Archive for June, 2005

Liebling des Monats – Juni 2005

Thursday, June 30th, 2005

Schon wieder ein ganzer Monat vergangen seitdem das westphälische Wahlvolk sich für Jürgen Rüttgers als zukünftigen König ausgesprochen hat und Ping-Ping-Gerd ist immer noch Kanzler. Nun, das kann uns jetzt egal sein, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und kann gehen. Wir hier bei Agitpop haben einfach nicht die Aufmerksamkeitsspanne die nötig wäre um so einen Wahlkampf bis zum bitteren Ende mitzuverfolgen und darum suchen wir uns einen neuen Lebensabschnittspartner, der diesen Monat unser verehrter und vergötterter “Liebling des Monats” (LdM) werden soll. Wen wird unser Zufallsgenerator unser überparteiliches Wahlkommittee für diese prestigeträchtige Position ausgewählt haben? Die Antwort ist:

Tom Cruise

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Jawohl, mit einem Millionen-Dollar-Mega-Wird-Hollywood-
Retten-Blockbuster in der Tasche hat er es geschafft dem medialen Vergessen nicht anheim zu fallen. To the contrary: Mr. Cruise hat es erreicht die kollektive Medienlandschaft mit einem Flächenbombardement an Omnipräsenz zu überziehen, das dafür gesorgt hat, dass viele Deutsche im Juni öfter Tom Cruise als ihre Kinder und/oder Ehepartner zu Gesicht bekamen. Und nicht nur, dass Tommy-Gun uns den Glauben an die wahre Liebe zurückgegeben hat, dass er uns bewiesen hat, dass man sich mit seiner Ex-Frau weiterhin verstehen kann, dass man ein großer Hollywoodheld und trotzdem ein demütiger Action-Star seines eigenen Lebens sein kann, dass er uns den Weg aus der Drogensucht gezeigt hat (unser Hausdealer hat als einziges permanentes Mitglied des Agitpop-Internetsicherheitsrates gegen die Wahl von Tom Cruise zum LdM gestimmt)… nein, Tom Cruise hat im Alleingang – und nur bewaffnet mit seinem blendenden Aussehen, seinem jungehaften Lächeln und seinem überragenden Charisma – die Welt der Psychologie revolutioniert. Wir sind froh, dass wir endlich unseren Helden Tom Cruise zum Liebling des Monats wählen, ihm eine Statue vor unserem Hauptquartier errichten und dieser nun täglich Opfergaben darbringen können. Ja, das war der eigentliche Grund warum dieses Weblog gestartet wurde… um endlich sagen zu können: Danke, Tom Cruise. Danke.

… … halt, moment! Das stimmt nicht: Was ich eigentlich sagen wollte war: Fuck you, Tom Cruise! Fuck you! Und das musste schon seit 1997 raus, als Mr. Cruise am kreativen Prozess zu Mission: Impossible beteiligt war. Ich bin ein riesiger Fan der Fernsehserie Kobra, übernehmen Sie und ich nehme es Tom Cruise nicht übel, dass er ein Stück meiner Kindheit aus dem wohlverdienten Grab gerissen hat. Was ich ihm übel nehme ist dass er den Kadaver mehrfach vergewaltigt, ausgeweidet und dann in die offene Leiche geschissen hat. Einen großen, dampfenden Haufen! Man verzeihe mir mein französisch. Aber mal im Ernst: Jim Phelps, jahrzehntelang einziger Garant für Frieden und Freiheit vor dem fiesen internationalen Kommunismus ist ein feiger Verräter, ein Kameradenschwein und Freundesmörder? Am Arsch, du megalomaner Giftzwerg, am Arsch! Hey, wo du schon meine Kindheitshelden tot haust: Es gibt immer noch keinen A-Team-Film und ich würde liebend gerne sehen wie Hannibal Smith sein Team an Colonel Decker ausliefert, B.A. mit schlechter Milch vergiftet und Murdock in einer Elektroschocktherapie zu Tode gebrutzelt wird. Das wäre doch sicher spaßig. Oh, und wo wir schon dabei sind: Komm doch gleich vorbei und reiß mir mein verdammtes Herz raus und spuck mir ins Gesicht…. ja, verdammt: Fuck you, Cruise! Fuck you with a fuckin crowbar!

[Die Mitarbeiter der geschlossenen Abteilung des Arkham Asylums möchten sich für das vorangegangene Traktat entschuldigen. Der Patient wird zukünftig nicht mehr ans Keyboard gelassen bevor er nicht seine Tagesdosis Prozac geschluckt hat. Der offensichtlich unter wahnsinniger Paranoia bzgl. Mr. Cruise leidende Patient wird für den Rest dieses Textes von einem der 1000 Affen an 1000 Schreibmaschinen ersetzt.]

Da der “Liebling des Monats” die größte Auszeichnung ist, die man in der freien Welt erhalten kann (weit vor einem Nobel- oder Pulitzerpreis, höchstens noch geschlagen von der Auszeichnung “König von Mallorca” die derjenige erhält, der Jürgen Drews im Wettmelken seiner Ehefrau schlagen kann), soll es hier darum gehen die Verdienste von Mr. Cruise zu preisen und nicht Björn ein Forum für seine selbstdarstellerischen Frustrationen zu geben. Und es gibt viel, wofür man Rain Mans Bruder im letzten Monat preisen muss. Oder man macht es wie die ZEITUNG und preist einfach gleich diesen großen kleinen Mann als Gesamtwerk:

Tom ist kein Gott. Er ist verdammt menschlich. Er ist der Action-Star seines eigenen Lebens – live: “Es gibt so viel Leid! Ich muß helfen. Wenn ich am Ende des Tages meine Kinder sehe, will ich etwas Gutes getan haben…

Ja, zur Apotheose hat es leider noch nicht ganz gereicht, aber als “Action-Star seines eigenen Lebens” (noch dazu “live”, was nach dem kopfschmerzenerregenden Slogan der hessischen Jugendherbergen klingt: “Das Leben live erleben!”) ist das ja auch schon was. Und wie wir im Satz vorher erfahren: “Seine Körpersprache atmet Demut“, wie andere Menschen Luft atmen. Denn Tom ist der legitime Erbe des großen Kommunikators Ronald Reagan. Im Alleingang führt er hier im “Narconon”-Center den Kampf gegen die Drogen mit einer Verbissenheit, dass man fürchtet, dass er im nächsten Moment im Alleingang in Kolumbien einmarschieren wird. Aber die Pantienten danken es, ihm denn “Diese Augen lächeln, wenn sie Tom Cruise sehen.” Und bei Phrasen wie “Seine Körpersprache atmet Demut” und “Diese Augen lächeln” ahnen Sie es bereits, auch die ZEITUNG wird von 1000 Affen an 1000 Schreibmaschinen geschrieben.

Das Narconon-Programm hat es Tom Cruise angetan. Was für einen Sinn hat es, ein großer kleinwüchsiger Hollywood-Star zu sein – gar ein Action-Star seines eigenen Lebens – wenn man nicht in der Lage ist, anderen zu helfen den wahren Weg zu sehen. Und wie Tom Cruise dem SPIEGEL an anderer Stelle mitteilte: Das Narconon-Programm ist das einzige Drogenentzugsprogramm der Welt das wirklich funktioniert. Und er persönlich (!) hat Hunderten durch ihren Entzug geholfen. Gerade darum ist es ihm so wichtig. Denn das Narconon-Programm hat schwer zu kämpfen. Nur weil die bösartige liberal-katholisch-freimaurerische Weltverschwörung da draußen es auf Scientology abgesehen hat, muss ein gutes und solides Drogenprogramm dran glauben.

Aber – und auch das zeichnet einen echten Helden aus – davon lässt sich Tom Cruise nicht entmutigen: Denn während der Rest der Welt unfairerweise Narconon als gefährlichen Humbug geißelt, konzentriert sich Mr. Tom auf den wahren Feind den die schweigende Mehrheit der Verschwörung deckt. Die Psychatrie. In der Today Show mit Matt Lauer erklärte er Ritalin den Kampf. Einer gefährlichen “Straßendroge”, wie er sagte. Denn seien wir ehrlich, wieviele Ritalintote müssen noch in deutschen Bahnhofstoiletten gefunden werden ehe wir das Problem begreifen. Das Problem ist, wie der Action-Star seines eigenen Lebens zu Tom Lauer sagte: “You don’t know the history of psychatry. I do.

Das Problem mit diesen Drogen ist, dass sie “mind-altering” sind und dazu führen werden, dass wir alle in Huxleys “brave new world” enden. Dass dieser Fernsehschmierfink, ohnehin sicher Mitglied der liberalen Medienlandschaft, Tom erzählt, dass er Menschen kenne, denen Psychopharmaka geholfen haben, davon lässt sich Tom Cruise nicht stoppen. Stattdessen enttarnt er Lauer als das was er ist: Eine Werbemarionette und ein Apologet für die Gehirnwäschepsychologie. Ja, und weil Tom Cruise sich so gegen die “schöne neue Welt” einsetzt und nicht will, dass Drogen unseren “Verstand verändern” möchte er auch dass “mehr Menschen Scientology verstehen”. Wer sonst soll Menschen vor Gehirnwäsche schützen wenn nicht L. Ron Hubbards Kuschelreligion? Wie er am Anfang des Interviews sagte: “[Psychatry] is a pseudo science.” Als Mitglied einer Pseudo-Religion ist Mr. Cruise schließlich Fachmann für sowas.

Außerdem erklärte er in diesem Interview das Geheimnis seines Erfolgs: “I don’t talk about things that I don’t understand.” Und das stellte Mr. Cruise Missile auch gleich mal in einem Interview mit Entertainment Weekly unter Beweis, wo er weiterhin seinen einsamen Kampf gegen die Psychatrie führte:

EW: Yeah, but Scientology textbooks sometimes refer to psychiatry as a ”Nazi science”…

CRUISE: Well, look at the history. Jung was an editor for the Nazi papers during World War II. [According to Aryeh Maidenbaum, the director of the New York Center for Jungian Studies, this is not true.] Look at the experimentation the Nazis did with electric shock and drugging. Look at the drug methadone. That was originally called Adolophine. It was named after Adolf Hitler… [According to the Dictionary of Drugs and Medications, among other sources, this is an urban legend.]

Entertainment Weekly, nicht gerade bekannt als Keimzelle des investigativen Journalismus, fühlt sich berufen schwachsinnige unliebsame Aussagen von Tommy-Boy noch im Interview zu korrigieren zu diskreditieren. Aber seien wir ehrlich: Das ist nur ein weiterer Versuch der Hasspresse Tom Cruise schlecht zu machen. Denn mal im Ernst, wem würden Sie eher glauben: Einem charismatischen Filmstar ohne Schulabschluss oder einer Organisation, die sich schon “Center for Jungian Studies” nennt und einem “Dictionary of Drugs and Medications”, wo schon der Titel besagt, dass man für Drogen und Medikamente ist? Und warum sollte man Tom Cruise nicht vertrauen können? Er hat doch selbst gesagt, dass er nicht über Dinge redet von denen er nichts versteht und dass er die Geschichte der Psychatrie studiert hat. Außerdem baut Cruise hier gleich zwei Nazi-Vergleiche ein, bekanntlich die Königsdisziplin jeder Argumentation. Und kein ehrbare Scientologe würde einen Nazi-Vergleich benutzen, wenn es nicht zwingend nötig wäre. Das wissen wir alle seit diesem offenen Brief aus dem Jahre 1997 der – zu Recht – kritisiert, dass die Scientologen in Deutschland verfolgt werden, wie die Juden in den 1930ern. Oder wann haben Sie das letzte mal in einem scientologischen Geschäft eingekauft? Eben!

Prof. Dr. Cruise, wie wir ihn von jetzt ab respektvoll nennen werden, hat in diesem Interview auf jeden Fall einen wichtigen Punkt unterstrichen: Warum sollte man einem ausgebildeten Psychiater, der allen ernstes glaubt, dass Kinder in ihren eigenen Fäkalien spielen sollten (bei uns Affen ist das was ganz anderes) und dass Träume über Zahnverluste Potenzängste ausdrücken (eindeutig Bullshit), hunderte Euro für eine Therapie zahlen, wenn man mehrere hunderttausend Dollar an einen Kerl zahlen kann, der daran glaubt, dass der intergalaktische Despot Xenu vor 76 Millionen Jahren Milliarden Aliens in den Vulkanen von Teegeeack (der Erde) getötet hat, deren Seelen (Thetanen) noch heute die Menschheit davon abhalten, ihr göttliches Potential zu erreichen (wissenschaftlich erwiesener Fakt)? Genau, wir sehen auch keinen Grund dazu…

Was uns besonders freut, ist dass Dr. Cruise uns nicht nur mit seinem Kreuzzug gegen die Nazipsychologie auf die Eier ging belehrte, sondern uns auch noch den Glauben an die wahre Liebe zurück gab: Denn wenn ein alternder Action-Star seines eigenen Lebens und eine junge Hollywood-Dirne… äh… Diva sich medienwirksam unter dem Eiffelturm verloben, zu einem Zeitpunkt an dem neue Filme von beiden Turteltauben in die Kinos kommen, dann muss das wahre Liebe sein. Aaaah, schön. Und wenn man dann noch bedenkt, dass diese Verlobung unter dem Eiffelturm stattfand, obwohl der mal den Nazis gehört hat, dann zeigt dass wie tolerant man als Scientologe sein kann. Und sogar seine Ex-Frau läd er zur Hochzeit ein. Schön. Und so romantisch: Wenn man sich das Video anschaut, das zeigt wie Prof. Dr. Cruise seine Liebe zu Katie Holmes bei Oprah gesteht und dabei rumhüpft wie ein tollwütiger Schimpanse der sich in einen brennenden Terminhaufen gesetzt hat (mein Cousin Ed hat das auf der letzten Weihnachtsfeier gemacht, nachdem er die halbe Schüssel Bowle alleine gesoffen hat), dann fallen einem dazu nur zwei Dinge ein: Entweder das ist wahre Liebe und Tom fühlt sich zwanzig Jahre jünger… oder der gute Mann sollte seine Einstellung zu Ritalin doch nochmal überdenken.

Und weil Dr. Cruise mit seiner revolutionären Reevaluation der Psychologie und Psychiatrie und seiner schüchternen Kindergartenliebschaft zu Katie Holmes vielleicht nur 22,5 und nicht 24 Stunden am Tag von deutschen Fernsehschirmen und Zeitschriftenständern grinsen würde, ist da ja auch noch sein neuer Blockbuster Krieg der Welten, in dem die Erde von fiesen Aliens angegriffen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte nicht bestätigt werden ob sich Xenu unter ihnen befindet oder nicht. Dafür ist bestätigt, dass sich am Drehset ein Scientology-Informationszelt befand, das E-Meter-Test für den Fall anbot, dass ein Schauspieler das Gefühl hatte, dass seine grottenschlechte Leistung an den Körper-Thetanen in seinen Mundwikel gelegen hat. Okay, das ist jetzt eine Vermutung von mir. Aber das Zelt war auf jeden Fall da.

Und offenbar hat sich der Vertrieb gleich mal mit den Scientologen abgesprochen und das ultimative Scientology-Erfolgsgeheimnis in Anspruch genommen: Wenn sie über dich schreiben, verklag sie! Immerhin ist Scientology die einzige Religion, die ihre religiösen Schlüsseltexte mit einem Copyright geschützt hat, so dass sie im Zweifelsfalle Seiten schließen können, die darüber schreiben… oder sie aus dem Wayback-Archive und Google löschen lassen können (und tschüß, lustige Suchbegriffe). Und, echt gezz , eine so großartige Geschichte wie die rund um Xenu, Teegeeack, die Thetanen und DC-8s im Weltraum… da muss man schon aufpassen, dass die nicht von fremden Ideendieben beschmutzt wird. Am Ende macht noch jemand einen Film daraus, der der Geschichte nicht gerecht wird. Will sagen: Der Film könnte irgendwas taugen oder halbwegs glaubwürdig sein. Nein, da setzt man lieber auf Menschen, die sicherstellen, dass die Qualität des Originals erhalten bleibt. Das hat auch schon bei Battlefield Earth funktioniert.

Eine verschlagene Taktik, das mit dem Copyright, denn seien wir ehrlich: Hätten die Juden ihre Torah rechtzeitig mit einem Copyright belegt, dass Christentum in seiner heutigen Form hätte es vor Gericht schwer. “Herr Richter, es ist eindeutig, dass der Gott, den Jesus Christus als seinen Vater benennt, der Gott des Alten Testaments ist, einem Text der zu einem Großteil 1:1 aus unserer Torah übernommen wurde, ohne dass wir Lizenzgebühren dafür gesehen haben… damit ist das Neue Testament eindeutig eine illegaler Bruch unseres Copyrights, da er als Fortsetzung einer Geschichte fungiert, deren Rechte bei meinem Mandanten, Herrn Moses, liegen und nicht bei den Angeklagten.”

Anyway, in einem geschickten legalen Schachzug legte der Verleih fest, dass Krieg der Welten vor dem offiziellen Starttermin nicht rezensiert werden durfte. Wer es doch tat, wie etwa der der Filmdienst, riskierte ernste Vertragsstrafen. Ja, so ist er, der gute Tom… tatsächlich ein Action-Star seines eigenen Lebens (live). Da wo der Durchschnittsdeutsche schon Probleme hat sich in der Halbzeit von Deutschland – Tunesien aufzuraffen um ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen, da ist Dr. Cruise in der Lage zeitgleich öffentlich die schönste Romanze seit dem Hitler-Stalin-Pakt zu zelebrieren (halt! Das war ein Nazi-Vergleich! Sowas machen wir hier nicht…)… die schönste Romanze seit Dieter Bohlen und Verona Feldbusch zu zelebrieren, für die ehrlichste und freundlichste Religion der Welt zu missionieren, nebenbei noch persönlich hunderten Drogensüchtigen zu helfen von ihrer Sucht runterzukommen, die Pseudowissenschaft der Psychatrie als den Nazischweinkram zu enttarnen, der sie wirklich ist und außerdem noch an einem Film mitzuwirken, der die Pressefreiheit in Deutschland fördert… und all das während er “passionate about life,” ist, das ist schon wirklich großartig. Da können wir doch gar nicht anders als Prof. Dr. Cruise zu unserem LdM zu machen.

Und nachdem er damit jetzt die zweitprestigeträchtigste Auszeichnung der Welt erhalten hat (immerhin sind alle Mitglieder des Vergabekommittees mindestens OT – XV und damit so “clear” wie es nur geht) würden wir sagen, hol die Thetanen aus den Silikonbusen von Jürgen Drews Ehefrau und dir so den Titel als “König von Mallorca” und dann, wenn du das alles geschafft hast, setz dich zur Ruhe und verschwinde in der Versenkung. Denn besser wird es nicht mehr. Aber für deine unehrmüdliche Arbeit und deine großartigen Leistungen sei dir hiermit von der ganzen Agitpop GmBH & Ko KG gesagt: Herzlichen Glückwunsch, Tom.

Herzlichen Glückwunsch und ALL HAIL XENU!

Losers’ Corner: Wir müssen draußen bleiben

Gysis Gehirn: In jedem großen Mann steckt auch ein großes Gehirn. Und während sich der langweilige Rest der Presselandschaft darum sorgte, welche Funktion Gregor Samsa gegenüber Herrn Lafontaine einnehmen würde (Chauffeur, professioneller Speichellecker, parteiinterner Dagegenseier), wusste die ZEITUNG was wirklich zählt: Gysis graue Zellen. Und die schwarzen Flecken. Worauf hin sich relevante Fragen ergaben wie: Ist Gysis gesund genug um zu kandidieren? Hat sein Leib- und Magenarzt die CAT-Scans gegen Gysis Willen herausgegeben? Ist das überhaupt Gysis Gehirn, das wir da sehen? Und falls ja: Wird Gysis Gehirn bei der Bundestagwahl gegen seinen Körper für die CSU antreten? Fragen über Fragen, die uns tierisch bewegt haben. Leider ist diese Stadt nicht groß genug für zwei Politikerhirne und wenn es darauf ankommt, dann bewegt uns Hitlers Schädelfüllung im Glas doch noch mehr als Gysis Gehirngrütze. Der Brainiape ist dann halt doch toller als eine ZEITUNGs-Schlagzeile. Gehirn, aber keine Nazigröße? Dann auch kein LdM.

Der Grand Prix von Indianapolis: Na also, Michael Schumacher kann doch noch gewinnen. Alles was es dazu braucht ist ein Starterfeld von weniger als sieben Autos. Und endlich waren die Zuschauer mal in den Rennprozess eigebunden: Schafft es jemand, einem der Piloten eine Wasserflasche an den Helm zu donnern und ihn so in die Wand krachen zu lassen? Die Antwort ist: Nein. Für Spaß und gute Laune war trotzdem gesorgt, spätestens als Ralf “Porno-Ralle” Schumacher via Telephon anfing die RTL-Kommentatoren und Ferrari-Apologeten live und in Farbe als inkompetente Deppen rund zu machen. Unvergessen auch der Moment des Jordaniers (oder wie auch immer man die Jordan-Piloten nennt), der sich freute dass er endlich mal auf dem Treppchen landete, seine Champagnerflasche ordentlich schüttelte, bereit war alle anderen einzusauen… und dann feststellen musste, dass der Rest der “Gewinner” sich wegen der ziemlich unschönen Buh-Rufe schon wieder vom Podium verabschiedet hatte und er nun alleine da stand. Trotzdem: Ein Formel 1-Rennen, bei dem niemand ausscheidet? Nachdem Michael Schumacher und Rubens Barichello uns mit ihrem Beinahecrash den Mund so wässrig gemacht haben? Das ist doch tierisch langweilig. Und darum auch nicht LdM.

Bill Gates: Von Microsoft ist man Service und Qualität gewohnt, egal ob es nun leicht zu bedienende, qualitativ hochwertige und stabil laufende Software ist oder ein fairer und anerkennender Umgang mit der Konkurrenz und den Kritikern. Aber jetzt müssen wir Microsoft wirklich Respekt zollen, denn wie kein anderer setzt sich die sympathische, kleine Kompanie dafür ein, dass sich China zu einem modernen und weltoffenen Staat entwickelt, in dem es keine Tabus gibt. Und da kann man es einfach nicht zulassen, dass dieses zarte Pflänzchen Hoffnung von irgendwelchen Anarchisten und Terroristen zerstört wird, die in ihrem Blog mit Hassparolen wie “Demokratie”, “Menschenrechte” oder “Tibet” um sich werfen. Damit ist wieder mal bewiesen: Moral und Ethik stehen für Microsoft an erster Stelle… gleich nach Geld machen, die Kunden ausspionieren, kleine Welpen anzünden, Satan lobpreisen und allem anderen. Aber nach allem anderen kommen sofort Moral und Ethik. Wenn wir Nazi-Vergleiche machen würden, dann würden wir dieses Bild hier verlinken. Da wir so was aber nicht machen, wissen wir nicht, wie wir damit umgehen sollen. Auf keinen Fall indem wir Bill Gates zum LdM machen. Nächster.

Michael Jackson: Swan, swan, hummingbird. Hooray we’re all free now. Hat es geschafft in so ziemlich jedem Anklagepunkt freigesprochen zu werden, was uns unglaublich bewegt hat. Wirklich. Immerhin haben wir jeden Tag vor Jacko – Der Prozess gehangen, uns die Debatte um den Jesussaft angehört und die Frisur des Chefanklägers bewundert. Es ist schön, dass ein so klares Urteil gefällt wurde. Denn wenn man den Geschworenen in einem Staat, in dem O.J. Simpson zeitgleich sowohl schuldig als auch unschuldig sein kann und in dem Mr. “Phantom Kommando” zum Gouverneur gewählt wurde, nicht trauen kann, wem kann man denn dann noch trauen? Damit kann die Karriere des großen, alten Mannes des Pop ja jetzt wieder richtig durchstarten. Michael sieht immerhin ziemlich fit aus… halt, das war ja LaToya… das hier ist Michael. Kein unheimlicher Kinderschänder, sondern einfach nur unheimlich. Aber, durch den Freispruch wird Charles Manson weiterhin ziemlich alleine im H Hochsicherheitstrakt des Corcoran State Prison einsitzen. Dabei hatten sich schon hunderte TV-Kommentatoren und Late-Night-Talker auf die “Charlie & Jacko”-Witze gefreut. Wer diese Menschen so kläglich hängen lässt und sich so unsozial verhält, den machen wir garantiert nicht zum LdM.

Na dann: Mahlzeit!

Tuesday, June 28th, 2005

“Jetzt muss ich erstmal ‘nen Happen essen.”

(Worte die ein Mädchen zu seiner Freundin sagte, als beide gemeinsam die Damentoilette im Großraumkino betraten.)

Ghost Wars

Monday, June 27th, 2005

Manchmal kommen sie wieder und beißen dir in den Arsch. Es hat ja durchaus etwas amüsantes wenn man sich heute anguckt, wie Mitte bis Ende der 1980er der Afghanistankrieg in der Populärkultur rezipiert wurde. Die bösen Sowjets unterdrücken ein schlichtes Volk, das aber eigentlich uramerikanische Eigenschaften in sich trägt. Individualistisch, tapfer, nicht gewillt sich unterdrücken zu lassen, bodenständig und gottesfürchtig. Ist zwar nicht der selbe Gott den man fürchtet, aber im Generellen passt das schon. Und so darf John J. Rambo in Afghanistan feststellen: “Umzingeln scheidet wohl aus”, James Bond darf in Der Hauch des Todes mit den tapferen Mudjahedin kämpfen und in Tom Clancys Der Kardinal im Kreml zeigt “the Archer”, der Tapferste unter allen afghanischen Mudjahedin, dem Russen was eine amerikanische High-Tech-Harke ist. Und wenn man so etwas heutzutage liest oder in der Glotze sieht, dann denkt man sich: “Ha, schon ironisch. Da rüstetet Amerika die hoch und stilisiert sie zu Helden und keine 15 Jahre später bringen diese Leute Amerika den größten Schock seit Pearl Harbor bei.” Nach dem Lesen von Steve Colls Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan and Bin Laden from the Soviet Invasion to September 10, 2001 wird klar, dass diese Sicht der Dinge zu kurz greift. Viel zu kurz. Sicher, diese Sicht bietet eine gute Geschichte (Amerika rüstet sich den eigenen Feind auf) und sicher, es ist auch ein wunderbares Beispiel für eine verbockte Außenpolitik… aber wie fast jede gute Geschichte ist sie so einfach nicht haltbar. Was nicht bedeutet, dass der 11. September kein Ergebnis einer verbockten Außenpolitik war.

Vielleicht sollte ich zwei Dinge vorschieben: Zum einen ist Ghost Wars, so wie jede Historie, nur eine Arbeitslösung. Keine Geschichte ist je “definitiv”. Wer sowas behauptet ist ein Lügner oder ein Depp, vielleicht auch beides. Man kann nur aus den Teilen die man hat das Puzzle so gut zusammensetzen, wie es geht. Aber es werden immer Teile fehlen, übrig sein oder scheinbar zu einem anderen Puzzle gehören. Man wird nie die “Wahrheit” finden und man wird immer neue Ergebnisse entdecken oder Theorien entwickeln. Das ist normal und nichts Schlimmes. Insofern sollte man bedenken, dass auch Ghost Wars nur eine Arbeitslösung sein kann. Viele Dokumente – etwa die von den saudischen und pakistanischen Geheimdiensten – wird man wohl nie zu Gesicht bekommen, andere Berichte werden durch den Freedom of Information Act wahrscheinlich in 25 bis 50 Jahren zugänglich sein. Mit dem Ergebnis, das wir unsere Sicht auf die Ereignisse des 11. Septembers 2001 werden umstrukturieren müssen, aber ohne dadurch die “Wahrheit” gefunden zu haben. Trotzdem, für die Gegenwart funktioniert Ghost Wars mit seinen Interviews, Zitaten und Geheimdienstdokumenten (vor allem durch die 9/11-Komission publik geworden) sehr gut und bietet ein Modell der Ereignisse, das in sich schlüssig und nachvollziehbar ist und das dabei – so weit ich das als simpler Zeitungsleser beurteilen kann – durchaus glaubhaft wirkt.

Die andere Sache hätte ich wahrscheinlich nicht notiert wenn nicht ein paar meiner Bekannten, Leute die sonst eigentlich nicht in diese Richtung tendieren und auf deren Intelligenz ich durchaus etwas gebe, absolut überzeugt wären, dass die Attentate des 11. September nicht von der al-Quaida sondern vom CIA durchgeführt wurden, um den Irak zu erobern. Ich persönlich glaube eher die andere Version in der Bin Laden die Anschläge in Auftrag gab, bin dadurch aber schon in einige hitzige Debatten verstrickt worden. Um das Mittel der Verschwörungstheoretiker zu verwenden möchte ich hier einfach nur ein paar Fragen stellen: Wenn es die CIA schafft Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon so geschickt zu fälschen, dass die Weltpresse und die Regierungen der Welt darauf hereinfallen, wieso schafft es die selbe Agency nach drei Jahren im Irak nicht Massenvernichtungswaffen zu “finden”? Wieso war sie nicht in der Lage Beweise zu “produzieren”, die den 11. September mit Saddam Hussein in Verbindung bringen? Und wenn ins Pentagon und in das Feld in Virginia tatsächlich nur Raketen eingeschlagen sind, keine Flugzeuge, was ist dann mit den Menschen passiert die angeblich in den Flugzeugen gestorben sind?

Soviel zur Präambel. Nachdem das geklärt ist, möchte ich jetzt auf das eigentliche Buch kommen. Zunächt sollte ich vielleicht den Schreibstil loben: Bei der Materie besteht natürlich immer das Risiko, dass die Erzählweise zu akademisch oder zu trocken wird. Diese Klippen umschifft Coll ohne dabei bei einem simplen oder unangemessenen Schreibstil anzukommen. Die Faktendichte ist hoch aber nicht erschlagend, Zitate sind ausreichend gekennzeichnet und gut in den Text eingebunden. Das ganze liest sich erstaunlich locker, wobei sich Coll manchmal die Freiheit nimmt Dinge zu behaupten die er so nicht beweisen kann oder die er wahrscheinlich aus Gesprächen hat. Nichts dramatisches, aber eben Beschreibungen in welchem Tonfall eine Person redet oder dass Bill Clinton plötzlich wütend wurde. Kleine Details die vielleicht nicht hundertprozentig professionell sind, die dem Buch aber gelegentlich eine leicht romanhafte Form verleihen, was ich – für den Lesekomfort – als angenehm empfinde. Das ganze erinnert schon vom Inhalt her an einen guten Spionagethriller (Gott sei Dank eher Frederick Forsythe als Tom Clancy), da ist es durchaus okay, dass es sich auch gelegentlich bei der Form bedient. Trotzdem rutscht Ghost Wars nie auf ein Niveau ab, bei dem die Darstellung der Ereignisse unprofessionell wirkt.

Man kann natürlich einwenden, dass es wenig Ereignisse gibt, über die man soviel erfahren hat, wie über die Vorgeschichte des 11. Septembers. Sicherheitsmängel, Mohammed Atta, die Saudis, die Taliban, wissen wir doch eigentlich alles. Die Frage ist also: Kann Ghost Wars der Diskussion etwas hinzufügen, das bisher nicht oder nur marginal zu finden ist? Die Antwort darauf ist ein klares Ja. Ich hätte mich als durchaus gut informiert eingeschätzt, trotzdem gab es hier genug Material, das mich Dinge anders sehen lässt oder mir Aspekte aufzeigt, die mir so noch gar nicht bewusst waren. Am deutlichsten gilt das wahrscheinlich für ein Thema: Pakistan.

Seit dem 12. September wissen wir: Pakistan ist unser Freund. Ein anständiges islamisches Land, mit ein paar Menschenrechtsproblemen, aber generell pro-westlich und auf dem Weg zur Demokratie. Auch wenn das kaum jemand so geschluckt hat, ich war schockiert zu erfahren wie tief Pakistan in die Ereignisse des 11. Septembers involviert ist und wie wenig davon in den Medien kolportiert wurde. Einer der Gründe warum die USA im Irak einmarschierten – nach den Massenvernichtungswaffen, aber noch bevor man entschieden hat dass man immer schon die Menschen dort befreien wollte – waren die angeblichen Verbindungen zwischen Saddam Hussein und der al-Quaida, die gemeinsam den 11. September vorbereiteten. Saddam Hussein wird in diesem Buch – dessen erstes Kapitel in den späten Siebzigern beginnt – ungefähr zehn Mal erwähnt. Durchaus im Zusammenhang mit Osama Bin Laden und den Taliban… nur ist die Kernaussage, wie wir jetzt alle wissen und wie vorher schon viele wußten, dabei dass Husseins säkularer Irak und die islamische Theokratie in Afghanistan sich auf den Tod nicht ausstehen konnten. Der Irak war eines der Gebiete, in denen die al-Quaida ihre islamische Revolution voran treiben wollte und Osama Bin Laden sah Saddam Hussein als einen Feind des Islam an, den es auszuschalten galt. Trotzdem wurde von amerikanischer Seite verkauft, dass Saddam und der 11. September in irgend einem Zusammenhang stehen. Als der US-Senator Dick Durbin vor wenigen Tagen Guantanamo Bay attackierte (und sich dabei in der Königsdisziplin politischer Diskussion übte: Dem Nazi-Vergleich), wurde dieser Zusammenhang “Irakkrieg – 11. September” von Spinmeister Karl “Turd Blossom” Rove sogar erneut hergestellt und von der geifernden Meute an verängstigten Demokraten, wütenden Republikanern und amerikanischer Schoßhündchenpresse dankend aufgegriffen… Durbin hat sich inzwischen dafür entschuldigt, dass er den Truppen in den Rücken gefallen sei. Dolchstoß und so.

Nun, eine Kernaussage von Ghost Wars ist: Das was man dem Irak vorwarf, kann man durchaus Pakistan ankreiden. Und dann hat man eigentlich noch nicht mal wirklich angefangen das Problem zu umreißen. Um die Sowjetunion nicht zu provozieren war die CIA zunächst nicht bereit die Mudjahedin direkt auszubilden und mit Waffen zu beliefern. Der pakistanische Geheimdienst ISI spielte hier die entscheidende Mittlerrolle. Als sich allerdings die USA nach dem Kollaps der Sowjetunion von Afghanistan abwandten, blieb der ISI in Pakistan aktiv. Und er verschob seinen Fokus. In Afghanistan begann ein Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Guerillakommandeuren (jetzt “Warlords”). Der ISI entschied sich seine Unterstützung für moderatere Warlords aufzugeben und derer statt Gulbudin Hekmatyar zu unterstützen, einen erklärten Islamisten und Feind des Westens. Pakistan hatte dafür Gründe: Sollte Hekmatyar die Kontrolle über Afghanistan gewinnen, hätte Pakistan in der gesamten Region einen mächtigen Fuß in der Tür. Zudem kämpfte Hekmatyar nicht primär für Afghanistan, sondern für den Islam. So wie der Kampf in Afghanistan Mulime von der arabischen Halbinsel und aus Nordafrika anlockte, würden Hekmatyars Milizen den Pakistanis helfen sich im Kampf gegen die hinduistischen Inder durchzusetzen. Staatsterroristen. Tatsächlich wurden schon zu diesem Zeitpunkt regelmäßig junge Islamisten vom ISI an der Grenze zum umkämpften Kaschmir ausgebildet, wo sie manchmal auch aktiv gegen indische Truppen vorgingen. Als dann Mitte der Neunziger die Taliban die Bildfläche betraten, ließen die Pakistanis Hekmatyar fallen wie eine heiße Kartoffel und begannen der noch islamistischeren Bewegung zu helfen. Die Ziele blieben die gleichen, aber die Taliban hatten eine größere Chance den Bürgerkrieg zu beenden und Afghanistan unter ihre Kontrolle zu bringen. Zudem ging man davon aus, dass ein unerfahrenes und naives Regime, aufgebaut auf religiösen Schriften, leichter von Pakistan zu kontrollieren wäre als der erfahrene Warlord. Eine Fehleinschätzung.

Pakistan, insbesondere der ISI, der keineswegs vollständig von den pakistanischen Premierministern kontrolliert wurde, sollte laut Ghost Wars in den kommenden Jahren zu dem großen Sponsor der Taliban in Afghanistan – und damit indirekt auch zum Sponsor der al-Quaida – werden. Militärische Ausrüstung und Gelder flossen heimlich an die Talibanführung, während man den USA gegenüber die Fiktion aufrecht erhielt, dass man nicht in Geschäfte mit den Taliban verwickelt wäre. Selbst als die USA nach den Attentaten auf die amerikanischen Botschaften in Afrika 1998 begannen einen offensiveren Kurs gegen al-Quaida einzuschlagen und dafür wieder mit Pakistan zusammenarbeiteten, wirkte der Staat als beschwichtigender Faktor, der erklärte, dass Afghanistan – ähnlich wie Pakistan oder Saudi-Arabien – unweigerlich die Scharia ablegen und sich westlicher orientieren würde. Man war zwar bereit für die USA beim Führer der Taliban, Mullah Omar, nachzufragen, ob Afghanistan nicht Osama Bin Laden ausliefern würde, zeitgleich tat man aber alles um die Herrschaft der Taliban nicht zu gefährden. Sofern man den Interviews die Coll führte glauben darf, war das tödliche Attentat auf Hamid Karzais Vater – der, wie auch Hamid Karzai selber, die Taliban zunächst unterstützt hatte, ehe er sich gegen sie wandte und ins Exil ging – eine Aktion, die den Taliban nur möglich war, weil sie logistische Hilfe vom ISI erhielten. Sollte auch nur ein Bruchteil der Informationen in Ghost Wars stimmen, so muss man sich tatsächlich fragen wieso die CIA sich dermaßen von Pakistan an die Wand spielen ließ. Während ich verstehen kann, dass die US-Politik Pakistan nicht kritisiert, weil man es jetzt dringender denn je im Kampf gegen den Terrorismus braucht (wobei fraglich ist wie verlässlich Pakistan als Partner ist… 2001 ist so lange noch nicht her und ein Großteil der Pro-Islamismus-Anhänger im ISI und der pakistanischen Armee dürften dort immer noch beheimatet sein), stellt sich die Frage warum die Presse dermaßen unkritisch mit Pakistan umgeht und den Staat und Pervez Musharaf als gute, wenn auch nicht ganz moderne, Demokraten versteht.

Ein anderer Kernpunkt des Buchs ist natürlich die Frage, die seit dem 11. September Amerika und die Welt spaltet: Wer trägt die Schuld? Wer hat die Sache verhunzt? George Bush, der am 6. August 2001 ein Memo mit dem Titel “Bin Ladin Determined To Strike in US” ignorierte? Bill Clinton, der keine ordentliche Politik den Taliban gegenüber an den Tag legte und nicht aggressiv genug gegen die al-Quaida vorging? Ronald Reagan, der die Mudjahedin aufrüstete und so erst die aktuelle Situation in Afghanistan ermöglichte? Die Antwort die Ghost Wars gibt, ist ernüchternd und wird wahrscheinlich Parteitreuen auf beiden Seiten des US-Spektrums nicht gefallen: Der 11. September ist das Resultat einer langen Reihe von Fehlentscheidungen, die schon mit der CIA-Politik Jimmy Carters begannen und sich bis zur Bush-Administration fortführten. Dabei ist Coll durchaus nachsichtig mit den Präsidenten. Das hier ist kein Axtjob, es geht nicht darum einen Präsidenten oder einer Partei die ganze Schuld anzulasten. Coll geht davon aus, dass alle Präsidenten so handelten, wie sie dachten, dass es für die USA am Besten sei. Er lässt aber auch keinen Zweifel darüber zu, dass dabei Fehler gemacht wurden, die nicht hätten gemacht werden müssen. Nach der Iran-Contra-Krise in den 1980ern wurden der CIA vom Kongress her Fesseln angelegt, die zwar weitere illegale Alleingänge verhinderten, die aber auch die Effektivität in Afghanistan in den Neunzigern beeinträchtigten. Sicher bedeutend war die Entscheidung von George H. W. Bush, dass mit dem Ende der Sowjetunion Afghanistan keine Bedeutung mehr im geopolitischen Kontext hatte.

Wer Jagged Alliance gespielt hat kennt die englische Bezeichnung “unfinished business”. Das ist der Fall in Afghanistan 1990/91. Die Sowjetunion war aus Afghanistan abgezogen und das kommunistische Regime unter General Najibullah würde, so die Prognose, bald fallen. Grund genug für die CIA ihre Mission als erfolgreich anzusehen und aus Afghanistan abzuziehen. Gleichzeitig begann die Mudjahedinbewegung sich in Kleinstfraktionen aufzuspalten, die von gemäßigt bis islamistisch reichten und die das Land in einen blutigen Bürgerkrieg stürzten, der erst beendet wurde als die Taliban – unterstützt von einer Bevölkerung die endlich das Ende des Krieges wollte – den Großteil Afghanistans unter ihre Kontrolle brachten. Amerika hätte Afghanistan helfen können den Krieg gegen Najibullah zu beenden und eine demokratische oder zumindest moderat-islamische Staatenordnung auf den Weg zu bringen. Statt dessen ließ man Afghanistan allein und ermöglichte es so Saudi-Arabien, Pakistan und den radikalen Islamisten hier Fuß zu fassen. Der Feind meines Feindes ist noch lange nicht mein Freund. Zudem war man zunächst zurückhaltend gegenüber den Taliban und ihren Menschenrechtsverletzungen, weil ein großes Interesse daran bestand, dass die US-Firma Unocal eine Pipeline von Uzbekistan nach Pakistan verlegen sollte. Diese Pipeline müsste zwangsläufig durch Afghanistan gehen und wenn man mit dem Taliban schlecht stünde, würde diese Pipeline am Ende noch von einem saudi-arabischen Ölkonsortium gebaut.

Als die Taliban und al-Quaida unter Clinton endlich als Bedrohung anerkannt wurden, hatte man keinerlei CIA-Männer mehr in Afghanistan, keine Chance unabhängig von Pakistans ISI hier zu agieren. Hinzu kommen politische Maneuver und Schwächen. Bill Clinton ignorierte die Situation in Afghanistan zu lange. Als er endlich gewillt war zu agieren, war er politisch zu stark angeschlagen. Es gab einen Cruise-Missile-Angriff gegen Afghanistan in der Hoffnung so Bin Laden ausschalten zu können. Dieser Angriff hatte zwei Probleme: Er fand während der Lewinsky-Affäre statt und kurz zuvor war Wag the Dog in den US-Kinos erschienen. Ich habe damals, wie viele andere auch, diese Raketenangriffe als “das Leben imitiert die Kunst” gesehen. Ein kleiner Krieg als Ablenkungsmaneuver. Bill Clinton erhielt für diese Aktion vom Kongress und der US-Presse so viel Flak, dass er von weiteren öffentlichen Schlägen gegen die Taliban und die al-Quaida in Afghanistan absah. Wenn man bei der Schuldfrage zynisch sein will, dann kann man also Chefankläger Kenneth Starr, Monica Lewinsky und Hollywood einen Teil der Mitschuld zuschreiben.

Bei der CIA herrschte laut Coll derweil primär Verzweiflung und Irritation. Dort hatte man mit einem stätig schrumpfenden Budget zu kämpfen, man musste mit den Geheimdiensten von Pakistan und Saudi-Arabien zusammenarbeiten, die ihre eigene Agenda verfolgten und dabei sehr effektiv waren (Staaten haben ja bekanntlich keine Freunde sondern nur Interessen), man hatte keinerlei Mittel um in der Region Afghanistan tätig zu werden und seit der Iran-Contra-Affäre durfte die CIA nur noch auf präsidialen Erlass hin operieren. Das sollte “Loose Cannons” wie Oliver North verhindern (der heutzutage übrigens eine erfolgreiche Talkshow in den USA moderiert… Verbrechen scheint da ein typischer Karrierpart zu sein. John Pointdexter, auch Iran-Contra-Verurteilter, sollte 2002 die Leitung über ein neues Überwachungsministerium (das “Information Awareness Office”) übernehmen und Watergate-Einbrecher G. Gordon Liddy ist inzwischen Schauspieler und politischer Kommentator, der vor zwei Wochen öffentlich erklären durfte, dass das Verhalten von Deep Throat Mark Feldt unehrenhaft und unamerikanisch war und dass Feldt für seinen Landesverrat in den Knast gehöre), es band der CIA aber auch oft die Hände. Der ohnehin schon angeschlagene Bill Clinton war bereit gegen al-Quaida vorzugehen, aber nicht auf Kosten seiner Popularität. Aktion bei denen Zivilisten sterben könnten oder amerikanische Truppen gefangen genommen werden könnten, lehnte er kategorisch ab weil er ein PR-Debakel befürchtete. 2000 war die CIA komplett handlungsunfähig weil jede Aktion gegen die al-Quaida oder die Taliban als Wahlkampfaktion ausgelegt und gnadenlos verrissen werden würde.

Für George W. Bush stand derweil die al-Quaida nur an vierter oder fünfter Stelle auf seiner ursprünglichen Agenda, erst spät im Sommer 2001 gelang es der CIA das Interesse der neuen Administration auf dieses Thema zu lenken. Aber nicht alles Versagen lastet Coll den Präsidenten an. Die CIA war nicht gewillt mit dem FBI zusammenzuarbeiten, die Kompetenzen in den Geheimdiensten waren nicht klar verteilt. Die Geheimdienste des Außenministeriums und des Pentagons, das dem Präsidenten unterstellte Counterterrorist Center und die CIA lieferten sich Grabenkriege und Kompetenzrangeleien, was effektive Arbeit verhinderte. Stellenweise wurde schludrig gearbeitet, Planer des 11. September waren bekannt, konnten aber trotzdem unüberwacht in die USA einreisen. Keine Abteilung wollte die Abteilung sein, die eine große Katastrophe übersehen hatte und so wurde der tägliche CIA-Report an den Präsidenten mit kleinen und kleinsten Memoranden über mögliche terroristische Aktivitäten geflutet. Die CIA hat vielleicht einmal zu oft falschen Alarm geschlagen, ein typisches Geheimdienstproblem. Die deutsche Regierung war nicht bereit gegen bekannte Islamisten vorzugehen, da man die amerikanische Sorge als unbegründet ansah und man befürchtete hier von der Nazivergangenheit eingeholt zu werden. Die Männer und Frauen, die Coll befragt hat, wissen das. Die Grundstimmung wird, je näher man dem 11. September kommt, immer panischer. Man wusste das etwas passieren würde, aber man hatte nicht die Freiheiten um die Gefahr an der Wurzel auszurupfen und man hatte soviel innere Probleme, dass man eine Katastrophe geradezu herauszufordern schien.

Man muss dabei vielleicht anmerken, dass Ghost Wars ein bisschen zu unkritisch mit der CIA ist. Es werden zwar die Fehler gesehen und beschrieben, die CIA ist aber in sich eine Organisation von Menschen, die eigentlich nur zum Wohle der USA handeln will und dabei vom Kongress und vom Präsidenten blockiert wird. Das mag teilweise stimmen, aber Coll sollte nicht ignorieren, dass die Einschränkungen nach der Iran-Contra-Affäre durchaus ihren Grund hatten. Diese mitfühlende Grundhaltung für die Geheimdienste ist aber ein Problem, das die meisten Geheimdiensthistorien haben. Auch ist Coll ein bisschen zu amerikafixiert. Dann wiederum ist es die Aufgabe der CIA Amerika und amerikansiche Bürger zu schützen, das Leben von Menschen jeder anderen Nationalität, auch von Verbündeten und Zivilisten, ist da nur sekundärrelevant. Zudem ist das Buch in Bezug auf die Taliban stellenweise arg oberflächlich: Wer waren die Taliban, aus wem rekrutierte sich ihre Führungsrige, was wollten sie? Darüber erfährt man fast nichts. Auch die Lebenswelt in Afghanistan unter den Taliban wird weitestgehend ausgeklammert. Vielleicht würde das aber zum einen auch zu weit führen und ist eher Thema für ein anderes Buch, zum anderen ist da das Problem mit der Quellenlage. Über die Vergangenheit von Mullah Omar, immerhin zweitgesuchtester Mann der Welt, ist bis heute fast nichts bekannt. Zudem waren die Taliban als Staatsmacht so abgeschottet, dass die besten Informationen wahrscheinlich der pakistanische Geheimdienst haben dürfte, der diese vielleicht jetzt mit dem CIA, aber sicher nicht mit der Weltöffentlichkeit oder der Fachwissenschaft teilen wird. Stilistisch ging es mir auch ein bisschen auf den Zwirn, dass wirklich jedes Kapitel mit einem prophetischen Zitat oder Hinweis enden musste, der nochmal darauf hindeutete, dass die Ereignisse dieses Kapitels schon ein Schritt auf dem Weg zum 11. September waren. Ein oder zwei Mal ist das okay, aber irgendwann ist dieses Foreshadowing doch ein wenig mühselig…

Insgesamt bleibt aber festzuhalten, dass Ghost Wars ein wirklich interessantes Buch zu dem zentralen Thema der momentan Weltlage ist. Es gibt nicht vor alles zu erklären, aber es offeriert ein wirkungsvolles Modell wie der Weg zum 11. September ausgesehen haben kann und bietet dabei Einblicke in das Wirken von Realpolitik und Geheimdiensten, die in der Tagespresse oft nicht zu finden sind. Besonders die schon erwähnte Pakistan-Connection hat mich persönlich sehr überrascht. Der lockere Schreibstil sorgt zudem dafür, dass das Buch sich gut und flüssig lesen lässt, ohne auf Kosten der Faktendichte zu gehen. Wenn man sich ernsthaft mit der aktuellen US-Außenpolitik auseinandersetzen möchte und verstehen will, was den Weg zu dieser Außenpolitik bereitet hat, dann sollte man definitiv Ghost Wars (und natürlich den 9/11-Commission-Report) lesen. Auch wenn ich nicht glaube, dass “Geschichte sich wiederholt”, so bestehen doch Parallelen zwischen Afghanistan und der Situation im Irak, der seit Kriegsbeginn auch ein Brutplatz für den internationalen Terrorismus geworden ist. Egal ob die USA den Irak militärisch unterwerfen oder einen Kompromiss mit den Terroristen aushandeln, wie Uncle Donald das momentan macht, die USA sollten ihre Einflussmöglichkeiten im Irak nicht so sehr aus der Hand geben, wie das in Afghanistan der Fall war. Auch wenn die Situation da unten schon sehr nach FUBAR aussieht. Man steckt knietief in der Scheiße, aber wenn man jetzt umkehrt und den Irak komplett sich selbst überlässt und die gemäßigten Kräfte im Irak komplett aufgibt, dann möchte ich nicht wissen wozu das in zehn oder vielleicht weniger Jahren führen kann. Operation Clusterfuck, indeed.

bit.zarr #3: Growl

Friday, June 24th, 2005

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Videospiele werden noch immer häufig viel zu negativ betrachtet. Abscheulicher Schund, der eine lockere Sexualmoral propagiert und aus harmlosen Waldorfschülern blutrünstige SPD-Wähler macht, die nach einer ausgiebigen Runde GTA bereit sind sich ihren Drahtesel von Oliver Korritke aufpimpen zu lassen, während sie selbst ihre vierzehnjährige Freundin (die sie liebevoll “Ho” nennen) auf dem Schulhof verpimpen. Das dem nicht so sein muss und das Spiele eine sinnvolle und ökologisch vollkommen recyclebare Idee haben können, beweist der Spielautomat Growl aus dem japanischen Hause Taito. Nicht nur, dass hier so sinnvoll und auf spielerische Weise die Notwendigkeit zum Tierschutz gepredigt wird, dass der “Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland” nach der Begutachtung des Automaten seine sofortige Auflösung diskutiert hat… nein… hier kann man sogar noch sinnvoll etwas über das Leben in Afrika in der kolonialen Zeit des frühen 20. Jahrhunderts lernen. Diese kleinen Infonuggets werde ich als “African Fun Facts” den ganzen Text hindurch einstreuen. So geht sinnvolle Software.

Das Spiel beginnt damit, dass es uns in einer komplexen Introsequenz – bestehend aus zwei Standbildern – simpel aber doch schlüssig die Hintergrundgeschichte erklärt und dabei auch gleich auf dezente Weise auf die manchmal problematische Interaktion zwischen Mensch und Natur hinweist:

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Anschließend sehen wir eine der Spielfiguren an einem Telephon, wo er sich über die Problematik aufklären lässt. Man beachte dabei, dass die wenigen Sätze die in diesem Spiel fallen einen leicht engrishen Akzent vorweisen können. So benutzt unsere namenlose Hauptfigur, eine Schmalspurversion des allseits beliebten Dr. Indiana Jones (ich werde ihn ab jetzt Ranger Dan rufen), den unbestimmten Artikel “a ranger corps”, nicht “the ranger corps”. Wirkt ein wenig so als wenn der Anrufer nicht wusste wen er da an der Strippe hat. Wo ich so darüber nachdenke… wer ruft das “ein Ranger Corps” eigentlich an, um von dem Problem zu berichten? Und was macht das “ein Ranger Corps” den ganzen Tag wenn es nicht mal mitbekommt, dass ein Haufen Wilderer die Tiere der afrikanische Savanne fast vollkommen ausgerottet hat? Die Flasche und das Whiskeyglas neben Ranger Dan könnten ein Hinweis sein.

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African Fun Fact #1
Afrika war im frühen 20. Jahrhundert ein hochtechnologisierter Ort mit einem gut ausgebauten Telephonnetz. Es war auch die Geburtsstätte des modernen Mobiltelephons. Der Fernsprecher, den Ranger Dan da benutzt, ist nicht über ein Kabel mit einer Telephonbuchse verbunden. Zudem ist die Ohrmuschel nicht mit der Sprechmuschel verbunden. Das Design mag primitiv sein, aber so sahen die ersten Mobiltelephone aus. Da die Klingeltonindustrie damals noch nicht so gut ausgerüstet war wie heute, lieferte Jamba seinen Abonnenten echte Affen die man konstant mit Zwiebeln füttern musste, damit sie, sobald das Mobiltelephon klingelte, zu furzen anfingen.

Doch kaum das der Anruf erfolgt ist, ist unser “ein Ranger Corps” auch schon arg in der Bredouille, denn ein Kerl mit einem Messer und eine Blondine mit einer Stabgranate (zieht sie aus ihrem Dekoletee, wo sie noch weitere Granaten verstaut hat) stürmen das Rangerhauptquartier. An diesem Punkt hat Growl schon einen Rekord aufgestellt, denn damit hat man zwei Drittel der Standardgegner des Spiels bereits gesehen. Gut es gibt unterschiedliche Farbschemata (der klassische Mortal-Kombat-Palette-Swap), aber essentiell gibt es nur drei normale Gegner: Mafiafahrer aus dem Proletariat, die USPD-Wähler-Ballonmützen und Hosenträger tragen, Tuareks oder Taliban oder irgendein anderes afrikanisches Kraut- und Rübenvolk aus der Wüste, das perfekt für jeden Sandsturm eingekleidet ist und sich darum sicher in der afrikanischen Savanneganz zu Hause fühlt. D’oh. Die dritte Kategorie sind, der damals in den Kolonien sehr beliebten Emanzipation wegen, Frauen.

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African Fun Fact #2
Der bei Firmenludern und professionellen Prostituierten sehr beliebte schlampige-Frisur-tiefer-Ausschnitt-Rock-der-ein-besserer-Gürtel-ist-
und-farblich-abgestimmten-Hochhackigen-in-Rosa-Look, ist keine Erfindung der 1980er und 1990er sondern in der Tat ein ethnischer Retrolook, der der auf dem Kleiderstil der Frauen im Belgisch-Kongo des frühen 20. Jahrhunderts basiert.

Also, Frau und Proletarier marschieren ins Ranger-HQ, schmeißen Stabgranate, unsere Ranger werfen sich auf den Boden, das ganze schöne Ranger-HQ geht kaputt und wir befinden uns mitten im Spielgeschehen. Nach einem Intro bestehend aus 2 Standbildern und 39 Worten. Da wird der Spieler nicht lange auf die Folter gespannt. Oder mit Loriot: “Der hyperkomprimierte Inhalt täuscht eine Länge vor, die der Film eigentlich gar nicht hat.” – “Ach was?” Nachdem die Stabgranate explodiert ist wird das Ranger-HQ von ungefähr 10 bis 12 Proletariern gestürmt, denen wir in bester Final Fight-Manier aufs Maul hauen. Immerhin ist das hier ein Prügelspiel mit einer hochkomplexen Steuerung, die nicht nur ungebändigte Kraft (Knopf 1: “Hauen”) und Athletik (Knopf 2: “Springen”) ermöglicht, sondern sogar irrsinnige Kombos zulässt (Knopf 1 + 2 gleichzeitig: “Springen und Treten”). Wow. Diese ersten Sekunden zeigen auch schon was man vom Spiel erwarten darf, die 10 bis 12 Gegner die zeitgleich auf dem Schirm sind, sind da noch unteres Mittelfeld. Es kann durchaus vorkommen, dass man sich mit bis zu 20 Gegnern gleichzeitig prügeln muss. Programmiertechnisches Lob gibt es dafür, dass das Spiel dabei weder ruckelt noch flackert, aber dafür bezahlt man auch einen hohen Preis. Der Schwierigkeitsgrad ist im besten Falle als irrsinnig zu bezeichnen. Wenn erst mal ein Gegner die Spielfigur getroffen hat, hat Ranger Dan keine Verteidigungsmöglichkeit mehr und wird auseinandergenommen wie Rodney King beim Weihnachtsball der Polizeigewerkschaft von Los Angeles. Und dann heißt es: Insert Coin. Als man das Wort “Münzgrab” erfunden hat, muss man an Growl gedacht haben.

Okay, sobald also unser Indy-für-Arme den Ballonmützenträger die kollektiven Nasen nachjustiert hat, verlässt er das Ranger-HQ, tritt auf die Straße, zerdeppert eine Kiste (siehe auch das Crate Review System) und findet darin eine Waffe:

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African Fun Fact #3
Lange Zeit haben sich Historiker gefragt, wie primitive Staaten wie Belgien oder Frankreich so große Ländereien in Afrika halten konnten , wo doch die eigene Bevölkerung am Anfang des 20. Jahrhunderts noch in Iglus gewohnt hat. Die Antwort ist simpel: Überlegene Feuerkraft. Während sich Chaka Zulu und seine Getreuen mit Speeren und Blasrohren auf die Jagd nach fiesen Kolonialbeamten machten, setzten die Kolonialbeamten ihrerseits auf vertrauenswürdige amerikanische Militärtechnik und rüsteten ihre Fremdenlegionen mit dem in den USA angefertigten M-16 Sturmgewehr aus. Die Überlegenheit dieser Waffe zeigt sich darin, dass sie amerikanische G.I.s noch heute verwenden, fast ein Jahrhundert nach dem Einsatz im kolonialen Afrika.

Ein paar Meter weiter trifft Ranger Dan zwei Tuarek, die einen Löwen auspeitschen (warum auch immer) und denen er schnellst möglich eine Bleivergiftung zukommen lässt. Den Rest erledigt der befreite Löwe, der zwischen Freund und Feind sehr wohl unterscheiden kann und nur die Bösen in kleine Fleischklumpen haut, Ranger Dan aber dankbarerweise ignoriert. Noch ein paar Meter weiter und Ranger Dan trifft auf den ersten Endboss.

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Der freundliche Fettsack mit Probotector-Kappe und Palästinenser-Hosenträgern hat drei Angriffsmuster: Mit einem LKW werfen, explodieren und mit den Armen rudern als wenn er eine Windmühle wäre, wobei er auf den Spieler zuläuft (siehe Illustration). Gerade der letzte Move ist in jahrhundertelanger Kleinstarbeit auf Schulhöfen rund um die Welt erprobt worden und kann selbst denn zähesten und fiesesten Drittklässler in Angst und Schrecken versetzen. Nachdem wir, der minimalen Energieleiste und der übertriebenen Schlagkraft des Gegners sei Dank, ein halbes Monatsgehalt in den Automaten geworfen haben, kann Fetti McSpeck nicht mehr und sprengt sich ein für alle Mal in die Luft. Unser Ranger befreit derweil die im Zug im Hintergrund eingesperrten Falken oder Adler oder Fischreiher oder was auch immer so in Afrika am Himmel rumkreucht. Man beachte dabei übrigens, dass diese Tiere einfach so im Wagon eingesperrt und nicht in irgendwelchen Käfigen platziert waren. Sobald also die Wilderer die Tür geöffnet hätten, wären die Piepmätze sowieso entkommen. Vielleicht sollte man auch erwähnen, dass sie in einem Wagon eingesperrt waren, auf dem eine Giraffe aufgemalt ist. Wahrscheinlich um den deutschen Zoll in die Irre zu führen.

-”Soso, in dem Wagen sind also Giraffen?”
-”Ja.”
-”Ist der Wagen nicht ein bisschen niedrig für Giraffen?”
-”Wieso?”
-”Naja, Giraffen haben lange Hälse und so.”
-”Oh, oh ja. Aber… äh… sehen Sie… die Giraffen… öh… wir haben sie hypnotisiert damit sie sich für Strauße halten und ihre Köpfe in den Boden stecken.”
-”Aah. Okay, dann ist das ja geklärt. Fahren Sie einfach weiter.”

Anschließend prügelt Ranger Dan ein paar Hundert Wilderer vom Dach des Wagons, wobei ihm das befreite Federvieh zur Hilfe eilt. Dann springt er vom Zug ab und verdrischt ein paar Wilderer, die eine Gazelle weg tragen wollen. Das Vieh entkommt, holt seine Familie und ein paar Sekunden später trampelt eine Herde Gazellen alle auf dem Bildschirm befindlichen Gegner tot. Heute um acht auf FOX: When Animals Attack. Kurz darauf taucht ein neuer Zwischegegnertyp auf: Die fiese Brudercamarilla von Sallah aus Indiana Jones. Warum die Schmalspur-Sallahs es auf den Schmalspur-Indy abgesehen haben verstehe ich zwar nicht, aber das ist in diesem Spiel ja nicht das erste Mal das mir das passiert.

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Ah, das Screencap gibt mir auch die Chance zu einem weiteren

African Fun Fact #4
Vor seiner Karriere als großartiger Charakterdarsteller in filmischen Glanztaten wie
Santa Claus mit Muckis oder Der Ritter aus dem Weltall hat sich Hulk Hogan im frühen 20. Jahrhundert sein Geld als Mitglied von “ein Ranger Korps” in Afrika verdient. Hier lernte er auch ein paar seiner wichtigsten Wrestlingmaneuver wie “Hauen”, “Springen” und vor allem “Springen und Treten”. Seine Wrestlingkarriere basiert auf einem großen Missverständnis. Als jemand, der sich so für den Tierschutz einsetzt, dass er hunderte Wilderer mit M-16s, Messern und Peitschen umgebracht hat, dachte er, dass er seinen WWF-Rentenvertrag mit der “World Wildlife Foundation”, nicht mit der “World Wrestling Federation” abgeschlossen habe.

Nachdem also auch diese afrikanischen Klopskerle – Teil eines Schurkenaustauschprogramms, das Bösewichte aus Nordafrika und dem Orient zur Fortbildung in die afrikanische Savanne einlädt – erledigt sind, betritt der Spieler ein Boot, auf dem er einen Elefanten befreit indem er Mr. Merick, den Elefantenmensch – der inzwischen gut Muckis bekommen hat – im Zweikampf besiegt. An dieser Stelle möchte ich meine Erfolgstaktik verraten: Das Spiel ist so programmiert, dass der Elefantenmensch mehr Reichweite hat als der Spieler und zudem eine wahnsinnig hohe Schlagfrequenz. Wenn man den ersten Schlag eingesteckt hat, ist man eigentlich schon so gut wie tot. Keines meiner ausgefeilten Angriffsmaneuver (“Hauen”, “Springen” und “Springen und Treten”) war in der Lage den Kerl umzuknocken oder mehr als einen Kratzer zu verursachen.

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Ich beschränkte mich darum darauf, mich tot hauen zu lassen und eine Münze nachzuwerfen (am Emulator natürlich nur eine virtuelle). Wenn ich dann “Continue” wählte, verlor mein Gegenüber ein wenig Energie. Dieses verschlagene Maneuver benutzte ich so lange, bis der Endboss erledigt war. Was wieder beweist, dass man jeden Endboss besiegen kann, wenn man nur lange genug über die Strategie nachdenkt. Unser schurkischer Freund verwandelt sich daraufhin in ein jämmerliches Häufchen Elend und fleht, dass man ihn nicht töten solle. Er würde uns alles geben, was wir wollen. Das wären wahrscheinlich die 20 Minuten meines Lebens die ich bis hierhin verloren habe und die Münzen im Gegenwert eines Ferrari Testarossa, die ich soweit in den Automaten geschmissen habe. Stattdessen bekomme ich eine Metallstange. Wütend haue ich den Jammerlappen ein letztes Mal (er greift ohnehin wieder an, wenn man ihn gewähren lässt), woraufhin er explodiert… obwohl der vorherige Endboss sich doch Dynamit um den Wanst geschnallt hatte. Muss internationale Solidariät oder sowas sein.

Dann muss ich mich einem Panzer stellen (sehr beliebt im frühen 20. Jahrhundert in den Kolonien), wobei ich zwei Dinge gelernt habe:

I.) Im direkten Konfrontationskurs kann ein Elefant einen Panzer ausschalten.
II.) In so einen Panzer passen insgesamt 8 Leute. Ja, die kommen alle aus dem selben Panzer. Fragt mich nicht, wie sie den Trick abgezogen haben.

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Zu diesem Zeitpunkt, nach knapp 30 Minuten, frage ich mich warum ich mir das überhaupt antue und verliere die Lust. Gott sei Dank ist das Spiel kurz (wahrscheinlich konnte man es nicht länger machen, weil sonst der Münzschacht explodiert wäre). Nach einem kurzen Jump’n'Run-Level im Inneren eines aktiven Vulkans (inklusive Todesfallen, schrecklich unfairer Kollisionsabfrage und der Enttarnung von Ranger Dan als Heuchler… tausende Gegner töten um ein paar Tiere zu befreien, aber kein Problem damit haben, Fledermäuse K.O. zu schlagen und in die Lava fallen zu lassen… das haben wir gerne), einem Flug mit einem der befreiten Adler –

African Fun Fact #5
Obwohl Forscher bis heute darüber streiten, was die Fluggeschwindigkeit einer mit einer Kokosnuss beladenen afrikanischen Schwalbe ist, wissen sie, dass ein afrikanischer Raubvogel ohne weiteres einen ausgewachsenen Mann schleppen kann.

–und einer Keilerei auf einer Brücke kommt Ranger Dan zu einem großen Tor, das bewacht wird von einem Clown in Frack und Zylinder, der einen Panzer wirft und Wolverineklauen an den Fingerknöchelns sowie einen Raketenwerfer im Nacken eingebaut hat. Das war exakt das Bild, das ich schon immer vor Augen hatte, wenn ich mir afrikanische Wilderer vorgestellt habe. Diesen Kerl auszuschalten ist etwas leichter, da ich ihm ebenbürtige Waffen benutzen darf.

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African Fun Fact #6
Ein weiteres Mittel der Kolonialmächte um die Kontrolle über ihre Gebiete in Afrika zu behalten war der Einsatz von “Rocket Propelled Granade”-Launchern, oder kurz “RPGs”. Diese wurden primär dazu benutzt, Elefanten am Rammen von Panzern zu hindern und Steinadler davon abzuhalten, ausgewachsene Männer zu verschleppen. Es ist ein wenig bekannter Fakt, dass es ein mit Stinger-Raketen ausgerüstetes französisches Fremdenlegionsbataillon war, das im ersten Weltkrieg den gesamten fliegenden Zirkus Manfred von Richthofens vom Himmel holte.

Anschließend stellt sich heraus, dass der Frack und Zylinder tragende, klauenbewehrte Raketenwerferrücken-Clown gar kein Mensch, sondern ein genial getarnter Außerirdischer war. Zumindest vermute ich, dass das hier ein Alien sein soll:

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Bei so einer genialen Tarnung: Kein Wunder, dass niemand je hinter den Schwindel gekommen ist. Ich frage mich zudem ob “controling” in diesem Zusammenhang bedeutet, dass ich gerade ein paar hundert Menschen umgebracht habe, die eigentlich nur gedankenkontrolliert wurden. Hmmm? Anyway, für diesen Boss entdecke ich sogar im Spiel eine sinnvolle Taktik wie ich ihn besiegen könnte, da aber die Aussicht dass das Elend bald vorbei ist mich reizt, entscheide ich mich dazu, erneut die Draufgehen-und-Continue-Taktik zu verwenden. Anschließend erklärt mir eine Endsequenz, die die ausführliche Eingangssequenz fast in den Schatten stellt:

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Hurrah für Hollywood. Die Harmonie zwischen Mensch und Natur ist wieder hergestellt. Und alles was ich dazu tun musste, war ein kleines afrikanisches Land entvölkern. Aber okay, da steht nichts von der Harmonie zwischen Mensch und Mensch und außerdem ist das hier das koloniale Afrika, da ist sowas ja ohnehin an der Tagesordnung gewesen. Insofern…

So what have we learned today, Charlie Brown?

a.) Die afrikanische Landschaft kann sich keine Farbtöne leisten die nicht braun, ocker oder grau sind.
b.) Es ist durchaus okay zum Schutz von ein paar Tieren zum Massenmörder zu werden.
c.) Wilderer tun das, was sie tun, weil sie von Außerirdischen kontrolliert werden.
d.) Endgegner explodieren, wenn man sie haut.
e.) Bei Wilderern herrscht Gleichberechtigung, auch afrikanische Frauen dürfen aufs Maul bekommen.
f.) Die Kolonialarmeen waren mindestens so gut bewaffnet wie die US-G.I.s in Vietnam.

Das und:

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African Fun Fact #7
Über ganz Afrika hängt ein riesiges Nagelbrett das manchmal runterkommt und Schurken tötet.

Zugegeben, das Spiel ist kurz, eintönig, zu schwer und die Geschichte macht absolut keinen Sinn… aber es ist auch ökologisch aufklärend, lehrreich und verflixt bit.zarr. Wenn alle Spiele so wären hätte auch Frontal21 nix mehr zu lästern.

Referrer Madness

Wednesday, June 22nd, 2005

Referrer Madness
(Live from the Machine Room)

Ja, es ist wieder so weit, ich denke, dass sich genug amüsante oder verstörende Suchanfragen angesammelt haben um eines der immer beliebten “Was führt Leute auf diese Seite?”-Posts zu präsentieren. Ich möchte mit einem Klassiker beginnen, der sich schon in allen anderen Referrer-Posts… okay, war bisher erst eines… finden ließ. Der Selbstmord mit der Plastiktüte. Ich bekomme weiterhin jeden Tag exakt eine (!) Anfrage zu diesem Thema, wobei Anfangs noch variiert wurde:

*Plastiktüte ersticken
*Selbstmord mit Plastiktüte
*Ersticken mit Plastiktüte
*Ersticken unter einer Plastiktüte
*Plastiktüte selbstmord
*Selbstmord Plastiktüte
*Plastiktuete ersticken

Inzwischen wird nur noch “Ersticken Plastiktüte” gesucht… und ich weiß immer noch nicht was ich daraus machen soll, aber es gibt da einige Interpretationsansätze: Möglichkeit 1 wäre, dass es in Deutschland eine große Dunkelziffer an Leuten gibt, die sich mit einer Platiktüte ersticken möchten, dazu aber eine Anleitung aus dem Internet benötigen. Das halte ich für unwahrscheinlich. Möglichkeit zwei ist, dass da ein einzelner Internetler täglich nach “Selbstmord” und “Plastiktüte” googlet… allerdings verstehe ich dann nicht, wieso er auch jeden Tag aufs neue einem Link auf diese Seite folgt. Irgendwann müsste er doch merken, dass es hier keine Anleitung gibt. Bliebe Möglichkeit drei: Irgendjemand sucht täglich nach einer Variation der beiden Begriffe und lässt sich dann auf diese Seite lenken um mich in den Wahnsinn zu treiben und die wissenschaftliche Unanfechtbarkeit der Statistik zu unterminieren. Sollte dem so sein: Unterlassen Sie das, Sir.

Mehr Suchbegriffe:

*Wie finde ich den Fernsehsender UPN

Vom Programm her? Scheiße. Da das eine US-Sender ist wäre eine alternative Möglichkeit in die USA zu ziehen.

*Hoshi und T-Pol haben Sex

Ah, Enterprise. Tut mir leid mein Freund, aber die heißen Lesbensexszenen wären – weiterhin fallende Quoten vorausgesetzt – erst in Staffel 5 gekommen. Da Enterprise aber nach Staffel 4ieingestellt wurde: Sucks to be you.

*Maybrit Illner hintern

Hat mindestens 8 Besucher auf diese Seite gespült. Da scheinen die Herren Schmidt und Wagner tatsächlich ein Thema gefunden zu haben, das die Nation beschäftigt.

*setzt man 1000 affen an 1000 schreibmaschinen erhält man irgendwann shakespeare

Standardantwort: Das Internet hat effektiv das Gegenteil bewiesen. Zudem ist die Aussage falsch. Das “Infinite Monkey Theorem” bestätigt zwar, dass die Möglichkeit existiert, aber es ist ebenso gut möglich, dass die Affen nie Shakespeares Gesamtwerk tippen werden. So wie es theoretisch auch möglich ist, dass eine Münze immer auf der Kopf- und nie auf der Zahl-Seite landet oder dass eine Nummer niemals in der Lotterie gezogen wird. Wer viel Zeit hat kann warten bis der maschinelle Monkey-Shakespeare-Simulator erfolgreich ist (er hat immerhin schon die ersten 24 Buchstaben aus Henry VI am Stück geschafft). Alternativ kann man in einem Wired-Artikel die Probleme verfolgen, die nicht bedacht wurden, als man dieses Theorem aufgestellt hat, etwa das Affen sich verhalten wie Affen:

At first, said Phillips, “the lead male got a stone and started bashing the hell out of [the keyboard]. Another thing they were interested in was in defecating and urinating all over the keyboard,” added Phillips, who runs the university’s Institute of Digital Arts and Technologies. Eventually, monkeys Elmo, Gum, Heather, Holly, Mistletoe and Rowan produced five pages of text, composed primarily of the letter S. Later, the letters A, J, L and M crept in.

Hehe, so ein dummer Affe. Quod erat demonstrandum.

*macgyver ausrüstung

Sein messerscharfer Verstand, alles was die Bösen aus Versehen da liegen gelassen haben, wo sie MacGyver einsperrten und diese unschlagbare 80er-Jahre-Föhnfrisur.

*definiere boulevardmagazin

Gerne. Okay, das hier ist schlimmer. Aber nicht viel.

*vollständiger name columbo

Das ist einfach: Lieutenant Columbo. Es gibt eine Trivial Pursuit-Karte die behauptet, dass sein Vorname Philipp wäre, das basiert aber nicht auf der Fernsehserie.

*Bewegender Totenkopf

Mortès Geschichte aus Planescape: Torment hat mich schon sehr bewegt. Die Affen von weiter oben würden wahrscheinlich eher für Yorick aus Hamlet votieren.

*furzende Affen

Vier Besucher. Ich weiß nicht ob ich das als gutes Zeichen (nur vier) oder als schlechtes (immerhin vier) auffassen soll. Dann wiederum sind die furzenden Affen wahrscheinlich auch nicht so beliebt wie der bekloppte Frosch. Möchte jemand schätzen wie lange der brauchen würde um Shakespeares Gesamtwerk zu schreiben?

*brauche bilder für echte fingernägeldesigner

Dinge die ich aus dieser Suchanfrage gelernt habe: A.) Es gibt Fingernägeldesigner. B.) Es gibt offenbar auch unechte Fingernägeldesigner. Go fig.

*Waffen der Urzeitmenschen

Ich weiß nicht mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg geführt wird, aber der vierte wird mit Steinen und Kalendersprüchen geführt werden. Wobei es unwahrscheinlich ist, dass eine Zivilisation die Steine und Keulen verwendet einen globalen Krieg führen kann. Schon rein logistisch.

*palim palim falsche pommes

Nein, nein, nein! Flasche Pommes, Flaaasche. Das ist doch der Scherz an der Sache. Warum sollte Didi Hallervorden denn falsche Pommes kaufen wollen? Das macht doch keinen Sinn.

*pietätslos

So unangenehm das ist, aber das könnte sogar stimmen. Und wo wir gerade grob beim Thema sind, hier nochmal als Einschub ein String einfach verstörender Suchbegriffe:

*anleitung zur selbstkastration
*kastration wichser
*wichser selbst kastration
*wichser selbstkastration

Wie schon beim letzten Mal: Das klingt ein wenig nach Überreaktion und wenn es – aus religiösen Gründen oder der Symmetrie wegen oder warum auch immer- tatsächlich nötig sein sollte, dann würde ich damit zumindest einen Arzt beauftragen. Den folgenden Suchbegriff gibt es jetzt einfach als Gegengewicht:

*masturbation spaß

*kurzgeschichte fenster dimension familie

Passt nicht hundertprozentig, aber ich würde die Kurzgeschichte The Music of Erich Zann von H.P. Lovecraft empfehlen. Da kommt zwar keine Familie vor, aber dafür ein Fenster, eine Dimension und ein deutscher Musiker. Zwei von drei + Gratismusik, klingt doch nach einem guten Deal, oder?

*Viagraschmuggel

War in den Neunzigern mal so populär, dass es eine Storyline bei Sluggy Freelance gab, wo Bun-Bun – das homizidale Karnickel – versucht hat einen internationalen Viagraschmuggelring aufzuziehen. Ist aber, außer in den Köpfen der führenden Spamverteilerkompanien, zu dem Zeitpunkt irrelevant geworden, als auch der letzte 7 Tage, 7 Köpfe-Komiker festgestellt hat, dass Viagra-Witze eigentlich nie komisch waren.

*bad mojo kurzgeschichte
*kurzgeschichte “bad mojo”
*kurzgeschichte autor bad mojo

Hier überrascht mich nicht der Suchbegriff, sondern, wie bei unserem Plastiktütenfreund, eher der Umstand dass der Suchende an einem Tag fünfzehn Mal auf diese Seite kam mit einem Suchbegriff der in diese Richtung ging. Man sollte meinen, dass er nach dem elften oder zwölften Mal gelernt hätte, dass es hier keine Bad Mojo-Kurzgeschichte gibt.

*gta san andreas hautfarbe wechseln

Ah, der infame Michael-Jackson-Mode bei GTA: San Andreas. Nun, ich bin ja kein Experte bei dem Spiel, aber macht es nicht irgendwie den gesamten Aufbau des Spiels kaputt wenn man plötzlich nicht mehr als 50 Cent sondern als Eminem in der Gegend rumläuft? Tut das nicht der Straßenkredibilität “in da hood” weh? Aber vielleicht macht ein deutscher Publisher ein ähnliches Spiel über weiße Realschul-HipHop-Neger aus den gemeingefährlichen Ghettovorstädten Deutschlands. Das dürfte dann eher gefallen. Andere San Andreas-Anfrage:

*Wie kann man bei gta san andreas vögeln

*lustig sketche afrika

Ich bin mir nicht sicher ob ich die Anfrage gut heißen kann. Und ohnehin: Darf man nach dem 11. September überhaupt noch lachen? Oh, wo wir bei Afrika sind:

*Kindersoldaten ficken Hutu

Im ersten Moment hatte ich hier gedacht, dass das ja durchaus eine ernstzunehmende Anfrage sein könnte. Über sexuelle Gewalt in Ruanda und die traumatischen Auswirkungen auf die Kindersoldaten… dann ist mir aufgefallen, dass da in der Mitte das Wort “ficken” steht, das den Anspruch effektiv unterminiert, weil das die Anzahl an “richtigen” wissenschaftlichen Quellen oder an “richtiger” Zeitungsliteratur doch begrenzen dürfte. Wie gesagt, ich möchte da niemanden verurteilen, aber in einem Suchbegriff Kindersoldaten, Genozid und Sex? Bitte nicht, wirklich, bitte nicht…

*Akte X Gastauftritt Mel Gibson

Daran kann ich mich noch erinnern, das war… lasst mich nachdenken… nie.

*Gründung einer Mikronation

*nachbarn stinkefinger zeigen urteile

Sollten Sie derjenige sein, der seinen Nachbarn den ausgestreckten Mittelfinger zeigen möchte, dann würde ich einfach sagen: Tun Sie’s. Denken Sie nicht so lange drüber nach, dass sie’s erst ausgooglen, sondern sein sie einfach mal spontan. Sonst ist das auch irgendwie unehrlich. Sollte Ihnen allerdings Ihr Nachbar den Mittelfinger gezeigt haben, dann würde ich sagen: Stellen Sie sich nicht so an. Entblößen Sie ihm gegenüber Ihren Hintern oder stecken Sie sei seine Katze in die Mikrowelle und dann lachen Sie beide herzlich über ihr Verhalten und versöhnen sich wieder. Okay?

*Verbrennen Flagge strafe deutschland

Das ist natürlich jetzt ein wenig schwammig: Soll hier eine ausländische Flagge in Deutschland oder die deutsche Flagge verbrannt werden? Für die Deutschlandflagge ist § 90a des StGB zuständig: Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole. Die Beleidigung der Bundesrepublik oder die Verunstaltung/Zerstörung ihrer Flagge wird dann mit bis zu 5 Jahren Freiheitsentzug oder einer Geldstrafe geahndet. Bei ausländischen Flaggen greift §104 des StGB… eigentlich die gleichen Regeln wie oben, aber hier liegt das Strafmaß bei nur 2 Jahren Haft (oder eben Geldstrafe). Muss man selber entscheiden ob das eine geeignete Protestform ist, aber anti-amerikanisch zu sein kommt einen auf jeden Fall günstiger als anti-deutsch zu sein. Dies war ein Service der Agitpop GmbH & Co KG Rechtsabteilung. Und ich glaube ich kann das Blog jetzt mit Fug und Recht als Lawblog, bzw. Jurablog bezeichnen. Hurrah.

*Adventure mit Schweinedame

Bazooka Sue. Lohnt sich nicht. Echt gezz…

*Was bedeutet “All Hail Discordia”

Für solche Fragen haben wir den Kanon der Popliteratur eingeführt. Einfach The Illuminatus! Trilogy lesen und alle Fragen werden geklärt. Aber in der Kurzform, es bedeutet soviel wie: Heil Discordia.

*gamedesigner idee verschenken

Das hat Tim Schäfer (der Mann hinter Grim Fandango und Day of the Tentacle) mal gemacht :

“Ho, ho! Ideas! Like our ideas count for anything around here. No, the sad truth is we game designers have ideas, great ideas! I’m having one right now in fact! How about a game where you play this, like, guy, who really, like, has a lot of attitude, and all this stuff keeps happening to him, and he’s like, “I’m too old for this stuff!” Then there’s, like, these sexy robots called the, uh, the “Guildee Fla’raux,” who are trying to kill him, and uh, there’s an ice level, and we do it all in 3D! See? Free game idea! Go ahead and take it!”

Da bitte. Jetzt will ich aber auch das passende Spiel dazu sehen.

*jacko der prozess abgesetzt viva

Ja, ein nachgestellter Prozess über einen nachgestellten Popstar bringt halt nicht genug Quote. Und wir wissen dass Viva sparen muss. Aber – hey – die gute Nachricht ist dass dadurch locker 30 Minuten mehr Platz für Klingeltonwerbung gewonnen wurde. Das heißt: Mehr Crazy Frog pro Minute. Ring, ding, ding, ding, ding. Ring, ding, ding, ding, ding, ding, ding. Prrrt, prrrt… ähm… Verzeihung, aber die Melodie ist doch sehr eingängig.

*Ghostbusters Fundamentalisten

Auf jeden Fall. Haben nie versucht sich mal in die Rolle der Geister hineinzuversetzen die sie da in ihr Verbannungsgulag im Keller gesperrt haben.

*claudia “studiere geschichte” dresden

Angenehm. Björn, ebenso, aber nicht in Dresden. Falls das keine Vorstellung war sondern ein Suchbegriff: Ich will die Hoffnungen ja nicht im Keim ersticken, aber das klingt mir doch ein wenig unpräzise für einen erfolgreichen Treffer.

*wo kann ich videos über exekutionen kaufen

Hatte ich nicht beim letzten Mal schon darauf hingewiesen, dass man sowas in die Richtung sicherlich auf der al-Dschasira-Homepage findet? Wenn man den internationalen Terrorismus unterstützen möchte kann man auch die al-Quaida anschreiben und fragen ob sie nicht noch ein paar Videos von Daniel Pearls Enthauptung haben. Ich hoffe auch hier dass das irgendeinem wissenschaftlichen Zweck dient und nicht einfach nur die Suchanfrage “echter Snufffilm” ersetzt hat.

*muschi lecken
*Hunde lecken Muschi

Ah, die Damen und Herren von Planetopia auf Sat1 machen wohl wieder eine Reportage. Ich sehe den Betroffenheitstenor schon vor mir: Schock im Internet! Kinder die Bilder von mit Kätzchen spielenden Welpen suchen, werden auf widerliche, geschmacklose Webseiten gelotst die ihnen erklären wie sie sich Terrorvideos beschaffen und sich dann mit einer Plastiktüte ersticken können. Wann schreitet die Bundesregierung hier endlich ein?

Und zuletzt ein Suchbegriff über den ich mich wirklich gefreut habe. Also so richtig mit “Yes, yes, yesss!” und Konfetti und allem drum und dran:

*Zwergenporn

Ganz klar: Eyes Wide Shut.

Per Anhalter durch die Galaxis

Monday, June 20th, 2005

Falls es jemanden interessiert: Meine Hemmschwelle liegt bei 1,5 Litern. Zwischen 0 und 1,49 Litern war ich noch überzeugt davon, dass ich nicht in Per Anhalter durch die Galaxis gehen wollte, am Ende der dritten Flasche Bier hatte ich mich dann doch überzeugen lassen. Grmbl. Dabei hat die Münze, die ich vorher warf, eindeutig gesagt: “Bleib zu Hause, guck dir Argentinien gegen Australien oder Wandfarbe beim Trocknen an!” Naja, selber Schuld. Ich hätte auf die Münze oder meine Intuition hören können, habe es aber nicht getan. Wie war das noch? Image ist nichts, Durst ist alles. Hör auf deinen Durst… den Durst, nicht das was du zum Durst löschen trinkst.

Fangen wir mit dem Guten an: Der Film hat ein verflixt eingängiges Titletheme zu dem die Delphine (die zweitklügste Rasse auf der Erde) den Planeten verlassen. So long and thanks for all the fish… wirklich sehr eingängiges Lied, ein bisschen musicalesque. Danach beginnen die Probleme, beziehungsweise danach beginnt das Kernproblem: Der Film ist nicht lustig. Das ist wahrscheinlich das größte Problem das eine Komödie haben kann und ich verstehe nicht, dass das niemand gemerkt hat. Ich verstehe dass man Bücher zurechtstutzen muss um sie verfilmen zu können, ich jammere nicht, dass Tom Bombadil im ersten Lord of the Rings nicht vorkam, weil das den Anfang des Films nur ausgebremst hätte, aber in Hitchhiker’s Guide to the Galaxy (ab jetzt normgemäß als H2G2 abgekürzt) hat man beim Kürzen und Ändern Dinge getan, die einfach… und vielleicht spricht hier doch der verbitterte Fan aus mir… dämlich sind. Zum Beispiel das man auf den Humor verzichtet hat.

Douglas Adams hatte ein Gespür für wirklich witzige Dialoge. Dialogkomik in einem Buch zu erschaffen ist eines der schwersten Unterfangen die es für einen Autoren gibt. Es sind wirklich wenige Autoren die diese Disziplin beherrschen. Jonathan Swift, Mark Twain, Terry Pratchett… und eben Douglas Adams. Ich will mal ein Beispiel dafür geben, wo sich die Humorproblematik im Film finden lässt. Der Anfang von H2G2 ist einer der stärksten Teile des Buchs. Arthur Dent wacht vollkommen verkatert auf und aus irgendeinem Grund rumpelt ihm “gelb” im Kopf rum. Erst nach ein paar Momenten assoziert er “gelb” mit den Bulldozern die vor seinem Haus stehen und dabei sind es abzureißen um Platz für eine Schnellstraße zu machen. Im folgenden entwickelt sich dieser Dialog zwischen Arthur Dent und Mr. Prosser dem Bulldozerfahrer (ein direkter Nachfahre von Genghis Khan, was er aber nicht weiß), in dem Arthur sich beschwert, dass er erst zu spät von den Plänen sein Haus abzureißen erfahren habe:

-Arthur: “You hadn’t exactly gone out of your way to call attention to them had you? I mean like actually telling anyone or anything.”
-Prosser: “But the plans were on display…”
-Arthur: “On display? I eventually had to go down to the cellar to find them.”
-Prosser: “That’s the display department.”
-Arthur: “With a torch.”
-Prosser: “Ah, well the lights had probably gone.”
-Arthur: “So had the stairs.”
-Prosser: “But look you found the notice didn’t you?”
-Arthur : “Yes, yes I did. It was on display in the bottom of a locked filing cabinet stuck in a disused lavatory with a sign on the door saying Beware of The Leopard”.

Angriff. Riposte. Finte. Neuer Angriff. Treffer. Das ist wirklich fein gestimmter Dialoghumor, der auch funktioniert wenn er nur im Kopf stattfindet. Besonders gerne mag ich den Brückenteil: “Well the lights had probably gone.” – “So had the stairs.” Mit Heinz Erhardt: Der Ofen und meine Eltern waren ausgegangen. In der Filmversion sieht das ein wenig… geraffter aus:

-Prosser: “Aber sie haben die Pläne doch gefunden, oder?”
-Arthur: “Ja, im Keller.”

Hust. Hust. Okay, das kann man mit viel gutem Willen als Dialogwitz auslegen. Aber warum sollte man? Man hatte eine perfekt funktionierende Struktur mit einer gelungenen Pointe und die hat man rausgeworfen. Und garantiert nicht um den Film auf einer erträglichen Länge zu halten, denn es kommen später Szenen die man nicht hätte im Film haben müssen. Das Problem ist zudem, dass das nicht die einzige Situation ist wo man perfekt funktionierende Elemente vollkommen unnötig aus dem Film genommen hat. Eigentlich bringt Arthurs Freund Ford Prefect – ein Außerirdischer der für den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis schreibt – Mr. Prosser dazu sich anstelle von Arthur vor seinen eigenen Bulldozer zu legen und so den Abriß zu verzögern, während Arthur und Ford in den nächsten Pub gehen. Hier hat Ford einen Einkaufswagen voller Bier dabei mit dem er die Bauarbeiter ablenkt. Okay, wenn man nicht fragt wieso Ford den Einkaufswagen dabei hat, dann funktioniert das auch. Ist aber längst nicht so amüsant.

Und auch im Herzstück des Buchs, den Reiseführereinträgen, hat man geschnitten… auch hier ohne erkennbaren Grund. Zwei relevante Einträge haben ihren Weg in den Film erst gar nicht gefunden. Zum einen der gesamte Eintrag über den Planeten Erde (“Harmlos.” Wird in Einmal Rupert und zurück erweitert auf: “Weitestgehend harmlos.“), zum anderen der Eintrag über das Handtuch. Ford drückt Arthur, bevor die Erde zerstört wird, ein Handtuch in die Hand und sagt er würde das brauchen. Warum er es braucht, was das Handtuch zum nützlichsten Gegenstand des Universums macht, wird nicht erklärt. Aus diesem Grund macht die Handtuchszene auch keinerlei Sinn. Dann ist da der Eintrag über den Babelfisch. Spätestens seit es den Internetübersetzungsdienst gleichen Namens gibt (auch wenn ich persönlich weiterhin den derogativen aber passenderen Begriff “Garblefish” verwenden werde) weiß in etwa jeder wie der funktioniert. Eine Sprache geht rein, eine andere geht raus. Der Teil wird auch im Film erklärt. Aber man hat den lustigen Teil des Reiseführereintrags komplett entfernt. Denn im Buch geht der Eintrag über den Babelfish wie folgt weiter:

Now it is such a bizarrely improbable coincidence that anything that mindbogglingly useful could have evolved purely by chance that some thinkers have chosen to see it as a final and clinching proof of the nonexistence of God. The argument goes something like this: ‘I refuse to prove that I exist,’ says God, ‘for proof denies faith, and without faith I am nothing.’ ‘But,’ says man, ‘the Babel fish is a dead giveaway, isn´t it? It could not have evolved by chance. It proves you exist, and so therefore, by your own arguments, you don´t. QED.’ ‘Oh dear,’ says God, ‘I hadn´t thought of that,’ and promptly vanishes in a puff of logic. ‘Oh, that was easy,’ says man, and for an encore goes on to prove that black is white and gets himself killed on the next zebra crossing.

Ein ähnliches Phänomen gibt es beim Eintrag über die Vogonen. Wir erfahren im Film, dass der durchschnittliche Vogone seine Oma nicht vor dem gefährlichen Bugblatter Beast von Traal retten würde ohne vorher ein Formular in dreifacher Ausführung ausgefüllt, weitergereicht, verloren, gefunden, abegelehnt, neu bewertet und dann bestätigt bekommen zu haben. Was im Film fehlt ist der Nachsatz: “Der beste Weg einen Vogonen zu ärgern ist es seine Oma dem gefährlichen Bugblatter Beast von Traal zum Fraß vorzuwerfen.

Das ist komisch. Und eben – aus Gründen, die ich nicht verstehen kann – nicht im Film. Und da der Film eine Komödie sein sollte, verstehe ich es noch weniger. Das heißt, es gäbe doch einen Grund warum das nicht im Film ist (also außer mieser Arbeit im Schneideraum): Disney. H2G2 ist ein Disney-Film und insofern könnte es sein, dass man Gewalt gegen alte Menschen – auch außerirdische, alte Menschen – und Witze die Gott involvieren lieber nicht im Film haben wollte. Aber da die Erde hier nicht von Gott sondern von Slartibartfast geschaffen wurde, kann ich mir das eigentlich nicht wirklich vorstellen.

Das klingt jetzt vielleicht schon nach: “Guy loves the book, hates the movie, film at eleven”, aber so ist es nicht. Ich wollte mit diesen Beispielen nur demonstrieren wie galant der Film es schafft solides Comedygold im Buch zu ignorieren. Und bei einer Komödie tut so ein gedankenloses Verhalten schon weh. Und das sind nur ein paar Beispiele. Es wird noch mehr guter Witz ignoriert, damit man Slapstick (Schaufel ins Gesicht… fast eine halbe Minute lang… was eigentlich nicht schlecht kommt, aber The Simpsons haben in “Cape Feare” immerhin Sideshow Bob fast zwei Minuten am Stück Harkenstile ins Gesicht bekommen lassen, insofern…) einbauen kann. Schlechter Tausch. Ganz schlechter Tausch.

Aber auch auf einem rein filmischen Level hat H2G2 ernste Probleme: Es gibt diese Simpsons-Episode wo die Familie am Ende versucht eine Moral zu destillieren und dann feststellt: “Maybe it’s just a bunch of stuff happening.” Das ist der legitime Untertitel für H2G2: A bunch of stuff happening. Ohne Sinn und Zweck. Dinge geschehen einfach nur um den Plot voranzubringen und von einer isolierten Szene zur nächsten zu kommen, man hat nie das Gefühl, dass der Film einen wirklichen Fluss findet, er plätschert so vor sich hin, Dinge passieren, aber es kommt nie Dramatik oder Spannung auf. Arthur ist der letzte Mensch der Erde und er ist jetzt im Weltraum, da sollte viel mehr “sense of wonder” vorkommen, das Universum sollte schwärmen mit Leben und Konzepten die Arthur verwirren. Aber alles was wir haben sind ein paar Vogonen (sehen sehr gut aus), ein paar Außerirdische im Hintergrund (sehen sehr hüftsteif aus) und ein Kerl der statt einem Unterleib mechanische Spinnenbeine hat (sieht aus wie John Malkovich). Das ist zu wenig. Die Cantina in Star Wars war fremdartiger und faszinierender und das ist fast 30 Jahre her. Oh… und da sind die beiden Aliendamen mit denen Ford rummacht – ein japanisches Schulmädchen mit einem Paar Beine aber mit fünf Oberkörpern und eine Frau die schätzungsweise 20 Meter groß ist – zähle ich nicht. Vorallem die zweite Frau… hahaha, Ford hat mit einer Riesentussi Sex gehabt, ein Brüller, ein Knaller, da bleibt einem die Luft zum Atmen weg. Im Ernst, ihr hattet keinen Platz um den Arthur-Prosser-Dialog oder die Gott-Erwähnung einzubauen, aber für Humor auf Ey Mann, wo ist mein Auto-Niveau haben wir Platz? Gott in Himmel… oder eben auch nicht… anyway…

Die episodenhafte Struktur hatte das Buch auch, aber im Film kommt es ganz negativ zum Tragen, auch weil jemand beim Drehbuch geschlafen hat. Für den Film wurde die Figur des Humma Kavula eingeführt. Arthur und Ford reisen mit dem Präsidenten der Galaxis, Zaphod Beeblebrox, durchs Weltall und treffen auf den Konkurrenten Zaphods, besagten Humma Kavula (John Malkovich, der ziemlich gut war in diesem Film wo er einen Juwelendieb gespielt hat). Humma nimmt Zaphods dritten Arm und zweiten Kopf (dazu komme ich noch) als Geisel und verlangt, dass man ihm eine mächtige Waffe – die “Point of View”-Kanone – beschafft. Nachdem man Humma Kavula verlassen hat vergisst das Drehbuch Zaphods zweiten Kopf, dritten Arm und Humma Kavula ganz. Der Mann wird nie wieder erwähnt. Selbst wenn man am Ende die “Point of View”-Kanone hat reist man nicht etwa zu Humma Kavula, sondern zum Restaurant am Ende des Universums (hier das räumliche, nicht das zeitliche Ende). Die gesamte Figur des Humma Kavula macht so gesehen keinen Sinn. Er wird als Antagonist aufgebaut, er entführt Zaphods zweiten Kopf… aber nur damit er Zaphod sagen kann, zu welchem Planeten er nun fliegen müsse um die Waffe zu finden und so den Plot voranzubringen. Sobald das erledigt ist hat er keine Funktion mehr im Film. Und so betrachtet hat auch seine Rolle an sich keine Bedeutung. Deus ex machina um die Story voranzutreiben. A bunch of stuff happening. Gut durchdacht, echt gezz.

Zaphods zweiter Kopf. Auch das funktioniert nicht. Zaphod war einer meiner Lieblingscharaktere im Buch (ja, ich bin ein Apostat, Marvin ist nicht mein Lieblingscharakter… er kommt nichtmal an zweiter Stelle, da würde ich Ford Prefect ansiedeln), aber im Film kommt seine Rolle nicht rüber. Ein widerlicher, arroganter Volldepp. Und wenn er noch widerlicher und arroganter werden will, dann spricht sein zweiter Kopf. Den hat er da, wo andere Leute ihren Hals haben. Angeblich stammt diese Idee von Douglas Adams selber, das macht sie aber nicht besser. Es sollte tricktechnisch möglich sein einen zweiten Kopf neben den ersten zu montieren, so dass er konstant zu sehen ist und nicht nur alle 20 Minuten (noch schlimmer ist Zaphods dritter Arm, der wird konstant von einem Mantel verdeckt… soviel zum Budget). Außerdem hatte der zweite Kopf im Buch eine wichtige Rolle: Nämlich keine. Figuren mit 2 Köpfen neigen in der Popkultur dazu sich mit sich selbst zu streiten (gilt auch für dreiköpfige Figuren, vgl. Ritter der Kokosnuss). Nicht so bei Zaphod. Sein zweiter Kopf sagt nichts, macht nichts, er ist einfach nur da. Er ist vollkommen nutz- und sinnlos. Und ich weiß einen guten Non Sequitur zu schätzen wenn ich ihn sehe. Aber okay, das wäre der allgemeinen Zuschauerschaft vielleicht nicht zu verkaufen gewesen.

Trotzdem gibt es noch einen Teil des Films den ich loben muss: Das Finale auf dem Planeten Magrathea, wenn Arthur Dent erfährt dass die Erde nur ein riesiger Computer war und in eine Fertigungshalle gebracht wird, in der die Erde – Mark II produziert wird. Das ist eine richtig hübsche Szene. Arthur und Slartibartfast (einer der Designer der Erde, mag es Fjorde zu gestalten und hat dafür auch einen Preis gewonnen) reisen durch die Fertigungsstätte und wir sehen wie ein Mitarbeiter mit einem riesigen Wasserschlauch die Weltmeere füllt und wie ein anderer Mitarbeiter gerade dabei ist den Ayer’s Rock rot anzustreichen. Das fühlte sich richtig an. Davon hätte es mehr geben sollen. Und auch Bill Nighy gibt einen guten Slartibartfast ab, von seinem Job ermüdet und gelangweilt, aber wenn er davon erzählt, dass er die Fjorde designt hat blitzt es in seinen Augen auf. Schön. Schade dass ich sofort wieder in den Kritikermodus schalten muss: Transdimensionale Wesen (Mäuse), haben den Computer Erde erschaffen lassen um die Frage zur Antwort auf das Leben, das Universum und Alles zu erhalten. Sie wollen nun am Ende Arthurs Gehirn haben, weil dieser der letzte Teil der Erde ist, der nicht zerstört wurde und weil sie hoffen so an die Frage zu kommen. Nur: Wir sehen wie die Erde – Mark II gebaut und mit exakt den selben Leuten gefüllt wird, die mit der Erde – Mark I zerstört wurden. Das Programm scheint also exakt da weiterzugehen, wo es ursprünglich aufgehört hat… warum brauchen die Mäuse dann Arthurs Hirn? Das ist einfach schlecht durchdacht.

Zum Schluss gibt es noch ein bisschen sinnfreie Action und dann das Ende, das eigentlich alles ignoriert was bis zu dem Zeitpunkt geschehen ist. Angeblich hat der Stress der Filmplanung zu Douglas Adams tödlichen Herzinfarkt geführt… wenn dem so sein sollte, dann wäre der Film gleich doppelt bitter. H2G2 muss man die vernichtendste Kritik ausstellen, die man einer Komödie ausstellen kann: Der Film ist zu oft nicht lustig. Und wenn man dann sieht – was natürlich in erster Linie Leser des Buches wissen – wie viele gute und lustige Witze und Szenen der Schere zum Opfer fielen, um Platz für Fords 20-Meter-Freundin oder den Kalauer “Marvin, leihst du mir mal eine Hand”, ehe wir Arthur mit Marvins Arm bewaffnet sehen (ein Knüller… und so originell… da lobe ich mir doch die “Handgranate” aus Death Race 2000), einzubauen, dann kann man nicht anders als sich an den Kopf zu packen. Wie kann man so großzügig komische Szenen verbaseln? Den Todestoß gibt dem Film dann der Umstand, dass er einfach schlampig geschnitten zu sein scheint. Er findet nie ein mitreißendes Tempo, die Szenen plätschern lustlos vor sich hin, einige Dinge wie das Handtuch werden nie erklärt, andere Dinge wie die Entführung von Zaphods Kopf und Arm werden einfach vergessen. Sowas sollte in einem professionell gemachten Film nicht passieren. Oder in der Kurzkritik: Unlustig, schlecht durchdacht und langweilig. Wenn man bedenkt, dass ein Kinoticket heute fast soviel kostet wie der Sammelband mit den ersten drei Anhalter-Büchern, dann sollte klar sein in welches Medium man sein Geld besser investiert. Denn die Kerntrilogie ist genau das, was der Film nicht ist: Amüsant, geistreich, witzig und interessant. Oder man sollte sich die alte BBC-Verfilmung zulegen, die zwar tricktechnisch meilenweit hinterher hinkt, dass aber mit jeder Menge Charme und Liebe zum Detail wieder wett macht (ein Marvinkostüm aus der BBC-Version hat einen Gastauftritt im Film).

Zum Schluss noch ein Satz der zeigt warum ich Douglas Adams Schreibstil wirklich, wirklich, wirklich schätze:

The ships hung in the sky in much the same way that bricks don’t.

Now… that’s comedy.

Männer und Frauen? MenschInnen!

Thursday, June 16th, 2005

Huch… Wahlkampf in der Uni. Ist es schon wieder so weit? Sind Studentenparlament und Senat schon wieder ein ganzes Jahr lang ineffektiv, realitätsfern und in kleingeistige Grabenkriege verstrickt gewesen? Offenbar ja, denn die Tische und Wände in Mensen, Unifoyers und Seminarräumen werden derzeit wieder mit einem derartigen Wust an Werbepapieren eingedeckt, dass man direkt Atemnot bekommen kann wenn man nur daran denkt, wieviele Bäume dafür ihr Leben lassen mussten.

Vor allem die studentische Linke, aufgesplittet in unzählige Kleinstfraktionen, tritt dabei besonders hervor. Von dutzenden Flyern springt es mich wieder an, wie “diskriminierend”, “unsozial”, “fremdenfeindlich”, “rassistisch”, “patriarchal” und “sexistisch” unser Universität ist. Ja, viele Komilitanten und Komilitussen sind geneigt ihr Kreuzchen in der kommenden Woche bei den führerstaatlichen Nationalsozialisten oder der Großen Radikalislamistischen Mullahbewegung Lahn (GRMBL) zu machen um mal wieder einen Hauch von Demokratie an der Uni zu verspüren. Aber ich will nicht spotten.

Gerade das Thema Sexismus an der Uni sollte angegangen und in einem ernsten und relevanten Kontexte betrachtet werden. Mir wurden da letzten Sommer die Augen geöffnet, als ich in der Mensa ein Flugblatt der Gruppe “Gender Trouble – Feministische Linke” lesen durfte, auf dem mir erklärt wurde, dass ich jedesmal wenn ich Worte wie “Mannschaft”, “bemannen” oder – Gott steh uns allen bei – “jedermann” benutzte selektiv über 50% der Weltbevölkerung diskriminiere und mit diesem gedankenlosen Sexismus all das legitimiere, was Frauen in den letzten paar Tausend Jahren wiederfahren ist. Burkas in Afghanistan, Hexenverbrennungen, kein Frauenwahlrecht, häusliche Gewalt, Vergewaltigungen, Zwangsabtreibungen, Zwangsgeburten und Verstümmelungen im Schambereich? All das verharmlose ich damit. Sollte mir vielleicht ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Yep, ich war’s” zulegen. Vermutlich verleugne ich damit auch, dass in Auschwitz auch Frauen umgebracht wurden und muss aufpassen, dass ich nicht für zwei Jahre im Knast lande. Anyway, Kernaussage des Blattes: Männer sind böse und patriarchalische Sprachweise sowieso.

Dabei geht es doch auch ganz anders, wie mir heute ein Wahlkampfflugblatt der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. gezeigt hat. Man kann ganz bewusst auf eine sexistische Sprechweise verzichten und so seinen Teil zur Demokratie beitragen. Und das ganze geht ganz einfach. Ich zitiere aus besagtem Flugblatt (Titel: “let’s push things forward…” vom Juni 2005):

Dass dann noch der/die ein/e oder andere/r mit Vitamin B einer/s GönnerIn an eine gutbezahlte Stelle kommt, ist keineswegs mehr die Perspektive auf die die meisten StudentInnen hoffen dürfen.

Da, na bitte. Es geht doch. Man muss nur wollen: Ein kleiner Textblock der demokratisch und gleichberechtigend ist, der Frauen nicht außen vor lässt und der weder rituelle Gebärmutterverstümmelungen noch die Hexenverbrennungen legitimiert. Und es ist ganz simpel. “Der/die ein/e oder andere/r mit Vitamin B einer/s GönnerIn.” Das hat man sich ganz einfach angewöhnt und es geht einem auch ganz leicht von der Zunge und den Fingerspitzen. Mal ganz abgesehen davon, dass es stilistisch einfach so unglaublich elegant ist, dass die deutsche Sprache keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat als sich in einer Ecke zusammenzurollen und zu sterben.

Danke an die “political correctness” und die wackere Mannschaft von der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.. Wenn in Deutschland jedermann so sprechen und schreiben würde, ich wage zu behaupten, dass dieses, unser Vaterland ein lebenswerterer Ort für Männer beiderlei Geschlechts wäre. Also los, alles was es braucht um das zu schaffen sind ordentlich Cojones und die haben wir doch alle, oder?

[Der/die RedaktionIn möchte sich bei unseren LeserInnen (allen beiden) entschuldigen, die über die hier vertretenen Einstellung vielleicht schockiert oder erbost sind. Aber wir sind halt allesamt MachosInnen der alten Schule. Aus emanzipatorischen Gründen wurde ein erster Entwurf dieses Posts mit einer Kugelschreiberin vorgefertigt.]

Weiterführende Literatur

*Gehirnverschmutzung Now: Neusprech
*Politisch korrekte Sprache
*Liebe Gläubiginnen und Gläubige


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