Good ol’ times: VIVA Zwei

In Anbetracht der Tatsache, dass ich gerade schwer am rotieren ob eines Essays für die Uni bin (Stichwort: “Was, der ist nicht erst nach den Osterferien fällig? Scheibenhonig!”) hier nur ein kurzer Zwischenlink zu Seiten, die Videoclips von einem Fernsehsender anbieten, der mir sehr fehlt: VIVA Zwei.

Mit VIVA Zwei war Musikfernsehen, vielleicht zum ersten Mal seit der Gründung von MTV, wieder richtig sexy geworden. Ja, ich war genau jene Generation die VIVA damals bei seiner Gründung ansprach, damals als der Sender noch so aussah, als würde hier live vom Dachboden eines richtigen Fernsehsenders gesendet. Immerhin war da ja die Startansage: “Kurz: Wir sind VIVA. Und wir sind mehr als nur ein Fernsehsender. Denn wir sind euer Sprachrohr. Und euer Freund. Und ab heute bleiben wir für immer zusammen. Okay?”

Ja, irgendwie kam einem VIVA 1993, man selbst war noch über ein Jahr davon entfernt zum Teenager zu werden, schon sehr sprachrohrig vor. Heike Makatsch war noch Girlie statt Charakterschauspielerin, Nils Bokelberg war noch nicht in der Versenkung verschwunden, Stefan Raab, damals noch mit Hornbrille, Lederflickenjeans und mehreren Dutzend Kilo weniger auf der Waage, war noch auf erfrischende Weise rotzfrech (was seine Berichterstattung von der Fußballweltmeiserschaft 1994 noch heute sehr schön unter Beweis stellt) statt Selbstgefällig und Mola Adebisi… naja… Mola Adebisi hatte noch nicht jenen Zustand erreicht, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung anlässlich des RTL Promiboxens zehn Jahre später am 19. Mai 2003 sehr treffend wie folgt beschreiben würde:

Als erstes lernt der Viva-Moderator Mola Adebisi, welche Aggressionen sich in Menschen aufstauen, die seit gefühlten 165 Jahren den gleichen Hampelmann im Kindermusikfernsehen sehen müssen. Bei seinem Einzug in die Halle buht das verblüffend einige Publikum hemmungslos, jeder Kopftreffer, den der Schauspieler Florian Harloff landet, provoziert frenetischen Jubel. “Tu ihm weh”, brüllen sie hysterisch, und als Adebisi stolpert und in die Seile fliegt, gibt es höhnisches Gelächter. Sie sind gekommen, um zu sehen, wie eine der ganz großen Nervensägen im deutschen Fernsehen richtig was in die Fresse bekommt. Doch sie werden enttäuscht. Denn das ist die nächste Erkenntnis dieses Abends: Daß einer, der seit gefühlten 165 Jahren den Hampelmann im Kindermusikfernsehen geben muß, unfaßbar aggressiv ist, noch aggressiver als das Publikum, das ihn verachtet. Mit unfaßbarer Wut geht Adebisi von der ersten Sekunde an auf seinen Gegner los. Und gewinnt.

Ja, VIVA hatte damals noch was für angehende und frisch gewordene Teenager zu bieten. Aber sexy, das muss man festhalten, war VIVA nie. Irgendwo zwischen Haddaway, 2 Unlimited, E-Rotic, den Technoheads und Whigfield war VIVA der verpickelte Jugendliche unter den Fernsehsendern. Rotzfrech, respektlos und laut. Ja. Aber nie sexy. Teenager können nicht wirklich sexy sein, auch wenn sie das erst später erkennen.

Und auch das Versprechen, dass wir für immer zusammen bleiben, erwies sich - wie sooft, wenn Teenager sich solche lebenslange Treue schwören - als Lüge. Tut mir leid, VIVA, es liegt nicht an dir, es liegt an mir. Ich habe mich halt verändert, weißt du. Obwohl, vielleicht liegt es doch an dir, denn du hast dich nicht verändert… und wenn doch, dann zum schlechten. Du bist immer noch voll drin in der Pubertät, weißt du, aber du bist nicht mehr rotzfrech. Du hast deine gammeligen Klamotten eingetauscht gegen Louie-Vuitton-Handtäschchen Punk Chic Haargel. Du siehst besser aus, sicher, aber eigentlich bist du doch noch genau so hohl und leer wie damals, als wir uns das erste Mal getroffen haben. Und das zu überspielen, indem du einfach nur gegen den Krieg bist, weil alle dagegen sind und es trendy ist, hilft dir auch nicht.

Aber, Gott sei Dank, war der Bruch mit VIVA nicht so unschön, wie er hätte sein können. Denn immerhin gab es da ja VIVA Zwei. Wobei man eigentlich von VIVA Zweieinhalb sprechen muss. Immerhin hat VIVA Zwei angefangen als Musiksender für die Generation, die schon alt war, als MTV noch jung war. Zumindest für Musikfernsehmacher. VIVA Zwei, das hieß für lange Zeit mit ziemlicher Sicherheit, dass einmal pro Stunden Phil Collins oder “Africa” von Toto gespielt würde. Zumindest bis zur “Wende”.

Ich weiß nicht einmal mehr genau, wann die Wende eigentlich stattgefunden hat. Aber von Anfang an war klar, dass dieses neue VIVA Zwei anders sein wollte und würde. Vielleicht irre ich mich da, es ist schließlich schon weit über ein halbes Jahrzehnt her und die eigenen Erinnerungen, die ja immerhin die Angewohnheit haben schon nach wenigen Sekunden unzuverlässig zu werden, spielen mir hier möglicherweise einen Streich. Aber ich bin mir sicher, dass VIVA Zwei mindestens die ersten vierundzwanzig Stunden, vielleicht sogar länger sein Programm auf dem Kopf ausgestrahlt hat. Und trotz einer zunächst ablehnenden “Was soll das denn?”-Haltung, irgendwie hatte dass mein Interesse sofort geweckt.

Wenn VIVA der rotznäsige Teenager war, dann war VIVA Zwei jetzt sein älterer, hipperer Bruder. Der Kerl, den man in seinen jungen Jahren für einen schrecklich albernen Grufti hält, der einen gar nicht verstehen kann, dessen Coolness man aber im Laufe der Zeit mehr und mehr anerkennen muss. Irgendwann kann man den jüngeren Bruder gar nicht mehr ausstehen, man hängt aber trotzdem noch mit ihm rum, einfach nur in der Hoffnung, dass man vielleicht den großen Bruder trifft und etwas von seiner Coolness an einem selber haften bleibt. VIVA Zwei war sexy.

Das Kreuz in der Ecke. Die Farbcodierung für die Sendungen. Die Wortspiele, aus denen die Titel besagter Sendungen bestanden. 2Rock. Wah². ZWOBOT. Die Schwarz-Weiß-Trailer, hochgradig stilisiert und angereichert mit kryptischen Textfetzen, unter anderem aus “Brown Sugar” von den Rolling Stones und “Happiness is a Warm Gun” von den Beatles. Plötzlich wurde einem bewusst, dass der Stil, den VIVA angeboten hatte, nie wirklich stilvoll war. Auch das können Teenager halt nicht.

Wer davon nicht überzeugt ist, und jeder hat das Recht zu argumentieren, dass VIVA Zwei seinem Publikum das Selbe verkaufte wie VIVA, nur in einer dezenteren Verpackung, der konnte sich bei den Nachrichten das Gegenteil beweisen lassen. Da wo bei VIVA Mola Adebisi vor einer Bluescreen stand und konstant geblitzt, geblinkt und effektgehascht wurde, da stellte man beim Schwesternsender einfach den Nachrichtenmoderator in den Glasfahrstuhl des Sendegebäudes, was eine visuelle Novität war und tatsächlich schick aussah. Dass die “News” hier “Neuigkeiten” hießen und der Moderator zudem Rocco Clein war, schadete auch nicht.

Visuell war Rocco Clein all das, was VIVA nicht war. Anzug, Krawatte, Spießerfrisur aus den Siebziegern und Brille. Das war all das, was man - soviel hatte mir VIVA beigebracht - nicht trug, solange man noch jung oder zumindest berufsjugendlich war. Und dabei war Rocco Clein nur fünf Jahre älter als Mola Adebisi. Und, verdammt noch eins, der Mann machte eine tierisch schneidige Figur in seinem Anzug. Und hatte einen ziemlich guten Musikgeschmack, den er auch nutzte um bei VIVA Zwei Bands wie Blackmail, der Jon Spencer Blues Explosion oder der (internationalen) Noise Conspiracy ein Forum einzuräumen. Ich muss zugeben, dass mich der Tod von Rocco Clein vor rund zwei Jahren bitter traf. Einmal, weil es immer schockierend ist, wenn jemand so jung und plötzlich stirbt, zum anderen aber auch, weil da ein Teil meiner “coming of age”-Phase (die ja nun auch erst drei oder vier Jahre zurücklag) verstarb. Oliver Fuchs von der Süddeutschen hat einen besseren Nachruf geschrieben.

All das aufzuzählen, was ich an VIVA Zwei mochte, würde das hier wieder zu einem Mammutpost werden lassen, dass es nicht werden soll. Da war so viel, das man einfach lieben musste. Simon Gosejohanns Zelluloid, ein Kinomagazin, dass tatsächlich besseres zu tun hatte, als Verbalfellatio für langweile Blockbuster zu praktizieren oder Tom Cruise den Arsch zu küssen. Warum sich mit Spielbergs neuester Zuckerwatte abgeben, wenn man die Zeit auch nutzen konnte um grenzwertige Troma-Filme wie Surf Nazis Must Die vorzustellen oder mit Dino De Laurentiis über Army of Darkness, Conan oder Flash Gordon zu sprechen. Dass VIVA Zwei zudem noch das filmische Großwerk Captain Cosmotic auszustrahlen (dass sich jeder zulegen sollte… Deutsche kauft deutsche C-Movies), war da nur das Sahnehäubchen.

Markus Kavka strahlte eine angenehm relaxte und bodenständige Lässigkeit bei 2Rock aus, das ich damals - schwer in meiner Headbangerphase, herbeigeführt vom langweilig ostwestphälischen Landleben - als Format sehr zu schätzen wusste. Und auch wenn ich Respekt davor habe, dass er den Absprung schaffte ehe VIVA Zwei kenterte, irgendwie strahlte Kavka damals bei 2Rock dann doch mehr Würde aus als in seiner späteren MTV-Phase. So sehr Spin auch eine feine Sendung war, wenn Kavka am Nachmittag den neuesten Klatsch über Atomic Kitten oder die Sugababes verbreitete, dann nahm ich ihm doch nur bedingt ab, dass er da mit ganzem Herzen dabei war.

12 war definitiv eines meiner Lieblingsformate des Senders. Auch hier wurde mir plötzlich ein ganz anderes Weltbild vermittelt, als ich dass zuvor von VIVA kannte. Videoclips, die in der Tat mehr sein durften als hirnloses Pogewackel (es sei denn man konnte thematisch gerade Sir Mix-A-Lots “Baby got back” einbinden). Kunst. Und die Erkenntnis, dass mich Videoclips selbst dann bewegen konnten, wenn ich die dazugehörige Musik nicht mochte. Ich würde mir U.N.C.L.E.s grandioses “Rabbit in Your Headlights” ja nie als Audiodatei zulegen, aber das Musikvideo habe ich trotzdem auf der Platte. Und dann all die wirklich kreativen Videoclips von irgendwelchen Kleingruppen, die ich vorher nie kannte und deren Namen mir seitdem wieder entfallen sind. Was mir das Auffinden vieler videotechnischer Kleinode erschwert oder sogar ganz verwehrt.

Ich weiß nicht, ob ich Kamikaze heute noch mögen würde, oder ob ich Niels Rufs prolliges Spiel mit Homophobie, Sexismus und gezielt kalkulierten Tabubrüchen nicht doch eher als halbstark einstufen würde. Aber damals habe ich, das muss ich zugeben, Niels Rufs Amokverhalten durchaus genossen. Ein Klassiker ist sicher der Einspieler, in dem Ruf einen Transvestiten fragte, ob er sich hier gerade die letzten Raten für den Totalumbau verdiene. Der Transvestit ist für zwei Sekunden zu baff zum reagieren. Dann kippt er Ruf sein Getränk ins Gesicht und hat die feste Absicht, ihn zu vermöbeln. Allerdings hat Ruf inzwischen a.) mit Anke Engelke geschlafen und b.) zeitweise eine Sendung auf RTL II moderiert. Beides Indizien dafür, dass Ruf von Anfang an überbewertet wurde.

Zu Gute halten muss man ihm aber jenes Interview mit den Fantastischen Vier, während dem sie in aller Ruhe und ganz genüßlich ein Hotelzimmer zerlegen durften. Diese Art von kreativer Interviewführung ist nur eines von vielen Dingen, die dem Musikfernsehen heute fehlt. Und wo wir von kreativer Interviewführung sprechen: Zwobot interviewt Madonna. Madonna, wie mir einer meiner Mitbewohner noch immer glaubhaft zu versichern versucht das größte Ding seit, nein, noch vor geschnitten Brot, lässt sich von einem Mikrofonschoner mit aufgeklebten Augen interviewen. Wie groß ist das, bitte schön?

Ohnehin, Zwobot. “Diese abstruse Kiffersendung,” wie das eine Freundin mal zusammenfasste. Ja, genau die. Einer meiner absoluten Favoriten auf VIVA Zwei. Sicher, da gab es Sachen wie “Singen mit Charlie Manson” oder “Terrorgirl”, die zwar bizarr, aber nicht wirklich reizvoll waren (wobei es lustig war, dass Manson hier das VIVA-Zwei-Kreuz auf die Stirn tätowiert hatte). Aber das wurde aufgewogen durch die anderen, wirklich ganz exquisiten Programmteile. Bis heute ist Seattle Jörgs liebes Tagebuch einer meiner Helden. Der Begriff “Spexwichser” ist eine große Bereicherung für mein mentales Lexikon. “Wer hat Angst vor’m Klingelmonster” war die unheiligste Antwort auf die Teletubbies, die man sich vorstellen kann? Wie parodiert man etwas, dass scheinbar schon komplett absurd ist? Man fügt dem Ganzen einen düster-bedrohlichen Unterton hinzu.

Und dann ist da noch “Schießen Sie auf den Pianisten vom Planet der Affen”. Nicht nur der beste Titel, den je eine Sendung im deutschen Fernsehen getragen haben, sondern zudem absolut herzerwärmend. Zumindest mir wird bis heute warm ums Herz wenn ich daran denke, wie diese kleine Affenhandpuppe klassische Musikstücke auf einem Schweinekeyboard intonierte und letztlich immer nur knapp (und manchmal gar nicht) mit dem Leben davon kam. Natürlich war das alles komplett absurd und ich verstehe jeden, der das nicht im Ansatz lustig fand. Aber vieles aus Zwobot lag humoristisch genau auf meiner Wellenlänge. Vielleicht muss man ein leichtes Faible für das Groteske haben um der Show etwas abzugewinnen. Die Gastauftritte von Charlotte Roche und Rocco Clein (als Rocco Zwei) sind übrigens auch eine sehr liebenswerte Note.

So wie VIVA Zwei mit der “Wende” stilvoll die Bildschirme betrat, so wählte man auch einen stilvollen Abgang. Man produzierte zwei Singles mit den Zwobot Allstars (”Abschied von VIVA Zwei” und “Ding-Dong Zwobot ist tot”, dass die schöne Textzeile “Hast du dir ein Kreuz tätowiert, dann bist du ziemlich angeschmiert” enthielt… ein netter Hinweis auf Frau Roches prominentes VIVA-Zwei-Tattoo), strahlte diese kurz vor dem Ende aus und ließ dann, bevor man in die Endlos-Videoclipschleife schaltete, noch einmal Mr. Explosion auf den Bildschirm kommen. Heute zu Gast bei VIVA Zwei. Going with a bang, not with a whisper.

Dass sich VIVA Zwei wirtschaftlich nicht rentiert hat, über 8 Millionen D-Mark Schulden hatte man am Ende erwirtschaftet, braucht nicht diskutiert werden. Ebenso wenig muss man darüber diskutieren, dass das Musikfernsehen in Deutschland nach VIVA Zwei jedwede Relevanz verloren hat. Ich möchte nicht über den Snafu schreiben, als der VIVA Plus startete… und noch weniger über den ästhetisch und intellektuellen Clusterfuck, zu dem sich der Sender von da entwickelte. Und dass, seit dem auch VIVA und MTV auf Quotenmessung und Reichweitenerfassung setzen, im Musikfernsehen kein Platz für das letzte bisschen Anspruch mehr ist, zeigte die ziemlich billige und schäbige Art, wie VIVA mit Fast Forward auch die letzte überlebende VIVA Zwei Sendung aus dem Programm warf. Da mag sich das Feuilleton noch so überschlagen, aber es gibt keinen Platz für die Kunst im Kommerz. (Gott sei Dank gibt es ja, obwohl die Politik den Sender auch gerne dicht machen würde, noch arte.)

2002 war dann auch die Beziehung mit VIVA Zwei gescheitert. Dieses Mal hatten wir uns nicht auseinadergelebt, sondern es hat einfach nicht sollen sein. Aber anders als die kleine Schwester, hatte mir VIVA Zwei ja auch nie versprochen, dass wir für immer zusammen bleiben würden. Und anders anders als mit VIVA hatten wir auch eine verdammt gute Zeit zusammen. War schön mit dir VIVA Zwei. Wirklich.

Schade drum.

Literatur:

Videolinks gelöscht

14 Responses to “Good ol’ times: VIVA Zwei”

  1. Buck Rivera Says:

    Musikfernsehen ist tot. Aber auf MTV kommen jetzt Southpark, Wondershowzen und die Andy Milonakis Show. Hurra! (Ernsthaft.)

  2. Abspannsitzenbleiber Says:

    Cool, 2303 Wörter für einen “kurzen Zwischenlink”.
    Ja, those were the days… Ich hab Viva Zwei auch geliebt. Der Sender hat mir sehr bei der Transformation meines Musikgeschmacks von “alles was nach 1970 kam, war Mist” zu Indiekram aller Art geholfen. Und ich gestehe auch, “Kamikaze” damals gemocht zu haben. Nur “Zwobot” hab ich irgendwie nie gesehen (vielleicht falsche Sendezeit). Da hab ich wohl was verpasst. 1999 bin ich dann nach München umgezogen und da gabs Viva Zwei im Kabel immer nur nachts, wenn ich geschlafen habe. Und inzwischen habe ich das Kabel ganz gekündigt und vermisse weder MTV noch Viva.

  3. Abspannsitzenbleiber Says:

    Ach ja, und Nils Bokelberg ist heute übrigens ein recht aktiver Blogger.

  4. Claudia Says:

    Vielen Dank, Björn. Du hast in diesem post ziemlich treffend die Höhepunkte und den Niedergang des deutschen Musikfernsehens beschrieben. Obwohl es - vielleicht auch zurecht - viele Menschen gibt, für die Musikfernsehen nicht das A und O der Unterhaltung ist, muss ich dir zustimmen: VIVA zwei war Kunst. Und, wie so viele Dinge, die man im deutschen Fernsehen mal gemocht hat, musste es dem hirnlosen Konsum weichen.
    Ok, ich schaue auch ab und zu mal South Park oder Andy Milonakis und finde es ganz lustig. Allerdings ist das kein wirklicher Ersatz für die großartige Videokunst, die bei VIVA zwei so selbsterständlich unterstütz und ausgestrahlt wurde…oder für die witzigen, innovativen und einzigartigen Sendeformate, die man so auch nicht wieder sehen wird.
    Ja, der Tot von VIVA zwei wird auch von mir sehr bedauert. Daher nochmals: Danke Björn!

  5. Björn Says:

    Cool, 2303 Wörter für einen “kurzen Zwischenlink”.

    Hatte überlegt das zu entfernen, als mir klar wurde, dass ich hier wieder ins Palavern geraten bin (irgendwie fand ich dann doch, dass ich nicht nur die Links setzen, sondern schon was zu VIVA Zwei sagen sollte), habe dann aber entschieden es drin zu lassen. Als Warnung und als Mahnmal für meine Unfähigkeit mich kurz zu fassen.

    Der Sender hat mir sehr bei der Transformation meines Musikgeschmacks von “alles was nach 1970 kam, war Mist” zu Indiekram aller Art geholfen

    Definitiv. Auch wenn es auf dem platten Land schwer war der allgegenwärtigen “Alles was nich’ Metal ist, ist Mist.” zu entkommen. Aber ohne VIVA Zwei hätte ich wohl nie entdeckt was für großartige Bands (unter anderem) die Eels, Cake oder Pavement sind/waren.

  6. Ulf Says:

    Schoener Artikel. Dumm nur, dass ich Viva Zwei nie wirklich geschaut hab.

    Oder um deine Bildsprache zu verwenden: ich habe nie versucht das Maedel naeher kennen und so nie wirklich festgestellt, dass sie vielleicht eine Beziehung wert gewesen waere. Jetzt hat sie die Stadt verlassen….

    P.S: Du hattest ne Headbangerphase!!!!??????

  7. Schmuck Rivera Says:

    Ulf war mal Bundeskanzler von Österreich??!!!??!!?!

  8. jana Says:

    hey, lieben dank für diesen grandiosen artikel! und uebrigens: die laenge schreckt beim ersten ueberfliegen wirklich ein bisschen ab, aber ist man erst mal den ersten paar zeilen verfallen will man garnicht mehr, dass es aufhoert. so wars zumindest bei mir mal wieder :o)
    also, ich weiss garnicht, was ich hier ueberhaupt noch hinschreiben soll. du hast mal wieder genau getroffen, was in mir bzgl der nie aufhoerenwollenden trauer um viva zwei so vorgeht.
    ich hatte auch meinen “einstieg” ins musikfernsehen mit viva im zarten alter von ~12, das werde ich auch nicht abstreiten. damals vivasion hat mich wie einige andere formate schon gut unterhalten, aber als dann viva zwei auf den markt kam und ich eindeutig aelter und (musik)wissbegieriger wurde, war es um mich geschehen.
    dieser geniale sender, dem ich bis heute noch mit einem aeusserst vergilbten werbefoto von charlotte (hockend auf einem flachdach mit rotem vzkreuz) huldige, das seit erscheinen nicht den platz in meinen behausungen raeumen musste, hat DEN wirklichen musikalischen weg meines lebens geebnet.
    mag schmalzig klingen, war aber so;) wenn viva zwei nicht gewesen waer, wuerde ich wahrscheinlich heute niemals gute rockmusik hoeren bzw ueberhaupt wissen, dass tokio hotel nicht dazu zaehlen koennen, weil sie schlecht sind! :o)
    und als es dann ploetzlich zum ende meines “lebensknotenpunkts” kam war ich tierisch geschockt und es muss meinem umfeld wirklich schwer gefallen sein, mich vom rechner wegzuzerren, der mir mit unzaehligen r.i.p. viva zwei/protest - seiten trost oder zumindest ablenkung geschenkt hat.
    in diesem sinne: schoen dass es auch 4 jahre danach noch andere trauergaeste in diesem land der klingeltonabomanie gibt!
    Radikalisiert das Leben!

  9. harvey birdman Says:

    ach ja. kann mich gut erinnern als ich mit dir bei groll auf deinen geburtstag angestossen hab und wir das ende von viva zwei betrauert haben, weil grade der zwobot marathon lief… das waren noch zeiten…
    mir sind 3 sachen eingefallen: erstens hab ich noch zwobot wallpapers von der viva ZWEI-homepage damals - sag beischeid bei interesse mail ich sie dir.
    ZWEItens: fall auf die knie und heule rum: ich besitze die “fast forward samlper” ZWEIfach cd im original. (nebenbei halte ich ernsthaft das brennen von cds für den untergang des musikalischen abendlandes - und zwar nicht weil die aaaarme platten industrie dabei pleite geht (die porno industrie geht ja schliesslich auch durch free-porn im internet nicht pleite) sondern weil einfach das feeling verloren geht wenns keine originale cd ist. die liebe ist weg. zumindest was mich angeht. und besonders bei MP3 cds. son’ dreck!)
    und drittens: wenn ich ein unsinniges tattoo hätte, und ich hätte es aus dem grund das ich fast forward moderiert hätte und es wäre ein senderlogo - ich würd mir nen loch in jeden hoodie schneiden.
    schöner text.
    TC /harv (früher als klingelmonster bekannt)

  10. SpielerZwei Says:

    VIVAZWEI war ganz großes Fernsehen! Ich trauere ebenfalls noch heute dem einzigen wirklich guten Musik-Sender im deutschen Fernsehen nach. Die Einstellung des Formats hatte ja neben meinem heutigen Musik-TV-Boykott noch viel weiter reichende Konsequenzen:
    Der deutsche Musik-Underground hat seine einzige TV-Plattform verloren. Als es VIVAZWEI gab, produzierten plötzlich Bands wie Project Pitchfork oder Dance Or Die recht aufwendige Video-Clips und erreichten so auch ein größeres Publikum (und sogar hohe Chartplatzierungen!). Als der Sender sein Programm einstellte, war auch damit wieder Schluß…

  11. Aulbath Says:

    VIVAZwei hat mir damals erstmals Musiker gezeigt, von denen ich wahrscheinlich sonst niemals etwas erfahren hätte… was da nachts abging war teilweise nur genial! Und die hatten so ein irrsinnig weites Spektrum - vom japanischen Szene-DJ “Towatei” bis zu ganz obskuren Bands mit noch viel abgedrehteren Videoclips (teilweise nur mit Strich-Vektorgrafiken oder im C64-Stil).

    Und welcher andere Fernsehsender Jörg Buttgereit öfter mal zu Wort kommen lassen? Oder welcher TV-Kanal hat 20 Minuten lang “electronic plastic” vorgestellt - inklusive Bilder der Sammlung des Authors.

    Und unvergessen bleibt Kamikaze…

    VIVAzwei - mit Abstand das Beste, was die deutsche TV Nation auf die Beine gestellt hat…

    Und verglichen mit dem britischen oder schwedischen MTV, stinkt unsere Variante ganz eindeutig!

  12. popkultur hält die welt in atem « asciitapedeck Says:

    [...] hab’ grade diesen und diesen sehr gut geschriebenen artikel gelesen und verweise nun, da ich selber keine lust habe irgendwas konstruktives zu schreiben, aufs weblog des autors, vor dessen schreibe und materialfülle ich in ehrfürchtiger demut erblasse. viel computernerdscheisse zwar und der artikel über viva zwei klingt mir, was die trailer- und videoreferenzen anbelangt, etwas zu netzrechechiert und nicht nach gedächtnisprotokol, da auf viele trailer bezuggenommen wird, die ich hier via http://www.viva-zwei-clips.de.vu schonmal vorgestellt hatte. aber er hat pics von der anti-haifisch-spray-szene aus »batman hält die welt in atem« auf der seite! bonuspunkte. [...]

  13. agitpop - du gehst durchs feuer, ich geh nach haus’ » Blog Archive » War spät gestern: Late Lounge Says:

    [...] Wie schreibe ich das jetzt, ohne dass es nach der üblichen “Ihr Wahnsinnigen! Ihr habt das Fernsehen in die Luft gesprengt! Ich verfluche euch! Ich verfluche euch alle!” klingt, das ich schon bei meinen Trauertexten über das Ende von Futurama, Firefly und VIVA ZWEI zelebriert habe? Vielleicht indem ich von Anfang an, den Fuß ein wenig vom Gas nehme. [...]

  14. agitpop - styrofoam boxes for the ozone layer » Blog Archive » TV is a Virus: Zapping Says:

    [...] Zurück zur Negativität: Wie nutzlos sind eigentlich MTV und VIVA geworden? Dass das Musikfernsehen in Deutschland mit dem Ende von VIVA Zwei einen herben Schlag hat einstecken müssen, wissen die älteren Semester unter uns ja noch. Aber dass es mal so grausam bergab gehen würde? [...]

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