Star Trek
Sunday, May 17th, 2009Präambel: Star Trek and Me
Muss ich hier meine Nerd-Kredentialien nochmal auf den Tisch legen? Vermutlich nicht, darum hier die Cliff-Notes-Version zum Thema “Björn und Star Trek“: Irgendwann in den späten Achtzigern von der Folge “Wildwest im Weltraum” der Originalserie angefixt worden. Dann in den Ausläufern der Achtziger und den ganz frühen Neunzigern unglaublich aufgeregt gewesen, weil eine neue Raumschiff-Enterprise-Serie kommen würde. Sowas erfuhr man damals, in Zeiten vor dieser Röhrenreihe namens Internet, noch ganz primitiv und barbarisch durch Zufall. Zufall in Form eines Werbeprospekt der Hörspielfirma Karussell, die Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert bald schon in Form von Kassetten (das waren sowas wie rechteckige MP3s, liebe jüngere Leser) veröffentlichen würde, während bald darauf das ZDF das Ganze auch im Fernsehen (das war sowas wie YouTube für Clips von mehr als zehn Minuten Länge, liebe jüngere Leser) präsentieren würde.
Hatte mich TOS angefixt, machte mich TNG zum Junkie. Bis heute gehöre ich zu jener Fraktion, die zwar zugibt, dass Kirk das bessere Haarteil hatte, Picard aber der bessere Captain war. Wie das wohl vielen so ging, in einer Zeit als Nerd sein keine akzeptable, im Netz auslebbare Alternative, sondern ein sicherer Pfad in die soziale Isolation war: TNG gab mir einen gewissen Rückzugsraum. Große Weltraumabenteuer, eine positive Botschaft, viel soziale Utopie, viel Wissenschaft (oft ‘junk science’, aber teils überraschend zeitgemäße, solide Wissenschaft) und vor allem Techniker, Computergeeks und Gebildete als Helden. Natürlich fühlt man sich da als leicht entfremdetes Kind und bald darauf ähnlich entfremdeter Jugendlicher wohl. Und zumindest für die positiven Werte die mir Jean-Luc Picard eingetrichtert hat, bin ich durchaus dankbar. So scheel man für so eine Aussage auch angesehen wird, in einer Zeit in der alles ironisch gebrochen sein muss (und, ja, der zuständige Redakteur weiß sehr wohl, dass er sich selbst dieses Verbrechens wiederholt schuldig gemacht hat)…
Dann kam Deep Space 9 und wurde, nach einem schwachen Start (und durch massiven Klau bei Babylon 5) zur besten Trek-Serie, während der Verfasser dieser Zeilen in die Hochphase seiner Trek-Begeisterung ein- und einem Trek-Forum im Netz beitrat. Von da an ging es dann rapide abwärts: Voyager sah ich, weil ich Trek noch immer mochte, obwohl mir die Serie mit ihrer Rückkehr zur Einzelepisode und der kritikresistenten Betonfrisur auf der Brücke nur selten wirklich zusagte. Das Trek-Forum enthüllte mir die Borniertheit und Kritikunfähigkeit vieler “Trekkies” und dann kam auch schon Enterprise… eine Serie zu der ich ja in der Vergangenheit genug gesagt habe. (Kurzfassung: “Ja, Kruzifix, woas oan Schmarrn!”)
Björns Trek-Begeisterung war sogar noch vor Enterprise gestorben. Klar, ich hege immer noch gewisse Sympathien für Star Trek und seine Grundideen, war aber nach dem Ende von Enterprise ziemlich sicher, dass das Franchise auf Jahrzehnte tot und begraben ist… und dass das nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss. Sowas passiert mit Serien die fast zwei Dekaden am Stück laufen: Sie werden inzestuöse Eitergeschwüre, zu konvolut um für Neulinge zugänglich zu sein und zu selbstbezogen um wirklich noch “tapfer dahin vorzudringen”, wo nie zuvor eine Fernsehserie gewesen ist. Insofern stand ich dem Reboot auch relativ offen gegenüber. Hey, es ist nicht so als ob J.J. Abrams noch groß was auf jener Star-Trek-Wiese hätte zertrampeln könnte, über die Picard schon 2002 ohne Rücksicht auf Verluste mit dem Midlife-Crisis-Mobil aus Nemesis pflügte, bevor Archer anfing darauf seine Töle Gassi zu führen.
Before They Were Stars
Vorwarnung: Arrrr, here be spoilers.
Für den neuen Film wählte J. Jonah Abramovic, bekannt dafür bei Cloverfield nicht Regie geführt zu haben, also ein Reboot der Original Series. Per se keine schlechte Idee, wird man so doch viel Ballast los, der sich in den letzten fast 45 Jahren angesammelt hat und der besonders den letzten Auswüchsen des Franchises gerne mal wie eine Bleikugel am Bein hing. Trek-Fans können beckmessernde Bastarde sein, wie Phil Farrand in gleich vier Büchern exzessiv unter Beweis gestellt hat. Ein frischer Start macht das Franchise also Neulingen zugänglicher (was man ja schon bei Enterprise versuchte, nur um dann doch wieder in den tiefsten Gefilden des Canon zu versumpfen) und gibt gleichzeitig den Autoren mehr Freiraum um eine zeitgemäße Interpretation auf die Leinwand zu bringen, ohne dabei bei jedem Satz fürchten zu müssen, dass man gerade einer unglaublich wichtigen Information aus einem Nebensatz der Voyager-Folge “The Threshold” widerspricht, weshalb tausende Voll-Trekkies einen Herzinfarkt bekommen, zeitgleich umkippen und so ein Erdbeben auslösen, das San Francisco endgültig im Meer versinken lässt. Was unschön wäre, weil ja die Starfleet Academy in SanFran lokalisiert ist und wenn es die Stadt nicht mehr gäbe, dann käme man ja in ganz schöne Erklärungsnot und… okay, ihr versteht das Problem.
Natürlich gab es sofort wieder die üblichen Netz-Reaktionen: Igitt, man will uns unsere Serie wegnehmen! Jay Jay Okochabrams ist gerade dabei, eine klassische Science-Fiction-Serie zu vergewaltigen! (Unter der Stufe “Vergewaltigung” geht es bekanntlich in Netzdebatten über sowas gar nicht erst los.) Den Produzenten geht es nur ums Geld, ihnen fehlt jedes Gefühl für die beste Serie aller Zeiten! Und so weiter, und so fort.
Denn seien wir ehrlich: Star Trek ist zumindest in Teilen des Netzes nicht nur eine Serie oder wegen mir auch noch eine Weltanschauung, es ist wirklich eine vollständige Religion geworden. (Wie ja auch Futurama erkannte, in einem der besten Trek-verwandten Stücke Fernsehgeschichte.) Und damit wird zumindest die Originalserie völlig aus dem Kontext gerissen und in Sphären gepustet, in denen sie nichts zu suchen hat. Und in denen sie sich aus freien Stücken sicher nicht tummeln würde. TOS war spaßiger, unterhaltsamer, bunter Science-Fiction-Action-Camp. Nicht weniger. Nicht mehr. Mit vielen guten Ideen, sicher. Auch mit einer positiven Kernaussage, vielen revolutionären Elementen (ein Russe an Bord der Enterprise mitten im Kalten Krieg, der erste Fernsehkuss zwischen einer schwarzen Schauspielerin und einem weißen Schauspieler) und einigen richtig tollen Folgen (vor allem natürlich The City on the Edge of Forever)… aber eben auch mit Weltraum-Abraham-Lincoln, Themenpark-Planeten (der Wildwestplanet, der Römerplanet, der Gangsterplanet, der Naziplanet [nein... nicht die Erde]) und mit Folgen die so schlecht sind, dass man glaubt NBC-Verantwortlichen hätten sie damals aus dem Altpapiercontainer eines Groschenromanverlags geklaut. Spock’s Brain, anybody? Plus: Seien wir ehrlich. So spaßig das Spiegeluniversum mit Spitzbart-Spock auch ist (und ich liebe alle Folgen von Trek die im Spiegeluniversum spielen): Tiefschürfende Science Fiction ist es nicht.
Von den Außerirdischen sollten wir gar nicht erst sprechen. Die Klingonen waren in der ersten Serie nie mehr als die fiesnackigen Weltraumrussen und trotzdem zusammen mit den Vulkaniern und Romulanern die wichtigste Spezies der Serie. Vielleicht auch, weil sie nicht unter jenem Make-Up und jenen Kostümen litten, die die anderen Außerirdischen erdulden mussten und die man nur noch als “camp” bezeichnen kann. Die schweinenasigen Tellariten? Die wickblauen Andorianer mit den kleinen Antennen an der Birne? Der als Horta bezeichnete schimmelige Putzlumpen? Die kristallinen Tholianer? Die griesgrämigen Gummi-Echsen namens Gorn? Der Salzvampir von M-113? Die excalbianischen Steinhaufen? Und wer könnte den Mugato vergessen? Den Mugato, um Himmels willen. Hey, ich mag diesen gehörnten Albinogorilla so sehr wie der nächste Nerd. Ich wäre sofort dabei, würden wir den National Mugato Suit Day einführen… aber man muss sich die Realität schon sehr mit saurianischem Brandy und romulanischen Ale schön saufen, um die Serie in der diese Kreaturen vorkommen, als ernsthafte und tiefsinnige Form der Unterhaltung zu verklären, die dann von den Fanboys und -girls auch schnell mal auf den selben Sockel gehievt wird, auf dem schon Shakespeare, Goethe, Kafka und Tom Kratman stehen. (Wobei man der Fairness halber anmerken sollte, dass die CGI-Aliens im neuen Film wahrscheinlich in wenigen Jahren ähnlich peinlich und veraltet wirken werden, wie die Kreaturen aus der Fernsehshow der Sechziger… se a vida é.)
Insofern: TOS ist (noch) kein heiliger Text… warum sollte man also schon im Vorfeld ablehnen, dass die Produzenten jetzt an dieser Stelle der Future History einsteigen und nochmal bei Null beginnen? Ich kann damit sogar aus einem ganz anderen Grund leben: Die Zeitlinie die uns TOS präsentierte, ist eine Zeitlinie die vor weit über 40 Jahren entworfen wurde. Auf der einen Seite wurden bestimmte prägende Elemente unserer Gesellschaft natürlich nicht vorhergesehen (die weite Verbreitung von Handys, das Internet oder der plötzliche Zerfall der Sowjetunion: In The Voyage Home (1986) kennt man im 23. Jahrhundert noch die Stadt Leningrad), auf der anderen Seite passen Elemente der Star-Trek-Historie einfach nicht mehr zur Geschichte wie sie in der Realität stattfand. Bestes Beispiel sind die Eugenischen Kriege, die theoretisch in den 1990ern stattfanden und durch die ein Khan Noonien Singh (Sie wissen schon: Khaaaaaan) plötzlich einen Großteil der Menschheit kontrollierte. Warum Sie sich daran nicht erinnern können, werter Leser? Um, das waren die Neunziger. Vermutlich waren Sie gerade mit Ecstasy zugedröhnt auf dem Mayday als das passierte, oder so.
Im Ernst: Nachdem man in Voyager die Erde der 1990er besuchte und keine Eugenischen Kriege erwähnt wurden, ging ich davon aus, dass man diese aufgegeben oder zumindest verschoben hätte. In Enterprise kehrten sie dann zurück, mit all den logischen und temporalen Problemen die sie mit sich brachten. Der neue Film wäre eine Chance gewesen hier die Axt anzusetzen und wirklich radikal nochmal bei Null anzufangen, Daten ein bisschen zu schieben und die ganze Backstory etwas mehr in Einklang mit unserer eigenen Realität zu bringen. Tut man aber nicht. Und das ist direkt ein Kritikpunkt den ich Star Trek vorhalte: Der Bruch mit der Vergangenheit ist nicht radikal genug.
Ganz ehrlich, wenn man eh gerade großreinemacht, warum nicht auch die Fenster putzen? Warum nicht ganz neu anfangen, dem Franchise die Battlestar-Galactica-Behandlung geben und diesen Neustart in einem ganz eigenen Universum spielen lassen, ohne direkten Rückbezug auf die andere Continuity? In dieser Form ist das neugestartete Franchise ein seltsames Zwitterwesen, in dem zwar keines der Ereignisse aus TOS, TNG, DS9 oder VOY stattgefunden haben (stattfinden werden?), aber alle historischen Infos die wir aus diesen Serien über die Zeit vor 2233 (dem Jahr in dem die neue Zeitlinie beginnt) erhalten haben, weiterhin gültig sind. Ein glatter Bruch sieht anders aus.
Persönlicher Hass natürlich auch dafür, dass ausgerechnet die Ereignisse aus Enterprise theoretisch weiterhin im Canon gültig sind. (Und Scotty erwähnt ja sogar Admiral Archer… Admiral wird bei Starfleet auch wirklich jeder, der lange genug dabei ist, oder?) Sowieso, der Canon. Sich völlig davon zu befreien, hätte nicht geschadet. So beginnt der innere Geek in mir schon wieder zu mäkeln: Wieso kennt man eigentlich im Jahr 2253 schon die Romulaner so gut? Und kann in einer Bar einen Cardassian Sunrise trinken? Klar, das sind Nerd Gripes. Irrelevante Nerd Gripes, die man leicht wegerklären kann mit der Veränderung der Zeitlinie, die halt auch alles andere verändert hat… aber warum überhaupt erst diese Dose Würmer offen lassen?
(Einschub: Wo wir schon bei Zeitlinien und im vollen Nerd-Modus sind: Ich gebe ja Janeway die Schuld an der ganzen Misere. Jene die Galaxie bedrohende und Romulus zerstörende Supernova (by the way: eine Supernova, die die ganze Galaxie bedroht? Im Ernst, gezz?) scheint es ja nicht gegeben zu haben in jener Zeitlinie, in der sie mit der Voyager regulär erst 2394 in den Alpha-Quadranten zurückkehrte. Dann musste Janeway natürlich in der letzten Voyager-Episode im Gewebe der Zeit rumfuschen, weil ihr das alles nicht schnell genug ging… und plötzlich haben wir eine Supernova, die die ganze Galaxis zerstören könnte. Da es die vorher nicht gab, muss Zeitreise-Janeway in irgendeiner Form daran Schuld sein. (Gut, vielleicht auch Jake Sisko in “The Visitor”… aber Janeway mag ich weniger, darum gebe ich ihr die Schuld.) Habe ich ja von Anfang an gesagt, dass die Olle im Serienfinale absolut rücksichtslos und unverantwortlich handelt. Und jetzt haben wir den sternefressenden Salat. Ferner Donner, und so. Tolle Cervelatwurst, Janeway, hast mit deiner unnützen Zeitreise selbst dafür gesorgt, dass du nie existieren wirst. Na, das war hoffentlich die gesparten zehn Jahre Reisezeit wert.)
Wo waren wir? Achja, das Reboot: Was man den Machern und den Akteuren auf jeden Fall zugestehen muss, ist wie souverän sie mit der alten Serie umgehen. Sie wird nicht mit aller Gewalt referenziert, man erstarrt nicht voll Ehrfurcht vor ihr, hat aber genug kleine Anspielungen und Verweise auf sie beibehalten, um als smarte Hommage durchzugehen. Dialoge aus alten Filmen werden aufgegriffen (“Sie waren und werden immer mein Freund sein”, aus The Search for Spock, der Verweis darauf dass Spock nicht “lügt” sondern ein wenig “übertreibt” aus The Voyage Home oder der junge Spock, der Sherlock Holmes zitiert, so wie sein Alter Ego in The Undiscovered Country), kleine Szenen erinnern an die alten Filme (statt Scotty knallt Kirk mit der Omme gegen einen tiefhängenden Balken), Dr. McCoy erwähnt Schwester Chapel (im Original gespielt von der erst kürzlich verstorbenen Majel Barrett-Roddenberry), die Ceti-Aale heißen jetzt centaurianische Schnecken (und Raider heißt jetzt alter Witz), Christopher Pike imitiert Shatners Sitzhaltung und Patrick Stewarts Unart sich die Uniform zurecht zu zupfen, Uhuras bisher nur semi-kanonischer Vorname wird offiziellisiert und ein Red Shirt verreckt auf der ersten Außenmission. All das zeigt schon ziemlich deutlich, dass Jott Jott Abrams, Roberto Orci und Alex Kurtzmann die alte Serie so völlig scheißegal nicht sein kann, es ist aber nie so in den Vordergrund gespielt, dass es den Film aus der Spur wirft. Es ist präsent, aber nie störend. Nicht-Trekker werden das kaum bemerken. Einen ähnlichen Respekt merkt man auch beim Casting und den Rollendefinitionen.
Meet the Crew
Ein Reboot hätte natürlich auch die Chance geboten abgesehen von den Namen völlig von den Eigenheiten der Originalcrew abzurücken, was nicht schlimm sein muss, wie das Reboot von Battlestar Galactica mit der weiblichen Version von Dirk Benedicts Starbuck zeigte. Man hätte, so das gewünscht worden wäre, ohne weiteres einen schwarzen Kirk casten können oder einen weiblichen Dr. McCoy. Hat man aber nicht. Stattdessen hat man weitgehend darauf geachtet, dass die Darsteller die man für die Rollen gewählt hat, den Originaldarstellern möglichst nahe kommen. Was natürlich dem harten Kern des Fandoms immer noch nicht ausreichte. Hat Pavel Chekov doch jetzt plötzlich Locken statt seinem Monkees-Haarschnitt! Die Figur ist damit auf ewig ruiniert! Giftig! Septisch! Wissen die Macher denn gar nichts, über das Sixties-Revival im 23. Jahrhundert? Abraaaaaaams, du hast meine Kindheit vergewaltigt! Warum hasst du Star Trek so sehr?
But seriously: Die Figuren sind durch die Bank weg gut gecastet und gut geschrieben. Teils sogar noch besser: In Sachen ideal gecastet und ideal geschrieben kann ich gar nicht anders, als Karl Urban für seine Rolle als Dr. Leonard “Pille” McCoy zu loben (und ich muss auch mal die oft gescholtene Synchro hervorheben, beklagt sich der geschiedene Arzt im Original das seine Ex-Frau alles bekommen habe, “she left me nothing but my bones“, beschwert er sich im Deutschen, dass das “schon ‘ne bittere Pille” war… sehr gut gemacht, liebes Synchronstudio, ganz im Ernst). Urban hat die Mannerismen, den Gestus und Habitus des verstorbenen DeForest Kelly so verdammt gut drauf, dass er die Rolle wirklich zur Perfektion ausfüllt und einen vergessen macht, dass je ein anderer Schauspieler Pille war. Oder eher: Dass er nicht die junge Version jenes Schauspielers ist, der in den Sechzigern Schiffsarzt auf der Enterprise war. Dass McCoy zudem wie im Original als bärbeißiger, grummeliger, nörgeliger Weltraummedikus ausgelegt ist, rundet die Sache ab. Ich mochte McCoy schon immer, aber in diesem elften Film ist er zumindest der heimliche Star. Auch wenn die Aufmerksamkeit natürlich auf dem Comedy-Duo Spitzohr und Bauerntölpel liegt.
Spock ist für mich hier plötzlich ein viel interessanter Charakter als er es je zuvor war, da man in der neuen Version einen noch stärkeren Fokus auf seinen Status als Halb-Mensch/Halb-Vulkanier platziert, für den er von den ach so aufgeklärten Vulkaniern konstant diskriminiert wird (in direkter Weise von seinen Schulkameraden, in hochgestochener Weise vom Rat der vulkanischen Wissenschaftsakademie). Der neue Spock hat seine Emotionen längst nicht so gut unter Kontrolle wie der Sechziger-Jahre-Spock, was natürlich auch hart ist für einen Mann, der relativ früh im Film seinen Heimatplaneten und seine Mutter verliert und das durch eine fiese Schlägerei, eine übertriebene Entscheidung (okay, Kirk nervt ihn… aber den man gleich auf einem Eisplaneten aussetzen?) und eine angedeutete Romanze mit Uhura kompensiert. Spock ist hier nicht weniger Rebell als Kirk, nur dass er keine Autos schrotet und sich in Kneipen prügelt (was natürlich beste TOS-Tradition wäre), sondern sich von der vulkanischen Standardkarriere abwendet.
Damit ist der neue Spock in diesem Film definitiv eine besser angelegte Rolle als der gebrauchte Spock (oder wegen mir auch wie im Abspann ‘Spock Prime’… Charaktere die mit Nachnamen Prime heißen, scheinen prädestiniert zu sein das Gefüge der Realität zu ruinieren), der hier in der Mitte des Films die Funktion des Basil Exposition übernimmt: “Hallo junger Sternenflottenkirk. Hier mal schnell die Backstory. Nun aber husch, husch zurück auf die Enterprise. Wir sehen uns am Filmende nochmal.” Eine wirklich relevante Rolle sieht anders aus.
Während ich Spocks Art der Rebellion mag, muss ich zugeben, dass ich mit dem neuen Kirk den ganzen Film über nicht warm geworden bin. Und bevor man mir hier vorwirft, ich würde kritisieren dass das Neue nicht ist wie das Alte: Ich kam schon mit dem alten Kirk nicht wirklich klar. Wie gesagt: Ich war, und werde es immer sein, ein Picard-Anhänger. War mir der alte Kirk etwas zu sehr actionorientiert-schweregenötigter Weltraumcowboy, ist der neue Kapitän Körk mir eindeutig zu sehr einer dieser geschniegelten Nullachtfuffzehn-Rebellen ohne Grund, wie wir sie in der näheren Vergangenheit ein paar mal zu oft gesehen haben: Jemand der James Dean und Marlon Brando (der Junge, nicht der fette Alte) sein will, aber stattdessen rüberkommt wie Fonzie aus Happy Days oder John Travolta in Grease. Hätte man auf halber Strecke Young Kirk gegen Mutt Williams aus Indiana Jones und die unnötigen CGI-Affen ausgetauscht, ich hätte es nicht gemerkt.
Kirks Rolle in diesem Film ist mir noch zu sehr auf Krawall gebürstetes Arschloch, zu sehr nervig pseudocooler Rebell. Ja, sicher, das liegt daran dass Novus Ordo Kirkularis ohne seinen Pa aufwachsen musste, was ein schweres Schicksal ist, aber trotzdem… hätte man den Obnoxious-Regler nicht eine Stufe runterdrehen kännen? Mir ging es zudem auch ein wenig auf den Sack, dass Kirk hier konstant auf der Karriereleiter nach oben geschoben wurde, nur weil sein Vater toll war und alle sicher sind, dass er der Messias ist zu größeren Dingen berufen sein muss. Hey, mir ist schon klar, dass man Kirks Reifungsprozess jetzt zeigen kann und in zwei oder drei Filmen darauf hindeuten, wie weit Kirk seit dem Reboot gekommen ist… aber deshalb muss ich den Tiber-James in diesem Film ja noch nicht mögen.
Die übrigen Besatzungsmitglieder bekommen deutlich weniger Leinwandzeit zugestanden, machen aber allesamt einen guten und kompetenten Eindruck: Libuda Uhura ist eigenständig, kann es verbal locker mit Kirk aufnehmen und beweist sich als Sprachexpertin, die sicher keine analogen Wörterbücher braucht um Klingonisch zu radebrechen. Einen wirklichen Sprung nach vorne macht Pavel Chekov, der hier weit mehr tun darf als die Enterprise rückwärts einzuparken und sich als echtes Wunderkind in Sachen Mathematik und Astrogation entpuppt (und die Sache mit der “victor/wiktor”-Ausspracheschwierigkeit war ein netter Rückgriff auf die “noo-clear wessels” in The Voyage Home).
Scotty ist auf jeden Fall kompetent und Simon Pegg ist auf der Leinwand immer eine Freude, aber stellenweise war mir der feine Herr Montgomery etwas zu sehr auf “lustitsch” getrimmt, etwas zu stark darauf ausgelegt, alle paar Minuten einen kessen Spruch von der Lippe tröpfeln zu lassen, etwas zu sehr das Comic Relief. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht plötzlich in Gimli-Regionen wiederfindet. Und sein kleiner Kumpel aus dem Star-Wars-Universum (erinnerte mich an eine Mischung aus den Ugnaughts und den Ewoks aus dem lucas’schen Effektepos) ging nun wirklich nicht. Gaaar nicht. Null, nada, niente, zero, zip. Wirklich, Schää Schää Abruzze, wenn der Comedy-Gnom beim nächsten Mal nicht wieder auftaucht, wird sich keiner beschweren. Einzig Sulu wirkte hier noch ein wenig verloren und kam nicht über die Rolle als Japaner-mit-Klappschwert hinaus. Aber zumindest hatte er den einen Moment. In Ensemble-Filmen ist sowas ja längst nicht garantiert. Und, was man diesem Ensemble-Film zugestehen muss: Die Figuren untereinander klicken, der Umgang mit einander wirkt nicht gestelzt. Die Chemie der alten Serie wurde hier wirklich gut eingefangen. Es macht Spaß den Figuren zuzusehen, wie sie miteinander interagieren. Damit wird der Film einem ganz zentralen Element des alten Star Trek hier definitiv gerecht.
Leider kann dieses generelle Lob nicht auf den Bösen im Spektakel ausgedehnt werden…
Haven’t we met before?
Es war schon ein schlechtes Zeichen, dass ich im Trailer das erste Mal Kapitän Finster sah und mir dachte: “Moment. Ist Shinzon nicht in Nemesis gestorben?” Ist er. Das hier ist ein anderer fiesnackiger, spitzohriger, gesichtstätowierter Glatzkopf. Womit wir auch schon Mitten in seiner Charakterisierung sind: Der Alte hat eine Glatze und ein tätowiertes Gesicht, der kann ja gar nicht anders als böse sein. Nero ist absolut unspektakulär: Emotional uninteressant, mit einem grenzdebilen Racheplan der nur deshalb akzeptiert wird, weil Nero eindeutig wahnsinnig ist. In keinem Moment scheint der Film Interesse daran zu haben, Nero etwas genauer zu untersuchen, etwas deutlicher zu fragen was genau hinter dem Henna-Tattoo auf der Stirn vor sich geht. Dabei hätte man eine ideale Chance gehabt uns Nero etwas näher zu bringen: Captain Pike ist den Großteil des Films auf Neros Schiff gefangen, warum nicht zwischendrin mal ein paar Szenen schalten in denen sich Pike und Nero ernsthaft unterhalten.
Stattdessen ist Nero den gesamten Film hindurch eine charakterlich egale Rolle, die weniger echte Figur als eher plot device ist. Hey, wir brauchen einen Grund warum Vulkan zerknuspert und die Zeitlinie umgestellt wird. Und irgendwas worauf die Enterprise ballern kann. Und Kinderschokolade. Los, Drehbuchhengste, schreibt da mal was. Schade drum, aber Nero liegt selbst im nicht unbedingt mit ikonischen Bösewichten vollgepackten Trek-Universum (da ist Khaaaaaan, da ist die Borgkönigin, Chang aus The Undiscovered Country, vielleicht noch Lore… und dann wird’s auch schon eng) weit unter dem Durchschnitt. Letztlich tritt Nero ebenso unspektakulär ab, wie er gelebt hat. Eric Bana ist in dieser Rolle völlig vergeudet. Zumindest hat, anders als Soran in Generations, hier nicht ein total unspektakulärer Langweiler eine ikonische Figur umbringen dürfen. Dankbar sein für kleine Freuden.
Design Fetish
Hm. Beim Design geht es mir ähnlich, wie bei Casting und der Rollengestaltung: Enterprise hui, Schurke pfui. Beginnen wir mit dem Schlechten: Den Schlechten. Dass Shinzon, äh, Nero bööööööööse ist, sieht man nicht nur an Glatze und Gesichtstattoos, sondern auch daran, dass sein Schiff in Sachen Design böööööööse ist. Ganz ehrlich: Das Ding ist der totale Übermord und sieht aus wie etwas, das man den Schatten aus Babylon 5 geklaut hat. Das wäre ja okay, aber: Das soll einen Minenschiff sein? Wirkt nicht sonderlich praktisch.
Von der Inneneinrichtung ganz zu schweigen, hier weiß man auch ab der ersten Einstellung woher der Wind weht: Denn gute Menschen (oder humanoide Lebensformen) sitzen nicht die ganze Zeit auf dreivierteldunklen Brücken rum, die nur hier und da mal grün angestrahlt werden. Sowas kann einfach nicht funktionell sein. Captain, mir ist der Zündschlüssel runtergefallen und ich kann ihn in diesem Zwielicht nicht finden. Dass die Brücke zudem scheinbar aus Prinzip nicht aufgeräumt wird und überall Dinge im Weg stehen oder lustlos in der Gegend rumhängen, unterstreicht die Attitüde noch. Nützlich ist das nicht… aber böööööööse. (Obwohl die Zimmer der meisten Trekker vermutlich nicht anders aussehen.) Wo man schon dabei war, hätte man Nero auch gleich noch einen Ledermantel verpassen können. Für den Fall dass der Letzte noch nicht gemerkt hat, dass Nero eher ungut ist. (Zum bööööösen Design gehört auch, dass man auf den seltsamen Plattformen am Planetenbohrer keine Sicherheitsgelände anbringt… böööööööse wie man ist, schert man sich einen feuchten Kehricht um Arbeiterschutzbestimmungen… und Überstunden werden auch nicht abgegolten… muhahahahahaha… *räusper*, Verzeihung. Das war natürlich Dieter Hundt, nicht Nero.)
Im Gegenzug muss ich Scotty rechtgeben wenn er ausruft: “I like this ship! It’s exciting!”
Die neue Enterprise ist definitiv sehr schick: Gleichzeitig sehr eng an der Enterprise und Enterpise-A aus den ersten sechs Filmen (Beweisstück A: die blau leuchtende Deflektorscheibe, die jetzt wieder vor dem Schiff und nicht im Bauch des Schiffs zu finden ist) und trotzdem an vielen Ecken galant und unaufdringlich modernisiert. Der Rumpf ist etwas geschwungener, der Hals ein wenig kürzer und die Warp-Gondeln wirken jetzt definitiv organischer (mag nur mir so gehen, aber die Linienführung der Gondeln erinnerte mich an H.R. Giger). Alles in allem ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man mit wenigen, kleinen Kniffen etwas ikonisch halten und trotzdem modernisieren kann.
Radikal umgestaltet wurde dafür das Brückendesign, das einmal mehr belegt, dass die Zukunft immer so aussieht, wie die hippsten Produkte der Gegenwart: Ich war schon froh, dass nirgendwo auf der neuen Brücke das Apple-Logo prangte (immerhin hat man vorher schon die Zeit gefunden, um Product Placement für Nokia, Budweiser, Slusho (hihi) und Jack Daniels unterzubringen). Aber trotzdem: Die neue Brücke wirkt sehr zeitgemäß mit ihren abgerundeten Kanten, den vielen strahlenden Weißflächen, den blauen Neonlichtern und den gläsernen Computerbildschirmen. Sauber und elegant. Allerdings kann man die Brücke selten genießen, weil Abrams in den inzwischen wohl gesetzlich vorgeschriebenen “alle paar Sekunden muss ein Einstellungswechsel erfolgen”-Modus schaltet, und die Sache mit den Lens Flares…? Ganz ehrlich, Doublejay, die Hälfte davon wäre immer noch viel zuviel gewesen.
Was mich derweil an der Brücke stört (und damit haben wir wieder Nerdfaktor 9, Mr. Sulu): Ein Glasfenster auf der Brücke der Enterprise (statt des bisherigen Bildschirms)? Ist das nicht eine, äh, dumme Idee? Ich war schon kein Freund davon, die Brücke irgendwo anders als mitten im Schiff unterzubringen (was bisher damit erklärt wurde, dass man die Brücke so schnell vollkommen austauschen konnte… modulare Bauweise, yaddayadda), aber: Ein Glasfenster? Das bei der Raumschlacht gegen Neros Minenmonstermobil eindeutig Risse aufweist? Ist das nicht ein schrecklicher Unfall, der nur darauf wartet stattzufinden?Aber, wie gesagt, das ist ein Nerd Gripe.
Der Rest des Designs gefällt mir wieder sehr gut: Klassische Elemente kehren in leicht modernisierter Form zurück. Die Kommunikatoren, die im Zeitalter des Mobiltelefons so gar nicht futuristisch wirken, der seltsame Stöpsel an Uhuras Ohr (allerdings weit weniger massiv als bisher), die Phaserpistolen und der medizinische Tricorder geben sich ihr Stelldichein. Das gilt auch für die traditionellen Uniformen, wie sie in der Fernsehserie zu sehen waren, statt den schweren Klotschen aus den Filmen 2-7 (oder den legeren Siebziger-Freizeit-Uniformen aus The Motion Picture). Auch hier gilt: Das ikonische der Sixties-Uniformen ist unverkennbar vorhanden (in the old days operations officers wore red, command officers wore gold and women wore less), ohne dass die Uniformen an sich altbacken wirken würden. Besonders die leichte Musterung der neuen Uniformen, die sie etwas trikothaft aussehen lässt, sagt mir echt zu. Falls Paramount ein Buch über das Design des neuen Trek-Universums verlegen möchte, einen sicheren Kunden haben sie. Jetzt aber genug des Desing-Nerdgasmus.
Die Uniformen sind auf jeden Fall das deutlichste Zeichen dafür, dass man hier nicht das Star Trek aus den Kinofilmen einfangen möchte, sondern jenes Star Trek, das in den Sechzigern als leicht pulpige TV-Show lief, die sich selbst noch längst nicht so ernst nahm, wie sie später von den Fans genommen wurde. Die Uniformen und der Umstand, dass am Ende des Filmes nicht das orchestrale Theme aus den Kinofilmen oder dem Vorspann der Next Generation erschallt, sondern das Aaaahaaaa-aaaahahahaha aus dem Vorspann der Fernsehserie. (Worüber Spock auch gleich den Text aus jenem Vorspann spricht, wobei im Deutschen weiterhin fälschlich davon gesprochen wird, dass die Enterprise in Galaxien vordringt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Das ist vermutlich inzwischen auch ikonisch, geht also in Ordnung. Außerdem war die Enterprise in Deutschland im fünften Film ja auch exklusiv “Am Rande des Universums“.) Insofern ist es eigentlich okay, wenn der Film gezielt sagt, er möchte eher auf Action und Abenteuer denn auf Philosophie und Palaver setzen. Leider kann man damit auch übers Ziel hinausschießen.
Und damit kommen wir zum problematischen Teil des Abends: Dem Film selbst. Wer sich wundert, wieso ich soviel über das Casting und das Design gesagt habe, aber so wenig über den Film an sich, der erhält jetzt die Antwort: Weil der Film selbst nur wenig bietet, über das etwas gesagt werden könnte.
The Star Trek Wars
Um direkt damit herauszurücken: Ja, der Film ist wirklich gut in der Art wie er die Figuren etabliert, wie er mit den Figuren umgeht, wie er Trek modernisiert… aber er ist für sich betrachtet kein guter Film. Nicht das wir uns falsch verstehen, Star Trek ist auch kein schlechter Film, aber er ist längst nicht die Perle, die viele Kritiken in ihm sehen. Ganz ehrlich: Hinter der schönen Fassade steckt ein kurzweiliger, aber auch strunzdummer Sommer-Actionblockbuster. Trek leidet ganz eindeutig an einem akuten Fall von Teil-Einseritis. Tritt man mal einen Schritt zurück, lässt man den Reboot außer Acht, dann bleibt nicht viel außer einer losen Reihung an Actionszenen, die man irgendwie um die doch ziemlich egale Story gewickelt hat.
In der Kurzform: Action, Action, Action, Kirks Vater stirbt, Klein Kirk fährt Auto, Spock prügelt sich, Teenie-Kirk prügelt sich, Akademie, Action, Action, Action, Vulkan geht drauf (was dank des Trailers in dem Moment klar war, als Nero den Bohrer in den Planeten dübelt), Action, Action, Kirk landet auf dem Eisplanet, Action, Action, Action, Kirk und Spock stoppen den Bösewicht, Ende. Ein ausgefeilter Plot sieht anders aus, besonders weil die Autofahrsequenz völlig überflüssig ist: Was erfahren wir dadurch? Das Kirk schon als Kind aufmüpfig war? Toll, hätte wir ja nicht gedacht, bei der Art wie er sich als Teenager gibt. Gut, so haben wir die Beastie Boys, die Nokia-Werbung und etablieren, dass Kirk gerne über Abgründen baumelt, was er im weiteren Film wiederholt tun wird, aber hätte diese Szene gefehlt, es hätte keinen Unterschied gemacht.
Ähnliches gilt eigentlich auch für den Eisplaneten, auf dem Kirk von zwei außerirdischen Monstern (Cameo: das Cloverfield-Alien) gejagt wird. Kirk hätte den faltigen Spock auch anderswo treffen können (by the way: man spreche mal von galaktischen aber für den Plot sehr angenehmen Zufällen, dass Kirk nur wenige Kilometer von Renten-Spock auf diesem Eisklotz ausgesetzt wird… die Enterprise muss neben dem Warp- auch einen Unwahrscheinlichkeitsantrieb an Bord haben), um sich die Dosis “Was bisher geschah” abzuholen. So fühlt sich die Szene doch sehr star-warsig an, besonders die großes-Monster-wird-von-größerem-Monster-gefressen-Einstellung.
Der Rest ist solide Action, durchaus schick gemacht, wenn auch unter der Idee leidend, dass in einem Actionfilm die Kamera keine Sekunde ruhig stehen darf, weil sich das Publikum sonst langweilt. Die neue Enterprise hat einen ganzen Fanblock voller Torpedos und Phaser, die sie zeitgleich in alle Richtungen abfeuern kann (erinnert mich etwas an die ISS Enterprise aus dem Spiegeluniversum), leider erkennt man das nur schwer, weil die Kamera konstant zu dicht dran und definitv zu hektisch ist. Ich mache drei Kreuze, wenn der Trend endlich vorbei ist und man mal wieder erkennen kann, was in einer Actionszene geschieht, statt es nur zu erahnen.
Verflucht, das hier ist wirklich ein extrem kurzer Textblock, aber es gibt über die Geschichte eben echt nicht viel zu sagen. Der Film wird getragen von den starken Figuren, nicht von der Handlung. Was mich vielleicht am meisten an ihm stört, ist das hier die Actionszenen nicht der Story dienen, sondern die Schmalspur-Story (nicht drüber nachdenken, sonst fällt sie in sich zusammen) da ist um die Figuren von einer Actionszene zur nächsten zu schleusen. Da wird der Wagen vor das Pferd gespannt. Das scheint zwar inzwischen Standard für Sommerblockbuster zu sein und dieser Film soll vorrangig die neue Realität und die neuen (gebrauchten) Figuren einführen, aber ich hätte mir dann doch ein kleines bisschen mehr Tiefe erhofft.
The Final Frontier
Ich denke, das kann ich so als Fazit stehen lassen: Star Trek ist nicht der geniale Film, als der er derzeit heiß gehandelt wird, sondern ein grundsolider, wenn auch relativ geistloser, Actionblockbuster mit einem extrem dünnen Handlungsimitat, der genau so schnell verdaut und vergessen sein wird, wie er geschnitten ist. Das Signet “moderner Klassiker”, das manche Kritiker hier schon vergeben, stelle ich mal ganz dezent in Frage.
Ein relativ typischer Teil Eins, also. Aber, und das ist die gute Nachricht, auch wenn Star Trek kein wirklich großartiger Film ist, der Streifen überzeugt vollkommen in dem, was seine Hauptaufgabe ist: Dem Franchise eine Frischzellenkur verpassen und den neuen Status Quo einführen. Er ist respektvoll gegenüber dem Original und ist trotzdem für Einsteiger absolut offen und zugänglich. Er präsentiert die wichtigen Figuren, legt in Grundzügen ihre Persönlichkeiten fest und zeigt Richtungen auf, in die sich die Figuren entwickeln können. Plus: Die Art wie sich die Crew untereinander verhält macht definitiv Lust auf mehr.
Ist Star Trek also ein guter erster Teil? Ja. Definitiv. Aber wenn man diese Funktion wegdenkt und sich nur auf den Film als Film konzentriert, dann stellt man schnell fest, dass der Kaiser zwar nicht nackt ist, seine Unterhose aber zumindest löchrig ist. Der Film ist unterhaltsam und kurzweilig, aber um einen Film wirklich über den grünen Klee zu loben, erwarte ich dann doch mehr. Das Handlungsgerüst ist bestenfalls funktional, etwas mehr Handlung, ein Faden mehr Tiefgang, etwas mehr sozialer Kontext und ein Fingerhut voll Diplomatie, dafür dann etwas weniger Geballer, das wäre mir lieber gewesen gewesen. Und ja, da bin ich einer dieser verkrusteten Treksäcke für die der Film gar nicht gedacht ist. (Darum finden sich in ihm ja auch all die Insider-Witze, weil er nicht für die alten Trek-Seher gedacht ist) und da lasse ich mir auch gerne Ewiggestrigkeit vorwerfen und schraube mir eine Augenklappe an den Schädel.
Hey, ich sage ja gar nicht dass man einen quälend langweiligen Film wie Star Trek: The Motion Picture drehen soll, aber ein oder zwei zusätzliche Atempausen zwischen den Actionszenen und das Gefühl, dass die Actionszenen der Handlung dienen und nicht umgekehrt, das würde mir für den nächsten Film schon ausreichen. Denn abgesehen davon habe ich an Star Trek wenig auszusetzen: Das Design ist toll, das Casting gefällt, den Geist der Serie hat man eingfangen. Mit diesen Figuren hätte ich auch gegen eine neue Voyage Home nichts. Wobei vermutlich erstmal die Klingonen oder der neue Khaaaaaan im nächsten Film genutzt werden. Was für mich beides völlig in Ordnung geht.
Wenn Star Trek also auch nicht der beste Trek-Film sein mag, er findet sich definitiv in meiner Top Five wieder. Dass er sein volles Potential noch nicht ausschöpft? Kann ich tolerieren, einfach weil der Film gleichzeitig andeutet wieviel Potential vorhanden ist. Und zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt habe ich wieder richtiges Interesse an Trek entwickelt und bin wirklich gespannt darauf, wie es mit dem Reboot weitergehen wird. Der Film mag als Film an sich nicht völlig gelungen sein, die Operation Frischzellenkur allerdings darf als voller Erfolg gewertet werden. Und das ist doch auch schon was.
3/5
(Und nun mag das Flaming in der Kommentarsektion beginnen.)




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