Frets on Fire - You too can be a Firefucker

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Seit einiger Zeit haben die Playstationbesitzer ja verdammt viel Spaß mit Guitar Hero. Es sei ihnen gegönnt, bringt mir aber gar nichts, weil ich keine Playstation besitze. Dann gibt es noch die Fraktion, die verächtlich auf Guitar Hero herabschaut und betont, dass “the real deal” viel genialer ist. Also, statt mit Plastikgitarre vor dem Fernseher, lieber mit richtiger Gitarre vor einer Zuschauermenge.

Ich glaube den Leuten schon, dass das besser ist. So wie es auch sicher cooler ist mit einem richtigen Lamborghi in der Gegend rumzudüsen als mit der virtuellen Version in Need for Speed. Oder wirklich als Nationalspieler der Nationalmannschaft die WM zu gewinnen… und nicht als Computerspieler der FIFA 2006 zockt. Oder als echtes Frontschwein in Vietnam zu verrecken und nicht wie in Vietcong… öh… naja, schlechtes Beispiel.

Anyway: Richtig Gitarre spielen ist besser als Guitar Hero. Die Kategorie fällt für mich aber auch weg. Okay, meine Schwester hat irgendwo noch ihre Akustikklampfe rumstehen, aber mich erst Jahre lang durch “Stairway to Heaven” oder “Smoke on the Water” spielen und dann irgendwann erkennen, dass ich wohl doch nicht der nächste Jimi Hendrix, Steve Vai, Joe Satriani, Mark Knopfler, Theodore “das Nashorn” Logan oder Tom Morello werde? Wahrscheinlich nicht einmal der nächste Kurt Cobain? Dafür fehlt mir die Zeit, da fange ich sowas lieber erst gar nicht an.

Also, was macht der Nerd wenn er weder eine richtige Gitarre noch Guitar Hero spielen kann? Er greift zur Freewarealternative aus der Demoscene:

Frets on Fire heißt das gute Stück, kommt aus Finnland und ist ein abgespeckter Guitar-Hero-Klon. Und wenn dieses Verhalten Schule machen sollte, dann wird es wohl nicht allzu lange zum kostenlosen Download parat stehen.

Da der durchschnittliche PC-User wohl keine USB-Gitarre zur Hand hat, muss etwas anderes her. Damals in den Achtzigern waren ja diese Umhängekeyboards sehr beliebt. Wenn man nur Keyboard spielen gelernt hatte, aber trotzdem so cool wirken wollte wie die Gitarristen oder jene Frontmänner, für die eine Gitarre die gleiche Funktion hatte wie heute eine Goldkette für Ghetto-Rapper, dann griff man zu so einem Teil. Zumindest konnte man sich dann vorstellen, man würde Gitarre und nicht Keyboard spielen.

Frets on Fire basiert auf dem selben System. Die Computerklaviatur in die Hand genommen, sich hingestellt wie auf obigem Logo zu sehen und sich vorgestellt man hielte eine Fender Stratocaster oder eine Gibson Les Paul. Die F-Tasten fungieren als Frets (Bünde), mit der Entertaste wird gepickt. Mehr muss man nicht wissen. Und: Ja, man sieht scheiße dabei aus. Aber hat dieses Wissen jemals irgendwen davon abgehalten Luftgitarre zu spielen?

Na also.

Das ganze spielt sich - wenn man das Keyboard wie propagiert hält - tatsächlich überraschend gut. Nach rund zwanzig Minuten kann es ein bisschen krampfig werden, aber möglicherweise lässt sich das Problem beheben, wenn man ganz nerdig wird und sich tatsächlich einen Umhängegurt ans Keyboard tackert. Oh… und ich rate davon ab ohne USB- oder Funkkeyboard am Laptop zu spielen. Abgesehen davon sollte man nach ein paar Minuten eigentlich keine Probleme mehr haben die Hotspots zu treffen.

Einziges Problem bei mir (das kann aber an meiner Radeon Mobility liegen) ist, dass das Spiel manchmal “Schluckauf” hat. Das Bild friert für eine Sekunde ein und skippt dann die verpassten Frames sofort. Sehr ärgerlich wenn sowas einen fast perfekten Lauf ruiniert. Nach einer Viertelstunde sollte man in der leichtesten Stufe keine allzu großen Probleme mehr haben, auch wenn es schon da einige knifflige Passagen gibt. In der mittleren Stufe muss man dann auch mal zwei F-Tasten gleichzeitig drücken, was schon mehr Hand-Auge-Koordination erfordert. Und wenn in der Spielstufe “Amazing” die fünfte F-Taste ins Spiel kommt, man also umgreifen muss, möchte ich mögliche Fingerbrüche nicht mehr ausschließen.

Oh, ja. Das Tutorial mag zwar keine große Hilfe dabei sein zu lernen wie man das Spiel wirklich spielt… aber es ist eines der schweinelustigsten Dinge die mir in der näheren Vergangenheit untergekommen sind. Nicht vergessen, little Girls, Jurgen Guntherswarchzhaffenstrassen ist ab jetzt euer neuer Gott. Ganz großes Tennis.

Im Spiel inbegriffen sind drei Songs von Tommi Inkila von Scenery Channel. Und, nein, den Kerl oder die Band kannte ich vor dem Spiel auch noch nicht. Aber die drei Songs machen ungeheuren Spaß und alle drei Tracks sind verteufelt eingängig. Den poppigsten der drei Tracks, “Bang Bang, Mystery Man” von Mary Jo, kann man auch ohne Spiel hier kostenlos runterladen.

Da drei Songs - egal wie gut gemacht - nicht sonderlich viel sind, liegt dem Spiel ein Editor bei, mit dem man seine eigenen Songs importieren kann. Man darf also auf den einschlägigen Seiten (siehe die Linksektion dieses Posts) damit rechnen, dass da noch mehr kommen wird. Oh, ich möchte an dieser Stelle meine psychischen Muskeln anspannen und etwas prognostizieren:

I.) Primär werden da Gitarrenklassiker von Bands wie Metallica, The Jimi Hendrix Experience, Van Halen, etc. zu finden sein…

II.) Da das meist von MP3s gerippte Arbeiten sind, wird man das selbe Problem haben wie beim Karaoke. Man hat nur das Gesamtpaket und kann darum die Gitarrenspur nicht komplett rauseditieren. Aber: Das Spiel möchte Gitarrenspur und den Rest des Tracks gerne in zwei getrennten OGG/Vorbis-Dateien (Demoscene, yep) haben. Resultat: Diese Tracks die auf komerziellen Liedern basieren werden scheiße klingen, weil man die Gitarrenspur selbst dann hört, wenn man die Hotspots nicht trifft.

III.) Die mit CIA-Spionagesatelliten ausgerüsteten Anwälte von Metallica und Sony erkennen, das hier massiv Schindluder mit ihren Copyrights betrieben wird, Abmahnungen werden folgen und die Seiten werden vom Netz genommen.

Punkt 3 ist gar nicht mal das Schlechteste. Denn eventuell erkennen einige Nachwuchsbands oder einige kleinere Labels das Marketingpotential des Spiels. Die dürften auch ihre Gitarrenspuren in seperaten Dateien zur Hand haben. Was die Qualität des fertigen Frets-on-Fire-Tracks verbessert.

Gleichzeitig kann dabei ein gut gemachter eigener Song perfekt dazu dienen sich selbst ein bisschen zu propagieren. (Vielleicht hat der Falk ja etwas, dass in die Richtung geht?) Beide Seiten gewinnen.

Brad Sucks hat das zum Beispiel erkannt, bot die Gitarrenspur eines seiner Lieder an und - voila - schon haben die Fans eine Frets-on-Fire-Version davon gebastelt.

Soviel zum Marketingteil. Nochmal kurz zum Spiel: Frets on Fire ist sicher kein perfektes Spiel, aber als Freeware-PC-Alternative zu Guitar Hero macht es so einiges her. Und als kleiner Pausenfüller oder Partyspiel macht es sogar so richtig Laune. Und nur weil es hier keine Stylepunkte gibt, ist das kein Grund nicht mal einen kleinen Sprung während der Keyboardakrobatik einzubauen oder sich mitten im Solo auf die Knie zu werfen. Der Untertitel des Programms ist nicht umsonst “rockin it oldskool”. Man sollte nur der Versuchung wiederstehen das Keyboard am Ende des Liedes an den Boxen zu zerschlagen.

Wer übrigens noch nicht ganz sicher ist, wie man so nach alter Schule rockt, der kann ja Nachhilfestunden beim Herrn Young (Neil, nicht Will) nehmen.

Und jetzt: Keyboards shredden.

Literatur:

*Frets on Fire runterladen.
*Zusätzliche Songs.
*Mehr zusätzliche Songs.
*Zusatzsong von Brad Sucks.

10 Responses to “Frets on Fire - You too can be a Firefucker”

  1. Pick Rivera Says:

    Danke für den Tipp - jede Menge Spaß um zwei Uhr nachts.

  2. Harvey Birdman Says:

    finnen. nur cool.

  3. shad Says:

    Oder auf die PC Format Anleitung warten und seine eigene USB Gitarre bauen:

    http://blog.pcformat.co.uk/page/pcformat?entry=frets_on_fire

  4. Björn Says:

    Das ist natürlich Nerd to infinity²… sehr cool…

  5. suicide Says:

    Wer sagt das Luftgitarre scheiße aussieht? :D

    Werd ich mir mal auf alle Fälle reinziehen. Mal schauen ob das tatsächlich fun macht.

  6. Falk Says:

    Vielleicht hat der Falk ja etwas, dass in die Richtung geht?

    Huch, wie meinen? Ich muss das erstmal alles lesen hier, dann sag ich auch was sinnvolles dazu ;)

  7. FALK stands for FUCK ART, LET’S KILL! » Ich wär so gern ein Gitarrist Says:

    [...] schreibt Björn nebenan über den Guitar-Hero-Klon Frets on Fire und trifft damit genau den Punkt. Solcherlei Promotionaktionen von jungen Künstlern oder Labels vermiss ich immer wieder. Gitarrenspuren rausgeben? Um himmelswillen, dann spielt mich vielleicht einer nach… [...]

  8. t0dd Says:

    einfach nur geil das spiel!!!

  9. BlackEagle Says:

    hi…also ich find des spiel echt endgeil…aber ich würde noch gern ein paar songs importieren…wie irgendwas von ACDC oder smoke on the water von Deep Purple oder Blink 182….aber wie soll ich des denn machen?…da steht immer “frets only” dahinter und damit kann ich nix anfangen…da muss ja au der song dabei sein und die .ini datei…was soll ich da machen?

  10. Björn Says:

    Da ich das Spiel nicht programmiert habe, kann ich dir da nicht helfen. Frag mal in diesem Forum nach Hilfe. Da sollte man dir Antworten geben können. Ich glaube, da tummeln sich auch ein paar Deutsche, falls dein Englisch nicht so gut ist.

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