Casino Royale
Ich hatte ja gewisse, vorsichtige Hoffnungen, dass Casino Royale der erste wirklich gute Bond seit GoldenEye werden könnte und dass der Film das Bond-Franchise in eine dreckig-brutale Richtung Richtung zurückführt, die wir seit dem frühen Connery nur gelegentlich haben durchblitzen sehen. Nun, das schöne ist, dass Casino Royale dies nicht nur erfüllt, der Film übertrifft meine wildesten Hoffnungen was ein Bond-Film bieten kann.
Der beste Bondfilm aller Zeiten? Wahrscheinlich nicht. Es wird schwer Liebesgrüße aus Moskau und Goldfinger zu toppen. Aber einer der besten Bondfilme aller Zeiten, das würde ich unterschreiben. Möglicherweise sogar Top-Drei-Material. Und wenn ich jetzt darauf eigehe, warum mir dieser Streifen so gut gefallen hat, dann wird gespoilert wie nix Gutes. Wer also komplett überrascht werden will, der sollte jetzt besser abbrechen.
Noch dabei? Na dann:
In Frank Millers The Dark Knight Strikes Again, einem Comic von sehr wechselhafter Qualität, gibt es am Ende eine Szene, in der Batman zusieht wie ein paar junge Superhelden Lex Luthor langsam und brutal zu Tode prügeln. Knochen brechen. Blut spritzt. Und Batman sitzt da, trinkt ein Tässchen Tee und schaut sich das ganze Spektakel genüßlich an. Als einer seiner Superheldenkollegen schockiert ist ob der Brutalität und der Passivität des Batman, der nichts tut um diese Lynchjustiz zu unterbinden, antwortet dieser nur: “Get used to it. It’s a whole new ballgame.”
Und das ist der neue Bond auch. A whole new ballgame. Klarer hätte man mit der Brosnan-Ära nicht brechen können. Das macht schon die Pre-Title-Sequenz klar. Normalerweise ein riesiges Actionspektakel, mit Explosionen und waghalsigen Stunts. In The World Is Not Enough dauert diese Sequenz ganze 15 Minuten. In diesem Film ändert sich das. Die Pre-Titel-Sequenz, komplett in grobkörnigem Schwarz-Weiß gehalten und demonstriert uns mit welchem Bond wir es hier zu tun haben.
Wir sehen, wie er einem Geheimnisse verratenden MI6-Agenten auf kurze Distanz und ohne zu zögern in den Kopf schießt. Und in kurzen Flashbacks sehen wir, wie Bond den Kontaktmann des Doppelagenten aus dem Leben befördert.
- “Wie ist mein Kontaktmann gestorben?”
- “Unschön.”
So kann man das ausdrücken. Bond und dieser Kontaktmann liefern sich einen Todeskampf in einer öffentlichen Toilette. Einen Todeskampf, der kurz aber brutal ist. Am Ende ertränkt Bond den Kontaktmann in einem Waschbecken. Das ist der neue Bond: Ein Grunt. Ein Frontschwein. Einer der losgeht um die dreckige Arbeit der britischen Regierung zu erledigen und der kein Problem damit hat, sich selbst schmutzig zu machen. Für den charmanten Brosnans-Bond, selbst in seinen gefühlskalten Momenten, wäre dieses Vorgehen zu stillos. Zu Craig passt es wie die Faust aufs Auge.
Die eigentliche Pre-Title-Sequenz folgt dann nach dem Vorspann, der visuell ungeheuer schick ist und stilisierte Nahkämpfe und heftige Karten-Symbolik bietet. Die Titelsequenz ist um einiges besser als etwa der überzogene Babes-und-Lenin-Schnickschack aus GoldenEye. (Der Kalte Krieg ist vorbei. We get it already.) Und Cornells Theme mag nicht perfekt sein, es ist aber auch nicht die Katastrophe als die es manche darstellen. Nach Garbage und Madonna ist das für mich ein Schritt in die richtige Richtung.
Anyway. Nach der Titelsequenz bekommen wir zum ersten Mal große Action zu sehen. Und das kann Bond immer noch: Action. Wenn 007 einen Bombenleger über eine afrikanische Baustelle und schließlich auf ein Botschaftsgelände verfolgt, dann ist das eine ziemlich atemberaubende Sequenz. Vielleicht sogar die beste Actionszene im ganzen Film.
Und sie demonstriert erneut, dass Daniel Craig nicht Pierce Brosnan ist. Der junge Bond, der hier präsentiert wird (frisch zum Doppel-Null-Agenten befördert), ist noch nicht der Superagent, der perfekt ist in allem was er tut. Während der Bombenleger katzengleich über die Baustelle turnt und waghalsige Stunts performt, wählt Bond die bodenständigeren Methoden. Keine seiner Bewegungen sieht sonderlich stilvoll aus. Bond stolpert, Bond stürzt, Bond landet unsanft.
Diese Sequenz dient aber nicht nur dazu um dem Publikum die Action zu liefern, die es von einem Bondfilm erwartet, sie ist erstaunlich effektiv darin den neuen Bond weiter als Typus zu charakterisieren. Ein Stunt sagt mehr als tausend Worte. Es ist scheißegal wie ungeschickt Bond stolpert. Es ist scheißegal wie unsaft Bond nach einem Sprung landet. Sekunden nach dem Aufprall steht der Mann wieder und nimmt erneut die Verfolgung auf. Das was diesem Bond an Stil und Eleganz fehlt, dass macht er durch schiere Verbissenheit wieder wett.
Es gibt diese Momente die Bond definieren. Kleine, aber aussagekräftige Szenen. Für den Brosnan-Bond war es jene Szene in GoldenEye, in der er bei einer Verfolgungsjagd mit einem Panzer halb St. Petersburg in Schutt und Asche legt. Am Ende dieser Sequenz, nachdem er gezeigt hat, dass er mindestens so zerstörerisch sein kann wie deutsches Artilleriefeuer, tut Bond nur eine Sache: Er rückt sich seine Krawatte zurecht.
Das war der Brosnan-Bond. Krachende Action, die aber keinen Einfluss auf Bond hatte. Das Schlimmste was ihm passieren kann, selbst in der brutalsten Sequenz, ist dass die Frisur verwuschelt oder die Krawatte verrutscht. In einem Wort, der letzte Bond war stivoll. Die definierende Sequenz für den Craig-Bond findet sich in der Verfolgungsjagd. Der Bombenleger rennt auf eine Wand aus Presspappe oder Sperrholz zu und springt dann ganz galant durch ein kleines Loch, in das später mal ein Fenster eingesetzt werden soll. Brosnans Bond wäre hinterher gesprungen. Was macht Craig?
Er rennt einfach durch die verfluchte Wand. Heads on. Besser kann man nicht klar machen, was diesen Bond auszeichnet.
Bondfilme sind immer zeitgeschichtliche Dokumente. Der eiskalte, ernste Connery passte nicht mehr in die flashigen Siebziger. Da musste Moore ran. Dessen überzogene Gadgetspektakel überstrapazierten ihr Willkommen in den Achtzigern mit A View to Kill. Iran-Contra, neues Wettrüsten, Afghanistan, Krieg gegen die Drogen. Das war es, was den vierten Bond, Timothy Dalton, auszeichnete. Und Brosnans Bond ist und wird immer ein Teil der Neunziger sein. Ironisch, smart, oberflächlich. Teil einer kurzlebigen Ära ohne klares Feindbild. Teil einer Ära, die nach dem 11. September zu altmodisch, zu simpel erschien.
Daniel Craigs James Bond ist Teil der Post-9/11-Ära. (Der elfte September als definierender Moment wird auch brav von Dame Judy Dench als M erwähnt.) Das hier ist ein Bond der von dem neuen, brutalen Realismus (oder zumindest Faux-Realismus) aus Serien wie 24 oder Filmen wie Manns Collateral beeinflusst wurde. Die Gefahr ist kein schattenhafter Superschurke, die Gefahr in diesem Film geht von “Le Chiffre” aus, einem Mann der den internationalen Terrorismus (Al-Quaida, afrikanische Warlords,…) finanziert. Und M darf sich darüber aufregen, dass ihr Whitehall im Kampf gegen den Terror in den Rücken fällt, weil die liberalen Sesselpupser lieber gute Bilder wollen als echte Ergebnisse.
Mit der Rückkehr in “realistischere Gefilde” wird auch Bonds Charakter realistischer. Bond ist wieder mehr das, was er in Flemings Romanen war. Ein Staatsdiener. Ein guter, aber nicht unersetzbarer Agent. Ein Mann fürs Grobe in einer brutalen, zynischen Schattenwelt. Kein unantastbarer Superman der ganz locker das Mädchen und nebenbei noch die Welt rettet. Das was man an Gadgets hat, ein Erste-Hilfe-Center im Handschuhfach, ist bei weitem nicht so abstrus wie die unsichtbaren, ferngesteuerten Autos der Brosnan-Ära.
In einer Szene betont M, dass es vielleicht ein Fehler war Bond so schnell zum Doppel-Null-Agenten zu befördern. Woraufhin Bond antwortet, dass Doppel-Null-Agenten ja normalerweise nicht lange leben. “Dieser Fehler wird also eher kurzlebig sein”, entgegnet er. Und das nimmt man ihm ab. Bond trägt Spuren davon. Bonds Gesicht weist Prellungen und Schnitte auf. Bond blutet und Bond muss nach einer Foltersequenz in die Reha. Ich weiß nicht wann man das letzte Mal einem Bond geglaubt hat, dass er wirklich sterblich ist. (Okay, dem alten Bond in Never Say Never Again.) Man wird ihn nicht sterben lassen, klar, dafür ist das Franchise zu wertvoll. Aber dieser Bond könnte trotzdem tatsächlich jede Sekunde sterben. Und es braucht keinen Superschurken um das zu erreichen.
Um in dieser Welt zu überleben hat Bond seine Mechanismen. Brosnan, Moore und Dalton haben gelegentlich gezeigt, dass unter dem stilvollen Äußeren Bonds ein kalter Mensch zu finden ist. Aber sie haben das nie in den Vordergrund gerückt. Bond durfte lange nicht so abgebrüht wirken, dass er das Publikum erschreckt. In Casino Royale ist der Bond zurück, den man in den frühen Connery-Filmen erlebt hat. Ein Bond dem ein Menschenleben nichts bedeutet. Der nichts an sich heranlässt. Ein Bond der ohne zu zögern tötet. Wenn er den Bombenleger nicht lebend schnappen kann, dann schießt er ihm eben point blank ins Gesicht.
Dass die Freundin des Schurken, die Bond eben noch verführt hat, kurz danach gefoltert und ermordet aufgefunden wird? Bond lässt das nicht an sich ran. Das er selbst gefoltert wird (und zwar um einiges weniger charmant und stilvoll als etwa in The World is not Enough)? Das lässt Bond nicht an sich ran. Bond kann nur funktionieren, wenn er seine menschliche Seite unterdrückt. Emotions kill.
In einer Actionsequenz verfolgt Bond einen anderen Bombenleger auf dem Flughafen von Miami. Dem geübten Filmgänger ist am Ende der Szene klar, dass Bond die Minibombe am Bombenleger selbst attachiert hat. Und während Bond von der Flughafenpolizei auf die Motorhaube eines Streifenwagens gedrückt wird, löst der Bombenleger den Sprengsatz aus und jagt sich damit, direkt vor Bonds Augen, selbst in die Luft. Brosnan hätte hier einen saloppen Spruch angebracht (eine Tendenz die man ja in The World is Not Enough sogar parodiert hat, als Bond einen saloppen Spruch bringt, nur um dann festzustellen, dass der Schurke gar nicht tot ist). Irgendwas um die brutale Szene, ein Mensch sprengt sich in die Luft, ironisch zu brechen. Distanz zur Brutalität zu schaffen. Nicht so Daniel Craigs Bond. Der sieht die Explosion und hat nur eine Reaktion darauf:
Er lächelt.
Und, holy Moses, dieses Lächeln könnte eine der unheimlichsten Szenen des Films, einer der unheimlichsten Bond-Momente ever sein. Bond tötet nicht nur aus Notwendigkeit, Bond genießt es zu töten. So deutlich hat kaum ein Bondfilm gezeigt, dass der Mann nur deshalb in seinem Job so gut ist, weil er eine gesunde Dosis Soziopathie mit sich bringt.
Hervorragend am neuen Bond ist aber nicht nur der neue Charakter des 007. Hervorragend ist auch Eva Green, die nicht nur unglaublich erotisch ist, sondern wirklich aus dem Bondgirl-Schema herausbricht. Und damit meine ich nicht Michelle Yeoh kann auch ballern, Halle Berry kann Contra geben oder Denise Richards ist eine eigenständige Frau, weil sie eine Atomphysikerin mit Hot Pants und Tank Top ist (duh)… am Ende landen sie doch alle mit Bond in der Kiste und verfallen seinem Charme. Wirklich unabhängige Frauen sind diese Charaktere trotzdem nicht und das bisschen Emanzipation, was da so groß angepriesen wurde, gab es auch schon 1981 mit Melina Havelock in For Your Eyes Only oder Anya Amasova in The Spy Who Loved Me.
Vesper Lynd bricht aus dem Bondgirl-Schema aus, nicht nur weil sie auch Contra geben kann, sondern weil Bond sich zum zweiten Mal in den Filmen wirklich verliebt (das letzte Mal, dass wir das hatten war mit Diana Rigg in In Her Majesty’s Secret Service). Und der eiskalte Killerbond, den wir bis dahin im Film gesehen haben, ist sogar gewillt seinen Job an den Nagel zu hängen, so lange er noch ein bisschen Menschlichkeit besitzt. Es ist klar, dass das nicht klappen kann. Es ist klar, dass Vesper ihn entweder betrügen oder von den Bösen ermordet wird.
Und trotzdem kommt der Betrug als Schock. Und ebenso kommt es als Schock, dass Bond sie nicht retten kann, obwohl er es versucht. Man wartet darauf, dass sie die Augen öffnet. Dass Bond doch noch irgendwas in petto hat. Nichts. Die Frau ist und bleibt tot. Ein Opfer der Schattenwelt, in die Bond mit diesem Film zurückgekehrt ist. Und ein weiterer Moment, der zeigt, dass Bond in diesem Film Charakter und nicht Schablone ist. Sofort nach ihrem Tod kehrt Bond zu seinen alten Verhaltensmustern zurück. Er schottet ab. Auftrag erfüllt, “die Schlampe ist tot”. Bond hat seine Lektion gelernt. Einmal hat er seine Verteidigung heruntergelassen, einmal hat er einem anderen Menschen vertraut und das Resultat ist ein Messer im Rücken.
Wenn man sich vor Augen führt wie kalt und berechnend Bond am Anfang dieses Films war, dann möchte man nicht (obwohl: eigentlich doch) wissen, wie kalt und unmenschlich Bond nach diesem Tiefschlag werden wird. Jetzt gibt es nichts mehr, dass Bond davon abhält seine “Menschlichkeit” endgültig abzuwerfen und voll in seinem Job aufzugehen. Am total atypischen Ende des Films stoppt Bond den Drahtzieher hinter LeChiffre, den Mann in den Schatten. Er schießt ihm ins Bein, steht dann über dem sich am Boden windenden Mr. White und stellt sich in der typischen Bondmanier vor.
Abspann.
Was bei mir zu einem WTF-Moment geführt hat. Das scheint eine so atypische Stelle zu sein. Der Oberböse hat seine Motive nicht preisgegeben. Er ist nicht dramatisch abserviert worden (der frühere Schurke LeChiffre wird auch ganz belanglos und nicht einmal von Bond selber exekutiert). Und Bond hat kein Bondgirl, das er mit einer kaum lustigen Zweideutigkeit (”I thought Christmas comes only once a year.”) flachlegen darf. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt es mir, dass man sich vom üblichen Schema gelöst hat. Und vielleicht ist es besser, dass man nicht sieht, was der neue gefühlstote Bond mit Mr. White anstellt. Es wird nichts angenehmes sein.
Der Film hat ein paar kleinere Schwächen. Der letzte Akt hinkt dem Rest des Films etwas hinterher, wirkt ein etwas antiklimatisch. Nach dem Tod von LeChiffre fehlt ein klarer Bösewicht, die finale Actionszene in Venedig wirkt eher hausbacken nach den Stuntfesten im afrikanischen Dschungel und auf dem Flughafen von Miami und der Film verliert insgesamt etwas an Fahrt. Aber nicht so viel, dass er wirklich darunter leidet. Das sind eher Schönheitsfehler. Dafür ist die letzte Einstellung perfekt gelungen.
Und ich glaube nicht, dass ich mich jemals so sehr über den Satz “James Bond will return” gefreut habe. Je eher dieser neue Bond auf die Leinwand zurückkehrt, desto besser. Wenn man jetzt die Härte, den Zynismus und die Brutalität nicht doch wieder mit trockenem Humor oder einem Gadget-Overkill verwässert, dann könnte Daniel Craig tatsächlich einer der besten Bonds aller Zeiten werden. Mit diesem Debut hat er sich schon ziemlich weit nach oben gespielt. Ja, er ist anders als jeder Bond seit Connery, aber er ist genau die Frischzellenkur, die das Franchise gebraucht hat. James Bland, wie die britische Presse spöttelte? Hell no.
Das beste an Casino Royale? Es ist nicht nur ein guter Bond-Film, es ist ein guter Film in jedem Sinne. Action. Emotion. Und ein Bond der ein echter Charakter ist, kein schießender Kleiderständer. Kein aalglatter Ironiebolzen. Craigs Bond verbindet die Brutalität und Abgestumpfheit von Sean Connery mit den menschlichen Momenten George Lazenbys und den “realistischen Szenarios” aus den Dalton-Filmen, und schafft damit etwas Neues, das absolut zu überzeugen weiß.
Fuck xXx. Fuck Jason Bourne. James Bond has returned. With a vengeance.
5/5



January 5th, 2007 at 3:41 pm
DAS trifft meine Meinung total.
Beste Bonds:
1. Sean Connery
2. Daniel Craig
3. Timothy Dalton
Und den neuen Bond kann man durchaus in die Top 3 einordnen, wobei ich mir über die genaue Zusammenstellung nicht ganz klar bin.
January 5th, 2007 at 5:38 pm
James Bond.
Wenn ich an James Bond denke, dann denk ich an Roger Moore, wie er ohne Falschirm aus einem Flugzeug springt um ihn während des freien Falls Beißer zu klauen. Ich denke daran, das irgendwelche Superschurken in irgendwelchen total abgefahrenen Superschurkenverstecken rumhängen. Und auf dem weg zu solchen Superschurkenverstecken fickt Bond für gewöhnlich 2-3 Schönheiten, benutzt 2-3 coole Gadgets und muss sich aus 2-3 lebensbedrohlichen Situationen im letzten Moment retten. Garniert ist das ganze dann immer mit einer Portion Science Fiction und einem Augenzwinkern.
Ganz ehrlich: Ich will bei James Bond Filmen, dass mir ein gewisses Schema serviert wird. Ich will keine “realistischeren Gefilde”.
Und dabei finde ich, dass Daniel Craig ein echt knorker Bond ist. Und vor allem die Actionszene am Anfang hat mich kurz hoffen lassen. Aber der Rest… Ich hab nach dem ersten Bond Film mit Pierce Brosnan schon beschlossen, dass ich mir die nächsten Teile sparen werde. Nach Casino Royale wars wieder genauso. Schade.
January 5th, 2007 at 5:40 pm
Ist halt die uralte Religionsfrage wer der Lieblingsbond ist: Connery oder Moore. (Alle anderen scheiden ohnehin aus.) Und als alter Connery-Anhänger freut es mich, dass wir von der Gadget-Schiene weg sind.
Ich glaube, ich sollte die Tage mal meine Lieblings- und Unlieblingsbondfilme erstellen, da könnte eine lustige Diskussion draus entstehen.
January 5th, 2007 at 6:08 pm
Ich fand Bond nie so unglaublich faszinierend wie anscheinend viele andere. als ich so 12 war kam der Brosnan-Bond auf die leinwände und damals gefiel er mir ganz gut. Zumindest so 3-4 jahre lang. Danach fand ich James Bond irgendwie zu unrealistisch und übertrieben (viele werden anmerken wollen das genau das Bond ausmacht, aber das ist wohl einfach eine geschmacksfrage
).
Jetzt habe ich mir auch gerade dieser tage nach langem zögern und und eher desinteressiert Casino Royal angesehen. Und was soll ich sagen? Ich bin gefangengenommen worden von diesem Film. Ich fand ihn unglaublich faszinierend. Besonders imposant fand ich es das Craig-Bond als Mensch in jeder szene greifbarer ist als es Brosnan-Bond je war.
Mit den Bondfilmen “vor meiner Zeit” also alles vor Brosnan hab ich mich nie sonderlich beschäftigt, aber ich gelobe besserung und werde mir zumindest mal die Connery und Dalton Bonds zu gemüte führern.
Aber vor allem, und das überrascht mich selbst am meisten, freue ich mich schon jetzt auf den nächsten Craig-Bond sofern die Richtung die mit Casino Royal eingeschlagen wurde beibehalten wird.
Ich wurde Bondifiziert.
January 6th, 2007 at 6:52 pm
Ich lese gerade das Casino Royal der erfolgreichste Bond-Film aller zeiten an den Kinokassen war:
http://www.zeit.de/news/artikel/2006/12/27/86069.xml
January 6th, 2007 at 7:25 pm
schöne rezi,
ich muss auch sagen, dass der bond der einzige film war, der mir in der bondreihe überhaupt gefallen hat. gut, als kleiner junge habe ich auch die alten bonds geguckt und gut gefunden - aber da habe ich alles gut gefunden, wenn ich nach 8 noch wach bleiben durfte. bin also kein fan der bondreihe. deswegen hab ich mich richtig über den “neuen” bond gefreut und freue mich auch auf weitere filme. es war ein durchweg unterhaltsamer film, bis auf die mMn sehr langgezogene pokersequenz - da hatte ich das gefühl, dass der film einfach n bissl langgezogen werden sollte. aber was solls, heißt ja casino royal. was erwarte ich?
das realistische fand ich glaube ich bei “bourne identity1/2″ auch schon sehr cool - sogar spannender und konsequenter inszeniert. hier würde ich sagen, dass bond einfach macht, was gerade in zu sein scheint. wackelkamera und dreck. aber durchaus auf seine eigene weise und ich mag es. ich hoffe aber dass bald wieder richtige bildregie mode wird. weil die kamera wackelt, wirds nicht authentischer.
January 6th, 2007 at 9:00 pm
1A Artikel. Ich finde auch, dass Craig dem Franchise die Frische zurückgebracht hat. An Casino Royale kritisiere ich aber die doch spürbare Durststrecke, bevor es nach Venedig geht. Klar, dramaturgisch haben die Turtel-Szenen mit Vesper ihre Berechttigung, aber es verlieh dem Film einen etwas “unrunden” Rhythmus. Davon abgesehen ist Casino Royal aber Kino pur. Die Sequenz in Madagaskar gehört wohl zum Beeindruckensten, das ich seit langer Zeit sehen durfte.
Mein Liebling-Bond bleibt allerdings “The Spy Who Loved Me”.
January 7th, 2007 at 12:44 am
*kratz*
Also, erstmal die obligatorische generelle Zustimmung, fasst meine eigenen Gedanken zum Film gut zusammen (nur eloquenter und eleganter eingekleidet :-/ ). Allerdings hatte ich mir von dir ‘ne etwas deutlichere kritische Reflexion und keine Höchstwertung erwartet.
Casino Royale war mein erster Bond, und der unrund halbdutzendste, den ich zu dieser Welle an franchise restarts zähle: Spiderman, Batman, Superman…; an sich ist ein Gutteil dieser Filme ja auch gelungen bis ganz okay, und dieses new fresh, das ich in den Filmen zu erkennen glaube, ist auch dringend nötig (in der selben Nacht, in der ich Casino Royale gesehen habe, liefen zwei ältere Bonds mit Brosnan und Moore - und schon den Brosnan fand ich inszenatorisch altertümlich wie ein Drehscheibentelefon). Vielleicht setze ich meinen Maßstab auch zu hoch an, aber ich will einfach noch mehr Konsequenz in solchen Filmen.
Batman Begins war da meine erste große Enttäuschung. An sich waren die Vorzeichen glänzend, interessante franchise, gute Darsteller (Bale, Caine), Christopher fucking Nolan auf dem Regiestuhl. Am Ende hat Goyer das Drehbuch versaut und das Resultat war allenfalls mau. Das einzig Gute daran: dieses Beispiel zeigt, dass derlei Neustarts keine unbedingten Heilsbringer sind, nur weil sie frisch sind und neue Ideen reinbringen und mit Konventionen brechen und weiß Gott was heute gerade pauschal als Qualitätsmerkmal herangezerrt wird.
Casino Royale finde ich jedenfalls überwiegend großartig, wegen der von dir angesprochenen Punkte, aber: man wird auch verdammt schnell von den positiven Eindrücken und der eigenen properen Zufriedenheit geblendet. Ein Artikel auf Spiegel Online (übrigens, langsam haben wir gerallt, was du von Spiegel Online denkst ^_-) bringt gute Argumente:
“Wenn aber irdischer heißt, die zentrale Verschwörung in “Casino Royale” dadurch aufzulösen, indem - wie geschehen - James die Kurznachrichten auf dem Handy seiner Freundin kontrolliert, ist die einstige Distanz zwischen 007 und kleinteiligem Stumpfsinn wie “Lenßen und Partner” auf dem kurzen Dienstweg überbrückt.”
“… Vesper Lynd (Eva Green) opfert sich gleich zweimal, und beide Male, natürlich, für einen Mann, den sie liebt. Diese stereotype Tragik weiblicher Bestimmung ist das neue alte Gadget,…”
Gerade letzterer Punkt ist mir selber erst im nachhinein aufgefallen. Mag sein, dass Vesper Lynd eine ungewohnt doppelbödige Figur ist und kein Sexspielzeug gehobenerer Klasse, aber am Ende, nach der etwas arg krumm aufgelösten Verschwörungskiste, erweist sie sich als damsel in distress 2.0.
Wieso hätte sie nicht aus eigenen Motiven heraus Bond umgarnen und am Ende ausspielen können? Wieso musste sie qua Script dazu von außen genötigt werden, um am Ende moralisch nur angeknackst dazustehen? Was am Ende eh durch ihr Martyrium aufgehoben wird, selbst wenn sie faktisch Selbsttötung begeht? Eine letztlich intrigante, bösartige Vesper, die am Ende gar von Bond hätte umgebracht werden müssen, hätte mir diese Figur noch einmal deutlich interessanter gemacht.
Sowas meine ich, wenn ich von fehlender Konsequenz spreche, vom letzen bisschen Mut, das den Drehbuchautoren wohl gefehlt hat. Und an sowas meine ich zu erkennen, dass diese franchise restarts nicht etwa mit dem Mainstream brechen (”Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?” - wie scharfsinnig! Knüller.), sondern ihn umlenken.
Trotzdem prima Film, sind ja nur Randbeobachtungen.
P.S.:
In deinem Artikel fehlen zwei bis drei Absätze, in denen du exklusiv auf die Hawtness von Eva Green eingehst. Bitte nachholen.
Prestige schon gesehen? Geh looki looki! Gestern habe ich rausgefunden, dass das Batman-Sequel (”The Dark Knight” sans “Batman” im Titel, schick) von Nolan gescriptet wird und eine ganze Ecke kantiger ausfallen soll.
Daraufhin war ich schwer erregt
*hust*
January 7th, 2007 at 1:07 am
@Don:
dieses Beispiel [Batman Begins] zeigt, dass derlei Neustarts keine unbedingten Heilsbringer sind, nur weil sie frisch sind und neue Ideen reinbringen und mit Konventionen brechen und weiß Gott was heute gerade pauschal als Qualitätsmerkmal herangezerrt wird.
In die Richtung darf man eh festhalten, dass die ultimativen Versionen von Batman bereits existieren: Der alternde Arschtrittbatman aus Frank Millers The Dark Knight Returns, der Batman aus der Batman-Animated-Serie und der Sci-Fi-Batman aus Grant Morrisons JLA. Der Kinobatman ist immer nur Anhängsel.
Ein Artikel auf Spiegel Online (übrigens, langsam haben wir gerallt, was du von Spiegel Online denkst ^_-)
Was mich nicht davon abhalten wird auch weiterhin von Deutschlands größtem Boulevardmagazin zu schreiben.
Wieso hätte sie nicht aus eigenen Motiven heraus Bond umgarnen und am Ende ausspielen können? Wieso musste sie qua Script dazu von außen genötigt werden, um am Ende moralisch nur angeknackst dazustehen? Was am Ende eh durch ihr Martyrium aufgehoben wird, selbst wenn sie faktisch Selbsttötung begeht? Eine letztlich intrigante, bösartige Vesper, die am Ende gar von Bond hätte umgebracht werden müssen, hätte mir diese Figur noch einmal deutlich interessanter gemacht.
Ist ein Punkt den man so machen kann, aber eine ähnlich gelagerte Figur gab es schon zwei Bonds vorher mit Elektra King (gespielt von Sophie Marceau). Da war es zwar das Stockholm-Syndrom, dass die Dame zur Bösen hat werden lassen, aber da hatte man eine Person die eiskalt, intrigant und bösartig war und die Bond am Ende ohne zu zögern erschießt, obwohl er sie mal “geliebt” hat.
Sophie Marceau war aber auch so ziemlich der einzig positive Aspekte an The World Is Not Enough. Und das Problem da war, dass Bond sofort nach der Tötung von Marceau mit Denise Richards rummachen darf, die als Barbiebondgirl zur Hand ist.
Und an sowas meine ich zu erkennen, dass diese franchise restarts nicht etwa mit dem Mainstream brechen (”Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?” - wie scharfsinnig! Knüller.), sondern ihn umlenken.
Ich glaube, da erwartest du dann aber auch das falsche von den falschen Filmen. Franchises, gerade jahrzehntealte wie die Bond-Filme (gibt es da noch viele die so eine lange Halbwertszeit haben?) sind der Mainstream. Alles was du in einem Bondfilm siehst kann schon per se nicht mehr Indie sein, sondern wurde von so vielen Indie-Filmen erarbeitet, dass es jetzt in einen Bondfilm eingehen kann und dann für die Bondserie als Cutting Edge gilt.
Das ist halt die Crux dieser Franchises: Da schaut man primär ob der neue Bond besser oder schlechter ist als der alte Bond, nicht ob er besser oder schlechter ist als ein Konkurrenzfilm (außer er ist so direkt konkurrierend wie die beiden Bourne-Teile). So unfair das ist, die Höchstwertung in meiner Rezi hat sich der Bond damit als Bondfilm erarbeitet. Wäre das kein Bondfilm, vielleicht wären es tatsächlich “nur” 4/5 geworden.
Aber die Wertungen sollte man eh nie höher ansiedeln als das, was tatsächlich im Text zu lesen ist. Wertungen sind immer problematisch.
In deinem Artikel fehlen zwei bis drei Absätze, in denen du exklusiv auf die Hawtness von Eva Green eingehst. Bitte nachholen.
Palavern? Ach komm, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Wobei ich die Frau Murino auch nicht unattraktiv fand.
Prestige schon gesehen?
Noch nicht. Aber ich glaube, mein nächster Kinogang wird mich eher in Departed führen. Ich will sehen was Scorsese da mit Infernal Affairs gemacht hat.
Geh looki looki! Gestern habe ich rausgefunden, dass das Batman-Sequel (”The Dark Knight” sans “Batman” im Titel, schick) von Nolan gescriptet wird und eine ganze Ecke kantiger ausfallen soll.
Daraufhin war ich schwer erregt
Siehe oben.
January 7th, 2007 at 1:25 am
[...] Casino Royale (tags: bond craig review) [...]
January 7th, 2007 at 1:12 pm
Ist ein Punkt den man so machen kann, aber eine ähnlich gelagerte Figur gab es schon zwei Bonds vorher mit Elektra King (gespielt von Sophie Marceau). Da war es zwar das Stockholm-Syndrom, dass die Dame zur Bösen hat werden lassen, aber da hatte man eine Person die eiskalt, intrigant und bösartig war und die Bond am Ende ohne zu zögern erschießt, obwohl er sie mal “geliebt” hat.
Sophie Marceau war aber auch so ziemlich der einzig positive Aspekte an The World Is Not Enough. Und das Problem da war, dass Bond sofort nach der Tötung von Marceau mit Denise Richards rummachen darf, die als Barbiebondgirl zur Hand ist.
Wusst ich nicht, kenn ja sonst keine Bonds. Aber deiner Beschreibung entnehm ich, dass die Kiste beim Brosnan-Bond definitiv anders aufzufassen wäre wie beim Craig-Bond aus Casino Royale. Wenn Brosnan Marceau abknallt, um daraufhin die Richards zu vögeln, ist der “Verrat” Marceaus (war es einer? dunno) ja hinfällig und irrelevant.
Ich glaube, da erwartest du dann aber auch das falsche von den falschen Filmen. Franchises, gerade jahrzehntealte wie die Bond-Filme (gibt es da noch viele die so eine lange Halbwertszeit haben?) sind der Mainstream. Alles was du in einem Bondfilm siehst kann schon per se nicht mehr Indie sein, sondern wurde von so vielen Indie-Filmen erarbeitet, dass es jetzt in einen Bondfilm eingehen kann und dann für die Bondserie als Cutting Edge gilt.
Point.
Prestige muss auf jeden Fall sein. Nach den beiden Auftragswerken Insomnia und Batman Begins hatte ich schon fast vergessen, dass Nolan ja auch ein brillanter Drehbuchautor ist, in Prestige heiratet er die Raffinesse von Memento in die allgemeine Publikumsverträglichkeit ein, sehr erstaunlich, sehr bemerkenswert, und wahnsinnig gut geschrieben und geschnitten.
January 7th, 2007 at 2:46 pm
Wusst ich nicht, kenn ja sonst keine Bonds. Aber deiner Beschreibung entnehm ich, dass die Kiste beim Brosnan-Bond definitiv anders aufzufassen wäre wie beim Craig-Bond aus Casino Royale.
Schon, aber das bezieht sich ja nun wieder auf Bond selbst, nicht auf das Bond-Girl. Aber im Kern hast du natürlich Recht, das hat eine ganz andere Wirkung. Vom Typus her war Marceau aber in etwa das, was du dir von Vesper in Casino Royale gewünscht hättest. Und Marceau war dadurch eines der interessantesten Bondgirls seit über zwanzig Jahren.
Prestige muss auf jeden Fall sein.
Wird gemacht, mein Mamandant. Kommt damit auch auf die Liste.
January 8th, 2007 at 10:48 am
Dieser Bond ist gut. Er ist Mensch. Er schwitzt, blutet und hat Schmerzen.
Und genau hier liegt das Problem:
Es gibt viele amerikanische Rabauken die die Filmwelt retten, aber nur einen Briten. Der Gentleman aus der Oberschicht mit seinem spöttischen Blick auf die Welt und sich selbst, ausgestattet mit feinen Spielzeugen, ist kaum mehr vorhanden.
January 8th, 2007 at 2:40 pm
Naja, aber das ja genau die Diskussionsgrundlage. Zum Spöttischen Bond mit den Spielzeugen wurde er erst von Moore gemacht. Gedacht war er anders: härter, brutaler, echter. Das sieht man auch sehr gut an den originalen Büchern. Ich bin froh das die Linie wieder davon weg geht
January 8th, 2007 at 10:52 pm
[...] Ich wollte schon seit längerem meine Gedanken zum neuen James Bond mit Daniel Craig festhalten, bin aber bisher nicht dazu gekommen. Bei agitpop habe ich gerade einen Beitrag gefunden der eine gute Rezession des Filmes abgibt. Lesebefehlt! [...]
February 7th, 2007 at 6:15 pm
Fuck xXx sowieso ;).
Mir hat der Neue auch super gut gefallen. Es wurde echt höchste Zeit das Schema zu ändern. So etwas gehört auch mit der Star Trek Reihe gemacht, die nach und nach immer schlechter geworden ist. Vielleicht etwas düsterer, so wie Battlestar Galactica. Aber gut das ist ein anderes Thema.
Auf alle Fälle freue ich mich auch auf einen weiteren Daniel Craig Bond!
November 17th, 2008 at 9:06 pm
[...] wir alle mitbekommen haben, bin ich fest in dem Lager zu Hause, das Casino Royale für einen der besten Bond-Filme hält. Daniel Craig als Bond und die bodenständigere Gangart jenes Vehikels empfand ich als [...]