Urheberrechtsnovelle: Eigentum ist Diebstahl

Liebe Bundesregierung, liebe Unterhaltungsindustrie,

ich weiss, das hier ist eine sehr polemische und sehr populistische Aussage, aber was solls: Ihr könnt mich mal kreuzweise!

Nun mache ich dir, Musikindustrie (und dir, Computerspiele- und Filmindustrie), nicht einmal den Hauptvorwurf hier. Du bist eine Industrie, das Geschäft ist dein Geschäft und deine Aufgabe ist es, für dich den besten Deal rauszuschlagen. Das ist dir gelungen, auch wenn du es natürlich zum Kompromiss herunterspielst, damit du bei zukünftigen Novellierungen des Urheberrechtsgesetzes noch mehr rausholen kannst.

Aber du, Bundesregierung, du hast deine Aufgabe nicht verstanden. Es ist beeindruckend wie sehr du dich bemühst mich querzuficken, seitdem du aus dem Scherbenhaufen des Wahlabends emporgestiegen bist. Weißt du, dass wir in vielen Themenbereichen - Überwachungsstaat, Bundeswehr im Inneren, Legalität von Folter, Entführung deutscher Staatsbürger, Einbürgerungstest - nicht der gleichen Meinung sind, das ist okay. Wir leben in einer Demokratie, du bist demokratisch legitimiert, also muss ich diese Pillen schlucken. Damit muss ich leben. Aber trotzdem hast du eigentlich eine Aufgabe: Meine Interessen zu vertreten.

Kennst du das Wort “Volksvertreter”? Das wäre eigentlich deine Aufgabe. Das Volk und seine Interessen zu vertreten. Aber du kennst sicher den müden Witz, dass ein Staubsaugervertreter Staubsauger verkauft, ein Versicherungsvertreter Versicherungen und ein Volksvertreter… tja, weißt du was? Das ist ein Witz! Kein sonderlich guter, aber trotzdem: Es ist nicht deine Aufgabe deine Bevölkerung an die Industrie auszuverkaufen. Aber darin hast du ja trotzdem Erfahrung.

Ich verstehe dich sogar, irgendwie… immerhin kostet jede andere Aktion Arbeitsplätze und die Musikindustrie und die Tabakindustrie und die Überwachungstechnikindustrie bringen dir Geld, während ich momentan nicht dein, sondern das englische Bruttoinlandsprodukt zum Wachsen bringe. Warum sollten dir also meine Interessen am Herzen liegen?

Deine Urheberrechtsnovelle zeugt nur davon, dass du nicht den Hauch einer Ahnung hast, womit du es hier zu tun hast. Das 20. Jahrhundert hat angerufen… es will seine Gesetzesvorstellungen zurück! Verdammte Scheiße. Ja, natürlich jubilierst du: “Das Recht auf Privatkopien ist gewahrt!” Das mag de jure korrekt sein, ist aber de fakto falsch. Denn in Zukunft wird die absolute Mehrheit der CDs (und deren Nachfolgeprodukte) mit DRM (Digitale Rechte-Minimierung) ausgestattet sein. Und damit hat sich das mit der Privatkopie dann. Wäre ehrlicher gewesen, wenn du die Klausel gleich ganz gestrichen hättest.

Natürlich geht es hier eigentlich um eine simple, philosophische Frage: Wenn ich 16 bis 20 Ecu für eine CD über die Ladentheke wandern lasse, rein hypothetisch, was erwerbe ich dann für diese 16 bis 20 Ecu? Nur den physischen Tonträger an sich oder Nutzungsrechte für das geistige Eigentum darauf? Meiner Meinung nach letzteres, der Meinung der Musikindustrie nach ersteres. Ich glaube, dass ich eine Privatkopie anfertigen darf, etwa damit ich auch weiterhin Zugriff auf die Musik habe, sollte sich meine Original-CD durch Verschleiß selbst zerstören. Die Industrie glaubt, dass ich in dem Fall eine neue CD kaufen muss.

Natürlich habe ich auch nicht das Recht mir meine CD-Tracks von einer kopiergeschützten CD auf einen MP3-Player zu ziehen. Wenn ich das tun möchte, dann habe ich mir doch bitte die gleiche CD nochmal via iTunes oder ähnlichem Musikportal zu kaufen. Uuuuh, surprise!

Und ich habe auch nichts dagegen, dass du, Bundesregierung, der Musikindustrie Schutzrechte zugestehst. Aber kennst du vielleicht das Wort “Verhältnismäßigkeit”? Nein? Hätte mich auch überrascht. Gut, mal eine ganz hypothetische Situation:

Also, nehmen wir mal an eine hypothetische Firma, nennen wir sie mal Suny/GMB, haut Produkte auf den Markt, die einen Kopierschutz haben, der ein Rootkit auf meinem Rechner deponiert, das dann in meinen Rechnerinnereien herumfummelt, das dann meine Festplattendaten an Son… öh… Suny/GMB weiterleitet und vielleicht auch einige meiner Daten zerstört, bestimmte Programme ausschaltet oder sogar meinen CD-Brenner killt. Und ich entscheide mich dazu, diesen Kopierschutz auszuhebeln. Weil ich meinen Rechner so mag, wie er ist. Oder weil ich vielleicht nicht möchte, dass Suny/GMB genau Bescheid weiß darüber, welche MP3s oder Videodateien ich auf der Festplatte habe. Unter anderem. Wer ist dann der Kriminelle? Wer jetzt gesagt “Das bist du, Björn”, der hat Recht. Glückwunsch. Mit diesem Rechtsverständnis steht nun einer steilen Karriere in Politik oder Musikindustrie nichts mehr im Wege.

Gut dass diese Situation keine reale Grundlage hat. Keine. Kein Stück. No, Sir.

Gilt natürlich auch für eine andere, auch komplett hypotethische Situation. In der hat sich jemand letztes Jahr Hitman: Contracts gekauft und festgestellt, dass dessen Kopierschutz und sein CD-Laufwerk sich nicht vertrugen. Das Programm war sich sicher, dass das Original im Laufwerk eine böse Raubkopie war. Der Mann im Laden, wollte die CD nicht zurücknehmen, weil ja kein technischer Defekt vorliegt und beim technischen Kundenservice war außer einem empathielosen “Pech” auch nicht viel zu holen. Natürlich hätte man jetzt sagen können, der jemand hat sich das Spiel legal gekauft, es wäre also sein gutes Recht sich einen No-CD-Crack aus dem Internet zu besorgen und eine Privatkopie anzufertigen. Pustekuchen, denn das ist ganz offensichtlich illegal. Statt dessen hat sich besagte Person ein neues CD-Laufwerk gekauft, dass sich mit Hitman: Contracts verträgt und sich somit innerhalb der Legalität bewegt. Die Situation ist hypothetisch weil ich besagte Privatperson natürlich kein neues CD-Laufwerk gekauft hat.

Ende des Jahres fällt auch endlich der fiese §52a, was mich als Lehramtsstudent ganz besonders freut. Wenn man bedenkt, wie viele Millionen die Lehrbuchindustrie verliert, wenn Lehrer und Dozenten Kopien von einzelnen Seiten aus solchen Lehrbüchern, Magazinen oder normalen Büchern für ihre Kurse oder Klassen kopieren, statt sie gleich das ganze Buch kaufen zu lassen. Schwerverbrecher!

Gilt natürlich auch für andere Belange: Denn wie die Regierung sagt, mit der Novellierung wird der Wissenschaftsstandort Deutschland gestärkt. Indem man zukünftig hoffentlich mit der vollen Härte des Gesetzes gegen Studenten, Dozenten und Lehrer vorgeht. Wenn man überlegt, wie viele Wissenschaftler sich von Bibliotheken urheberrechtlich geschützte elektronische Dokumente zusenden lassen, obwohl der Markt den selben Service für viel Geld anbietet. Wenn ich als Student in Marbug beispielsweise ein elektronisches Dokument brauche, das die Universität München besitzt, dann wird mir das jetzt nicht mehr zugesandt, sondern ich wende mich entweder an den freien Markt oder ich fahre mit dem Zug nach München um mir das elektronische Dokument da in der Uni-Bibliothek anzugucken und mir dann von Hand Notizen zu machen. Gut dass wir in Deutschland nicht solchen Kommunistenideen aufsitzen wie etwa dem Fair Use, das die gottlosen USA betreiben.

Glückwunsch, Bundesregierung, damit geht es mit dem Wissenschaftsstandort Deutschland natürlich tierisch nach oben. Und die Wirtschaft wird auch noch angekurbelt. Haha, da wird sich der blöde Rest der Welt aber mal tierisch aufgucken, wie wir denen wissenschaftlich ab jetzt um die Füße tanzen. In anderen Nachrichten: 2 + 2 kann unter bestimmten Umständen fünf sein und Ozeanien befindet sich im Krieg mit Eurasien. Ozeanien hat sich schon immer im Krieg mit Eurasien befunden.

Ich bin dafür, dass Künstler ihr tägliches Brot verdienen. Bleibt ja, wenn die Plattenfirmen erstmal ihren Teil abgebucht haben, eh nicht mehr viel übrig. Aber wenn mich die Unterhaltungsindustrie kollektiv als Feind ansieht, dann bin ich früher oder später gewillt diese Aufforderung zum Krieg zu akzeptieren. DRM. Mein Arsch. Wieso muss ich in Deutschland einen Eiertanz veranstalten, bevor ich in der Lage bin mir eine DVD anzuschauen die vermutlich nie mit Region Code 2 veröffentlicht wird. Amerikanische Bücher und Comics kann ich mit weniger Problemen erwerben und genießen. Wenn ich mir dann, beim Anschauen jener legalen DVD, auch noch bei jedem Neustart eine Minute lang anhören muss, dass ich ja auch kein Auto stehlen würde und darum meine Raubkopie bitte wegwerfen und mir das Original kaufen solle, dann fühle ich mich - gelinde gesagt - verarscht.

Die Bundesregierung akzeptiert diese Logik natürlich. Okay, das neue Gesetz kriminalisiert erst einmal… na, sagen wir mal vorsichtig 50% der deutschen Bevölkerung. Aber die Staatsanwälte können Verfahren ja immer noch einstellen. Wenn erst mal die Akte angelegt wurde. Hurrah auf Hollywood. Derweil, weil ja das Volk der Feind und die Unterhaltungsindustrie der Freund ist, werden hier einer Privatindustrie Rechte eingeräumt, die ich nicht mal meiner Regierung einräumen würde. In Zukunft sollen Provider, im Zuge eines anderen Gesetzes, auf Verdacht und Anfrage die IP-Adressen von Internetnutzern an die Musikindustrie aushändigen? Ja, jetzt mal im Ernst: Hackt’s denn?

Passt natürlich ins Bild. Ein mir bekannter Polizeibeamter erzählte mir letztes Jahr von einem Fall, in dem ein Rechner auf Gerichtsbeschluss beschlagnahmt wurde. Ursache für diese Beschlagnahmung? Begründeter Ausgangsverdacht. Basierend auf einem anonymen Anruf, dass der Angezeigte “illegale Dateien” auf seinem Rechner habe. Mehr nicht. So geht Rechtsstaat. Und wenn der Staat nicht schnell genug reagiert, dann legt die Unterhaltungsindustrie (hier Columbia) auch gern mal selbst Hand an. Wenn die Polizei den Fans legal erworbene Region-Code-1-DVDs nicht wegnimmt, dann muss das halt der Markt selber tun.

Ich würde jetzt gerne darauf hinweisen, dass erst Mixtapes anderer Leute oder aus dem Internet erworbene Dateien bei vielen Leuten den entscheidenden Anstoß gegeben haben, welche Alben sie in den letzten Jahren gekauft haben. Oder ich könnte auf meine private Einstellung verweisen. Aber das tue ich nicht, weil ich keine Lust darauf habe, Opfer der sicher nicht lange auf sich warten lassenden Sammelklage von Karnevalsvereinen wie der Kanzlei Waldorf zu werden. Die Bagatellklausel ist keine ideale Lösung. Die Gleichstellung von Leuten die mal ihren Kumpels ein Mixtape schrauben oder ihrer Mutter die neue Neil-Young-CD zum Geburtstag kopieren mit denjenigen, die massenhaft Raubkopien erstellen und sie global vertreiben, ist eine noch schlechtere Lösung. Es ist unverhältnismäßig.

Wenn man hier dann auch noch, wie Frau Zypries dies allen Ernstes tut, von einem “notwendigen Kompromiss zwischen dem geistigen Eigentum und der Wissensgesellschaft sowie den Interessen von Industrie und Verbrauchern” spricht, dann ist das nicht nur dummdreist, das ist schon offensive Verarsche. Während die Industrie einen Blankoscheck erhält, mir weiterhin Rootkits auf die Platte knallen und wahrscheinlich sogar in Zukunft IP-Adressen sammeln darf, wie sie lustig ist, wird der Privatkopierer eventuell zur Abschreckung eben so lang ins Gefängnis geschickt, wie jemand der fahrlässig einen Menschen getötet hat? Deine Mutter.

Ich würde gerne sagen, dass ich wirklich enttäuscht bin, aber es passt einfach nur ins Bild einer Bundesregierung, die in dieser Hinsicht nicht in der Gegenwart angekommen ist und in erster Linie Erfüllungsgehilfe der Industrieinteressen ist. Man erinnere sich auch an die erbärmliche Vorstellung, die die Regierung bei der Sache mit den Softwarepatenten abgeliefert hat.

Dass die Unterhaltungsindustrie bei Kinofilmen und CDs (interessanterweise nicht bei DVDs) Verluste macht, wird komplett auf den Endverbraucher abgewältzt. Liegt natürlich nicht an der negativen Presse, die man mit solchen Aktionen wie dem Rootkit bekommt. Oder daran, dass sieben bis acht Euro für ein Kinoticket viel Geld sind. Besonders wenn die neuesten Blockbuster wie Doom oder Mr. & Mrs. Smith unansehbare Scheiße sind, die Intelligenz und ästhetisches Empfinden mit Füßen treten.

Mein Lieblingsbeispiel dafür, wie blind die Industrie ist, bleibt weiterhin die von mir oft bemühte Causa Anatomie 2. Da entscheided die Industrie ex cathedra dass der Film 1,1 Millionen Kinozuschauer weniger hatte als sein Vorgänger, weil er massenhaft aus dem Internet heruntergeladen wurde. Dass der Film schlicht und ergreifend scheiße war, hat damit natürlich nichts zu tun. Immerhin, das Publikum hat oft genug unter Beweis gestellt, dass es keinen Geschmack hat.

Die Schuld trägt ganz alleine der Endkonsument.

Die Industrie trifft für ihre Misere keinerlei Schuld.

Ab heute kann man “Sonnenlischt” von Grup Tekkan käuflich erwerben.

Das wäre dann alles.

Literatur

*Hervorragende Linksammlung zum Thema auf Netzpolitik.org.
*Zu den Folgen der Novelle für die Wissenschaft.
*Satirische Schreckensvision zum Thema beim Werbeblogger.
*Popkulturjunkie zum Thema.
*Spreeblick zum Thema.
*Web Insider zum Thema.
*Pressestatement des Chaos Computer Clubs.
*Jubel bei der CDU/CSU-Fraktion.

22 Responses to “Urheberrechtsnovelle: Eigentum ist Diebstahl”

  1. SpielerZwei Says:

    Da du mein momentaner Lieblings-Blogger bist, Björn, bitte ich um real-umsetzbare Vorschläge zum Widerstand. Kein Witz.
    Dein Artikel ist, wie immer, sehr gut, aber ich glaube kaum, dass einer der Verantwortlichen dies liest, geschweige Konsequenzen daraus zieht. Natürlich tut es gut, wenn man sieht, dass man sich nicht alleine aufregt, aber das reicht mir nicht. Die Frage ist also: Was kann man, möglichst aussichtsreich, gegen diesen Unsinn tun? Mein persönlicher Boykott von Audio-CDs mit DRM hat irgendwie nichts ins Rollen gebracht…

  2. Björn Says:

    Hi. Danke erst einmal für das Lob.

    Ich kann dir wirklich nicht sagen, was eine sinnvolle Antwort wäre. Der Boykott von Major Labels oder DRM-geschützten CDs ist eine private Angelegenheit und die Musikindustrie wird ihn nicht wirklich spüren, aber den betreibe ich dennoch auch. Passiver Widerstand.

    Der aktive Widerstand ist schwieriger. Was ich gestern, zum ersten Mal in meinem Leben tat, war mir die E-Mail-Adresse des Bundestagsabgeordneten meiner Heimat rauszusuchen und ihn im kurzer Form dargelegt warum diese Novelle schlecht ist (primär auf den Wissenschaftsstandort hingewiesen) und gebeten, dass er sich im Bundestag gegen diese Novelle ausspricht oder mir zumindest erklärt, warum er sich nicht dagegen ausspricht. Ich weiß nicht ob ich da überhaupt mit einer Antwort bedacht werde, aber das ist die basisdemokratischste Idee, die ich auf die Schnelle hatte. Wenn das genug Leute machen würden, könnte das vielleicht helfen, aber dem Internet sei Dank würden wahrscheinlich schnell Formmails in Umlauf kommen die niemand ernst nimmt und die “Ihr sux00rt!”-Kids würden uns den Rest an Kredibilität rauben. Trotzdem würde ich sagen, man sollte sich die fünf Minuten nehmen und eine Stellungnahme von seinem Bundestagsabgeordneten verlangen.

    Abgesehen davon sehe ich das wie folgt:

    Das hier ist eine Situation in der wir es mit Lobbyesten zu tun haben. Hier kann man nur den Satan mit dem Beelzebub auskehren und Gegenlobbyarbeit betreiben. Das heißt: Man muss sich organisieren. Das ist nicht sonderlich schick, könnte aber effektiv sein.

    Es gilt Zeitungen, selbst Lokalzeitungen, anzuschreiben und sie auf das Thema hinzuweisen. Ich gehe davon aus, dass das neue Gesetz mindestens die Hälfte (wahrscheinlich mehr) aller Deutschen kriminalisiert, das müsste ein Thema von Interesse sein. Und wenn man es nur so aufzieht, dass vielleicht bald Eltern dafür haftbar gemacht werden und Unsummen bezahlen müssen, dass ihre Kids sich von Freunden CDs brennen. Das Thema braucht ein breites Spektrum in den Medien (die leider zuoft Hand in Hand mit der Industrie gehen, Werbung und so), damit es wirklich möglichst viele erreicht. Mit dem Wegfall der Bagatellregelung gibt es kaum jemanden, der nicht irgendwie betroffen ist. Und manchmal kann solcher Druck vom Boden aus ausreichen um Gesetze zu machen (siehe das unsinnige “Florida Rolf”-Gesetz, das die ZEITUNG vor ein paar Jahren quasi im Alleingang erzwungen hat).

    Der andere, große Vorteil ist der Wissenschaftsfaktor. Mit diesem neuen Gesetz wird die Wissenschaft in Deutschland auf ein Prä-Internet-Niveau zurückgebombt. Das wird uns schaden. Und auch das muss der Öffentlichkeit klar gemacht werden. Die Bundesregierung wird Probleme bekommen, wenn sie sich einerseits als wissenschafts- und bildungsfreundlich geben (PISA-Schock) und andererseits hier weiterhin ganz aktiv die wissenschaftliche Forschung behindert und Lehrer und Professoren gleich mal mitkriminalisiert. Eltern haben sicher keine Lust, dass sie ihren Kindern in Zukunft teure Lehrbücher für ein oder zwei Seiten kaufen müssen oder dass ihren Kindern Bildungsmaterial vorenthalten wird.

    Da müssen Datenschützer, Wissenschaftsverbände und normale Bürger irgendwie dazu gebracht werden ins gleiche Horn zu stoßen. Wie das gelingen soll, außer die Medien spielen mit, weiß ich nicht. Aber ich denke, dass die effektivste Lösung hier wäre, wenn der Regierung klar würde, dass sie mit diesem Gesetz gegen einen Großteil der Bevölkerung steht. Schade nur, dass die kommenden Wahlkämpfe leider nicht von sowas, sondern von populistischen Einwanderungsdebatten dominiert werden.

    So weltfremd das auch sein mag, das hier ist für mich eine Frage, in der sich mal zeigen kann ob Demokratie nicht vielleicht doch funktioniert. In dem Sinne: Spread the word…

  3. marcel Says:

    Yep, sehr schöner Text, Björn.

    Ich hab dich zitiert und verlinkt, hope you don’t mind. Hab keine cc-Lizenz gefunden, aber ich hoffe, das war okay? Dürfte exakt ein und einen halben mehr Leser für Dich bringen.. Trackback hat irgendwie nicht funktioniert. http://www.musiqua.de/2006/03/24/bye-bye-musikindustrie/

    Spielerzwei: Deine Handlungen, solche Sachverhalte betreffend, sollten nicht darauf fußen, ob sie zu ‘wahrnehmbaren’ Veränderungen führen oder nicht, sondern vielmehr aus deinem eigenen Verständnis heraus kommen, was unterstützbar erscheint oder nicht (File under: Jeder Geldtransfer ist auch gleichzeitig ein politischer Akt). zB habe ich seit der Bohlenwerbung von Müller keine mir bekannten Produkte von ihnen mehr erworben. Werden die das gemerkt haben? Fuck no! Na und? Meine Entscheidung bleibt meine Entscheidung. Das lässt sich auf so vieles erweitern, etwa Recycling usw, aber lassens wir dabei.
    Was Björns Vorschlag mit der Email angeht, besser noch ist ein Anruf. Ich glaube nicht dass Emails wirklich ernst genommen werden. Wer sich kaum mit der Internetthematik auskennt, der nimmt auch emails nicht so ernst. Schon gar nicht wenn an einem Tag tausende bei ihm eintrudeln von denen die meisten, wie björn ganz richtig ausführt, von eher minderer Qualtiät sein werden.
    Ich hatte mal (in zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung) eine offzielle Eu-seite mit allen EU-Abgeordneten und deren Dienstnummern gefunden. Sowas sollte es auch in Dtl. geben. Selbst wenn nur die Sekretärin rangeht und ihren Cheffe verleugnet, wenn permanent das Telefon klingelt, wird es hoffentlich auch endlich in den Köpfen klingeln. Oder auch nicht, aber dann bliebe immer noch die Straße. Auch wenn das schwer, bis unmöglich werden dürfte.

    So werd jetzt erstmal Einen trinken gehen. Ausgleich, ya know

  4. Björn Says:

    Stimmt schon, E-Mails lassen sich gut ignorieren, insofern kann der Anruf auch wirken. Was ich primär damit sagen wollte war, dass man den Kontakt suchen und seine Stimme hörbar machen sollte.

    Die Musikindustrie bringen wir nicht zum Einsturz, zumindest nicht von jetzt auf gleich, auch wenn sie fröhlich am eigenen Ast sägt. Und darum sehe ich das derzeit primär als eine politische Angelegenheit. Die einzigen, die das jetzt noch ändern können sind der Bundestag oder die EU.

    Wobei ich für jede weitere Maßnahme offen bin, die der Musikindustrie wehtut, egal wie klein sie auch sein mag. It all sums up, after all…

    Achja, natürlich darfst du mich verlinken. Ist ja der Sinn des Blogs hier, an offener Debatte teilzunehmen. Aber danke für den Hinweis, werde morgen mal das Commons-Logo in die Sidebar einbauen.

  5. insider Says:

    manueller trackback:
    http://www.webinsider.net/blog/post/index/262/Du-bist-Raubkopierer–Du-bist-unser-Feind

  6. Jan Says:

    Gut gebrüllt Löwe
    Ich werde mir das mal zum Anlass nehmen, endlich in Lessigs “Free Culture” reinzugucken das hier schon seit über nem Jahr ungelesen im Regal steht

  7. thwidra Says:

    Durch die Kriminalisierung von ganz Deutschland werden die Richter viel Arbeit bekommen. Höhö.

  8. Buck Rivera Says:

    Sicher ist das neue Urheberrecht in vielem verheerend.

    Die Abschaffung der Bagatellregelung ist aber nur konsequent. Es ist nicht so, dass deshalb halb Deutschland kriminalisiert wird, denn 1. betrifft das nicht die Hälfte Deutschlands (verzerrte Nerdwahrnehmung) und 2. muss man vielmehr sagen, dass “halb” Deutschland einfach kriminell ist. Diese “Hälfte” ist nicht nur kriminell, sondern legt seit Jahren auch eine besonders hohe kriminelle Energie in der illegalen Aneignung von Material sowie ein volles Bewusstsein der Strafbarkeit ihrer Handlungen zutage, die nur noch strafverschärfend ausgelegt werden können.

    Einige goldene Jahre lang durfte die Nerd-Avantgarde den Himmel küssen und nach Herzenslust alles herunterladen. Jetzt wird so getan, als habe man ein Gewohnheitsrecht auf Diebstahl. Bullshit! Ich schmettere allen Westentaschenkommunisten entgegen: Kapitalismus abschaffen oder aufhören zu flennen! Entweder eine Alimentierung von Metallica aus öffentlichen (deutschen) Mitteln oder Kapitalismus und Rechtsstaat ernstnehmen!

  9. SpielerZwei Says:

    @ Buck:

    Du verkennst hier irgendwie, worum es geht. Ich will hier keinesfalls für eine Legalisierung des Esels & Co plädieren. Und das die fliegenden Händler auf den Flohmärkten mit ihren Plagiaten in den Bau gehören, bestreitet hier wohl auch keiner. Aber wenn ich mich z.B. dadurch strafbar mache, dass ich von einer meiner Original-CD eine Kopie für´s Auto ziehe, weil der verf**kte Kopierschutz dafür sorgt, dass das Original nicht im Autoradio läuft, dann ist das einfach nicht akzeptabel. Und das die Argumentation der Industrie nur auf Scheinargumenten basiert und sie trotzdem ihren Willen bekommen, ist für mich auch nicht akzeptabel. Es geht mir ohnehin primär um´s Prinzip und weniger darum, dass ich Angst hätte, irgendwie “Opfer” des neuen Gesetzes zu werden. Wenn die bei mir vor der Tür stehen würden (warum auch immer? kann ja immer jemanden geben, der einen nicht mag…), hätte ich sogar richtig Spaß daran, denen meine Regale mit ein paar vereinzelten Kopien und in etwas so viel ORIGINAL (!1!eins!) Games, CDs, DVDs, VHS-Tapes, Schallplatten und sonstigem PiPaPo, wie ihn wahrscheinlich die gesamte Sonderabteilung vor meiner Tür im Leben nicht zusammen kaufen würde, zu zeigen. Wenn ich das ganze Geld nicht in den letzten 25 Jahren für den ganzen Kram ausgegeben hätte, hätte ich mir von der Kohle all die Jahre wahrscheinlich statt dessen ein kleines privates Indie-Label leisten können. z.b.

    Und über die Sache, dass Privat-Firmen dann einfach Deine Privatadresse bekommen können, brauchen wir doch echt nicht zu diskutieren, oder? Das geht in einem freiheitlichen Rechtsstaat einfach nicht. Wo bleibt denn da meine Privatsphäre? Wo der rechtlich zugesicherte Datenschutz?

  10. Björn Says:

    Buck, ich schließe mich hier SpielerZwei an. Ist ja nett, dass du mir unterstellst, dass ich mit meiner “verzerrten Nerdwahrnehmung” “nach Herzenslust alles herunter[ge]laden” habe und jetzt so tue “als habe man ein Gewohnheitsrecht auf Diebstahl.” Und nein, du nennst mich da nicht direkt, aber da sich das auf mein Post bezieht, bezieht es sich auf meine Meinung und dementsprechend gehe ich mal davon aus, dass du mir hier unterstellst, dass ich Straffreiheit für Diebstahl fordere. Fein.

    Thema Strafbarkeit: Rein technisch gesehen habe ich mich strafbar gemacht, weil ich mir für meinen Englandaufenthalt gesagt habe… hmm, ich habe hier so um fünfzig oder sechzig Original-CDs, die ich gerne hören würde. Aber bei einem Viertel von denen ist ein Kopierschutz vorhanden. Dann soll ich allen Ernstes 12 oder 13 CDs mit mir rumschleppen, statt die bequem im Ogg-Vorbis Format auf meinem Rechner zu speichern? Oder sagen: Okay, das ist halt illegal, dann lasse ich die 12 oder 13 CDs daheim? Bloß weil es Gesetz ist, muss es noch lange nicht gerecht sein. Und in dem Fall halte ich das für ungerecht. Die Musikindustrie hat ein Recht auf DRM, keine Debatte. Aber wenn man mir sagt ich habe ein Recht auf die Privatkopie, dann gilt das ganz oder gar nicht. Punkt. Und “Kopierschutz geknackt, Privatkopie angefertigt” ist dann auch strafbar und wird eben nicht als Bagatelle abgetan.

    Die 50%, auf die ich in meiner “verzerrte[n] Nerd-Wahrnehmung” gekommen bin, habe ich einfach mal aus meinem Bekanntenkreis übernommen, wo sogar mehr als die Hälfte der Menschen mal ein Mixtape für andere gebastelt oder mal eine CD kopiert hat. Kann aber auch sein, dass ich einfach die falschen Leute kenne, weil meine gesamte Verwandtschaft und mein gesamter Freundeskreis aus abgehärteten Verbrechern besteht.

    Abgesehen davon habe ich hier übrigens nicht, wie sich das bei dir anhört, den Wegfall der Bagatellklausel zum zentralen Element meiner Argumentation gemacht. Das Wort fällt im Originalpost ein einziges Mal. Und da erwähne ich sogar noch, dass es “keine ideale Lösung” ist, ich sie aber eben doch für sinnvoller halte als die potentiellen Massenklagen gegen Privatpersonen. Das steht da im Zusammenhang mit dem, von SpielerZwei ja auch schon erwähnten, anderen Gesetz, dass die Provider dazu verpflichten soll der Musikindustrie im Zweifelsfalle auf Verdacht meine Daten herauszugeben. Das ist für mich direkt aneinandergekoppelt. Und das ist einfach etwas, das mir auch nicht schmeckt. Nicht nur, weil ich keine Lust hätte angezeigt zu werden oder gerne weiterhin aktiv als krimineller Raubkopierer die Musikindustrie in den Ruin treiben möchte, sondern einfach weil ich nicht einsehe, dass eine Privatindustrie leichter über mein Surfverhalten Auskunft erhält als der Staat.

    Den “Westentaschenkommunist” kannst du dir übrigens auch schenken, das was ich hier fordere hat mit Kommunismus oder Pseudokommunismus nichts am Hut. Ich verweise darauf, dass ich diese Gesetzesnovelle für schlecht, unbedacht, arschkriecherisch und in vielen Belangen schlichtweg schädlich halte. Sowas darf man, so weit ich weiß, sogar wenn man sich als Liberaler, Sozialliberaler, Konservativer, Christdemokrat oder sogar als Nazi ansieht. Aber du hast natürlich Recht:

    “Kapitalismus abschaffen oder aufhören zu flennen!”

    Da ich offensichtlich den Kapitalismus nicht abgeschafft habe, bin ich ein williger Erfüllungsgehilfe und selbst Schuld an allem, was in Deutschland passiert. Auch dass ich hier dummdreisterweise eine Lösung innerhalb des Systems vorgeschlagen habe, statt mich gleich auf die viel leichter umzusetzende Abschaffung des Kapitalismus zu stürzen, ist natürlich mein eigener Fehler. Also werde ich absofort mein Recht auf freie Meinungsäußerung an den Nagel hängen, denn das erwirbt sich ja scheinbar nur derjenige, der den Kapitalismus abgeschafft hat. Danke für die Aufklärung.

    Ende der Polemik.

    Buck, ich bin gewillt über die Rechtmäßigkeit der Bagatellregelung und die Frage wie kriminell diese Einzelkopien sind ernsthaft zu diskutieren. Sehr gerne sogar, dafür sind die Kommentare da. Aber nicht wenn du hier so reinplatzt und in diesem Tonfall in meinen Text Dinge reininterpretierst, die da so nicht stehen.

  11. Buck Rivera Says:

    Alles klar. Dann verstehen wir uns ja. Nicht. Ich fasse meinen Standpunkt lieber noch mal zusammen:

    Kopierschutzholocaust: nein.
    Faktische Aushebelung der Möglichkeit von Sicherheits- und Bequemlichkeitskopien für den Hausgebrauch: nein.
    Bespitzelung durch Industrie: nein.
    Behinderung von Wissenschaft und Lehre: nein.
    Kriminalisierung der Schulhöfe: Oooh, baby!

    Und da erlaube ich mir einfach mal, dem Ausdruck zu verleihen. Selbst, wenn du eine gegenteilige Meinung verträtest, würde ich mir das glatt herausnehmen. Und dann auch immer satirisch überspitzt.

    P.S. Bitte verstehe es nicht als Vorwurf, wenn ich deinem Bekanntenkreis unterstelle, nicht repräsentativ zu sein.

  12. marcel Says:

    “P.S. Bitte verstehe es nicht als Vorwurf, wenn ich deinem Bekanntenkreis unterstelle, nicht repräsentativ zu sein.”

    Buck, Du bist ernsthaft der Meinung, dass weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung jemals in ihrem Leben eine Kopie, sei es auf CD oder MC, für einen Bekannten gemacht haben oder ein Mixtape für jemanden?

    MMn sind Björns ‘50%’ sogar noch tief angesetzt. In meinem Bekanntenkreis und meiner Verwandtschaft sind die einzigen, die demnach in Zukunft nicht als kriminell einzustufen wären, meine Großeltern. Du kannst mir nicht erzählen, dass das bei Dir wesentlich anders aussieht. Andernfalls lebst Du in einer musikfreien Welt.
    Es geht hier ja nicht um den 24/7-Downloader, der mit DVDs kaufen nicht nachkommt um seine Sammelwut zu archivieren, sondern um Menschen die Freunden Musik geben, die sie selbst mögen. Austausch. Kommunikation.

    Dem Verständnis was Industrie und Regierung hier gegenüber Kultur an den Tag legen, kann man nur mit dem Kopf schütteln.
    (Von den datenrechtlichen Bedenken gegenüber des Gesetzes ganz zu schweigen.)

    Ich bin sehr für die Bagatellregelung und ihre Einzelkopien. Oh yes.

    marcel, unter anderem Hobbymusiker

  13. marcel Says:

    “Der hierzulande vielleicht weniger bekannte Avantgardemusiker Bob Ostertag hat seine Musik, sofern er die Rechte daran besitzt, unter eine Creative Commons Lizenz gestellt. Sie erlaubt unter Namensnennung die nicht-kommerzielle Weitergabe und freie Bearbeitung. Sehr lesenswert ist seine kurze, aber prägnate Begründung für diesen Schritt. Er wendet sich darin insbesondere gegen die Tendenz von Medienunternehmen Kultur für sich zu vereinnahmen und zu kontrollieren.” via netzpoltik.org

    der link zu ostertag: http://bobostertag.com/

    Sehr lesenwert

  14. Buck Rivera Says:

    “Buck, bist du ernsthaft der Meinung, dass weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung jemals in ihrem Leben eine Kopie, sei es auf CD oder MC, für einen Bekannten gemacht haben oder ein Mixtape für jemanden?”

    Ja. Ernsthaft. Eigentlich dachte ich an illegale Beschaffung von Material, aber trotzdem. Außerdem ist die Zahl egal. Kriminell bleibt kriminell.

    “Meiner Meinung nach sind Björns ‘50%’ sogar noch tief angesetzt. In meinem Bekanntenkreis und meiner Verwandtschaft sind die einzigen, die demnach in Zukunft nicht als kriminell einzustufen wären, meine Großeltern.”

    Überraschung: Die sind schon heute kriminell.

    “Du kannst mir nicht erzählen, dass das bei dir wesentlich anders aussieht. Andernfalls lebst Du in einer musikfreien Welt.”

    Da haben wir das Problem. Auf deinem Planeten ist es also noch nicht mal denkbar, dass man das Urheberrecht ernstnimmt. Auf meinem schon. Aber von deinem verdrehten Planeten stammt ja auch das Sprichwort “Regeln sind dazu da gebrochen zu werden.”

    “Es geht hier ja nicht um den 24/7-Downloader, der mit dem DVD-Kaufen nicht nachkommt, um seine Sammelwut auszuleben, sondern um Menschen, die Freunden Musik geben, die sie selbst mögen. Austausch. Kommunikation.”

    Das sage ich mir auch immer, wenn ich Autos stehle. “Geiles Auto”, sag ich mir dann so, “das schenke ich meinem Kumpel, der hat keins. Austausch. Umverteilung. Hoffentlich kommt morgen der Anruf aus Stockholm vom Nobelpreis-Kommitee.”

    Vielleicht sollte ich aufhören hier zu posten; ich hab so viel Recht, das geht auf keine Kuhhaut. Da werd ich sicher bald rausgelöscht…

  15. Björn Says:

    Da werd ich sicher bald rausgelöscht…

    Ja, ne, ist klar. Passt schon. Buck, ich bin mir nicht sicher was du rauchst, aber wechsel mal lieber den Dealer, das Zeug schein defekt zu sein.

  16. Buck Rivera Says:

    Ich rauche nur beste englische Kröten, die mir Ulf schickt.

  17. marcel Says:

    Jungejunge, Buck. Ich denke mal Björn kommt vom selben ‘Planeten’ wie ich, das ist der auf dem auch Voltaire einst wandelte…

    Grundsätzlich muss ich Dir wohl mal was zu meinem Hintergrund erzählen: Es gibt nichts, wofür ich in meinem Leben mehr Geld ausgebe als für Musik. In meiner Wohnung stapeln sich CDs und Vinyl(Schallplatten)-das macht besonders bei Umzügen Spass.. Ich bin selbst Musiker, trete in unregelmäßigen Abständen auf, und habe auch schon einmal veröffentlicht. Die Musik, die ich höre, wird zum Teil lediglich 500mal gepresst.
    Das bedeutet, dass ich auf neue Musik nicht im Radio stoßen werde, zumindest nicht hier in Dtl. Ich bin also auf Zufälle im Plattenladen, Magazine, und Freunde angewiesen. Und wenn mir jetzt ein Freund per email ein Stück von einer Band zuschickt, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe und dadurch auf sie aufmerksam werde- nun, das mit Autodiebstahl gleichzusetzen ist schlicht Unsinn.
    Aber Du, die Musikindustrie und die Bundesregierung tun das anscheinend gern.

    Der Autodiebstahlsvergleich zieht bei den p2pkids, die nie in Erwägung zu ziehen jemals ein Original zu erwerben, aber nicht hier. Differenzierung, anyone?

    Du kannst gern darauf antworten, aber ehrlich gesagt habe ich keine Lust mit jemandem zu diskutieren, der meint er “hab[e] so viel Recht, das geht auf keine Kuhhaut”.

    P.S. schon mal dran gedacht, dass auch die Gesetzgebung fehlbar sein kann, bzw von Lobbyinteressen gesteuert zu suboptimalen Ergebnissen führt?

  18. harvey birdman Says:

    word.

  19. Buck Rivera Says:

    Ich glaube, ich weiß jetzt genauer, was mir hier auf den Geist geht: eine bürgerliche Weiße-Weste-Paranoia, die sich auf keinen Fall die eigene Gesetzesuntreue eingestehen kann, gepaart mit einem sozialistischen Befreiungsanspruch, der auf Reform (in diesem Fall wäre aber eher Revolution notwendig) drängt. Die beiden können nie zusammenkommen. Ganz absurd ist die Vorstellung, man habe sich durch den legalen Erwerb von tonnenweise Musik freigekauft und dürfe nun raubkopieren.

    Kann man nicht ehrlich zu sich selbst sein? Kann man nicht vor sich selbst zugeben, dass man Musik für sich selbst und nur für sich selbst klaut?

    Wenn man zusätzlich gute Gründe findet, warum Kunst nicht freier zugänglich sein sollte, umso besser. Dann müssen aber auch Wege gefunden werden, damit Independent-Künstler wie marcel oder die Arschlöcher von Metallica was dafür kriegen, dass sie ihren Job machen.

    Naiv? Ja, aber wahr.

  20. marcel Says:

    Ich habe nie gesagt, dass ich mich “durch den legalen Erwerb von tonnenweise Musik freigekauft [habe] und dürfe nun raubkopieren”. Ich habe mich nur gegen den Bereicherungsvorwurf deinerseits gewehrt.
    Ich klaue nicht musik für mich selbst. Wenn ich musik runterlade (was eher selten der Fall ist) und sie dann oft anhöre, bekomme ich ein schlechtes Gewissen und kauf mir das Original -vorausgesetzt ich finde es irgendwo. Eben weil ich der Meinung bin, dass Künstler unterstützt gehören. Und die meisten Künstler deren Musik ich höre, eben keine Villa in Berverly Hills haben und von ihrer Musik irgendwie versuchen zu leben.

    Und auf meine Hauptaussage, nämlich dass die Verbreitung marginalisierter Nischenmusik mit solchen restrikitiven Gesetzen behindert respektive kriminalisiert wird/wurde, eben weil es da über hörensagen und soziale Netzwerke geht, bist du keinen Deut eingegangen.
    BTW gehen die Verkaufszahlen der Majors zurück, die der kleinen Labels nicht, Vinyl brummt wie eh und je.

    keine Ahnung auf was oder wen du mit deinem übrigen Gebashe einzuschlagen versucht, aber das ist mir auch egal.
    whatever, i’m out.

  21. popkultur hält die welt in atem « asciitapedeck Says:

    [...] hab’ grade diesen und diesen sehr gut geschriebenen artikel gelesen und verweise nun, da ich selber keine lust habe irgendwas konstruktives zu schreiben, aufs weblog des autors, vor dessen schreibe und materialfülle ich in ehrfürchtiger demut erblasse. viel nerdscheisse zwar und der artikel über viva zwei klingt mir, was die trailer- und videoreferenzen anbelangt, etwas zu netzrechechiert und nicht nach gedächtnisprotokol, da auf viele trailer bezuggenommen wird, die ich hier via http://www.viva-zwei-clips.de.vu schonmal vorgestellt hatte. aber er hat pics von der anti-haifisch-spray-szene aus »batman hält die welt in atem« auf der seite! bonuspunkte. heute abend bin ich übrigens da. [...]

  22. encarta Says:

    warum trift man sich nicht vor den Kanzleien zum druck ablassen.
    1000 zu 8

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