Your Friend Hysteria: Cheesecake, Muslime und G8

Es wird ja viel darüber gesprochen was die Blogosphäre ist. Leitmedium der Zukunft. Totengräber der alten Medien. Belangloses Tagebuchgejammer von fetten Nerds. Ein netter Zeitvertreib. Die größte Katzenbildsammelstelle der Welt. Da gibt es viele Meinungen. Was gerne übersehen wird: Wir sind auch das größte Kollektiv an Weather Wizards (das deutsche Wort wäre wohl: Meteorologiemagier) in der Nachbarschaft. Denn ich kenne keine andere Gruppe, die so schön regelmäßig in jedes Wasserglas einen Sturm zaubern kann.

Dabei kommen zwei Aspekte des Internets zum Tragen: Der Schneeballeffekt und die Sache mit der Echokammer. Ein Blog entdeckt etwas, ein anderes verlinkt darauf, fügt vielleicht etwas hinzu, zwei weitere Blogs stoßen dazu und so fort. Irgendwann hat man dutzende oder sogar hunderte Blogs, die sich auf ein Thema stürzen und darüber schreiben. Bis hierhin kein Problem, stellenweise sogar richtig und gut, solange man bedenkt, dass selbst hunderte Blogger noch ein verschwindend geringer Teil der Gesamtbevölkerung sind. Das wird gerne übersehen: In dem Moment in dem wir die Blogosphäre verlassen stellen wir dann überrascht fest, dass da draußen oft keiner von unserem Streichelthema der letzten Woche erfahren hat oder dass die Mehrheitsmeinung im Netz nicht die Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft ist. Die meisten Netzdemokraten in den USA stehen momentan fest hinter Mike Gravel als Präsidentschaftskandidat. Und ich verstehe warum. Aber wollen wir mal gucken, wann er aus dem Rennen ausscheiden muss?

Ich kann durchaus verstehen, warum das passiert: Wenn eine Sau durchs Dorf getrieben wird, dann macht es Spaß sich drauf zu setzen. Warum auch nicht, wenn man wirklich etwas zu sagen hat. Ärgerlich wird es erst, wenn man nur dabei ist, weil jeder dabei ist oder wenn man anfängt, sich gegenseitig so hochzuschaukeln, dass man den Fokus verliert. So entstehen besagte Stürme im Wasserglas und das Phänomen habe ich bei Internetdiskussionen einfach zu häufig erlebt. Was ich ungemein bedauerlich finde, weil es schnell ausreicht um selbst richtige und wichtige Punkte unter einem Sturm des Zorns oder der Hysterie zu begraben, womit am Ende niemandem geholfen ist.

Laundry Service

Der Auslöser für diesen Text hier ist zwar um einen Nerdgegenstand, aber daran kann man sehr schön generelle Mechanismen festmachen, die auch für andere Bereiche (etwa Politblogs) gelten. Dazu komme ich in ein paar Absätzen, nach diesem Primer hier. Man halte bitte durch, auch wenn das Thema irrelevant errscheint. Also, der Auslöser für diesen Schrieb ist das Bruhaha, das in der US-Comicblogosphäre seit knapp einer Woche wegen dieser Statue von Spider-Mans Ehefrau Mary Jane Watson-Parker herrscht.

Meine erste Reaktion darauf war es, mit den Augen zu rollen, etwas zu snarken und die Sache dann zu vergessen. Ganz ehrlich: Es ist eine unglaublich dumme und auf ihre Art beleidigende Statue. Spider-Mans Ehefrau in einer sexualisierten Pose, die ihrem Ehemann die Wäsche macht? Sexobjekt + Hausfrau? Pffffft. Man fragt sich, was die Marvel-Führungsetage und Sideshow Collectibles, die Macher dieser Statue, gedacht haben mögen als sie das Ding abnickten. Sicher, es wird sich verkaufen, aber genau so sicher: Es wird zu Ärger führen. Soviel gesunder Menschenverstand sollte da sein. Trotzdem, ich habe als Comicfan weitaus schlimmeres und peinlicheres gesehen (kein Lob für die US-Comicindustrie) und mir darum nicht zu viele Gedanken über diese Statue gemacht.

Bis vor ein paar Tagen, als klar wurde dass die Scheiße so derbe am dampfen ist, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. Der oben genannten Schneeballeffekt hatte eingesetzt. Ein paar Blogs waren auf die Statue aufmerksam geworden und hatten ausführlichere, kritische Texte zu ihr verfasst. Texte die zum Teil zu interessanten und spannenden Diskussionen in den Kommentarbereichen geführt hatten. Aber: Mit jedem weiteren Blog, dass diesen Trend erkannte und sich dazu gesellte, wurde die Disksussion schärfer und wurde die Statue schlimmer. Irgendwo hatte sich ein leicht hysterischer Tonfall in die Debatte eingeschlichen. Ein Tonfall, der stärker wurde. Und der, meiner Ansicht nach, die ganze Sache unproportional aufblies.

Plötzlich wurde jedes Detail der Statue kritisch begutachtet. Einige Kritikpunkte sind offensichtlich, die “nimm mich von hinten”-Pose, der Stringtanga, der tiefe Ausschnitt mit den zu großen Brüsten, der Fakt, dass MJ Spideys Wäsche macht. Andere Kritikpunkte, etwa die strategisch am Hintern gerissene Jeans, verstehe ich auch noch. Aber, das Fehlen eines Eherings zeigt, dass sie sexuell zu haben ist, ohne dass der Kunde Angst vor ihrem Superheldenehemann haben muss? Der Umstand, dass sie die Wäsche barfüßig macht (unklar übrigens ob sie wäscht, oder nur faltet) ist eine klare Referenz darauf dass Frauen an den Herd gehören? Die Perlenhalskette als Symbol für die Rolle der Frauen in den Fünfzigern, für die Frau als “Stepford Wife”?

Ich habe wirklich dass Gefühl, dass man irgendwo auf halber Strecke den Faden der berechtigten Kritik an einer ziemlich verunglückten Statue verloren hat. Und dieses Recht zur Kritik existiert natürlich. Und man darf die Kritik natürlich auch in scharfe Worte kleiden, auch wenn ich nicht notwendigerweise zustimmen würde. Gut, “Fuckdoll verstehe ich noch. Aber ob diese Statue schon pornographisch ist? Ja, bei der Rechtslage in den USA entscheiden die “community standards” darüber ob etwas Porn ist oder nicht. Ich weiß.

An anderer Stelle wird diese Statue, eine sexulisierte Ehefrau die ihrem Mann die Wäsche macht, damit in Verbindung gesetzt, dass in der Realität immer noch Frauen vergewaltigt werden, weil sie enganliegende Kleidung tragen und “es doch auch” wollen. Ein Umstand, der verachtenswert ist, keine Debatte. Aber den direkten Zusammenhang zur Statue halte ich für konstruiert. Ebenso wie ein Kommentar hier, wo man von der Statue weggeht und ein Kommentator oder eine Kommentatorin sich zur Debatte an sich äußert. Die Debatte wird da gleichgesetzt mit Martin Luther Kings Kampf gegen die Segregation:

I am reminded me of a line from Martin Luthor King’s Letter from A Birmingham jail, where he comments about how he was told to “wait”. [...] We should be outraged at this. We SHOULDN’T have to worry about what others think. We should be allowed our freedom of speech. And I think it hurts the cause of the eradication of sexism to be told to stop talking.

THat’s basically what the patriarchy tells women all the time.

Und an wieder anderer Stelle wird daraus “a tool designed to exploit and reinforce the image of women as servants and sexual playthings of men“.

Wie gesagt, ich fühle mich verwirrt, weil ich die Statue zwar für geschmacklos, aber nicht für das Ende der Frauenrechte halte. Das Problem ist, die Debatte ist inzwischen so weit von der Statue weg und so weit zum universellen Kampf für oder wider den Feminismus geworden, dass echte Diskussionen vielerorts gar nicht mehr stattfinden, sondern einfach nur noch den Reflexen freier Lauf gelassen wird. Und man fängt an nur noch in “Freund und Feind” zu unterteilen. Die Graustufen fallen komplett weg.

Wer Probleme mit der Statue hat, ist eine fette, verklemmte Emotuse die mal dringend flachgelegt werden müsste. Oder auf der anderen Seite, wer die Statue nicht so schlimm findet, oder die Statue zwar auch kritisiert, aber trotzdem bittet gelassen zu bleiben (wie es die Autorin von Occasional Superheroine sehr eloquent tut) wird wie folgt als Onkel Tom angefahren:

Sigh. You’re still trying to Please Men, girl. You haven’t thrown off the shackles of the patriarchy, no matter how they tore you up, body AND soul. [...] Guess what, being nice and backing off and not mobbing them won’t get them to Like Us. Being big meanies and forcing them to pay attention to our roars - well, the SHRILL SQUEALS of stuck Male Chauvinist Pigs shows that it does work. Of course they want us to stop!

Kurz und gut, meine Position dazu ist: Ja, die Statue ist ein derber Griff ins Klo. Und traurigerweise ist sie ein Musterbeispiel für das in Superheldencomics vertretene Frauenbild. Aber en par mit der Segregation der Schwarzen im Amerika der Fünfziger und Sechziger? Schlimm genug um die Frauenbewegung um Jahrzehnte zurückzuwerfen, ein Werkzeug um Frauen klein zu halten? So relevant, dass diejenigen die nicht in den vollen Outrage-Overdrive schalten ihre Geschlechtsgenossinennen verraten? Oder gar “the most offensive thing I’ve ever seen“?

Um mal Randal Graves aus Clerks zu zitieren: “You think that’s offensive? Check this out.” [NSFWer geht's kaum noch!]

Übrigens, mein Lieblingskommentar zu dem Thema ist dieses Bild hier:

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Popkultur und Politik: Schnittflächen

Ja, das war jetzt ein ziemlich langer Primer, aber man kann hier - an einem Thema, das in Deutschland keine Wellen geschlagen hat - sehr nett die Mechanismen sehen, die oft in Diskussionen zum Tragen kommen. Das ganze beginnt relativ harmlos damit, dass eine missratene Statue kritisiert wird. Wobei die Kritik von immer mehr Menschen geteilt wird, die das Bedürfnis haben nicht einfach nur alte Meinungen zu wiederholen, sondern etwas Neues zur Debatte beizutragen. Fair enough. Dabei kommt man aber schnell vom Hundersten ins Tausendste und wird auf Tangenten weggetragen (hier: Vergewaltigungen, Rassismus). Tangenten, die eigentlich eine eigene Betrachtung verdienen und nicht Anhängsel einer Debatte über einen Klumpen Plastik sein sollten. Aber weil man eben nicht mehr nur über eine einfache Statue schreibt, sondern es hier inzwischen um etwas “Größeres” geht, werden auch die Kampflinien härter. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich. Die Schreie werden schriller und am Ende verschwimmen die Linien zwischen Freund und Feind. Denn dann ist sogar jeder der nicht zu 100% meine Meinung teilt mein Feind. Die Debatte ist dann offenkundig tot, weil links und rechts hysterische Schreier auftauchen. Und weil in zukünftigen Diskussionen zu dem Thema meist eine dieser hysterischen Randpositionen als Beleg für die generelle Haltung der Gegenseite herhalten muss. Was natürlich Bullshit ist.

So, das war jetzt ein Beispiel dafür wie man sich in der US-Comicblogosphäre in Rage oder Hysterie schaukeln kann. Aber das Phänomen ist ja nun keines, das nur jenseits des Atlantiks existiert. Und nicht immer geht es um so “harmlose” Themen wie die Mary-Jane-Statue. Ein Musterbeispiel dafür, wo sich ein Hysteriezentrum im deutschen Raum gebildet hat, ist der Knotenpunkt Politically Incorrect. Eines der größten deutschen Blogs, das sich als sich als “pro-amerikanisch” versteht, “gegen die Islamisierung Europas” kämpft und sich nach eigener Aussage “für Grundgesetz und Menschenrechte” einsetzt. Auch wenn mir eher eine andere Einschätzung auf der Zunge liegt.

Politically Incorrect gehört zu einem lockeren Netz, dem etwa auch Henryk M. Broder angehört, das besorgt ist vor den Auswirkungen die die “Islamisierung der Gesellschaft” haben wird und die das kritisch betrachten. Oder eher: Darüber in totale Hysterie verfallen. Nun denke ich auch, dass es gilt wachsam zu beobachten ob sich eine “Gegenöffentlichkeit” bildet und rechtzeitig einzuschreiten, ehe wir in deutschen Vorstädten Verhältnisse bekommen wie sie in Pariser Vorstädten an der Tagesordnung sind. Auch wenn meine Ideen wie das passieren sollte wohl gar nicht mit denen der Autoren bei PI konform gehen. Und ich denke auch, dass wir aufpassen sollten, dass wir nicht unsere säkulare Tradition der Aufklärung wegen einer anderen Form der Hysterie aufgeben. (Wie Broder sein letztes Buch nannte: “Hurra, wir kapitulieren.”) Aber ich sehe die “Kampflinie” (und ich mag de Begriff nicht sonderlich) weniger zwischen Westen und Islam, als eher zwischen progressiven und restaurativen Kräften. Egal ob die nun islamisch, katholisch, scientologisch oder sonstwie sein mögen.

Der Punkt ist, dass sich Hysterieblogs wie PI meiner Ansicht nach ins eigene Fleisch schneiden und zusätzlich allen anderen die Diskussion erschweren, weil sie nichts zu dieser Diskussion beitragen sondern nur das Freund-Feind-Bild perpetuieren: Verteidiger des Westens oder Dhimmi. Dazwischen gibt es nichts. Und diese Hysterie muss am Leben gehalten werden. Wenn man jeden Tag nichts anderes tut, als den Untergang des Abendlandes zu verfolgen, dann verliert man vielleicht den Blick für das Wesentliche. Oder, so würden böse Zungen unterstellen, man setzt bewusst Falschmeldungen online oder macht aus Mücken Elefanten, damit man regelmäßig seinen Fix erhält. Egal ob das nun Heroin oder einfach nur ein Schuß moralische Entrüstung sein mag.

So wird bei PI regelmäßig die Mär transportiert, dass britische Banken das Sparschwein verboten hätten, aus Angst die Muslime würden sich beleidigt fühlen. Obwohl diese Geschichte schon längst als Ente entlarvt worden ist. An anderer Stelle bläst man auf, dass in Oberösterreich die Mütter zweier moslemischer Schüler gegen das Plus-Zeichen protestiert haben. Weil es aussieht wie ein Kreuz. Die Geschichte scheint nur in der österreichischen Zeitung Die Presse berichtet worden zu sein. Und ich dachte immer, nur Vampire wären gegen die Verwendung des Pluszeichens im Unterricht.

Wenn es keine Ente ist, dann ist es ein Einzelfall (zwei Mütter) von idiotischen Eltern. Very slow news day? Es gibt keine Anzeichen dafür, dass irgendjemand auch nur einen Moment darüber nachgedacht hat das Pluszeichen wirklich zu verbieten. Und zwei Mütter sind wohl kaum die islamische Gemeinde Österreichs oder auch nur ein signifikanter Teil davon. Aber es passt in die selbst gestaltete Hysterie und das apokalyptische Bild vom Untergang des Abendlandes. Wenn die Hysterie erstmal eingesetzt hat, dann werden die randwärtigsten Punkte miteinander verbunden, weil sie ja ein großes Bild ergeben.

Eines in dem es dann auch glaubhaft erscheint, dass ein Schüler wegen eines Hatecrimes angezeigt wurde, weil er ein Schinkenbrot aß während Muslime am Tisch saßen. Der ganze Fall war zwar nur eine Parodie, wird aber behandelt als wäre er real geschehen. Könnte ja sein. (Und richtig gestellt wurde das auf PI bisher auch nicht.)

Für den Fall, dass die Presse mal nicht mihilft, hier ein paar andere potentielle Nachrichten. Darf man sich gerne bedienen: Islamische Gemeinden von Kreuzberg und Schweinfurt fordern Umbenennung der Orte um religiöse Gefühle zu schützen. +++ Saudi-Arabien verweigert Testspiel gegen DFB-Auswahl so lange Bastian Schweinsteiger in der Startelf steht. +++ Was bin ich? Robert Lemkes lustiges Beruferaten diskriminiert Moslems.

Diese Hysterie gibt den Lesern und Autoren vielleicht ein gutes Gefühl, hilft aber sonst keinem. In einer Zeit, in der der Umgang miteinander extrem schwierig ist, wäre es wünschenswert wenn wir einen kühlen Kopf bewahren würden. Nicht weil man die unschönen Aspekte des Zusammenlebens unterdrücken sollte, sondern weil es viel einfacher wäre darüber zu reden, wenn man nicht das Gefühl hätte, dass man sich beim Anschneiden kritischer Themen mit diesen Hysteriebloggern aufs gleiche Boot begibt. (Oh, Broder zähle ich übrigens auch zu den Hysterikern weil er die Sparschwein und Pluszeichensache auch gerne mal verbreitet, hier etwa.)

Natürlich lassen sich auch andere Themen hysterisch aufblasen. Innenminister Strangelove und seine Sicherheitsparanoia sind ja ein beliebtes Thema hier im Blog. Weil ich denke, dass der massive Grundrechtsabbau eine der größten Gefahren ist, die die deutsche Demokratie bis heute von Innen her erlebt hat. Und manchmal schieße ich dabei in meinen Formulierungen auch über das Ziel hinaus.

Aber auch bei diesem Thema halte ich es für sinnvoll, wenn wir bei der Debatte einen kühlen Kopf bewahren und nicht gleich den Teufel in Menschengestalt aus einem sicher mehr als kritikwürdigen Politiker machen, der eindeutig den falschen Posten hat. Die Aktionen im Vorfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm, die Terrorhysterie rund um den Linksextremismus und die mögliche RAF 2.0 (die übrigens außerhalb der Blogs stattfindet und gerade von der ZEITUNG geschürt wird), die präventiven Verhaftungen, die Bannmeile rund um den Zaun herum. All das finde ich mehr als kritisch und all das sollte diskutiert, kritisiert und in die Öffentlichkeit getragen werden.

Aber es sollte eigentlich aus sich selbst heraus kritisch genug sein um dabei hysterisches Aufmerksamkeitsgeheische unnötig zu machen. Die rechtsstaatliche Problematik sollte klar sein ohne sofort eine Gleichsetzung mit der dunkelsten Phase der deutschen Geschichte nötig zu machen. Aber auch hier wird die eigentlich sinnvolle und konstruktive Debatte durch ein hysterisches Freund-Feind-Bild ersetzt. Wenn die Spontangefängnisse als “Konzentrationslager” bezeichnet werden, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass wir uns vom rationalen Diskurs entfernen. Und ja, ich weiß dass Konzentrationslager vor dem Dritten Reich existierten und ursprünglich eine andere Bedeutung hatten. Aber nach 1945 hat der Begriff KZ in Deutschland eine neue Bedeutung erhalten und der logische Konnex ist nun einmal nicht “Südafrika im Burenkrieg” sondern “Auschwitz und Bergen-Belsen unter den Nazis”. Wer etwas anderes behauptet, der ist wahlweise ein Lügner oder unglaublich naiv.

Und wenn wir dann noch das 4. Reich heraufbeschwören oder ausmalen, wie Systemkritikern bald Organe entnommen werden, dann haben wir uns von einer Debatte mit kühlem Kopf verabschiedet und uns auch in die Hysterie begeben, die nicht unser Ziel sein darf. Denn dann geht es nicht mehr gegen Schäuble als Feind des Grundgesetzes, dann geht es um Schäuble als das Ultimative Böse. Und wenn es gegen das Ultimative Böse geht, dann kämpft man entweder dagegen oder man ist ein Appeasenik. Zwischentöne gibt es nicht.

Und wohin das führt, das demonstriert beispielsweise Chris auf get.privacy. Solche Aktionen werden meist aus einer Hysterie herausgeboren und nicht kritisch hinterfragt, eben weil man ja “auf der richtigen Seite” steht oder es gegen “das Böse” geht. Dem gleiche Mechanismus, aber in größerem Stil, verdanken wir nach dem 11. September den US Patriot Act und in Deutschland Otto Schilys Sicherheitskatalog.

In General

Bei der Statuendebatte las ich in einem der Blogs, und ich finde es jetzt nicht mehr wieder, folgendes Zitat in einem Image Macro: “If you are not outraged, you are not paying attention.”

Das mag sein, aber ich habe in meinem bisherigen Leben - und so alt bin ich natürlich noch nicht - das Gefühl entwickelt, dass “Outrage” zwar eine verständliche, aber nicht notwendigerweise die beste Reaktion sein mag. Denn wenn sich Entrüstung in selbstgerechte Entrüstung verwandelt (und das kann schleichend passieren, ohne dass man es bemerkt) dann verliert man schnell den Blick fürs Wesentliche und die Reaktion wird kontraproduktiv. Man bekommt das Gefühl, dass man im Auftrag des Herren unterwegs ist. Und dann bleibt zwar der “outrage” aber der Teil mit dem “paying attention” schwindet. Man achtet nur noch auf das, was die eigene Perspektive untermauert. Selektive Wahrnehmung.

Und ab einem gewissen Niveau an Entrüstung und Hysterie wird alles unterhalb einer Lautstärke erst gar nicht mehr wahrgenommen. Dann stellt sich das oben genannte Gefühl ein, dass es nur noch zwei Positionen gibt: Entweder dein Diskussionpartner ist für oder gegen dich. Nur dass der Hase im Internet so nicht läuft. Wir sind meist stolz darauf, dass in der Blogosphäre kritisch gedacht und hinterfragt wird. Und trotzdem fühlen wir uns betrogen wenn Blogger X - dessen Meinung wir sonst immer teilten - unsere Meinung gerade hier nicht mehr teilt. Das wird schnell als persönlicher Affront oder Stich in den Rücken aufgefasst.

Ab diesem bestimmten Punkt geht es auch gar nicht mehr um Diskussionen. Es geht nicht mehr darum zu argumentieren. Es geht darum, dass man weiß, das man Recht hat und der andere Unrecht. Das einzige Ziel ist es dann, die eigene Meinung dem Gegenüber aufzudrücken. Die Diskussion “zu gewinnen”. Ganz schlimm wird sowas, wenn man auf eine ganze Gruppe trifft, die eine bestimmte, hysterische Position vertritt. Man gehe mal auf eine Indymediaseite und versuche da höflich zu argumentieren, dass der Bullenstaat vielleicht noch nicht ganz so schlimm ist, wie er dargestellt wird. Oder alternativ: Man versuche mal bei PI zu argumenitieren, dass man nicht von den Randfällen auf alle Muslime schließen darf. Danach hat man dann ganz sicher ein Musterbeispiel für Cyberbullying erlebt.

Und bei hysterischen Reaktionen neigt man dank der Freund-Feind-Schere im Kopf auch schnell dazu den Leuten vor den Kopf zu stoßen, die eigentlich die eigene Position vertreten, aber die Dinge nicht ganz wild so sehen wie man selber. Im Netz funktioniert sowas natürlich noch besser als bei einem Gespräch von Person zu Person, weil Gestik, Mimik und Intonation wegfallen. Das macht es leichter sein Gegenüber falsch zu interpretieren. Ob absichtlich oder wirklich nur aus Versehen, das sei dahingestellt. (Außerdem ist die Hemmschwelle im Internet natürlich geringer als in der Realität seinen Gesprächspartner richtig rund zu machen.) Blöd dabei nur, dass man so oft Leuten vor den Kopf stößt, die eigentlich helfen wollen, die sich dann aber lieber ganz ausklinken. Einfach weil sie nicht erwartet hätten, dass die eigene Seite sie zum Feind macht. Man denke nochmal an dieses Beispiel.

Resultat: Die eine Seite macht komplett dicht und weigert sich einen Fußbreit nachzugeben, die andere Seite wird - verständlicherweise - keine Diskussion führen wollen und wird sich auch weigern nur einen Fußbreit nachzugeben. Und diejenigen die eigentlich gemäßigtere Positionen vertreten oder keinen Absolutheitsanspruch vertreten, werden frustriert ihren Ball nehmen und nach Hause gehen. Was bleibt sind auf beiden Seiten die extremen Ränder. Und das Resultat daraus ist, dass jede Seite jeweils die Randposition der anderen Seite für den Mainstream hält.

Vielleicht ist es nur der Umstand, dass ich gerne in bestimmten Debatten für voll genommen werden würde. Wenn ich etwa meine Abneigung gegenüber der aktuellen US-Regierung betone, dann würde ich mir wünschen, dass man sich mit meinen Kritikpunkten und meinen Vorwürfen beschäftigt… und nicht anfängt mir zu erklären warum Michael Moore ein Populist und Faktenverdreher ist. Natürlich ist er das, das weiß ich auch. Aber bloß weil Michael Moore die Bush-Administration nicht mag und ich die Bush-Administration nicht mag, heißt das noch lange nicht, dass ich Michael Moore bin. Außer wir einigen uns auch darauf, dass alle Männer Sokrates sind.

Ich kenne das Argument: Wir müssen übertreiben, hypen, schreien… sonst werden wir doch nie gehört. Die andere Seite macht ja auch Panik und mit ruhigen Argumenten werden wir einfach übergangen. Was sogar zum Teil stimmt. Aber das System wirkt nur dann, wenn man sein Gegenüber zur Kapitulation zwingen will und da eine realistische Chance hat. Auf Hysterie und Gegenhysterie kann man halt keine fruchtbare Debatte aufbauen. Anders gesagt: Es war richtig, dass man 1989 auf die Straße ging und die Öffnung der Grenzen lautstark forderte, weil man anderweitig nicht gehört wurde. Aber wenn es darum geht, ob Popetown ausgestrahlt werden soll, ob die Mohammed-Karikaturen beleidigend waren oder ob die Mary-Jane-Statue blatant misogynistisch ist, dann ist dieser Weg wahrscheinlich der Falsche.

Nochmal: Viele Probleme sollten aus sich heraus schlimm genug sein, auch ohne das wir hysterisch werden müssen um zu erklären, warum dem so ist. Sachlichkeit ist oft bitter genug. Hysterie führt eher dazu, dass man seiner eigenen Panik früher oder später selbst verfällt und noch panischer wird, weil die Mistreiter die eigene Panik nicht teilen. Aber wann hat Panik oder Hysterie je ein Problem gelöst?

Historisch scheint ja eher das Gegenteil der Fall zu sein: Die Hexenprozesse von Salem, die “rote Furcht” während der McCarthy-Ära, die Tscheka im post-zaristischen Russland, die Angst vor den konservativen Kräften während der französischen Revolution. Panik und Hysterie führen zu Intoleranz und Fehlern. Siehe die brennenden Botschaften in Damaskus während der Karikaturendebatte. Siehe die Verbrennung von Harry Potter Büchern in einer US-Gemeinde, aus Angst um die eigene, unsterbliche Seele. Und zu glauben, dass in Deutschland nicht auch eine Massenhysterie mit negativen Auswirkungen um sich greifen könnte wäre kurzsichtig und ignorant. Aber Hysterie bekämpft man nicht mit Gegenhysterie. Das funktioniert nur, wenn am Ende eine der beiden streitenden Parteien komplett aufgibt…

Da besteht natürlich noch eine andere Gefahr bei diesem “Sturm im Wasserglas”-Spiel. Je panischer wir werden, je hysterischer wir wegen etwas reagieren, desto größer ist auch die Gefahr das wir früher oder später einfach ausbrennen und schlichtweg aufhören uns für Dinge einzusetzen, die uns wichtig sind. Uns für Dinge einzusetzen die wichtig sind - Punkt. Denn in den meisten Fällen von Internethysterie, aber auch nicht überall, gab es irgendwo mal einen validen Punkt der vorgebracht werden sollte. Je überzeugter man aber davon ist, dass es hier um etwas geht, das nur ganz oder gar nicht funktionieren kann, das keinen Kompromiss zulässt, desto schneller wird man frustriert wenn die Mehrheit die eigene Position nicht oder nur zum Teil übernimmt. Und irgendwann lässt man es dann ganz sein sich für wichtige Dinge einzusetzen. Bringt ja eh nichts.

Wie oft führt so eine Hysterie zu einem echten Ergebnis? Die meisten Themen enden einfach so, ohne Coda. Die Massenaufmerksamkeit schwindet und das Thema verglüht unbemerkt von der Mehrheit, die schon wieder eine neue Sau reitet. Der eigentliche Kern des Problems besteht aber immer noch. Ein schönes Beispiel für dieses Ausbrennen findet sich bei Hysterien außerhalb des Internets: Seuchen. Seuchen kommen in der Presse gut, weil sie ein apokalyptisches Schreckensszenario darstellen. Es könnte jeden treffen und man kann ihnen nicht entkommen. Ein bisschen wie mit GEZ-Fahndern, nur weniger schlimm.

In den Achtzigern war es AIDS, Mitte der Neunziger war es das Ebola-Virus, Anfang des neuen Jahrtausends war es SARS und vor knapp anderthalb Jahren war es H5N1, die Vogelgrippe. Nehmen wir nur das letzte Beispiel, weil es vermutlich noch mental präsent ist. Für ein paar Wochen war die Vogelgrippe das Schlagzeilenthema Nummer 1. Millionen Tote wurden prognostiziert. Schutzmaßnahmen diskutiert. Regierungspläne zur Abwehr kritisch hinterfragt. Jeder tote Wellensittich fand seinen Weg in die Presse, die Einschläge schienen näher zu kommen. Und jetzt? Ist H5N1 keine Gefahr mehr? Doch, noch genau so sehr wie vor anderthalb Jahren.

Aber das Publikum war irgendwann ausgebrannt und verlor das Interesse. Und folgerichtig verlor die Presse, die das Thema erst zur Hysterie gemacht hat, auch den Impetus darüber zu berichten. In Südostasien sterben immer noch regelmäßig Menschen an der Vogelgrippe. An H5N1 verreckte Vögel werden auch noch gefunden. Das Risiko einer Pandämie besteht auch noch. Aber die Hysterie hat uns ausgebrannt. Dabei ist der Kern des Problems nicht gelöst. Noch immer stellt sich die Frage, ob die Regierung einen funktionierenden Vorsorge- und Notfallplan hat. Die Frage ob die WHO oder das CDC gewappnet sind um den Kampf gegen dieses oder ein anderes Virus aufzunehmen, die ist noch immer relevant. Aber sie werden jetzt von der breiten Masse wieder ignoriert. Und hier wäre ein sinnvoller Umgang mit der Thematik besser gewesen, als die geschürte Hysterie.

Die letzte Angst war unbegründet, warum sollte diese Angst jetzt begründet sein? Darauf können wir doch nicht abzielen. Wenn sich die bundesrepublikanischen Behörden während des G8-Gipfels nicht aufführen wie SA und SS, dann stehen diejenigen dumm da, die den neuen Nazistaat schon ausgerufen haben. Und um so schwerer wird es beim nächsten Mal die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es hier wirklich massive Probleme gibt und dass großflächliger Protest und Widerstand nötig ist. Wohin soll man diskutorisch noch gehen, nachdem man hier schon das Vierte Reich und die KZs benutzt hat? Das ist übrigens auch der Grund warum ich dagegen bin jeden dahergelaufenen Feld-, Wald- und Wiesendiktator als neuen Adolf Hitler zu bezeichnen. Das macht es wirklich schwer die “harmlosen” Diktatoren (die schlimm genug sind) von den wirklichen Bedrohungen zu unterscheiden.

So wie die Broders mal eine wirkliche Gefahr für Rechtsstaat und Säkulargesellschaft aus dem Islam entdecken mögen, ihnen dann aber niemand zuhören würde, weil sie bisher zu beschäftigt damit waren Zeitungsenten oder dem lächerlichen Protest von zwei (nochmal in Worten: 2) islamischen Müttern in Oberösterreich den gleichen Platz und Stellenwert einzuräumen wie der Steinigung von Homosexuellen im Iran oder den brennenden Botschaften in Damaskus. Wie war das noch mit dem Jungen, der immer “Wölfe” geschrien hat? An der Lektion hat sich nichts geändert in den fast 2500 Jahren seitdem Æsop diese Geschichte erzählte.

A Modest Proposal

Worauf will ich jetzt hinaus? Nun, simpel: Ich würde mir eine Umgebung wünschen, in der wir weniger hysterisch, weniger panisch und weniger aggressiv diskutieren. Mit einem etwas kühleren Kopf. Egal worum es geht. Und ich weiß, dass Internet bietet sich einfach dafür an, dass man hysterisch wird, aber… es hilft niemandem. Panik und Hysterie führen nur dazu, dass man die Bereitschaft verliert anderen zuzuhören, dass man beginnt die Alternativen auszublenden und zu glauben, dass jeder Kompromiss (und sei er noch so klein) der erste Schritt zum Untergang des Abendlandes ist.

Wir sind keine fertigen Menschen. Keiner von uns liegt immer richtig, keiner von uns hat automatisch Recht. Und keine zwei Menschen werden jederzeit in allen Belangen übereinstimmen. So ist das Leben halt. Das Leben ist aber auch so, dass es mehr als unwahrscheinlich ist, dass wir einen anderen Menschen mit unserer Argumentation - und sei sie noch so gut - dazu bringen, seine bisherige Position schlagartig komplett aufzugeben und unsere Argumentation 1:1 zu übernehmen. Man stelle sich einfach mal selber die Frage: Wann habe ich zuletzt in einer Diskussion meine Meinung komplett aufgegeben und die eines anderen komplett übernommen? Ich selbst wüsste nicht, dass ich das je getan habe.

Darum wäre es sinnvoll wenn wir alle unsere Art im Netz zu diskutieren überdenken. Besonders dann wenn ein Thema sich zu einem Sturm im Wasserglas hochgearbeitet hat und man das Gefühl hat, dass eine gewisse Hysterie einsetzt oder schon vorhanden ist. Diskussionen sollte man nie führen als wären sie ein Kampf oder ein Wettstreit. Diskussionen und Debatten enden gelegentlich mit einem klaren Sieger und einem klaren Verlierer, aber meistens tun sie das nicht. Weil es nicht ihre Natur ist.

Wir müssen uns da von dem Freund-Feind denken lösen. Sicher, es wäre toll wenn ich mit meiner eloquenten Schreibe meine Gegner davon überzeugen könnte, dass ich immer richtig liege. Aber wenn ich von einer Position überzeugt bin und sie vertrete, dann ist es am Ende des Tages schon ein Erfolg, wenn jemand der meine Meinung nicht teilt sagt: “Ich denke immer noch, dass du falsch liegst. Aber ich verstehe warum du denkst wie du denkst.” Oder besser noch, wenn mein Diskussionspartner festhält, dass er immer noch denkt, dass ich überwiegend falsch liege. Aber einsieht, dass ich zumindest zum Teil Recht habe. Das ist dann schon eine Leistung auf die man stolz sein darf.

Und im Gegenzug sollten wir akzeptieren, dass man eine Diskussion nicht verloren hat, nur weil man ein Stück von seiner Meinung abrückt oder seine Thesen etwas zurückschraubt. Es ist kein Zeichen von Schwäche zu sehen, dass die Gegenseite vielleicht nicht von Grund auf Böse ist oder dass die Gegenseite vielleicht nicht komplett falsch liegt. Seine eigene Meinung zu hinterfragen ist kein Zeichen von Weichheit. Das Gegenteil ist Dogmatismus. Und das ist eher ein Zeichen von Schwäche. Denn Dogma ist nur dann nötig, wenn man befürchtet, dass die eigene Theorie zerbricht sobald man sie kritisch hinterfragt.

Ein wirklicher Erfolg in einer Debatte ist es, wenn am Ende beide Seiten das Gefühl haben, die jeweils andere Seite etwas besser zu verstehen. Wenn ein Erkenntnisgewinn für mich und mein Gegenüber dabei rausspringt. Davon habe ich mehr, als wenn ich in eine Diskussion reinstürme, meine Meinung postuliere, mich dann wie der sprichwörtliche dreihundert Pfund schwere Gorilla in den Raum setze und mich weigere mich auch nur einen Zentimeter von meiner Position zu bewegen, auch wenn ich einsehe, dass es einen Grund gäbe mich zu bewegen.

Es kann also nicht schaden, hin und wieder mal beim “Feind” reinzuschauen, dessen Position zu verstehen und eventuell dort dagegen zu diskutieren oder seine eigene Position nachzujustieren, wenn man da ein sinnvolles Argument findet. Auch das passiert im Netz zu selten, denn - Echokammer - glücklicherweise gibt es für jede Position hunderte Seiten die so ziemlich exakt diese Position vertreten und unterstützen. Das verhindert, dass ich mich mit der Gegenseite tatsächlich auseinandersetzen muss und zementiert meine Meinung nur noch weiter.

Natürlich: Dieses “beim Feind reinschauen” und “auch mal ein Stück nachgeben” sollte man nicht mit Appeasement verwechseln. Wenn man wirklich glaubt, dass das Gegenüber total falsch liegt, dann ist das legitim. Wenn man es mit dem “lunatic fringe” zu tun hat, dann ist es ebenfalls absolut legitim wenn man nicht gewillt ist eine Position zu verstehen. Extrembeispiel: Das oben Geschriebene heißt nicht, dass man auf das nächste NPD-Board geht und zustimmt, dass - naja - die Juden schon ein bisschen selber Schuld sind am Antisemitismus. Nur, um gleich zu verhindern, dass man mich absichtlich falsch versteht. Aber im Gegenzug: Es ist nur fair, wenn man mit denen die nicht zum lunatic fringe gehören nicht so diskutiert, als wären sie Teil besagten Rands. Es ist sogar sinnvoller gar nicht lange mit dem lunatic fringe zu argumentieren, sondern mit den Leuten in der Mitte. Leute die zwar eine Meinung haben, die aber nicht so zementiert ist, dass sie diese nie ändern werden.

Ich weiß auch, vieles von dem was ich hier gesagt habe sind simple Weisheiten die andere lange vor mir formuliert haben: Ich wollte sie trotzdem mal festhalten. Auch für mich selber. Denn wenn ich mir angucke, was in den Kommentarsektionen von vielen Zeitungen oder Blogs geschieht (besonders von Politblogs, aber - siehe den MJ-Statuen-Kerfluffle - nicht nur da), dann denke ich, dass es wirklich nicht schaden könnte, wenn wir uns alle mal häufiger an die eigene Nase fassen und einen Gang zurückschalten würden. Das muss unsere Position nicht schwächen. Es kann uns sogar helfen, wenn wir uns in einem erbittertem Wortgefecht vor dem Drücken des “Save Comment”-Buttons einfach mal kurz im Stuhl zurücklehnen und uns fragen: “Sind wirklich alle auf meiner Seite dieser Debatte meine Freunde? Sind wirklich alle auf der Gegenseite meine Feinde? Sind überhaupt alle, die ich auf der Gegenseite sehe tatsächlich auf der Gegenseite?”

Mehr möchte ich gar nicht. Nur die Bitte, dass man auch im Internet öfter mal einen kühlen Kopf bewahrt (egal wieviel Spaß es macht hysterisch zu sein und die Dramahure zu spielen), einen Gang zurückschaltet und sich fragt, ob man seine Ziele nicht auch (und vielleicht sogar besser) erreichen kann, indem man auf Hysterie verzichtet und sich nicht aufführt, wie ein totales Arschloch. Das wäre alles. Danke für die Aufmerksamkeit derjenigen, die bis hierhin durchgehalten haben.

(Und da das Internet bekanntlich nicht vergisst: Es ist absolut legitim meine zukünftigen Posts an diesem Text zu messen und mich zu kritisieren, wenn ich gegen meine eigene “Regeln” verstoße. Aber ich hoffe ja auch, dass diese Fingerübung mir selbst zu einem größeren Bewusstsein für diese Dinge verhilft. Selbst wenn ich jetzt schon weiß, dass ich auch weiterhin gelegentlich als Arschloch oder Dramahure auftreten werde.)

[Bildquelle wird nachgereicht, wenn ich sie finde.]

22 Responses to “Your Friend Hysteria: Cheesecake, Muslime und G8”

  1. Andi Says:

    Dein Beitrag ist ja völlig ausgewogen, vernünftig und nützlich.

    Mit anderen Worten: boooring :)

    Womit auch der Knackpunkt Deiner frommen Wünsche benannt wäre, an dem ich auch oft verzweifle: Ruhiges Abwägen und Erkenntnisschürfen ist auf Dauer sicher der bessere, vielleicht der einzige Weg, und ich will mich ebenfalls mühen, nicht nur auf meinem Blog mehr Buddha und weniger Kinski zu sein.

    Aber ein Kinski ist einfach eine ungleich packendere Figur als ein Buddha.

    Und es ist ungleich leichter, die Keule rauszuholen, als ein Lächeln.

    In den USA sind mittlerweile, wie ich höre, die große Mehrheit der Wahlwerbespots negativ, also den politischen Gegner herabwürdigend.

    Weil sie weit besser wirken als bedächtige, positive Eigenwerbung.

    Und weil größtmögliche Polarisierung auch die eigenen Truppen dicht zusammenhält, wenn es gegen die Armeen Satans geht, desertiert keiner. Und wenn es um UNSERE SICHERHEIT™ geht, müssen wir halt den Himmler auf Rädern nicht nur hinnehmen, sondern ihm zujubeln.

    Brücken kann man so natürlich nicht mehr errichten, wer ist schon so blöd und reicht dem Fürst der Finsternis die Hand? Eine Wagenburg bewegt sich halt nicht mehr vorwärts, bis die Indianer tot sind. Oder die Cowboys.

    Fünf Euro in die Metaphernkasse.

    P.S.: Ich denke bei Konzentrationslagern nicht unbedingt an Auschwitz, weil Birkenau ein ausdrückliches Vernichtungslager und damit der “Punkt” der Nazis war, der daher meines Erachtens genau von Konzentrationslagern differenziert werden muß, die es ja schon länger gab. Aber dieser Unterschied mag in der Öffentlichkeit nicht so transparent sein.

  2. Björn Says:

    Aber ein Kinski ist einfach eine ungleich packendere Figur als ein Buddha. Und es ist ungleich leichter, die Keule rauszuholen, als ein Lächeln.

    Ich sage ja gar nicht, dass man sich im ursprünglichen Text nicht auch mal aufführen darf wie ein Arschloch oder polemisch vom Leder ziehen sollte. Hey, gerade wenn mir mal wieder ein Film nicht gefällt. Hey, diese Kategorie habe ich nur eingerichtet um mal richtig auf die Kacke hauen zu können. Aber wenn dann daraus eine Debatte entsteht, dann sollte man halt schon in der Lage sein, seine eigene Polemik nicht für bare Münze oder das Wort Gottes zu halten.

    Wenn man mal den Kinski gibt und mal den Buddha (anders als Kinski selbst, der war ja mal Kinski und mal Jesus), dann ist der Sache schon sehr geholfen. Hey, hier hat’s ja scheinbar nach dem dramatischen “sich gegenseitig an die Köppe geben” im Anti-Anti-Anti-Amerikanismus-Post auch funktioniert.

    In den USA sind mittlerweile, wie ich höre, die große Mehrheit der Wahlwerbespots negativ, also den politischen Gegner herabwürdigend.
    Weil sie weit besser wirken als bedächtige, positive Eigenwerbung.

    Wobei auch das ehrlich gesagt kein neuer Trend in der Politik ist. Das reicht mindestens bis zur McKinley gegen Jennings Bryan Kampagne zurück, wahrscheinlich noch weiter. Aber die Form die das in den USA angenommen hat (und wenn wir wirklich immer ein paar Jahre hinterher hinken hier annehmen wird), dass jede politische Seite ihre eigenen Fernseh- oder Radiosender hat, das nur dazu da sind, die eigene politische Meinung zu bedienen und den politischen Gegner immer schlecht zu machen, das ist wahrscheinlich eine neue Qualität des Ganzen.

    Ich denke bei Konzentrationslagern nicht unbedingt an Auschwitz, weil Birkenau ein ausdrückliches Vernichtungslager und damit der “Punkt” der Nazis war, der daher meines Erachtens genau von Konzentrationslagern differenziert werden muß, die es ja schon länger gab.

    Ich hatte noch überlegt ob ich auf die Sache mit dem “Vernichtungslager” noch gesondert erwähnen sollte. Nun, dann halt hier: Ausschwitz war aber ursprünglich mal ein Konzentrationslager. Und, so würde ich argumentieren, in der öffentlichen Wahrnehmung ist Auschwitz als “Konzentrations- und Vernichtungslager” abgespeichert. Aber da mag mich mein Gefühl auch trügen.

    Ich glaube aber, dass mein Kritikpunkt mit dem “Kontext KZ” auch valide bleibt, wenn man “nur” an Dachau oder Ravensbrück denkt.

  3. lala Says:

    wie andi das gesagt hat, sarkasmus und Hohn sind die besseren Aufmerksamkeitshäscher als Sachlichkeit. Was die ‘Entwicklung’ erklärt, aber noch nicht unterstützenswert macht. (war es vllt nicht immer schon so - weil es menschlich ist, nur die Platformen haben sich geändert?). Aber trotzdem würde ich das im blogeintrag gesagte vollkommen unterschreiben. es kann nunmal nicht alles Infotainment sein.

    Aber in einem grundsätzlichen Punkt hätte ich den Fokus des beitrags etwas verschoben; die Blogosphäre seh ich einfach nicht als Medium an, dass in breiten Bevölkerungsschichten meinungsbildend wirkt - dazu hat das Internet viel zu sehr den Ruf als Hort von Schreihälsen bekannt. Was hier geschrieben wird, wird meistens nicht so heiß gegessen wies gekocht wird.
    Und dann komme ich auf die eingangs erwähnte Verschiebung des Fokus’ zurück: Den unsere Zeitungen machens doch nicht anders.

    Und jetzt fang ich an auszuholen: ich bin erst 22, überblicke nun wahrlich nciht die ganze große zeitgeschichte: Ich glaube eine Entwicklung in der Medienbrance zu sehen, die immer mehr dazu übergeht genau die Hysterie zu schüren, von der Du gesprochen hast - wir müssen die Leute heute mit der Apokalpyse schocken.
    Was morgen ist, ist scheißegal. Erschwerend kommt hinzu, dass Blätter, die ich als kleiner Junge für den heiligen Gral des Journalismus gehalten habe, da mittlerweile mitmachen: Man nehme da den Spiegel. (ich bin 22, weiß also nicht ob das eine Entwicklung der medien ist oder sich nur meine wahrnehmung verändert hat). Und wenn Blätter wie der Spiegel anfangen auf den Hysterie-Zug aufzuspringen, dann glaube ich ist das eine wirklich schlechte Entwicklung für jeden, der _vernünftige_ informationen haben möchte.

    ich hoffe mein punkt ist klar geworden: Was die Blogs, die von hunderten gelesen werden, verzapfen, verzapfen Medien in deutlich größerem Stil - nur mit denselben Stilmitteln. Und das ist mir so richtig bei der auch von Dir erwähnten Vogelgrippe aufgefallen: Heute sterben wir alle, morgen ist das Gleiche Thema total Banane. Who the fuck is SARS?

    Wenn Zeitungen dann erstmal angefangen haben die Hände in die Luft zu schmeißen und panisch schreiend anfangen im Kreis zu rennen (kennt noch jemand die Ziviliten aus C&C2 - die am Anfang von Schießereien genau diesen Move auch gemacht haben? An die denke ich dan immer). Was passiert dann? Dann müssen Politiker reagieren. Und mit ‘reagieren’ meine ich ‘panisch zusammen mit den Zeitungen im Kreis rennen und mit den Händen in der Luft schaufeln’.

    Beispiel? Vor 8 Jahren ereignete sich eine schlimme Sache: Ein Kind wurde von einem Dobermann (ich glaube) zu Tode gebissen. Die Zeitungen haben die Lunte gerochen und den Paniktanz aufgeführt. Die Politiker nahmen die Einladung zum Tango an (in dem Falle die Bärbel-Höhn, wenn ich mich recht erinner): Und es wurden schnell Gesetze beschlossen: Ein Gesetz, das vorschrieb, dass Besitzer eines Kampfhundes diesem einen Maulkorb verpassen müssten und das im Falle von ‘verhaltensauffälligkeiten’ selbiger Hund zum ‘Wesenstest’ müsse. Tolle Sache. Problem: Deklariert der hundebesizer seinen Dobermann aber als mischling ist er ganz raus aus der Sache: Kein Maulkorb. Kein gar nix.

    Und das war nun mit Sicherheit das haarsträubendste Beispiel dafür, dass Hysterie der Medien zu absolut bescheuerten Reaktionen seitens der Politik geführt hat - und da fängts dann wirklich an schlimm zu werden. Ich glaub das Hundebeispiel ist deswegen so schön, weil es die Mechanismen auf kleiner Ebene zeigt, ohne ne emotional aufgeladene Diskussion anzuzetteln.

  4. henteaser Says:

    LOLZ @ Perlenhalskette!

  5. lolzistgeil Says:

    die statue sieht geil aus. wer was anderes sagt, ist impotent. nur das zählt… traurigerweise nur für mich -.-

    und das mit der hysterie.. was das nicht schon immer so? lynchmob im wwwest? liegt in der natur des meschen. ist schon toll so ^^

  6. Björn Says:

    @lala:

    die Blogosphäre seh ich einfach nicht als Medium an, dass in breiten Bevölkerungsschichten meinungsbildend wirkt - dazu hat das Internet viel zu sehr den Ruf als Hort von Schreihälsen bekannt. Was hier geschrieben wird, wird meistens nicht so heiß gegessen wies gekocht wird.
    Und dann komme ich auf die eingangs erwähnte Verschiebung des Fokus’ zurück: Den unsere Zeitungen machens doch nicht anders.

    Richtig, das Netz hat den Ruf. Nicht zuletzt weil es auch zum Internet eine gern gepflegte Hysterie gibt. Du weißt schon: “Alles potentielle Amokläufer, Kinderschänder, Bombenbauer und Aufmerksamkeitsnutten ohne Leben.”

    Aber ich meine mit Hysterie ja auch gar nicht, dass Blogger im Stande sind eine Massenhysterie zu starten (wobei sie sicher eine sich entwickelnde Hysterie noch unterfüttern können… siehe PI), sondern ich wollte auf etwas anderes hinaus: Das die Massenmedien zu einem nicht zu unterschätzenden Teil ihre Auflage aus Geheische und Hysterie beziehen und das sich sowas leider inzwischen auch gerne mal auf die Magazine von ARD und ZDF ausweitet, das ist ja nichts Neues.

    Aber bei den meisten Bloggern die ich lese (siehe Sidebar) habe ich das Gefühl, dass sie intelligente Menschen sind die schreiben, weil sie wirklich etwas zu sagen haben. Gerade hier sehe ich die Stärke des Internets, das man sich viel leichter mit hellen Köpfen austauschen kann, auch wenn man deren Meinung nicht teilt. Und immer wenn das Verloren geht, weil wir uns gegenseitig hochpushen oder anfangen uns einfach nur noch an die Köpfe gehen über so eine Hot-Button-Issue, dann ist das wirklich bedauerlich.

    ich bin 22, weiß also nicht ob das eine Entwicklung der medien ist oder sich nur meine wahrnehmung verändert hat

    Frag mich nicht, ich bin nur drei Jahre älter. Aber nach dem was ich an älteren Ausgaben des SPIEGELs gesehen habe, hat sich da schon ein Wandel eingestellt. Ob das nur durch die Konkurrenz Focus kommt, oder ob da die Ideologie des Onlie-Ablegers (der wirklich primär boulevardesk ist), das mächte ich nicht beurteilen.

    Und das war nun mit Sicherheit das haarsträubendste Beispiel dafür, dass Hysterie der Medien zu absolut bescheuerten Reaktionen seitens der Politik geführt hat - und da fängts dann wirklich an schlimm zu werden.

    Florida Rolf. ZEITUNG bekommt Sozialneid. Andere Boulevardmagazine, zum Teil auch die “ernste” Presse springen auf. Schröder prescht neues Gesetz durch und wird gefeiert. Resultat: Sozialhelfeempfänger wohnen nicht mehr im Ausland, aber der Staat zahlt jetzt mehr als vorher. Nur, wie schon oben geschrieben: Hier ging’s mir eben darum, dass ich sowas in Blogs noch ärgerlicher finde, weil die meisten Blogger es doch besser wissen sollten.

    ***

    @hen:

    Und ich habe extra darauf verzichtet den Link zu setzen… tsk, tsk, tsk…

    ***

    @lolzistgeil:

    Danke dass du dabei hilft das Diskursniveau hier im Blog so weit oben zu halten.

  7. lolzistgeil Says:

    die aussage meines comments ist nicht minder zu bewerten als zwei seiten textes deinerseits.

    du in kurz: die statue ist ein affront an die frauen und ein missgriff der industrie.
    ich in kurz: die statue sieht toll aus. evolutionbiologisch betrachtet sind die maße der frau toll, plus ihre kleidung, plus ihre stellung. zieht die verbindungen zur sexualität selber…

    du in kurz: hysterie im inet, medien ist neu in der qualität und der sache nicht dienlich.
    ich in kurz: hysterie ist alt. ergo dein beitrag für mich persönlich nicht relevant. zwar nach geltendem recht existenzberechtigt aber ich darf ja auch meine meinung kund tun…

    erkläre mir warum mein beitrag das “diskursniveau” auf dieser pseudo-intellektuellen internetpräsenz so weit oben hält? ich bin doch nicht besser als ihr…

    übrigens haste ein komma vergessen.”Danke (!) dass du dabei hilft das Diskursniveau hier im Blog so weit oben zu halten.” vor dass ;P und es gibt noch einen kleinen fehler…

  8. Björn Says:

    erkläre mir warum mein beitrag das “diskursniveau” auf dieser pseudo-intellektuellen internetpräsenz so weit oben hält? ich bin doch nicht besser als ihr…

    Darum: “die statue sieht geil aus. wer was anderes sagt, ist impotent. nur das zählt… traurigerweise nur für mich -.-”

    Geht primär um den Teil nach dem “wer was anderes sagt”.

    ich in kurz: hysterie ist alt. ergo dein beitrag für mich persönlich nicht relevant.

    Hmm… irgendwo im Text fanden sich auch die Französische Revolution und die Hexenprozesse von Salem. Die sind beide Minuten vor der Wild-Weste-Phase der USA vorgekommen. Soviel zu meiner angeblichen Aussage, dass Hysterie neu wäre. Gut, Hysterie ist kein neues Phänomen. Das Internet ist aber eines. Müssen wir alte Unsitten unbedingt ins Neue Medium transportieren? Oder das auch noch gut finden, nur weil’s ja schon immer so war?

    zwar nach geltendem recht existenzberechtigt aber ich darf ja auch meine meinung kund tun…

    “Zwar nach geltendem Recht”… puh, da hab’ ich ja nochmal Glück gehabt. Nach “geltendem Recht” darf ich auch meine Meinung zu deiner Meinung bekunden. Habe ich oben gemacht, mache ich hier gerade wieder. Und du darfst natürlich gerne deine Meinung zu meiner Meinung zu deiner Meinung bekunden. Da bin ich hier im Kommentarbereich ziemlich tolerant.

    Ach eine Sache noch: Bei aller Toleranz würde es mich freuen, wenn man hier mit einer real existierenden E-Mail-Adresse diskutiert. Wenn man seine Meinung sagt, dann sollte man zumindest so weit dahinter stehen.

  9. lolzistgeil Says:

    “du in kurz: hysterie im inet, medien ist neu !in der qualität! und der sache nicht dienlich.”
    +
    “(…)Soviel zu meiner angeblichen Aussage, dass Hysterie neu wäre.”

    =) ts ts ts.. mein text war viel kürzer als deiner und trotzdem haste im anflug von aggression/gereizheit (meine vermutung) den inhalt überlesen.
    —————

    “Müssen wir alte Unsitten unbedingt ins Neue Medium transportieren?”
    +
    “liegt in der natur des meschen”

    diese unsitte liegt in der natur des menschen. die commies haben versucht arbeit als spaß hinzustellen… deren aussage war, dass jeder zur arbeit gehen wird, weil es menschliche natur ist. sie haben sich geirrt und ich bin zeuge aus zweiter hand… ob es sich lohnt es zu versuchen? ja. aber mein comment ist ja nur ein sarkastisch-pesimistische meinung. imho…
    —————

    “Geht primär um den Teil nach dem “wer was anderes sagt”.”
    und
    “Oder das auch noch gut finden, nur weil’s ja schon immer so war?”

    …blanke provokation… hat ähnlichkeiten mit hysterie ;)
    ————–

    “(…)real existierenden E-Mail-Adresse(…)”

    Innenminister Strangelove… hast ja meine ip addresse schon und ich bin zu faul proxies zu nutzen…

  10. S. Says:

    Ich denke was der Diskussion um die Statue abgeht ist der Sinn dafür dass es sich zwar um eine eindeutig sexualisierte Darstellung einer Frau handelt, dazu aber weder die Form einer hilflosen, schutzbedürfitgen “damsel in distress” noch der Archetyp einer geistig minderbemittelten “blonde/brunette bimbo” benutzt wird. Im Gegenteil, Blick und Kleidung vermitteln eher das Bild einer aufgeklärten, selbstbewussten, postfeministischen Frau, die sich ihrer Sexualität bewusst ist und diese auch offensiv nutzt, wie auch immer man das dann wieder bewerten will. Das ist nicht Wilma Flintstones Rollenverständnis, sondern das eines Spice Girls. Das Waschen des Spiderman-Kostüms ist in diesem Kontext für mich eher als ein postmodernes Zitat zu sehen durch das mit dem klar überwundenen aber eben wie die Diskussion zeigt, noch allen präsenten Klischee ironisch gespielt wird.

    Zum übrigen Text: Sehr wahr, aber leider ein Problem mindestens so alt wie Aristotles Rhetorikbuch und es bleibt meiner Meinung nach nur festzustellen, dass wir eben trotz Habermas’ BILD-Bloglob auch im Netz von einem idealen Diskurs weit entfernt sind. Klingt zwar defätistisch, aber wieso sollte das in der Masse ausgerechnet im Internet anders sein? Einem Medium dem wir Begriffe wie “Troll” oder “flamewar” verdanken?
    Trotzdem würde ich dem Text viele Leser wünschen und deshalb nur noch kurz: Pandemie ohne ä.

  11. Björn Says:

    @Lolz:

    =) ts ts ts.. mein text war viel kürzer als deiner und trotzdem haste im anflug von aggression/gereizheit (meine vermutung) den inhalt überlesen.

    Das hat mit Aggression wenig zu tun. Dafür reichte dein Kommentar dann doch noch nicht, da habe ich schon härtere Gefechte geschlagen (darum auch dieser Kommentar). Aber du hast Recht, ich habe das “in dieser Qualität” beim Lesen nicht dem “neu” zugeordnet.

    diese unsitte liegt in der natur des menschen.

    Deinen Pessismus teile ich ja bedingt sogar, aber die Sache mit der “Natur des Menschen” ist mir auch zu schlicht. In der Natur des Menschen liegt es auch, dass man einen anderen Menschen niederschlägt, wenn er etwas hat, dass man selber gerne hätte. Innerhalb der Zivilgesellschaft ist das trotzdem die Ausnahme, nicht die Regel. Also, man sollte in der Zivilgesellschaft auch in der Lage sein einigermaßen zivilisiert zu diskutieren ohne gleich den totalen Wortkrieg vom Zaun zu brechen.

    Innenminister Strangelove… hast ja meine ip addresse schon und ich bin zu faul proxies zu nutzen…

    Deine ip will ich aber nicht und das hat wenig mit Innenministerdenken zu tun. Das hat für mich etwas mit grundlegender Höflichkeit zu tun: Wenn ich irgendwo diskutiere, dann wäre es nett wenn das nicht in totaler Anonymität stattfindet. Ohne dir da was zu wollen, ich tue Leute die keine E-Mail-Adresse hinterlassen beim diskutieren eher in die Schublade “Troll” als Menschen die auch “unterschreiben” was sie beitragen.

    ***

    @s:

    Im Gegenteil, Blick und Kleidung vermitteln eher das Bild einer aufgeklärten, selbstbewussten, postfeministischen Frau, die sich ihrer Sexualität bewusst ist und diese auch offensiv nutzt, wie auch immer man das dann wieder bewerten will.

    Hatte ich im Text eigentlich geschrieben, dass Mary Jane in den Comics als Supermodel arbeitet? So weit wie du würde ich aber nicht gehen, ich verstehe auch wirklich dass man sich bei der Kombination “Sexobjekt + Hausarbeit” an den Karren gefahren fühlt, aber wie gesagt: Das Bruhaha geht mir viel zu weit. Cheesecake, halt…

    Klingt zwar defätistisch, aber wieso sollte das in der Masse ausgerechnet im Internet anders sein? Einem Medium dem wir Begriffe wie “Troll” oder “flamewar” verdanken?

    Je größer die Zahl der Leser, Nutzer, Kommentatoren desto geringer die allgemeine Qualität. Dem würde ich zustimmen: Siehe die Probleme, die die Wiki inzwischen plagen. Aber ich habe den Text geschrieben, weil ich teils Blogs lese die von intelligenten Menschen geschrieben werden, die eindeutig von intelligenten Menschen gelesen werden und die nicht das Problem haben, dass sie von zu vielen Nutzern überflutet werden… und trotzdem schaukelt man sich da richtig schön gegenseitig in Rage und lässt Diskussionsplattformen zu reinen Schlachtfeldern verkommen.

    Gerade da finde ich’s halt schade, weil gerade da eigentlich das Potential wirklich da wäre sich nicht auf dieses strunzdämliche Geflame einzulassen.

  12. Andi Says:

    Seid Ihr alle jung, ich bin schon 27!

    Hey, hier hat’s ja scheinbar nach dem dramatischen “sich gegenseitig an die Köppe geben” im Anti-Anti-Anti-Amerikanismus-Post auch funktioniert.

    Ohne überheblicher als nötig klingen zu wollen, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nur, weil wir beide die nötigen kulturellen und sittlichen Voraussetzungen dafür mitbringen. Das alte preaching-to-the-converted-Problem.

    Zu Auschwitz noch: das Stammlager Auschwitz I war ein KZ mit bis zu 20.000 Insassen, ja. Aber wer “Auschwitz” sagt, meint in aller Regel Birkenau, das eigens zur Vernichtung gebaute Auschwitz II, in dem bis zu 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden. Daß man mit dem Begriff “Konzentrationslager” nicht leichtfertig umgehen sollte, ist unbenommen.

  13. maloXP Says:

    Kurze Ergänzung zur Geschichte mit Broder, PI und dem Pluszeichen: Die Geschichte geht zurück auf eine Randnotiz in ausschließlich bewusster Zeitung, die noch dazu mit Aspekten gespickt war, die stark an der Seriösität zweifeln ließen. Multiple Satzzeichen, fehlende Ortsangabe usw. Irgendwer bei PI grub das aus, bastelte ein Feature draus, Broder las es und schon stand’s im ideologiestinkenden SpOn-Kommentar. Idealtypische Entstehungsgeschichte einer Urban Legend.

    Dein Artikel gefällt mir gut.

  14. Übers Reden - Citronengras Says:

    [...] Es ist ein gar nicht mal so schmaler Grat zwischen ironischer Zuspitzung als Stilmittel und gelebter Hysterie1. Hin und wieder sollten wir alle mal verschnaufen und die heiße Nadel, mit der immer wieder neu komparative Superlative wie z.B. Nazivergleiche gestrickt werden, im Kasten lassen. Ein guter Beitrag von Björn im agitpopblog, dessen Essenz auch mein Verständnis von Diskursethik widerspiegelt. Nehmt euch etwas Zeit mit zum Lesen. …und ich hoffe, das wird auch in der Art wie hier Themen behandelt werden, deutlich. Beispielsweise in einem Beitrag weiter unten. [↩] [...]

  15. Alp Says:

    …(snip)…
    P: Oh look, this isn’t an argument.
    C: Yes it is.
    P: No it isn’t. It’s just contradiction.
    C: No it isn’t.
    P: It is!
    C: It is not.
    P: Look, you just contradicted me.
    C: I did not.
    P: Oh you did!!
    C: No, no, no.
    P: You did just then.
    C: Nonsense!
    P: Oh, this is futile!
    C: No it isn’t.
    P: I came here for a good argument.
    C: No you didn’t; no, you came here for an argument.
    P: An argument isn’t just contradiction.
    C: It can be.
    P: No it can’t. An argument is a connected series of statements intended to establish a proposition.
    C: No it isn’t.
    P: Yes it is! It’s not just contradiction.
    C: Look, if I argue with you, I must take up a contrary position.
    P: Yes, but that’s not just saying ‘No it isn’t.’
    C: Yes it is!
    P: No it isn’t!
    P: Argument is an intellectual process. Contradiction is just the automatic gainsaying of any statement the other person makes.
    (short pause)
    C: No it isn’t.
    P: It is.
    C: Not at all.
    …(snip)…

    [Monty Python's Flying Circus - Episode 29]

  16. Björn Says:

    @MaloXP:

    Hast du vielleicht noch irgendwo einen Link auf den Originalartikel in Die Presse? Der Link den die PIs benutzen ist inzwischen tot und die Wayback-Machine hilft mir nicht. Da würde mich schon interessieren, woraus dieses Pluszeichen-Tohuwabohu entstanden ist.

  17. maloXP Says:

    Leider find ich auch keine Möglichkeit, die ursprüngliche Pressemitteilung wiederherzustellen. Ärgerlich, ich hätte es damals mal sichern sollen.

  18. B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » So ischt eees! Says:

    [...] Das Thema, das er so, seine eigenen Erfahrungen bei der Debatte über ein für mich völlig uninteressantes Thema reflektierend, hier anspricht, liegt mir auch am Herzen. Er schildert nicht nur den die herkömmlichen Medien so entlarvend kopierenden Reflex der Blogosphäre, sich auf jede Sau draufzusetzen, die einer durchs (Kleinbloggers-)Dorf treibt, er beschreibt auch sehr treffend den Hang der Lautstarken, jegliche Differenzierung zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Da ist keine Mücke klein genug, um nicht doch zum lebensbedrohenden Elefanten aufgeblasen werden zu können (blöde Metapher - ich mag Elefanten). [...]

  19. stefanolix Says:

    Um einen richtigen Aufreger in der deutschen Blogoshpäre zu schaffen, sollte man die oben beschriebene Comicfigur in die Schlankheitsdebatte einführen …

  20. nils Says:

    Zunaechst einmal ein Lob fuer deinen Blog, den ich sehr gerne lese.

    Vielleicht sollte man die Betrachtung etwas systematisieren.
    Das erste Problem ergibt sich schon darin, dass der Uebergang zwischen Sachargument, Polemik und Hysterie fliessend ist. Auch gibt es natuerlich keinen objektiven Massstab, ab wann etwas hysterisch wird. Jemandem hysterie vorzuwerfen, ist im Uebrigen ein Argument in sich.
    Dies im Hinterkopf sollte man vielleicht so vorgehen:
    Zunaechst stellt sich die Frage, ob jemand absichtlich oder unabsichtlich hysterisch ist. Wenn man glaubt dass jemand unabsichtlich hysterisch ist, dann sollte man ihn an der Stelle so sachlich wie moeglich darauf hinweisen. Vielleicht hat man ja damit Erfolg.
    Ich unterstelle Broder, dass er nicht dumm ist. Der weiss genau was er schreibt. In einem solchen Fall kann man natuerlich anfangen zu diskutieren, ob die Hysterie wirklich das beste Mittel ist jemanden zu ueberzeugen Stichwort: preaching to the converted. Wenn jemandem auf seinem eigenem Blog so ist wird man damit eher keinen Erfolg haben.

  21. agitpop - dreißig jahre bombardement sind spurlos an mir vorübergegangen » Blog Archive » Islamophobie und Unfreiheit Says:

    [...] Selbst wenn es Islamophobie nicht geben sollte, es gibt sicherlich inzwischen so etwas wie eine gewisse Islam-Hysterie. Und Hysterie ist, darüber hatte ich ja schonmal geheult, etwas dem wir den Weg in unsere politischen Entscheidungen versperren sollten. Weil hysterische Entscheidungen die Situation normalerweise nicht verbessern, sondern nur noch weiter verschlechtern. Und weil es Leute gibt, die andere Leute gerne und absichtlich falsch verstehen, hier eine kurze Abhandlung was ich mit Islam-Hysterie meine. [...]

  22. LaughingMAn Says:

    Pluzeichen lol

    http://www.arab-math.com/forum/showthread.php?t=114&goto=lastpost

    “In Israel the plus sign used in mathematics is represented by a horizontal stroke with a vertical hook instead of the sign otherwise used all over the world, because the latter is reminiscent of a cross.” (Page 96)

    http://en.wikipedia.org/wiki/Plus_sign#Alternative_plus_sign
    http://www.decodeunicode.org/de/u+fb29/properties

    lol

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