A Night at the Oscars: 2007
Tuesday, February 27th, 2007
Obwohl ich mir die Oscars gestern Morgen live im Fernsehen angesehen habe (Warum schickt die Academy mir keine Einladung? Warum hasst Hollywood Amerika so sehr?), habe ich darauf verzichtet live zu bloggen. Zum einen weil die Konkurrenz eindeutig zu stark war (der Abspannsitzenbleiber hat die Liste am Ende seines Posts), zum anderen weil ich mir nicht sicher bin wie gut ich im livebloggen wäre.
Also, spontan “amüsant” sein, dabei sieben Blogs gegenlesen und noch diese ominöse Verleihung in der Glotze verfolgen? Bin ich so multitaskingfähig um drei Uhr Morgens und ohne Kaffee? Im Retrospex bin ich froh, dass ich nicht live gebloggt habe. Denn so ab der zweiten Hälfte der Awards hätte ich nur noch Homer Simpson sprechen lassen: “Booooooo-ring. Ähm, stattdessen habe ich das dann im Kommentarbereich bei Chris getan.
Also, hier Annemaries Agitpops Oscar-Welt:
Das beste an diesem Abend war – zumindest für mich – die Anmoderation die uns Jack Black, Will Ferrell und John C. Reilly geboten haben und die es natürlich schon auf YouTube zu sehen gibt. Will Ferrell beginnt mit einem traurigen Lied darüber, warum Komödianten am Abend der Oscarverleihung immer übergangen werden, dann stürmt Jack Black die Bühne und dann brennt die Hütte. Zum einzigen Mal an diesem Abend. Aber Zeilen wie Jack Blacks “I’m gonna beat you down with my Nickelodeon Award”, muss man doch einfach sympathisch finden.
Gut, ich bin mir bewusst, dass die Academy Awards anspruchsvoller und staatstragender sein sollen als die MTV Movie Awards. Aber es gibt einen Grund warum die Popcorntütenverleihung meist die einzige Zeremonie ist, die ich mir im Fernsehen angucken kann: Wegen der selbstironischen Lockerheit. Sicher, wenn die Academy zu locker wird, dann verlieren die Oscars an Wert und Bedeutung, aber ein wenig mehr Selbstironie, ein wenig mehr Spunk wie ihn der Auftritt Black/Farrell/Reilly hatte, würde der Veranstaltung nicht schaden.
Vielleicht hätte man den Auftritt auch einfach weiter nach hinten schieben sollen. Als Hallo-Wach-Arschtritt nachdem das Publikum in der zweiten Halbzeit doch arg eingeschläfert wurde, besonders von den “Bester Filmsong”-Kandidaten.
***
Speaking of which: Melissa effin’ Etheridge? Seid ihr high? Muss man denn wirklich jedes Jahr den Oscar in jeder Kategorie verleihen? Und wenn ja, hätte man ihn dann nicht zumindest Randy Newman geben können? Nicht das einer der Songs sonderlich herausragend war, aber dieser giftgrüne Gitarrenfolk, begleitet von “nur du kannst die Menschheit retten”-Ökobotschaften auf der Leinwand hinter Frau E., war ja kaum mehr erträglich. Ein Sieg für die Umwelt, eine Niederlage für den guten Geschmack.
Um dieses Ereignis zu würdigen, möchte ich nun Tom Lehrers “Folk Song Army” zitieren:
We are the Folk Song Army.
Everyone of us cares.
We all hate poverty, war, and injustice,
Unlike the rest of you squares.
[...]
If you feel dissatisfaction,
Strum your frustrations away.
Some people may prefer action,
But give me a folk song any old day.
The tune don’t have to be clever,
And it don’t matter if you put a coupla extra syllables into a line.
It sounds more ethnic if it ain’t good English,
And it don’t even gotta rhyme–excuse me–rhyne.
Gut gemacht, Academäh. Zumindest passte der Hippieoscar gut zum Leitmotiv des Abends: Wir lieben, lieben, lieben Al Gore. Und – echt gezz – wir haben’s verstanden. Nichts dagegen einzuwenden, dass man Bush nicht mag. Nichts dagegen einzuwenden, dass man für Al Gore ist. Aber hätte es der halbstündige, frenetische Jubel nicht getan, nachdem Ellen Degeneres sagte: “Then there is Al Gore. Well the people did vote for him…”
Nein, wohl nicht. Wir bekommen zusätzlich noch zwei Mal Al Gore auf der Bühne, der betonen darf, dass wir die Wende noch schaffen können, wenn wir uns auf Moral, Anstand, Pfannkuchen und andere ur-amerikanische Tugenden konzentrieren. Da fragt man sich fast, ob es vielleicht gut ist, dass Bush gewonnen hat. Und Leonard DiCaprio, der so aussah als wenn er Gore gleich die Kleider vom Leib reißen und ihm auf der Bühne einen Antrag machen würde, durfte einstimmen und erwähnen, dass das hier die ökologischsten und grünsten Oscars aller Zeiten wären. Und dann bei ihrer Dankesrede stellte Frollein Etheridge knallhart fest: “I have to thank Al Gore for inspiring us, inspiring me and showing that caring about the earth is not Republican or Democrat. It’s not red or blue. We are all green.”
Das war der Moment in dem ich mir wünschte, ich wäre blau. (Und in dem Ralph Nader anfing seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen.) Aber Hollywood hat dieses Jahr halt die Rettung der Erde als Partymotto. Eigentlich ja nett, aber muss man das so aggressiv, unglaubwürdig und arrogant breit treten? “Hey, wir sind Hollywoodstars und wir sind jetzt alle trendige Ökos. Zumindest diese Saison. Und gleich fahren wir in unseren spritsaufenden SUVs und Limousinen unsere teuren Dolce-und-Gabbana-Klamotten spazieren oder jetten ein bisschen um die Welt und hören dabei schlechte Folk-Songs von Melissa Etheridge.”
Alles sehr glaubwürdig. Lasst euch waschen, ihr Hippies.
***
Gutes Grün am Abend: Eva Green (seufz) und der Scherz, dass Al Gore seine Kandidatur für die 2008er Präsidentschaftswahlen bekannt geben wollte, dann aber wegen des Zeitlimits von der Bühne musiziert wurde…
***
Andere nette Touches des Abends, die allesamt nicht an Jack Black herankamen: Steve Carell und Greg Kinnear wird der Ton weggedreht, weil sie über die Tonmischer scherzen. Die nominierten Computerfiguren – angesagt von einer nicht nominierten Computerfigur… Jebus, was ist denn mit Cameron Diaz’ Wangen los? – sitzen im Publikum und reagieren freudig, bzw. enttäuscht auf die Entscheidung. Wobei jetzt schon im zweiten Jahr in Folge der Pinguinbonus über Erfolg und Misserfolg entschieden hat.
Der Elements and Motion Chor, der Soundeffekte imitierte, war auch sehr amüsant. Zu “artsy-fartsy” waren mir eigentlich schon wieder die Interpretationsschattentänzer die Filmlogos imitierten (ist jetzt schwer zu beschreiben was ich meine)… aber ich musste herzlich lachen als sie das Logo von Snakes on a Plane imitierten. Und sehr nett waren auch die Trickser von Pirates of the Carribean, die gleich Mal Ellens Tipps wie man eine Dankesrede spannend gestaltet umsetzten: “You know, the naysayers said four blind kids from the Bronx couldn’t make any visual effects, but here we are.”
Abgesehen davon: Die Oscars wären nicht die Oscars ohne Jack Nicholson. Die Präsenz dieses Mannes ist wirklich unglaublich. Und dabei ist es scheißegal ob nun wie gestern mit Britney-Spears-Gedächtnisglatze oder nur seine “DNA reconstituted in a gorilla body” wie im Jahr 3003. Allein dafür verdient der Mann eigentlich auch mal wieder einen Award.
***
Worauf ich hingegen verzichten könnte: Während der Sieger sich mühsam durch die Jubelperser und die Trauben an Gratulanten kämpft, verliest jemand belanglose Trivia aus der gleichnamigen Sektion der IMDB. Auch unnötig: Süüüße Kinder, egal ob sie in Little Miss Sunshine mitgespielt hat oder nicht, moderieren die nächste Kategorie an. Auch wenn sie dabei nicht hölzerner Wirken als ältere Hollywoodzombies (Frau Diaz, Herr Cruise, Herr Travolta, Frau Latifah).
Lob auch an ProSieben, die wieder und wieder zu spät ins Kodak Theater zurückschalteten und uns die amerikanischen Werbepausen mit Trailern der nominierten Filme (von denen wir zu dem Zeitpunkt dann schon meistens wussten, dass sie leer ausgegangen sind), der ProSieben Star Force (wirkt sehr lächerlich wenn man das mit der versammelten Prominenz im Kodak Theater vergleicht) und irgendeinem Rotzblag (singt dieses Engellied von Rammstein der Kelly Family) versüßten.
Zum Moderationspotential der ProSieben-Profis: Annemarie Warnkross muss als Kind mal in einen Topf mit Selbstbräuner gefallen sein. Und Steven Gätjen durfte auf dem roten Teppich der versammelten A-Prominenz beim Vorbeilaufen zusehen. Gut er hatte immerhin mehrfach den Donnersmarck, einmal die Lopez und ein Mal den Forest Whitaker. Und Queen Latifah. Da durfte er dann fragen wie sie Berlin finden und wie man sich fühlt bei den Oscars zu sein. (“Scheiße. Ich wäre jetzt lieber zuhause und würde nach Porn googlen… aber Sie wissen ja, die sozialen Zwänge und so.”) Aber wer soll’s auch sonst machen? Schon wieder Raab? Vielleicht noch Simon Gosejohann, der hat zumindest Ahnung von Filmen. Aber, ich vergaß, hier geht es um “Celebrities”, nicht um Filme.
***
Abteilung “Die internationalsten Oscars aller Zeiten”, wie man ganz selbstbewusst verkündete: Infernal Affairs ist Hong-Kong-Kino und kommt nicht aus Japan, wie man behauptete. Aber, hey, diese Asiaten sehen auch alle gleich aus.
Aus der gleichen Kategorie für mich: Bei der Verleihung habe ich Ken Watanabe sofort erkannt. In Letters from Iwo Jima brauchte es erst den Abspann, damit mir bewusst wurde, dass ich Mr. Watanabe da zwei Stunden lang beim Krieg führen beobachtet hatte.
***
Die übliche Problematik: Wir alle finden es ja ungemein sympathisch wenn diese Leute aus den Loser-Kategorien (die Nerds) ihre Reden halten und gerne mal schnell ihre Biographie runterrasseln und jedem Nachbarn und deren Hunden danken… aber wirklich sein muss das ja doch nicht. In der Hinsicht bin ich fast schon froh, dass es jetzt die “Zeit um – runter von der Bühne”-Musik gibt. Das gibt diesen Rede mehr Pepp. Schafft es der Donnersmarck noch seiner Frau seine Liebe zu gestehen ehe das Mikro gekappt wird? (Für die Hauptdarstellerin reichte es ja nicht mehr.)
Lustig auch die Gegensätze: Der Sieger in der Kurzfilmkategorie hatte ganz eindeutig das Schnellsprechen geübt. Dafür war der Kerl der den Oscar fürs Sound Editing entgegen nehmen durfte offenbar weder im Schnellsprechen, noch im zielsicher Ablesen geübt. Noch ungeübter als das Blag von Will Smith und die kleine Frau Sonnenschein. Da war das Highlight sein Kollege im Hintergrund, der vielleicht auch noch ein kurzes Danke ins Mikro hauchen wollte, dann aber seine Chancen von Sekunde zu Sekunde davonstottern sah. Wenn ich mal meinen Oscar erhalte (wenn… nicht falls) und das ein Team-Oscar sein sollte, dann werde ich als erster die Dankesrede halten. Soviel steht mal fest.
Der Makeup-Artist aus Pans Labyrinth (man merkt wie bedeutend diese Kategorien in den Augen der Öffentlichkeit sind, weil ich mir nicht einen Namen gemerkt habe, sondern hier alle als “der Klopskerl aus…” tituliere) war einigermaßen flott im Reden… aber auch einer der Fälle, vor denen uns die Academy bewahren will. Wenn man den nicht eiskalt abgewürgt hätte, der hätte seinen Vorfahren bis zu Adam und Eva zurück gedankt. Und war sichtlich überrascht und frustriert als ihn die Musik von der Bühne spielte.
Jennifer Hudson channelte Halle Berry und schaffte es später bei ihrer Gesangseinlage (mit Beyoncé… die ich gar nicht leiden kann, zu aufgesetzt) eine Garderobenfehlfunktion zu vermeiden, obwohl wohl jeder Zuschauer gedacht hat, dass da gleich was rausfällt. Phew, Academy, Glück gehabt. Skandal vermieden.
***
Jetzt aber noch mal echte Schelte, Academäh. Ennio Morricone bekommt einen Lebenswerkoscar. Das ist schön. Sehr schön sogar. Ich liebe Morricones Musik. Das geht, glaube ich, gar nicht anders wenn man die Sergione-Leone-Western anhimmelt. Während ich das hier schreibe schallt gerade L’estasi dell Oro vom Soundtrack zu Zwei glorreiche Halunken durchs Zimmer. (Den ich als Film persönlich immer noch lieber mag als Spiel mir das Lied vom Tod. Eastwood. Lee van Cleef. Eli Wallach. What’s not to like.)
Insofern war ich ungemein glücklich, dass man diesen Mann hier gebührend würdigte. Dass der Einspieler schön, aber etwas langatmig war? Geschenkt. Dass außerhalb von Italien niemand die Rede von Morricone verstanden hat? Finde ich sympathisch. Dass Clint Eastwood sich verliest und dann ins halboffene Mikro nuschelt, dass er vielleicht doch seine Brille hätte aufsetzten sollen? Wie kann man dem Clint denn irgendwas übel nehmen?
Aber dann: Celine Dion, Celine motherfucken’ Dion, darf auf die Bühne gehen und “I Knew I Loved You” aus Es war einmal in Amerika vor den Augen der Weltöffentlichkeit notschlachten? Um mal diese sympathischen Jugendlichen aus der Bahn zu Wort kommen zu lassen: “Ey! Was geed’n, Alder?” Ihr zeichnet einen Mann dafür aus, dass er ein grandioser Komponist ist und dann lasst ihr Celine Dion an sein Werk? Fuck. Fuck. Fuck. Legt den Leim weg, ihr Pfosten. Ihr habt vielleicht von Filmen Ahnung, aber von Musik offenbar gar nicht. Wenn ihr einen Lebenswerk-Oscar an… say… Ingmar Bergman verleihen würdet, sollte dann Uwe Boll für euch Das Siebente Siegel als Hommage in einer Kurversion nachdrehen? Nein? Seht ihr…
***
Oh, by the way: Könnte das hier einer der Gründe sein warum Eddie Murphy keinen Nebenrollenoscar erhalten hat?
***
Zu den großen Kategorien kann ich wenig sagen, scheint mir aber alles sehr gerecht zu sein, in diesem Jahr. Das Pans Labyrinth den Fremdsprachen-Oscar nicht bekommen würde, hatte ich zwar vor der Verleihung nicht gedacht, aber nach den zwei frühen Auszeichnungen in technischen Kategorien ahnte ich es dann. Und siehe da: Ich lag (ausnahmsweise bei sowas) richtig. Da ich beide Filme noch nicht gesehen habe, möchte ich das nicht beurteilen. Meine Mutter schwärmt von Das Leben der Anderen. Was auch immer das wert ist. (Uuuuuh… gerade bei der schrecklichen Oscar-Welt fragt Frau Warnkross den Donnersmarck wen er vielleicht bei seiner Gratulationsrede vergessen hat. Antwort: Vielleicht seine Kinder und Eltern.) Pressephrase zum Film: “In Zeiten von Guantanamo und Krieg gegen den Terror scheint der Film in den USA…”
Der Oscar für Forest Whitaker freut mich persönlich auch sehr, obwohl ich auch Der letzte König von Schottland noch nicht gesehen habe. Aber ich mag den Whitaker irgendwie seitdem ich vor rund sechs Jahren Ghost Dog gesehen habe. Der Mann hat etwas… ungemein sympathisches. Ist vielleicht das hängende Auge und dieses Lächeln, für dass mir jetzt nur das Adjektiv “goofy” einfällt. (Leo übersetzt das mit “albern”, aber das passt nicht ganz.) Forest Whitaker war das erträglichste an der 2002er Twilight Zone. (Und “The Placebo Effect“. Das war eine coole Folge.). Er war angenehm in Panic Room und Phone Booth. Okay, ignorieren wir Battlefield Earth.
Aber wirklich überzeugt hat mich Forest Whitaker in der fünften Season von The Shield als Lt. Jon Kavanaugh von der Dienstaufsichtsbehörde. Da spielt er zunächst den üblich charmant-vertrottelten Archetyp der so zu ihm zu passen scheint… und dreht dann wirklich auf. Gerade im Gegensatz zu diesem sympathischen Grinsen wirkt die dunkle Seite, die er da raushängen lässt, noch intensiver. Insofern sehe ich den Oscar als Wiedergutmachung dafür an, dass der Mann keinen Emmy erhalten hat. Und auf Der letzte König von Schottland freue ich mich jetzt wirklich.
Einziger Wermutstropfen: Es bricht einem fast das Herz wenn man mitansehen muss wie Peter O’Toole zum achten Mal mit leeren Händen nach Hause geht.
Aber zumindest hat es die Academy geschafft endlich Martin Scorsese, dem vielleicht größten der derzeit aktiven US-Regisseure, einen Academy Award in die Hand zu drücken. Dass er den Oscar für ein Remake erhält ist da nur ein Schönheitsfehler, denn eins ist klar, das hier ist der Oscar den er bekommt, weil man es geschafft hat ihm den Oscar für Raging Bull und Goodfellas zu verwehren. Und den Oscar für den besten Film für Taxi Driver. (Ganz starker Jahrgang… statt Taxi Driver hätte es ruhig auch Network werde dürfen. Aber Rocky? Hmmm…)
Das war dann sicher auch der schönste Moment des Abends, als Spielberg, Copolla und Lucas (jetzt Teile der Maschine gegen die sie in den Siebzigern gekämpft haben) Martin Scorsese den Oscar verleihen durften und der kleine Mann mit der großen Brille geradezu verschüchtert vor der Menge stand, die hier die gerechtfertigte Standing Ovation abgab. Weil sie wusste, dass das überfällig war. Glückwunsch, Academy, ich hätte euch zugetraut, dass ihr Marty schon wieder übergeht, aber das war – und die Academy entscheidet halt politisch und nicht nur nach filmischen Ansprüchen – eine richtige Wahl. (Wie sagte Jon Stewart letztes Jahr: “360 Mafia: One. Martin Scorsese: Zero.”)
***
Alles in allem war das eine echt langweilige Show, die vor allem drei extreme Schwächen hatte: Überlange Montagen, miese Musikauswahl und ein schlechtes Zeitmanagement. Ohne jetzt die kleinen Oscars schlecht reden zu wollen, aber ich hatte das Gefühl, dass wir den Großteil der Zeit für technische Oscars verwendet haben und dann… man war ja eh schon 30 Minuten über der Zeit… zum Ende hin Schlag auf Schlag die großen Oscars rauskloppen musste, bevor sich der Sender ausklinkt. Der ganze Schlußteil, der ja eigentlich der dramatischste Teil des Abends sein sollte, wirkte schrecklich gehetzt und viel zu kurz angebunden. Da ist der letzte Award für The Departed und gezz raus.
Ellen Degeneres war solide, aber nicht überragend. Am Anfang war sie wirklich noch relativ unterhaltsam (“I think most people dream of winning an Academy Award. I had a dream of actually hosting the Academy Awards. And, so let that be a lesson to you kids out there: aim lower.”), aber ab dem zweiten Drittel der Show passte sie sich der allgemeinen Schnarchnasigkeit an. Die Sache mit dem Skript für Scorsese und dem Photo von ihr und Eastwood waren eher mäßig lustig. (Okay, es war lustig dass sie Spielberg bat das Photo doch nochmal zu schießen.) Und die Staubsaugernummer… yawn… dann doch lieber zum hundertsten Mal Billy Crystal.
Es hätte einfach mehr Auflockerung, etwas mehr Humor, mehr Anarchie gebraucht um die Lahmarschigkeit zu kompensieren. Ab 3 Uhr 30 (die ersten Filmlieder werden präsentiert) habe ich gegen den Drang angekämpft meinen Kopf auf die warme Lüfterseite des Laptops zu legen und einfach einzuschlafen. So klang dann das “There’s so much more still to watch” auch ein wenig nach einer Drohung. Drei Dreamgirls-Lieder? Bitte lass es ein Medley sein. Ist es. Danke.
Man wäre übrigens nicht über die Zeit gekommen wenn man sich sowas wie die gefühlten 60 Minuten “America in the Movies” gespart hätte. (Wie Tom the Dog richtig feststellte, unterlegt mit Musik aus der West Side Story: “Life is alright in America, if you’re a white in America.” Hihihi.) Oder die sechzig Sekunden “Was macht die Academy eigentlich?”. Oder Celine Dion. Ganz besonders Celine Dion.
Die ganze Show schwebte am Ende irgendwo zwischen selbstgefälliger Ökomissionierung und staatstragender Langeweile. Jesses, habe ich mir gewünscht, dass Jack Black noch einmal auf die Bühne kommt und das komatöse Kodak-Theater aufweckt. Helen Mirren wirkt überraschend emotionslos (gut, vielleicht weil seit Monaten feststand, dass sie den Award bekommen wird) und das Ende war dann einfach zu abrupt. Da muss man noch einmal gut nachlegen um das 80. Jubiläum nächstes Jahr zu etwas ganz besonderem werden zu lassen.










The Space Pope approves of this website.