Rezi-Roundup: Silent Hill, Slither
Eine neue Woche, ein neuer Doppelpack Rezis. Vorhang auf für Agitpops kleine Horrorshow:
Silent Hill
Ich kenne die Spiele zu Silent Hill nur teilweise (Teil 2 habe ich letzte Woche durchgespielt, Teil 3 bekomme ich wahrscheinlich heute oder morgen durchgespielt… Teil 1 und 4 habe ich nicht gespielt), ich kann also den Film zum Spiel nur sehr bedingt mit Blick auf die Vorlage bewerten. Bei dem Wissen das ich habe, habe ich ein paar wirklich gut gemachte Referenzen ausmachen können, primär bei den Straßennamen, Lokalitäten (der Toluca See, das Brookhaven Hospital) und beim Monsterdesign (die Spuckklopse und Konamis Zombiekrankenschwestern). In anderen Belangen - etwa den Kohlenfeuern, die aus Silent Hill eine Geisterstadt haben werden lassen - bin ich mir nicht sicher, ob das in Teil 1 erwähnt wird oder ob das für den Film neu eingebaut wurde.
Anyway. Auch bei der Story weiß ich nicht, wie dicht sie sich an der Handlung von Teil 1 orientiert und wie viele Elemente neu hinzugefügt wurden. Was vielleicht nicht das Schlimmste ist, so schreibe ich meine Meinung zu einem Film, nicht zu einer Umsetzung. Und als Film merkt man Silent Hill - beginnen wir mit dem Guten - eine gewisse Liebe zum Detail einfach an. Einerseits Referenzen auf die Videospiele (da werden neben den oben genannte viele existieren, die ich gar nicht bemerkt habe), aber auch in der generellen Designarbeit.
Die in grauem Ascheregen vernebelte Stadt Silent Hill sieht wirklich beeindruckend aus. Die halb verfallenen Gebäude, die mit Roststellen übersähten Innensets, das Kostümdesign der Menschen die noch in Silent Hill leben… das macht was her. Selbiges gilt für die Umsetzung “der Dunkelheit”, die alle paar Stunden Silent Hill übernimmt und den ohnehin eher ungastlichen Ort in einen noch unschöneren Ort verwandelt. Einen Ort an dem Maschendrahtzäune, Metallketten und in die Architektur integrierte, gequälte Gestalten Baustandard sind und man Wände nicht aus Steinen sondern aus Menschenhaut, Muskelgewebe, Nachgeburt oder ähnlich unschön-organischem Material herstellt. All das sieht wirklich sehr schnieke und bedrohlich aus. Man erwartet ein weing, dass gleich Pinhead mit einer LeMarchand-Box um die Ecke stiefelt.
Auch der plötzliche Wandel vom grauen ins düstere Silent Hill ist sehr schön in Szene gesetzt. Und Pyramid Head - ein Monster aus Silent Hill 2 mit einer riesigen Metallpyramide auf der Omme und einem Schwert, mit dem er das “Das soll’n Messer sein? Das hier ist ein Messer!”-Spielchen gegen jeden beliebigen Charakter aus Final Fantasy gewinnen würde - sieht auch ziemlich finster aus. Und hier hält der Mann was das Äußere verspricht. Es gibt da eine äußerst unfeine Szene, in der Herr Pyramidenkopf eine Dame auseinanderreißt und ihren Leichnam dann nass klatschend gegen eine Kirchentür schleudert. All das sieht, wie erwähnt, sehr beeindruckend aus.
In Silent Hill gilt John Romeros alte Maxime: Design is Law. Leider ist John Romero auch der Mann, der uns Daikatana gebracht hat. Und das Spiel war bekanntermaßen ein Greuel vor dem Herrn. Und auch Silent Hill fällt böse auseinander, wenn man es als Film und nicht als Designstudie betrachtet.
In den fast zwei Stunden Laufzeit, gelingt es nicht im Geringsten mir zu erklären, was zum Geier da eigentlich vor sich geht. Was vielleicht an der verquarzten Erzählstruktur liegt: Über anderthalb Stunden läuft die Hauptfigur Rose von Location zu Location durch Silent Hill und sucht ihre Tochter. Erst in der letzten halben Stunde wird dann ein massiver Infodump betrieben, der… einfach keinen Sinn ergibt.
Nach dem Film saßen wir (meine Mitgucker und ich) da und versuchten zusammenzuflicken, was uns das Ganze jetzt sagen sollte. So… halbwegs… haben wir es verstanden. Bis zu dem Punkt an dem ein Kind von puritanischen Christen gebraten werden sollte und das BBQ schief ging. Dann einigten wir uns darauf, dass der Film nach dieser Szene einfach aufgehört hat irgendwas zu vermitteln. Vielleicht steckt da sogar Logik und System dahinter, aber die Dialoge im Film transportieren das alles nicht. Dafür sind sie zu überfrachtet und stellenweise zu albern. Auf einmal gibt es unzählige “Ihre Lippen bewegen sich, aber die Worte haben keine Bedeutung”-Momente. Und das Argument “Das versteht man besser, wenn man das erste Spiel gespielt hat” ist keines. Silent Hill der Film sollte als guter Film auch für die Zuschauer funktionieren, denen das Quellenmaterial unbekannt ist.
Abgesehen davon, dass die Story wenig bis keinen Sinn ergibt: Silent Hill bedient sich auch großzügig bei anderen Horrorfilmen, was ihn im Vergleich noch etwas schwächer wirken lässt. Achtung, dieser Film enthält Spurenelemente von The Omen, Carrie, Rosemary’s Baby, The Crucible, Ring und The Exorcist.
Dass der Film storytechnisch ein konvoluter Clusterfuck ist, hält ihn nicht davon ab Qualitäten zu haben: Das Finale ist als solches gar nicht mal schlecht. Die “Dunkelheit”, die bisher nie in die Kirche von Silent Hill vordringen konnte, findet doch ihren Weg. Und die Szene in der sich die Dunkelheit in der Kirche ausbreitet sieht echt hübsch aus. Auch das anschließende Stacheldrahtmassaker ist ziemlich ästhetisch. Und das eigentliche Ende ist angenehm deprimierend. Dazu kommt, dass der Soundtrack - bei dem ich einige von Akira Yamaokas Stücken aus Silent Hill 2 & 3 indentifizieren konnte - wirklich gelungen ist.
Von einem optischen und akustischen Standpunkt aus betrachtet ist Silent Hill ein wirklich gelungener Film, dem man die Liebe zum Detail schon anmerkt. Als Ganzes betrachet ist Silent Hill aber schlichtweg zu verworren, zu kompliziert, erzählerisch zu schwach. Hätte man 30 Minuten weniger gedreht und das für die Special Effects gesparte Geld in einen fähigen Drehbuchautoren investiert, das hier hätte ein richtig guter Horrorfilm werden können. So kommt er leider über ein “außen hübsch, aber innen hohl” nicht hinaus. Schade drum.
2/5
Second Opinion: Eine positive Rezi von jetsetradio bei Kantenflimmern.
Slither
James Gunn, bekannt dafür, dass er sich immer mal wieder in Lloyd Kaufmans Büchern zu Wort melden durfte und nebenbei den modernen Troma-Klassiker Tromeo & Juliet gedreht hat, präsentiert einen grundsoliden B-Movie-Schlockbuster der wahrscheinlich deshalb an der Kinokasse gefloppt ist, weil er von Grund auf eine “direct to video”-Attitüde vertritt.
Um es direkt vorweg zu nehmen, Slither gibt der Welt nichts, was man nicht schon in anderen Filmen gesehen hätte, das aber hochkompetent. Redneckhumor, klassische Invasionsmomente aus den Fünfzigern, eine nette Menge humorvoll präsentierten Splatter, Nathan “Mal aus Firefly” Fillion als sympathischen Dorfbullen, Zombies und ein paar sehr widerliche außerirdische Wurmmutanten.
Dass James Gunn seine B-Movies kennt merkt man nicht nur daran, dass er einen Shot direkt aus Night of the Living Dead übernommen hat, der generelle Plot sehr nach Bodysnatchern und Blobs riecht, die lokale Schule nach einem Charakter aus Tremors benannt wurde oder man im Film den Toxic Avenger auf einem Fernseher bewundern kann. Man merkt es auch daran, dass der Film gekonnt alle wichtigen und klischeebeladenen Szenen aus anderen Filmen dieser Art recyclet. Direkt mal angefangen mit dem abstürzenden Meteor in der ersten Szene, der die Wurmpest ins Hillbillydorf trägt.
Und für Slither spricht, dass der Film all diese Klischees präsentieren kann, dabei aber zwei Fallgruben vermeidet, in denen andere Filme dieser Art oft landen: Er wirkt nicht überheblich und arrogant (frei nach dem Motto: “Haha, ich bin was besseres weil ich all diese Horrorklischees kenne und über sie lachen kann.”), er wirkt aber auch nicht dröge und langweilig (frei nach dem Motto: “Das haben wir doch alles schon mal gesehen.”). Gunn hat hier Spaß mit den Filmen die er ins Lächerliche zieht, aber sein Respekt und seine Zuneigung merkt man trotzdem.
Auch ohne den Geblödel-Aufsatz ist Slither ein solider Film, weil er bei allem Schabernack nicht vergisst, dass er auch auf einer Horror-Splatter-Ebene funktionieren sollte. Da bekommt der Zuschauer dann viel unschöne Wurmpenetration (ich würde über den psychologischen Subtext nachdenken, habe aber All I Needed To Know About Filmmaking I Learned From The Toxic Avenger gelesen… die Jungs scheißen auf tiefenpsychologische Ebenen, echt gezz) und solide Monstermomente geboten (they kill, they feast, they die). In gewisser Hinsicht ist es wie mit Shaun of the Dead (vom Aufbau, nicht von der Qualität), der auch als Hommage und als Zombiefilm gleichzeitig funktioniert.
Wenn man Slither nicht schaut, dann verpasst man nicht viel. Und Neues schon gar nicht. Aber wenn man B-Movies mag, dann macht man mit Slither keinen schlechten Fang. Sympathisch, amüsant, gut gemacht und nie langweilig. Der Welt größter Zwerg, wenn man so will. James Gunn hat sein Handwerk bei Troma sehr gut gelernt. Ein wirklich netter, anspruchsloser Film… was hier als Kompliment und nicht als versteckte Kritik zu verstehen ist.
3/5
(Und 0/5 für Björn, weil er den Gastauftritt von Lloyd Kaufman verpasst hat… d’oh!)

January 4th, 2007 at 3:27 pm
kann mir jemand sagen ob es den Ort wirklich giebt ( Silent Hill) und wo er liegt
und ob jemand die internet adresse hat von der seite wo die Mutter von dem Mädchen im Film am anfang nach informationen sucht
habe vor den ort zu besuchen wenn es ihn giebt.und mehr davon zu veröfentlichen
mir währe sehr geholfen damit
January 4th, 2007 at 3:38 pm
Obwohl ich mir gerade ob Inhalt und Rechtschreibung leicht verschaukelt vorkomme, werde ich mal versuchen eine sinnvolle Antwort zu geben.
Nein, die Stadt Silent Hill gibt es offensichtlich nicht. Inspiriert wurde die Kohlenfeuergeschichte im Film wohl von Centralita, Pennsylvania.
Gedreht wurde der Film in Brantford, Ontario und Hamilton, Ontario. Für alles weitere verweise ich auf die allwissende Müllhalde.
January 8th, 2007 at 7:03 pm
Doch, doch, Silent Hill gibts, ganz sicher. Gleich hinter The Hills Have Eyes :D.
@Slither: Mir hat der Trailer sehr gut gefallen, hab ihn aber im Kino verpasst. Wurd ja nicht wirklich lange gezeigt. Jetzt muss die DVD beschafft werden.
January 9th, 2007 at 4:47 pm
Was Silent Hill angeht, find ich diesen Film echt langweilig. Sogar mit meinen, ab morgen, 15 Lenzen hab ich bessere Filme gesehen. Die Story ist ein bisschen abgefuckt und langweilig. Die hätten sich bei dem Drehbuch wenigstens ein bisschen mehr bemühen sollen. Erstens am Spiel orientieren und zweitens manchen Stellen nicht so mit Informationen vollstopfen sollen. Bei unseren Mitguckern hatten wir einen Blondie dabei, sie hat den Film tatsächlich nicht verstanden (und so was nennt sich angehender Arzt, sie ist 20!). Eins muss ich schon zugeben und zwar, dass die Effekte gar nicht mal so schlecht hingekriegt wurden.
January 9th, 2007 at 10:31 pm
@Björn: Bezahlst du für so Kommentare? *fg*
January 10th, 2007 at 1:14 am
@Suicide:
Guck dir dann mal diese Kommentarsektion hier an.
@Anastasia:
Bessere Filme kann man sogar schon mit zehn Lenzen gesehen haben, da gibt es genug von. Ich muss jetzt pädagogisch wertvoll auch noch darauf verweisen, was aus dir wird, wenn du böse Filme guckst, obwohl du noch zu jung dafür bist.
Ansonsten: Ich bin über 20 und habe den Film zum Ende hin nicht verstanden, weil es da nichts mehr zu verstehen gibt. Das ist ein erzählerischer Clusterfuck par excellence.
Ganz abgesehen von all dem: Alles Gute zum Geburtstag.
March 5th, 2007 at 7:25 am
ihr habt doch einen weg silent hill gibt es nicht und wenn schon dann würdet ihr gan bestimmt micht dahin gehen
gedreht wurde in west virginia aber dort soll in der realen welt schon öfters was passiert sein