Bayern-Post: Where do we want to go today?
Eigentlich hatte ich ja gedacht, ich warte noch einen knappen Monat und gebe dann mein Bundesligafazit zum Besten. Aber, hey, ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass der FC Bayern (wie mehrfach angedeutet: denen drücke ich die Daumen… ignorieren wir die Ursachen für diese Fehlprägung, halten wir aber auch fest, dass ich mich nicht zu den Schönwetterfans zählen lasse) schon vier Spieltage vor Schluß seinen UEFA-Cup-Platz sicher hätte. Denn die Mannschaft ist (eigentlich) nicht schlecht genug um die neun Punkte Vorsprung auf den 1. FC Nürnberg noch zu verzocken, aber wohl auch nicht gut genug um die fünf Punkte Rückstand auf den VfB Stuttgart noch wett zu machen. Besonders da die Stuttgarter derzeit einen echten Lauf haben. Kann ich also zumindest zum Teil schonmal vorgreifen und mir meinen Frust über die Großkopferten von der Seele schreiben.
Das habe ich ja ansatzweise schon im Jännar gemacht. Richtig lag ich mit meiner Prognose: “[Z]u mehr Titeln wird’s diese Saison wohl nicht reichen.” Gut, theoretisch ist der Meistertitel noch möglich. Theoretisch ist es aber auch möglich, dass die Engländer mal ein Elfmeterschießen gewinnen, anerkennen dass der Ball ‘66 nicht über der Linie war und den Pott zurückgeben oder dass Juve und Milan einsehen, dass das Strafmaß gegen sie ein schlechter Witz war und freiwillig noch eine Saison in der Serie B bleiben, respektive sich mit sofortiger Wirkung aus der Champions League zurückziehen. Möglich. Aber doch eher unwahrscheinlich.
Eine andere Prognose hefte ich mir auch mal als korrekt an die Brust:
Magath schmeißt man achtkantig raus, wegen angeblicher Ideenlosigkeit, weil er die Mannschaft nicht mehr motivieren konnte und weil er taktisch nichts mehr riss. Und wen holt man um das kenternde Boot zu retten? Ottmar Hitzfeld, den man vor zweieinhalb Jahren gehen ließ. Wegen angeblicher Ideenlosigkeit, weil er die Mannschaft nicht mehr motivieren konnte und weil er taktisch nichts mehr riss. Ein derart verschlagener Plan, wie ihn nur das Gespann Hoeness-Beckenbauer-Rumpelstilzchen ausarbeiten kann.
Gut, für drei oder vier Spiele sah es so aus, als wenn Hitzfeld den Bayern etwas Elan mitgeben konnte. Aber das ist vorbei. Als Magath gegangen wurde, da hatte der FCB einen Punkt Rückstand auf Tabellenplatz 3 und war noch in der Champions League dabei. Jetzt können sich die Roten über fünf Punkte Rückstand und ein ziemlich erbärmliches Ausscheiden gegen den AC Milan freuen. Nicht dass ich glaube, dass wir in der Champions League unter Magath im Halbfinale stehen würden (nicht wegen Magath, sondern wegen der Mannschaft)… aber könnte es viel schlechter aussehen wenn man Magath zumindest bis zum Saisonende die Treue gehalten hätte?
Ärgerlicher noch: Die drei oder vier Spiele reichten aus um Hitzfeld gleich mal für die Saison 2007/2008 zu verpflichten. Was absoluter Unsinn ist. Bei allem Respekt den ich für Hitzfeld und seine Leistung habe und so sehr ich mich fremdschäme für die Art wie er damals rausgeekelt wurde… Hitzfeld ist nicht der Mann mit dem wir den Umbruch hinbekommen der derzeit bitter nötig ist. In der jetzigen Situation wird der FC Bayern keinen schnellen Umbruch schaffen, sofern er nicht richtig mit Geld um sich wirft. Und es müsste genug sein damit internationale Spitzenspieler mal ein Jahr freiwillig auf die Champions League verzichten und stattdessen im FIAT-Punto-Clio-Cup (Wortschöpfer: Mark van Bommel) in Donezk ihre Knochen hinhalten. Ein Gutes hat der UEFA-Cup ja: Zumindest lerne ich endlich was über unsere Freunde aus den neuen EU-Ländern.
Wo war ich? Ach ja: Umbruch. Die Lösung Hitzfeld noch für ein Jahr zu halten ist die denkbar Schlechteste. Ich bin mir nicht sicher ob unter Hitzfeld ein echter Neuanfang möglich ist. Aber selbst wenn: Entweder wir halten Hitzfeld länger, damit er Zeit genug hat seine Mannschaft zu formen, oder das nächste Jahr wird noch so ein Übergangsjahr. Denn was wäre die Alternative? Klar, Hitzfeld kann sich eine neue, hungrige Mannschaft basteln. Und der Trainer der dann 2008/2009 den Laden übernehmen würde, stünde vor vollendeten Tatsachen und müsste Hitzfelds Konzept folgen statt sein eigenes Konzept umsetzen zu können. Das hat schon Otto Rehhagel vor inzwischen auch zehn Jahren das Genick gebrochen. (Wobei der Hoeneß’ Konzept folgen musste, nicht Trappatonis.) Am Liebsten wäre es mir wenn Ottmar Hitzfeld freiwillig in der nächsten Saison auf den Trainerposten verzichten und der FC Bayern einen kompletten Neuanfang wagen würde.
Immerhin, ein Teil der Probleme mit denen auch Magath zu kämpfen hatte sind keine neuen, kurzfristigen Probleme sondern entstammen noch Hitzfelds erster Amtszeit. Und damit will ich nicht Hitzfelds Erfolge kleinreden, sondern eher deutlich machen, dass auch das Gespann Beckenbauer, Hoeneß und Rummenigge seit dem ersten Abgang Hitzfelds nach der Saison 2003/2004 kein Konzept vorweisen können wie es mit dem FC Bayern weitergehen soll. Die Ära Magath war ein wenig der Spätausläufer der Ära Hitzfeld. So etwas wie die Warmphase zwischen zwei Eiszeiten. Insofern nur passend, dass Hitzfeld jetzt wieder da ist.
Wobei es ja nicht so ist, wie die Süddeutsche konstatiert, dass die Transferpolitik der Bayern total gescheitert wäre. Natürlich gab es in den letzten acht Jahren einiges an extrem unnützen Transfers. Warum man beispielsweise Ciriaco Sforza, einen Spieler mit weniger Bodenhaftung als ein von Doc Brown gebauter DeLorian bei mehr als 88 Meilen die Stunde, nach 1995/1996 nochmal kaufen musste… das werde ich nie begreifen. Die Gebrüder Kovac, Pablo Thiam, Hashemian, Tobias Rau. Keiner der Jungs zündete. Und die über 9 Millionen Euro die man für Thorsten Frings ausgegeben hat fallen auch in die Kategorie: Hätte man besser investieren können. Etwa in BVB-Aktien.
Auf der anderen Seite hat man aber auch Ballack, Sagnol, Andersson, Sergio, Zé Roberto, Roy Maakay und van Bommel geholt, die ihr Geld durchaus wert waren oder sind. Problematisch ist hauptsächlich das Konzept, dass der Verein Spieler einkauft die bei anderen Vereinen überzeugen, die dann aber bei den Bayern eben nicht mehr glänzen, weil sie nicht zum gespielten System passen. Aber schauen wir mal auf den derzeitigen Kader der Roten:
Tor
Die große Hoffnung in der T-Frage, die sich so ja noch gar nicht stellt, ist dass Oliver Kahn nicht vom Uli-Stein-Syndrom gepackt wird und sich selbst davon überzeugt, dass man auch mit über vierzig Jahren noch ein Bundesligator hüten kann. Ich traue Kahn zwar auch jenseits der großen Vier noch gute Leistungen zu, aber sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Die unaufhaltsame Chancenvernichtungsmaschine die Kahn noch vor fünf Jahren war, die ist er heute nicht mehr. Er brilliert immer mal wieder, das Alter hat ihn auch nicht weiser oder besonnener gemacht (gell, Sören Larsen?)… aber Kahn ist - spätestens seit dem WM-Finale 2002 - statt eines Weltklassetorhüters “nur noch” ein sehr guten Torhüter.
Und im Zuge des Umbruchs wäre es wünschenswert wenn Michael Rensing langsam aber sicher an die Position der Nummer 1 herangeführt würde. Anders als Uwe Gospodarek, Sven Scheuer oder Michael Tarnat ist der Mann nämlich mehr als ein bloßer Ersatztorhüter sondern schon der designierte Kahn-Nachfolger. Da sollte man aufpassen, dass er nicht den Stefan Wessels gibt, die Schnauze vom Bankdrücken voll hat und den Verein verlässt. Wie das aussehen kann weiß ich noch nicht so genau. Rensing im DFB-Pokal und UEFA-Cup? Rensing abwechselnd mit Kahn in der Bundesliga? Dass er die nötigen Fähigkeiten hat, bewies Rensig bei seinen beiden Auftritten in der Champions League (beide Male unentschieden gegen den AC Milan). Rensing wird demnächst 23. Ideales Alter für einen Ligatorhüter. René Adler ist immerhin ein gutes Jahr jünger und hat inzwischen bei Bayer Leverkusen den Alt-Nationalspieler Hans-Jörg Butt verdrängt. Der Übergang von der Ära Kahn zur Ära Rensing kann also gerne eingeleitet werden.
Abwehr
Die Abwehr ist eigentlich kein allzu großes Problem, sofern die Spieler auf dem Niveau arbeiten, auf dem sie arbeiten können: Willy Sagnol ist zu Recht der Mann um den die Abwehr gebaut ist und wird das auch bleiben. Den Vertrag bis 2010 wird ihm der FCB nicht umsonst gegeben haben. Wenn dann noch Lucio, Ismael und Lahm solide auftreten, dann ist spielt in der Allianzarena eine der besten Abwehrreihen der Bundesliga. (Besonders da Martín Demichelis auch als Innenverteidiger spielen kann wenn’s sein muss.)
Problem: Diese Saison ist Sagnol der einzige der gezeigt hat, was man von ihm erwartete. Lucio und Daniel van Buyten stehen zwar zusammen auf dem Feld, harmonieren aber nicht. Ismael hätte das Potential zu glänzen, scheint aber seit seiner Verletzung nicht mehr berücksichtigt zu werden. Was erstaunlich ist, wenn man sich die zum Teil absurd schlechten Leistungen von van Buyten (siehe das Spiel gegen den VfB Stuttgart) oder Philipp Lahm ansieht, dessen WM-Bonus inzwischen aber mal sowas von aufgebraucht ist. So sehr ich Lahm auch mag: Noch so eine verkorkste Saison kann er sich nicht erlauben. Schwer zu hoffen, dass die Sommerpause ihm reicht um wieder zur alten Form zurückzukehren.
Der Rest der Abwehr? Mats Hummels, Andreas Görlitz und Christian Lell sind primär dazu da, dass die Bayern auch dann 11 Mann auf dem Platz haben wenn das Verletzungspech wieder derbe zugeschlagen hat. Wobei es ungemein spannend wird Hummels Debut zu beobachten. Hermann Gerland, der olle Tiger, schwört ja Stein und Bein auf Hummels. Und Lell? LOL! Wie problembeladen die Bayern-Abwehr diese Saison zum Teil war sieht man aber auch daran, dass Lell schon acht Bundesligaspiele absolviert hat, obwohl er offensichtlich noch nicht erstliga- oder gar championsleaguereif ist (Kicker-Durschnittsnote: 4,38).
Trotzdem: Eventuell ein wenig nachrüsten, aber viel mehr sollte da nicht nötig sein. Viel wichtiger als ein teurer Neueinkauf ist hier, dass Lucio, Ismael und Lahm zur alten Form zurückfinden. Der Rest ergibt sich dann schon.
Mittelfeld
Das Bayern-Mittelfeld. Auch bekannt als die Todeszone oder für den Rest der Liga: “Die Bayern haben eins?” Tatsächlich ist das Bayernmittelfeld ein so schwarzes Leistungsloch, dass aus seinem Schwerefeld nicht einmal ein Funken Kreativität entkommen kann. Wenn ich mir oben für zwei richtige Prognosen auf die Schulter geklopft habe, dann muss ich mir jetzt auch für eine total falsche Prognose selbst in den Hintern treten: Ich gehörte zu der Fraktion die Michael Ballack für maßlos überschätzt hielt und der Meinung war, dass es kein allzu schwerer Verlust für den FCB sein würde, wenn Ballack jetzt nach England ginge. Das betonte ich auch während der WM wiederholt.
Tja: Scheißkohl, Weißkohl. Da habe ich ja mal sowas von total daneben gelegen. Nach dem Weggang von Ballack wurde das Bayernmittelfeld vom bayerischen Innenministerium in den Katastrophenschutzbericht 2007 aufgenommen. Ganz im Ernst: Es ist so schlecht. Und es wird - sofern nicht bald gehandelt wird - 2007/2008 eher schlimmer als besser. Neben Ballack müssen wir den Wegfall von Deisler, Salihamidžić und Scholl kompensieren.
Sicher, keiner der drei war zuletzt ein so unglaublich wichtiger Stammspieler wie Ballack es war, aber das sind trotzdem Rückschläge. Deislers Verlust wird noch am ehesten zu kompensieren sein, hat er ja bei den Bayern wegen seiner gesundheitlichen Probleme noch nie glänzen können. Was aber mit ihm geht ist ein Stück Hoffnung, dass “Basti Fantasti” irgendwann seine Schwierigkeiten in den Griff bekommt und doch zu der Form findet, die man seit Jahren von ihm erwartet hatte. Dass er seiner Rolle als Fußballmessias gerecht wird. Tja, dumm gelaufen. Wobei ich den größten Respekt vor Deislers Entscheidung habe aufzuhören und sich nicht vom Sport kaputtmachen zu lassen. Aber das ist ein potentieller Hoffnungsträger weniger.
Auch Scholl war ja seit Jahren nur noch Edelreservist und gesundheitlich nicht in der Lage ein ganzes Spiel durchzuspielen… aber er war einer der besten Edelreservisten der Bundesliga. In seinen halbstündigen Auftritten hat Scholl noch mehr Kreativität und Einsatzwillen gezeigt als so mancher gesunde Jungspund im diesjährigen Mittelfeld. Ich kann nur wiederholen wie ungemein schade es ist, dass Mehmet Scholl wegen seiner gefühlten zwei Millionen Muskelfaserrisse nie das Potential ausschöpfen konnte, das in ihm schlummerte. Scholl hatte das Potential mal in einem Atemzug mit den ganz großen des deutschen Fußballs genannt zu werden. Und: Auch wenn Scholl beim KSC angefangen hat ist er einer der wenigen Spieler, die wirklich zum FC Bayern gehören. Damit verliert der Verein auch ein Aushängeschild.
An ganz anderer Front: Man wird alt wenn der erste Jungstar dem man damals zugejubelt hat in den Ruhestand geht. Kann der Mann mit dem lichten Haar der jetzt abtritt, wirklich der wuschelköpfige Jungspund sein, wegen dem damals die Bayern-Praktikanten einen ganzen Jahrgang des FC-Bayern-Jahrbuchs mit dem Edding schwärzen mussten? (Weil Scholl als Lebensmotto angab: “Hängt die Grünen auf solange es noch Bäume gibt.”) Adios, Scholli, du wirst wirklich fehlen.
Das gilt auch für Brazzo Salihamidžić, den deutschesten Fußballspieler den Bosnien-Herzegowina je gesehen hat. Und das meine ich positiv: Brazzo gehört zu den Spielern, die ich auch gerne im DFB-Trikot gesehen hätte. Immerhin verkörpert Brazzo einen ehrlichen Arbeiterfußball der immer gut ankommt. Klar, er ist nicht der technisch beschlagenste Spieler, aber wenn ich mich zwischen der Verpflichtung eines genialen Schönspielers wie Cristiano Ronaldo und einem soliden Fußballmalocher wie Salihamidžić entscheiden müsste, ich würde nicht lange nachdenken. Diese Einstellung sich immer voll reinzuhängen, selbst an Spieltagen an denen man Kacke am Schuh hat (wie Andi Brehme das ausdrückte), die wird im Bayernmittelfeld fehlen. Einen guten Fang den ihr da gemacht habt, Juventus Turin. Und alles Gute an Brazzo.
So, das war. Was bleibt? Das Positive ist, dass wir immer noch einen ehrlichen Malocher im Mittelfeld haben: Mark van Bommel. Der definitiv beste Einkauf der letzten Saison und so ziemlich das einzig Gute im Mittelfeld der Bayern. Van Bommel kniet sich rein, versucht mitzureißen und geht ordentlich dazwischen. Ohne van Bommel, ich denke soviel kann man sagen, wären die Bayern nicht im Viertelfinale der Champions League angekommen. Und damit meine ich jetzt nicht speziell van Bommels Rechtsschuß zum 3:2 kurz vor Spielende in Madrid.
Nur ist van Bommel alleine ein bisschen wenig. Kampfgeist ersetzt nicht in jeder Situation Feinsinn, van Bommel ist eher nach hinten als nach vorne ausgerichtet und zu van Bommels Kampfgeist gehört auch, dass er in jedem Spiel potentiell zwei bis drei gelb- bis rot-verdächtige Momente hat. Was nutzt einem ein wichtiger Spieler im Mittelfeld, wenn er in entscheidenden Spielen fehlt (siehe Champions League)?
Und neben ihm steht es diese Saison ziemlich schlecht um das Mittelfeld. Demichelis und Ottl sind bisher unauffällig. Ali Karimi ist so unauffällig, dass ich ganz vergessen hatte, dass er noch im Bayern-Kader ist. Julio Dos Santos ist schon nicht mehr im Bayern-Kader sondern verletzt bei den Wolfsburgern. Und Bastian Schweinsteiger sitzt zusammen mit Philipp Lahm im Post-WM-Loch und muss zusehen, dass er da ganz schnell wieder rauskommt. 2006/2007 war eine verlorene Saison für Schweinsteiger. Dass man sein Fehlen trotzdem bemerkte, wenn er mal nicht dabei war, spricht auch stark gegen den Großteil des restlichen Mittelfelds.
Bleibt Owen Hargreaves. Oder besser: Bleibt Owen Hargreaves? Im Raum steht ein Angebot von 30.000.000 Euro. Das ist eine Stange Geld, gerade nachdem Hoeneß und Rummenigge probiert haben die Liga davon zu überzeugen, dass das Aztekengold unter der Allianz-Arena so zahlreich vorhanden ist, dass man Top-Spieler wie Ballack oder Zé Roberto auch ohne Ablösesumme wechseln lassen kann. Zudem liest man, dass Hargreaves lieber heute als Morgen für ManU auflaufen würde. Bringt es etwas einen Spieler zu halten der nicht mehr für den Verein spielen will? Sein Vertrag läuft noch bis 2010. Und das Mittelfeld ist derzeit so labil, dass ich nicht sicher bin ob wir es uns leisten können einen soliden Spieler wie Hargreaves gehen zu lassen ohne es noch weiter zu schwächen. Schwierige Kiste. Kommt drauf an ob man die 30.000.000 in vielversprechenden Ersatzspieler investieren kann.
Aber investiert werden muss. Das Mittelfeld ist die Großbaustelle des FCB und wenn hier nicht nächste Saison eine ganz große Trendwende einsetzt, dann spielen wir wieder nur um einen UEFA-Cup-Platz. Van Bommel ist die derzeit wichtigste Mittelfeldstütze und bei Schweinsteiger bleibt die Hoffnung dass er schnell wieder an alte Leistungen anknüpfen kann. Mit Demichelis, Ottl und eventuell Hargreaves wäre das gerade mal ein Mittelfeldanzug den die Bayern hätten.
Da müssen mindestens noch drei oder vier neue Spieler ran. Und ganz wichtig: Eine neue Nummer 10. Ein Regisseur. Einer der die Mannschaft zieht, treibt und motiviert… und dabei spielerische Impulse nach vorne setzt. Ein Techniker. Im Grunde genommen könnten sich dieser anonyme Traumspieler und van Bommel das Mittelfeld teilen. Mr. X macht nach vorne Druck während van Bommel nach hinten sichert. In der Rolle hätte ich mir Franck Ribéry vorstellen können, aber der Zug ist wohl abgefahren. Irgendwas in dieser Richtung muss aber unbedingt passieren und irgendwer muss das Mittelfeld aus seinem Dornröschenschlaf erwecken. Das sollte für die Saison 2007/2008 die zentrale Kaufentscheidung für Uli Beckennigge sein.
Sturm
Der Sturm ist kein echtes Problem. Zumindest kein eigenständiges. Was nicht bedeutet, dass man nicht gegen ein entscheidendes Problem antrainieren sollte: Die Chancenverwertung. Respektive: Der eklatante Leichtsinn mit dem (allerdings nicht nur) die Stürmer Großchancen verschenken. Roy Makaay ist einer der besten Stürmer Europas und sein Geld absolut wert. Aber in dieser Saison hatte “das Phantom” gelegentlich Spiele bei denen man glaubte, er würde es schaffen einen auf der Torlinie ruhenden Ball noch neben den Kasten zu jagen.
Gleichzeitig ist das Problem im Sturm aber auch zu großen Teilen eine Verlängerung des Mittelfeldproblems. Makaay ist kein auffälliger, mitspielender Stürmer sondern muss aus dem Mittelfeld gefüttert werden. Wenn der Gegner das Mittelfeld neutralisiert, keine Seltenheit in dieser Saison, dann sitzt auch Royma auf dem Trockenen. Und trotzdem bleibt Makaay der wichtigste und vielleicht beste Bayernstürmer seitdem Giovane Élber 2003 nach Frankreich ging.
Claudio Pizarro (was der ist auch schon seit 2001 bei uns?) wird uns wohl nicht mehr allzu lange erhalten bleiben: Der klassische, ausländische Bayernstürmer der Mittneunziger. Hochgelobt. Eigentlich brandgefährlich. Nur in München, da hakt es dann irgendwo. Erinnert mich an Alain Sutter, Adolfo Valencia, Ruggiero Rizzitelli oder Schopapapa… äh… Jean-Pierre Papin. Lukas Podolski formtiefelt derweil zusammen mit Schweinsteiger. Zumindest darf er unter Hitzfeld auch mal ran und ist nicht zum Bankdrücken verdonnert. Wenn Schweinsteiger wieder zur alten Form findet, dann dürfte auch Podolski davon profitieren. Also, Hoffnung dass Schweindolski 2007/2008 die Liga erschrecken lässt.
Ach ja: Wer aus total unerfindlichen Gründen auch immer noch regelmäßig auf den Platz darf - und zwar nicht zum Rasen mähen oder um Roy Makaay das Wasser zu reichen - ist Roque Santa Cruz. Wir erinnern uns: 1999 für zehn Millionen Deutschmark als Jahrhunderttalent gekauft. Der Pele von Paraguay und so. Jahrhunderttalent heißt: Wenn wir noch knappe 92 Jahre warten, dann sehen wir sein Talent. Santa Cruz ist inzwischen 25 Jahre alt, der Plan ihn zum Ballack-Nachfolger zu machen ist… sagen wir’s vorsichtig… nicht ganz so geglückt wie erhofft. Und als Stürmer bleibt Roque weit unter dem Ligaschnitt. In den letzten drei Spielzeiten hat Santa Cruz in 51 Partien (BuLi, CL, DFB) ganze fünf Buden gemacht. Damit braucht er also im Schnitt nur 10,2 Spiele pro Tor und ist daher torgefährlichste Torwart der Welt. Scheiße nur, dass er im Sturm spielt. Zumindest haben ihm die Sportfreunde Stiller ein Lied gewidmet und zumindest war er auf der Packung von Pro Evolution Soccer 6 zu sehen. Auch ‘ne Leistung.
Ganz im Ernst, ich will nicht alles Elend der Bayern auf Roque Santa Cruz schieben… aber ich begreife nicht warum Hitzfeld so an dem Knaben festhält. Vielleicht wird Santa Cruz im Ausland glücklich oder bei Wolfsburg, so wie Mohamed Zidan ja auch bei Mainz besser aufgehoben ist als er es in Bremen je sein könnte. Aber, fuckinell, im Bayern-Sturm wird der Junge nichts mehr. Wir haben bessere Spieler für lau gehen lassen, da wird es doch sicher einen Verein geben der gewillt ist den Paraguyaner zu nehmen.
Mit Makaay und Podolski haben wir eine gute, erste Besetzung im Sturm. Ich bin noch nicht sicher ob der Kauf von Jan Schlaudraff wirklich klug war. Sieht nach dem typischen Kaufverhalten der letzten Jahre aus: spielt woanders gut, also holen wir ihn erstmal. Was auch das Interesse an Miro Klose erklären könnte. Oh hey, Mainz: Schon geschaut ob Zidan seine Wohnung gekündigt hat? Aber, okay, möglicherweise setzt sich Schlaudraff bei den Bayern durch und einen lauffreudigen Stürmer können wir vorne echt gebrauchen.
Was nicht bedeutet, dass da nicht noch ein anderer (mitspielender) Sturmtransfer drin ist: Konkurrenz belebt das Geschäft und in dieser Saison hätte es richtig finster ausgesehen wenn sich Makaay irgendwann eine Verletzung zugezogen hätte. Denn, wer hätte ihn da vorne ersetzen sollen? Podolski? Santa Cruz? Pizarro hätte das Potential, schöpft es aber seit Jahren nicht mehr aus. Also, ein Spieler neben Schlaudraff kann da noch rangeholt werden.
Ausblick
Sechs bis acht neue Spieler hat Hitzfeld angekündigt. Dringend nötig. Die bisherigen Transfers fallen alle unter die Kategorie “pfft”. Da wird von Ribéry und Luca Toni geschwafelt… und dann holen wir Schlaudraff und Altintop. Beides Spieler bei denen ich noch nicht so Recht sehe wo sie ins Konzept passen. Dann wiederum: Ich sehe noch gar kein Zukunftskonzept, insofern passt das doch schon wieder. Zu Jose Ernsto Sosa kann ich nichts sagen. Aber die Wortkombination “Talent”, “Südamerika” und “Bayern” sorgt bei mir immer für ein flaues Bauchgefühl. Das kann man Erfahrung oder Pessimismus nennen.
“Übergangssaison” nannte das Präsidium diese Spielzeit. Wenn der FCB nicht aufpasst, dann ist sie der Übergang von der Tabellenspitze ins Mittelfeld der Bundesliga. Wie schnell der Absturz bei einer versauten Transferpolitik kommen kann, dass kann man beim BVB sehen. Vor zehn Jahren noch Gewinner der Champions League und diese Saison Abstiegskandidat. Kein heißer Abstiegskandidat, aber raus aus dem Keller ist man noch nicht. (Trotzdem hat es in der Rückrunde gereicht um gegen die Bayern zu gewinnen. Sagt auch was aus.)
Dank dem Gazprom-Sponsoring ist Schalke auf dem deutschen Transfermarkt jetzt mindestens so gut dabei wie die Bayern mit dem magischen Festgeld. Und in der Scouting-Abteilung zeigen Stuttgart und Bremen wie es besser geht. Die Bayernpolitik der letzten Jahre Spieler zu kaufen die in der Bundesliga überzeugten scheint gescheitert. Das hier ist keine Søren-Lerby-Situation, sondern eher eine kleine Krise wie nach der ersten Spielzeit unter Giovanni Trappatoni 1994/1995. Aber wenn man jetzt nicht handelt, dann kann es schnell zu einer großen Krise werden.
Wie eingangs gesagt: Am liebsten wäre es mir hätte man an der Ursprungsidee festgehalten Hitzfeld nur bis zum Saisonende zu beschäftigen. Der erhoffte Wandel ist nicht eingetreten und ich glaube nicht, dass der nötige Umbruch mit Hitzfeld möglich ist. Ein komplett neuer Trainer der ein von Grund auf neues Konzept mitbringt wäre mir lieber gewesen. So haben wir entweder noch eine Saison im Limbo oder der Hitzfeld-Nachfolger muss das Hitzfeld-Konzept übernehmen. Beides keine idealen Lösungen.
Aber dennoch: Jetzt muss Geld ausgegeben werden. Und nicht nach dem Hoeneß-Rummenigge-Prinzip “Der war letztes Jahr bei Energie Cottbus ‘n Topp-Mann, dann isser vielleicht auch bei Bayern gut” sondern gezielt da wo es brennt muss investiert werdeb. Abwehr und Sturm kommen dabei, so wie ich das sehe, mit kleinen (aber bitte feinen) Ergänzungskäufen aus. Wichtiger wäre dass die Spieler, die der Verein schon beschäftigt, ihr Potential voll ausspielen. Damit wären allen schon sehr geholfen.
Aber im Mittelfeld gibt es keine Entschuldigung mehr um zu knausern: Neben mindestens drei neuen Spielern um Scholl, Deisler und Brazzo zu ersetzen muss ein fähiger, offensiver Spieler her. Einer der in der Lage ist die Mannschaft zu führen wie weiland Stefan Effenberg. Van Bommel schlägt sich wacker ist aber von der Spielkonzeption her einfach nicht der Mann für die offensiveren Impulse, sondern zu sehr damit beschäftigt die gegnerischen Spieler im Mittelfeld in Angst und Schrecken zu versetzen. Ich weiß nicht wer diese Punkte erfüllt (fähig, offensiv, führungsstark), aber da er nächste Saison irgendwo zwischen Donau und Ural die Knochen hinhalten müsste, wird es Zeit dass die Bayern das magische Festgeldkonto anrühren. Ich will ja keine spanischen oder italienischen Verhältnisse, wo man für einen Mittelfeldbrasilianer mehr Geld hinlegt als es kosten würde den ganzen Kader von Mainz 05 am Stück zu kaufen. Da ist die finanzielle Sicherheit des Vereins wichtiger. Aber hin und wieder muss man halt Geld ausgeben um Geld zu verdienen. Siehe Roy Makaay.
Wenn man es schafft das klaffende Loch im Mittelfeld zu schließen, dann ist in München in der nächsten Saison nach oben wieder einiges möglich. Wenn das Loch weiter klafft und gute Spieler wie Lahm, Schweinsteiger, van Buyten oder Podolski auch 2007/2008 weiterhin ihrer Form hinterherlaufen (oder, da sei Gott davor, sich ein Sagnol, Makaay oder van Bommel verletzt), dann ist leider auch nach unten noch einiges möglich. Die arrogante Einschätzung einiger Netzfans, dass Bayern jetzt halt locker aus der Hüfte den UEFA-Cup holt, die teile ich da noch nicht.
So oder so, der Umbruch muss kommen und er wird Geld kosten. Aber mit Festgeld ist es letzlich wie mit Spitzenspielern: Auf der Bank holen sie keine Titel.
***
Der Autor dieses Texts hat keine Ahnung von Fußball, was man daran sehen kann, dass er Bayernfan ist. Er hat allerdings das Vorwort einer Fußball-Comic-Anthologie verfasst und lange genug Pro Evolution Soccer, Bundesliga Manager und Anstoß gespielt um sich als Fachmann in Fußballfragen zu fühlen. “Das was der Réthy oder Beckmann können”, so der Autor in einem kicker-Interview, “das kann ich schon lange.”
Want a second opinion?
*Breitnigge analysiert den Kader.
*Yalcin hat dieses Jahr echt Grund zum granteln.
*Nils: Der Direktvergleich der Bayern 2001 mit den Bayern 2007.

April 25th, 2007 at 10:02 pm
tarnat war nie torhüter
April 25th, 2007 at 10:30 pm
Im Gegensatz zu meinem Vorredner erinnere ich mich noch gut an das Spiel mit Tarnat im Kasten - war das nicht gegen Eintracht Frankfurt? Deswegen habe ich mich auch schlappgelacht bei der Formulierung…
Gut auch: “Bleibt Owen Hargreaves. Oder besser: Bleibt Owen Hargreaves?”
Aber zum Thema: Mein Fußballsachverstand ist sicher noch viel schlechter als der des Autors (womit wir zwei zu den wenigen Deutschen zählen dürften, die nicht der Meinung sind, besser als alle real existierenden Trainer zu sein…). Dennoch oder gerade deswegen mein Senf zu einem Verein, der mich nicht interessiert (bei der Gelegenheit: Wann nimmt Uli endlich seinen Bruder in Zahlung?):
Bayerns Transferpolitik war tatsächlich lange Zeit das Problem. Früher, weil Fehler gemacht wurden. Heute und zukünftig, weil keiner mehr kommt, den man braucht. Money talks, bullshit walks. Bayern muss hier wohl ein wenig von Werder und von den anderen deutschen Klubs lernen. Die Masche, sich irgendwann bei den Scout-Fähigkeiten der anderen Klubs zu bedienen, hat nämlich einen Nachteil: Die meisten Spieler in Deutschland verwechseln das mit dem Erreichen der Zielgerade. Und die, die das nicht tun, sind eh nach wenigen Jahren weg.
Wichtig wäre wohl auch mal ein Konzept: Wie wird bei Bayern München Fußball gespielt? Wer ein Konzept hat, kauft vielleicht auch mal irgendwann die Spieler, die da reinpassen. Und achtet ein wenig auf Mannschaftskompatibilität.
Vielleicht ist es dazu nötig, mal mit einem Trainer durch dick und dünn zu gehen, wenn sein Konzept stimmig ist, statt wie ein DAX-Unternehmen den Kurzfristzielen hinterherzuhecheln.
April 26th, 2007 at 12:51 am
@Rayson:
Yep. Das war ein 2:1 gegen die Eintracht in der Saison 1999/2000, wo Tarnat kurz vor Schluß sogar noch einen gefährlichen Schuß pariert hat. Blieb mir auch im Gedächtnis weil es damals aus irgendeinem Grund von Sat1 live übertragen wurde. (Ich glaube, da durfte Sat1 noch vier oder fünf Spiele pro Saison live übertragen, aber sicher bin ich mir gerade nicht…)
bei der Gelegenheit: Wann nimmt Uli endlich seinen Bruder in Zahlung?
Sobald Hertha eine Saison hinlegt wie anno Tobak Tasmania Berlin. Bei aller Freundschaft: Zwei Hoeneße im Verein? Das wäre dann doch ein Grund meine Loyalität nochmal zu überdenken.
Heute und zukünftig, weil keiner mehr kommt, den man braucht. Money talks, bullshit walks.
Richtig. Wobei starke Stuttgarter, Schalker und Bremer den Bayern auf lange Sicht sogar gut tun können. Denn eines macht diese Saison klar: Das alte Prinzip funktioniert nicht mehr. Bisher hat ja meist ein mittelprächtiger Bayern-Kader ausgereicht um die Bundesliga zu dominieren.
Das klappt diese Saison nicht mehr und motiviert vielleicht dazu genauer nachzudenken, wohin man will. Wenn man da ein festes Ziel vor Augen hat ist man wahrscheinlich auch gewillter mal Geld für Topspieler auszugeben. Was auch international von Nutzen sein sollte, wo ja die Spanier, Italiener und Engländer allen deutschen Vereinen in den letzten Jahren gezeigt haben, wo der Hammer hängt. (Wobei das in Italien natürlich… naja, reden wir nicht drüber.)
Und wie eine ganze Fußballnation untergehen kann, wenn sie nicht mit der Zeit geht, dass hat man ja an Holland sehen können. Wenn ich überlege wie dominant Feyenoord und Ajax auf europäischer Bühne Anfang bis Mitte der Neunziger waren. Ich erinnere mich da finster an eine 5:2 Klatsche, die wir uns damals gegen Ajax in der Champions League eingefangen haben.
Die Masche, sich irgendwann bei den Scout-Fähigkeiten der anderen Klubs zu bedienen, hat nämlich einen Nachteil: Die meisten Spieler in Deutschland verwechseln das mit dem Erreichen der Zielgerade. Und die, die das nicht tun, sind eh nach wenigen Jahren weg.
Richtig. Wobei die Bayern mit Gerland ja eigentlich einen prima Talentscout haben. Und bei Schweinsteiger, Ottl, Rensing, Hargreaves und Lahm hat das Scouting ja geklappt. (Auch wenn Lahm sich seine Sporen als Ausleihspieler natürlich beim VfB Stuttgart verdient hat.) Und mit dem Fußball-Internat hat Bayern ein ganz heißes Eisen im Feuer für zukünftige Talente. Denen muss aber der Platz eingeräumt werden um sich zu beweisen. Was nutzt der talentierteste Spieler der eigenen Jugend, wenn er einen mittelprächtigen und unnutzen Liga-Transfer vor die Nase gesetzt bekommt und dann auf der Bank versauert.
Wichtig wäre wohl auch mal ein Konzept [...] Vielleicht ist es dazu nötig, mal mit einem Trainer durch dick und dünn zu gehen, wenn sein Konzept stimmig ist
Wird kommen müssen und hier wird der FCB mal von Stuttgart und Bremen lernen müssen (Schalke muss erst noch beweisen, dass sie mit dem Geld nicht die alten Bayern-Fehler übernehmen). Und die haben das von den Engländern gelernt. Was ja auch mal wieder passt: In der Bundesliga braucht’s immer ein bisschen länger, bis man sich den Wandel zutraut. (In der letzten Rund gab es einen schönen Artikel warum sich die Viererkette in Deutschland erst Jahre zu spät durchsetzte.)
Ich hoffe ja, dass die Beziehung von Arsenal London zu Arsène Wenger da als Vorbild dienen wird. Der hatte die Zeit und den Rückhalt um die Mannschaft auch längerfristig mal so zu formen wie er wollte. Wobei das Problem der Bayern da der Zerberus Hoeneß, Beckenbauer, Rummenigge sein wird. Wie willst du als Trainer dein Konzept durchsetzen solange das Triumvirat dir einfach so Spieler ins Team setzt oder jede deiner Entscheidungen öffentlich zerredet.
Auch hier die (schwache) Hoffnung, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass das bisherige Konzept (das Management bastelt das Team, der Trainer stellt sie dann auf wie er will) als nicht mehr zeitgemäß angesehen wird und die Bayern sich einen Trainer zulegen, der gewillt ist auch mal mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und dem Dreiergespann zu widersprechen. Und anders als König Otto darf man so einen Trainer dann nicht bei der ersten Kleinigkeit rauswerfen. Aber Hitzfeld wird der Trainer wahrscheinlich nicht sein. Also, mal schauen wer 2008/2009 an der Seitenlinie stehen wird.
April 26th, 2007 at 10:57 am
Selbst wenn der FCB den Vorsprung auf Nürnberg verzocken und hinter Leverkusen und Nürnberg zurückfallen würde, wäre das kein Problem, da Nürnberg und Stuttgart das Pokalfinale bestreiten und in dieser Situation weder der Pokalsieger noch der -finalist den UEFA-Cup-Platz aus diesem Wettbewerb beanspruchen müssten.
Im Ergebnis wird der Tabellen-Sechte der Bundesliga dieses Jahr wohl auf jeden Fall in den UEFA-Cup einziehen. und die 15 Punkte Vorsprung auf Hertha in vier Spielen zu verzocken - dafür ist die Mannschaft in der Tat nicht schlecht genug
April 26th, 2007 at 12:48 pm
Eine schmerzliche aber durchaaus treffende Analyse. Die bisherigen Einkäufe Altintop und Schlaudraff sind für mich ein Witz. Altintop schafft es nicht mal bei Schalke und Schlaudraff muss erst noch zeigen, dass er was drauf hat. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Beide haben nicht das Format, dem FCB unmittelbar weiterzuhelfen und können imho auch nicht den Anspruch erfüllen, den Bayern sich selber zu stellen hat.
Warum ein Lell andauernd spielt, der für Köln zu schlecht war entzieht sich mir vollkommen. Genauso, was ein Roque auf der linken Aussenbahn zu suchen hat. Sein Spiel gegen den VfB war grausam. Für mich ist die einzige mögliche Erklärung, die gegen eine Auswechslung in der ersten Halbzeit sprach die, dass Herr Hitzfeld ihn für irgendetwas bestrafen wollte.
Was Verstärkungen des Mittelfeldes angeht: ein Robben hat schon abgesagt mit der Begründung die deutsche Liga sei ihm zu schlecht. Recht hat er. Mit Ribery gibt wohl auch nichts. Bin mal schwer gesspannt, wen die da noch aus dem Hut ziehen. Hargraeves würde ich auf jeden Fall verkaufen. Erstens will er unbedingt weg, zweitens sind 30Mio ein mehr als gutes Angebot und drittens kann auf der Position auch wunderbar der Demichelis spielen. Ihn sehe ich nämlich im Gegensatz zu dir nicht unbedingt in der Innenverteidigung.
Ach ja. Nach dem klar war, dass die Bayern nächstes Jahr UEFA Cup spielen machte sich in mir Hoffnung breit, dass sich der Kahn das nicht mehr antut. Nichts gegen ihn, er hat viel für den Verein getan, aber jetzt ist Zeit den Rensing mal ran zu lassen. So hat Olli auch mehr Zeit fürs P1.
April 26th, 2007 at 12:57 pm
Grade noch gelesen: Gerüchten zufolge sind sie an Marcell Janssen (10Mio) und van der Vaart (15Mio) dran. Deutlich bessere Wahl als ein Hargreaves.
April 26th, 2007 at 5:19 pm
ich hab die transferpolitik der bayern vielmehr so wahrgenommen, dass sie jeweils immer spieler kaufen, die gegen sie gut gespielt haben.
deswegen hat man auch den rheuma kay geholt - der hat denen mit la coruna seinerzet drei buden eingeschenkt.
ich bin bremenfan .. aber wenn sich eines diese saison gezegit hat, dann dass die schwäche der bayern nicht grad durch die stärke von bremen, bayern und dem vfb herrührt. den in der championsleague hat bremen ganz klar die grenzen in barcelona aufgezeigt bekommen - da waren wir chancenlos.
April 26th, 2007 at 6:26 pm
@surfgard:
Du hast natürlich Recht. Das Finale in Berlin (Berlin, wir fahren nach Berlin) zwischen Nürberg und dem VfB hatte ich ganz vergessen. Das Spiel darf übrigens ruhig der Club gewinnen. Nicht weil der VfB vor Bayern steht, sondern weil Hans Meyer ‘ne verdammt lässige Sau ist.
Wobei: Fünfzehn Punkte in vier Spielen verzocken… in dieser Saison würde ich das nicht ausschließen. Hey, das sah auch mal so aus als wenn diese Saison kein Verein Meister wird, dafür aber zehn Clubs absteigen.
***
@FaFu:
Mit Schlaudraff habe ich mich abgefunden. Wenn er aktiv mitspielt und nicht nur auf Pässe wartet, dann kann er sogar ein solider Bayern-Stürmer werden. So viele Stürmer haben wir ja derzeit nicht. Aber ich bezweifle stark, dass er bei Bayern mehr wird als der nächste Alexander Zickler.
Für mich ist die einzige mögliche Erklärung, die gegen eine Auswechslung in der ersten Halbzeit sprach die, dass Herr Hitzfeld ihn für irgendetwas bestrafen wollte.
Hihi. Das erinnert mich an ein Zitat von Yalcin:
Mit der Einschätzung der Ligastärke liegt Robben so daneben nicht. Der VfB, Bremen und Schalke haben zwar zu den Bayern auf- und sie in einigen Bereichen überholt, aber wirklich überzeugt hat diese Saison kein Club. Schalke, Bremen und Stuttgart hatten alle ihre Schwächephasen und die Bayern… jetzt klingt es wieder arrogant, aber die haben die Meisterschaft selbst verzockt. Und zwar nicht letzte Woche in Stuttgart sondern als sie als Aufbaugegner für schlagbare Mannschaften wie Dortmund, Bochum, Aachen, Hannover oder Frankfurt fungiert haben.
Und dann sollten wir auch nicht vergessen, dass der Abstiegskampf dieses Jahr bis Weit ins Tabellenmittelfeld stattfindet. Und zwar nicht weil die Mannschaften alle so gut sind, dass kein Club verdient hätte abzusteigen.
Van der Vaart und Janssen + fünf Millionen für die Vereinskasse während schon ein Geschäft für das man Hargreaves gehen lassen könnte. Aber wirklich gespannt bin ich ja ob man sich bald mal dran macht das große, ballackförmige Loch zu stopfen. Das sollte eigentlich die vorrangige Transferaufgabe sein.
***
@lala:
In der championsleague hat bremen ganz klar die grenzen in barcelona aufgezeigt bekommen - da waren wir chancenlos
Aber dafür könnt ihr ja jetzt Rache an den kleinen Barceloniken nehmen. International hat sich seit dem Gewinn der Champions League durch die Bayern 2001 ja kein deutscher Verein mehr sonderlich hervorgetan. Ob das allerdings wirklich nur daran liegt, dass Deutschland in der TV-Auswertung nicht so gut weg käme wie Spanien, England oder Italien - was ja gerne mal behauptet wird - wage ich mal zu bezweifeln. Ist sicher ein Faktor, aber nicht der einzige.
April 27th, 2007 at 4:18 pm
Mein Zwischenzeugnis für den FC Bayern…
Es gibt ja kaum einen Beruf, bei dem die jeweilige Leistung der Berufstätigen so oft und so öffentlich bewertet wird wie bei Profi-Fußballern. Fast jeder, der ein Spiel – oder auch nur einen Teil davon – gesehen hat, beurteilt die Ki…
April 28th, 2007 at 5:54 pm
FC Bayern, Deutscher Meister,
ja so heißt er, mein Verein!
Und so war es, und so ist es, und so wird es immer sein!
~
Beziehst du dich in der Überschrift eigentlich auf den Dokufilm, oder auf die leider derzeit pausierenden Montrealer Postrocker?
April 28th, 2007 at 5:55 pm
Ach, da ich gerade nach dem Text noch einmal gesucht habe, einige Zeilen passen ja gar noch besser:
Ob Bundesliga, im Pokal oder in der Champions League
ja gibt es denn was schöneres als einen Bayern-Sieg?
Hier ist Leben, hier ist Liebe, hier ist Freude und auch Leid.
Bayern München! Deutschlands Bester! Bis in alle Ewigkeit!
April 28th, 2007 at 5:56 pm
Beziehst du dich in der Überschrift eigentlich auf den Dokufilm, oder auf die leider derzeit pausierenden Montrealer Postrocker?
Sowohl als auch…
April 28th, 2007 at 6:20 pm
Fein, bei meiner Empfehlung von vor ewig haben sie dir ja, glaube ich, nicht viel gesagt. Wo hast du die Doku her? Teh Internet?
April 28th, 2007 at 6:31 pm
Stimmt, das war bei dem Tool-Verriss. Mir wurde nach meiner Rückkehr in die bündige Republik die f♯a♯∞ gegeben und die hat mich beim Photos sortieren spät in der Nacht sehr überzeugt. Besonders der “Dead Flag Blues” mit den apokalyptischen Samples ist mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Die Doku… neue Medien sind dein Freund. So to speak.
April 29th, 2007 at 1:27 am
Schön und treffend analysiert. Die Spieler die die Bayern dieses Jahr antreiben hätten sollen, spielten einfach nur Käse zusammen: Schweinsteiger, Podolski, Lahm. Der Rest: ebenfalls außer Form, umotiviert oder ohne Moral. Kahn, Lucio, Van Bommel und Makaay alleine reißens halt leider auch für die Bayern nicht raus.
Intressant ist sicher auch, dass diese Saison bei den Bayern die Frage “wer soll spielen?” kein Luxusproblem war (wie die letzten Jahre), sondern eher ein ernsthaftes Problem. Anders kann man sich die vielen Einsätze von Leuten wie Lell oder Ottl nicht erklären. Das sind sicher gute Talente, aber auf dem Niveau können die noch nicht mitspielen.
Klingt vielleicht altschwätzerisch, aber man hat personell die letzten 1-2 Jahre einfach völlig verpennt und den Umbruch verpasst. Da sind einfach zu viele Spieler im Kader, die schon seit Jahren dahinvegedieren und sich nicht weiterentwickelt haben bzw. nie richtig explodiert sind. Gerade im Sturm. Kann z.b. nicht verstehen wie man Guerrero abgeben konnte und stattdessen seit Jahren an Pizarro und Santa Cruz festhält, obwohl die nicht einmal länger als 1-2 Monate in richtig guter Form waren. Und auch der vermeintliche Ballack-Ersatz Van Bommel, war einfach kein Ballack-Ersatz. Die anderen Verpflichtungen waren halt typische Pseudo-Verstärkungen der Bayern. Bis auf Podolski. Bei dem hab ich mich auch gewundert, warum er so eine schlechte Saison spielte, dachte eigentlich das Podolski-Makaay würde DAS Sturmduo der Saison. Aber sollte nun wirklich Toni kommen wird das auf jeden Fall ein heißer Konkurrenzkampf, denn alle drei werden ja nicht spielen.
Und zum 10er-Problem: ja, Diego und Van der Vaart waren ja schon im Gespräch. Is natürlich immer die Frage wie solche Leute, die in ihrem Team der absolute Chef sind, bei den Bayern zurechtkommen, aber ne Verstärkung wären sicher beide.
Ansonsten: bin eigentlich richtig froh, dass die Bayern mal die Quittung bekamen. Ich halt jetzt Daumen für Werder und Stuttgart. Bist du eigentlich a woaschechta Bayer oder einfach nur so Fan?
April 29th, 2007 at 10:36 am
Aber sollte nun wirklich Toni kommen wird das auf jeden Fall ein heißer Konkurrenzkampf, denn alle drei werden ja nicht spielen.
Hitzfeld traue ich durchaus zu, dass er 3-4-3 oder 4-3-3 spielen lässt. Aber Konkurrenz kann da vorne eigentlich nur das Geschäft beleben. Vor allem nimmt es ein wenig die Angst, dass sich ein “unersetzbarer” im Sturm verletzt.
bin eigentlich richtig froh, dass die Bayern mal die Quittung bekamen.
Ich bin übrigens “froh”, dass die Bayern’s gestern gegen Hamburg schon wieder versemmelt haben. Denn der schlimmste Fall wäre gewesen, dass der FCB sich doch noch irgendwie in die Champions League spielt und damit die Krise wieder für ein Jahr ignoriert wird. So wie’s damals der Fall war als dass DFB-Team sich 2002 irgendwie ins WM-Finale gemogelt hatte und dann 2004 bei der EM die Quittung bekam.
Ich halt jetzt Daumen für Werder und Stuttgart.
Full Ack. Alles außer Schalke. Der Sekt zum fünfzigjährigen Jubiläum steht schließlich schon in 17 anderen Stadien kalt.
Bist du eigentlich a woaschechta Bayer oder einfach nur so Fan?
Ich bin waschechter Ostwestfale und darum “einfach nur so Fan”.
May 1st, 2007 at 11:01 am
[...] …und ich stehe dazu. Naja eigentlich kann man mich nicht wirklich als Fan bezeichnen. Mit Fußball hab’ ich mich die letzten Jahre sehr wenig auseinander gesetzt und vieles gar nicht erst mitbekommen. Dennoch sinds seit ca. 25 Jahren die Bayern, die ich am liebsten als Sieger sehe. Auch wenn ich dieses Jahr wieder vieles nur am Rande beobachtet habe, kann ich der Einschätzung im Agitpopblog nur zustimmen. Ein sehr langer, aber sehr unterhaltsam verfasster Artikel. Glückwunsch! [...]
May 1st, 2007 at 2:03 pm
geiler text. ich habe wenig hinzuzufügen. eigentlich nur: nieder mit podolski!
August 7th, 2007 at 1:47 pm
[...] In der letzten Ausgabe warfen wir ja gemeinsam mit Plastikbechern nach einen Blick auf den Bayernkader der Saison 2006/2007 und philosophierten darüber, was sich hätte ändern sollen. Inzwischen hat Uli Hoeneß sein Versprechen wahr gemacht, ist mit einer leeren Plastiktüte direkt zur Sparkasse seines Vertrauens gegangen und hat der Dame hinter dem Schalter gesagt: “Vollmachen.” Anschließend haben Uli Hoeneß, Michael Rummenigge und Paul Breitner im Versuchslabor unter der Säbener Straße die 70 Millionen Festgeld mit Tesa-Krepp zu einem riesigen Ninja-Fußballspieler zusammengeklebt, der jetzt den Rest der Liga in Angst und Schrecken versetzen soll. [...]
March 6th, 2010 at 10:56 am
[...] wenn ich dieses Jahr wieder vieles nur am Rande beobachtet habe, kann ich der Einschätzung im Agitpopblog nur zustimmen. Ein sehr langer, aber sehr unterhaltsam verfasster Artikel. Glückwunsch! [...]