit dem Neubeginn?
“Denkst du ernsthaft, dass es nur die Alternative Raubtierkapitalismus oder sozialistischer Repressionsstaat gibt? Regen oder Traufe? Teufel oder tiefblaue See?”
Zeige mir eine realistische Alternative!
Wo Du grade wieder so schön auf die Stasi rumhackst, Lies das mal:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/95269
Sieht so aus, als ob wir nicht mehr weit weg sind von alten DDR Methoden.
Eigentlich sollte man ja aus der Geschichte lernen, deswegen gibt es ja eure Wissenschaft, anscheinend interessieren aber die Ergebnisse niemanden.
Du könntest das natürlich damit begründen, es geht ja nur gegen “Terroristen, Pedophile und Schwerverbrecher” aber was dabei raus kommt sieht man ja bei den “Tauschbörsennutzern”.
Heute sind die Geheimdienste nicht mehr auf Informanten angewiesen, die Überwachungsmaßnahmen lassen sich doch viel besser benutzen.
Siehe dazu auch “LKW-Maut” und die neuen Begehrlichkeiten die Stationen zu Aufspürung Kriminelle zu nutzen.
Das was Du an der DDR so Abscheulich hältst, bekommst Du jetzt ganz unauffällig durch die Hintertür serviert.
Was jetzt schon gegen Staatsgegnern gemacht wird, hat man vor und während des G8 Gipfels gesehen.
Noch mal zu Mügeln:
“Die Stadt hat knapp über 4.000 Einwohner. 50 davon haben aktiv Menschen gejagt und sich dann mit der Polizei angelegt. Dazu noch mehrere Dutzend Schaulustige.”
Du machst wieder den Fehler, die Presse zu zitieren. Die Presse, die eine unglaubliche Hetzjagt auf Mügeln unternommen hat.
Es kann nicht sein, was nicht sein darf, also hat diese Örtchen ein Demokratieproblem. Kann es vielleicht sein, das ganz Deutschland schon ein Demokratieproblem hat?
MfG
September 3rd, 2007 at 2:13 pm
Zusatz
Björn, rechne mal folgende Faktoren mit dazu, wenn Du versuchst die Mentalität des gemeinen OSSIS zu erklären.:
-Völliger Zusammenbruch eines Wertesystems(Der Sozialismus siegt)
-Völliger Zusammenbruch einer Wirtschaft( Ausverkauf der sozialistischen Betriebe an den Westen)
-Rückübereignung von Eigentum an Westdeutsche
-Ständige Vorhaltungen des Westens, ach wie war der Osten schlecht u.s.w.
-ansteigende Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit mit allen Randerscheinungen.
-Abwanderung der Jugend gen Westen ( Weit über 2 Millionen Menschen nach der Wende)
-Jede Menge Asylantenheime im Osten nach der Wende, mit allen negativen Randerscheinungen.
-Unterdrückung von negativen Nachrichten(Ost wie West), obwohl viele Menschen die negativen Folgen der Einwanderung mit erleben musssten.
Viele negative Einstellungen haben sich erst nach der der Wende entwickelt, vor allem aufgrund negativer persönlicher Erfahrungen.
So das wars.
MfG
September 3rd, 2007 at 2:35 pm
2.Zusatz
Björn
Rate mal, wo viele ehemalige Stasimitarbeiter jetzt arbeiten?
Die deutsche Industrie schert sich ein Dreck um die Vergangenheit diese Leute, die freuen sich über gut ausgebildete Sicherheitsfachleute!
MfG
September 3rd, 2007 at 2:57 pm
Viele negative Einstellungen haben sich erst nach der der Wende entwickelt, vor allem aufgrund negativer persönlicher Erfahrungen.
Gab es gar keine positiven Erfahrungen, abgesehen vom Bananenüberschuss und der ‘Sie haben Gewonnen!’-Briefpost?
Jede Menge Asylantenheime im Osten nach der Wende, mit allen negativen Randerscheinungen.
Offen auf die Leute zugehen war keine Alternative dazu, die Blocks voller Andersartiger als Giftstachel im Fleisch der Nachbarschaft zu sehen?
Völliger Zusammenbruch eines Wertesystems
Hier verwechselst du persönliche und staatlich vorgegebene Werte. Noch einmal: Nur weil der Staat Slogans ausruft, müssen sie noch lange nicht stimmen.
Unterdrückung von negativen Nachrichten? Ja klar, wo ist da der Unterschied zum ehem. Ostblock? Wie viele sozialistische Kinderschänder gab es. Und wie berichtete die Aktuelle Kamera über Fluchtversuche? Doch sicher nicht fair und ausgewogen.
Und so weiter.
Der Staat besteht zwar aus Menschen, auch ein unmenschlicher. (Überhaupt ist ja die “Freiheit immer die Freiheit der Anderen”.) Doch die Unmenschlichkeit eines Systems sollte nicht dazu führen, dass ihre Bürger diesen Weg gutheißen. Oder wegsehen, weil “Scheiße halt passiert”.
September 3rd, 2007 at 6:02 pm
@henteaser
Positive Erfahrungen???
Na klar, jede Menge, -Einkaufen- endlich alles was man in der werbung gesehen hat, auch zu Hause haben.(Obwohls manchmal der letzte Dreck war)
Endlich Westautos haben (die schnell noch vorm Schrott gerettet worden sind), bis auch bei uns der TÜV eingeführt worden ist.
Endlich weltweit rumreisen können, wenn man das Geld dazu hatte.
Endlich auch Drückerkolonnen vor der Haustür, jetzt durfte der naive Ossi sich auch mal übern Tisch ziehen lassen.
Endlich konnte man seine Westverwandschaft besuchen, ohne Visa—
Leider waren die dann sehr erschrocken, das die arme Verwandtschaft aus dem Osten vor der Tür stand.
Noch mehr Beispiele gefällig?
WERTESYSTEM:
Über 40 Jahre herrschte der kalte Krieg, damit auch die ideologische Beeinflussung der Bevölkerung beider deutschen Staaten.
Da bleibt in allen Köpfen etwas hängen.
Kleines alltägliches Beispiel westdeutsche Medien:
-”sogenannter DDR”
-oder “DDR” in Gänsefüßchen
Leider steckt die idiologische Borniertheit noch in vielen Köpfen westlich der Elbe (und auch östlich).
Gedankenexperiment:
Stell Dir mal vor(natürlich sehr unwahrscheinlich) der Sozialsmus hätte gesiegt, und ganz Deutschland wäre eine große “DDR”.
Was würden jetzt die Geschichtsbücher schreiben über den bösen Kapitalismus und seiner menschlichen Ausbeutung.
Historie ist nicht so Objektiv, wie es einige so gerne darstellen wollen.
Irgendwo hat das Wort “Siegermentalietät” ja auch seinen tieferen Sinn.
Unterdrückte Nachrichten:
Bitte richtig lesen - Ich habe extra ” Ost wie West” geschrieben.
Unmenschliches System????
Wird sich noch rausstellen, welches der beiden Systeme das unmenschlichere war, und sein wird.
Mach mal ein bißchen die Augen auf !
Harz 4, ausufernde Überwachungsmaßnahmen jeder deiner Schritte (Orwell läßt grüßen), der Umgang mit Globalisierunggegner beim Gipfel und die zukünftigen Maßnahmen, die jeden einzelnen Bürger treffen werden wegen den “menschengemachten Klimawandel”.
Wegsperren von Menschen, nur auf dem unbewiesenen Verdacht hin, der könnte ein Terrorist sein.
Solange man aber auf den Schurkenstaat “DDR” rumhacken kann, ist das ja alles nicht so schlimm, was jetzt gerade passiert.
Freie Meinungsäusserungen???
Selbst hier auf dem Blog hat Björn schon ein paar schöne Beispiele dagegen gebracht.(GEZ)
Im Internet kannste schneller eine kostenpflichtige Abmahnung bekommen, als Du “A” sagen kannst.
Nun erkläre mir ganz aufrichtig, ob das jetzige System so viel besser ist!!!!
( Die Mauertoten mal ausgenommen)
MfG
September 3rd, 2007 at 6:17 pm
Sorry, ich bin heute sehr in Eile, darum keine ausführliche Replik:
Die Mauertoten und die von der Stasi verschleppten sind für mich (nochmal: für mich persönlich) so zentral, dass ich es unstatthaft finde sie da rausnehmen zu wollen. Das System der DDR kannst du nicht von Mauertoten lösen. Und das reicht mir auch ehrlich gesagt schon um das System abzulehnen. Ein Staat der gewillt ist seine Bürger gezielt zu töten, den kann und werde ich nicht gutheißen. (Und bevor du fragst: Ja, das derzeitige System muss sich kritische Fragen bezüglich der extraordinary rendition von Menschen wie Kurnaz gefallen lassen.)
September 3rd, 2007 at 7:44 pm
Björn, wenn Du in Eile bist, schreib ich schneller.
Die Frage war an henteaser gerichtet.
Feststellung, Ihr beide kommt nicht von der Denkschablone “Stasi=DDR” einfach nicht weg, eure politische und ideologische Erziehung läßt euch wahrscheinlich auch keine andere Wahl (leider).
Wer so sehr resistent gegen Gegenargumente ist, der läßt sich auch nicht mehr überzeugen.
Gegenfrage: “Stasi - Tote” gaaaaaanz Schlimm
Tote nach Verkehrsunfälle und Gewaltverbrechen—–Natürlich nur Schiksal, Gottgewollt o.a.
Wir können ja auch sagen—-” Straßenverkehr=BRD”.
Antwort: eines hat mit dem anderen ja nichts zu tun, das war ja die elende Staatsmacht.Das darf man doch nicht vergleichen!!!!!!!!!
Oder die Toten von den reichlichen Kriegseinsätzen der Bundeswehr. Die sind ja für die Freiheit gestorben.
Tot ist tot, wo liegt der Unterschied?
MfG
September 3rd, 2007 at 8:02 pm
Er hat nicht gesiegt. Dafür gab es Gründe. Es ergibt auch keinen Sinn, zu sagen: Ja, WENN das Perpetuum Mobile funktioniert hätte, dann würde man heute alle für Idioten halten, die behauptet haben, es gehe nicht. Es geht eben nicht.
Wenn ich dieses Geschreibsel lese, dann denke ich manchmal, die Wiedervereinigung kam zu früh. Man hat die Leute um die Chance betrogen, am eigenen Leibe zu erfahren, daß das System am Ende war. Saufen ohne Kater. Lerneffekt gleich null.
Aber dann denke ich an Leute wie Henteaser, Aulbath, Horst, Stefanolix, Boche… und meine dann doch, daß es das nicht wert gewesen wäre.
Soviel noch: Man konnte bestimmt eine schöne Kindheit in der DDR verleben. Kann man bestimmt auch in China, im Iran und als ganz Glücklicher sogar in Nordkorea. Auch Onanieren hat im Osten bestimmt genauso gut funktioniert wie im Westen. Natürlich war nicht “alles schlecht”. Hitler war sehr tierlieb. Wenn die Milch frisch ist, ist sie nicht schlecht - wie wunderschön pleonastisch. Nur: Im Westen konnte man eben auch sagen: Der Kohl hat nicht alle Tassen im Schrank und die CDU ist eine Dreckspartei. Und wo das NICHT so einfach geht, ob in der DDR der Vergangenheit oder der Bundesrepublik der Zukunft, da gehen mir die schönen Kindheiten dreckig am Arsch vorbei.
September 3rd, 2007 at 8:50 pm
@David
“Wenn ich dieses Geschreibsel lese, dann denke ich manchmal, die Wiedervereinigung kam zu früh. Man hat die Leute um die Chance betrogen, am eigenen Leibe zu erfahren, daß das System am Ende war. Saufen ohne Kater. Lerneffekt gleich null.”
Ja `ne is schon klar, einzelne Zeilen aus den Zusammenhang gerissen, reicht natürlich für eine schöne Antwort.
Wir haben ja ein paar junge angepasste Ossis, da können wir ja schön über Andersdenkende herfallen.
Ausserdem hast Du ja Herrn H. angesprochen, schon mal darüber nachgedacht wie es passieren konnte, das alle beim Wort “totaler Krieg” so Hurra gebrüllt haben.
Ach übrigens, sag mal öffentlich das der Kohl bescheu… ist. Wenn das der richtige hört, haste garantiert eine Beleidigungsklage am Hals.
Da ich nicht als Troll rausgeschmissen werden möchte, verkneife ich mir die persönliche Meinung über Dich(Fäkaliensprache ist ja so out).
Es wird immer die Meinungsfreiheit beschworen, bloß komisch sobald man anderer Meinungen vertritt ist man ein Idiot.
Werdet Ihr euch nun mal endlich einig, was ihr wollt.
MfG
September 3rd, 2007 at 8:54 pm
Meinungsfreiheit ist zu allererst die Freiheit der Idioten.
Und was die Fäkaliensprache betrifft: Mir wär’s recht. Bei Björn weiß ich’s nicht, aber ich glaube, der verträgt auch einiges.
Meine Antwort bezog sich, nebenbei, nicht nur auf die zitierten Zeilen.
September 3rd, 2007 at 9:25 pm
Achja: Bitte nicht von Herrn “H.” schreiben, das verwirrt mich.
September 3rd, 2007 at 9:52 pm
@David
“Meinungsfreiheit ist zu allererst die Freiheit der Idioten.”
Na bloß gut das Du hier auch schreiben darfst.
Gut Spass beiseite, Ich habe mir angewöhnt gewisse Stichwörter nicht mehr im I-Net zu verwenden.
Dank der modernen Suchmaschinen kann sich der liebe Fahnder schnell mal ein Terroristen zusammengoogeln.
Deswegen auch der “Herr H.”.
Fäkaliensprache ist ja ganz lustig im Moment, aber vor lauter Beleidigungen von allen Seiten, leidet der Blog doch sehr.
Da hier doch halbwegs gebildete Menschen posten, sollte man sich den Scheiß (uups) doch sparen.
Ausserdem tut es mir echt leid, wenn Du mein Posting nicht so richtig verstanden hast, hätte ich wohl auf drei Zeilen begrenzen sollen.
MfG
September 3rd, 2007 at 9:54 pm
“Ausserdem tut es mir echt leid, wenn Du mein Posting nicht so richtig verstanden hast, hätte ich wohl auf drei Zeilen begrenzen sollen.”
Wenn’s gereicht hätte, ja.
September 4th, 2007 at 2:20 pm
Es ist schlimm was sie 40 Jahre veranstaltet haben! Von Ihnen lassen wir uns gar nichts sagen! Sie sollten sich was schämen uns Ratschläge erteilen zu wollen! Uns hier im Westen! Sie mit Ihrer Stasi! Aus dem Osten lassen wir uns gar nichts sagen!
September 4th, 2007 at 2:25 pm
Genau! Potz!