Gedankenstrom: Alien, Aliens
Während ich über die Alien-Spiele schrieb, nutzte ich die Gelegenheit mir auch mal die Special-Editions der ersten vier Filme und den neuen Alien vs Predator anzuschauen. Hier jetzt also der erste von zwei Texten, die einfach nur als kleine Lose-Blatt-Sammlung an Gedanken die mir während des Sehens kamen und möglicherweise auch als Diskussionstarter fungieren sollen.
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Alien war immer mein liebster Film der Reihe und er wird es wohl auch bleiben. Die größte Stärke von Alien ist, dass er den Skiffy-Gehalt stark zurückgeschraubt hat. Mit ein paar kleinen Änderungen könnte Alien auch auf der Erde der Gegenwart stattfinden. Aus dem Planeten wird eine Insel, der Roboter wird ein normaler Verräter und das Raumschiff wird ein reguläres Handelsschiff. Der SciFi-Hintergrund ist ein nettes Gewürz, dass das Gericht noch leckerer macht, aber es ist keine essentielle Zutat. Soviel zum Thema eine Metapher strecken bis sie reißt.
Science Fiction altert schnell. Man kann heute kaum noch eine Geschichte von Isaac Asimov lesen ohne darüber zu schmunzeln wie sympathisch altväterlich das alles wirkt. Bruce Sterling hat einer seiner Kurzgeschichtensammlungen den sehr passenden und leicht ironischen Titel A Good Old Fashioned Future gegeben. Und da wo Alien seine Science-Fiction-Karte am stärksten ausspielt, da merkt man dem Film sein Alter dann doch an. Nehmen wir “Mother” den Schiffscomputer.
Das hat schon wieder etwas von Asimov: Ein riesiger Raum für den Computer und ein deutliches Indiz dafür, dass der Microcomputermarkt und der Trend zur Miniaturisierung in den späten Siebzigern noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen waren. Computer hatten riesig und bedrohlich zu sein. So wie Isaac Asimovs Multivac. So wie HAL aus 2001, der eindeutig Taufpate für Mutter stand. Auch wenn HAL einen Evolutionssprung weiter war und sogar schon verbale Kommandos verstand, während Mother noch nicht einmal ein GUI hat, sondern komplett über die Kommandozeile gesteuert wird.
Die andere Stelle, an der Alien sein Alter anzumerken ist? Wenn sich herausstellt, dass Ash kein Mensch sondern - um mal den Begriff zu verwenden, den Bishop in Teil 2 prägt - eine “artificial person” ist. Nur dass man hier noch einen anderen Begriff verwendet: Roboter. Und auch da scheint wieder ein wenig Asimov durch. Roboter. Der Begriff hat im Jahre 2007 etwas ungemein archaiches. Der Begriff wurde während meiner Schulzeit noch verwendet um die industrielle Zukunft zu beschreiben, heute erscheint der Begriff als ziemlich retro. Natürlich gibt es sie immer noch, die Roboter, aber irgendwo in den 28 Jahren seit Alien wurden die menschenähnlichen Roboter begrifflich fast komplett durch Androiden und Cyborgs ersetzt. Der Begriff Roboter, wie er hier verwendet wird, hat definitiv einen starken Touch von Kraftwerks “Die Mensch-Maschine”.
Gott sei Dank ist Alien aber nur ganz am Rande mit zukünftiger Technologie beschäftigt, was verhindert dass der Film heute altmodisch und campy wirkt. Man vergleiche mal wie gut Alien noch immer funktioniert, während ein Film wie Logan’s Run (der übrigens auch ziemlich knorke ist) nur noch gesehen werden kann, wenn man eine gehörige Portion Ironie und Spaß am Skurrilen mitbringt. Weshalb Logan’s Run auch so ziemlich aus dem Hive Mind der Popkultur verschwunden ist.
In bestimmter Hinsicht legte Alien sogar einen Grundstein: Das hier dürfte die Geburtsstunde der Working Class Science Fiction in Film und Fernsehen sein. Sicher, ein gebraucht aussehendes Universum hat uns schon Star Wars zwei Jahre zuvor geboten, aber Alien bewegt sich von allem weg, was man bis dato in Sachen Zukunft erwartet hatte. Die Zukunft - sofern einem nicht die im kalten Krieg beliebte Schreckensvision des atomaren Holocausts dazwischen kam - war fast immer ein irgendwie optimistischer Ort. Erdgebunde Filme wie The Omega Man oder Soylent Green mochten eine stark pessimistische Tendenz aufweisen, aber wenn es um Reisen zu den weit entfernten Planeten ging, dann war fast immer ein wissenschaftlicher Optimismus spürbar. Die Besatzung im klassischen Star Trek? Wissenschaftler und anständige Menschen. Die Discovery One in 2001? Sauber, aufgeräumt, weiß, steril.
Und jetzt vergleiche man das mit der Nostromo in Alien. Klar, die Krankenstation und der Aufenthaltsraum ähneln der Discovery One. Aber das alles hat einen dreckigen Unterbauch. Wir sehen die schmierigen, geflickten Zwischendecks der Nostromo mit ihren schweren Maschinen. Wer möchte darf mal den U-Boot-artigen Maschinenraum mit dem Maschinenraum vergleichen, den Scotty im selben Jahr an Bord der frisch polierten Enterprise in Star Trek: The Motion Picture vorfand. Wir haben Pornographie an den Wänden. Wir haben Männer (und Frauen) denen es nicht darum geht die Menschheit wissenschaftlich voran zu bringen, sondern die darüber diskutieren ob ihnen laut ihren Arbeitsverträgen Boni zustehen. Die Besatzung der Nostromo gehört zum größten Teil eindeutig der Unterschicht, der Arbeiterklasse, an. Um mal Tyler Durden zu channeln: “We’ve all been raised on television to believe that one day we’d all be scientists and space explorers. But we won’t. And Alien showed us that fact, and we’re very very pissed off.”
Viel von der Unterschichten-SF, die seitdem ihren Weg in unsere Bücher, auf unsere Leinwände und auf unsere Mattscheiben gefunden hat, hat ihren Grundstein genau hier in Alien. Nur weil es die Zukunft ist, heißt dass nicht dass sich die Dinge ändern werden. Ein Brummifahrer bleibt ein Brummifahrer, auch wenn er ein Raumschiff steuert statt eines LKW. Die Streiks der Dockarbeiter in der ersten Staffel von Babylon 5, das ganze Setting von Outland - Planet der Verdammten, die Grundidee der SciFi-Komödie Space Truckers? All das kann man zu diesem Punkt in der SF-Historie zurückverfolgen.
Richtungsweisend in anderer Hinsicht war Alien natürlich dadurch, dass eine Frau hier als Heldin des Films fungiert. Gut, dass erscheint nicht ganz so richtungsweisend wenn man Alien als Slasher-Film im Weltraum sieht. (Eine Lesart die ja auch Ridley Scott selbst vertritt.) Dann ist Ripley halt einfach das Final Girl, das eine Genre-Konvention ist. Aber im Skiffy-Genre war eine Frau in der Hauptrolle immer noch die absolute Ausnahme. (Wobei es natürlich auch hier schon zuvor attraktive Ausnahmen gab, die die Regel bestätigen.)
Übrigens die letzten drei Überlebenden (auch wenn zwei davon sich als absolut nutzlos erweisen) entsprechen gar nicht dem Genre-Standard: Zwei Frauen und ein Afro-Amerikaner. Und das, angenehmerweise, ohne diesen Umstand irgendwie besonders hervorzuheben. Wenn man den Film schaut ohne bewusst darauf zu achten, dann würde man diese Unregelmäßigkeit vielleicht gar nicht wahrnehmen. (So wie ja auch Night of the Living Dead so gut wie nie hervorhebt, dass es eigentlich ungewöhnlich für einen Film aus dem Jahre 1968 war einen schwarzen Hauptdarsteller zu haben. Das Blaxploitation-Kino würde schließlich erst ein paar Jahre später hervortreten.)
Dieses Mal fiel mir eine Szene mit Ripley besonders auf, die ich vorher nie so wahr genommen habe: Ripley mag die unfreiwillige Heldin dieses Films sein, aber sie teilt eine heldentypische Einstellung nicht: Dummheit Wagemut. Wenn Dallas, Lambert und Kane (mit Facehugger vorm Gesicht) zurück zum Shuttle kommen weigert sich Ripley aufgrund von Quarantänevorschriften die Schleuse zu öffnen. Das könnte Kane umbringen, aber die Alternative wäre, dass man einen Virus (na, fast) ins Schiff trägt der alle umbringt. Es ist Ash, der die Schleuse öffnet und so den Parasiten an Bord lässt. Auch das ist eine interessante Umkehrung von traditierten Rollen. Denn normalerweise sind in Filmen die Paragraphenreiter die Bösen, die mit ihren Vorschriften dem “moralisch richtigen” Handeln im Wege stehen, während es der Held ist, der auf die Vorschriften scheißt, einfach mal was riskiert und so am Ende alle rettet. In Alien hätte man sich derweil viel Blut- und Säurevergießen erspart wenn man auf Ripley gehört hätte. Es ist bis heute eine absolute Ausnahme wenn ein Film kalte Logik oder Bürokratie tatsächlich als sinnvoller und effektiver präsentiert als beherztes Handeln.
Zurück zu etwas Generellem. Alter muss nicht gegen einen Film sprechen (was sowieso klar ist, ich weiß): Der Umstand dass Alien schon 1979 erschien kommt dem Streifen in anderer Hinsicht zu Gute. Keine CGIS. Meine Abneigung gegen CGI-Effekte grenzt fast schon ans Fundamentalreligiöse. Nicht weil ich generell gegen Computereffekte bin, sondern weil Filmemacher und Filmtrickser zu leicht von CGI-Effekten geblendet werden. Man kann CGIs toll einsetzen um Szenen zu verstärken, kleine Touches hinzuzufügen. Aber man kann auch schnell dem Glauben verfallen, dass eine CGI-Kreatur einen ganzen Film tragen kann. Was ja schließlich in Alien³ und Alien: Resurrection geschah. Fast immer mit einem eher fragwürdigen Ergebnis. Denn noch sind die CGIs nicht so weit, dass sie - sofern man sie in den Mittelpunkt rückt - nicht nach ein paar Jahren schon extrem veraltet wirken. Wie bereits neulich bei Star Wars angemerkt. Die neue Trilogie muss erst einmal beweisen, dass ihre SFX in zwanzig Jahren noch so gut funktionieren wie die Effekte in der alten Trilogie es nach zwanzig Jahren taten. Bei Alien ist das selbe Phänomen zu beobachten.
Es gibt, so weit es mich betrifft, in Alien nur eine einzige Einstellung, in der Xenomorph peinlich wirkt. Wenn Ripley am Ende mit dem Shuttle flieht, das Viech zur Luftschleuse rausbläst und es sich dann doch nochmal ins Triebwerk retten kann. Da sieht man eindeutig, dass das Alien ein Kerl in einem Gummianzug ist. Aber das ist die einzige Szene in einem Film von fast zwei Stunden, in denen die SFX versagen. Der Grund dafür: Während man die Möglichkeiten von CGI-Effekten heute oft überschätzt, war Ridley Scott klar, dass das Alien nicht bedrohlich wirken würde, wenn man die ganze Zeit sähe, dass da ein Mann im Gummi-Anzug unterwegs ist. Scott war also gezwungen diesen Fakt zu verbergen. Und daraus entsteht das düstere Flair dieses Films, das bis heute seine Wirkkraft entfaltet.
Man sieht das Alien fast nie in einer großen Aufnahme. Man sieht Krallen, man sieht das Doppelmaul, man sieht die glänzende Oberfläche des Schädels, man sieht Teile des Aliens in den Schatten, den Schwanz, aber man sieht fast nie das ganze Biest. Auch wenn sich die Designer in den Teilen 3 bis 5 wieder an Gigers Design orientierten, das Alien würde nie wieder so gut funktionieren wie in diesem Film. Weil es hier ein Wesen der Schatten war, nichts substantielles sondern eine Art Phantom, ein Alptraum. Der Zuschauer bekommt Einzelbilder vorgesetzt und schafft sich dann das Gesamtbild in seinem Kopf, was immer besser funktioniert als so ein Wesen komplett zu präsentieren. H.R. Gigers Designarbeit wurde immer davon beeinflusst dass er an Pavor Nocturnus litt. In Alien wird diesem Umstand gebührend Rechnung getragen.
Und natürlich kann man nicht über Alien reden ohne Giger zu erwähnen. Gigers Design für Alien ist - da wage ich mal eine Prognose - ein zeitloser Klassiker, der es verdient hat in einem Atemzug mit dem prägenden Design in Kubricks 2001 oder Fritz Langs Metropolis erwähnt zu werden. Ich verabscheue ja eigentlich diese Uni-Seuche, dass man jedem Text irgendein freudianisches Element aufdrücken muss, obwohl jeder Psychologe nur noch mit den Augen rollt wenn es um Freud geht. Aber im Falle des Xenomorph kann selbst ich mich dem Begriff “Freudianischer Alptraum” nicht verschließen. Die konstante Penetration, egal ob mit dem hervorschießenden Sekundärmund oder dem Schwanz? Die Schädelform des Xenomorph? Die Thematik der Befruchtung/Vergewaltigung und des Elternmordes? Was sich nicht nur auf den Chestburster bezieht, der ja seinen Wirt umbringt, sondern auch auf das Ende des Films. Der zerstörte Computer heißt nicht rein zufällig “Mother”. Das alles hat etwas arg beklemmendes an sich. (Wer auf biomechanische Fetisch-Erotika steht, der schaue sich auch Gigers Necronom V an, das eindeutig als Vorlage für sein späteres Alien-Design fungierte.)
Und diese Modelle und Latexanzüge, von den Alien-Eiern über die Facehugger bis zum ausgewachsenen Xenomorph, funktionieren noch heute, weil sie Ridley Scott so hervorragend in Szene gesetzt hat. Die Dinger wirken nie lächerlich. (Mit Ausnahme der erwähnten Luftschleusen-Szene.) Um ganz ehrlich zu sein: Obwohl ich weiß, wie die Facehugger funktionieren… ich finde die kleinen Scheißer gehören immer noch zu den widerlichsten Kreaturen, die je auf Zelluloid gebannt wurden. Wie schon gesagt, diese Halbwertszeit müssen einige der modernen CGI-Spektakel erst noch unter Beweis stellen.
Mein persönlicher Designfavorit sind aber weder der Xenomorph selbst noch die Facehugger, sondern es ist jenes Wesen, das inzwischen als “Space Jockey” seinen Einzug in den Fanon gehalten hat. Ich werde bis zum heutigen Tage nervös wie ein kleines Schulmädchen, wenn die Crew die Nostromo verlässt und sich zum fremdartig u-förmigen Raumschiff aufmacht.
Ich weiß nicht was es ist, das mich so fasziniert an dieser übergroßen Kreatur die mit ihren Sitz verwachsen zu sein scheint. Da ist natürlich das fremdartige Giger-Design, das immer wirkt… aber das ist nicht alles. Vielleicht ist es die Größe, vielleicht ist es auch einfach nur das Mysterium. Das Schöne an dieser Kreatur ist ja, dass wir nie etwas über sie erfahren. Woher sie kam, warum sie die Alien-Eier an Bord hatte, was ihre Intentionen war, ob die Rasse ausgestorben ist oder es da draußen noch mehr seiner Art gibt. All das wird nie angeschnitten und schafft so ein riesige Projektionsfläche, auf die man sich selbst die schönsten Theorien zeichnen kann. (Oder man diskutiert im Internet endlos darüber, über der Pilot nun einen Rüssel hatte oder das ein fossilisierter Face-Hugger auf seinem Gesicht ist… kleiner Tipp: Antwort 2 ist korrekt.) Und ich fürchte jetzt schon den Tag, an dem man in einem der zukünftigen Alien- oder AvP-Teile entscheidet, dass es an der Zeit ist dieses Mysterium aufzulösen und mir irgendeine Antwort präsentiert, die so banal ist, dass ich am liebsten Schreien möchte. Und dass die 20th Century Fox es verstehen wie man einen Mythos tötet, das zeigen ja die Teile 3 bis 5 der Serie. Insofern werde ich - bis es soweit ist - die Szenen in dem fremden Raumschiff jedes Mal genießen und einfach das wundervolle Design auf mich einwirken lassen, wenn ich den Film wieder sehe.
Alien hat es geschafft ein Klassiker zu werden, der diese Position bis heute gehalten hat und sie wohl noch in absehbarer Zeit behalten wird. Es ist ein ungeheuer effektiv gemachter, ruhiger und düsterer Film, dessen Effekte, Stimmung und Schreckmomente so fein austariert sind, dass sie bis heute einwandfrei funktionieren und kaum Altersspuren aufweisen. Was ein ziemlich großes Lob ist, besonders da man das über einige der jüngeren Nachfolgefilme schon nicht mehr sagen kann.
Randnotizen
*Schockierende Erkenntnis: John Hurt war mal… naja, nicht direkt jung. Aber jünger…
*Wenn sich die Crew aufmacht um das außerirdische Raumschiff zu untersuchen, dann verfolgt Ash das Geschehen über ein paar Monitore im Shuttle. Das wurde in stärkerem Maße in Aliens eingesetzt und diese Wackelkamera in den Szenen gibt dem Ganzen einen grimmigen Realismus. Aber darüber spreche ich gleich noch.
*Im Director’s Cut gibt es am Ende eine Szene, in der Ripley im Maschinenraum Dallas entdeckt, den das Alien nicht getötet, sondern an die Wand gekleistert hat und der Ripley nun anfleht, sie möge ihn töten. Das ist für den Film alleine genommen vielleicht etwas verwirrend, da nicht klar wird dass die Xenomorphe Wirtskörper an die Wände tackern damit sie dann von den Facehuggern befruchtet werden können. Aber im Hinblick auf die Serie als Ganzes ist das ein nettes Foreshadowing der Dinge die noch kommen sollten. Die Szene hätte es wirklich in den fertigen Film schaffen dürfen.
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Aliens ist einer der Filme, bei denen sich meine Meinung wirklich stark zum Positiven geändert hat im Laufe der Jahre. So wie Blade Runner, den ich extrem langweilig fand als ich ihn mit vierzehn oder fünfzehn Jahren zum ersten Mal sah. Im Falle von James Camerons Space-Marine-Epos war mein Kritikpunkt lange Zeit, dass der Film sich falsch anfühle, weil er so anders wäre als Alien. Darum bevorzugte ich auch Alien³, bis ich den nochmal sah und meine Meinung im zweiten Durchgang stark nach unten korrigieren musste. Long story short: Inzwischen bin ich in einer Phase angekommen, in der ich froh bin dass Cameron nicht versucht hat einfach nur eine blasse Kopie von Ridley Scotts Film zu machen, sondern die Grundidee nahm und sie dann in eine ganz eigene Richtung lenkte.
Wenn man Alien sein Alter anmerkt durch den “Mother”-Computer und den Begriff Roboter, dann merkt man Aliens sein Alter dadurch an, dass die im Originalfilm noch namenlos gebliebene Corporation jetzt als Weyland-Yutani voll ins Bild tritt. Die Idee der Megacorporation ist schon sehr Eighties und Weyland-Yutani ist Teil des erlesenen Triumvirats an filmischen Megacorps, die es in den Olymp der Popkultur geschafft haben. Die anderen beiden Firmen sind die Tyrell-Corporation aus Ridley Scotts Blade Runner und die OCP aus Paul Verhoevens RoboCop.
Zugegeben: Die Idee der Megacorp war schon in Alien präsent. Man kann das Wort Weylan-Yutani (noch ohne “d”) in einer Einstellung am Anfang des Films sehen und auf den Getränkedosen im Film steht “Original and Genuine Weylan-Yutani Aspen Beer - Extra Strong“, aber zentral werden sollte das Element erst in Aliens. In den Achtzigern war die Zeit einfach reif für die Idee, dass wirkliche Bedrohung nicht die Regierung ist, sondern ein riesiges multinationales Konglomerat, das über jeder Regierung stehen und alle Bereiche des Lebens durchdringen würde. (Im Film fährt zum Beispiel ein Kind auf einem Weyland-Yutani-Dreirad durch die Gänge der Kolonie. Biowaffen, Terraforming, Alkohol, Spielzeug.) Dass zudem noch das japanisch klingende Yutani im Firmennamen auftaucht passt auch perfekt in die Achtziger. Schließlich war man damals noch überzeugt, dass die japanische Wirtschaftsmacht schon bald die USA ruinieren würde. Man vergleiche dazu auch den Chiba-Teil in Neuromancer, Messerschmidt-Kawasaki in Shadowrun oder den Nakatomi-Tower in Die Hard.
Aliens scheint ein eindeutigeres Kind seiner Zeit zu sein als sein direkter Vorgänger. Auch modisch: Was trägt die Pilotin des Dropships auf ihrer Nase? Eine verspiegelte Sonnenbrille. Und diese Mirrorshades sind ja auch so ein typisches Requisit der Cyberpunk-Ästhetik der Achtziger. Bruce Sterling nannte seine Cyberpunk-Kurzgeschichtensammlung nicht umsonst Mirrorshades und William Gibsons Molly Millions ließ sich die Spiegelgläser direkt in die Augenhöhlen einsetzen.
Auf der anderen Seite gibt es eine marginale Veränderung, die den Film wieder etwas moderner erscheinen lässt: Als Ripley herausfindet dass Bishop kein echter Mensch ist, entfährt es ihr: “You never said anything about an android being on board.” Na, gemerkt? Android. Nicht Roboter. Das Wort vermeidet der Film. Bishop ist ein Android, eine künstliche Person oder ein Synthetic, aber kein Roboter mehr.
Ironischerweise erscheint Bishops äußerlich um einiges künstlicher und weniger menschlich als sein Vorgängermodell Ash, der ja bis zum Money Shot gar nicht von einem echten Menschen zu unterscheiden war. (Was vielleicht auch nur an Lance Hendriksens Visage liegen mag.) Interessant auch, dass man Bishop zwar nicht Robot nennt, er selbst aber betont: “It is impossible for me to harm or by omission of action, allow to be harmed, a human being. ” Und diese Aussage ist ja nun eine ziemlich klare Anspielung auf das erste von Isaac Asimovs drei Gesetzen der Robotik. Seltsam.
Aliens ist auch in anderer Hinsicht ein Kind der Achtziger. Wenn Alien den Slasherfilm in den Weltraum versetzte, dann tat Aliens das gleiche für die damals sehr beliebten Militär-Pornos. Man bedenke: Aliens, Top Gun und Heartbreak Ridge erschienen im selben Jahr. Wobei James Cameron das Konzept des Space Marines natürlich nicht erfunden hat. In der literarischen Science Fiction spielte Robert Heinlein mit diesem Gedanken schon 1959 in Starship Troopers und Joe Haldeman - meiner Ansicht nach sogar noch besser - in seinem 1974 erschienenen Roman Forever War. Aber ich glaube Aliens war der erste Film, der das Konzept der Space Marines visuell so umgesetzt hat. Und damit auch wieder die Tore für weitere Genre-Produktionen geöffnet hat.
Die Space Marines in Aliens wurden Vorbild für militärische Weltraumorganisationen in zukünftigen SciFi-Filmen und -Serien. Egal ob sie nun in Starship Troopers gegen die Bugs auf Klendathu oder in Space: Above and Beyond gegen die Chics zu Lande, zu Wasser und im Vakuum kämpfen mögen, der Einfluss von Aliens auf die militärische Science Fiction ist bis heute spürbar. (Kleiner Darstellungsvergleich: Die Sternenflotte in Star Trek: The Next Generation, dessen erste Staffel auch 1986 erschien, ist theoretisch immer noch eine Militärorganisation. Und nun vergleiche man mal die gelb-gekleideten Schlafanzugträger mit den Marines hier. Wobei auch das Trek-Universum in Deep Space Nine und mit den Macos in Enterprise begann sich mehr der Aliens-Schule der Military-SF zuzuwenden.) Der Einfluss gilt natürlich auch wieder für das Design: Der Powerloader - dieser Gabelstapleranzug - ist definitiv zum Klassiker geworden. Und wenn man an eine Science-Fiction-Knarre denkt, dann dürfte das Design der M41A Pulse Rifle eines der ersten sein, dass einem in den Sinn kommt.
Wie schon erwähnt: Cameron wurde eindeutig von den Militär-Propaganda-Filmen der Achtziger inspiriert. Das zeigt sich besonders am Anfang des Films wenn die Colonial Marines aus dem Hyperschlaf erwachen und uns all die Rituale bieten, die wir aus so vielen Militärstreifen kennen. Der Sarge haut sich sofort die Zigarre zwischen die Zähne, die Marines ziehen sich gegenseitig auf und später demonstrieren sie voller Stolz die technologische Überlegenheit der US Army im Weltraum. All der Macho-Bullshit den man auch aus anderen Filmen kennt, ist hier vorhanden. Diese Marines sind Bösärsche mit denen man sich nicht anlegt. Nicht umsonst war die Tagline des Films: “This Time it’s war.”
Und all das baut Cameron nur in den Film ein um die Marines dann schnell und effizient zu dezimieren. Im Kampf High-Tech-Machos gegen primitive Bestien gewinnen die Bestien. Wie in der Logik des Kalten Kriegs: Die ganze Schlacht ist ein reines Nummernspiel. (Wenn man also jemandem die Schuld für den Zerg-Rush in StarCraft geben will: Blame James Cameron.) Der ganze Mythos der die Marines im ersten Drittel des Filmes umgibt verschwindet in ein paar simplen Szenen. Gorman, der die Marines vom fahrenden Kommandoposten aus kommandieren sollte, erleidet relativ schnell den Shell Shock (pardon: post-traumatic stress disorder) und ist ab da nicht mehr zu gebrauchen. Letzten Endes ist wieder Ripley Heldin des Films. Eine Zivilistin aus dem Arbeitermilieu, kein strahlender Karriere-Soldat.
Um einfach mal effektiv zu demonstrieren, wie sehr James Cameron seine glorreichen Militärhelden vom Sockel stößt, hier hier ein Zitat von Hudson auf dem Weg zur xenomorph-verseuchten Kolonie:
I’m ready, man, check it out. I am the ultimate badass! State of the badass art! You do not want to fuck with me. Check it out! Hey Ripley, don’t worry. Me and my squad of ultimate badasses will protect you! Check it out! Independently targeting particle beam phalanx. Whoa! Fry half a city with this puppy. We got tactical smart missiles, phase-plasma pulse rifles, RPGs, we got sonic electronic ball breakers! We got nukes, we got knives, sharp sticks…
Und jetzt der selbe Hudson nachdem ein Teil der Marines - inklusive dem Sarge - zu Alienmampf geworden ist und es so aussieht, als wenn Ripley und die überlebenden Marines auf dem Mond gestrandet wären:
Well that’s great, that’s just fuckin’ great man. Now what the fuck are we supposed to do? We’re in some real pretty shit now man… That’s it man, game over man, game over! What the fuck are we gonna do now? What are we gonna do?
Ich gestehe. Man kann Aliens gucken ohne in dem Film eine Kritik am Militärpathos der Achtziger zu sehen. Und gelegentlich wird der Film durch einige etwas holzhämmrige Gesellschaftskritik gelähmt. Wenn Ripley Burke sagt, dass sie nicht sicher ist welche Spezies nun schlimmer sei… Menschen oder Aliens, dann ist das nicht unbedingt der feinste Moment des Streifens. Was aber egal ist, denn selbst wenn man Aliens nur ganz oberflächlich als Actionfilm sieht ist der Film immer noch hervorragend. Die Art wie supertaffe Militärs sich in heulende Mädchen verwandeln? Das ist ein extrem effektiver Weg um uns zu zeigen, dass die Aliens verdammt fiese Charakterschweine sind. Die - auch hier lebt der Film davon, dass man nicht auf CGIs setzen konnte und darum Latexkostüme durch gute Ausleuchtung tarnen musste - hervorragend in Szene gesetzt sind und immer noch sehr ekelhaft und sehr bedrohlich wirken. Obwohl das neue Design für diesen Film den unterschwelligen Terror aufgegeben hat, den Gigers Alien im ersten Film ausstrahlte. In gewisser Hinsicht wird hier der erste Schritt getan der dem Alien viel von seinem quasi-mythenhaften Schrecken nimmt. Es kann bluten und es kann sterben.
Und für den Film natürlich extrem relevant: Die Action stimmt hier einfach. Aliens gehört definitiv zu den zehn besten Actionfilmen der Achtziger. Scheiße explodiert, es werden die Bleireserven mehrerer Kleinstaaten verballert und der Bodycount ist gehörig hoch. Man merkt, dass Cameron ein hohes SFX-Budget gegeben wurde und er legt hier jeden Cent hervorragend an. Besonders schön übrigens eine Kleinigkeit beim ersten Zusammentreffen der Colonial Marines mit den Aliens. Da schaltet die Kamera so lange zwischen Command Center und den Marines in der Anlage hin und her, bis der erste Kontakt stattfindet. Ab dem Moment in dem unter den Marines richtige Panik ausbricht (wer lebt, wer ist schon tot?) verzichtet Cameron darauf eine Kamera im Komplex einzusetzen. Alles was wir in den nächsten Minuten aus der Anlage sehen, sehen wir wie Ripley aus zweiter Hand auf einem kleinen Bildschirm durch die Helmkameras der Soldaten die gerade massakriert werden. Erst als Ripley mit dem Armored Personal Carrier in den Komplex hereinrast, bekommen wir wieder “direkte” Aufnahmen der dort kämpfenden Marines zu sehen.
Das ist im Grunde nur die konsequente Fortsetzung des selben Stilmittels, das man schon verwendete als Dallas und Konsorten sich in Alien auf den Weg ins außerirdische Raumschiff machten. Aber hier bekommt die ganze Szene so diesen grimmigen Realismus, den ich oben schon erwähnte. Weil das Bild wackelt, rauscht und auch mal kurz verschwindet. Das verdeutlicht das Chaos und die Verwirrung, die vorherrschen. So wie die Kameraufnahmen von Gefechten aus Vietnam aussahen. So wie die Videobilder von G.I.s die wir sahen als das Jessica-Lynch-Befreiungsvideo erstellt wurde. Der moderne Mensch hat gelernt: Die Realität ist verwackelt. Darum ist das als Stilmittel auch in Filmen wie Miami Vice oder in Serien wie 24 und The Shield so beliebt geworden. Oh, und nicht vergessen darf man dabei natürlich auch The Blair Witch Project, das ja quasi zum Maßstab für “schlechtes Bild = Realismus” geworden ist. Auf jeden Fall ein schönes Stilmittel, dass Cameron hier früh verwendet.
Randnotizen
*In der Special Edition gibt es folgende Szene, die es in den Originalfilm hätte schaffen sollen. Da sitzt Ripley in der Gateway-Station und erfährt von Burke, dass ihre Tochter vor ein paar Jahren gestorben ist… und dass Ripleys Tochter zum Zeitpunkt ihres Todes älter war als Ripley es in dem Moment selbst ist. (Hyperschlaf und so.) Die Szene hätte ich wirklich im Film gelassen, einfach weil es Ripleys Motivation in Hinblick auf Newt noch deutlicher herausstreicht. Ripley hat nichts mehr, ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen in Alien. Und Newt wird so zu mehr als zu einem nervigen, altklugen Blag. Newt wird ein Symbol für Ripleys Hoffnung auf einen Neuanfang wenn all das hier vorbei ist.
*Sehr schön auch wie Burke Ripley konstant als “Kiddo” anspricht, obwohl Frau Ellen ja mindestens ein halbes Jahrhundert älter sein dürfte als er selbst.
*Eine gute Szene die es auch nicht in die Originalfassung geschafft hat: Wir sehen wie Newts Eltern am außerirdischen Raumschiff ankommen. Dann verlässt Newts Vater das Erkundungsfahrzeug und macht sich auf das Raumschiff zu erforschen. Kurz danach öffnet sich die Fahrzeugtür und wir sehen wie Newts Vater mit einem Facehugger im Gesicht vor dem Fahrzeug liegt. Die Szene mag ich, weil sie komplett darauf verzichtet nochmal ins Raumschiff zu gehen. Wir wissen ja dank Alien was Newts Vater hier wiederfahren ist.
*Designtechnisch darf man hier auch nochmal Syd Mead loben, der unter anderem die Sulaco entworfen hat. Und, ich mag damit falsch liegen, ich glaube er hat auch die Kolonie auf dem Mond designt. Auf jeden Fall sieht diese Kolonie mit der pyramidalen Architektur sehr stark nach dem Los Angeles aus Blade Runner aus, das ja auch von Mead entworfen wurde.
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Soviel zu den wirklich guten Teilen. Im nächsten Teil geht es dann um die Filme 3 bis 5. Stay tuned.







July 17th, 2007 at 12:10 pm
Zum ersten Alien-Teil:
“Wir haben Pornographie an den Wänden. Wir haben Männer (und Frauen) denen es nicht darum geht die Menschheit wissenschaftlich voran zu bringen, sondern die darüber diskutieren ob ihnen laut ihren Arbeitsverträgen Boni zustehen. Die Besatzung der Nostromo gehört zum größten Teil eindeutig der Unterschicht, der Arbeiterklasse, an.”
Siehe Carpenters Dark Star von 1974. Ebenfalls geschrieben von Dan O’Bannon, ebenfalls ziemlich dystopisch und ebenfalls mit ‘nem "mütterlichen" Hauptcomputer. Und ein Alien gibt es auch, welches auf dem Raumschiff für Chaos und Suspense sorgt.
July 17th, 2007 at 12:14 pm
Stimmt, ich hatte vergessen dass Dark Star sogar vor Alien erschienen ist. Philosophische Bomben. Gefährliches Zeug…
July 17th, 2007 at 1:29 pm
Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung zu Teil 3. Atmosphärisch (die Musik!) immer noch mein absoluter Liebling, auch wegem dem großartigen Ende (Ripleys Funkspruch aus Alien).
July 17th, 2007 at 2:15 pm
Ahh,
screw you. 35 Minuten die ich was für die Uni hätte tun müssen
Sehr schöner Text.
July 17th, 2007 at 5:43 pm
Bitte zeige “Alien vs. Predator” gegenüber keine Gnade.
Sei so richtig abgrundtief böse.
Der Film hat das eindeutig verdient.
July 17th, 2007 at 6:30 pm
Weil du es nicht erwähnt hast: die Sequenz in der der Junge mit dem Dreirad in Aliens in den Gängen der Kolonie herumfährt ist eine schöne und nahezu identische Hommage an “The Shining”.
July 17th, 2007 at 8:39 pm
Früher hab ich immer die Spex gelesen. Die ist heute nur noch öde. Agitpop scheint für mich persönlich ein guter Ersatz zu sein. Danke mal an dieser Stelle für all die tollen Texte!
July 18th, 2007 at 1:21 am
[...] agitpop - Gedankenstrom: Alien, Aliens (tags: film) [...]
July 18th, 2007 at 1:37 am
Klasse Text, aber:
>Ein riesiger Raum für den Computer und ein deutliches Indiz dafür, dass der Microcomputermarkt und der Trend zur Miniaturisierung in den späten Siebzigern noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen waren.
Ganz pragmatisch betrachtet, es war einfach noch die Zeit der Mainframes. Die Miniaturisierung findet zwar auch heute dort statt, nur sind wiederum die tatsächlich leistungsfähigen Anlagen sehr groß. Für die Verwaltung an für sich in diesem Umfang, kann man sich auch heute nichts anderes vorstellen.
Bei CG-Effekten sehe ich ebenso wenig schlimmes, sicherlich die inflationäre Nutzung. Aber last not least sind CG-Effekte einfach nur eine Weiterentwicklung von stop motion, die Ray Harryhausen so berühmt machte, u.a. mit seinem Glanzstück Kampf der Titanen (oder auch Perseus und Andromeda). Gleiche Vorgehensweise, nur verzichtet man weitesgehend auf die Modelltechnik, allenfalls zur Visualisierung für den Modeller.
Und sonst, bei Logans Run kann ich nicht zustimmen, der Film mag vom techn. her seltsam wirken, vom übermittelten Inhalt jedoch top aktuell.
Imo war für mich Alien II auch der schlechteste, der übermächtige Parasit wurde plötzlich zum Massenobjekt degradiert - typisch Cameron eben. Alien III konnte da eher an Alien I anknüpfen, Alien IV hat mich sogar teils überrascht. Denn meine Abneigung gegenüber zuvieler Fortsetzungen ist legendär
July 18th, 2007 at 11:21 am
Ich habe die Alien-Filme 1 bis 4 vor vielleicht 10 Jahren mal gesehen, nehme mir schon länger vor, auch mal die Special Editions wieder anzuschauen. Aliens hat mir damals wegen der Action am besten gefallen, schwer tat ich mich mit Teil 1, wobei mir Teil 3 aufgrund der Atmosphäre auch noch sehr gut gefallen hat. Teil 4 war dann eher derbe banal. Freue mich schon auf den zweiten Teil zu den Alien-Filmen.
Nur am Rande: Du sprichst von “Wackelkamera” und die Einsetzung selbiger als Stilmittel, um Realismus zu erzeugen. Das ganze nennt sich “Doku-Style” und wurde praktisch von George Lucas für den ersten Star Wars-Film “erfunden”. (Na ja, er war ja selbst ein Dokumentarfilmer und hat diese Arbeitsweise einfach auf Star Wars übertragen.) Seitdem wurde dieses Stilmittel konsequent weiter entwickelt, über die Alien-Filme bis hin zu fast allen jüngeren und namhaften Actionfilmen (siehe Michael Bay) und Serien wie Battlestar Galactica oder Band of Brathers. Das neue BSG ist ohne den Cinéma vérité-Stil ( http://de.wikipedia.org/wiki/Cin%C3%A9ma_v%C3%A9rit%C3%A9 ) gar nicht mehr vorstellbar.
Star Trek: Next Generation startet übrigens im Herbst 1987 und die offensichtlichste Anspielunge auf den Cyberpunk ist die Figur Datas. Data legt auch sehr viel Wert darauf, als Android und nicht als Roboter bezeichnet zu werden.
July 18th, 2007 at 2:12 pm
Hm… bei dem Abschnitt zu “Aliens” vermisse ich schmerzlich eine besondere Hervorhebung der genial designten Alien Queen (soweit ich weiß stammt deren Konzept direkt von James Cameron selbst… soll vom guten Giger sogar dafür gelobt worden sein). Nicht nur sah das Ding unglaublich aus, sondern machte sich als gigantisches Animatronic im Film absolut großartig. Klar, im heutigen CGI-Zeitalter sind manche der Bewegungen vergleichsweise abgehackt und plump… aber dafür ist das Monstrum herrlich in Szene gesetzt. Alleine schon wenn Ripley das Riesenvieh zum ersten Mal in dieser schönen, zeitlupenartigen Sequenz erblickt (wobei beide “Figuren” im Grunde die absoluten counterparts der Serie darstellen). Freilich auch hervorzuheben hierbei schließlich der Endkampf bei dem erstmals in der Kinogeschichte soweit ich weiß ein “Mini-Mech” (der Power-Loader) vorkommt… Ansonsten ist “Aliens” aufgrund seiner Eigenständigkeit die wohl einzige Fortsetzung dieser Quadrologie, die dem kongenialen Vorgänger das Wasser reichen kann (wenn vielleicht auch in letzter Konsequenz nicht ganz an selbigen heranreicht…). Wobei ich Alien numero 3 und 4 gewisse Qualitäten auch nicht ganz absprechen will… vor allem der viel geschmähte Letztgenannte hat phasenweise durchaus überzeugende Momente… aber alles nix gegen 1 und 2.
July 18th, 2007 at 3:43 pm
Hmm, ist teilweise lang her, dass ich die Alien-Filme gesehen habe. Der erste ist, so weit ich mich erinnern kann, toll, mit seinem ganzen psychoanalytischen Überbau, und Gigers Alien-Design ist ja überhaupt grandios. Selbst heute noch, jedesmal wieder wenn ich irgendwo eines von diesen Xenomorph-Viechern sehe, etwas tief in meinem Inneren reagiert noch immer verstört…
Dass ich Teil Zwei mag, kann ich ganz sicher sagen, den hab vor einiger Zeit wieder gesehen. Außerdem mag ich James Cameron grundsätzlich. Mir kommt vor, man vergisst oft, was für ein Genie und Meister seines Fachs dieser Mann ist. Der Showdown allein ist eine der ganz großen Action-Sequenzen.
Schöner Text auf jeden Fall, der viele Aspekte und Zusammenhänge beleuchtet, die mir bis jetzt gar nicht so recht aufgefallen sind.
July 18th, 2007 at 4:28 pm
Um jetzt mal ein paar Leute zu schockieren, hier meine persönliche Rangliste der (bisherigen) Alien-Filme:
1. Aliens (Cameron war nach Terminator und Aliens mein Action-Kino-Gott! Wer konnte damals schon Titanic ahnen…)
2. Alien (Nur auf Platz 2, weil ich ihn sehr oft gesehen habe und er dadurch inzwischen so seine Längen hat…)
3. AVP 1 (Wohl der Aufregen in meiner Liste. Egal, ich mag fast alle Paul W.S. Anderson-Filme! Besonders Event Horizon. Mortal Kombat ist allerdings echt Müll.)
4. Alien 4 (…? Warum mag ich diesen Film eigentlich? Tja, ist aber so!)
5. Alien 3 (Schnarch…)
July 18th, 2007 at 5:32 pm
Ach ja @ Björn: Du könntest, wenn du gerade so im Thema drin bist, ruhig auch gleich noch auf die Nachfolger* und Nachahmer der Alienfilme (bzw. des dort aufgefahrenen Giger-Designs) eingehen.
Etwa auf den Corman-Spacehorrorschlock Galaxy of Terror (1981), bei dem James Cameron seine Finger im Spiel hatte und Bill Paxton!!1! höchstselbst für das Setdesign-Ripoff verantwortlich war.
Und natürlich auch auf Konsolenspiele, bei denen Giger-Ornamente Verwendung fanden.
*Die Wikipedia weiß zu berichten:
»Other filming has re-used the set. In particular, the BBC One series of The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy re-used some of the Nostromo hallways, as well as other parts of the set. These appear most prominently in the scenes set onboard the Vogon Constructor Fleet. When the BBC sci-fi sitcom Red Dwarf moved production to Shepperton Studios it used some surviving Nostromo hallway sets from Alien in Series 5, most notably in the episode &strong;DNA&strong; (as revealed on the DVD commentary).«
July 18th, 2007 at 6:17 pm
… in puncto Nachahmungen müßte man dann auch noch irgendwie Species ins Spiel bringen und nicht nur ob des Gigerschen Einflusses
July 18th, 2007 at 10:52 pm
Zu Logan’s Run (Den einige vielleicht nur als “Flucht ins 23 Jahrhundert” kennen):
Es ist nicht ganz aus der Popkultur verschwunden. In einer Simpsons Folge hat eine MTV Moderatorin einen Kristall in der Rückseite der Hand. Der blinkt weil sie für MTV zu alt ist. Es gibt wirklich nicht wenige Verweise: http://en.wikipedia.org/wiki/Logan%27s_Run_%281976_film%29#References
July 18th, 2007 at 11:54 pm
@Panten:
Danke für den Hinweis. Als Shining-Referenz hatte ich die Szene tatsächlich nicht gesehen.
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@Oliver:
Bei CG-Effekten sehe ich ebenso wenig schlimmes, sicherlich die inflationäre Nutzung. Aber last not least sind CG-Effekte einfach nur eine Weiterentwicklung von stop motion, die Ray Harryhausen so berühmt machte, u.a. mit seinem Glanzstück Kampf der Titanen (oder auch Perseus und Andromeda). Gleiche Vorgehensweise, nur verzichtet man weitesgehend auf die Modelltechnik, allenfalls zur Visualisierung für den Modeller.
Kampf der Titanen war aber auch ein Abenteuerfilm der der Unterhaltung diente. Sicher, die Effekte machten damals was her, aber es war nicht so relevant wie bei Alien dass sie nicht vom eigentlichen Geschehen, von der Dramatik ablenkten. Die Effekte waren sogar ein wichtiges Verkaufsargument. In den Alien-Filmen sollten die Effekte aber nicht der Spannung im Weg stehen. Und es ist einfach so: Wenn du Spannung aufbaust und dann einen eindeutig als CGI-Effekt erkennbares Wesen ins Bild springt, dann ist die ganze Spannung sofort verpufft. CGIs sind nicht per se schlimm, aber zu oft werden sie eingesetzt obwohl sie einfach noch nicht gut genug aussehen. In Spider-Man stört das nicht so, weil der Film eine andere Stimmung aufbaut als die Alien-Filme. In denen möchtest du aber nicht konstant daran erinnert werden, dass das Monster nur ein Special Effect ist. Und da waren die ersten beiden Teile einfach effektiver als alles was danach kam.
Zu Logan’s Run: Lies bitte nochmal was in der Klammer steht. Ich mag den Film. Aber bei sowas musst du heute schon eine gewisse Ironie (oder Nostalgie) mitbringen.
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@thwidra:
Du sprichst von “Wackelkamera” und die Einsetzung selbiger als Stilmittel, um Realismus zu erzeugen. Das ganze nennt sich “Doku-Style” und wurde praktisch von George Lucas für den ersten Star Wars-Film “erfunden”.
Lass mich genauer werden: Es geht in diesem Fall nicht nur um das verwackelte, sondern auch darum dass in beiden Filmen ein verwaschenes, grobkörniges Bild mitgeliefert wird, dass ganz anders aussieht als das saubere Bild im restlichen Film. Eben so als wären diese Szenen tatsächlich mit einer normalen Videokamera gedreht worden.
Star Trek: Next Generation startet übrigens im Herbst 1987 und die offensichtlichste Anspielunge auf den Cyberpunk ist die Figur Datas. Data legt auch sehr viel Wert darauf, als Android und nicht als Roboter bezeichnet zu werden.
Stimmt. Um ein Jahr verhauen. Ich hätte Geld darauf verwettet, dass TNG 1986 gestartet ist. Ein schöner Trekkie bin ich.
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@San Andreas:
Dass ich Teil Zwei mag, kann ich ganz sicher sagen, den hab vor einiger Zeit wieder gesehen. Außerdem mag ich James Cameron grundsätzlich. Mir kommt vor, man vergisst oft, was für ein Genie und Meister seines Fachs dieser Mann ist. Der Showdown allein ist eine der ganz großen Action-Sequenzen.
Cameron war in den Achtzigern grandios. Ich bin auch immer noch ein riesiger Fan von The Terminator, dem meiner Ansicht nach auch keiner der Nachfolgeteile das Wasser reichen konnte.
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@SpielerZwei:
3. AVP 1 (Wohl der Aufregen in meiner Liste. Egal, ich mag fast alle Paul W.S. Anderson-Filme! Besonders Event Horizon. Mortal Kombat ist allerdings echt Müll.)
Echt? Also bezogen auf Mortal Kombat. Den halte ich für ‘nen durchaus spaßigen Videospielfilm, wobei das Genre natürlich meine Erwartungen komplett im Marianengraben versenkt hat. Abgesehen davon stimme ich dir bezogen auf Anderson eigentlich zu. Wobei AvP… naja, morgen oder übermorgen siehst du ja, was ich an dem Film nicht mag.
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@hen:
Ach ja @ Björn: Du könntest, wenn du gerade so im Thema drin bist, ruhig auch gleich noch auf die Nachfolger* und Nachahmer der Alienfilme (bzw. des dort aufgefahrenen Giger-Designs) eingehen.
Irgendwann mal, gerne. Aber ich glaube nach dem nächsten Teil habe ich von Xenomorphen und Xenomorph-Artigen erstmal die Schnauze voll. Vielleicht gehe ich demnächst mal in die barbarischere Richtung…
Etwa auf den Corman-Spacehorrorschlock Galaxy of Terror (1981), bei dem James Cameron seine Finger im Spiel hatte und Bill Paxton!!1! höchstselbst für das Setdesign-Ripoff verantwortlich war.
Bill S. Paxton? Herrscher über die Sülznasen? Halt… das war ein anderer.
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@hort:
Zu Logan’s Run (Den einige vielleicht nur als “Flucht ins 23 Jahrhundert” kennen):
Es ist nicht ganz aus der Popkultur verschwunden. In einer Simpsons Folge hat eine MTV Moderatorin einen Kristall in der Rückseite der Hand. Der blinkt weil sie für MTV zu alt ist. Es gibt wirklich nicht wenige Verweise.
Stimmt. Aber ich meinte auch eher, dass Logan’s Run in der Öffentlichkeit trotzdem eher unbekannt ist und selten erwähnt wird, wenn über klassische Skiffy-Filme geschrieben wird. Da wird der Streifen unfair übergangen.
July 19th, 2007 at 2:25 pm
Tja Björn ich bin gewissermaßen damit aufgewachsen und gewöhnte mich auch an den Mann im Gummikostüm bei Alien
Ich fand z.B. das die Modellbauaktionen bei den der erste StarWars Trilogie weitaus realistischer wirkten, als das heutige CG-Spektakel. Aber ansonsten beweg ich mich ohnehin zwischen alten und neuen Dingen. Ich tue es mir recht schwer mit einer Aussage wie “kann heute nicht mithalten”, denn das muß es gar nicht, der alte Film hat sein eigenes Flair, seinen eigenen Stil, der ihn einzigartig macht. Auch Harryhausens Filme gereichten damals schon zum Verkaufsargument, eben ob seiner Tricktechnik und da war eben noch Herz dabei. Das ist mitunter das was der heutigen CG-Technik abhanden kommt. Zwar identische Vorgehensweise, jedoch verleitet die leichte digitale Vervielfältigung diverser Effekte und Objekte zur inflationären Anwendung. Das wird wohl eher der negative Punkt sein der so manchem aufstößt.
>Sicher, die Effekte machten damals was her, aber es war nicht so relevant
Und da muß ich bei dem Film wiedersprechen, sie waren immens relevant. Kaum anders hätte man die mythologischen Geschehnisse überhaupt verdeutlichen können. Der Film wäre nur die Hälfte wert und glaub mir, als wir Knirpse damals im Kino saßen interessierten die Trickeffekte weitaus mehr
July 21st, 2007 at 7:03 pm
[...] Jul 21st, 2007 by PlayStar Als kleiner Steppke (ich schätze ich war damals zwischen 11 - 13 Jahre alt) besuchte ich mit meiner Famillie die Eröffnung der Austellung “Faden der Ariadne” von 3 - 5 (Ihr seht, nach so langer Zeit ist alles ungewiss geworden) sehr bekannten Künstlern. Einer davon war H.R. Giger. Meine Eltern erzählten mir zwar, dass er das weltberühmte Monster aus den “Alien”-Filmen gemacht hatte, aber da ich die Filme damals noch gar nicht gesehen hatte (und sicherlich viel zu jung dafür war), konnte ich mit dieser Information nichts anfangen. Auch von Arakis, Harkonnen und Fremen wußte ich noch nichts. Und so erfuhr ich erst heute, dass mein Lieblings-Ausstellungstück von Giger aus der angedachten “Dune”-Verfilmung von Alejandro Jodorowsky stammt. Die Erinnerungen bleiben trotzdem blass, der Faden bleibt verloren. [...]
August 15th, 2007 at 2:47 pm
[...] Die Alternative zur bestehenden urbanen Realität, gegen die Polizei und Regierung machtlos zu sein scheinen, bietet die Megacorporation O.C.P. (Omni Consumer Products) an. Dass Megacorps ein klares Merkmal der Achtziger-Skiffy sind, hatte ich ja in meinem Aliens-Text schon angemerkt. OCP bietet eine alternative zum alten, verkommenen Detroit: “Delta City”, die Stadt der Zukunft. Was OCP offen lässt, ist die Frage was mit den Kriminellen, Armen und Obdachlosen geschehen soll, die derzeit noch in Old Detroit leben. An der Stelle gewinnt RoboCop tatsächlich eine gewisse prophetische Qualität, denn die Idee real gewachsene und verfallene Städte (oder Stadtteile) durch saubere, künstliche Gebilde zu ersetzen hat sich inzwischen in der Realität verbreitet. Rudy Giuliani und Disney haben den neuen Time Square geschaffen, das Sony Center ist Eckstein für die Umformung des Berliner Regierungsbezirks vom Potsdamer Platz bis zum Alexanderplatz. In Snow Crash spielte Neal Stephenson mit dieser Idee als er die Burbclaves erfand. [...]
December 18th, 2007 at 9:36 am
Du hast eine echt schöne Art zu schreiben, ich konnte alles sowas von mitfühlen. Am besten hat mir der Teil mit der “altmodischen” Zukunft gefallen, ich glaub deshalb werden mir zB die ersten Star Wars Teile auch immer besser gefallen, als die cgi Effekt überladenen neuen Episoden, es hat viel weniger Charme. Außerdem steckt in diesen Sachen KINDHEIT! ^^ Vielleicht verbinde ich deshalb mit schlecht bewegten, ruckelnden Gummifiguren mehr Angst, als Computerfiguren…
Ich mag deine kleinen Anmerkungen überall und ich werd mir jetzt deine Meinung zu den restlichen Filmen (von denen ich Nummer 4 eigentlich toll fand