Archive for February, 2007

A Night at the Oscars: 2007

Tuesday, February 27th, 2007

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Obwohl ich mir die Oscars gestern Morgen live im Fernsehen angesehen habe (Warum schickt die Academy mir keine Einladung? Warum hasst Hollywood Amerika so sehr?), habe ich darauf verzichtet live zu bloggen. Zum einen weil die Konkurrenz eindeutig zu stark war (der Abspannsitzenbleiber hat die Liste am Ende seines Posts), zum anderen weil ich mir nicht sicher bin wie gut ich im livebloggen wäre.

Also, spontan “amüsant” sein, dabei sieben Blogs gegenlesen und noch diese ominöse Verleihung in der Glotze verfolgen? Bin ich so multitaskingfähig um drei Uhr Morgens und ohne Kaffee? Im Retrospex bin ich froh, dass ich nicht live gebloggt habe. Denn so ab der zweiten Hälfte der Awards hätte ich nur noch Homer Simpson sprechen lassen: “Booooooo-ring. Ähm, stattdessen habe ich das dann im Kommentarbereich bei Chris getan.

Also, hier Annemaries Agitpops Oscar-Welt:


Das beste an diesem Abend war – zumindest für mich – die Anmoderation die uns Jack Black, Will Ferrell und John C. Reilly geboten haben und die es natürlich schon auf YouTube zu sehen gibt. Will Ferrell beginnt mit einem traurigen Lied darüber, warum Komödianten am Abend der Oscarverleihung immer übergangen werden, dann stürmt Jack Black die Bühne und dann brennt die Hütte. Zum einzigen Mal an diesem Abend. Aber Zeilen wie Jack Blacks “I’m gonna beat you down with my Nickelodeon Award”, muss man doch einfach sympathisch finden.

Gut, ich bin mir bewusst, dass die Academy Awards anspruchsvoller und staatstragender sein sollen als die MTV Movie Awards. Aber es gibt einen Grund warum die Popcorntütenverleihung meist die einzige Zeremonie ist, die ich mir im Fernsehen angucken kann: Wegen der selbstironischen Lockerheit. Sicher, wenn die Academy zu locker wird, dann verlieren die Oscars an Wert und Bedeutung, aber ein wenig mehr Selbstironie, ein wenig mehr Spunk wie ihn der Auftritt Black/Farrell/Reilly hatte, würde der Veranstaltung nicht schaden.

Vielleicht hätte man den Auftritt auch einfach weiter nach hinten schieben sollen. Als Hallo-Wach-Arschtritt nachdem das Publikum in der zweiten Halbzeit doch arg eingeschläfert wurde, besonders von den “Bester Filmsong”-Kandidaten.

***

Speaking of which: Melissa effin’ Etheridge? Seid ihr high? Muss man denn wirklich jedes Jahr den Oscar in jeder Kategorie verleihen? Und wenn ja, hätte man ihn dann nicht zumindest Randy Newman geben können? Nicht das einer der Songs sonderlich herausragend war, aber dieser giftgrüne Gitarrenfolk, begleitet von “nur du kannst die Menschheit retten”-Ökobotschaften auf der Leinwand hinter Frau E., war ja kaum mehr erträglich. Ein Sieg für die Umwelt, eine Niederlage für den guten Geschmack.

Um dieses Ereignis zu würdigen, möchte ich nun Tom Lehrers “Folk Song Army” zitieren:

We are the Folk Song Army.
Everyone of us cares.
We all hate poverty, war, and injustice,
Unlike the rest of you squares.

[...]

If you feel dissatisfaction,
Strum your frustrations away.
Some people may prefer action,
But give me a folk song any old day.

The tune don’t have to be clever,
And it don’t matter if you put a coupla extra syllables into a line.
It sounds more ethnic if it ain’t good English,
And it don’t even gotta rhyme–excuse me–rhyne.

Gut gemacht, Academäh. Zumindest passte der Hippieoscar gut zum Leitmotiv des Abends: Wir lieben, lieben, lieben Al Gore. Und – echt gezz – wir haben’s verstanden. Nichts dagegen einzuwenden, dass man Bush nicht mag. Nichts dagegen einzuwenden, dass man für Al Gore ist. Aber hätte es der halbstündige, frenetische Jubel nicht getan, nachdem Ellen Degeneres sagte: “Then there is Al Gore. Well the people did vote for him…”

Nein, wohl nicht. Wir bekommen zusätzlich noch zwei Mal Al Gore auf der Bühne, der betonen darf, dass wir die Wende noch schaffen können, wenn wir uns auf Moral, Anstand, Pfannkuchen und andere ur-amerikanische Tugenden konzentrieren. Da fragt man sich fast, ob es vielleicht gut ist, dass Bush gewonnen hat. Und Leonard DiCaprio, der so aussah als wenn er Gore gleich die Kleider vom Leib reißen und ihm auf der Bühne einen Antrag machen würde, durfte einstimmen und erwähnen, dass das hier die ökologischsten und grünsten Oscars aller Zeiten wären. Und dann bei ihrer Dankesrede stellte Frollein Etheridge knallhart fest: “I have to thank Al Gore for inspiring us, inspiring me and showing that caring about the earth is not Republican or Democrat. It’s not red or blue. We are all green.”

Das war der Moment in dem ich mir wünschte, ich wäre blau. (Und in dem Ralph Nader anfing seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen.) Aber Hollywood hat dieses Jahr halt die Rettung der Erde als Partymotto. Eigentlich ja nett, aber muss man das so aggressiv, unglaubwürdig und arrogant breit treten? “Hey, wir sind Hollywoodstars und wir sind jetzt alle trendige Ökos. Zumindest diese Saison. Und gleich fahren wir in unseren spritsaufenden SUVs und Limousinen unsere teuren Dolce-und-Gabbana-Klamotten spazieren oder jetten ein bisschen um die Welt und hören dabei schlechte Folk-Songs von Melissa Etheridge.”

Alles sehr glaubwürdig. Lasst euch waschen, ihr Hippies.

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Gutes Grün am Abend: Eva Green (seufz) und der Scherz, dass Al Gore seine Kandidatur für die 2008er Präsidentschaftswahlen bekannt geben wollte, dann aber wegen des Zeitlimits von der Bühne musiziert wurde…

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Andere nette Touches des Abends, die allesamt nicht an Jack Black herankamen: Steve Carell und Greg Kinnear wird der Ton weggedreht, weil sie über die Tonmischer scherzen. Die nominierten Computerfiguren – angesagt von einer nicht nominierten Computerfigur… Jebus, was ist denn mit Cameron Diaz’ Wangen los? – sitzen im Publikum und reagieren freudig, bzw. enttäuscht auf die Entscheidung. Wobei jetzt schon im zweiten Jahr in Folge der Pinguinbonus über Erfolg und Misserfolg entschieden hat.

Der Elements and Motion Chor, der Soundeffekte imitierte, war auch sehr amüsant. Zu “artsy-fartsy” waren mir eigentlich schon wieder die Interpretationsschattentänzer die Filmlogos imitierten (ist jetzt schwer zu beschreiben was ich meine)… aber ich musste herzlich lachen als sie das Logo von Snakes on a Plane imitierten. Und sehr nett waren auch die Trickser von Pirates of the Carribean, die gleich Mal Ellens Tipps wie man eine Dankesrede spannend gestaltet umsetzten: “You know, the naysayers said four blind kids from the Bronx couldn’t make any visual effects, but here we are.”

Abgesehen davon: Die Oscars wären nicht die Oscars ohne Jack Nicholson. Die Präsenz dieses Mannes ist wirklich unglaublich. Und dabei ist es scheißegal ob nun wie gestern mit Britney-Spears-Gedächtnisglatze oder nur seine “DNA reconstituted in a gorilla body” wie im Jahr 3003. Allein dafür verdient der Mann eigentlich auch mal wieder einen Award.

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Worauf ich hingegen verzichten könnte: Während der Sieger sich mühsam durch die Jubelperser und die Trauben an Gratulanten kämpft, verliest jemand belanglose Trivia aus der gleichnamigen Sektion der IMDB. Auch unnötig: Süüüße Kinder, egal ob sie in Little Miss Sunshine mitgespielt hat oder nicht, moderieren die nächste Kategorie an. Auch wenn sie dabei nicht hölzerner Wirken als ältere Hollywoodzombies (Frau Diaz, Herr Cruise, Herr Travolta, Frau Latifah).

Lob auch an ProSieben, die wieder und wieder zu spät ins Kodak Theater zurückschalteten und uns die amerikanischen Werbepausen mit Trailern der nominierten Filme (von denen wir zu dem Zeitpunkt dann schon meistens wussten, dass sie leer ausgegangen sind), der ProSieben Star Force (wirkt sehr lächerlich wenn man das mit der versammelten Prominenz im Kodak Theater vergleicht) und irgendeinem Rotzblag (singt dieses Engellied von Rammstein der Kelly Family) versüßten.

Zum Moderationspotential der ProSieben-Profis: Annemarie Warnkross muss als Kind mal in einen Topf mit Selbstbräuner gefallen sein. Und Steven Gätjen durfte auf dem roten Teppich der versammelten A-Prominenz beim Vorbeilaufen zusehen. Gut er hatte immerhin mehrfach den Donnersmarck, einmal die Lopez und ein Mal den Forest Whitaker. Und Queen Latifah. Da durfte er dann fragen wie sie Berlin finden und wie man sich fühlt bei den Oscars zu sein. (“Scheiße. Ich wäre jetzt lieber zuhause und würde nach Porn googlen… aber Sie wissen ja, die sozialen Zwänge und so.”) Aber wer soll’s auch sonst machen? Schon wieder Raab? Vielleicht noch Simon Gosejohann, der hat zumindest Ahnung von Filmen. Aber, ich vergaß, hier geht es um “Celebrities”, nicht um Filme.

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Abteilung “Die internationalsten Oscars aller Zeiten”, wie man ganz selbstbewusst verkündete: Infernal Affairs ist Hong-Kong-Kino und kommt nicht aus Japan, wie man behauptete. Aber, hey, diese Asiaten sehen auch alle gleich aus.

Aus der gleichen Kategorie für mich: Bei der Verleihung habe ich Ken Watanabe sofort erkannt. In Letters from Iwo Jima brauchte es erst den Abspann, damit mir bewusst wurde, dass ich Mr. Watanabe da zwei Stunden lang beim Krieg führen beobachtet hatte.

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Die übliche Problematik: Wir alle finden es ja ungemein sympathisch wenn diese Leute aus den Loser-Kategorien (die Nerds) ihre Reden halten und gerne mal schnell ihre Biographie runterrasseln und jedem Nachbarn und deren Hunden danken… aber wirklich sein muss das ja doch nicht. In der Hinsicht bin ich fast schon froh, dass es jetzt die “Zeit um – runter von der Bühne”-Musik gibt. Das gibt diesen Rede mehr Pepp. Schafft es der Donnersmarck noch seiner Frau seine Liebe zu gestehen ehe das Mikro gekappt wird? (Für die Hauptdarstellerin reichte es ja nicht mehr.)

Lustig auch die Gegensätze: Der Sieger in der Kurzfilmkategorie hatte ganz eindeutig das Schnellsprechen geübt. Dafür war der Kerl der den Oscar fürs Sound Editing entgegen nehmen durfte offenbar weder im Schnellsprechen, noch im zielsicher Ablesen geübt. Noch ungeübter als das Blag von Will Smith und die kleine Frau Sonnenschein. Da war das Highlight sein Kollege im Hintergrund, der vielleicht auch noch ein kurzes Danke ins Mikro hauchen wollte, dann aber seine Chancen von Sekunde zu Sekunde davonstottern sah. Wenn ich mal meinen Oscar erhalte (wenn… nicht falls) und das ein Team-Oscar sein sollte, dann werde ich als erster die Dankesrede halten. Soviel steht mal fest.

Der Makeup-Artist aus Pans Labyrinth (man merkt wie bedeutend diese Kategorien in den Augen der Öffentlichkeit sind, weil ich mir nicht einen Namen gemerkt habe, sondern hier alle als “der Klopskerl aus…” tituliere) war einigermaßen flott im Reden… aber auch einer der Fälle, vor denen uns die Academy bewahren will. Wenn man den nicht eiskalt abgewürgt hätte, der hätte seinen Vorfahren bis zu Adam und Eva zurück gedankt. Und war sichtlich überrascht und frustriert als ihn die Musik von der Bühne spielte.

Jennifer Hudson channelte Halle Berry und schaffte es später bei ihrer Gesangseinlage (mit Beyoncé… die ich gar nicht leiden kann, zu aufgesetzt) eine Garderobenfehlfunktion zu vermeiden, obwohl wohl jeder Zuschauer gedacht hat, dass da gleich was rausfällt. Phew, Academy, Glück gehabt. Skandal vermieden.

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Jetzt aber noch mal echte Schelte, Academäh. Ennio Morricone bekommt einen Lebenswerkoscar. Das ist schön. Sehr schön sogar. Ich liebe Morricones Musik. Das geht, glaube ich, gar nicht anders wenn man die Sergione-Leone-Western anhimmelt. Während ich das hier schreibe schallt gerade L’estasi dell Oro vom Soundtrack zu Zwei glorreiche Halunken durchs Zimmer. (Den ich als Film persönlich immer noch lieber mag als Spiel mir das Lied vom Tod. Eastwood. Lee van Cleef. Eli Wallach. What’s not to like.)

Insofern war ich ungemein glücklich, dass man diesen Mann hier gebührend würdigte. Dass der Einspieler schön, aber etwas langatmig war? Geschenkt. Dass außerhalb von Italien niemand die Rede von Morricone verstanden hat? Finde ich sympathisch. Dass Clint Eastwood sich verliest und dann ins halboffene Mikro nuschelt, dass er vielleicht doch seine Brille hätte aufsetzten sollen? Wie kann man dem Clint denn irgendwas übel nehmen?

Aber dann: Celine Dion, Celine motherfucken’ Dion, darf auf die Bühne gehen und “I Knew I Loved You” aus Es war einmal in Amerika vor den Augen der Weltöffentlichkeit notschlachten? Um mal diese sympathischen Jugendlichen aus der Bahn zu Wort kommen zu lassen: “Ey! Was geed’n, Alder?” Ihr zeichnet einen Mann dafür aus, dass er ein grandioser Komponist ist und dann lasst ihr Celine Dion an sein Werk? Fuck. Fuck. Fuck. Legt den Leim weg, ihr Pfosten. Ihr habt vielleicht von Filmen Ahnung, aber von Musik offenbar gar nicht. Wenn ihr einen Lebenswerk-Oscar an… say… Ingmar Bergman verleihen würdet, sollte dann Uwe Boll für euch Das Siebente Siegel als Hommage in einer Kurversion nachdrehen? Nein? Seht ihr…

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Oh, by the way: Könnte das hier einer der Gründe sein warum Eddie Murphy keinen Nebenrollenoscar erhalten hat?

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Zu den großen Kategorien kann ich wenig sagen, scheint mir aber alles sehr gerecht zu sein, in diesem Jahr. Das Pans Labyrinth den Fremdsprachen-Oscar nicht bekommen würde, hatte ich zwar vor der Verleihung nicht gedacht, aber nach den zwei frühen Auszeichnungen in technischen Kategorien ahnte ich es dann. Und siehe da: Ich lag (ausnahmsweise bei sowas) richtig. Da ich beide Filme noch nicht gesehen habe, möchte ich das nicht beurteilen. Meine Mutter schwärmt von Das Leben der Anderen. Was auch immer das wert ist. (Uuuuuh… gerade bei der schrecklichen Oscar-Welt fragt Frau Warnkross den Donnersmarck wen er vielleicht bei seiner Gratulationsrede vergessen hat. Antwort: Vielleicht seine Kinder und Eltern.) Pressephrase zum Film: “In Zeiten von Guantanamo und Krieg gegen den Terror scheint der Film in den USA…”

Der Oscar für Forest Whitaker freut mich persönlich auch sehr, obwohl ich auch Der letzte König von Schottland noch nicht gesehen habe. Aber ich mag den Whitaker irgendwie seitdem ich vor rund sechs Jahren Ghost Dog gesehen habe. Der Mann hat etwas… ungemein sympathisches. Ist vielleicht das hängende Auge und dieses Lächeln, für dass mir jetzt nur das Adjektiv “goofy” einfällt. (Leo übersetzt das mit “albern”, aber das passt nicht ganz.) Forest Whitaker war das erträglichste an der 2002er Twilight Zone. (Und “The Placebo Effect“. Das war eine coole Folge.). Er war angenehm in Panic Room und Phone Booth. Okay, ignorieren wir Battlefield Earth.

Aber wirklich überzeugt hat mich Forest Whitaker in der fünften Season von The Shield als Lt. Jon Kavanaugh von der Dienstaufsichtsbehörde. Da spielt er zunächst den üblich charmant-vertrottelten Archetyp der so zu ihm zu passen scheint… und dreht dann wirklich auf. Gerade im Gegensatz zu diesem sympathischen Grinsen wirkt die dunkle Seite, die er da raushängen lässt, noch intensiver. Insofern sehe ich den Oscar als Wiedergutmachung dafür an, dass der Mann keinen Emmy erhalten hat. Und auf Der letzte König von Schottland freue ich mich jetzt wirklich.

Einziger Wermutstropfen: Es bricht einem fast das Herz wenn man mitansehen muss wie Peter O’Toole zum achten Mal mit leeren Händen nach Hause geht.

Aber zumindest hat es die Academy geschafft endlich Martin Scorsese, dem vielleicht größten der derzeit aktiven US-Regisseure, einen Academy Award in die Hand zu drücken. Dass er den Oscar für ein Remake erhält ist da nur ein Schönheitsfehler, denn eins ist klar, das hier ist der Oscar den er bekommt, weil man es geschafft hat ihm den Oscar für Raging Bull und Goodfellas zu verwehren. Und den Oscar für den besten Film für Taxi Driver. (Ganz starker Jahrgang… statt Taxi Driver hätte es ruhig auch Network werde dürfen. Aber Rocky? Hmmm…)

Das war dann sicher auch der schönste Moment des Abends, als Spielberg, Copolla und Lucas (jetzt Teile der Maschine gegen die sie in den Siebzigern gekämpft haben) Martin Scorsese den Oscar verleihen durften und der kleine Mann mit der großen Brille geradezu verschüchtert vor der Menge stand, die hier die gerechtfertigte Standing Ovation abgab. Weil sie wusste, dass das überfällig war. Glückwunsch, Academy, ich hätte euch zugetraut, dass ihr Marty schon wieder übergeht, aber das war – und die Academy entscheidet halt politisch und nicht nur nach filmischen Ansprüchen – eine richtige Wahl. (Wie sagte Jon Stewart letztes Jahr: “360 Mafia: One. Martin Scorsese: Zero.”)

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Alles in allem war das eine echt langweilige Show, die vor allem drei extreme Schwächen hatte: Überlange Montagen, miese Musikauswahl und ein schlechtes Zeitmanagement. Ohne jetzt die kleinen Oscars schlecht reden zu wollen, aber ich hatte das Gefühl, dass wir den Großteil der Zeit für technische Oscars verwendet haben und dann… man war ja eh schon 30 Minuten über der Zeit… zum Ende hin Schlag auf Schlag die großen Oscars rauskloppen musste, bevor sich der Sender ausklinkt. Der ganze Schlußteil, der ja eigentlich der dramatischste Teil des Abends sein sollte, wirkte schrecklich gehetzt und viel zu kurz angebunden. Da ist der letzte Award für The Departed und gezz raus.

Ellen Degeneres war solide, aber nicht überragend. Am Anfang war sie wirklich noch relativ unterhaltsam (“I think most people dream of winning an Academy Award. I had a dream of actually hosting the Academy Awards. And, so let that be a lesson to you kids out there: aim lower.”), aber ab dem zweiten Drittel der Show passte sie sich der allgemeinen Schnarchnasigkeit an. Die Sache mit dem Skript für Scorsese und dem Photo von ihr und Eastwood waren eher mäßig lustig. (Okay, es war lustig dass sie Spielberg bat das Photo doch nochmal zu schießen.) Und die Staubsaugernummer… yawn… dann doch lieber zum hundertsten Mal Billy Crystal.

Es hätte einfach mehr Auflockerung, etwas mehr Humor, mehr Anarchie gebraucht um die Lahmarschigkeit zu kompensieren. Ab 3 Uhr 30 (die ersten Filmlieder werden präsentiert) habe ich gegen den Drang angekämpft meinen Kopf auf die warme Lüfterseite des Laptops zu legen und einfach einzuschlafen. So klang dann das “There’s so much more still to watch” auch ein wenig nach einer Drohung. Drei Dreamgirls-Lieder? Bitte lass es ein Medley sein. Ist es. Danke.

Man wäre übrigens nicht über die Zeit gekommen wenn man sich sowas wie die gefühlten 60 Minuten “America in the Movies” gespart hätte. (Wie Tom the Dog richtig feststellte, unterlegt mit Musik aus der West Side Story: “Life is alright in America, if you’re a white in America.” Hihihi.) Oder die sechzig Sekunden “Was macht die Academy eigentlich?”. Oder Celine Dion. Ganz besonders Celine Dion.

Die ganze Show schwebte am Ende irgendwo zwischen selbstgefälliger Ökomissionierung und staatstragender Langeweile. Jesses, habe ich mir gewünscht, dass Jack Black noch einmal auf die Bühne kommt und das komatöse Kodak-Theater aufweckt. Helen Mirren wirkt überraschend emotionslos (gut, vielleicht weil seit Monaten feststand, dass sie den Award bekommen wird) und das Ende war dann einfach zu abrupt. Da muss man noch einmal gut nachlegen um das 80. Jubiläum nächstes Jahr zu etwas ganz besonderem werden zu lassen.

TV is a Virus: Zapping

Monday, February 26th, 2007

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Da mich gerade eine Seminararbeit einspannt, liegt das Blog ein wenig brach. Wenn man aber nebenbei ein wenig Fernsehen laufen lässt, dann findet sich trotzdem spielend Material um doch mal einen belebenden Elektroschock durch jenes Monster zu jagen, dass unser Chefwissenschaftler Victor F. damals “Agitpop” nannte. Hier also eine weitere Episode von “TV is a Virus”:


Monty Arnold & Upps

Mitte der Neunziger… zur Hochzeit von RTL Samstag Nacht… versuchte sich ProSieben schon einmal an einer Comedyshow. Damals steckte man einen Haufen mehr oder weniger begabter – der Begriff kam da gerade in Mode – Comedians (darunter unter anderem Lou Richter und Martin Schneider… okay, das sind die einzigen deren Namen irgendwo was klingeln lassen) in eine bayerische Hütte und drohte ihre Familienmitglieder exekutieren zu lassen, wenn sie nicht auf Kommando lustig wären.

Das fertige Gelöt nannte man dann Comedy Factory und strahlte es am Montag Abend aus. Der Humor pendelte, wenn ich mich richtig erinnere, irgendwo zwischen angenehm abstrus und ziemlich schwach, aber insgesamt war das durchaus solide Sketch-Comedy. (Mein Favorit ist der Polizist, der sich bei einer Verkehrskontrolle in Ermangelung eines Persos, Reisepasses oder Büchereiausweises auch mit einem belegten Brötchen als Identifikationsnachweis begnügt. Sehr gelungen: Die Art wie das Brötchen dabei so aufgeklappt wird als wäre es ein Reisepass.)

Der begabteste Komiker der Bande war – zumindest für den voll pubertierenden Björn – Monty Arnold. Der trat meist mit in 1920er-Manier zurückgegelten Haaren auf und klang ein wenig wie ein altes Grammophon. (Respektive: Die Platten die man darauf abspielte.) Arnold stellte sich vor einen roten Vorhang und begann alte Fernsehsendungen zu imitieren. Da wurde er dann zu Miss Marple, Columbo oder der blauen Elise aus Der rosarote Panther. Fand ich, wie gesagt, damals sehr lustig.

Danach wurde es dann still um Monty Arnold und ich fragte mich: Warum? Soviel wie der Mittermeier oder der Appelt kann der Arnold auch noch. Hat der sich aus dem Schobiph, wie das Katja Burghard in Punkt 12 so erotisch die Lippen umschmeichelt, zurückgezogen? Aber aktiv dieser Frage nachgegangen – etwa indem ich mal die allwissende Müllhalde konsultiert hätte- bin ich auch nicht.

Und so ist mir auch fast die Kiwi aus dem Mund geflogen als mir gestern beim Werbepausenzappen bei Verhandlungssache (erschreckend durchschnittlich) der Abspann von Upps – Die Superpannenshow auf RTL ins Auge stach. Denn da war unter Buch und Sprecher tatsächlich Monty Arnold verzeichnet. Ein anderer vielleicht? Seine Website sagt: “Nein, das ist schon der selbe Monty Arnold.”

Schockschwerenot. Manchmal ist es vielleicht wirklich besser, wenn man nicht erfährt was aus Leuten geworden ist, die man mal gut fand. (Man denke auch daran was Mike Krüger nach den Klamaukclusterbomben Piratensender Powerplay und Die Einsteiger für Grütze im deutschen Fernsehen moderiert hat.) Vor allem da mich das jetzt zwingt irgendwo im Netz seine alten Comedyauftritte nochmal zu finden und meine Meinung eventuell zu revidieren. Kann jemand, der die Texte für Upps – Die Superpannenshow schreibt ein guter Mensch sein?

Und kann ein Sender, der Upps – Die Superblablabla am Samstag Abend um zehn Uhr zeigt ein guter Sender sein? Eine Show, die exakt das gleiche tut, was zehn Jahre vorher schon Bitte Lächeln im Vorabendprogramm tat? Zum Teil mit exakt den selben Videos? (Erkennt man als Profi an deren Grobkörnigkeit und dem mangelden Farbkontrast… außerdem steht meistens “01/03/1978″ unten rechts in den Filmchen.) Man sollte meinen, dass der exponierte Slot zwischen DSDS und DSDS – Wer fliegt raus? mit dem garantiert hohen Zuschauerpotential um einiges besser genutzt werden könnte.

Aber dann wiederum: Ich habe neulich einen gebildeten Menschen erlebt, der das alles zum Brüllen komisch fand. (Und bei einigen brutalen Stürzen ringt mir der innere Sadist auch ein Schmunzeln ab.) Vielleicht ist Upps wieder genau der Grad an Trash und Billig-TV (die Moderatoren könnte man sich auch gleich ganz schenken und die 30 Euro für Koks ausgeben) der als “kleinster gemeinsamer Nenner” dient. Auf den sich alle einigen können und der die wenigsten Zuschauer abschreckt. Oder gar zum Umschalten verleitet, zwischen den beiden DSDS-Blöcken.

Trotzdem. Irgendwas läuft falsch wenn sowas Samstags um 22 Uhr auf einem der Großen Fünf läuft.

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Tele 5 – Nachtwiederholungen

Ganz deutlich falsch läuft auch was bei dem wiederbelebten Senderzombie Tele5. Die hatten den Slogan “Wir lieben Kino“… das ist ja ganz tuffig und super. Blöd nur, dass Tele5 Fernsehen und die Fernsehzuschauer hasst wie der Teufel das Weihwasser.

Anders ist wohl nicht zu erklären, wie man da die Wiederholungen von Filmen am späteren Abend so derbe versaubeutelt. Neulich wollte ich American Psycho nochmal sehen (vielleicht ist er ja im zweiten Anlauf besser) und wurde dabei von etwas begrüßt, dass meine Aufmerksamkeit für rund drei Minuten hielt. Aufmerksamkeit halten in dem Sinne, wie das bei Cthulhu der Fall wäre: Man will weggucken, aber das Gehirn hat einen Kurzschluß, weil es den nicht-euklydischen Schrecken nicht verarbeiten kann.

Was mich da ansprang hieß Shub-Flirtkino und nahm gut die Hälfte des Bildschirms in Anspruch. Mangels TV-Karte oder funktionaler Kamera in dem Moment, verweise ich mal auf dieses Blog. Wer ganz nach unten scrollt, der findet da den handlungsrelevanten Screenshot. Yikes.

Ich weiß zwar, dass TV-Sender von der Werbung und nicht von der Kundschaft leben, aber dieses Gräuel ist der Tropfen, der dem Faß den Zacken aus der Krone schlägt. Ha, Sat1. Versuch mal das in Sachen Zuschauerverachtung zu toppen.

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ReGenesis

Abteilung ARGH: arte strahlt schon seit Wochen die SciFi-Serie ReGenesis aus? Warum erfahre ich das erst jetzt? Sowas muss man mir doch auch sagen. Hat jemand die Serie verfolgt und kann mir beantworten, ob sich die DVDs lohnen würden?

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Extras

Auch aus der Abteilung “Serien die ich mir eigentlich angucken würde, wenn nicht…”: Extras.

Extras ist eigentlich neben Reno 911 derzeit das einzige Format auf Comedy Central Deutschland, das mich wirklich interessiert. Mundstuhl? Uraltcomedy wie Susan? Das derb mittelmächtprächtige Hier kommt Bush, das schon auf RTL II nicht gezogen hat? Eine Comedyserie mit Pamela Anderson? Eine Zeichentrickserie von Stan Lee mit Pamela Anderson? Muss alles nicht unbedingt sein…

Da klingt Extras schon besser. Ricky Gervais aus The Office. Gaststars wie Patrick Stewart oder Ben Stiller. Britische Comedy. Hollywood als Hintergrund. Klingt alles verdammt gut. Warum ich mir die Serie trotzdem nicht angucken kann? Etwas klingt bei der Serie gar nicht gut: Die Synchro.

Synchronisation ist in Deutschland natürlich so ein Dauerthema und ich möchte den Job nicht machen müssen, da kann man nur verlieren. Aber selbst in grottig synchronisierten Serien wie Futurama gibt es eigentlich immer das rettende Element, dass die Sprecher fähig sind und die Lippensynchronität überzeugend ist. In Extras hingegen setzt Comedy Central auf das Modell Osteuropa.

Nennt sich “Voice-Over Synchro” und kennt man vielleicht noch aus so Klassikern wie Chuck Norris präsentiert: Das Total Gym oder Wow! Der Entsafter! die damals als Homeshoppingperlen im Nachtprogramm des DSF liefen. Man hört die englische Originalstimme leise im Hintergrund und darüber quatscht dann lieblos ein deutscher Sprecher. Ist billiger als die englische Tonspur ganz rauszufiltern. Und nach diesem Verfahren läuft auch die Synchro bei Extras. Unter seiner deutschen Stimme kann man immer Rick Gervais Originalstimme hören. Nicht so, dass man versteht was er sagt, aber trotzdem deutlich wahrnehmbar. Und das treibt mich in den Wahnsinn.

Ordentliche Synchro? Fein. OmU? Gerne. Voice-Over Synchro? Dann doch lieber direkt das DVD-Set…

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Deutschland ist schön – Die Allstar Comedy

Zurück zum “ongoing war on humor”:

Am so genannten “Fun Freitag“, den man bei Serien wie Hausmeister Krause, Sechserpack, Zack!, Die dreisten Drei oder Paare leicht mit dem “Melancholy Montag” oder dem “Depression Donnerstag” verwechseln könnte, wird bei Sat1 weiter auf “Humor” gesetzt.

Wie inzwischen jede deutsche Serie hat auch Deutschland ist schön seine Wurzeln im Ausland. Genauer gesagt, in Kleinbritannien: Little Britain ist eine in England ungeheuer erfolgreiche Comedyserie, die aus unerfindlichem Grund auch deutschen Humorkritikern wie etwa dem ollen Hans Mentz in der Titanic (jetzt auch ohne angemalten Walter-Ulbricht-Bart) verflixt gut ankommt.

Ich selbst verstehe es nicht: Ich fand die Serie (Staffel 2) zwar angenehm geschmacklos für eine TV-Show (Rassismus, Inkontinenz, große Kotzarien), aber leider hinter dem Schockhumor eher unlustig. Etwa die inkontinente Oma, die sich mit jemandem unterhält und dann beginnt – ohne es zu merken – auf den Boden zu schiffen. War schon im ersten Anlauf nicht sonderlich lustig.

Wenn man das aber sechs Wochen lang wiederholt und nur die Location ändert, dann ist es dadurch kein neuer Sketch. Der “Palim, Palim“-Sketch ist auch nicht “neu” nur weil er plötzlich in der JVA Bonn, Bochum oder Braunlage stattfindet. Und die Schockmomente gab es zum Teil respektloser und bissiger schon vor dreißig Jahren im Fernsehen zu sehen. Wink, wink. Nudge, nudge.

Gut, man hat nur den Aufhänger “nationale Eigenheiten” übernommen. Oder hier eher: Deutsche Eigenheiten wie sie uns als Klischee seit Jahren in Comedyserien verkauft werden. Das Vereinswesen. Die Försterei. Straßeumfragen mit Rentnern. Predigt in der Kirche. Bloß nicht zu weit gehen. Schade, dabei hätte man eine der besseren Little Britain-Figuren inzwischen auch mal in Deutschland nutzen können: Vicky Pollard – Musterbeispiel der britischen Unterklasse, der Chavs. Würde in Deutschland in die Kategorie fallen, die Harald Schmidt mal als “Fetti & die Unterschichtenbande” tituliert hat. Wäre aber vielleicht schon wieder zu gewagt.

So wie auch die Sache mit den Geschmacklosigkeiten, dem Rassismus, dem Kotzen, dem ungehemmten Urinieren. Das muss zwar nicht sein, aber so hat die Serie gar nichts mehr, dass sie aus dem Sketchcomedyeinheitsbrei hervorhebt. Okay, Namepower: Markus Maria Profitlich, Herbert Feuerstein, Dirk Bach, Mike Krüger, Beatrice Richter, Ingolf Lück, Jürgen von der Lippe, u.v.m. Aber selbst das hilft gar nichts, wenn die Drehbuchautoren es nicht schaffen über das 08/15-Comedyformat hinaus zu kommen. Die Sache mit der Försterei oder mit den Rentner bei einer Straßenumfrage, das könnte so auch in jeder anderen Comedysendung vorkommen und keinem würde es auffallen. Ein paar Schmunzler sind drin (etwa wenn Mike Krüger in der Kirche abstimmen lässt, ob es Gott gibt oder nicht) aber eben auch mal ganze Blöcke ohne ein müdes Grinsen. Belangloser Standard.

Gegenstimme: Der Regisseur verteidigt die Sendung.

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Big Brother

Zwischendrin mal was positives: Die siebte Staffel von Big Brother krampft sich gerade am oder knapp unterhalb des Senderschnitts von RTL II fest. Ist also nur noch eine Frage der Zeit bis das Format (vielleicht endgültig) von deutschen Mattscheiben verschwindet. Oder bis der erste D-Promi oder Show-Politiker (Wowereit? Gysi? Kurt Beck?) da einzieht. Wetten werden entgegengenommen.

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Are U Hot?

Zurück zur Negativität: Wie nutzlos sind eigentlich MTV und VIVA geworden? Dass das Musikfernsehen in Deutschland mit dem Ende von VIVA Zwei einen herben Schlag hat einstecken müssen, wissen die älteren Semester unter uns ja noch. Aber dass es mal so grausam bergab gehen würde?

Jutt, MTV hat noch Ali G in da USA, South Park und Rockzone (von den drei genannten Sendungen hat eine ganze mit Musik zu tun), aber sonst sieht es da inzwischen arg finster aus. Bei MTV dürfte inzwischen jeder amerikanische Teenager mindestens einmal in einer dieser Kuppelshows gewesen sein, in denen man entweder wenig Kohle oder ein von den Eltern ausgesuchtes Date bekommt. Oder in denen man die Eltern möglicher Beziehungskandidaten direkt datet. Die oder einen abgewrackten HipHop-Rentner. Auch andere Länder können also grimmepreisverdächtiges Fernsehen herstellen.

Bei VIVA hingegen präsentiert man den ganzen Tag irgendwelche “Promisupermenschen sind uns überlegen”-Shows, wo wir erfahren warum das Parfum von Mariah Carey 2.000 Öcken kostet oder warum Brangelina die besten Menschen auf der Welt sind. (Oh, by the way: Können wir dies Namenszusammenflüsse endlich aufgeben? Tomkat. Brangelina. Benifer. Schweindolski. Abbostello. Batbin. Bäh.) Und ansonsten schafft es VIVA irgendwie das 37 Stunden pro Tag Collien Fernandes (die mal als “Indiens Rache für Jürgen Rüttgers” bezeichnet wurde) und Gülcan Karahanci (die Hoffnungsträgerin aller ADHS-Patienten) auf den Schirm zu pflastern.

Was doppelt schockierend ist, weil der Tag selbst bei der Umstellung zur Winterzeit nur 25 Stunden hat und weil es egal ist, wann man durchs deutsche Fernsehen zappt: Man findet mindestens eine Show außerhalb von VIVA in der Gülcan gerade zu Gast ist. Ich vermute, dass VIVA mit den Raelianern zusammenarbeitet und seine Moderatoren inzwischen wirklich klont.

Aber ich komme vom Thema ab: Denn eine dieser Shows die VIVA derzeit ausstrahlt – moderiert von Collien Fernandes (na so was) – schafft es den ganzen Castingwahnsinn auf verblüffend offene, verblüffend ironische und verblüffend unfreiwillige Art und Weise bloß zustellen: Are U Hot.

Die Show hat eine Jury, bestehend aus H.P. Baxxter (hyper, hyper), Nova Meier (Star des nie veröffentlichten Nick-Knatterton-Realfilms) und Alain Midzic, der laut VIVA-Aussagen “Deutschlands bekanntester Künstlermanager” ist und uns deutsche Helden wie Verona Pooth oder Kai Wiesinger (wer?) gebracht hat. Und diese Jury bewertet… wie gut Kandidaten aussehen.

H.P. Baxxter beurteilt wie gut oder schlecht junge Menschen aussehen. Nächste Woche: Josef Stalin bewertet die zehn größten Friedensnobelpreisträger aller Zeiten. Zumindest ist H.P. Baxxter ist noch der netteste Juror im Bunde, denn er weiß: “It’s nice to be important. But it’s more important to be nice.” Und: “Respect to the man in the ice cream van.”

Gut, wie ist die Show aufgebaut? Nachdem man in der ersten Runde einige angezogene Teens und Twens blitzschnell rausgeworfen hat (or not), darf der Rest (hot) in der zweiten Runde in Badehose oder Bikini + High Heels nochmal auf die Bühne und so spontan einen kessen Spruch von den Lippen eitern lassen, dass dagegen die Witze in 7 Tage, 7 Köpfe wie Impro-Comedy gewirkt haben. Dann guckt sich die Jury den Kandidaten/die Kandidatessa an und vergibt 0 bis 10 Punkte für “Face”, “Body” und “Sex Appeal”. (“Ja, Kopf ist da… puuh… ich sach’ ma: 8 Punkte.”)

Das ist alles. Die Typen stehen da nur und lassen sich dann Punkte geben. Mehr nicht. Das hier ist “Hot or Not – Die Show“. Sie stehen da, sehen gut aus und werden von 0 bis 10 bewertet. Drüben bei Heidi Klum müssen die Bohnenstangen zumindest noch gleichzeitig laufen und gut aussehen können. Männlein und Weiblein mit den meisten Punkten dürfen dann beim großen Finale nochmal ran und gegeneinader antreten… dem Gewinner winkt ein Photoshooting für die TV Spielfilm.

Und jetzt nochmal für die Zielgruppe: Ein paar Quotenhuren lassen sich von H.P. Baxxter sagen, dass sie scheiße aussehen und zwei davon dürfen ein paar Polaroids für das Glamourmagazin TV Spielfilm machen lassen. Viel besser könnte selbst die Titanic die ganze Castingshowsuppe kaum noch durch den Kakao ziehen.

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Pro7 – Ohne Raab seid ihr nix

Was ist eigentlich derzeit mit ProSieben los? Die waren doch mal lange Zeit sowas wie der Juggernaut unter den deutschen Fernsehsendern, oder? Also, nicht mit der Quote von RTL gesegnet, aber dafür mit den cooleren Serien (weil: viel USA) und dem “flotteren” Programm.

Das scheint sich ja inzwischen auch erledigt zu haben. Sucht der Sender gerade ein neues Image? Gab es da einen Wechsel in der Führungsetage? Irgendwie kommt es mir derzeit so vor, als wenn ProSieben nur noch ein Ass im Ärmel hat: Stefan Raab. Über TV Total brauchen wir zwar nichts mehr zu sagen, das Format hat sich vor Jahren überlebt. Aber alles andere das Raab derzeit anpackt – oder zumindest der Großteil davon – scheint sich in Gold zu verwandeln: Wok WM, Turmspringen, Bundesvision Song Contest, demnächst das Rematch gegen Regina Halmich, sogar die friggen Pokernacht. Und für Schlag den Raab heimst der Mann sogar Lob der Medienfeuilletonisten ein und wird als Retter der Samstag-Abend-Show gefeiert.

Was vermutlich zwei Möglichkeiten für die Zukunft offen lässt:

I.) Die öffentlich-rechtlichen Sender machen die Geldbörse auf und engagieren Raab
II.) Ein Übersättigungseffekt wie bei Jauch oder Kerner stellt sich beim Zuschauer ein

Beides sollte ProSieben unbedingt vermeiden, denn ich sehe derzeit niemanden, der das angeschlagene Schiff ohne weiteres wieder ins Lot bringen kann. (Das ist die Stelle wo ein Depp im Plenum aufsteht und ruft: “Was ist mit Oliver Pocher? Der ist lustig und talentiert! Der kann ProSieben retten!”) Wenn man sich mal anguckt, was ProSieben in den letzten Monaten auf die Beine gestellt hat, dann sieht das nicht gut aus:

Montags hat man das beliebte, aber quotenschwache Lost weit nach hinten geschoben um Platz zu machen für Oli Pocher und den anderen Oli P. mit ihrem Gameshow Marathon. Der hat nicht nur Gülcan als Gast (surprise), sondern auch ähnlich schwache Quoten wie Lost. Anders als Lost gibt es über den Marathon aber fast nirgendwo ein gutes Wort zu hören. Was ProSieben bewegte für den März gleich mal zwei Extrafolgen zu ordern.

Bei den Serien sieht es derzeit ohnehin nicht gut aus für ProSieben. Die erfolgreichen US-Serien, primär natürlich die CSIs von New York bis Truth or Consequences, New Mexico haben sich andere Sender geangelt. Bei ProSieben laufen frühere Serienhits wie Lost oder Desperate Housewives nicht mehr sonderlich gut. Charmed zur Prime Time wurde wegen Quotenschwäche abge- und durch Extreme Activity (meistens mit Gülcan… surprise) ersetzt. Andere Serien wie Invasion zogen von Anfang an nicht.

Und die Eigenproduktionen laufen derzeit auch nicht sonderlich toll… um das mal nett zu sagen: Gott sei dank… dass Sie da sind war so unlustig wie unpopulär. Das aufgewärmte VOX-Format Liebe isst wurde nicht gesehen. Lotta in Love wurde primär dadurch bekannt, dass dafür nur noch eine Simpsons-Folge am Tag lief. Verrückt nach Clara ging vom 22 Uhr Sendeplatz direkt ins Nachtprogramm. Und die ProSieben Fight Night haben wohl nur die Fernsehkritiker gesehen… die nicht zufrieden waren. Trotz Raab. (Der hier als Ersatz in letzter Sekunde zum Moderator berufen wurde. Was für die Übersättigungsgefahr spricht.) Wäre alles nicht so schlimm, wenn dieser Inverted Midas Touch nicht einen ganzen Haufen “High Profile Konzepte” und Prime-Time-Sendungen in zwei bis drei Monaten hätte floppen lassen.

Und so richtig Aufwind scheint da auch nicht zu kommen: Keine großen neuen Serien im Frühling. Gut, die dritte Staffel von Stromberg kommt, worauf ich mich schon freue… aber das auch erst durch Lobbyarbeit im Internet und eher als Prestigeprojekt. Quotenbringer war Stromberg noch nie. Hm.

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DVD: Der Tod für US-Serien?

Ich hatte mal gefragt, warum die Sender inzwischen so viel Angst davor haben ausländische Serien zu importieren. Die Quoten von Life on Mars scheinen Antwort zu geben: Von den hochkarätigen Auslandsserien bringt fast keine die nötigen Zuschauerzahlen um die Anschaffungskosten zu rechtfertigen. (Wobei Life on Mars eine sich selbst erfüllende Prophezeiung war: Serie am Samstag Abend, um zehn Minuten gekürzt [von der BBC] und dann auch noch gegen DSDS auflaufen lassen? Das ist Quotenselbstmord.)

Welche ausländischen Serien sind denn in Deutschland derzeit erfolgreich? House, CSI, Navy CIS, Without a Trace, Criminal Minds und vielleicht noch die Gilmore Girls. Also größtenteils das typische deutsche Fernsehessen: Krimis.

Andere Serien laufen gut so lange sie eine große Werbekampagne und ein gewisser Hype in den Fernsehzeitschriften begleitet, ziehen aber danach den Quotenschnitt nach unten: 24, Lost, Desperate Housewives, Six Feet Under.

Und wieder andere hochgelobte Serien sind von Anfang an Quotenleichen: Numb3rs, Life on Mars, Invasion, das von mir innig geliebte und absolut geniale The Shield. Und The Sopranos, die Kabel 1 jetzt Samstags um Mitternacht verstrahlt, hatten am Freitag Abend meistens weniger Quote als der nachfolgende Porno. Und da kann man Kabel 1 nicht vorwerfen, der Sender habe es nicht versucht.

Prison Break dürfte ähnlich untergehen und RTL fehlen nun schon seit fast einem Jahr die Eier um Rome auszustrahlen. Wahrscheinlich weil der deutsche Markt tatsächlich nicht reif ist für Serien, die sich zu sehr vom klassischen “Schema Derrick” abheben. Und gerade der neumodische Trend zu durchgängigen Plots statt abgeschlossener Einzelepisoden scheint solche Serien unattraktiv und riskant für die Sender zu machen: Man wird Zuschauer verlieren (das tut man fast immer ab der zweiten Folge), aber man hat nur wenig Chancen neue Zuschauer zu gewinnen, da diesen das nötige Vorwissen fehlt.

Und die DVDs dürften die Sache nicht besser machen: Viele dieser Serien haben ohnehin ein eher eingeschränktes Publikum. Und ein nicht zu unterschätzender Teil davon wird die Serien inzwischen entweder aus dem Netz gezogen haben, weil man nicht Jahre auf den Start in Deutschland warten wollte, oder sich die DVDs gekauft haben. Sollte das geniale Deadwood (Kauftipp!) etwa mal im Free-TV laufen, dann dürften die wirklich Interessierten gar nicht erst einschalten… weil sie die Serie schon auf DVD im Regal stehen haben.

In Zukunft dürften also eher noch weniger US-Serien und mehr billige deutsche Rip-Offs von US-Serien im Fernsehen laufen. Die fallen zwar auch ziemlich oft ziemlich derbe auf die Schnauze (Post Mortem, Verschollen, Beauty Queen, Spielerfrauen), sind aber billiger und schneller abzusetzen, weil man nicht gleich eine ganze Staffel im Paket mit viel anderem Gerümpel kauft, dass man dann auch wegsenden muss.

Der nächste ganz große deutsche Hit wird übrigens GSG9 auf Sat 1. Aber, so schlimm ist das ja gar nicht. Vielleicht müssen wir nur 30 Jahre warten und wir lachen uns über diese Imitate so schlapp wie heute über den türkischen Star-Wars-Verschnitt oder den türkischen Spider-Man. Hoffen kann man ja…

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So. Und für euch gilt jetzt: Abschalten.

Eine philosophische Frage

Saturday, February 17th, 2007

Wenn Raubkopien die Musikindustrie töten, wäre es dann nicht sinnvoll ein Gesetz zu erlassen, dass jeder Deutsche täglich möglichst viel Kiddieporn raubkopieren sollte? So könnte man diese Industrie doch sicher ganz schnell in den Ruin treiben.

God of War & Ico: Denkt mal an die Kinder!

Friday, February 16th, 2007

In relativ kurzer Folge Ico und God of War durchgespielt (gut, die sind auch beide nicht sonderlich lang) und mit erstaunen festgestellt, dass das Spiel mit dem “USK 12″-Sticker um einiges erwachsener daher kommt als das Spiel mit dem “PEGI 18+”-Signet.

God of War – Erwachsen?

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Ich hatte wirklich meinen Spaß mit God of War, so ist es ja nicht. Das Spiel ist gut darin das zu sein, was es sein will: Eine bluttriefende Schlachtplatte. Die Steuerung ist knackig und intuitiv, auch wenn man irgendwann raus hat, mit welchen Kombos man am weitesten kommt und sich dann auch auf diese verlässt (“Dreieck, Dreieck, Dreieck” oder “Dreieck, Dreieck, Quadrat”… die hatten auch richtige Namen wie “Babelfish of Daedalos”, aber die habe ich mir nicht gemerkt). Ab dann durchläuft man das Spiel quasi im Autopiloten durchläuft. Vielleicht hätte ich Warrior Within mit einem Gamepad spielen sollen, denn das Geknüppel ging mir in GoW um einiges flockiger von der Hand als in besagtem Prinzen-Spiel, das sich bei dem Kampfsystem ganz eindeutig hat… *hust*… inspirieren lassen. Das ist persisch für: Man hat es quasi 1:1 geklaut.

Das Fatality-System, das man in The Two Thrones geklaut hat, finde ich hier auch… und ich findes hier auch nicht so toll. Ich bin einfach kein Fan davon im richtigen Sekundenbruchteil einen Knopf drücken zu müssen. Besonders da ich das Gefühl habe, dass der PS2-Controller viertausend Knöpfe zu viel hat… wenn ich einen Bossgegner zum siebzehnten Mal anspringe, weil ich immer im letzten Moment kurz gucken muss, welcher Knopf jetzt nochmal der “X”-Button war und darum den Fatality nicht punktgenau ausführen kann, dann nervt mich das. (Ich habe die PS2 noch nicht so lange, dass ich die Knöpfe ohne kurzes Zögern zuordnen kann, aber genau das erwartet GoW halt von mir.)

Aber das sind Kleinigkeiten, alles in allem macht GoW seinen Job gut: Das Spiel gibt mir das Gefühl, dass ich der fieseste Arschtreter im antiken Griechenland bin und das Spiel gibt mir das Gefühl, dass ich hier Kombos ausführe, wie ich sie in den guten alten SNK-Beat’em’Ups nie hinlegen konnte, weil ich in der Disziplin stinke… obwohl ich effektiv nur zwei Knöpfe mashe. Kurz vor Ende des Spiels (an den “Cliffs of Madness”) verstand ich sogar wieso Videospieler Sehnenscheidenentzündungen bekommen… da hatte ich die Buttons so lange und so hart gemasht, dass ich eine kurze Pause brauchte, weil mir das Handgelenk schmerzte. Kudos, das war eine neue Erfahrung.

God of War macht seine Sache auch gut in Sachen Abwechslung: Die Level sind abwechslungsreich, äußerst hübsch designt und anders als in den klassichen Imitaten der Final Fight/Streets of Rage-Spiele musste ich eben nicht nur prügeln, sondern immer wieder kleine Rätsel lösen – die nicht fordernd, aber auflockernd wirkten – und viele Geschicklichkeitspassagen meistern. Auch die waren meist nicht fordernd, sondern oft frustrierend.

Auf einer riesigen Walze balancieren um an eine Leiter zu kommen? Das hat Spaß gemacht. Über rotierende Walzen balancieren und dabei über Stacheln springen oder in den sicheren Tod stürzen? Schon weniger. Die richtige aus acht Türen suchen, während mich flammende Bälle des Todes plattwalzen? Nicht wirklich. Oder über schmale Balken balancieren, dabei über rotierende Klingen hüpfen und vierzig Mal zu Tode stürzen, weil sich die Kamera im falschen Moment dreht? Sogar noch weniger. Einen Kampf rechtzeitig beenden, weil sonst die Falltür unter mir aufgeht und ich dran bin? Nerviger kann es ja nicht mehr werden. Bis auf diesen einen Raum, in dem ich eine Kiste schieben und dann einen Vorsprung erreichen muss, weil ich sonst aufgespießt werde. Was mir, des Zeitlimits wegen, passierte. Wieder und wieder und wieder und wieder.

Besonders nett, wenn mich das Spiel dann fragt, ob ich in den Weichei-Modus schalten möchte. Der macht die Kämpfe einfacher… ihr wisst schon, die Kämpfe in denen ich nicht verreckt bin. Bei meinen Hops-und-Spring-Störungen hilft mir das Spiel nicht. (Okay, fairerweise: Ich habe das Ultimate-Pussy-Mode-Angebot akzeptiert als ich bei der elendigen “Block-Block-Block-Angriff… aaah, nicht den unblockbaren Angriff… nicht schon wieder!!!”-Endbossklopperei gegen Ares die Faxen dicke hatte.) Aber, alles in allem: God of War ist abwechslungsreich und God of War hat mich sehr gut unterhalten.

Und trotzdem war ich am Ende irgendwie enttäuscht. Man hatte mir eine mächtige Story mit bewegenden Emotionen angekündigt… und das ist, schlicht und ergreifend, Bullshit. Da liegt das Problem, das ich mit God of War habe. Da liegt auch ein Problem, das die Spieleindustrie als Ganzes noch oft hat: Wir verwechseln “volljährig” mit “erwachsen”.

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God of War ist ein Spiel für Volljährige, weil es verdammt brutal ist. God of War ist deshalb aber noch längst kein “erwachsenes” Spiel. Vielleicht erinnert sich noch jemand an das Geheule als Legend of Zelda: The Wind Waker rauskam, mit dieser cel geshadeten (huch… diese crazy deutsche Language) Grafik und dem Umstand, dass man das ganze Spiel über einen Link spielen musste, der so rund zwölf Jahre alt blieb. Blablabla, Kinderkram, yaddayaddayadda, kindisch, heulheulheul, man wird uns nicht ernst nehmen, gnagnagna, lachen wird man über uns. Lachen!

Diese Angst kommt vielleicht daher, dass Videospiele oft als reines Kindermedium angesehen wurden… das Politiker und Presse, siehe die derzeitige Debatte, den Eindruck noch verstärken. Und das letzte was man möchte, ist dass die Welt da draußen glaubt, man pflege ein kindisches Hobby. Und das ist dann der Umstand, der dazu führt, dass man sich pubertären Scheiß andrehen lässt und den als erwachsen oder anspruchsvoll verteidigt. (Und: Nichts gegen pubertären Scheiß, der kann durchaus amüsant sein… er sollte nur nicht als Epitom dessen gelten, was ein Medium erreichen kann.) Denn genau das ist God of War: pubertär.

Vielleicht stammt der Irrtum einfach daher, dass man kindlich und kindisch nicht unterscheiden kann. Dass man davon ausgeht, dass Kinder selbst auch gut und schlecht nicht unterscheiden können. (Bis auf die eigene Generation natürlich… unsere Transformers, Masters of the Universe und Turtles waren so viel besser und anspruchsvoller als die Pokémons, One Pieces und Detektiv Conans dieser Generation.) Was selbstverständlich auch Bullshit ist: Kinder mögen laut und klebrig sein, aber sie sind auch mit das anspruchsvollste Publikum das man finden kann. Wenn sie etwas nicht mögen, dann lassen sie es dich wissen. Es ist eine Idee die nur Erwachsene haben können, dass man Kindern alles vorsetzen kann und sie es dann schlucken. Denn: Kinder wissen ja bekanntlich gar nichts. (“Maggie, zeig doch mal auf die Biedermeier-Anrichte.”)

Im Ernst, Terry Pratchetts A Hat Full of Sky ist ein Kinder- und Jugendbuch. Trotzdem hatte ich damit mehr Vergnügen als mit dem pubertären Geschlonze das Kevin J. Anderson und Brian Herbert rausgehauen haben und das sich angeblich an erwachsene Leser richtet. Und lieber schaue ich mir vier Mal Der dunkle Kristall an, als noch einmal so einen Murks wie Mr. & Mrs. Smith über mich ergehen lassen zu müssen. Die Altersbeschränkung auf einem Produkt sagt nichts darüber aus wie erwachsen das fertige Produkt ist. Das ist so eine Botschaft, über die Videospiele (und Superhelden-Comics) mal nachdenken sollten.

Der Kontrast wurde besonders deutlich weil ich Ico und God of War in so kurzer Zeit spielte. GoW ist von der reinen Spielmechanik her tatsächlich toll. Wirklich. Aber alles was über die Spielmechanik hinaus geht ist bestenfalls peinlich. Die epische Story? “Grrrr… Kriegsgott Ares hat Spartanerkrieger Kratos reingelegt… hrrrrgnnnhhh… Kratos hat eigene Familie getötet… arrrrrfffff…. Kratos jetzt töten Ares… hrrrmmmnnghhh… Hulk Smash!”

Gut, zwischendrin bekommt Kratos “emotionale” Momente zugestanden. Da erinnert er sich dann daran wie er – im Dienste Ares’ – ganze Dörfer massakriert und dabei (aus Versehen) auch seine eigene Familie ermordet hat. Dann schaut er sich auf die Hände und fragt: “By the gods. What have I become?” Denn Ares hat dem sympathischen Bill-Goldberg-Imitator “seine Menschlichkeit geraubt” und ihn zu einer “Bestie” gemacht. Das verrät mir zumindest ein Voice Over.

Inwiefern sich das mit der geraubten Menschlichkeit zeigt, ist mir nicht ganz klar. Der Mann war doch auch vorher schon ein fieser, blutsaufender Kriegstreiber, oder? Immerhin ist er ja Spartaner. Die Frage, die das Spiel nie so recht beantworten kann: Ist Kratos nun ein arschtretender Speed-Metal-Hörer, der nur auf Rache aus ist? Oder ist er ein nägellackierender Emo der seiner verlorenen Menschlichkeit und Familie nachtrauert?

So recht entscheiden will sich das Spiel da nicht. Denn wenn Kratos nicht gerade fragt, was aus ihm geworden ist, tritt er Schiffskapitäne in den Magen der Hydra (nachdem er ihnen den Schlüssel weggenommen hat… “I did not come for you!”) oder massakriert die unbewaffneten Einwohner von Athen, weil er Lebensenergie dafür erhält. Oh, Athen soll er übrigens im Auftrag der Göttin Athene retten. Kratos: Saving your city by killing its inhabitants. Der Junge hätte sich in Vietnam gut geschlagen.

Und dann ist da die Käfigszene. Um voran zu kommen muss Kratos dem Gott Poseidon ein Feueropfer darbringen. Und anders als der alttestamentarische Gott besteht Poseidon auf seinem Grillfest. In der Nähe der Opferstätte findet sich ein Käfig mit einem Zombie drin. Kratos sieht das, versteht was er gleich machen wird und grinst in einer Cutscene voller Vorfreude in die Kamera.

Fein. Zombies. Die sind dazu da gemetzelt zu werden. Man denke nur an die Rasenmähersequenz in Peter Jacksons Brain Dead. Und gönnen wir es Kratos, dass er sich da freut. Auch wenn es etwas unheimlich ist, dass der Zombie sich gegen seinen bevorstehenden Flammentod wehrt und am Käfig rüttelt.

Problematisch wird die Stelle allerdings für mich, wenn man sich die Originalversion ansieht. Da ist der Zombie ein wehrloser, menschlicher Hoplit… der schreit, Kratos um Gnade anfleht und die Götter bittet, sie mögen ihn von diesem Barbaren retten. Und plötzlich wirkt dieses freudige Grinsen in Kratos Gesicht ziemlich bitter. Also: Kratos jammert rum, dass er seine Menschlichkeit aufgegeben hat… aber er empfindet Vorfreude, weil er gleich einen wehrlosen Menschen grillen darf? Hooooo-kay.

Vielleicht ist das ein moralischer Test für mich: Schalte ich die Konsole an der Stelle ab oder nicht? Vielleicht ist da eine Botschaft zu finden. Aber das wage ich zu bezweifeln. Die Interviews die als Extras auf der DVD sind (unter anderem ein Feature über aus dem Spiel gestrichene Figuren, in dem man ausführlichst über den [nicht im Spiel zu findenden] Penis des Zyklopen redet) machen nicht den Eindruck, als wenn man hier wirklich viel Tiefe im Spiel versteckt hätte.

Und: Da ist kein Moment des Zögerns, kein Moment in dem Kratos ein Problem damit hat gleich einen Wehrlosen zu opfern. (Ganz im Gegenteil.) Das ist keine “erwachsene” Stelle. Das ist die Art von sinnloser Gewalt, die – und jetzt klinge ich wie Theo Koll – ein Zielpublikum hat: Kinder, Teenager und Deppen. Das ist die Art von Stelle, die wahrscheinlich das Äquivalent zu den Szenen meiner Zahnspangenträgerzeit darstellt: “Ey, hast du gesehen wie Sub-Zero dem Kerl die Wirbelsäule rausgerissen hat? Das war ja sooooooo cool…”

Man ersetzte “Sub-Zero” durch “Kratos” und “Wirbelsäule rausgerissen” durch “ins Feuer geschoben” und wir haben die gleiche Situation. Ich weiß nicht mal was mich daran so derbe stört. Eigentlich bin ich jederzeit für sinnlose Gewalt zu haben. Vermutlich ist es der Umstand, dass God of War tonnenweise sinnlose Gewalt enthält, aber der Hauptcharakter frei von jeder Selbstreflexion und somit bis zum Ende des Spiels ein unsympathischer Vollarsch bleibt.

Was eigentlich kein Problem darstellen sollte. Wenn ich in anderen Spielen gezwungenermaßen den Guten spiele, warum nicht mal gezwungenermaßen den “Bösen”. (Hey, man kann beispielsweise über den Punisher viel schlechtes sagen… aber selbst der mordet nicht einfach so Zivilisten.) Warum nicht ein Spiel, in dem ich halt amoralisch handeln muss? Vielleicht weil ich zwar amoralisch handle, aber nicht damit ich darüber nachdenke, was ich eben getan habe. Sondern nur weil das “cool” und “edgy” ist. Und wenn das dann von der Spielepresse als “erwachsene Story” zelebriert wird, dann kotzt mich das irgendwie an.

Wenn man dann auch noch erklärt, dass das Spiel blutrünstig ist, weil die griechische Mythologie halt so wäre, dann packe ich mir wirklich an den Kopf. Zugegeben, God of War hat einige ungemein beeindruckende Einstellungen: Wenn der Titan Kronos aus der Wüste auftaucht, dem ein riesiger Tempel auf seinen Rücken gebaut wurde, dann ist das eine wunderbare Einstellung, die es mit den besten Mythologie-Verfilmungen aufnehmen kann. Und wenn man später im Tempel in einigen Perspektiven den besiegten Titanen unter sich sieht, wie er durch die Wüste kriecht, dann ist das ein “Wow”-Moment. (So wie auch der Weg über eine Hängebrücke in den Tempel hinein.)

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Oder ganz am Anfang, wenn man auf dem Weg nach Athen ist und plötzlich sieht wie Ares und seine Armee in der Distanz kämpfen, wobei Ares mehrere hundert Meter groß ist und seine Krieger gegen ihn wirken wie Ameisen: Das ist imposant und das gibt mir ein Gefühl von: “Den soll ich töten? What the…?!”

Aber insgesamt hat God of War so viel mit griechischer Mythologie zu tun wie Xena oder Spartan: Total Warrior. Eine popkulturelle Collage mit den bekanntesten Stars der Antike (Minotauren, Gorgonen, Satyre und Zyklope gibt es im Dutzend billiger), die aber am eigentlichen Aspekt der Mythologie vorbeischießt: Die griechische Mythologie ist ein unschöner Ort. Ein Ort an dem es darum geht, dass Helden stürzen und leiden. Megapenthes tötet Perseus. Orpheus rettet Eurydike nicht und wird von den Bacchaniden in Stücke gerissen. Die Götter verfluchen Jason, weil er Medea verlässt. Herakles wird von seiner Frau Deianeira umgebracht. Und so fort. Auch wenn wir den Teil der Mythologie in der gegenwärtigen Rezeption meist ausblenden, weil Geschichten bekanntlich immer Happy Ends haben.

Eigentlich hätte Kratos da eine gute Ausgangssituation auf die man aufbauen könnte: Der erfolgreiche Kriegsherr im Dienste Ares’, der dann – durch einen Trick seines Meisters – seine eigene Familie ermordet. Daraus könnte man eine gute, dramatische Geschichte machen. Darauf könnte man eine klassische Tragödie aufbauen. Stattdessen bekommen wir viel Gehacke, etwas unreflektierte Gewalt gegen Unbewaffnete (sowas führte in der griechischen Mythologie normalerweise auch zu einem bösen Ende für den Gewalttäter… schwer zu glauben, dass es Athene gar nicht stört, dass Kratos da ihre Anhänger nieder macht) und das Gefühl, das Kratos in erster Linie “cool” und nicht in erster Linie “ein Charakter” sein soll. Da helfen dann auch die zwei Emo-Einschübe nicht, in denen Kratos darüber heulen darf, dass ihn der Kriegsgott zu etwas gemacht habe, das er nie sein wollte und dass Kratos seine Familie vermisse.

God of War ist eben kein erwachsenes, sondern ein sehr pubertäres, sehr halbstarkes Spiel. Was sich auch im Umgang mit Sex zeigt: Wir haben Titten und ein Sex-Minispiel bei dem man nichts sieht und das sich steuert wie die Fatalities… ob man also zwei Frauen gleichzeitig befriedigt oder Medusa den Kopf abreißt: Ein und das Selbe. Sollte man vor Gericht vorbringen, falls man mal inhaftiert wird, weil man seine Freundin beim Sex enthauptet hat. Da gibt es eine horrende Dunkelziffer.

Mit beidem (also, mit Titten und Sex in Spielen… nicht mit der Enthauptung von Freundinnen) habe ich keine Probleme per se, es ist nur, dass auch das in God of War so lieblos effekthascherisch wirkt. Hey, das Orakel trägt ‘nen String und ‘n durchsichtiges Oberteil… und die beiden Frauen in meinem Bett haben Brustwarzen. (Wow.) Irgendwie habe ich einfach das Gefühl, dass die Macher genau das hier erreichen wollte. Und da sieht man schön wie “erwachsen” God of War tatsächlich ist.

Wenn sowas dann imitiert wird (Warrior Within, ich gucke in deine Richtung), dann ist das eigentlich ein Armutszeugnis. Wenn es aber als wichtiger Schritt für die Videospielelandschaft gefeiert wird, dann haben wir ein Problem. Das ist auch ein bisschen so als wenn man in der Filmindustrie I Know What You Did Last Summer oder American Pie als richtungsweisend ansehen würde. Oder Striperella erwachsener findet als Pinky and the Brain oder die Batman – The Animated Series. Weil, hey, Titten und Gewalt. Unterhaltsam? Ja. Aber grundlegend?

Ico – Kinderspiel?

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Dass Ico als Spiel auf Grund gelaufen ist, kann man an verschiedenen Umständen fest machen. Einer davon ist sicher, wie Scott Miller schreibt, die “kid level story“:

Kid’s game. This ties into the previous point, but it also stands on it’s own. To Joe Gamer holding the Ico box in his hand, it looks like a game for kids. There is no obvious coolness to the concept. This game is a tough sell to the teenage/adult gamer.

Wenn allerdings inhärente Coolness und der Umstand, dass es nach etwas aussieht, dass man die eigenen Kinder nicht spielen lassen kann, ganz entscheidende Faktoren für den Erfolg eines Videospiels sind, dann erklärt das, warum God of War so gut ankommt. Und es zeigt, dass die Videospieleindustrie noch einen langen Marsch vor sich hat.

Ich nehme nochmal Comics als Vergleich, denn auch da richtet sich der so genannte US-Mainstream an ein Publikum für das cool und erwachsen bedeutet: Sex und Gewalt. Währendessen räumen “uncoole” Comics wie Art Spiegelmans Maus, Marjane Satrapolis Persepolis und Chris Wares Jimmy Corrigan Preise, Anerkennung und gute Verkaufszahlen außerhalb des “Kernmarkts” ab.

Und Titel wie Neil Gaimans Books of Magic, Don Rosas Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden oder Jeff Smiths Bone schaffen es Kinder zu fesseln und gleichzeitig Erwachsene anzusprechen.

Wenn also ein Mangel an “Coolness” (wie auch immer wir die definieren) oder “mature content” (siehe God of War) als Problem gilt, dann ist das in erst einmal das Problem von Ico (oder Beyond Good & Evil, wenn wir schon dabei sind). Ja. Aber weitergehend ist es das Problem eines Marktes, der sich noch immer primär an ein beschränktes Publikum richtet (männliche Heranwachsende) und sich damit effektiv selbst kastriert. (Wobei zum Beispiel die Wii oder die Sims zeigen, dass Produzenten mehr und mehr verstehen, wieviel Kohle sie verschenken wenn sie den Restmarkt ignorieren.)

Und Ico scheint die Marktprognose zu bestätigen. Man vergleiche mal das US-Cover von Ico (links) mit dem europäisch-japanischen Cover (rechts):

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Der Junge, der Stock, generischer Schlonz ohne jedwede ästhetische Ambition, wie sie das japaneuropäische Cover demonstriert. Der Versuch, das Spiel “cooler” wirken zu lassen. Was total an der Realität vorbeigeht. Ico ist nicht cool oder “cutting edge”. Das muss es auch gar nicht sein: Ico ist ruhig, introspektiv und angenehm. Und damit ganz anders als God of War.

Beide Spiele haben ihr Lebensrecht im Spieleregal, aber ich persönlich glaube, dass sich Spieleindustrie einen Gefallen täte, würde sie sich eher an Ico orientieren. Denn obwohl Ico auf Sex und Gewalt verzichtet (gut, man prügelt sich mit ein paar Schattenwesen), storytechnisch fast genau so dünn ist, wie God of War (auch wenn das Fandom mal wieder zur Überinterpretation neigt) und obwohl das Spiel durchaus Kinder und Jugendliche ansprechen kann (auf eine andere Art als das God of War tut), ist es für mich das erwachsenere, das reifere Spiel.

Eben weil es weiß, dass es nicht die Abkürzung über Menschenopfer nehmen muss um zu überzeugen. Trotz der hauchdünnen Story (die eigentlich nur ganz am Anfang und ganz am Ende entwickelt wird) schafft es Ico eine ungeheuer dichte Atmosphäre und eine Beziehung des Spielers zu den Charakteren zu erzeugen. Und zwar mit extrem simplen Mitteln. Eigentlich müsste ich Ico hassen, ist doch das ganze Spiel ein großes “beschütz das Mädchen”-Quest. Und sowas mag ich sonst gar nicht. Aber hier ist das so charmant gemacht, dass ich da ganz leicht drüber hinweg sehen kann.

Es sind die leisen Töne mit denen Ico das erreicht: Die Art und Weise wie Ico (der Hauptcharakter) das Mädchen Yorda an die Hand nimmt und sie durch die Level führt. Die Art wie Ico seine Hand ausstreckt, Yorda zum Sprung über einen Abgrund ermutigt und damit ausdrückt: Riskier’s. Ich fange dich. Die Art wie Ico Yorda auf einen Vorsprung hilft.

Und auch die Eigenheiten der Figuren werden in diesen kleinen Details eingefangen. Yorda, die sich leicht verschüchtert den Arm reibt, die ein wenig herumwandert und sich Dinge anschaut und die erschrocken zusammenfährt, wenn Ico mit seiner Waffe gegen eine Wand schlägt oder droht einen Abgrund hinab zu stürzen. Und Ico selbst, der es eilig hat und Yorda schneller hinter sich her zieht, als sie rennen kann. Der verwegen mit seinem Stock um sich schlägt, als würde er nicht gegen irgendwelche Schattengeister sondern gegen ein paar Jungs auf der heimatlichen Wiese kämpfen.

Das ist eine sehr, sehr geschickte Art und Weise um uns Charaktere nahe zu bringen: Showing, not telling. Und es hat bei mir funktioniert: Ohne es zu merken entstand diese emotionale Bindung zwischen mir und den beiden Figuren auf dem Bildschirm. Das ist mehr als Kratos in God of War geschafft hat. Trotz Zwischensequenzen die mir seine Vergangenheit zeigen. (Und die dabei ungemein schick aussehen. Die vielleicht einzigartigsten Zwischensequenzen die ich seit dem ersten Thief in einem Videospiel erlebt habe.) Es mag nur ein geschickter Taschenspielertrick sein: Aber ich habe das Gefühl als wenn Ico und Yorda mit ihren wenigen Sätzen mehr Tiefe gewinnen als Kratos mit all seinem Jammern: “By the gods. What have I become?”

Ico und Yorda sprechen das gesamte Spiel hindurch nicht ein einziges Mal in der selben Sprache. Und trotzdem verstehen sie sich. Und trotzdem bedeuten sie mir am Ende des Spiels etwas. Während des Abspanns war ich wirklich bewegt. Sogar die zynische Stimme im Hinterkopf fand das Ende irgendwie traurig. Und selbst die zynische Stimme im Hinterkopf konnte nach dem Abspann nicht umhin, dass alles irgendwie… … “süß” zu finden. Nicht kitschig-süß. Nicht “Hello Kitty” süß, sondern süß auf eine ehrliche und unschuldige Art und Weise. (Und wenn rauskommt dass ich hier ein nicht-zynisches “süß” verwendet habe, dann komme ich bei dem Plappermaul vorbei
und reiße ihm eigenhändig den Kopf ab… ich habe in God of War gelernt wie das geht!)

So wie das ganze Spiel, trotz einer eigentlich eher langweiligen Grafik, immer wieder irgendwas in mir berührt hat. Wenn ich auf einer Anhöhe stehend die bis zum Horizont reichenden Klippen und Wälder auf der einen Seite von mir betrachte und das endlose Meer auf der anderen Seite, dann hat mir das etwas schwer fassbares gegeben. In machen Sequenzen ließ ich Ico einfach nur da stehen und genoss die Art und Weise wie mit Licht und Schatten gespielt wird. Habe den Anblick von lichtdurchfluteten Wiesen mit Windmühlen drauf genossen oder die Art wie die Sonne, wenn die Kamera im richtigen Winkel postiert war, plötzlich den ganzen Bildschirm in ein wundervolles Gold tauchte. Diese Art von Faszination haben nur sehr, sehr wenige Spiele bei mir ausgelöst. Aus dem Stehgreif fallen mir jetzt gerade bloß Zelda: Ocarina of Time und Beyond Good & Evil ein. Das heißt schon etwas.

Dass das Spiel selbst längst nicht so revolutionär ist, wie einige es mir angepriesen haben? Geschenkt. Im Kern ist Ico die 3D-Version klassischer Grübel-Plattformer wie The Lost Vikings. Aber eben mit ungemein tollen Charakteren, wunderschönen Landschaften, einer beeindruckenden Architektur (das Schloß in dem Ico spielt könnte man tatsächlich als Modell nachbauen… jeden Ort den man in der Distanz sieht, wird man im Laufe des Spiels besuchen und tatsächlich nachverfolgen können, wie man von Punkt A zu Punkt B kam). Abgesehen davon machen mir die Hüpf- und Klettereinlagen wirklich Spaß und das Spiel karrt den Charme kistenweise ran.

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Charme wegen dem ich gewillt bin über ein paar Schwächen des Spiels (keine schrecklichen Schwächen, aber man spürt sie schon) hinweg zu sehen: Die Kämpfe etwa sind stupide und repetitiv. Besonders da man nur einen Angriffsknopf hat. Und damit meine ich nicht: Ico sollte tonnenweise Combos und dutzende Waffen haben. Damit meine ich: Warum überhaupt Kämpfe? Der Kern von Ico sind die Kletter- und Sprungsequenzen. Hier sind Ico und das Yorda, da drüben ist der Ausgang, dazwischen liegt ein Raum den ich irgendwie überwinden muss. Schlicht, aber effektiv.

Der eigentliche Gegner sind nicht die Schattengeister, der eigentliche Gegner ist das Schloß. Und diese Umgebungspuzzle fand ich so packend, dass ich Ico in zweieinhalb Tagen durchgespielt habe: Weil ich immer dachte. Okay, nur noch schnell einen Raum durchqueren. Schnell noch bis zum nächsten Save Point. Okay, nur kurz gucken was im wohl im nächsten Raum zu tun habe. Der bekannte Civilization-Effekt. Vielleicht sind die Kämpfe enthalten, weil das Spiel sonst viel zu kurz geworden wäre. Unnötig finde ich sie trotzdem.

Dazu kommt, dass Ico eigentlich unglaublich linear ist. Und die Steuerung manchmal nicht so präzise reagiert wie ich mir das wünsche. Und gelegentlich ist die Kamera einfach nur dumm postiert und ich kann sie nicht manuell nachjustieren. Wenn ich eine Distanz abschätzen will, die Kamera dabei aber hinter und nicht neben mir postiert ist, dann ist das nervig. Nervig ist es auch wenn ich präzise springen muss, die Kamera aber in einem fiesen Winkel steht, bei dem ich die Tiefe nicht richtig abschätzen kann und dann eiskalt an der Kette vorbei ins Verderben stürze… nur um anschließend eine langatmige Hüpf-und-Klettersequenz zu wiederholen um erneut daneben zu springen. Außerdem: Woher soll ich wissen, dass ich an Ketten schwingen kann? Und warum hat das Spiel am Ende für mehr als eine Stunde keinen einzigen Savepoint mehr?

Aber, wie erwähnt, darüber kann ich im Falle von Ico hinwegsehen, einfach weil das Ding Spaß macht und dabei stimmige Welt kreiiert, in der ich mich am Ende mit Ico und Yorda irgendwie verbunden fühlte.

Growing old is mandatory, growing up is optional

Um eines nochmal klar zu stellen: Ich respektiere und akzeptiere die Wahl der Designer God of War als moralisch fragwürdiges (aber verdammt gut spielbares) Gemetzel mit einem unsympathischen Helden zu programmieren und damit Teenager und im Herzen Teenager gebliebene Spieler anzusprechen, für die es in erster Linie entscheidend ist, dass das Spiel Titten und coole Szenen bietet (Wirbelsäulenrausriß, Hitler platzen lassen, Mensch opfern, whateva). Ich genieße ich sowas Stupides ja auch selbst ganz gerne.

Es ist nur halt so, dass God of War dabei auch ein Symbol für vieles ist, das mit der Spieleindustrie immer noch falsch läuft. Das Problem ist nicht, dass es Spiele gibt, die sich so pubertär geben. Es ist sogar gut, dass es solche Spiele gibt. Das Problem ist, dass sie als richtungsweisend angesehen werden oder dass sie als Herz der Branche gelten. Dass sie den Großteil der Ladenfläche beanspruchen.

Es ist schade, dass irgendwo der Irrglaube entstanden ist, dass ein gutes Spiel Gewalt und Sex braucht… und zwar als reinen Selbstzweck, nicht in irgendeiner wirklich bedeutsamen Form… um sich zu verkaufen. Das sowas wie Ico oder Wind Waker Videospiele schlecht repräsentieren würde, weil es zu kindisch wirkt.

Vielleicht ist das einer dieser seltsamen Kreise mit den Teufeln drin: Die Zielgruppe verlangt Sex und Gewalt und Spiele mit Sex und Gewalt locken mehr Mitglieder der Zielgruppe an, während andere Spiele – sofern sie nicht den Sprung in die Mainstreampresse schaffen (wie Die Sims, Nintendogs oder derzeit Second Life) auf dem derzeitigen Markt untergehen: Weshalb man lieber weiterhin den bestehenden Markt bedient, anstatt mühsam (und verlustreich… das ist die wirkliche Crux) einen neuen Markt zu schaffen.

In letzter Instanz wünschte ich mir einfach, dass die Balance zwischen Spielen wie God of War und Ico besser wäre, das der Markt in seiner Gesamtheit nicht so stark zu Spielen wie ersterem neigen würde. Wohlgemerkt: Es soll weiterhin viele Spiele geben, die mir sowas wie GoW bieten. Denn gelegentlich sehne ich mich nach einer Runde hirnlosen virtuellen Metzelns (wenn das der Beckstein liest)… diese Spiele sollten aber nicht die gefühlte Mehrheit des Markts darstellen.

Denn wenn ich gefragt würde, warum mir Videospiele so viel bedeuten, dann würde ich gerne auf mehr Spiele wie Ico verweisen können. Nicht wegen dieser ganzen “das ist Kunst”-Kiste, die auch in Verbindung mit dem Spiel immer hoch kommt (und die mir auch derbe auf die Eier geht), sondern einfach weil es ein wirklich, wirklich schönes, entspannendes Spiel ist, das eine Zielgruppe anspricht die über das Marktsegment “männliche Heranwachsende” hinausgeht.

Weil Ico ein Herz hat und nicht nur die dicksten Eier auf der peloponnesischen Halbinsel. God of War hat mich gut unterhalten so lange ich es gespielt habe, ich wage nur zu bezweifeln, dass ich den Titel später mal als Referenz dafür heranziehen werde, wozu ein Spiel in der Lage ist. Dafür steckte mir zu wenig echte Emotion unter der sehr hübschen Oberfläche. Die Erfahrungen aus Ico dürften mir da schon länger im Gedächtnis bleiben.

Und wenn der Markt sich selbst einen Gefallen und den nächsten Schritt vorwärts tun möchte, dann sollte er mehr Erfahrungen aus Titeln wie Ico mitnehmen, als aus Titeln wie God of War. Bei mir als Spieler war das schließlich auch der Fall.

God of War: 3/5
Ico: 4/5

Nachwort: Wie Ranor in den Kommentaren anmerkt erschien Warrior Within vor GoW und hat damit natürlich Recht. Das passiert wenn man inzwischen überarbeiteten Wiki-Artikeln glaubt und nicht noch einmal bei Moby-Games nachguckt. I suck. Ich ziehe damit meine Kritik, dass WW geklaut habe zurück… die Kritik, dass das Spiel nichts taugt bleibt allerdings bestehen.

Want a second opinion?

*Aulbath hat ähnliche Probleme mit GoW.
*JSR hingegen findet’s richtig knorke.
*SpielerEins schwankt bei God of War.
*Gamequickie jedoch nicht.
*SpielerZwei ist auch von GoW begeistert.
*Ico findet er dafür so toll nicht.

Das meint das Volk: Die RAF-Debatte

Tuesday, February 13th, 2007

Bläch. Ich sagte zwar schon wiederholt, dass ich mich die ganze Debatte rund um die mögliche Entlassung von Mohnhaupt und Klar tierisch nervt, weil ich das Gefühl habe, dass hier erneut Frontstellungen besetzt werden, die seit Jahren nicht mehr der politischen Realität entsprechen, aber auf mich hört ja keiner. Mal abgesehen davon: Als Thema kann man sich da natürlich auch um einiges schöner aufregen als über neumodische Belanglosigkeiten wie etwa vom Innenministerium geplante Internetschnüffeleien oder schlecht durchdachte Killerspielverbote. Fine, be that way.

Dann stürze ich mich halt in die Vorzüge dieser Debatte: Wir haben eine Meinungsfreiheit und ich kann – einmal mehr – lernen wie die Profis im Internet (hier die Kommentatoren bei FAZ, Süddeutsche, SpOn, ZEIT und Tagesspiegel) so argumentieren. Warum bringen alle großen Zeitschriften eigentlich eine Meinungsschau der Politiker? War doch klar was dabei rauskommt. (CSU: “Aufhängen das Pack! An den Hammelbeinen!” versus PDS: “Restliche RAF-Terroristen sofort freilassen und Auflösung des römisch-imperialistischen Staatsapparats innerhalb von zwei Tagen.”)

Viel spannender wäre es doch gewesen, hätte man den einfachen Mann von der Straße gefragt, wie er die Kiste sieht. Oder besser noch: Prominente. Läuft doch gerade wieder ‘ne Staffel DSDS und ‘ne Staffel Big Brother. Alexander Klaws durfte damals bei Punkt12 doch auch den beginnenden Irakkrieg kommentieren. Langweiler.

Gut, müssen wir halt hier im Agitpop Forschungszentrum für Volkswillen und wütende Mobs mal wieder schauen, wie das Volk (wie in “Wir sind das…”) die Sache bewertet und dabei eine professionelle Diskussionskultur an den Tag legt, die Nikita Chruschtschow die Schuhe ausziehen würde. (Willkommen in der Wortspielhölle.) Bereit zu lernen, wie die Profis debattieren? Dann los. Hier sind unsere Tipps zum erstellen eines intelligenten Kommentars:


I.) Vermeiden Sie zu viele schlechte Wortspiele, die helfen Ihrer Argumentation nur sehr selten:

Wer sich mit der Droge des Alles-besser-wissenden zudröhnt – so, als hätte er (bzw. sie) zu viel von der Pflanze des MOHN genascht, der sollte sein HAUPT nicht in die Höhe recken und ausrufen: Wir, die Rote Armee-Fraktion, haben gesellschaftspolitisch als einzige den Durchblick. Wir blicken durch. Wir sehen KLAR!

(Hervorhebungen im Original.) Ob sie nun BÄCKER oder MAHLER sein mögen, bei diesen Wortspielen verlieren Sie schnell den Überblick und machen dann den BOOCK zum Gärtner. HOPPE, HOPPE, Reiter und schon haben Sie das eigentliche Problem KLEIN geredet, weil man Sie für einen PROLL hält. Ein SCHELM wer Böses dabei denkt. MEINHOF, dein Hof, das ist letztlich egal, wenn sie wegen einiger schlechter Wortspiele BAADERn gegangen sind. SCHILLER, SCHUBERT oder WAGNER hätten nie so flapsig ein so ernstes Thema diskutiert. Ihr Gefühl mag Ihnen mit RASPElnder Stimme sagen: “SÖHNLEIN, das war brilliant.” MEINS hingegen sagt mir: “Nee, war es nicht.”

Außer natürlich Sie sind Olli Dittrich oder Bully mit seiner Tapete, dann ist diese Form der Diskussion komplett in Ordnung.


II.) Vermeiden Sie auch ungewollte Wortspiele:

“Und gerade darin erweist sich die Stärke des Rechtsstaates: Vor ihm sind alle gleich, auch schwere Straftäter.”

genau. und deshalb haben diese beiden fast mehr jahre abgerissen als die ganze NS-führungsriege insgesamt.

auch ohne das unnötig hochzuhängen – fragen sie z.b. mal einen x-beliebigen eierdieb, der ein jahr erzwingungshaft wegen nicht bezahlter strafzettel genießen darf, wie er das urteil gegen peter hartz beurteilt.

(Hervorhebung von uns.) Wissen Sie, wer auch nicht unnötig hoch gehängt wurde? Frank, Frick, Bormann, Göring, Jodl, Kaltenbrunner, Keitel, Ribbentrop, Rosenberg, Streicher, Eichmann und Sauckel. Bei denen wurde der Galgen nämlich in normaler Höhe aufgebaut. Was – nebenbei bemerkt – so einer der Gründe ist, warum die NS-Führungsriege meist nicht soooo lange einsaß. Weil sie ziemlich schnell baumelte.

Falls Sie übrigens wirklich aufrechnen möchten, passen Sie auf das Ihre Zahlen stimmen: Hess alleine war 46 Jahre lang inhaftiert. Wenn man dann noch Dönitz, Funk, Neurath, von Papen, Raeder, Schirach und Speer draufrechnet, dann ist man schon bei 131 Jahren Haft. Da muss man dann gut runden, um festzustellen, dass das ja fast noch weniger war, als die Haftstrafen für Klar und Mohnhaupt.


III.) Verwenden Sie die Klassiker der Argumentationskunst, die schon die alten Griechen kannten. Wenn’s dir hier nicht passt, dann geh doch in den Osten:

Wenn Frau Monhaupt und Herr Klar ihre Ideologien ernst nähmen, würden sie sofort nach ihrer Haftentlassung einen Asylantrag in Nordkorea stellen. Da gibt es ein System, das sie immer wollten.


IV.) Hatten wir zwar auch unter Punkt II schon, aber keine Debatte verdient diesen Namen bevor nicht die Nazis erwähnt wurden. Welche Nazis ist egal:

Hätten die Bemerkungen des Artikels alle auch für Heydrich, Mengele, Rascher, Eichmann,….Gültigkeit gehabt haben sollen? Oder hätte man für jene Sicherungsverwahrung parat gehabt?

Hier erhalten Sie diskutorische Bonuspunkte, wenn keiner Ihrer Kontrahenten bemerkt, dass von den aufgelisteten Nazis nicht einer zur einer Debatte über Haftstrafen taugt, weil zwei davon während des Kriegs von den Nazis selbst ermordet wurden, einer nach dem Krieg durch die Israelis zum Tod durch den Strang verurteilt wurde und der letzte nie im Gefängnis saß, sondern einen ausgedehnten Badeurlaub in Südamerika genoss, bei dem er dann absoff. Aber, hey, Hauptsache Sie haben die Nazis erwähnt.


V.) Zudem, seit dem 11. September verdient keine Debatte diesen Namen wenn nicht Mohammed Atta und seine lustigen Spießgesellen erwähnt werden:

Ich habe das letzte bisschen Respekt fuer das deutsche Justizsystem verloren. Kein Wunder, dass die Terrorzellen des 11. September in Deutschland stationiert waren. Waere da etwas schief gelaufen, haetten die vielleicht maximal ein Wochenende im Knast verbracht, und waeren dann mit Psychiater und Psychologen bis ans Ende aller Tage gepflegt worden. Mit diesem Urteil stellt Deutschland allen Terroristen der Welt eine Einladung mit Goldrand aus. Es macht mich krank…

Denn neben Ihrer unheimlichen Fähigkeit hohe Gebäude mit Flugzeugen zu treffen, waren die Islamisten der Hamburger Terrorzelle auch allesamt hellsichtig und wussten natürlich, dass nur fünfeinhalb Jahre später die olle Mohnhaupt auf Bewährung entlassen würde. Wenn das jetzt nicht geschehen wäre, der 11. September hätte nie stattgefunden. Denn Selbstmordattentäter denken zwei Mal drüber nach, ehe sie für mehr als 24 Jahre, vielleicht sogar für den Rest Ihres Lebens, ins Kittchen gehen. Toll gemacht, deutsche Justiz. Hoffe, du bist stolz auf dich.


VI.) Demonstrieren sie die Worthülsigkeit bestimmter Worthülsen indem sie diese im falschen Kontext verwenden. Gutmenschen sind natürlich traditionell Law-&-Order-Politiker und Konservative:

Zusammenfassend möchte ich sagen, wie abstoßend ich diese Gutmenschen am heimischen Herd finde die wider jeden Realismus denken sich als Opferanwalt aufspielen zu müssen, nur um was rauszublöken? Genau: “Vergeltung für die Opfer”, “Schlag ins Gesicht der Opfer”, “Die Verbrecher sollen eingesperrt bleiben, sonst kosten die uns nur Geld”, “Die Strafe ist ja viel zu mild, jetzt setzen die sich noch gemütlich in ne Talkshow und vermarkten sich”.

Ebenda (zudem wird gleich noch Herz und Leib verwechselt):

…wahrlich erschreckend diese Hartleibigkeit in den Kommentaren, diese gerechten “Gutmenschen” und ihrer gnadenlosen Forderung nach Gnadenlosigkeit.


VII.) Lockern Sie die Debatte doch einfach mal ein wenig mit Poesie auf:

Dieses harte “Auge um Auge” fürchte ich persönlich mehr als den Terrorismus, denn eure sprengsätze liegen im Herzen…

Denn eure Sprengsätze liegen im Herzen. Ach, schee. Ich hatte im ersten Moment geglaubt, das wäre aus der aktuellen Single von Jan Delay, aber der sang vom “Feuer im Herzen”, nicht von Sprengsätzen. Trotzdem sollten Sie aufpassen. Nur ‘ne Frage der Zeit, bis das der Delay oder Xavier Naidoo Ihnen dieses Zitat stehlen wird.


VIII.) Ein weiterer Klassiker der Diskussion (auch gerne benutzt um Filmkritiker ruhig zu stellen). Denken Sie daran, mitdiskutieren darf nur wer sowas selbst schon mal erlebt hat:

lieber grisumail, ist es nicht reichlich vermessen, zu unterstellen, jemand, ganz egal wer, warum und wie lange, sässe seine strafe “ruhig ab”. wissen sie denn überhaupt, was gefangenschaft bedeutet? wenn nicht, dann schenken sie sich bitte inkompetente kommentare.

Aber vorsicht, eventuell wird nachgefragt ob Sie selbst denn schon mal 24 Jahre im Knast gesessen hätten, dass Sie anderen hier den Mund verbieten wollen. Bejahen Sie diese Frage, legen Sie noch drei Jahre drauf und behaupten Sie dann einfach, Sie wären Nelson Mandela. Das hier ist das Internet, das merkt schon keiner. (Außer Ihr Diskussionspartner ist Nelson Mandela. Behaupten Sie in dem Fall, Sie wären Willem de Klerk und hätten sich einen Scherz erlaubt.)


IX.) Zeigen Sie mal so richtig, was Sie von John Stuart Mill und seiner Hippie-Idee der “Tyrannei der Mehrheit” halten. Erinnern Sie außerdem immer daran: Minderheiten (Terroristen, Homosexuelle, Frauen) sind nicht “das eigentliche Volk”:

Es ist schon sehr verwunderlich, Deutschland verkommt immer mehr zu einer Bananenrepublik, in der Minderheiten mehr zu sagen haben und mehr unterstuetzt werden als das eigentliche Volk. Gute Nacht Deutschland!


X.) Ach, erwähnten wir die Nazis schon?

Ohne das eine mit dem anderen vergleichen zu wollen, aber wie viele Nazi-Verbrecher haben viel kürzer oder überhaupt nicht für ihre Verbrechen sitzen müssen?

Bonuslob für logische Stringenz: Stellen Sie Vergleiche an, erklären Sie aber, dass Sie hier nicht vergleichen wollen. Zünden Sie kurz danach mehrere Häuser an. Das geht in Ordnung solange sie erklären, dass Sie kein Feuer legen wollen.


XI.) Tragen Sie nicht zu dick auf und legen Sie das Riechsalz mal zur Seite:

Ein Hauch von Balsam und Trost schwebt über dem Entlassungsbescheid: Lösen wir doch heute in der internationalen Politik mehr Probleme denn je mit purer Gewalt und lassen im Inneren den Staatsterror den Tenor angeben. Was wir mit der Freilassung bezeugen: ist ein Zugewinn an Zivilisation, eine Absage an Hass und Vergeltung, die Aufwertung von Strafe als Busscharakter. Ein Lob dieser Richterentscheidung, in der sowohl salominische Klugheit wie auch Zivilcourage und soziales Denken mit einfliesst. Hoffen wir, dass die Dame nicht vom Kommerz und Sensationsjournalismus überhäuft und ausgeschlachtet wird.


XII.) Wie es in letzter Zeit Tradition geworden ist: Lassen Sie sich die Diskussionskarte Ihrer Mitdiskutanten zeigen. Wer nie die Gefängnisse in Kuba kritisiert hat, der darf auch nichts zu Guantanamo sagen. Keine Meinung zu Saddams Exekution ohne vorherige Verurteilung der Exekutionen in China und im Iran. Und kein Wort zu Mohnhaupt, wenn man nicht auch für Hess war. Oh, außerdem: Nazis.

die strafen wurden so angesetzt, dass eine entlassung auf bewaehrung nicht moeglich sein sollte. alles andere ist doch dumme gefuehlsduselei. wo waren denn diese humanisten z.b. bei rudolf hess, von dem doch sicher auch nach 50 jahren haft “keine gefahr” mehr ausging?


XIII.) Halten Sie fest wann die Grenzen der Pressefreiheit überschritten wurde:

Wer denkt sich nur diese ach-so-verstaendnisvollen Artikel der Fuersprache aus? Die Pressefreiheit in allen Ehren, aber es kommt der Punkt wo man sich nur angewidert abwenden kann…


XIV.) Beweisen Sie Ihre Sachkenntnis:

In dem Moment wo Horst Köhler der Begnadigung von Brigitte Mohnhaupt zustimmt hat er sich selbt bis in alle Ewigkeit disqualifiziert. Er kann ja mal nach Hamburg fahren und Loki und Helmut Schmidt seine Entscheidung erklären.

Sie haben damit natürlich Recht. Hat der Präsi doch nur mit der Begnadigung von Klar zu tun, während die Bewährung von Mohnhaupt eine Gerichtssache ist. Wenn Hotte K. also die Mohnhaupt begnadigen würde, dann hätte er da echt im Job geschlafen und dann soll er mal nach Hamburg fahren und Helmut Schmidt seine Entscheidung erklären. Wir hier bei Agitpop stimmen übrigens zu: Helmut Schmidt sollte die Instanz sein, der gegenüber jeder deutsche Politiker immer Rechenschaft abzulegen hat. Aber das ist ein anderes Thema.


XV.) Denken Sie dran: Einen Nazivergleich kann man immer noch weiter auf die Spitze treiben:

Wieso erscheinen keine Artikel, hat es den Leuten die Sprache verschlagen? Ich habe auf jeden Fall vor etwa zwei Stunden einen Artikel geschrieben. Der erscheint aber nicht. Es ging darum, dass
der Terrorist Adolf Hitler auch einmal vorzeitg freigekommen ist, aus der Festungshaft in Landsberg. Längere Haft hätte möglicherweise die Weltgeschichte geändert.

Angeblich hat Frau Mohnhaupt schon angekündigt, dass Sie nach Ihrer Haftentlassung Autobahnen bauen möchte. Frankreich, Polen? Ist bald wieder so weit…


XVI.) Bei der ganzen Debatte um Opfer und Täter sollte man übrigens eines nicht vergessen. Sie haben auch gelitten, verflixt noch mal:

Ich selbst habe noch ein Kindheitstrauma erlitten, als meine Familie und ich, 1973 beim Grenzübertritt in die Schweiz von Polizisten (oder Grenzschützern) mit Maschinenpistolen im Anschlag kontrolliert wurden.


XVII.) Denken Sie daran wer die wirklichen Verbrecher sind:

Ich bin dafür das

a) lebenslänglich auch lebenslänglich heißt.
b) die Haft und die Haftbedingungen verschärft werden.

Aber die 86er [sic!] werden das aufgeweichte Rechts- und UNRECHTSverständnis auf dieser “Entwicklungsstufe” belassen.

Und jetzt ohne Zahlendreher, dafür mit eingesprungenem Nazivergleich:

Deutschland ein Rechtsstaat? Nicht solange dies 68er Terroristen-Sympathisanten in Amt in Wuerden sind. Das Problem sind doch die 68er, die durch die Instanzen gegangen sind und jetzt im Grunde genauso radikal sind wie ihre Vaeter nur unter einem neuen Vorzeichen.

Geht zwar auch ohne Nazivergleich, ist aber gleich viel schwächer:

Die 68er Versagergeneration die noch nie “gut” von “böse” unterscheiden konnte feiert den pervertierten Rechtsstaat und versöhnt sich mit sich selbst.


XVIII.) Stellen Sie die wirklich relevanten Fragen:

Die Freiheit in allen Ehren – aber wie werden sie in der neu gewonnenen Freiheit überleben?
Anders gefragt: was ist schlimmer? 30 Jahre Knast, oder selbstständiges Überleben in der Konsumwelt, Arbeitslosigkeit & allgemeinen Stimmung in Dland?

Kann man das der Mohnhaupt überhaupt zumuten? Wird die Frau im Media Markt einen Kulturschock erleiden? Sich im Saturn verlaufen und in einer einsamen Ecke der Kühlschrankabteilung erfrieren? Wird sie verhungern, weil sie die EC-Karte falschrum in den EC-Automaten schiebt? Und dann auch noch die allgemein miese Laune. Ist das nicht viel schlimmer als Gefängnis?


XIX.) Vielleicht fürchten Sie ja, dass man Sie nicht ernst nimmt. Verleihen Sie Ihrer Forderung nach Rechtsstaat darum Nachdruck. Indem Sie mit Gewalt drohen:

Von der Seite des Staates ist das keine “Gnade”, sondern ein Rabatt, der offenbar bei Mord immer schon eingerechnet ist. Vielleicht wird irgendwann wenigstens die Haftdauer an die deutlich gestiegene Lebenserwartung (bei ca. 100 Jahren für die aktuellen Geburtsjahrgänge) angepasst – sonst komme ich vielleicht auch noch auf die Idee, ein paar mir sehr unangenehme Unsympathen abzumurksen und dafür ein Viertel meiner Lebenszeit einzusetzen.

Eben: Wenn die Mohnhaupt rauskommt, was sollte Sie als braven Bürger denn noch davon abhalten auch mordend, plündernd und brandschatzend durchs Land zu ziehen? Immerhin, Moral oder Anstand kann niemand von Ihnen erwarten. Nur die Angst vor einer harten Strafen hält sie davon ab, eigenhändig einen Völkermord zu starten. Denn: Sie sind eine feige Pussy. Verleihen Sie Ihrem Argument Nachdruck indem sie es beenden mit den Worten: “Ihr Schweine! Ich krieg’ euch! Ich krieg euch alle! Muhahahahaha!”

Und: Im Herbst des Lebens ist es doch eh am Schönsten:

Ich finde es erschreckend, dass jeder Bürger dieses Landes mit der Gewissheit, in 25 Jahren wieder frei zu sein, so viele Menschen töten kann wie ihm gefällt. In meinem Fall wäre ich mit 51 frei, hätte also noch wunderbare 40 Jahre vor mir!

Denken Sie auch daran: Sozialneid kommt immer gut.

So wird der Staat mithilfe der Medien Frau Mohnhaupt im Endeffekt mehr als resozialisieren – sie wird fuerstlich belohnt. Schade, dass es reicht, ein mehrfacher Moerder zu sein, um sich um Rente keine Sorgen mehr machen zu muessen.


XX.) Falls man Sie fragt wo das Problem mit der RAF lag, überlegen Sie nicht lange. Verweisen Sie darauf, dass die Arschlöcher nunmal Spießer waren:

Das Elende an der Schleyerentfuehrung ist doch gewesen damals, dass diese RAF Idioten anstatt zB. dass Thema der Zwangsarbeiterschaft bei Daimler Benz waehrend des Krieges zu thematisieren, sich lieber mit sich selber beschaeftigt haben. (=Freilassung der Gefangenen…eine spiessigere Forderung kann ich mir gar nicht denken!)


XXI.) Bringen Sie einen der wichtigsten Faktoren bei diesen Entscheidungen ins Spiel: Was denkt man eigentlich in Elbonia über uns Deutsche. Denn das ist der einzige Maßstab, der an den rechtsstaatliche Entscheidungen angelegt werden sollte: Osteuropäische Sprichworte.

Deutschland ist ein Land von ewig unzufriedenen Nörglern, Jammerlappen und Weicheiern. Das sagen z. B. osteuropätische Freunde mir: “Die Deutschen sind wie Ei oder Tomate, schnell kaputt.”

In dieses Bild passt die Weinerlichkeit im Umgang mit der RAF. Man hat Mitleid mit den Häftlingen, findet es unzumutbar, dass die Leute ihre volle Strafe absitzen. Viele glauben, dass die RAF-Insassen gebrochene Menschen sind, die einem Leid tun können, denen Menschlichkeit zusteht.


XXII.) Werden Sie ruhig mal historisch und erinnern Sie daran, mit wem das Konzept Gnade immer verbunden wird: Tyrannen, Despoten, Diktatoren.

Gnade? Ein Konzept aus Zeiten des Unrechts und der Willkür eines Staates, besser gesagt eines despotisch Regierenden.

Erinnern Sie dann daran, dass die Nazis Mohnhaupt auch auf Bewährung entlassen hätten:

Die Rechtssprechung der BRD ist vom Volk genauso weit entfernt wie die des Dritten Reiches!!!

Aber, seien Sie nicht nur destruktiv. Bieten Sie sachlich, nüchtern und wertneutral sinnvolle Alternativen zur derzeitigen Rechtssprechung an. Fühlen Sie sich außerdem persönlich von diesem Urteil beleidigt und verhöhnt:

Ich wäre dafür, die Floskel “Im Namen des Volkes” jetzt doch endlich einmal abzuschaffen! !!Passender wäre z.B. “Im Namen des Grundgesetzes” oder “Im Namen des deutschen Jursitenverbandes”. Ginge es nämlich auch nur ansatzweise nach dem Rechtsempfinden des deutschen Volkes, so würden solche Leute nie wieder die Freiheit erlangen. [...] Aber wir vom Volk sind da ja zu blöd dafür, das können wir ja gar nicht beurteilen. Für ein ausgewogenes Gerechtigkeitsempfinden muß man schon Jura studiert haben. Wir sind ja nur der Mob der Straße, der stinkende Abschaum dieser Welt.


XXIII.) Als letzter Tipp: Versuchen Sie’s nicht mit Ironie. Versteht eh keiner:

Wenn sie jetzt nicht gleich nach ihrer Entlassung losgeht und den Chef des BDI entführt oder wahlweise auch den Chef des Arbeitgeberverbandes, dann hat sie das Volk aber schwer enttäuscht.

Stattdessen sollten Sie es eher dem einzig wahren Klassiker der Diskussionskunst schließen. Keine Angst, im Internet sieht keiner wie sie sich beim Tippen vor Lachen auf dem Boden wälzen:

Wenn das so weiter geht, werden demnächst Schwarzfahrer und Falschparker schwerer bestraft, als Massenmörder oder Staatsfeinde!

Glauben Sie uns. Die Aussage ist nicht mehr zu toppen.


Unterkategorie: Nutzen Sie Thema A um sich über Thema B aufzuregen

Jetzt denken Sie vielleicht: Ach, diese RAF-Kiste interessiert mich gar nicht, ich kenn’ mich da nicht aus, ich kann da nicht mitreden. Falsch! Denn die Debatte um Mohnhaupt/Klar ist eigentlich gar nicht so sehr eine Debatte an sich, als eher ein Grund um gemütlich zusammenzukommen und über irgendwas zu reden. Und irgendwas ärgert Sie doch sicher auch gerade. Vielleicht spielt ihr Bundesligaclub derzeit scheiße. Oder Ihre Frau betrügt Sie. Vielleicht wirft auch Ihr Nachbar immer seinen Müll in Ihren Garten? Na, also. Das sind doch Themen, die sie perfekt in die aktuelle RAF-Debatte einfließen lassen können:

I.) Anti-Amerikanismus kommt immer gut:

Was wollen Sie? Das US-amerikanische System, bei dem es einem schwer fällt, noch von einem Rechtssystem zu sprechen .- ein System, in dem schon hunderte von Unschuldigen vom von der Rache-Justiz ermordet wurden und weiter werden?

Oder auch:

Der Sozialstaat ist bankrott, das Klima kolabiert und an den Grenzen unseres Wirtschaftraumes haben sich weitaus extremere Terrorzellen als die der RAF gebildet.

Sind das nicht die Folgen des gedanken- und hemmungslosen Konsumismus vor dem die RAF gewarnt hat?

Sind das nicht Konsequenzen des Imperialismus mit dem die USA und europaeische Staaten ihre sogn. realpolitischen Interessen verfolgen?


II.) Alte Kamellen schmecken aufgewärmt am Besten:

wissen Sie eigentlich, was wirklich Bitterkeit, um nicht zu sagen übelkeit verursacht? Dass der Mörder des Studenten Benno Ohnesorg seinerzeit straffrei ausgegangen war… ein Polizist, im übrigen.


III.) Wirtschaftsverbrecher. Da kann man sich auch immer drauf einigen:

da werden in deutschland ganz andere verbrecher vorzeitig entlassen und da regt sich kein mensch auf, oder grossmanager können sich freikaufen mit millionen.

IV.) Auch wenn es Ihnen in den Fingern juckt. Vermeiden Sie Themen, die zu abgehoben und in der Gesellschaft unbekannt sind:

und an alle aus den reihen von problembär stoiber: wo ist die entschuldigung der csu (und vor allem der fam. strauß) für die jahrelange finanzielle unterstützung der sog. colonia dignidat an den gefolderten, ermordeteten und vergewaltigten frauen, männern und kindern ?

V.) Stürzen Sie sich stattdessen auf ein Thema, auf das sich alle wirklich alle einigen können: Sex! Das ist doch hier das eigentliche Thema!

Mörder, Kinderschänder und Vergewaltiger werden belohnt für ihre Taten und der brave Bürger und vor allem die Opfer und Angehörigen sind wieder die Dummen.
Bravo Deutsches Rechtssystem!

Und:

Von wem geht eigentlich mehr Gefahr aus? Von Illusionisten, die dem Staat und auch dem Bürger schaden zugefügt haben oder von Sexualstraftätern, die per Gutachten als geheilt oder nicht Gefährlich eingestuft werden? Die Opfer bzw. Überlebenden haben es in beiden Situationen schwer aber bei der RAF glaube ich eher an eine Gefahrlosigkeit als an ein Gutachten von selbsternannten Psychologen im Bereich von Sexualtätern

Auch:

mir sind auf jeden fall mohnhaupt und klar in freiheit lieber, als noch mehr angeblich “geheilte” vergewaltiger und kinderschänder die dann mit staatlicher unterstützung zu zweit, dritt- und fünfttätern werden.

Oder zitieren Sie einfach Helen Lovejoy: “Denkt doch an die Kinder!!! Würde nur einmal jemand an die Kinder denken!

Anstatt froh darüber zu sein, dass der RAF-Terrorismus ein Ende gefunden hat, führen hier einige offensichtlich ihre ideologischen Kriege weiter.
Und das auch noch, während jede Menge Mehrfachvergewaltiger und Kinderschänder Dank ungeschlossener Gesetzeslücken durch Brigitte Zypries oder wen auch immer frei herumlaufen können.

Der Rachegedanke scheint wichtiger zu sein als das Wohl unserer Kinder.

Na also: Endlich sacht ma’ einer wie’s is’!

Und das können Sie jetzt auch, benutzen Sie einfach ein paar der hier empfohlenen Tipps und dann gehen Sie raus und rocken Sie die Diskussion. Sie können das. Wenn sich noch unsicher sind, versuchen Sie’s doch einfach mal hier in den Kommentaren. Einen Nichtpreis für den Leser, der die meisten Tipps in einem Kommentar zum Thema (oder auch nicht zum Thema, siehe die Untergruppe) anwenden kann. Viel Spaß bei der Diskussion.

60 Second Review: Rocky Balboa

Sunday, February 11th, 2007

Beste Trainingsmontage und beste Kampfszenen seit dem Original. Der Rest? Sympathisch, emotional und nostalgisch, aber eben auch arg altmodisch, altbacken, altbekannt, selbstbezogen und stellenweise langweilig. Trotzdem, der vielleicht beste Rocky-Film seit dem ersten Teil. Nett, aber nicht mehr.

2/5

Der Pate: Das Spiel – An Offer to Refuse

Friday, February 9th, 2007

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Zu den ersten beiden Teilen von Der Pate muss man nicht mehr viel sagen: Fast jeder Filmfreund wird unterschreiben, dass Francis Ford Coppola mit diesen beiden Streifen zwei der besten Filme aller Zeiten hingelegt und das Mafiagenre auf ewig geprägt hat. Sicher, Filme wie Little Caesar oder Scarface (das Original von Howard Hawks, nicht das Remake mit Al Pacino) waren eher da und legten die Bretter, auf denen die Corleone-Saga spielte. Und, eben so sicher, Martin Scorsese fügte in seinen Mafiafilmen, besonders in GoodFellas, wichtige Facetten zum Gesamtbild hinzu. Aber es bleiben die ersten beiden Pate-Filme, die das Genre definiert haben. Die Prägekraft merkt man oft, wenn ein Film der Echtwelt etwas hinzufügen kann. Hier ist es das sprichwörtliche “Angebot, das man nicht ablehnen kann”.

Die Pate-Filme funktionieren, weil sie superb gefilmt sind und weil sie facettenreiche, spannende und sehr menschliche Charaktere bieten. Sie sind, wie alle guten Mafia-Filme, Tragödien. Nicht weil sie eine lehrreiche Botschaft vermitteln wollen (auch wenn Hawks Scarface damals in den USA auf Regierungsdruck hin so umgeschnitten wurde, dass er als “Verbrechen lohnt sich nicht”-Stück endete), sondern einfach weil das in der Natur der Sache liegt. Die Welt des Organisierten Verbrechens ist ein Ritt auf des Messers Schneide. Er kann nur eine bestimmte Zeit lang gut gehen. So wie der Held in den griechischen Sagen auch immer ein unschönes Ende nahm, wenn seine Zeit kam. Das sollte man sich merken, weil es später im Rezi zur Versoftung des ersten Pate-Films noch einmal an Relevanz gewinnt.

Womit wir beim Thema wären: Nicht den Filmen, beziehungsweise den Filmen als Hintergrundschauspiel, sondern dem Spiel Der Pate (in diesem Fall für die zweite Playstation). Trotz positiver Ausnahmen wie Chronicles of Riddick oder King Kong haben die Spieleversionen von Filmen immer noch, zu Recht, einen extrem schlechten Ruf.

Und es gibt Filme, die sollte man nicht versoften wenn man kein Konzept hat. Weil man nur scheitern kann. Denn ein Spiel das auf einem großen Film basiert, muss nicht nur gut sein im Vergleich zu anderen Spielen, es wird auch erwartet, dass es dem ursprünglichen Film gerecht wird. Ist das ungerecht? Vielleicht. Aber so ist das halt: Wenn man vom guten Namen des Originals profitieren will, dann muss das Original auch als Maßstab herhalten dürfen. Man frage mal Axl Rose, der kennt das Gefühl.

Sowas kann ganz gehörig ins Auge gehen. Eine Spiel zu Citizen Kane? Schwer vorstellbar. In Sachen Der Pate ist die Geschichte natürlich leichter in eine spielbare Version zu transportieren. Immerhin wird geballert. Woran sich schon vor fast 15 Jahren die Jungs von U.S. Gold versucht haben. Besagte Jungs von U.S. Gold waren primär dafür bekannt, dass sie beschissene Spiele zu guten Filmen machten. Die fürchterliche, kaum mit dem Film in Verbindung zu bringende, Shooter-Gallery namens The Godfather war da keine Ausnahme.

2006 versuchte sich dann Electronic Arts in Der Pate: Das Spiel an Coppolas Quellenmaterial (und ja, das basiert auf einem Roman von Mario Puzo, aber der war nie so bedeutend wie Coppolas Verfilmung). Und – um es vorweg zu nehmen – man scheiterte an mehreren Stellen. Electronic Arts hat eines in rauhen Mengen: Geld. Man hatte Geld um James Caan, Robert Duvall und sogar Marlon Brando ins Tonstudio holen zu können. (Wobei Brandos Zeilen offenbar so schlecht gelesen waren, dass man den Großteil seiner Sätze posthum von einem Stimmenimitator nochmal lesen ließ.) Aber etwas anderes hatte Electronic Arts nicht: Eine Vision.

Aber man braucht eine Vision, um sich an einen kulturell dermaßen relevanten Stoff wie Der Pate zu wagen. Man braucht eine Idee, die sagt: Wir wollen ähnlich aus der Spielelandschaft herausstechen, wie der Film aus der Filmlandschaft heraussticht. Wenn man an so ein Projekt mit der Einstellung geht “Wir wollen irgendwas solides machen, aber bloß keine großen Wellen schlagen”, dann hat man schon verloren.

Die Vision muss nicht mal spielerisch neu sein, es kann schon genügen wenn man eine gute Geschichte erzählt. Dafür sind Mafiastories ja hervorragend geeignet und dafür gibt Der Pate als vielschichtiges Familiendrama eigentlich einiges her. Aber in beiden Bereichen, dem spielerischen wie auch dem erzählerischen, bleibt Der Pate: Das Spiel belanglose Massenware. Was ungemein schade ist, weil das Quellenmaterial besseres verdient hätte. Was aber auch bedauerlich ist, da EA das Geld für die Lizenz auch in interessantere Projekte hätte stecken können.

Bitter im Mund ist folgender Geschmack: Nicht nur, dass Der Pate: Das Spiel keine sonderlich gute Umsetzung des Quellenmaterials ist. Es ist nicht einmal das beste Mafiaspiel auf dem Markt. Das bleibt auch weiterhin Mafia: The City of Lost Haven, das 2002 erschien… aber seinem vier Jahre jüngerem Verwandten in fast allen Belangen überlegen ist. Spannendere Story, bessere Präsentation, eine abwechslungsreichere Spielwelt, interessantere Missionen, mehr Autos. Und an der Stelle wird es eigentlich schon peinlich.

Der Pate: Das Spiel kann man eigentlich relativ leicht zusamenfassen. Five word review: “Grand Theft Auto – Little Italy”. Man kustomisiert seine Spielfigur und darf dann quer durch New York fahren, Geschäfte erpressen, Bandenkriege anzetteln und Passanten killen. Was nicht schlecht ist, aber für Der Pate bietet sich eine offene Spielwelt nur sehr bedingt an.

Vielleicht zunächst etwas Gutes: Die generelle Idee, wie man das Spiel mit dem Film verbindet, ist ziemlich gefällig. Man spielt einen namenlosen Fußsoldaten im Dienste der Familie Corleone. Einen Fußsoldaten, der bei allen relevanten Ereignissen aus dem Film anwesend war. Der Spieler beobachtet, wie Luca Brasi heimtückisch erdrosselt wird und erschießt dann Brasis Mörder. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie Jack Woltz neben dem abgetrennten Kopf seines Lieblingspferdes Khartoum (by the way: jetzt auch als Kissen erhältlich) aufwachte: Der Spieler hilft dabei den Kopf im Bett des Produzenten zu deponieren. Der Spieler deponiert auch jenen Revolver hinter einem Spülkasten, mit dem Michael Corleone dann Sollozzo und McClusky erschießt. Und anschließend darf man Michael zu dem Kahn fahren, der ihn ins sizilianische Exil transportiert.

Die Art wie die Schlüsselszenen so ins Spiel eingebunden werden, ohne dass der Spieler einen jener Charaktere steuern muss, deren Schicksal schon bekannt ist, gefällt mir. Auch kleinere Freiheiten kann ich da durchaus verknusern: Etwa dass man die Zeitlinie des Films ein wenig durcheinander würfelt. Oder dass Paulie Gatto (der Verräter) nicht von Rocco Lampone erschossen wird (die Szene nach der im Film der grandiose Satz fällt: “Leave the gun, take the cannoli.”), sondern der Spieler ihn erst ein wenig jagen muss. Das ist okay. Und eigentlich würde sich für Der Pate: Das Spiel so die Chance bieten, dem Spielercharakter – der ja nicht zur Führungselite gehört, sondern einer der Mafia-Arbeiter ist (ein Al Neri, ein Johnny Ola, ein Luca Brasi) – eine fesselnde, eigene Nebengeschichte zu verpassen.

Das versucht man auch, aber hier scheitert das Spiel kolossal auf ganzer Linie und wirkt unglaublich erbärmlich. Der Grund warum die “komplett freie Welt” nicht wirklich zu diesem Spiel und dieser Thematik passt, ist dass sie die verhindert, dass eine stringente Geschichte erzählt wird. Die storyrelevanten Missionen kann man in drei bis fünf Stunden durchgezockt haben, also muss man dazwischen strecken. Der Spieler erpresst dann Geschäftsleute oder übernimmt Warenhäuser der anderen Mafiafamilien und wenn ihm danach steht, setzt er die eigentliche Geschichte fort. Die darum irgendwie lieblos angeklatscht wirkt. Gelangweilt vom “free roaming”? Versuch doch mal das “eigentliche Spiel”.

Ein Musterbeispiel dafür: Das Spiel führt zwei neue Charaktere ein. Monk (nicht der aus dem Fernsehen) und seine Schwester Frankie. Frankie trifft der Spieler einmal während er den Agriff auf den hospitalisierten Don Corleone abwehrt. Dabei wird eine gewisse Chemie angedeutet, mehr aber auch nicht. Kann sein, dass man Frankie danach noch einmal über den Weg läuft, aber daran kann ich mir gerade nicht erinnern. Anyway, ein paar Missionen später bittet mich Tom Hagen nach Midtown, wo er mir erzählt, dass der Don mir und meiner Verlobten ein Apartment gekauft hat.

Meine Verlobte? Besagte Frankie. Oooo-kay. Wann ist das passiert? Wo ist das passiert? Und wieso weiß ich nicht, dass ich verlobt bin? Vor lauter “man kann ganz toll quer durch New York juckeln”, sollte man nicht vergessen eine Geschichte zu erzählen. Ein oder zwei Cutscenes oder ein oder zwei Missionen einzubauen, die diese Geschichte fortführen. Und sei es nur eine Mission, in der ich mit Frankie in eine Club fahre. So wirkt das vollkommen lieblos und willkürlich.

Besonders weil Frankie danach aus der Spielwelt verschwindet und erst zwei Missionen später wieder auftaucht, wenn sie entführt und dann getötet wird. Und – you know what – I didn’t care. Ich kannte die Frau ja kaum. Bloß weil das Spiel mir sagt “Da, du bist verlobt”, mir aber keinerlei Zeit zugesteht um mich dieser Figur emotional verbunden zu fühlen, springe ich garantiert nicht jetzt auf so ein billiges Maneuver an und empfinde irgendwas in dieser Situation. Was man vielleicht auch gar nicht von mir erwartet. Denn sofort nach ihrem Tod ist Frankie auch schon wieder vergessen und wird nur noch einmal in einem Nebensatz erwähnt. Es gibt nicht einmal eine Cutscene in der ich ihre Beerdigung besuche. Muss meiner Spielfigur ja derbe wichtig gewesen sein, die Alte. Fare thee well, sweet plot point, we hardly knew ye.

Selbst in der aus dem Film übernommenen Geschichte holpert und poltert das Spiel voran ohne einen echten Fluß zu entwickeln oder wirklich auf die Geschehnisse einzugehen. Da, das ist wie im Film! Du hast den Film doch gesehen, dann reagier jetzt emotional! Ganz im Ernst, im gesamten ersten Teil des Spiels treffe ich Michael Corleone in zwei Missionen und wechsle vielleicht zehn Worte mit ihm… und plötzlich erzählt mir Don Corleone, dass ich Michaels bester und engster Freund wäre?! Huh? Michael hatte eine sehr behütete Kindheit, oder? Oder er hat wirklich viele Freunde im Krieg in Europa verloren.

Und an anderer Stelle fällt aus Michael Corleones Mund plötzlich der Satz “Jetzt, da mein Vater tot ist,…” Aaaah, gut dass du das sagst. Mir – und ich bin inzwischen Capo für die Corleones – hat da nämlich bisher keiner was von gesagt. Wurde vielleicht als nicht so wichtig erachtet, dass der alte Don den Löffel abgegeben hat und jetzt sein Sohn endgültig die Geschäfte leitet. Und zwar ganz anders als bisher. Wäre es soviel verlangt gewesen, den Tod Vito “Apfelsinenscheibenmaul” Corleones in einer Cutscene zu erwähnen? In all diesen Momenten wurde mir klar, wie unglaublich gut Mafia seinen Job auf der erzählenden Ebene gemacht hat. Vor und nach jeder Mission gab es kleine Cutscenes, die die Story flüssig weiter entwickelten, die erklärten wie ein neuer Status Quo zustande kam (und nicht einfach sagten: “Wieso? Kann man sich doch im Film angucken.”) und die sich wirklich bemühten, die emotionalen Zusammenhänge zu erklären.

Es bedeutete mir am Ende von Mafia etwas, dass ich mich von Don Salieri übergangen fühlte. Es hatte emotionale Wucht als ich meinen besten Freund am Ende des Spiels erschoß und sein Blut auf jenes Geld tropfte, das unsere Freundschaft beendet hatte. Es war für mich bitter, dass meine Spielfigur sich dem FBI anvertraute und Don Salieri ins Gefängnis schickte. Der Mann war immerhin wie ein Vater zu mir gewesen.

Und die letzte Einstellung des Spiels ist ein moderner Klassiker: Die gealterte Spielfigur, jetzt im Zeugenschutzprogramm, sprengt den Rasen als ein Wagen heranfährt. “Mr. Tommy Angelo?”, wird aus dem Wagen heraus gefragt? “Yes”, antwortet die Spielfigur und wird dann von einer Ladung Schrot in den Bauch getroffen. “Don Salieri sends his regards”, sagt der Beifahrer und der Wagen rast davon, während die Spielfigur im Vorgarten verblutet.

Überraschend. Bewegend. Filmisch. Tragisch, wie sich das für eine gute Mafiageschichte gehört. Nichts davon bietet mir Der Pate: Das Spiel. Eine willkürliche, belanglose und langweilige Aneinanderreihung von Szenen, die entweder keinen emotionalen Wert haben oder nur deshalb emotionalen Wert besitzen, weil wir die betroffenen Figuren aus dem Film kennen. Das ist bei weitem nicht genug um als Erzählung zu funktionieren. Und da hakt erneut der “free roaming”-Part.

Ich kann durch die Stadt fahren, Tag wird (sehr abrupt) zur Nacht und vice versa, und alle sieben Tag/Nacht-Zyklen erhalte ich die eingetriebenen Schutzgelder. Nur: In diesen sieben Tag/Nacht-Zyklen spiele ich vier oder fünf storyrelevante Missionen und erfahre in denen, dass inzwischen vier oder fünf Jahre vergangen sind. Ach was… und wo sind dann meine Schutzgelder aus den übersprungenen 208 Wochen? Wieso altere ich nicht? Wieso sieht New York 1955 noch exakt so aus wie 1945? In Mafia veränderte sich das Aussehen des Spielers um seinen Aufstieg innerhalb der Familie und die vorrückende Zeit zu demonstrieren. Neue Autotypen tauchten in Lost Haven auf. In Der Pates New York passiert gar nichts. Auch diese krasse Dissonanz macht es schwer, sich in der Geschichte zu verlieren. Statt “whoa nelly” steckt man in einem konstanten Modus von “what the fuck”?

Und wenn das Spiel irgendwann die Hauptmissionen abgeschlossen hat – wobei die letzte Mission dem Ende des Films nachempfunden ist: Während Michael Corleone der Taufe seines Neffen beiwohnt, erledigt der Spieler die Dons der vier verbliebenen Mafiafamilien (im Film gibt es da diese wundervolle Parallelmontage, im Spiel darf ich kein Moe Green Special servieren) – dann bleibt nur noch der Free-Roaming-Teil. Und den finde ich einfach blödsinnig in einem Spiel, das auf der Pate-Lizenz aufbaut.

Zunächst die Gründe, die nicht an der Spieltechnik liegen: Es passt einfach nicht. Ich bin Mitglied der Corleones, sollte ich mich nicht so verhalten? Gut, akzeptieren wir, dass ich auf eigene Faust in ganzen Stadtvierteln Schutzgeld eintreibe. Aber daneben überfalle ich Banken, übernehme im Alleingang gegnerische Lagerhäuser und Anwesen und breche links und rechts Bandenkriege vom Zaun. Das ergibt keinen Sinn. Wenn ich zumindest, wie in Freedom Fighters, ein paar andere Corleones als Backup mitnehmen könnte. Aber das nur am Rande. Ich glaube nicht, dass ein Mitglied der Corleones – ein Fußsoldat – sonderlich alt würde, der im Alleingang Banken überfällt und Bandenkriege anzettelt. Immerhin basiert die Familie darauf, dass alle auf den Don hören. Auf Respekt, auf Ehre, auf einer pseudo-aristokratischen Struktur der Familie, in der niemand auf eigene Faust handelt. Selbst ein angesehener Fußsoldat wie Al Neri wäre mit sowas nicht davon gekommen. Ich darf das als kleiner, unbedeutender Scheißer aber machen wie ich lustig bin.

Und später, wenn ich Capo bin, würde ich dann immer noch im Alleingang irgendwelchen kleinen Bäckern ein paar hundert Dollar Schutzgeld abpressen? Dieser GTA-Approach passt nicht in die Welt der Corleones. Er passt auch nicht in die Theorie, das Mafiafilme meist Tragödien sind. Der Pate ist eine Tragödie. Michael Corleone will anfangs nichts mit dem Geschäft seiner Familie zu tun haben. Und trotzdem zwingt ihn das Schicksal dazu seinen Bruder Sonny zu rächen, das Erbe seines Vaters anzutreten (dabei brutaler und härter zu sein, als es sein Vater je war) und am Ende des Films zu akzeptieren, dass er der neue Pate ist. Eine Rolle, die ihn in Teil 2 und 3 seine Ehre, seine Freunde, seine Familie und seinen Selbstrespekt kosten wird.

Nichts davon kolportiert Der Pate: Das Spiel. Die Corleones bleiben ohne Tiefe und ohne echte Tragik. Und die eigene Spielfigur? Gut, man verliert seine Verlobte, aber das ist so lieblos dahingerotzt und wird so stiefmütterlich behandelt, dass es scheißegal ist. Ansonsten? Nix. Crime does pay. Wenn man immer brav Läden erpresst und seine Gegner erschießt, dann wird man irgendwann zum Don Corleone (huh?) und schließlich sogar zum Don von ganz New York.

Boah ey, Brain. Das ist auf so vielen Ebenen einfach nur falsch und dem Quellenmaterial gegenüber unsinnig. Selbst Vito Corleone, der eigentlich eine Einwandererfolgsgeschichte erzählen könnte (vom Straßenjungen zum mächtigen Mafiaboss), ist eine tragische Figur. Sein Leben als Don einer Mafiafamilie kostet ihn einen Sohn und sein anderer Sohn muss ins Exil gehen. Nichts davon haben die Programmierer gerafft, die für Der Pate: Das Spiel zuständig waren.

Aber auch spielerisch und technisch bleibt Der Pate weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ganz New York ist ein langweiliger, brauner, eintöniger Haufen mit extrem leeren Gebäuden und extrem identischen Texturen. Kennt man einen Straßenzug, man kennt sie alle. Gilt auch für die Gebäude. Jede einzelne der dutzenden Bäckereien sieht exakt aus wie jede andere Bäckerei. Das gleiche gilt für Warenhäuser, Mafianwesen, Friseursalons, Kneipen, et cetera. Es gibt so rund fünf Autos, die sich vom Fahrverhalten kaum unterscheiden (bis auf die Geschwindigkeit) und die so programmiert sind, dass sie nie umkippen oder sich überschlagen können. (Das sieht sehr affig aus, wenn ein Seitenfenster sich schon fast parallel zur Straße befindet, die Karre dann aber doch wieder in gesunde Mittellage kippt. Erinnerte mich an diese Funktion von KITT aus Knight Rider auf zwei Reifen zu fahren, wenn es irgendwo eng wurde.) Außerdem sind die Karren so gebaut, dass der Fahrer selbst einen Frontalzusammenprall mit 120 Sachen locker wegsteckt. Kein Vergleich zum Fahr- und Schadensmodell (und den 50 verschiedenen Autotypen) in Mafia.

Und Passanten (in ganz New York gibt es rund zehn verschiedene Gesichter und vier verschiedene Stimmen) darf man überfahren wie man lustig ist. Die sind zwar nicht so selbstmörderisch wie in Total Overdose aber man nimmt im Verlauf des Spiels trotzdem genug von ihnen auf der Motorhaube mit. Dann erscheint unten rechts ein kleines Polizeisymbol. Wie in GTA ist sowas ein Indikator, wie stark die Polizei hinter mir her ist. Anders als in GTA ist das allerdings eine Lüge. Ich kann dutzende Passanten im Kreuzfeuer verrecken lassen oder Prostituierte mit Molotowcocktails entflammen bis ich die Brennspiritusreserven New Yorks aufgebraucht habe… der Polizei ist das normalerweise scheißegal. Zwei oder drei Mal wurde ich für ein bis zwei Minuten von New York’s Finest gejagt, aber da hatte ich auch jeweils den Polizeizähler bis zum Maximum getrieben. Sonst ließen mich die Bullen eigentlich geflissentlich in Ruhe.

Das Kampfsystem ist ein Fall von: Gut gedacht. Gegenteil von “gut gemacht”. Mit einer Ausnahme: Das Feuergefechten macht Spaß. (Und ist wohl aus True Crime importiert.) Per Schultertaste visiert man mit Auto-Aim einen Gegner an und kann dann mit dem rechten Analogstick das Fadenkreuz nachjustieren, etwa versuchen exakt den Kopf ins Visier zu nehmen. In Verbindung mit der Möglichkeit sich hinter Ecken zu verschanzen und nur zum Zielen herauszukommen, macht das wirklich viel Freude.

Anders das Prügelsystem: Das will kreativ sein, was eigentlich eine toll wäre. Ich könnte den Gegner leicht punchen, ihm einen wuchtigen Schwinger verpassen, ich könnte ihn greifen und gegen die nächste Wand hämmern, seinen Kopf auf Grabsteine, Tische oder ähnliches donnern, ich könnte ihn in Öfen werfen oder aus Fenstern, ich könnte ihn zu Boden oder gleich vor das nächste Auto schleudern. Konjunktiv. Denn wenn ich mit mehr als einem Gegner zu tun habe, wird das zu hektisch. Dann kann ich gar nichts mehr koordieren. Also packe ich einen Gegner und prügle ihn ganz regulär tot. Oder ziehe nach halber Strecke den Joker und wende einen Fatality an (Genickbruch oder Schädel eintreten). Oder ich scheiße auf das Prügelsystem und verpasse den Mafiosi gleich eine lethale Bleivergiftung. (Das Schleudern ist zudem so präzise auszuführen, dass man den Gegner meist nicht zu Boden stößt, sondern ihn einfach loslässt, was dann zu mehreren Baseballschlägen in die eigene Fresse führt.)

Dieses Prügelsystem hat aber zumindest ein wenig Bedeutung, wenn man Schutzgelder erpresst. Zunächst sind die meisten Ladeninhaber vom Spieler nicht sonderlich beeindruckt. Darum gilt es sie zu überzeugen, dass die wöchentliche Zahlung nur zu ihrem eigenen Besten ist. Etwa indem man den Fleischer aus dem Fenster im ersten Stock hält. Oder mal mit dem Baseballschläger im Gemischtwarenladen Falling Down nachspielt. Und zwanzig Sekunden Kopf in den Ofen halten, machen auch so manchen Bäcker kooperativer. Dabei nutzt man ein System, das den Verhören in The Punisher ähnelt: Man muss eine bestimmte Menge Druck schaffen, damit der “Geschäftspartner” möglichst viel Kohle abdrückt. Geht man aber zu weit, verliert die andere Verhandlungsseite die Nerven und beginnt sich eigenhändig (und meist sehr kurz) mit den Corleones anzulegen.

Das ist ein paar Stunden lang ganz amüsant… dann wird es eintönig. Wie das ganze Spiel, das langsam aber sicher an einer großen, austauschbaren Welle an Gewalt zu Grunde geht. Rumlaufen. Läden erpressen. Gelegentlich ein Grundstück einer anderen Mafiafamilie übernehmen und dabei dutzende feindliche Mafiosi erschießen. Mehr Läden erpressen. Gähnen unterdrücken. Selbst die Storymissionen ähneln dem normalen Spielablauf. Die Locations an denen sie stattfinden sind so hässlich eintönig wie der Rest von New York (anders als Mafia, das mit einigen sehr memorablen Missionen aufwarten konnte… man denke nur an die Assasination eines Politikers auf einem Dampfschiff) und bieten kein neues oder abwechslungsreiches Spielgefühl. Durch die Stadt fahren. Auftrag abholen. Zum anderen Ende der Stadt fahren. Gewalttätigkeit begehen. Zurückfahren. Gähnen erneut unterdrücken.

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Die ganze Gewalt zeigt übrigens ein letztes Mal, dass EA zwar Lizenzen erwerben kann, aber nichts von ihnen versteht. Sicher: Der Pate war ein gewalttätiger Film, aber die Gewalt wurde nicht glorifiziert. Sie war ein unschöner Teil des Lebens. Aber trotzdem Teil des Lebens. Etwas das man akzeptierte, wenn man der Familie angehörte. Der Tod Sonnys im Kugelhagel an einem Zollhäuschen, die Exekution von Paulie Gatto, die Hinrichtungen der anderen Dons am Ende des Films… all das war blutig, dreckig und brutal. Aber es war kein reiner Selbstzweck. Es unterstrich den Fakt, dass die Romantisierung des Gangsterlebens nicht mit der Realität übereinstimmte. Die Gewalt war ein künstlerisches Stilmittel, ein Element des Films, nicht einfach nur Gewalt um der Gewalt willen.

In Der Pate: Das Spiel ist das ganz anders. Wenn ich hunderte Mafiosi mit der Tommy Gun durchsiebt, ihnen auf kurze Distanz ins Gesicht geschossen, ihnen das Genick gebrochen, sie aus Fenster und in Öfen gestoßen oder ihnen den Schädel mit dem Louisville Slugger eingeschlagen habe (die Methode Capone), dann habe ich ein derart distanziertes Verhältnis zur Gewalt entwickelt, dass selbst “schockierende” Szenen wie etwa die Exekution Sonnys oder der Mord an meiner Frau mir nichts mehr bedeuten. Die Gewalt hier ist nicht abstoßend. Sie ist nicht “bodenständig” oder “ein Teil des Systems”. Sie ist da um Teenager dazu zu bringen, das Spiel als “cool” zu empfinden. Warum sonst sollte es eine Checkliste geben, auf der man alle Fatalities “sammeln” kann? Und auch da hätte Der Pate eigentlich mehr verdient. Man hätte zumindest genau so viel über die Story nachdenken können, wie über das Kampfsystem.

Sicher, Der Pate: Das Spiel ist ein solider, wenn auch extrem eintöniger, GTA-Klon, der durchaus zehn oder zwölf akzeptable Spielstunden beinhaltet. Nur: Wenn man GTA spielen will, warum sollte man dann zu diesem Titel greifen? Und als Spiel zum Film fällt Der Pate noch derber auf die Schnauze: Wow, man hat die Originalsprecher bekommen (außer Al Pacino) und die Gesichter eingescannt. Boah. Schade nur, dass nie der Funke überspringt, dass das Spiel ein emotionaler Leichtmatrose ist und die Macher nicht den Hauch einer Ahnung hatten, wie man eine vollständige Geschichte im Videospiel erzählt, statt dem Spieler einfach nur fragmentarische Storybröckchen vorzuwerfen. Auf der Ebene wurde mir erst durch Der Pate: Das Spiel bewusst, wie großartig Mafia in der Hinsicht war.

Vielleicht ist das die größte Stärke von Der Pate. Im Vergleich zu dessen Schwächen kann das schon vorher tolle Mafia (das sich ja klar bei Copollas Film bedient) noch einmal so richtig glänzen. Das bessere Gangsterspiel ist es ohne Zweifel. (Hmm, sollte ich mal wieder installieren.) Wer also das Bedürfnis hat, ein Gangsterleben nachzuspielen, der sollte zu letzterem Titel greifen. Auf Der Pate: Das Spiel kann man durchaus verzichten.

In der ersten Szene des Films fragt Vito Corleone den Bittsteller Bonasera: “What have I ever done to make you treat me so disrespectfully?” Die selbe Frage könnte er auch Electronic Arts stellen.

2/5

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*Die ZEITUNG gibt das Spiel ab 14 frei.
*Wanted fand’s auch grottenöde.


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