Schubladendiskussion
Einer der Gründe, warum ich momentan so auf Videospiele und andere popkulturelle Trivialitäten fixiert bin ist, dass mich die Internetwelt ankotzt. Punktum. Nachdem das Internet Herrn Hezekiel schon dazu gebracht hat, einen “Hass auf die achsogeile Meinungsfreiheit” zu entwickeln, stellt sich bei mir so langsam der selbe Effekt ein. Bilde ich mir das nur ein oder ist der Level des Diskurses seit dem Karikaturenstreit und Potsdamgate noch weiter gesunken?
Muss wirklich jedes Stück aus den Nachrichten, egal worum es geht, mit aller Gewalt so zu Recht gehämmert werden, dass es ins eigene Weltbild passt? Ich weiß, ich sollte die Kommentarsektionen der Frankfurter Allgemeinen, der Financial Times und der ZEIT einfach ignorieren, aber da ist diese morbide Neugier, die mich dann doch dazu treibt den reißerischen Überschriften zu folgen. Das mag nicht sehr Web 2.0 sein, aber man sollte als ernstzunehmende Nachrichtenpräsenz doch noch einmal darüber nachdenken ob man die Kommentarlinks nicht aus den Artikeln entfernen sollte.
Ein ganz tolles Beispiel dafür ist der Amoklauf von Berlin. Was wissen wir bisher darüber? Frei nach Dragnet: Just the facts, ma’am. Ein Sechzehnjähriger hat mindestens 28 (aktuelle Zahl: 35) Menschen in der Menschenmenge vor dem Lehrter Bahnhof niedergestochen. Der Sechzehnjährige lebt in Berlin-Neukölln, hat aber - laut mehreren Presseorganen - keinen Migrationshintergrund.
Was soll man dazu sagen? Die Sache ist schlimm, gar keine Frage. Dass das erste Opfer HIV positiv war und der Täter das Virus möglicherweise an die anderen Opfer weitergegeben hat, macht die Sache noch schlimmer. (”Aids-Alarm” und “das TODESVIRUS”, wie es die ZEITUNG so schön sachlich beschreibt.) Ansonsten wüsste ich nicht, was man bisher dazu sagen kann. Warum der Jugendliche Amok lief, ob sich das Ganze hätte verhindern lassen, dazu gibt es noch keine Informationen. Was niemanden daran hindert das Drama gleich für die eigenen politischen Interessen zu instrumentalisieren.
Schauen wir doch mal, wieviele - zumindest bisher - offenbar nicht direkt damit zusammenhängende Themenfelder wir irgendwie mit dem Amoklauf verknüpfen können.
So kann der Amoklauf gleich mal als Beispiel dafür dienen, dass Uwe-Karsten Heye falsch liegt und die rechtsextreme Gefahr in Deutschland überschätzt wird, während die Gutmenschen das Problem der Ausländergewalt geflissentlich ignorieren:
Puhh, da sind die Gutmenschen beruhigt: Kein Migrationshintergrund!
Blöd ist aber, daß wohl auch keine Neonazi oder wenigstens Rechtsextremist.
Wo man schon dabei ist, sollte man auch gleich versuchen den Bezug zur Ausländergewalt herzustellen:
Ist das sicher, dass das kein “nur Passdeutscher” ist?
Wenn der Täter selbst mit roher Gewalt nicht in den Ausländerkontext zu pressen ist, dann muss man eben über Bande argumentieren, dass der Täter durch die Ausländergewalt zu dem Amoklauf getrieben wurde. Irgendwie muss man ja die Migrationsdebatte einbinden:
der junge ist in einem stadtteil herangewachsen, welches hauptsächlich von kulturbereicherern bewohnt wird. ist es ihm vorzuwerfen, dass es sich den geflogenheiten der mehrheitsgesellschaft angepasst hat? ich musste aus beruflichen gründen 2 jahre lang in dieser drecksstadt leben. mir wurde es dort zu gefährlich. zu viele no go areas für deutsche. #jetzt wohne ich in einem vorort einer grösseren stadt. bei den gutmenschen. kein türke, araber, oder neger weit und breit. ulkig, nicht wahr?
Hilfreich sind auch vollkommen zusammenhangslose Annekdoten:
Mein Bruder, dessen kleiner Sohn im Kindergarten ist, erzählt mir: die dortigen türkischen Jungen schliessen sich zusammen und versuchen, die deutschen Kinder mit Gewalt zu dominieren. Die Ursache: In arabischen und türkischen Familien wird den Kindern eingeredet, sie müssten sich mit aller Gewalt gegen die „Scheissdeutschen” durchsetzen. Es ist der Hass und die Verachtung, die den muslimischen Kindern von klein auf eingeimpft wird. Mit diesen Problemen KANN unsere Gesellschaft gar nicht klarkommen, selbst wenn sie noch so möchte - die Muslime selbst müssen an ihrem Weltbild arbeiten und loslassen vom Hass auf die „Ungläubigen”.
Passend dazu, kann man natürlich auch die Medien kritisieren, die hier einen kleinen Vorfall über jedes Maß aufblasen, Deutschenhass schüren (indem sie erwähnen, dass der Täter ein Deutscher ist) und ihrer Journalistenpflicht nicht nachgehen, indem sie nicht erwähnen dass es auch Gewalt von Ausländern gegen Deutsche gibt:
Unvoreingenommen wollen wir alle sein.
Deshalb wollen wir nicht verschweigen, dass 80% aller Körperverletzungen in Berlin von der „kulturellen Bereicherung“ (Türken, Albaner, Araber, Neger, Moslems) begangen werden.
Verschwiegen werden soll auch nicht, dass die Opfer nicht selten Fällen faschistoid rassistische Schweinefleichfresser handelt (denn nichts anderes sind wir in den Augen der kulturellen Bereicherer).
So liegt im Fall einer weiteren Messerstecherei erst mal der Verdacht nahe, dass der Täter ebenfalls aus dem Bereicherungsmilieu stammt.
Da die deutsche Staatsbürgerschaft von der rot-grünen Bundesregierung so richtig verwurstet wurde, reicht es nicht mehr aus, von einem „deutschen Täter“ zu sprechen. Es liegt dann immer noch der Verdacht in der Luft, dass dieser „Deutsche“ Mustafa heißt, oder Achmed, Ali …Nachdem die Systemmedien uns jahrelang angelogen haben, ist in der Bevölkerung einfach eine gewisse Skepsis vorhanden, wenn von „Jugendlichen“ oder „Deutschen“ die Rede ist.
So waren es 4 „Jugendliche“, die ein deutsches Mädchen vergewaltigt haben.
Dass es sich bei den sympathischen „Jugendlichen“ um Neger handelt, erfuhr der Interessierte erst auf Umwegen.
Im Fall von Vergewaltigung haben es die Gutmenschen auch nicht so leicht, die Tat sozio-historisch zu begründen.
Sieht vielleicht in bisschen blöd aus, wenn die erzählen, dass die 16-jährigen Neger unter der jahrhundertelangen Sklaverei leiden und sich nun berechtigt an der Sklavenhalterin rächen.
Und:
da war aber einer froh, das ausnahmsweise mal kein migrantenhintergrund ein blutbad angerichtet hat. da es ein deutscher war(ist dies denn schon von einer seriösen quelle bestätigt worden?), kann man wieder berichten und muss sich nicht zurückhalten.
vor kurzem wurde ein deutscher junge in einem internat abgeschlachtet. sofort belagerten dutzende von reportern das internat um endlich nach den berichten über die rütlischule zu zeigen, das es auch in einer rein deutschen schule schlimm zu geht.
als rauskam, dass ausgerechtet der einzige multikulti der schule den deutschen jungen im schlaf ermordet hat, wurde die berichterstattung augenblicklich eingestellt.
die tat von berlin wird uns bestimmt noch wochenlang begleiten.
die aktuelle kamera (vormals tagesschau) wird sicherlich heute abend ein drittel der sendezeit nur darüber berichten.
Wenn man trotz mangelnden Informationen eine Meinung haben möchte, dann kann man den Amoklauf auch für einen weiteren Beweis dafür halten, dass Deutschland als Ganzes den Bach runter geht und man darum schnellstmöglich auswandern wird. Und wer trägt die Schuld daran - und somit auch die Schuld am Amoklauf selbst? Hmmmm… die Juden natürlich! Wer auch sonst:
In ein Land, wo es vernünftige Einwanderungsgesetze gibt!! In ein Land, welches seine Neugeborenen nicht mit einer kollektiven Schuld überzieht. In ein Land, welches nicht noch heute Reparationen für den ersten Weltkrieg leisten muß. In ein Land, welches nicht 25 % von einem korrupten Europa finanzieren muß. In ein Land, welches nicht von einer Terrorgruppe ausgenommen wird! In ein Land, welches den 12 Millionen Menschen der weltbeherrschenden Kaste sagt. Bis hier hin, nicht weiter!!
Dahin werde ich gehen!!
Natürlich muss man den Amoklauf nicht zwangsläufig in die Schublade “Migrationspolitk & jüdisch-kommunistisch-freimaurerische Weltverschwörung” stecken. Man kann das ganze auch zum ehrbaren Protest gegen den fiesen Raubtierkapitalismus stilisieren:
Während in Neukölln und auch in sozialen Brennpunkten anderswo die Ungerechtigkeit der Politik ungebremst angekommen ist, wird in einer völlig überschuldeten Stadt ein völlig überdimensionierter Bahnhof fertiggestellt, deren Baukosten (mindestens!) astronomische 700 Mio. Euro beträgt, wohlwollend auch durch Bundesmittel finanziert. Ein Bauwerk für die Zukunft?
Wer möchte gerne in der heutigen Zeit Teenager mit Wohnsitz in Neukölln sein? Dass einem 16jährigen da die Nerven durchgehen können, wer will ihm das verübeln? Mal abgesehen davon, dass solche Aktionen verboten sind. Aber Korruption ist auch nicht erlaubt. Willkommen in der Gegenwart. Du schönes, armes Deutschland.
Und:
Der Junge hatte offenkundig nichts zu verlieren. Mangel an Lebensperspektive, weil im falschen Stadtteil geboren? Treffend festgestellt, von dieser Sorte Teenager gibt es noch einige mehr. Aus dem sozialen Nest gefallen, aber nicht vom Adler gefressen. Der real existierende Sozialdarwinismus hat wohl einen Haken und das schockiert die Bildungsbürger unter uns? Na so ein Ärger!
In Industrieländern werden aber genau diejenigen von Politikern unterstützt, die die Bevölkerung verarmen. Daher werden Amokläufe nicht als Symptome einer vom Kapitalismus ausgesaugten Gesellschaft interpretiert. Denn die “Gründe”, wer schuldig ist und warum, werden im Interesse von Privilegierten und Reichen konstruiert und mediatisiert.
Seit dem 11. September ist es zudem obligatorisch, dass man erstmal jeden Kriminellen, vom Ladendieb über den Raubkopierer bis zum Amokläufer, mit al-Quaida in Verbindung bringt und das Ende Deutschlands heraufbeschwört:
Der Täter wird bereits als der “liebe Junge von nebenan” gehandelt. Im Kern ist das sogar richtig. Deshalb sollte sich die Analyse darauf konzentrieren, in wie fern er aus dem Hintergrund vorgeschickt worden ist. Das Tatgeschehen wirkt jedenfalls als weiteres Mosaiksteinchen für eine mögliche Strategie von Feinden Deutschlands, Unruhe, Chaos und Bürgerkrieg zu erzeugen.
Gott sei dank gibt es besonnene Köpfe, die wissen wie der Amoklauf hätte verhindert werden können:
Der Staat kann nicht erst seine Bürger durch rigide Gesetze entwaffnen und sich dann über mangelnde Zivilcourage beklagen. Der Staat hat nun einmal beschlossen, daß in Deutschland ausschließlich Polizisten und Kriminelle bewaffnet sein dürfen und im Gegenzug versprochen, daß die Polizei ganz alleine für Ordnung sorgen und Gewalt verhindern werde. Wenn dann so etwas passiert, ist die Schuld nicht beim Bürger, dem man jede Möglichkeit sich und andere zu verteidigen genommen hat, sondern eben bei der Polizei oder der Regierung zu suchen.
Also, was haben wir da? Die Ausländergewalt gegen Deutsche, den nichtexistenten Rechtsradikalismus, die Entmenschlichung durch den Kapitalismus, die Ignoranz der Gutmenschen, die eh an allem Schuld sind, den Umstand dass die Juden mindestens genau so Schuld an allem sind wie die Gutmenschen, die Weigerung der Medien hier zu erwähnen, dass nicht nur Deutsche Deutsche niederstechen, sondern auch Ausländer Deutsche niederstechen, der Plan der Feinde Deutschlands uns in den Bürgerkrieg zu stürzen und die zu rigorosen Waffengesetze. All das wegen einem sechzehnjährigen Amokläufer. Soviel zum intelligenten Diskurs im Internet. Wundert mich, dass noch niemand Filme und Videospiele oder die missratene Bildungspolitik der ‘68er erwähnt hat. Einiges davon mag stimmen, aber bisher gibt es nun einmal keine Anhaltspunkte dafür.
Bleibt festzuhalten: Hezekiel hat mit seiner Verdammung des Internets verdammt recht.
Ich gehe jetzt wieder Computerspiele spielen.
May 28th, 2006 at 5:21 pm
Jaja, die Kommentarkultur ist schon toll. Und da sich jetzt jeder der ganzen Welt mitteilen kann, glaubt ein nich gerade kleiner Teil der Weltbevoelkerung das auch zu muessen - zu jedem Scheiss. Interessant bei den Kommentaren finde ich wie ueblich die Rechtschreibung und den Satzbau (auch wenn ich natuerlich da laut Buck auch nicht mit Steinen werfen sollte). Spiegelt meiner Meinung nach auch wieder, dass da einfach ohne nachzudenken losgetippt wird.
Wie sagte Dieter Nuhr so schoen zur Meinungsfreiheit:man KANN eine Meinung zu allem haben, MUSS es aber nicht. Insbesondere wenn man vom Thema keine grosse Ahnung hat.
Finde uebrigens schoen, dass du wieder mal mehr auf die Game-Schiene gehst. Bringt Abwechslung. Zudem finde ich, dass man immer was zum Bloggen findet. Muss ja nicht immer das Internet sein. Es gibt da ja noch das nicht-digitale Leben (oder so).
May 28th, 2006 at 7:42 pm
Danke, Björn. Es war zwar nicht ganz einfach, sich das anzutun, aber sehr… ahämm. Erleuchtend, oder so. Wie doch alles mit Sicherheit mit allem zusammenhängt. Bezaubernd. Zur weiteren Lektüre empfehle ich im Übrigen
“Das Symbol, der Darm und das Arschloch” von Lildio Vot
May 28th, 2006 at 7:44 pm
Amen
“Wundert mich, dass noch niemand Filme und Videospiele oder die missratene Bildungspolitik der ‘68er erwähnt hat.”
Ich würde sagen, nur noch nicht gefunden
May 29th, 2006 at 1:25 pm
Naja, aber ich finde die Reperationslast für das Deutsche Reich nach wie vor ziemlich erdrückend.
May 29th, 2006 at 1:32 pm
Irgendwie denke ich teils auch so, andererseits lieber Björn sollte man das Feld nicht den Debilitätsvertretern kampflos überlassen. So oder so ist das Internet mit all seinem Unbill nicht mehr nur ein profanes Medium, das man ob der kleingeistigen Umtriebe einfach Medium sein lassen kann. Den bloßen “Telefon-Charakter” hat es schon längst abgelegt und es wirkt mehr in unser aller Leben, so das eine bloße Entsagung a la “nu telefoniere ich halt nicht mehr” mehr kontraproduktiv, denn nützlich daher kommt.
Es wäre schade, wenn die intelligenten Leute die Flinte ins Korn werfen und den Kleingeistern alles überlassen - mehr und mehr mutiert das alles zum Boomerang und möchte man tatsächlich von derlei Leuten beeinflußt werden?
Wohl kaum, ergo muß man auch mit Einsatz dagegen ankämpfen - selbst wenns wie ein Kampf gegen Windmühlen ausschaut
May 29th, 2006 at 3:22 pm
[...] Drüben auf agitpop findet Björn einige markante Punkte warum ihm das Netz in der jetzigen Form immer mehr aufstößt und er sich mehr und mehr in die Spielewelt verdrückt. Dem kann ich teils zustimmen, teils aber bin ich entschiedenen dagegen das Feld den debilen Vollposten (Chris Lieblingswort ) kampflos zu überlassen. [...]
May 29th, 2006 at 5:33 pm
Oli, ist ja nicht so, dass ich endgültig der Deppokratie den Rücken kehre und sage, macht doch was ihr wollt’, ich geh nach Hause. Aber derzeit (und das kann in ein paar Tagen schon ganz anders aussehen) habe ich einfach das Gefühl, dass ich mich zu sehr über gewisse Gruppen im Internet aufrege. Das ist nicht gut für den Ruhepuls.
Also habe ich mich dazu entschieden, mich erst einmal auf Dinge zu konzentrieren, die mir Spaß machen, denn das ist das, worum es mir mit Agitpop in erster Linie geht. Dinge die mir Spaß machen, manchmal kombiniert mit etwas Zorn und Verachtung.
May 30th, 2006 at 8:34 am
“man KANN eine Meinung zu allem haben, MUSS es aber nicht.”
Ich finde man SOLLTE zu allem eine Meinung haben. Es ist doch nicht das Problem, dass zu viele Leute eine Meinung haben. Man sollte doch unterstützen, dass Leute sich ihre eigene Meinung bilden. Wer über freie Meinungsäußerung heult, ist nicht hart genug für die Demokratäääh.
May 30th, 2006 at 10:32 am
@Buck: Ganz richtig. Zu den Unabdingen in unseren Demokrakien gehört zum Beispiel eine Meinung zum Battle of Hastings. Noch heute steht man entweder auf der Seite der Normannen oder auf der Seite der Angelsachsen, oder man ist kein Mensch.
May 30th, 2006 at 9:06 pm
Erklär mir, was schlecht daran ist, dazu eine Meinung zu haben.
May 31st, 2006 at 1:45 pm
das ding ist nicht eine meinung zu haben oder nicht. die frage ist: muss ich die immer laut sagen oder sollte ich evtl. wenigstens hin und wieder 2x drüber nachdenken (oder wie yamamoto sagt: “7 atemzüge lang”) ob ich die auch jedesmal lautstark kundtun muss.
ausserdem muss man nicht zu allem eine meinung haben. zu themen von denen man keine ahnung hat zB sollte man vorsichtig sein eine meinung zu haben, meiner meinung nach.
May 31st, 2006 at 3:47 pm
Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Natürlich kann man nicht zu allem eine Meinung haben, aber man sollte möglichst zu jedem eine haben.
Das mit den sieben Atemzügen hat nichts mit Meinungen zu tun. Natürlich ist es wenig gewinnbringend, unmittelbar nachdem man von etwas gehört hat, aber über das man noch nichts weiß, seine Meinung abzugeben. Dann helfen aber auch keine sieben Atemzüge. Meinungen haben sich viel langfristiger entwickelt und verfestigt und stehen in Zusammenhang mit anderen Meinungen.
May 31st, 2006 at 5:55 pm
aber man sollte möglichst zu jedem eine haben
Heute Morgen habe ich zu meinem Frühstück eine etwas ältere Ausgabe des New Scientist gelesen. Da wurde darüber diskutiert, ob Pluto nun ein Planet oder ein simples Kuiper-Gürtel-Objekt sei. Ist eine spannende Debatte, aber dazu habe ich keine Meinung. Und auch keine Motivation mich da reinzulesen und dann eine Meinung zu bilden.
Das gleiche gilt für die Frage wer nun bei der WM für Deutschland im Sturm spielen wird. Da habe ich auch keine Meinung zu. (Bei der Torwartfrage hingegen schon.)
Man sollte nicht einmal zu jedem eine Meinung haben. Darf man gerne, muss man aber nicht. Wenn man bei den Dingen, zu denen man eine Meinung hat, eine ordentlich begründbare oder anständig durchdachte Meinung hat, dann ist mir das viel lieber als alles andere.
Und in diesem Fall geht es ja auch darum, dass man nicht unbedingt eine Meinung herausposaunen muss, wenn es nicht einmal genug Fakten oder Indizien gibt um eine solide Meinung daraus zusammenzuflickschustern.
@David:
Im Battle of Hastings stehe ich persönlich auf der Seite der Vikinger, denen es scheißegal ist, wessen Dörfer sie zukünftig plündern und brandschatzen.
May 31st, 2006 at 9:24 pm
“Dann helfen aber auch keine sieben Atemzüge”
oh doch die helfen sehr wohl. yamamoto lass ich mir ja mal sowas von nicht madig machen!
würdest du siebenmal durchatmen bevor du mit solchen spitzfindigkeiten ankommst, wärst du vielleicht auch zu dem schluss gekommen besser nichts oder was anderes zu sagen. und da liegt der hase im pfeffer. sicher helfen sieben atemzüge nicht sich eine fundierte meinung zu bilden. aber sie helfen evtl. bei der entscheidung die nicht fundierte meinung nicht auszusprechen.
June 1st, 2006 at 10:34 am
@Buck: “Erklär mir, was schlecht daran ist, dazu eine Meinung zu haben.”
Wann habe ich denn behauptet, daß daran etwas schlecht sei?
@Björn: Die Vikinger waren in Hastings doch gar nicht beteiligt. Was natürlich nicht heißen soll, daß Du nicht trotzdem das Recht hast, auf deren Seite zu stehen.
June 1st, 2006 at 11:25 am
Zu Pluto und zum deutschen Sturm lautet meine Meinung: scheißegal.
Auch siebentausend Atemzüge ändern nichts an den Meinungen und der Absicht, sie auszusprechen. Birdmans Sieben-Atemzüge-Theorie geht davon aus, dass man - auch nach jahrelanger Meinungsverfestigung - in sieben Atemzügen dazu kommen kann, einzusehen, wie dumm man selbst ist, weil die eigene Meinung ja nicht damit übereinstimmt, was Birdman hören will. Glaubst du ernsthaft so ein Internetnazi müsste sich nur mal zurücklehnen, tief Luft holen und dann sehen, was er für eine Scheiße verzapft? Der Fehler liegt darin, davon auszugehen, dass diese Menschen unter einer geistigen Behinderung leiden, die sie dazu bringt, Dinge zu sagen, die sie ja wohl kaum ernsthaft vertreten können. Quatsch. Du projizierst deine eigenen Kriterien für richtig und falsch in andere Leute, erkennst zwar an, dass sie sie nicht teilen. Aber dann könnten sie doch wenigstens die Klappe halten.
Und warum überhaupt dieser Wunsch, dass bekloppte Meinungen nicht in den öffentlichen Raum dringen sollen? Angst, dass einem die Gegenargumente ausgehen?
June 1st, 2006 at 1:45 pm
“Und warum überhaupt dieser Wunsch, dass bekloppte Meinungen nicht in den öffentlichen Raum dringen sollen? Angst, dass einem die Gegenargumente ausgehen?”
Nee, die nich’, aber die Nerven.