Notizen zum Tode Amerikas

Comics sind eigentlich nicht das Thema dieses Blogs, sondern werden eher da drüben behandelt, aber wenn ich über dieses Thema in der “Welt am Draht” schreiben würde, dann würde ich dem Chor predigen. Immerhin weiß der Durschnittscomicleser wie endgültig der Tod eines Superhelden normalerweise ist. Damit ist er wohl dem Durschnittsjournalisten weit voraus.
Wer aus ethischen Gründen dem Welt-Link nicht folgt, aber trotzdem wissen möchte worum es geht, der kann sich das Spektakel hier im Original betrachten. Oder sich die Kurzform durchlesen: OMG! They killed Captain America. WTF.
Gut, die meisten Artikel zu dem Thema - und es gibt einiges an Artikeln dazu - erwähnen zwar, dass der Tod im Comic nur selten permanent ist, schreiben dann aber trotzdem so als wenn das hier ein großes und einschneidendes Ereignis wäre. Ein Ding von Dauer. Etwas von Relevanz.
Habt ihr denn gar nichts gelernt? Habt ihr eure Hausaufgaben gemacht, Journalisten? Hier eine Liste an Superhelden die bisher den Anstand hatten keinen Lazarus abzuziehen: Barry “The Flash” Allen. (Kann sich im Mai ändern.)
Hier eine (kurze und selektive) Liste an Comiccharakteren für die der Tod nur ein kurzer Urlaub vom Leben war: Spider-Mans Tante May. Green Arrow. Green Lantern. Psylocke. Elektra. Colossus. Captain Americas Sidekick Bucky. Captain America in den Vierzigern. Der zweite Robin. Hawkman. Hawkman. Nochmal Hawkman. Jean Grey. Der Punisher. Captain America Mitte der Neunziger während des Onslaught-Crossovers. Superman.
Marvel ist ein Lizenzunternehmen, das primär dazu existiert Charaktere zu liefern die man in Filme, Spielzeuge und Videospiele verwandeln kann. Stuart Immonen weiß das und jetzt wisst ihr es auch. Und Captain America - Der Film wurde für das Jahr 2009 angekündigt. Auch das könnte man wissen, wenn man mal kurz gegooglet hätte. Wollen wir Wetten abschließen, ob der olle Captain 2009 immer noch six feet under residiert? (Es ist natürlich auch nur Zufall, dass Spider-Man passend zum Filmstart von Spider-Man 3 zum schwarzen Kostüm zurückkehrt.)
Einen Superhelden zu killen um die Verkaufszahlen kurzfristig nach oben zu drücken ist eine Taktik die wahrscheinlich schon fünf Minuten vor dem ersten Superhelden existierte. Es gibt sogar einen Superhelden, bei dem das Teil des Konzepts ist. Gut, meistens trifft es die Charaktere, die ein D-Promi-Äquivalent sind und die selbst der gemeine Superheldenleser nicht kennt: Goliath. Phantom Lady. Goldbug. Plunderer. Geee-nau.
Die Funktion von Captain America #25 ist es also für kurze Zeit die Verkaufszahlen zu pushen und Marvel etwas Werberaum in der Mainstreampresse zu verschaffen. Außerdem bringt es kurzfristig den gefürchteten Sammlermarkt wieder in Schwung, der beweist, dass menschliche Dummheit tatsächlich keine Grenzen kennt. Chris Butcher berichtet.
Wer ein Heft erworben hat und damit Geld verdienen möchte, der sollte es jetzt auf eBay verticken. Noch kann man mit 25 bis 30 Dollar Reingewinn aus der Sache rauskommen. Der Wert wird wohl drastisch fallen wenn die Mehrheit feststellt, dass das Heft wahrscheinlich bis zum Erbrechen nachgedruckt wird und die Menschheit das Interesse daran verliert weil… OMFG! Captain America ist ja gar nicht tot! Wir wurden betrogen! Betrogen, sage ich! Who could have known?
Apropos “menschliche Dummheit”: 600 Dollar für eine Sonderausgabe von Captain America #25? Habt ihr sie noch alle? Wer zum Teufel muss so dringend schmutziges Blutgeld loswerden, dass er so einen Preis bezahlt? Und könnte der betreffende Käufer (Frauen können wir hier von der Liste der Verdächtigen streichen) sich bitte in drei Jahren hier nochmal melden? Dann können wir ihn kollektiv auslachen wenn er merkt, dass er knapp 595 Dollar aus dem Fenster geworfen hat (ohne wenigstens Obdachlosen und Hausfrauen zusehen zu dürfen, die sich um die wehenden Scheine prügeln).
Wo war ich? Ach ja: Wer ein bisschen Ahnung von der Comicindustrie hat, der sollte wissen was hinter Captain Americas Tod steckt: Marvel mag Geld. Und da Marvel ein großes Unternehmen ist, ist das auch das Mindeste was man erwarten kann. Dem Zweck dient Captain America #25: Schnelles Geld verdienen, den eigenen Markennamen bewerben (gut für Lizenzverhandlungen) und damit eventuell das Aktienpaket ein bisschen pushen. Daran ist nichts verwerflich.
Wer Comics liest und sich trotzdem schockiert auf Captain America #25 stürzt (das mit Ed Brubaker zumindest einen kompetenten Autor vorweisen kann… wenigstens wird die Story weder von Mark Millar noch von Rob Liefeld aufs Papier gerotzt), der muss wissen worauf er sich einlässt. Wie Steven Grant festhält:
Q: What’s the difference between a comics fan and a lab rat?
A: If you drop a lab rat into a cage with a piece of electrified cheese, eventually the rat with [sic] stop going for the cheese. Dropped in the same cage, the comics fan will not only never stop going for the cheese, he will eventually start getting pissed off if he doesn’t get the shock.
Gerade darum finde ich es überraschend oder extrem erschreckend wie sehr sich die Feuilletonisten überschlagen um den Tod Captain Americas in einen größeren, sozio-politischen Kontext einzuordnen. Ist der Tod Captain Americas ein Beleg für den Niedergang traditioneller, amerikanischer Werte? Verlieren die USA ein Vorbild jetzt, wo sie es am nötigsten bräuchten? Symbolisiert Captain Americas Tod den Machtverlust des konservativen Amerika? Oder ist es gar, wie der SPIEGEL vermutet, ein Symbol für das Ende der Ärea Bush?
Was sagt nun der plötzliche Tod des amerikanischsten aller Superhelden über die Lage im Land aus? Marvel-Chef Joe Quesada gibt sich pragmatisch: Captain America “lebte nicht in der modernen Welt, und die Welt dreht sich nun einmal weiter”, sagte er CNN. Der Leser solle sich seinen eigenen Reim darauf machen. Der einfachste ist dieser: Die Bush-Ära neigt sich dem Ende zu, also legt sich auch der Captain zur Ruh.
Vielleicht bin ich inzwischen zu zynisch aber: Nein, die einfachste Interpretation ist die oben genannte. Marvel mag Geld. Wobei sich mir auch der Zusammenhang zwischen Captain America und der Bush-Administration nicht so ganz erschließt.
Hat einer der betreffenden Journalisten eine Ausgabe von Civil War gelesen, ehe er die Miniserie als Allegorie auf den Patriot Act und die amerikanische Gesamtsituation aufgefasst hat? Eine politische Allegorie von Mark Millar, dessen Schreibe in etwa so subtil ist wie ein Vorschlaghammer in die Weichteile? Eine politische Allegorie in der es darum geht, dass Superheldengruppe A sich nicht von der Regierung demaskieren lassen will und darum Superheldengruppe B den nordischen Gott des Donners klont um Superheldengruppe A zu stoppen? (Kein Scheiß.) Ah, ja. Und Klon-Thor steht in dieser Metapher für… äh… äh… haben wir eigentlich die Phrase “in Zeiten von Abu Ghreib und Guantanamo” schon verwendet, die wir in letzter Zeit für jedes US-Kulturprodukt verwenden, dass nicht eindeutig Pro-Bush ist? (Von Syriana, über Flags of our Fathers bis hin zum Oscar für Das Leben der Anderen.)
Man muss nicht immer alles politisch interpretieren. Nicht einmal wenn es um den Tod eines Helden geht, der die US-Flagge als Kostüm trägt. Zumindest dann nicht, wenn Occam’s Razor eine simplere und glaubhaftere Antwort bietet. Der generelle Trend der Geschichten in Captain America reflektiert sicher die Gegenwart. Aber sein “Tod”? Das wirkt einfach nach lächerlichem “Ich will mein Thema aber unbedingt hier unterbringen”. Und in der nächsten Ausgabe: Norbit als politische Allegorie auf Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur.
Ganz im Ernst: Manchmal hoffe ich darauf, dass Dinge einfach weggehen wenn sie ignoriert werden. Aber, Presse, mit dem großen Hui-Buh um eine Nicht-Story ermutigt ihr Marvel und DC nur diesen lahmen Hütchenspielertrick (”OMG! Charakter X ist tot! Schon wieder!”) noch weiter zu strapazieren. Und darauf könnte ich echt verzichten. Comics. Feh.
In diesem Sinne: Captain America. Ruhe in Frieden. Bis die Tage. Ich hoffe, das Eingangsbild wird deinem Vermächtnis gerecht.
March 11th, 2007 at 3:09 am
Muss Dir leider entschieden widersprechen, es kommt nicht darauf an ob Millar subtil erzählen kann oder nicht, die Story ist nur politisch lesbar und das ist ja das Problem an ihr. Da ist diese Civil War Handlung, die sich eindeutig als Post 9/11 Story versteht (vor allem noch mit Jenkins Civil War Frontline Serie) und dann endet sie damit, dass die Seite die für die Regierung arbeitet einfach mal recht hat. In dieser Situation ist es schon ein politisches Statement wenn Cap der auf der Seite der Verlierer steht, weil er sich aus prinzipiellen Gründen dagegen gewehrt hat seine Bürgerrechte einschränken zu lassen. Ihn nun zu erschießen ist das letzte Ausschalten von Opposition durch den Verlag.
March 11th, 2007 at 3:36 am
Die Post-9/11-Handlung ist für mich eher politisches Geflausche. Also in etwa das Niveau an politischem Kommentar, das auch ein Film wie Collateral Damage hat: Ein paar Schlagworte und eine Story die zum Zeitgeschehen passt. Aber dahinter steckt das übliche Superhelden-Sommercrossover ohne echte Tiefe oder politische Ambition.
Selbst die Sache mit der Superheldenregistration ist so neu nicht. Das gab es in viel besserer Form (und da wirklich mit politischem Subtext) schon in Alan Moores Watchmen oder dezenter und neuerer in Darwyn Cookes The New Frontier. Oh, und sogar in The Incredibles gab es den Handlungsfaden.
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dann endet sie damit, dass die Seite die für die Regierung arbeitet einfach mal recht hat
Sie hat ja nicht “recht” sondern wurde die gesamte Miniserie hindurch als eher “böse” portraitiert. Zumindest werfen der wildgewordene Klon-Thor und die Zusammenarbeit mit den Superschurken, äh, Heldenjägern nicht gerade ein gutes Licht auf die Herren Stark und Richards.
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Ihn nun zu erschießen ist das letzte Ausschalten von Opposition durch den Verlag
Ich glaube, da fassen wir Marvel einfach unterschiedlich auf. Trotz der Zusammenarbeit mit Mr. Zinsmeister vom American Enterprises Institute glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass Joe Quesada plant mit dem Marvel Universum ein politisches Statement abzugeben. Warum auch? Damit er sich die halbe Leserschaft vergrault?
Ich halte Marvel nicht für so konsequent, dass sie wirklich einen ihrer ikonischsten Charaktere (sprich: Ka-Ching!) umbringen, nur weil sie ein politisches Statement abgeben wollen. Ich bleibe da bei meiner Einschätzung: Kurzzeitiger Heldenexitus um auf sich Aufmerksam zu machen. Nur eine Frage der Zeit bis man zum Status Quo zurückkehrt.
Nachtrag: Paul O’Brien fasst meine Meinung warum Civil War als “politische Metapher” nicht funktioniert sehr gut zusammen.
March 11th, 2007 at 11:54 am
Dass Marvel momentan immer darauf versessen ist, in den Medien genannt zu werden, liegt natürlich klar auf der Hand (man denke nur an den Rawhide-Kid-Wirbel oder die Kooperation mit Stephen King) - zu Beginn von Civil War hatte man im Haus der Ideen auch keine Probleme damit, die Geschichte gegenüber den Zeitungen als politisch und relevant zu verkaufen.
Dass da anschließend in den folgenden Quesada-Interviews sowie im Produkt doch eher zurückgerudert wurde und wieder Superhelden-business as usual angesagt ist, bedeutet doch nur, dass man bei Marvel das beste aus beiden Welten haben will - öffentliche Aufmerksamkeit und die loyalen Käufer.
Allerdings - selbst wenn du nicht der Meinung bist, dass Marvel - als Konzern- Civil War als ernsthaften politischen Kommentar verstehen, liegt das IMHO für Millar auf der Hand. Was du (nicht zu Unrecht) als politisches Geflausche verstehst, ist für Millar offenbar ernsthafter politischer Kommentar oder Satire. Vergleich doch mal seine Ausgaben von The Authority mit denen von Ellis…
Unbestritten allerdings, dass die Medienberichterstattung über so etwas völlig unangemessen ist,. Das sagt dann aber selber vermutlich mehr über die amerikanische Befindlichkeit (und auch die mancher deutscher Medien) aus als der Comic an sich.
(Der übrigens nicht schlecht ist - das wäre mal eine wirklich sinnvolle Schlagzeile: “Breaking News: Marvel publishes 25 excellent issues of Captain America” bzw. “Breaking News: Marvel publishes 25 excellent issues at all”)
Vielleicht war es aber auch nur ein lahmer Donnerstag ohne andere Themen.
Mich wundert dagegen, dass eines der IMHO comicaffinsten deutschen Feuilletons, das der FAS, heute nichts dazu geschrieben hat. Immerhin arbeitet dort Andreas Platthaus, den man ja durchaus als Kenner der Materie bezeichnen könnte (in welcher deutschen Zeitung findet man sonst einen fast ganzseitigen Artikel über Dave Sim und die Fertigstellung von Cerebus?) - könnte natürlich sein, dass der Herr Platthaus eben wegen seiner Kenntnis des amerikanischen Marktes die Bagatelle als solche erkannt hat…
March 11th, 2007 at 12:07 pm
Interessanterweise wird doch CW aber von den Lesern als politische Metapher verstanden und wie selbst die Reaktionen auf dem Marveleigenen Boards schon zeigen, durchaus auch kritisch
Link.
Natürlich kam dem Gegner der Registrierung die Darstellung der ProRegs böse vor, aber erstens federt Marvel die ja selber nun ab, es war halt kein Thorklon, sondern ein Cyborg und zweitens hat die Seite am Ende recht, weil die besten Journalisten des Marveluniversums sich weigern mit den Beweisen an die Öffentlichkeit zu gehen das Tony Stark den CW provoziert hat, weil sie der Meinung sind, im Endeffekt sei sein Vorgehen richtig gewesen, diese Art der Entschuldigung vor offenen Machtmissbrauch ist nicht anders als politisch zu verstehen.
Interessanter Kommentar dazu auch in The Word
Link
Immer alles nur mit the almighty dollar zu erklären ist auch ein bisschen einfach. Und schauen wir mal, im Moment scheint ja die Entwicklung in der Tat die halbe Leserschaft zu vergraulen, das tut sie übrigens auch wenn das Statement nicht politisch ist.
March 11th, 2007 at 12:30 pm
@Bomster:
Was du (nicht zu Unrecht) als politisches Geflausche verstehst, ist für Millar offenbar ernsthafter politischer Kommentar oder Satire. Vergleich doch mal seine Ausgaben von The Authority mit denen von Ellis…
Stimmt natürlich. Das gilt auch für die politischen Töne in The Ultimates. (Beides Serien die ich allerdings trotzdem sehr unterhaltsam finde.) Wanted war ein anderes Beispiel dafür, dass Millar sich von dem fernhalten sollte, was er als Satire oder politischen Kommentar versteht.
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bedeutet doch nur, dass man bei Marvel das beste aus beiden Welten haben will - öffentliche Aufmerksamkeit und die loyalen Käufer.
Was aber in der Form noch nie funktioniert hat. Und bei Civil War hat man ja gleich volle Kanne versagt, weil die breite Öffentlichkeit nicht mehrere Monate warten möchte zwischen zwei Ausgaben. Und diese Story über die sie in der New York Times gelesen hat: Die hätte sie gerne komplett, oder zumindest ohne dass man von ihr erwartet sich in siebzehn Nebenserien einzukaufen. Aber das ist wieder eine andere Dose Würmer.
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Der übrigens nicht schlecht ist
Hey, nichts gegen Brubaker. Ich fand Sleeper etwas oberflächlich, aber ich traue Brubaker trotzdem weiter als dem Großteil der anderen, derzeitigen Superheldenautoren wie Geoff Jones oder Brian Michael Bendis.
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@CKeichel:
Aber erstens federt Marvel die ja selber nun ab, es war halt kein Thorklon, sondern ein Cyborg
Was die Sache, in meinen Augen, nicht wirklich besser macht. Wenn ich’s richtig verstanden habe ist es ein Cyborg-Klon-Hybrid… inwiefern das “besser” und “ethischer” ist sei mal dahingestellt. Und der Fakt, dass er unwichtige Superhelden für den Schockmoment tötet macht seine Seite auch nicht sympathischer.
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diese Art der Entschuldigung vor offenen Machtmissbrauch ist nicht anders als politisch zu verstehen
Das ist sie aber auch wenn Comissioner Gordon den Batman nicht verhaftet, sondern mit ihm zusammenarbeitet. Der Mann tritt die Bürgerrechte ja auch mit Füßen. Machtmissbrauch ist Teil des Konzepts von Superhelden.
Abgesehen davon: Noch ist der Civil War ja nicht vorbei. Respektive, Civil War ist vorbei, aber die große CW-Storyline wird sich jetzt erst einmal fortsetzen, dann zum World War Hulk führen und danach schauen wir mal weiter. Diese Registrierungssache halte ich auch weiterhin für einen kleinen Schluckauf, früher oder später kehrt Marvel schon zum Status Quo zurück. Und ich gehe stark davon aus, dass das “politische Statement” dann auch relativiert wird.
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Immer alles nur mit the almighty dollar zu erklären ist auch ein bisschen einfach
Marvel hat mir in den letzten zehn Jahren - vielleicht mit Ausnahme der Ära Jemas - so ziemlich keinen Beleg dafür geliefert, dass es um mehr geht. Und bei Marvels Track Record unter Joe Quesada werde ich dem Unternehmen hier nicht mal den Schatten eines Zweifels zugestehen.
Die 600 bis 750 Dollar, die man für die Sonderausgabe des “politischen Kommentars” veranlangt riechen für mich halt schon eher nach finanziellen Interessen.
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im Moment scheint ja die Entwicklung in der Tat die halbe Leserschaft zu vergraulen, das tut sie übrigens auch wenn das Statement nicht politisch ist
Das liegt aber daran, dass Civil War als Crossover ein fürchterlicher Clusterfuck war. Nicht in der Größenordnung von Maximum Cloneage, aber trotzdem: Die Hefte kamen wiederholt zu spät, die Story hat unzählige lose Fäden weil man während der Geschichte anfing sie umzuschreiben und dann endet das ganze mit einem anti-klimatischen Nicht-Ende? Hey, da fängt selbst der treueste Marvel-Zombie an darüber nachzudenken, ob er nicht mal kurz pausiert…
March 11th, 2007 at 1:13 pm
Commissioner Gordon verhaftet Batman nicht ist etwas das im Superheldengenre als Grundregel gilt. Eine andere Grundregel ist das die Journalisten dazu da sind die Verfehlungen der Helden und Schurken auszudecken, das ist nun anders.
March 11th, 2007 at 1:21 pm
Ach ja, seid wann ist denn Marvel für die Preise von Comics auf ebay verantwortlich?
March 11th, 2007 at 1:35 pm
Zur Presse: Bisher wurde Reed Richards aber generell auch nicht als lantenter Mad Scientist dargestellt. Und die Presse schwankt in den meisten Comics zwischen moralischem Anstand und schockierter Entrüstung über das Verhalten von Superhelden. Und ich betone nochmal: Die größere Geschichte endet ja mit Civil War nicht. Das pendelt sich alles wieder ein.
Zu eBay: Damit hat Marvel nichts zu tun. Da wird der Comic aber auch nur für um die 30 Dollar gehandelt. Wovon ich sprach sind die Sonderausgaben, die du im Wizard-Store kaufen kannst.
Und wenn da steht “regular price $600.00″, dann gehe ich stark davon aus, dass das der Listenpreis ist den Marvel vorschlägt und nicht einfach die Wizard-Belegschaft sagt: Hey, lass uns doch mal knapp 12.000% auf den Coverpreis draufschlagen.
March 11th, 2007 at 1:50 pm
Aber das ist doch ein CGC graded Comic, da hat Marvel gar nichts mit dem Preis zu tun.
Warten wir mal ab ob sich das wieder einpendelt bisher steht da die Aussage das ist das neue Marveluniversum für die nächsten Jahre und scheinbar geht das ja auch konform mit Microsofts XBox Marvel MMORPG wo es nun heißt jeder Charakter sei Shieldagent.
Civil War ist vorbei, the Initiative ist eine wesentlich kleinere Geschichte und seine Hoffnungen nun auf WW Hulk zu setzen ist mir zu Fanboymäßig.
March 11th, 2007 at 2:17 pm
Wir kommen hier gerade ganz derbe vom Thema ab. Darum nochmal in der Kurzform meine Position:
a.) Der Tod von Captain America ist ein kurzfristiges Mittel um die Verkaufszahlen zu boosten un Publicity abzugreifen
b.) Jede politische Ambition des Marvel-Universums ist bestenfalls oberflächlich
Jetzt zu dem was du geschrieben hast:
bisher steht da die Aussage das ist das neue Marveluniversum für die nächsten Jahre und scheinbar geht das ja auch konform mit Microsofts XBox Marvel MMORPG wo es nun heißt jeder Charakter sei Shieldagent
Wenn Marvel den aktuellen Status Quo über mehrere Jahre durchhält: Gut. Wenn daraus gute Geschichten entstehen? Noch besser. Hey, ich werde nicht abstreiten, dass die Prämisse von Civil War Raum für gute Geschichten lässt.
Aber sobald die Verkaufszahlen fallen oder der Backlash von den Fans zu groß wird? Siehe Reilly, Ben. Was war denn bisher wirklich “endgültig” bei DC oder Marvel?
Ich glaube halt nicht - und das ist nur mein Glaube, belegen kann ich’s nicht, darum werden wir hier auch keine Einigung finden - dass Marvel hier mit Gewalt eine politische Meinung durchboxen will und das auch auf Kosten der Verkaufszahlen tun würde. Oder dafür Captain America wirklich umbringt. Von der “tot bleibt tot”-Regel ist man ja schon längst wieder abgerückt.
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und seine Hoffnungen nun auf WW Hulk zu setzen ist mir zu Fanboymäßig
Du schießt gerade auf Pappkameraden. Ich bin kein so großer Marvel Fanboy, dass ich mit aller Gewalt den alten Status Quo wieder haben will. Ich bezweifle nur, dass die Situation die mit Cap #25 und Civil War geschaffen wurde wirklich eine langfristige sein wird. Ein Jahr. Zwei. Drei wenn Marvel extrem gut ist.
Mal ganz abgesehen davon: Im Ursprungspost betone ich nur, dass der Captain schon wieder kommen wird und dass ich die politische Lesart der Presse für übertrieben und übereilt halte. Ob es nun einen Superhero Registration Act gibt oder nicht ist mir als neutraler Leser erst einmal ganz egal. Was daraus gemacht wird, dass ist für mich entscheidend.
March 11th, 2007 at 2:26 pm
Ich meinte auch nicht dich mit Fanboy, sondern mehr all die Fanboys in den Foren die das Ende von CW zwar furchtbar finden, aber es damit wegwischen, dass im Sommer der Hulk kommt und Iron Man den Kopf abreißt.
Aber scheinbar haben wir in der Tat aneinander vorbei diskutiert. Ich sehe jetzt deinen Standpunkt, teile ihn nur nicht. Denn für mich ist CW eine politische Geschichte, allerdings eine die mich dazu brachte aufzuören Marvel zu lesen, weil ich sie als vollkommene Verteidigung der Bushadministration und all ihrer Fehler verstehe, das ist aber in der Tat ein komplett anderer Ansatz als der den Du hast. Das stimmt.
March 12th, 2007 at 12:57 am
Mal abgesehen von der Diskussion hier und davon dass mich Comics nur am Rande interessieren:
“Und in der nächsten Ausgabe: Norbit als politische Allegorie auf Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur.” - Danke für das Bonmot.
March 14th, 2007 at 11:06 pm
[...] Kaum ist man mal ein paar Tage weg, schon wird gestorben. Marvel Comics hat eine seine berühmteren Figuren sterben lassen, Captain America. Cleverer Marketingschachzug, keine Frage. Marvel kriegt mal wieder ein bisschen Aufmerksamkeit und ein paar Irre spielen bei ebay verrückt. Lustig daran ist, wie die Presse drauf anspringt und dieses “Ereignis” politisch zu deuten versucht. Viel brauche ich dazu nicht mehr zu schreiben, denn Björn hat das im Agitpopblog schon so wunderbar auf den Punkt gebracht: Wer ein bisschen Ahnung von der Comicindustrie hat, der sollte wissen was hinter Captain Americas Tod steckt: Marvel mag Geld. [...]