Nordkoreas Antwort auf Godzilla. Der Monsterfilm als politische Allegorie.
Exordialtopik
In manchen Fällen sind die Geschichten die hinter einem Film stehen besser als der Film selber. Manchmal sind die Geschichten die hinter einem Film stehen auch das einzige, das am Ende übrig bleibt. So wie bei Lost in La Mancha, der Dokumentation zu Terry Gilliams nie realisiertem Don-Quixote-Film. Im Falle Pulgasari kam zwar ein Film am Ende raus, aber die Geschichte hinter dem Film ist trotzdem viel besser als der Film selber. Was keine sonderlich große Leistung ist: Die Geschichte wie der Best Boy bei diesem Film am vorletzten Drehtag verschlafen hat, es dann aber doch gerade noch rechtzeitig zum Set schaffte ist potentiell besser als der Film selber.
Anyway. Wer dieses Blog ein wenig verfolgt, der wird nicht sonderlich überrascht sein, dass ich die Godzilla-Filme mag. (Ishiro Honda lieber als Jun Fukuda, Mechagodzilla lieber als King Ghidorah und alles – ja, sogar Hedorah, das Smogmonster und King Caesar – lieber als diese bekackte Ökomotto Mothra mit ihren Dosenzwergpriesterinnen.) Und wer mag die Godzilla-Filme auch? Kim Jong-il.
Kim Jong-il ist beruflich als Filmexperte unterwegs und hat – so wird gemunkelt – über 20.000 Filme in seiner privaten Sammlung und mag am liebsten Rambo, James Bond und Freitag der 13.. Womit Kim beweist, dass er filmisch ein Mann des Volkes ist. Also, des anderen Volkes… das diese Filme sehen darf. Wenn Kim mal keine Filme guckt, dann leitet er nebenbei einen kleinen Atomstaat der Teil der Achse des Bösen ist und ist zusätzlich Chef einer Moriskentanzgruppe, die schon wenige Stunden nach Tourbeginn im Zentrum von Seoul tanzen könnte. Oh, außerdem ist Kim rownry, oh so rownry.
Kims Vater, Kim-Il Sung, wollte etwas gegen diese Einsamkeit tun, die Emo-Kim schon zeigte als er 1978 Chef des nordkoreanischen Propagandaministeriums war. Und wenn der eigene Sohn jammert, dann riskiert man dafür auch schon mal einen kleinen, diplomatischen Zwischenfall. 1978 bestand der daraus, dass nordkoreanische Agenten den südkoreanischen Regisseur Shin Sang-ok und dessen Gattin Choe Eun-hui aus Hong Kong (nur zur Bestandsaufnahme: damals noch Teil des Commonwealths) entführten. Shin Sang-ok sollte Kim dabei helfen Pjönjang zum Hollywood des Fernen Ostens zu machen und dem Kommunismus nach außen hin ein menschliches Antlitz zu verschaffen. Denn nichts sagt “eigentlich ein ganz knorker Staat” so deutlich wie Filme die ein verschleppter Regisseur dreht während ihm ein Soldat den Lauf seiner AK-47 in den Rücken drückt.
Weil Shin allerdings zu fliehen versuchte, landete er von 1978 bis 1983 erst einmal im Knast und durfte erst danach anfangen Koreas Filmindustrie zu revolutionieren. In einer Luxuswohnung untergebracht und mit 3.000.000 Dollar im Jahr subventioniert drehte Shin ein paar Filme für Kim, ehe er und seine Frau 1986 auf einer Geschäftsreise in Wien die Flucht in die amerikanische Botschaft antraten. (Darum lässt man seine Untertanen nicht ins feindliche Ausland ausreisen.) Nachdem er dem amerikanischen Geheimdienst von Kims Eigenheiten berichtet hatte, begann er in Amerika als Simon S. Sheen die Filmreihe der Three Ninjas zu begründen. A great escape for the man, but a very small step for Hollywood.
Soviel dazu. Sofern es nicht schon geschehen ist, wird das irgendwann mal ein guter Biopic werden, wobei der Schauspieler der Kim Jong-il spielt (bitte Christopher Walken, bitte Christopher Walken) den Oscar eigentlich jetzt schon sicher hat. Und es wird ein Film werden, dessen Geschichte – darum widmete ich ihr jetzt soviel Zeit – sicher mehr her macht als die Geschichte von Pulgasari, Nordkoreas Antwort auf Godzilla und der letzten Film den Shin in Nordkorea vor seiner Flucht drehte. Dem Umstand ist es auch zu verdanken, dass Kim den Namen Shins komplett aus dem Abspann strich.
Nacherzählung
Pulgasari ist, das wird niemanden verwundern, ein kommunistischer Propragandafilm. Sowas wie Panzerkreuzer Potemkin oder Alexander Newski sofern Lenin und Stalin damals Sergei Eisenstein durch Uwe Boll ersetzt hätten. Der Streifen erzählt die wahre Geschichte wie Korea (Nord) zu der sympathischen Gleichberechtigungsgesellschaft wurde, die der Staat heute ist. Und diese Geschichte beginnt irgendwann in Koreas Mittelalter in einem kleinen Dorf, dass unter den “verschissenen Monarchenschweinen” und ihren bürokratischen Handlagern zu leiden hat.
Das Problem sieht wie folgt aus: Die Monarchie braucht Eisen. Denn den Rohstoff scheint es innerhalb der Landesgrenzen nicht, oder nicht ausreichend zu geben. Was ein ziemlicher Downer ist, wie jeder weiß der schon Mal Civilization III gespielt hat. Da hat man es zivilisatorisch so weit gebracht, steht kurz davor allen anderen Nationen mal imperialistisch zu zeigen wo der Frosch mit den Locken dem Bartel den Most abkauft während der Papst im Kettenhemd gegen steppenden Bären boxt… und dann stellt man fest, dass ein Rohstoff fehlt und man keine Panzer, Atomraketen oder Kampfjets bauen kann. Gut, in Civilization fehlt meist Öl oder Gummi und eher selten Eisen, weil… naja, Eisen schon ziemlich essentiell ist. Aber irgendwie hat es der König geschafft den Eisentrend zu verschlafen und sein Land auf einem eisenlosen Teil der koreanischen Halbinsel zu gründen. Aber, hey, wie soll man so rund 1600 Jahre nach dem Aufkommen von Eisenartefakten in Korea ahnen, dass man dieses Metallgedöns vielleicht mal brauchen könnte und das nicht nur ein flüchtiger Trend ist.
Wie gesagt, die Monarchie braucht darum alles an Eisen, das sie bekommen kann. Dazu gehören auch Metalltöpfe und Gartenbaugeräte. Warum braucht sie dieses Eisen? Um mehr Schwerter und Lanzen zu schaffen. Yep, Flugscharen zu Schwertern. Und warum braucht das Königshaus diese zusätzliche Waffen? Well, duh, natürlich um sich gegen die Rebellen verteidigen zu können, die das Könighaus angreifen. Und warum greifen die Rebellen das Königshaus an? Na, weil es ihnen die Harken und Gartenkrallen weggenommen hat um daraus Waffen für den Kampf gegen die Rebellen zu schmieden. Wer jetzt den Schwachpunkt im königlich-koreanischen Plan sieht oder erkennt, wie man dieses Problem ganz schnell und einfach lösen könnte, der ist definitiv überqualifiziert für den Job als koreanischer Monarch im Mittelalter.
Zu Beginn des Films übernehmen die königlichen Truppen ein kleines Dorf in der Mitte von Nirgendwo und beginnen Kochtöpfe und Ackerbaugeräte zu stehlen. Denn, hey, aus dem Zeug kann man halt super Waffen bauen. Und ein Staat mit einem gut bewaffneten Militär kommt auch ohne primären Sektor aus. Essen wird eh überschätzt. Trotzdem entscheidet eine kleine Gruppe aus vier oder fünf jugendlichen Heißspornen, die eh vorhatte sich den Rebellen auf Yavin IV anzuschließen, dass man sich das nicht gefallen lassen sollte. Unter der Führung von Inde greift man heldenhaft die köngliche Armee an. Heldenhaft übrigens auch, weil Inde mit einem lila Mark-Knopfler-Gedächtnisstirnband durch den Film torkelt, obwohl zu diesem Zeitpunkt kaum jemand von den Dire Straits gehört hat… primär weil es noch mindestens 500 Jahre bis zu ihrer Gründung dauern sollte.
Es kommt wie es kommen muss, die Revolutionäre werden inhaftiert. Dem einfachen Volk werden derweil seine Eisengegenstände entwedet, egal wie häufig es auch jammern mag, dass es unterdrückt wird und auf die Gewalt verweist, auf die sich das System gründet. Nur Schmied Takse, eigentlich beauftragt die Produktionsmittel einzuschmelzen und daraus neue Waffen für die Unterdrückerklasse zu basteln, entscheidet dass die Dinge zu weit gegangen sind und beginnt seinen eigenen passiven Widerstand. Er lässt die Eisengegenstände verschwinden und erklärt dem königlichen Statthalter, dass das Eisen wohl von Pulgasari gefressen wurde. Als Belohnung dafür landet er zusammen mit Inde im Knast.
Hier wird Takse nicht ordentlich gefüttert, was die anderen Revolutionären dazu veranlasst in einen Hungerstreik zu treten. Anders als Helmut Schmidt lässt der Statthalter aber nicht einfach ein paar Matratzen vor den Zellen aufstellen, sondern er versucht sich in der mittelalterlichen Form der Zwangsernährung. Die besteht daraus, dass er fast eine Minute lang Inde befiehlt, er solle essen. Woraufhin Inde fast eine Minute lang erwiedert: “Nö.” So lange Takse nichts isst, spielt man halt Ghandi mit Stirnband.
Auch Takses Tochter Ami versucht ihren Vater dazu zu bewegen, dass er endlich wieder Nahrung zu sich nimmt. Die Wachen lassen sie zwar nicht zu ihrem Vater, aber man kann dem alten Schmied den Reis ja in kleinen Kügelchen durchs Fenster schmeißen. Dummerweise kennt Takse die Fünf-Sekunden-Regel und kann den Dreckreisball vom Boden nicht mehr essen. In einem letzten Monolog wird ihm klar, wie schlecht diese Welt ist, in der die Farmer verhungern und dass er in seinem ganzen Leben jeden Tag etwas mit eigenen Händen geschaffen hat. Aber jetzt, wo das Kapital die Arbeiter von den Produktionsmitteln getrennt hat (ich paraphrasiere hier), ist sein Leben wertlos. Eher stirbt er, als dass er sowas erträgt. Aus der Reiskugel und etwas Erde bastelt er eine kleine Monsterfigur und bittet die Götter (moment, ich dachte Religion wäre Opium fürs Volk), dass diese Monsterfigur an seiner Stelle die Menschheit retten solle.
Takses Leichnam wird aus dem Gefängnis entfernt, die Frauen des Dorfes weinen mal wieder und Ami entdeckt die Lehmfigur in den Händen ihres Vaters. Abends flickt sie das Lumpengewand ihres Bruders, piekst sich an der Nadel und ein Tropfen Blut landet auf dem Monsterfigürchen. Statt hier einen Tropfen echtes Blut oder auch nur etwas Tomatensaft zu vergeuden, bekommen wir einen gezeichneten Special-Effect-Bluttropfen zu sehen. Und speaking of sehen: Siehe da, Frampton comes alive. Und wenn ich Frampton sage, dann meine ich das Monster, das ich ab jetzt als Pulgasari bezeichnen werde. Hat jemand aufgepasst was es brauchte um dieses Monster zum Leben zu erwecken? Richtig: Blut und Boden. Achtung Symbolismus!
Mini-Pulgasari, der in Sachen Niedlichkeitsfaktor sowas ist wie der nordkoreanische Knut, beginnt damit ein paar Stecknadeln zu fressen, ehe er zusammen mit seinem neuen Frauchen und ihrem Bruder unter die Bettdecke krabbelt. Nachts wacht Pulgasari dann auf und knabbert sich durchs Türschloß. Ami und ihr Bruder finden den inzwischen gewachsenen Racker in der Schmiede ihres Vaters, wo er gerade ihr wertvolles Eisen verfrißt.
Wir hatten fast zehn Minuten kein flennendes Weibsvolk mehr, also wird es mal wieder Zeit. Ein heulendes Erzählmittel stürmt herbei und verkündet, dass Inde gleich hingerichtet werden soll. Wobei der Henker nicht nur ein extrem großes, extrem künstlich aussehendes Schwert hat… er hat außerdem noch eine richtig fiese Lache. Die er minutenlang zur Schau stellt. Woran man merkt, dass die Lache dieses Henkers so fies ist? Sie ist mit Hall unterlegt. In einer Außenszene. Einer Außenszene die nicht in einem Canyon spielt. So fies ist dieser Henker. Kann denn niemand Inde retten?
Doch: In einer Sequenz die so unglaublich gut ist, dass man sie mal gesehen haben sollte, wird eine unbewegliche Plastikhandpuppe urplötzlich von unten ins Bild geschoben und gegen das Schwert des Henkers gedrückt. Sprich: Pulgasari springt als anständiger Deus Ex Machina das Schwert des Henkers an und genehmigt sich erstmal einen ordentlichen Biss. Anschließend befreit er Inde, indem er dessen Ketten frisst. Und dann kommt die bisher beste Szene: Pulgasari attackiert den Henker. Was nichts anderes bedeutet als: Der Schauspieler, der den Henker gibt, muss sich eine unbewegliche Plastikpuppe an die Backe drücken und so tun, als würde er mit dieser ringen. Sowas ist ein Hit auf jeder Party und kommt auch im Kino immer super. Klar, das hier ist nicht
target=_BLANK>Batman gegen den Gummi-Hai, aber es ist trotzdem eine verdammt lustige Szene.
Während der Statthalter Dana Scully channelt und nicht glauben will, dass es Pulgasari wirklich gibt und erst seine Lakaien schickt, um die Monstersichtung zu bestätigen, macht Inde das, was er schon am Anfang des Films tun wollte: Er flieht zur den Revoluzzern in die Berge. Da König und Vaterland aber wissen wollen, wo der Mann mit dem schicken Kopftuch hin ist, foltert man halt seine Mutter. Yep, es ist wieder Zeit für eine Szene mit einer heulenden Frau. Aber wenigstens hat Indes Mama einen Grund zum Flennen, knallen ihr die Chargen des Königs doch immer wieder eine Dachlatte gegen die Knie. Und trotzdem weigert sie sich ihren Sohn zu verraten.
Und gleich danach sieht man wie Ami es in die Berge geschafft hat, wo die Widerstandsarmee das Kämpfen lernt und wo sie den Plot voran treibt, indem sie Inde (natürlich unter Tränen) davon berichtet, was seiner Mutter gerade angetan wird. Dass die königlichen Truppen zudem näher kommen, reicht den Rebellen aus um ihr Heil im Angriff zu suchen. In einer Stealth-Mission erstürmt man das koreanische Äquivalent der Bastille, nur damit Inde feststellt, dass seine Mama und sein kleiner Bruder bereits tot sind. Resultat: Man entschließt sich den Statthalter an den Kragen zu gehen. Und tatsächlich, die Revolutionstruppen – die inzwischen aus ein paar hundert Mann zu bestehen zu scheinen – können die Royalo-Faschisten wahlweise vertreiben oder töten.
Ein Umstand der König Lustig natürlich gar nicht passt. Was ein guter Zeitpunkt ist mal darüber zu reden, wodurch sich die herrschende Klasse am ehesten auszeichnet: Total lächerliche Hüte. Während sich der gemeine Kommunist ja schon relativ behütet (haha, get it?) fühlt, wenn er eine Ballonmütze mit rotem Stern oder eine Bärenfellmütze mit rotem Stern auf der Omme hat, muss die herrschende Klasse ihren Machtanspruch und ihr zu kleines Ego mit schrecklich lächerlichen Hüten demonstrieren.
Musterbeispiel: Der Fönig. Der hat seinen Doktor in Fiesigkeit, Volksernährung (Fachgebiet: Hunger) und Militärplanung an der Ho-Chi-Minh Universität in Pjönjang gemacht und ist so stolz darauf, der einzig gelehrte Mensch in Korea zu sein, dass er es seinen Untertanen konstant vorhalten muss. Und zwar indem er 24/7 mit seinem Doktor-Hut in der Gegend rumläuft. Und, weil der Hut noch nicht lässig genug war, hat ihn König Eisenklau gleich mal gepimpt und vorne und hinten diese Perlenvorhänge dran befestigt, die man in den Siebzigern und Achtzigern auch gerne als Raumteiler verwendet hat. Funky. Später trägt er so einen Scherzhut der aussieht, als habe ihm ein Indianer einen Pfeil durch den Kopf geballert.
Seine direkten Lakaien müssen derweil mit Blattgold verziehrten Kindernachttopf auf der Rübe tragen oder einen Hut, den man ganz wohl einem ägyptischen Pharao geklaut hat. Und die Armed Forces? Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie Soldatenhelme tragen dürfen, die wir früher im Kinderkarneval auch getragen haben und die dadurch besonders lächerlich wirken, dass sie so eindeutig aus Plastik bestehen. Aber, hey, dem Land fehlt es an Eisen, irgendwo muss man Einsparungen machen. So oder so, die Lektion für den guten kommunistischen Bürger ist klar: Menschen die lustige Hüte tragen gehören der Unterdrückerklasse an.
Der König ist auf jeden Fall gar nicht davon angetan, dass die Rebellen sein wertvolles Eisen klauen und seine Beamten töten und befiehlt seinem besten und verschlagensten Generalissimo die Rebellion auszulöschen. Die Rebellenarmee entscheidet derweil eine Taktik anzuwenden, die zu gleichen Teilen von den Taliban, Che Guevarra und den Ewoks inspiriert wurde: Guerillakrieg in den Bergen. Zuerst schwächt man die heranrückende, königliche Armee indem man ihr Baumstämme auf die Plastikhelme wirft, anschließend drängt man sie zurück indem man ihnen Felsen entgegen rollt. Da aber Korea offenbar nicht nur an akutem Eisenmangel leidet, sondern auch an akutem Riesenfelsenmangel, muss man sich damit begnügen Pappmachéfelsen zu werfen, die man vom lokalen Set der koreanischen Version von Star Trek geklaut hat. Wer es gut findet einem erwachsenen Mann zuzusehen, wie er so tut als kämpfe er mit einer leblosen Plastikpuppe, der wird es auch mögen wenn erwachsene Männer kilometerweit fliegen, weil ihnen ein Pappfelsen ans Schienbein gerollt ist.
Die geschwächte Armee wird nun von den wagemutigen Rebellen, angeführt von Indes Stirnband, attackiert und vernichtend geschlagen. Man fragt sich wirklich wie der König seinen Status als Unterdrücker aufrecht erhalten konnte, mit einer derart inkompetenten Armee und ohne Todesstern, finstere Sith-Kräfte oder imperialen Sternzerstörer in der Hinterhand. Ach ja, die Rebellenarmee hat sich inzwischen außerdem rote Flaggen zugelegt. Es ist einfach keine Rebellion ohne rote Flaggen. Fast Forward: Die Rebellen hungern. Ami will essen holen. Wird attackiert und verwundet, aber Pulgasari – inzwischen zu Mannshöhe angewachsen – findet sie und bringt sie zu den Rebellen zurück. Wo Ami feststellt, dass Pulgasari ihr Alliierter sein wird. Man attackiert eine locker herumstehende Königskohorte, entwaffnet sie und füttert Pulgasari dann mit den Schwerter, auf dass er wachse. Was er tut.
Das ist ein guter Moment um mal über die Special Effects zu sprechen, denn Pulgasari ist jetzt weit größer als ein Mensch und darum ist raffinierte, nordkoreanische Filmtechnik gefragt um diese Tatsache zu transportieren. Falls sich jemand fragt woher der Begriff “Steinzeitkommunismus” kommen mag: Er kommt daher, dass die Kommunisten Filmtricks verwenden, die schon in der Steinzeit jedem drittklassigen Filmschüler geläufig waren. Und das im Jahr 1985! Ein Jahr nachdem Toho in Japan mit Godzilla – Die Rückkehr des Monsters die zweite Godzilla-Reihe gestartet hatte.
Vielleicht erst einmal das Positive an den SFX: Der Pulgasari-Anzug sieht ziemlich gut aus für seine Zeit. Was daran liegen dürfte, dass man Mitarbeiter der Toho Studios damit beauftragte diesen zu entwerfen und sogar einen Godzilla-Darsteller anheuerte um in den Pulgasari-Anzug zu schlüpfen. (Punktabzug dafür, dass man nicht konsequent genug war die Toho-Mitarbeiter auch samt und sonders zu shanghaien.) Okay, Pulgasari sieht längst nicht so spiffy aus wie der Godzilla der Achtziger, sondern orientiert sich mit riesigen Kulleraugen eher am Godzilla der Fukuda-Filme, aber der Anzug tut definitiv seinen Job. Was leider für die anderen *hust* Special Effects *hust* nicht gilt.
Beweisstück A: Ein paar Stirnbandträger stehen vor einer Leinwand auf die Pulgasari projeziert wurde und winken dem Filmmonster zu, so als stünde es wirklich neben ihnen. Au Mann. 1985. Und das passiert nicht, wie beim Rancor in Return of the Jedi ein einziges Mal. Diese Tricktechnik verwendet man durchgängig. Das gewinnt an Camp-Faktor, weil das Bild auf der Leinwand unschärfer ist als die wütenden Massen im Vordergrund und außerdem noch flackert.
Beweisstück B: Dieser riesige Pulgasari-Fuß. Das ist die einzige Requisite die man nutzen kann wenn menschliche Schauspieler mit Pulgasari (vulgo: Pulgo) interagieren müssen. Und, yep, es gibt nur einen Pulgasari-Fuß und der ist zusätzlich in keinster Weise mechatronisch animiert ist, sondern steht in seinen Szenen einfach nur so im Bild. Aber, hey, wenn man den gleichen Fuß von der anderen Seite filmt, dann wirkt das so als habe man zwei Fuß-Requisiten gebaut. Und es gibt natürlich endlose Variation: Man kann den Fuß auf ein Feld stellen, um anzudeuten dass Pulgasari in der Gegend rumsteht, oder man kippt den Fuß auf die Seite und – zack! – das Publikum erkennt: Pulgasari sitzt gerade gemütlich in der Gegend rum. Ha, nehmt das Industrial Light & Magic.
Beweisstück C: Schauspieler vor unbeweglichen Matte Paintings (ja, das ist eine Tautologie) des Monsters. In Anbetracht der anderen SFX in diesem Schlockbuster werde ich hier nicht spotten. Das geht schon in Ordnung.
Beweisstück D: Soundeffekte. Die Schwert- und Lanzenkampfszenen in diesem Film waren noch nicht dramatisch genug. Also hat man sich entschieden, sie ein bisschen aufzupeppen indem man drei (drei) Soundeffekte aus klassischen Schwert-Fu-Filmen übernahm. Vermutlich mit einem Cassettenrecorder direkt vom Fernseher aufgezeichnet. Es gibt so eine Art “PLINK”, eine Art “Ker-Swish” und eine Art “Swooosh”. Und, ja, die verantworltichen Mitarbeiter des Agitpop Forschungslabors für angewandte Onomatopoiie wurden bereits entlassen. Die Soundeffekte sind richtig lustig, weil sie nicht in jeder Schwertkampfszene auftauchen, weil sie auch dann funktionieren wenn ein Schwert beispielsweise auf den Holzgriff einer Lanze prallt (macht auch PLINK) und weil nur einige Schwerter mit diesen Soundeffekten ausgestattet sind, während der Rest klingt wie ganz normale Schwerter. Man stelle sich so eine Massenschlägerei wie in Gangs of New York vor, wobei aber aus den dutzenden Prügelanten die Schläge von zwei oder drei Kloppern mit Bud-Spencer-Geräuschen unterlegt werden.
Aber genug der unglaublichen, kommunistischen Filmtechnik, zurück zur Geschichte: Hier plant der fiese General den Untergang der Rebellen, wobei ihm klar ist, dass er erstmal Pulgasari aus dem Weg räumen muss. Sein Berater erklärt ihm dann, dass Pulgasari ja von einem Schmied aus Reis gefertigt wurde und erst dann zum Leben erwachte, als ein Tropfen Blut von Ami auf den Reis-Lehm-Figurenknilch fiel. Darum müsse das Monster Ami gehorchen. An dieser Stelle stand einer der Zuschauer bei der Testvorführung auf und fragte, woher zum Geier der General und sein Lakai dieses Stück Infodump über den Genossen Pulgasari hätten. Immerhin wissen das ja eigentlich nur Ami und ihr Bruder, wie zum Teufel kamen die Bösen an dieses Wissen? Die Kernfrage bei der zweiten Testvorführung war dann, wohin der Fragesteller aus der ersten Testvorführung verschwunden sei.
Aber gut, wahrscheinlich hat’s ihnen eine flennende Frau berichtet oder der koreanische Geheimdienst war schon damals gut. Man nimmt also Ami gefangen, befiehlt dann Pulgasari sich in einen übergroßen Holzkäfig zu begeben, zündet diesen an und lacht dann erstmal für geschlagene vierzehn Sekunden böse. Was neben den flennenden Frauen das zweite Leitmotiv des Films untermalt: Irgendwer wird in diesem Streifen andauernd von irgendwem gefangen genommen. Was ein guter Grund ist um wieder eine flennende Frau in Szene zu setzen. Doch, den royalistischen Klassenfeinden soll hier das Lachen schon sehr bald vergehen: Denn der Schmelzpunkt von Metall-Pulgasari in seinem Gummi-Anzug ist zu hoch. Statt zu verkohlen wird Pulgasari nur glühend heiß, treibt die Soldaten ins Wasser und stürzt sich dann hinter ihnen her, womit er sie bei lebendigem Leibe kocht. Uh, unschön.
Bewisstück E: Den Umstand dass Pulgasari glühend heißt ist, demonstriert man indem man Pulgasaris Szenen mit roten Lampen ausleuchtet. Das heißt, dass Pulgasari Hitze abstrahlt, nicht dass Pulgi auch Bedürfnisse hat und sich darum in Pjönjags Monster-Rotlichtbezirk etwas Ablenkung verschafft.
General Motors lässt sich von diesem kleinen Rückschlag aber nicht aufhalten, sondern plant schon seinen nächsten, teuflischen Schritt um Pulgasari zu eliminieren: Er will ihn in eine riesige Fallgrube locken und dann von oben Steine auf das Monster schmeißen. Ja, die königlich-koreanische Armee steht unter dem Oberbefehl von Elmar Fudd. Hier wird eines der größeren Probleme des Films klar: Dem Teil fehlt es an jedem Gefühl für Zeit. Dem Zuschauer wird nie klar, wie viel Zeit zwischen einzelnen Szenen vergangen ist. Während die Riesengrube ausgehoben werden soll, muss der Vormarsch der Rebellen mit Pulgasari natürlich verlangsamt werden.
Jetzt wird das Zeitproblem wirklich deutlich, denn man hat das Gefühl, dass die Armee den heranstolpernden Pulgasari mit ihren Geheimwaffen nicht sonderlich lange aufhält. Vielleicht zehn bis fünfzehn Minuten. Die Geheimwaffen: Kapulte mit brennenden Felsen (und jetzt zahlt es sich aus, dass Koreas Felsen aus Pappmaché und nicht aus Stein bestehen) und so eine Art primitive Raketenabschußbasis. Die Raketen prallen so lange an Pulgasari ab, bis der General befiehlt auf die Augen zu zielen. Die Raketenwerfer sehen zwar nicht danach aus, dass man mit ihnen gezielt feuern kann, aber – hey – irgendwie passt das trotzdem und Pulgasari beginnt aus dem rechten Auge zu bluten. Das stoppt den kommunistischen Kampfkoloss aber nicht, sondern macht ihn nur noch wütender.
Und jetzt, nach über einer Stunde und vier Minuten, darf Pulgasari erstmals erzürnt ein Haus mit ein paar schnellen Schlägen zerschmettern. Das ist das zweite Plus in Sachen SFX: Die Modelle die Pulgasari zerstört sehen gut aus. Leider wird das Plus auch gleich wieder ausgehebelt durch ein großes Minus: Es dauert über eine Stunde bis das übergroße Monster endlich mal ein bisschen Eigentumsbeschädigung betreiben darf? Und dann macht es auch nur ein einziges Haus kaputt? Boo-urns!
Korea scheint aus exakt einem Dorf und drei oder vier Festungen zu bestehen, mit extrem viel freiem Feld dazwischen. Ein bisschen wie Bayern oder Ostdeutschland. Damit ist es ziemlich ungeeignet als Spielort für ein Filmgenre, das davon lebt dass ein Kerl im Gummianzug durch niedliche, kleine Miniaturstädte trampelt und Tod und Verwüstung anrichtet. Und dass hier das Herz der Riesenmonsterfilme liegt, wird jeder bestätigen der mal im Legoland war und davon geträumt hat Godzillas-Kampfschrei zu imitieren, dann durch die nachgebildeten Straßenzüge von New York zu stampfen und alles in Block und Asche zu legen. Fuck, hätte der Film nicht in der Gegenwart spielen können und zeigen wie die heldenhafte nordkoreanische Armee in Pjöngjang ein us-amerikanisch-südkoreanisch-japanisches Imperialistenmonster stoppt? So muss man dem Film leider konstatieren: Zu wenig Verwüstung. Aufsatzthema verfehlt.
Aber, okay, es geht ja weiter. Man kann immer noch darauf hoffen, dass im letzten Drittel des Films eine mittelalterliche Hauptstadt von Pulgasari vernichtet wird. Aber: Erst Mal wird daraus wohl nichts, denn die Grube ist fertig, eine fix angeheuerte Exorzistin schwächt das Gummimonster, Pulgagsri purzelt in die Grube sans Pendel und wird dann unter einer Lawine an Pappmachéfelsen begraben. Erst knapp zwanzig Minuten vor Schluß werden wir das jesushafte Revival des Monsters sehen dürfen. Bis dahin haben die Royalisten die Oberhand: Denn ohne ihren mutierten Monarchieverschlinger haben die Rebellen gegen die Armee des Königs keine Schnitte.
Es ist mal wieder Zeit für eine der patentierten Gefangenschaft-und-Geflenne-Szenen, die das nordkoreanische Kino zu dem gemacht haben, was es heute ist: Inde wird geschnappt und aufgeknüpft. Aber nicht ohne vorher noch ankündigen zu dürfen, dass seine Schwester Rache für seinen Tod nehmen wird und dass man seinen Kopf am Südtor aufspießen soll, damit er sehen kann, wie der König seine gerechte Strafe erhält. Ami und ihr kleiner Bruder heulen ein wenig wegen Indes Tod, aber dann erklärt Ami das ihre Tage als Emo-Hascherl gezählt sind und sie ja nicht immer nur rumsitzen und Weinen kann. You go, girl! Während die Königstreuen eine dekadente Fete mit Nutten und Alkohol abhalten (im Gegensatz zum sehr bodenständigen und kommunalen Fest, das die Guerilla-Kommune etwas früher feierte) schleicht sich Ami zum steinernen Grab Pulgasaris und lässt ihn ihr Blut haben. Weil Pulgasari jetzt größer ist, genügt ein Tropfen natürlich nicht. Stattdessen muss sich Ami dieses Mal gleich die Adern aufschlitzen. Ich dachte, du wolltest nicht mehr so Emo sein. Oh, ach ja: Vorsicht Symbolismus! Darauf kommen wir gleich zurück.
Pulgasari kehrt also zurück, begleitet von Soundeffekten die wirklich gar keinen Bezug zur einer Wiederauferstehungsszene haben. Diese kleinen Science-Fiction-Spielzeuggewehre mit Soundeffekten, die man in den Achtzigern auf dem lokalen Rummel kaufen konnte? Diese Art von Geräuschen macht Pulgasari bei seiner Rückkehr. Why so ever. Außerdem gibt es eine kleine Lichtshow. Aber ich hoffe, dass der nächste Bibelfilm auch eine Szene beinhaltet, in der wir solche Spielzeuggewehrgeräusche vernehmen während hinter dem Felsen zu Jesus Grab eine Lightshow von statten geht. Das nennt man dezente Filmtechnik.
Jetzt, wo Pulgasari wieder da ist, beschließen die verbliebenen Rebellen die Hauptstadt einzunehmen. Und nichts kann sie stoppen. Nichts? Nein, denn wie es der Zufall und der schludrige Drehbuchautor so wollen, ist gerade in diesem Moment ein verrückter deutscher Wissenschaftler (gut, es wird nie gesagt dass er deutsch ist… aber das würde die Szene meiner Ansicht nach aufwerten) fast fertig mit der Entwicklung seiner neuen Geheimwaffe: Der Kanone. Beziehungsweise, gleich zwei Kanonen. Die Löwenkanone und die Generalskanone. Die nach den Dingern geformt sind, nach denen man sie benannte.
Diese Kanonen wurden primär erfunden, damit beim letzten Gefecht (in dem die Internationale gedenkt das Menschenrecht zu erkämpfen) die heranstürmenden Rebellen durch einen Haufen Explosionen rennen dürfen und ein leichtes Ghettysburg-Feeling aufkommt. Nur ohne die coolen Bärte. Ach ja: Die Kanonen sind ein Beweis für die überlegene koreanische Militärtechnik und die unterlegene koreanische Langzeitplanung. (Siehe auch: Nehmen wir alle Werkzeuge die wir zur Nahrungsmittelerzeugung brauchen und machen wir Waffen draus.)
Militärtechnik: Die frisch gebackene Erfindung ist in der Lage dutzende Schüsse pro Minute abzufeuern (die europäischen Kanonen dieser Zeit schafften vielleicht zwei oder drei Schuss pro Tag) und explodieren nicht wegen leichter Bruchstellen oder der Überbelastung, wie das unerprobte Technik so an sich hat. Langzeitplanung: Man hat jetzt schon kein Eisen. Wie sinnvoll ist es da eine Waffe zu erfinden, die aus Eisen besteht und Eisenkugeln abfeuert? Besonders weil man nicht einfach nur ein Knanonenrohr baute, sondern das – soviel Ästhetik muss sein – auch gleich in zwei künstlerisch wertvolle Figuren wie den Generalskopp oder den Löwen mit Kanonenrohr im Maul einbaut. Beide bestehend aus Eisen. Denn, hey, man hat’s ja.
Die Kanonen zeigen aber keine Wirkung auf Pulgasari. Der ist, so wie die kommunistische Grundidee, kugelsicher. Und wenn man Pullmollsari eine Kugel ins Maul schießt? Tja, die frißt er auf und spuckt sie dann gleich zurück in die königlichen Kanonenreihen. (Untermalt von noch mehr käsigen Soundeffekten.) Die Monarchie sucht ihr Heil in der Flucht, während Pulgasari endlich mal wieder was zerstören darf. Dieses Mal: Eine Mauer. Recht hat, wer jetzt anmerken möchte: “Warte mal, Björn, Pulgasari zerstört die Mauer, statt sie zu bauen? Das ist aber nicht sehr kommunistisch.” Aber auch hier, wie schon bei der letzten Bluterszene: Achtung, Symbolismus!
Pulgasari dringt in die Hauptstadt ein und getreu der Maxime “Friede den Hütten, Krieg den Palästen” macht er erstmal die Bude des Königs kaputt. Insgesamt zerstörte Gebäude nach fast achtzig Minuten: Zwei. Was Pulgasari wohl zum ineffektivsten Filmmonster aller Zeiten macht. Aber, gut, er hatte hier auch mit wenig urbaner Infrastruktur zu arbeiten. Wenn man Godzilla in der Sahara aussetzt, wird der auch nicht viel kaputt machen können. Vielleicht die ein oder andere unter Naturschutz stehende Wanderdüne, aber beeindruckend ist das ja auch nicht. Der böse General wird dabei übrigens von einem herabfallenden Pfeiler aus Pappmaché erschlagen. Was durchaus Sinn ergibt im Kontext eines Films, in dem Pappmachéfelsen tödliche Waffen sind.
Den bösen König trampelt Pulgasari derweil zu Tode. Und dabei zeigt sich erneut die große, kommunistische Filmkunst denn die folgenden zwei Frames sind direkt aneinander geklebt. Laken ohne Blut. Nächstes Frame: Blutiges Laken. Transition shots, in denen man sehen würde wie das Laken sich blutig färbt, sind halt teuflische imperialistische Erfindungen auf die man in Nordkorea durchaus verzichten kann.
Bitte sehr: Der König ist tot. Der General ist tot. Die Kommunisten haben eine Tanzpartie. Happy End? Nein! Denn noch hat der Film über zehn Minuten zu füllen. Und in diesen zehn Minuten macht Pulgasari eine Wandlung vom Kämpfer für das kommunistische Ideal zur fünfzig Meter hohen politischen Metapher durch. Denn der riesige Pulgasari will weiterhin mit Eisen gefüttert werden. So wie er auch beim zweiten Mal mehr Blut brauchte um sich wieder aufzurappeln. Bald stellt man fest, dass man keine Farmgeräte mehr hat, weil die Pulgasari alle verspeist hat. Klasse, da hat sich die Revolution ja gelohnt. Aber, wie einer der alten Koreaner festhält: “Er ist unser Erlöser. Wir können ihn nicht verhungern lassen.”
Auch die Bitte Amis, dass Pulgasari seinen Appetit doch etwas mäßigen solle, stößt auf taube Ohren. Ami wird klar, dass ihr Erlöser zum Feind des Volkes geworden ist. Denn wenn Koreas Eisenvorräte aufgebraucht sind, dann werden die Koreaner mit Pulgasari in andere Länder einfallen müssen um ihm sein Essen zu verschaffen. Und so würde es schon bald zum Weltkrieg kommen. Wobei ich nicht weiß, mit was die Koreaner kämpfen wollen: Ihre Waffen hat ja schließlich der große Grüne (nein, nicht Joschka Fischer) gefressen. Aber: Langzeitplanung ist – wie gesagt – die Stärke der Koreaner nicht. Ami opfert dann in einer absolut keinen Sinn ergebenden Szene ihr Leben, mit dem Resultat dass Pulgasari versteinert, explodiert und schließlich aus einem Mini-Pulgasari so eine blaues Geisterzeug rauskommt und in den Leichnam von Ami hereinfährt. Keine Ahnung… was das soll, aber der Film endet hier.
Fazit
Der Schluß des Films zeigt deutlich, warum politische Allegorien als Propaganda total unnütz sind, sofern man ihnen nicht direkt einen Flyer beilegt, der erklärt wofür sie stehen: Denn wie mir versichert wurde, ist Pulgasari ein Symbol für den Kapitalismus, der nötig ist um die monarchischen Strukturen zu zerstören, der dann aber so gierig und unersättlich wird, dass er zerstört werden muss damit der Kommunismus aufblühen kann. Okay, kann man so lesen. Ich hatte aber beim Gucken selber Pulgasari so gelesen, dass Pulgasari für das Militär steht, das den Arbeitern und Bauern beim Kampf gegen die Unterdrückung hilft, aber selbst nach dem Ende des Konflikts immer weiter gefüttert werden muss. Und um das Militärbudget aufrecht zu erhalten, sind halt weitere Kriege nötig. Was dann in den Weltkrieg führt. Tja. Damit lag ich wohl daneben, aber das zeigt wie gefährlich politische Propaganda für den Propagandisten werden kann, wenn er sie nicht haarklein erklärt.
Pulgasari ist definitiv kein guter Film. Selbst als Propagandastück ist er nur bedingt unterhaltsam. Man kann ihn mal gesehen haben, aber in Sachen schlechter Geschmack, schlechte Effekte und alberne Szenen ist ihm jeder einzelne Godzilla-Film weit voraus. Als Daikaiju-Film versagt Pulgasari auf der ganzen Linie: Das Riesenmonster taucht erst spät auf und – auch wenn der Anzug wirklich solide ist – es verweigert dann die Erfüllung seiner Hauptaufgabe: Straßenzüge verwüsten, Städte plätten, U-Bahn-Züge fressen, ihr kennt das Programm.
Nun kann sich in den letzten zwanzig Jahren natürlich so einiges getan haben, aber wenn wir von Nordkoreas Special Effects auf Nordkoreas militärisches Potential schließen dürfen, dann müssen wir uns da keine Sorgen machen. Die SFX in diesem Streifen hinken ihrer Zeit um lockere fünfzehn bis dreißig Jahre hinterher. Was stellenweise schon wieder charmant ist, besonders in den Szenen in denen Schauspieler mit dem auf eine Leinwand projezierten Pulgasari interagieren oder vice versa. Und ich habe jedes Mal einen Lachkrampf bekommen wenn mal wieder der Pulgasari-Fuß unbeweglich in der Landschaft herumstand. Aber gutes Monsterkino sollte 1985 schon anders aussehen.
Die Soundeffekte sind durch die Bank weg unpassend und lächerlich und die Filmmusik habe ich ziemlich sicher in anderen, westlichen Filmen schon mal gehört. Vielleicht hat Kim Jong-il ja das London Philharmonic Orchestra für diesen Film entführen lassen.
Bleibt die politische Botschaft, der Sieg des Bauern- und Arbeiterkollektivs erst gegen die ausbeuterische Monarchie und dann gegen die eisenfressende, Weltkriege auslösende kapitalistische Gesellschaft. Diese Botschaft, ist überraschenderweise gar nicht so weit von dem entfernt, was man auch in vielen Mainstreamfilmen sieht. Nur dass hier der kommunistische Aspekt, die Sache mit den Produktionsmitteln, blablabla, mit dem Holzhammer rübergebracht wird. Leider ist das aber noch nicht ganz so plump, dass es den Film auf die Ebene die propagandistische Lächerlichkeit eines Mama, Papa, Zombie hievt, aber für den ein oder anderen Lacher ist es schon gut.
Wo ich mir allerdings nicht ganz sicher bin, ist ob Kim Jong-il gelacht haben mag, als er die politische Botschaft des Films überdachte: “Ja. Sehr gut. Ein Film der der koreanischen Arbeiterklasse vermittelt, dass es Zeit wird die für die bewaffnete Revolution wenn ein diktatorischer Alleinherrscher sein Volk aushungern lässt um seine über die Maßen aufgeblähte Armee zu finanzieren. Das ist genau die Botschaft, die wir unseren Bürgern vermitteln wollen… äh… wobei, bei Licht betrachtet: Oh, Kacke!”
1/5