Archive for the 'Filme' Category

The Doldrums: Fünf Filmrezensionen

Monday, July 25th, 2011

In den letzten Wochen und Monaten hatte ich irgendwie kein Glück mit meiner Filmauswahl. Die Mehrheit der geschauten Filme war irgendwo zwischen akzeptabel und unerträglich angesiedelt. Das Segelschiff der agitpop’schen Filmkritik treibt also reglos vor sich hin, gefangen in den filmischen Kalmen. Dann also die Paddel raus, denn Mittelmaß ist ja kein Grund nicht doch mal wieder über Filme zu schreiben. Habe ich ja noch gar nicht getan, seitdem dieses Blog wieder unter den Lebenden wandelt. Darum heute im Angebot: World Invasion: Battle Los Angeles; Pandorum; Valhalla Rising; Iron Man 2 und Buried.

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World Invasion: Battle Los Angeles

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Wenn alles zu irgendetwas gut ist, dann ist es die Aufgabe dieses filmgewordenen Rekrutierungsbüros mir zu verdeutlichen, dass ich vielleicht mit Michael Bays Filmen bisher zu hart ins Gericht gegangen bin. Aliens überfallen die Erde (und der vorgezogene Titel “World Invasion” droht an, dass uns Kriegsberichte aus weiteren Städten ins Hause stehen) und nur Amerika (fuck yeah!) mit seinen amerikanischen Werten – mit Vitaminen und Gebeten – und seinem amerikanischen Miltär kann Amerika den Tag retten.

Da wo Emmerichs Independence Day vor 16 Jahren bei aller Dämlichkeit (Windows 98 kann nicht mit Windows 7 kommunizieren, aber ein irdischer Virus kann auf ein außerirdisches OS hochgeladen werden) zumindest noch Spaß gemacht hat, da ist World Invasion eine toternste Angelegenheit, die nie sowas wie Humor aufkommen lässt – das hier ist immerhin kein Spaß! Die Kommunisten Islamisten Aliens bedrohen das Heimatland! Was der Film auch nie aufkommen lässt, ist sowas wie Dramatik oder Spannung, obwohl doch die 9/11-Bildsprache massiv bemüht wird; wohl die billigste und plumpeste Art, an den Herzsträngen zu ziehen. Ist aber okay, da wo Drama fehlt kann man ohne weiteres Pathos als Ersatzkaffee verwenden. Einfach ein paar zusätzliche Flaggen ins Bild oder nach einem Feuergefecht nochmal über amerikanische Werte geredet, fertig.

Natürlich: Amerikanischer Hurrah-Patriotismus kann auch Spaß machen, wenn er gut gedreht oder völlig überzogen ist. Nicht umsonst verteidigen wir hier im Blog seit Jahren Rambo III und Rocky IV. Aber nichtmal gut gemacht ist World Infusion: Prattle Los Alamos. Die Actionszenen leiden am massiven CGI-Übermord, der die übliche Problematik mit sich bringt, das keine Szene “Gewicht” oder “Wucht” hat. Ich habe vor einiger Zeit mal wieder Mad Max II: Road Warrior gesehen und war erschreckt, wie weit voraus die dortigen Actionszenen der Mehrheit der heutigen Adrenalinvehikel im Kino sind. Auch weil WI:BLAf Droste (mit Betonung auf “bla”) zu den typischen Schnittgewittern greift, die neumodische Filmfritzen mit Dramatik mit Hektik verwechseln. Kameraeinstellungen springen im Halbsekundentakt so wild wie willkürlich umher und irgendwer schießt von irgendwo auf irgendwen und irgendwann ist das vorbei. Immerhin.

So wie auch World Invasion: Usw. irgendwann vorbei ist. Aber nicht ohne sich vorher nochmal so richtig der unfreiwilligen Komik und Lächerlichkeit preiszugeben, denn die amerikanische Wissenschaft stellt im Verlauf des Filmes fest, was die Aliens denn von uns wollen: Unsere Frauen Unser Wasser!

Wasser!

Im Ernst! Die Aliens reisen quer durchs All um unser gutes Wasser zu klauen! Bekanntlich eines der seltensten Elemente im Weltra… oh fuck! Hey, warum irgendwelche Eismeteoriten schmelzen oder es von den Polkappen irgendwelcher unbewohnter Planeten holen, wenn man es doch von einem bewohnten und wehrhaften Planeten unter massiven Verlusten stehlen kann. Dann wiederum: Warum sollte man wissenschaftlich irgendwelche Entwicklungen der letzten hundert Jahre verfolgen, wenn man sich beim Rest des Films auch keine Mühe gegeben hat.

Als wir das Kino verließen, fand sich vor dem Saal kein Rekrutierungsstand der United States Armed Forces. Nichtmal die jungen Menschen, denen der Film gefiel, konnten sich also danach für eine Tour of Duty im Irak einschreiben. Somit hat der Film dann wohl auf der ganzen Linie versagt.

0/5

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Pandorum

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Wenn World Invasion: Battle Lindsay Lohan ein Rekrutierungsbüro von einem Film ist, dann ist Pandorum ein zelluloidenes Frankenstein-Monster. Es gibt sowas wie “Hommagen” oder “sich von anderen Filmen inspirieren lassen”. Meist versucht man da noch ein neues Element hinzuzufügen, um die Existenz des eigenen Filmes zu legitimieren. So wie Outland seine Existenzberechtigung dadurch erhält, dass er High Noon ist, aber eben im Weltraum und mit Sean Connery. Pandorum hat sowas nicht. Stattdessen besteht der ganze Filme, ohne Ausnahme, aus Szenen und Ideen, die man in anderen Filmen schon gesehen hat und verschmilzt diese zu einem funktionablen Ganzen. Nur: Warum man das Knock Off schauen sollte, wenn man die Originale sehen kann, das erklärt sich nicht ganz.

Pandorum packt die Herzen von Alien, Event Horizon, Pitch Black und Solaris in einen Topf, mischt eine Prise Sunshine drunter, und hofft dann, so die kollektive Stärke all dieser Filme zu erhalten. Stattdessen wandert der Streifen nur gradlinig durch leidlich spannende, vor “Referenzen” auf bessere Filme triefende, Sequenzen auf ein vorhersehbares Finale zu, inklusive – Achtung Spoiler! – eines schon nach dem ersten Viertel offensichtlich gewordenen Tyler-Durden-Twists, der inzwischen so überstrapaziert und klischeehaft geworden ist, dass er auf Jahrzehnte in jener Mottenkiste verschwinden sollte, aus der M. Night Shyamalamadingdong seine Drehbücher klaut.

Ein handwerklicher solider SF-B-Movie, der außer vielleicht Steuerabschreibungen keinen Grund für seine Existenz vorweisen kann. Dann doch lieber mal wieder Event Horizon schauen.

2/5

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Valhalla Rising

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Man kennt sie, diese Videotitelbilder die nur eine Funktion haben: den Kunden nach Strich und Faden zu verarschen. Bei denen ganz fett auf dem Cover prangt: “George A. Romero” und deutlich kleiner “presents”, weil die Filme nämlich von Leuten wie Michael Fischa oder anderen Unbekannten gedreht wurden. Oder die von der Aufmachung her so ähnlich sind, dass unbedarfte Käufer aus Versehen Dead Race statt Death Race in der Hand haben. (Nicht dass jemand, der Death Race kaufen möchte, etwas Besseres verdient hätte.) Und dann gibt es da noch jene Filme, die versuchen durch ihr Titelbild Ähnlichkeiten zu anderen Filmen herzustellen, etwa diesen Steifen hier.

Für die UK-DVD von Valhalla Rising ist man exakt den selben Weg gegangen: Hier ist das englische Titelbild des Filmes. Erinnert das irgendwen an irgendwas? Na? Na?

Und jetzt stelle ich mir die Frage: Warum macht man sowas? Klar, der Film soll dem Zuschauer schon beim Zugreifen suggerieren: Wenn du 300 mochtest, dann ist das hier der richtige Film für dich. Nur dass er es eben nicht ist. Gar nicht. Valhalla Rising ist von 300 weiter entfernt als Skandinavien von den Thermopylen. Das Resultat ist doch letztlich, dass das auf Historiengemetzel eingestellte Publikum über den Film herfallen wird, wie die Nordmänner über Lindisfarne, während das eigentliche Zielpublikum – Kunstfilmfreunde, die genug von Pudding essenden Cowboys haben und jetzt puddingessende Wikinger wollen – den Film aufgrund des Titelbildes gar nicht erst bemerken.

Egal. Da ich nur in Ausnahmefällen ein Freund puddingessender Cowboys bin, werde ich jetzt erstmal ganz stumpf über den Film herfallen; denn Valhalla Rising ist in meinen Augen fast alles, was an Kunstfilmen schlecht ist. Vor allem ist er aber eines: Langgezogener als die Atlantiküberquerung Eriks oder die Wikingerreferenzen in dieser Rezension.

Atlantiküberquerung ist das Stichwort: Der versklavte Nordmann Einauge schließt sich einer Gruppe christlicher Kreuzfahrer an, die statt im Heiligen Land auf dem amerikanischen Kontinent landen und Ärger mit den dort leben Ureinwohnern bekommen. Wäre das hier der vom DVD-Cover versprochene 300-Verschnitt, man wüsste was jetzt kommt. Da dies allerdings ein Film mit Anspruch ist, wechseln sich wenige Szenen kurzer und brutaler Metzelei mit wenigen Szenen wortkarger Dialoge ab und danach folgen dann quälende Minuten lang Einstellungen, die uns die nebelige Landschaft zeigen oder Wikinger, die ohne ein Wort zu sprechen, in eben diese starren. Und starren. Und starren. Und dann starren sie noch ein bisschen.

Wenn denn mal etwas passiert – Exemplum: die Art wie die Gruppe der Kreuzritterwikinger in verfeindete Fraktionen zerbricht -, dann finde ich das durchaus interessant. Aber der massive Leerlauf dazwischen, die minutenlangen Passagen in denen nichts passiert, in denen man nur Wikingern beim rumstehen und deprimiert sein zuschaut, hat bei mir Kunstbanausen nur zu ungeheurer Langeweile geführt. Und ich bin jemand, der sich Sergio-Leone-Western anschaut.

Valhalla Rising bietet eine solide Handlung für 30 Minuten und streckt die dann mit Filmkunst™ um weitere 60 Minuten. Wenn man sich hinterher hinsetzt und einen Essay darüber schreibt, welche Parallelen es zwischen Einauge und Odin gibt, wie die Kapiteltitel vieldeutig auf die Handlung und das Seelenleben der handelnden Figuren schließen lassen und wie galant hier Anspielungen auf andere existenzialistische Filme Skandinaviens einfließen, dann kann man mit Valhalla Rising sicherlich Spaß haben.

Ich wollte aber – verarscht vom Titelbild – einen actionlastigen Wikingerschinken. Stattdessen bekam ich anderthalb Stunden selbstgefällige Kunstfilmpornographie. Da greife ich für meinen Wikinger-Fix dann doch lieber wieder zu einer Ausgabe Northlanders.

1/5

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Iron Man 2

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Wenn ich die Prototypentheorie mal auf Superheldenfilme anwende, dann würde ich sagen, dass Iron Man der “Superheldenfilm par excellence” ist. Vielleicht zusammen mit Spider-Man 2. Nichts gegen The Dark Knight, der mich völlig begeistert hat, der aber eben versuchte vom klassischen Superheldenfilm wegzugehen und zu schauen, was man mit dem Genre sonst so anstellen kann. Iron Man war ein Film, der Spaß gemacht hat. Spaß! Einer der Filme, die mich mit einem breiten Grinsen im Kino zurückließen. Die Dialoge waren klasse, Robert Downey Jr. (für den das ohnehin ein gutes Jahr war) hat sich die Rolle des Tony Stark völlig zu eigen gemacht und die Action war laut, krachig und packend. Da konnte ich sogar über den relativ schwachen Schurken hinwegsehen.

Iron Man 2 nimmt diese Erfolgsformel und schmeißt sie ganz fix, ganz heftig in die Ecke. Was ich sehr bedauere. Mit der Prototypentheorie: “Iron Man 2 ist auch ein Superheldenfilm. Irgendwie.”

Der Film beginnt auf einer ziemlich hohen Note: Tony Stark ist ‘on top of the world’, als Iron Man ist er eine Popkultursensation und vor dem Militärausschuß des Kongresses kann Stark seine Kritiker und Konkurrenten in einer Szene bloßstellen, die dank Downey Jr. einen Heidenspaß macht. Und dann entgleist der Film völlig. Da wo Iron Man ein so erfrischender Superheldenfilm war, weil er sich nicht so wichtig nahm, weil er eine ‘Scheiß drauf!’-Attitüde an den Tag legte, da will Iron Man 2 großes Drama sein, schafft es aber nur zur kleinen Seifenoper. In der Hinsicht, ist Iron Man 2 dann vielleicht doch repräsentativ für Superheldencomics.

Tony Stark erfährt, dass der Treibstoff seines Kunstherzens ihn langsam umbringen wird und gerät in eine selbstzerstörerische Abwärtsspirale, aus der ihn erst Nick Fury (Agent of S.H.I.E.L.D.) herausholen kann, der uns nebenbei daran erinnert, dass all diese Film de facto nur der Vorbereitung des Avengers-Film im kommenden Jahr dienen. Fast genau soviel Raum wie der Lebenskrise Tony Starks wird seinen beiden Feiden, dem Waffenproduzenten Justin Hammer und dem russischen Wissenschaftsgenie Ivan Vanko eingeräumt. Das Problem ist, dass beide einfach keine sonderlich interessanten Figuren sind.

Hammer wird gespielt von Sam Rockwell, den ich sehr gerne mag und der mich im wunderbaren Moon vom Sofa gehauen hat, so gut war er. Nur ist Justin Hammer leider im Drehbuch ein so überzogen dargestellter Feel-Good-Kapitalist, dass ich beim Zuschauen das Gefühl hatte, hier wäre ein Zerrbild aus einem Austin-Power-Film ausgebrochen. Rockwell übertreibt in allem was er tut, was die Rolle vielleicht verlangt, aber auf Dauer ist das nicht spaßig sondern mühselig. Ein ähnliches Phänomen, wie es auch mit Philip Seymour Hoffman in Charlie Wilson’s War zu beobachten war.

Mickey Rourke ist derweil als Ivan Vanko kaum weniger farblos als der Schurke des ersten Teils. Wenn es ans Wissenschaften geht spielt Mickey Rourke einfach nur Mickey Rourke mit einem schlechten Akzent. Wenn es in die Kämpfe mit Iron Man geht, stellt er nie eine Bedrohung dar. Anfangs taucht er in einer völlig unnötigen Formel-1-Sequenz auf und wird in kürzester Zeit vom Helden abserviert. Der Film ist eher an Starks Psychose interessiert als an seinem Gegner. Warum sollte ich als Zuschauer dann Interesse an Vanko entwickeln? Und auch in der Endsequenz – wenn man denkt, dass es jetzt, nach all diesen Charakterfindungsszenen, endlich zum großen Showdown kommt – wird uns nur ein spannungsarmer und antiklimatischer Kampf kredenzt. Iron Man 2 hat Besseres zu tun, verflixt!

Die Frage ist nur, was das ist. Der Film schmeißt einen ganzen Besteckkasten an Subplots an die Wand, in der Hoffnung das einige stecken bleiben. Da ist die Beziehung Tonys zu seiner Assistentin ‘Pepper’ Potts. Da ist Scarlett Johansson als potenzielle Konkurrentin für Pepper. Da ist die angespannte Beziehung Tonys zu seinem verstorbenen Vater. Da ist der Umstand, dass er bald sterben wird. Da ist der Konkurrenzkampf zwischen ihm und Justin Hammer. Da ist die Frage, warum Ivan Vanko solchen Hass auf Tony Stark pflegt. Da ist die Frage, ob Tonys Freundschaft zu James Rhodes (War Machine) sein Verhalten in der Lebenskrise überstehen wird. Da ist die Sorge, dass das US-Militär oder das feindliche Ausland eigene Iron Men bauen könnte. Und Nick Fury ist hier noch gar nicht aufgetaucht. Der gesamte Mittelteil des Filmes ist völlig zerfasert, hat keine klare Richtung in die er geht und ödet daher sehr schnell an. Dass der Film über zwei Stunden Spielzeit hat, erweist sich hier eindeutig als Nachteil: Gekürzt auf 90 Minuten hätten Subplots gestrichen werden müssen oder Jon Favreau hätte sich fragen müssen, ob wirklich jede Szene in ihrer epischen Breite dem Film dient. Iron Man 2 hätte davon nur profitieren können.

Das große Finale, in dem Iron Man und War Machine gegen Ivan Vanko und eine Roboterarmee antreten, klingt eigentlich nach Spaß, unterwältigt dann allerdings auch. Es bleibt auch nach über zehn Jahren dabei: Die CGI-Effekte sind längst nicht so weit, wie Hollywood das gerne hätte. CGI-Iron-Man gegen CGI-Roboter sieht künstlich aus, nie wie ein Kampf zwischen Titanen in tonnenschweren Anzügen, sondern wie Spielzeuge die Kinder gegeneinanderhauen. In Iron Man war ich da möglicherweise nachsichtiger, weil mich der ganze Film so gekickt hat, dass ich darüber hinweg sehen konnte. Hier ist es die Sequenz, die einen Film retten müsste, der seinen Weg im endlosen Mittelteil verloren hat und völlig im Morast zu vieler Storylines stecken geblieben ist. Und dafür sind die CGI-Effekte dann schlicht nicht spektakulär genug.

Gute Momente zwischen Downey Jr. und Gwyneth Paltrow verhindern, dass der Film eine Katastrophe wie Daredevil geworden ist, aber in der Gesamtheit landet Iron Man 2 letztlich nur am ungeheuer unspannenden, unspektakulären Ende der Superheldenfilme, irgendwo zwischen Fantastic Four und Fantastic Four 2. Nach Iron Man konnte ich kaum auf das Sequel warten. Nach Iron Man 2 bin ich nicht sicher, ob ich mich aufraffen kann, den Weg ins Kino für den dritten Teil zu finden.

2/5

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Buried

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Und damit kommen wir zu einem Film, der mich nicht nur enttäuscht hat (wie es bei Iron Man 2 der Fall war), sondern der mich beim Zuschauen von Minute zu Minute hat wütender werden lassen. Wenn ich schon Valhalla Rising als prätentiös gegeißelt habe, dann ist das nichts im Vergleich zu der Selbstgefälligkeit, mit der Rodrigo Cortés in Buried ans Werk geht…

Ryan Reynolds spielt einen Mann, der gefesselt und geknebelt in einer Kiste aufwacht, nur mit einem Feuerzeug, einem Taschenmesser und einem Handy ausgerüstet und scheinbar einen Meter unter der Erde vergraben. Eine ausgezeichnete Ausgangssituation für einen hochdramatischen Thriller. Der Protagonist, der herausfinden muss, wie er in diese Situation geraten ist, was man von ihm will und dann per Telefon versuchen muss jemanden zu finden, der ihm hilft. Warum nicht. Sowas wie Phone Booth, nur noch beklemmender und mit einem weniger blöden Ende.

Leider wollte Cortés nicht einfach nur einen guten Thriller drehen – was schon schwer genug ist -, sondern sein Buried sollte ein Wichtiger Film sein, mit politischer Botschaft und so ‘nem Lametta. Des Mysteriums der Situation entledigt sich der Film also schnellstens, was durchaus in Ordnung geht: Paul Conroy ist LKW-Fahrer einer Aufbaufirma im Irak, geriet in einen Hinterhalt von Aufständischen und wird nun als Geisel verwendet. Immer noch gut genug, um einen ordentlichen Thriller aus dem Setting zu machen.

Und zugegeben: Langweilig ist Buried zu keinem Zeitpunkt, obwohl die Kamera nie den Sarg verlässt und wir außer Ryan Reynolds nur eine Figur für ein paar Sekunden auf einem Handybildschirm zu Gesicht bekommen. Der Sarg wird unterschiedlich ausgeleuchtet (kaltes blau vom Handydisplay, mit harten Schatten von einer Taschenlampe, flackernd vom Feuerzeug) und die Kamera bewegt sich auf kreative Weise, ohne dabei mit ihren Fahrten die Handlung zu stören. Bis sie irgendwann nach oben schwenkt, sich dabei dreht und wir all die Gesprächsfetzen im Hintergrund als Echo hören, die Conroy seit Beginn des Filmes erlebt, ja, durchlitten hat.

Die Aussage der Szene ist klar: Alle lügen dich an! Keinen kümmert dein Schicksal! Der US-Regierung bist du egal, die wollen nur, dass nie rauskommt, dass du entführt wurdest! Deinem Arbeitgeber bist du egal! Die Behörden blockieren dich, statt dir zu helfen! Der ganze Apparat ist gegen dich! Kleiner Mann, was nun? Und all das könnte nur dann noch weniger subtil rüberkommen, wenn Reynolds das in einem Voice Over noch verbalisieren würde.

Ohnehin: Conroy muss sich – als Geisel in einem Sarg begraben – von einem Geiselnahmeexperten der Koalition und von seinem Geiselnehmer wiederholt über das Schicksal der irakischen Zivilbevölkerung belehren lassen: Dass dies arme Menschen und keine Terroristen seien und ob er sicher sein könne, dass er in dieser Situation nicht genau so handeln würde wie die Iraker. Auch hier: Eine Einblendung “diese Passage richtet sich an das Publikum” hätte das noch ein Stück unsubtiler gemacht. Im Kontext des Filmes ist es hanebüchen: Ein Geiselnahmeexperte belehrt eine Geisel am Telefon, dass ihre Entführer eigentlich Opfer US-amerikanischer Außenpolitik sind? Was für ein Experte! Warum nicht gleich sagen “Selbst schuld” und per Video noch schnell die Geschnitten-Geste hinterherschicken?

Ohnehin: Alle Figuren in diesem Machwerk benehmen sich durch die Bank weg wie Idioten. Der Geiselnehmer will, dass Conroy ein Video von sich dreht, in dem er um Lösegeld flehen soll. Warum packt der Geiselnehmer ihn dann geknebelt und gefesselt in einen Sarg? Was wenn Conroy erstickt oder die Fesseln nicht lösen kann? Und die Leute am Telefon sind allesamt so schwer von capé und unflexibel, dass man das Gefühl hat, die USA hätten alle Telefone in allen Behörden in deutsche Callcenter ausgelagert: “Guten Tag, ich bin im Irak als Geisel in einer Kiste vergraben.” – “Geben Sie mir bitte ihre Sozialversicherungsnummer?” – “Die habe ich nicht, weil ich im Irak in einer Kiste liege, als Geisel, nachdem mein Konvoi attackiert wurde.” – “Tut mir leid, ohne ihre Sozialversicherungsnummer kann ich ihnen nicht helfen…”

So einen Schwachsinn kann man einmal abziehen, aber doch nicht über 90 Minuten in jedem Telefonat. In Falling Down war sowas zumindest völlig überzogen, weil der Film nominell als Satire fungierte. Aber in Buried ist das alles ganz ernst gemeint.

Conroy selbst wird mir als Figur nie verständlich: Soll er der einfache, arbeitende Mann sein, der unverschuldet in eine Situation gerät, in der ihn seine Regierung hängen lässt? Soll ich mit ihm fühlen? Dafür ist er mir zu unsympathisch. Schreit zuviel. Beschimpft. Hat vermutlich seine Frau betrogen. Nennt eine Freundin eine dumme Schlampe. Nichts davon lässt ihn den Tod verdienen und vielleicht soll das alles zeigen, wie panisch Conroy ist, aber Reynolds ist nicht der Mime, der das transportiert. Conroy wirkt wie ein ziemlich aggressives Arschloch, dass sich möglichst idiotisch anstellt.

Gleich zu Beginn wird uns klar gemacht, dass er in kurzer Zeit ersticken könnte. Er selbst betont, dass ihm die Luft ausgeht. Das hält ihn nicht davon ab, sein Feuerzeug fast die ganze Zeit brennen zu lassen – obwohl er eine Taschenlampe hat – und möglichst viel zu Brüllen. Zum Ende vergisst der Film diese Gefahr sogar völlig.

Das zeigt sich in einer Szene, in der eine Schlange in den Sarg eindringt. Eine Schlange! Der Film vertraut seinem eigenen Konzept nicht (ähnlich wie Immer Nie Am Meer, wenn das Kind eingeführt wird) und muss mit Gewalt zusätzliche Spannung aufbauen. Und so muss Conroy auf engstem Raum mit einer Schlange kämpfen… nur damit eine Minute später der verflixte Sarg in Flammen stehen kann. Der Sarg brennt! Von innen! Weil es nicht dramatisch genug ist mit zur Neige gehendem Sauerstoff in einem Sarg im Irak vergraben zu sein.

Oben erwähnte ich Falling Down und dass Buried wirklich zu glauben scheint, ein ernstzunehmender Film mit wichtiger Botschaft zu sein. Das führt dann zu einer der dümmsten Szenen der Filmgeschichte, einer Szene die so unglaublich bescheuert ist, dass es kracht. Mr. Im-Irak-entführt-und-in-einem-Sarg-in-der-Wüste-vergraben wird von seiner Firma angerufen und wegen einer “unmoralischen Beziehung” zwischen ihm und einer Kollegin entlassen! Damit die Firma der Familie Conroys die Lebensversicherung nicht auszahlen muss. Während Conroy im Sarg liegt, das Entführungsvideo ist inzwischen ein Renner auf YouTube und von CNN ausgestrahlt worden, ruft ihn seine Firma an und feuert ihn fernmündlich! Um die Lebensversicherung zu sparen! Und zeichnet das auch auf, um es rechtsverbindlich zu machen. Das klingt nach perfekter PR für eine Firma, sollte es an die Öffentlichkeit geraten. Aber so ist er, der amerikanische Kapitalist! Ein Menschenleben bedeutet ihm gar nichts! Schade, dass man hier nicht doch kurz den Sarg verlassen hat. Es wäre spannend anzusehen, wie der Mann von EvilCorp Inc. während des Telefonats seinen Schnurrbart zwirbelt, einen Hund tritt und ein paar Obdachlosen mit Tausend-Dollar-Scheinen das Gesicht zerschneidet. Und leider lacht der Mann auch nicht bösartig, ehe er das Gespräch beendet. Da muss Cortés noch lernen!

Die ganze Szene ist so unglaublich abstrus, dass ich nicht fassen kann, dass Zuschauer diesen Film wirklich für voll nehmen. Das ist eine der dümmsten Szenen die ich in den letzten zehn Jahren sehen musste. Und dieses ‘lächerlich’ trifft eigentlich auf den ganzen Film zu: Buried wäre gerne Arthouse, ein Festivalklassiker, schafft es aber nur zum sadistischen B-Film mit mannsgroßen Plotlöchern und einer so polemischen Aussage, dass dagegen die durchschnittliche Indymedia-Seite substanziell und differenziert wirkt. SAW mit Guevarra-T-Shirt und Größenwahn.

Es gibt die Legende, dass Atari tausende Kopien des E.T.-Spiels in der Wüste Nevadas verbuddelt hätte. Wegen mir kann man die Grube gerne nochmal aufmachen und die Kopien von Buried dazuschmeißen.

1/5

Sneak Review: Willkommen in Cedar Rapids

Wednesday, June 29th, 2011

Eine Komödie, die uns zeigen will, dass auch Versicherungsvertreter aus dem amerikanischen Mittelwesten total kooky und charmant sein können. Oder etwa doch nur ein mit 86 Minuten Spielzeit deutlich zu langer Werbespot für die Ergo-Versicherung?

Miguel Arteta kocht nach bewährtem Fremdschämkomödien-Rezept: Weltfremd-unschuldiger Kindmann trifft auf Fäkalhumor und am Ende muss doch wieder der Capra herhalten. Immerhin ist Cedar Rapids nicht so dümmlich homophob und frauenverachtend wie The Hangover oder Hot Tub Time Machine und die Cast hat sichtlich Spaß an ihren Rollen, aber die Hauptfigur ist der vielleicht unsympathischste Protagonist seit der Fiktionalisierung von Helter Skelter und letztlich ist der Film auch kaum interessanter oder lustiger als sich 86 Minuten lang die neuen Tarife von der Frau von der Capitol Versicherung ausrechnen zu lassen.

1/5

Sneak Review: Horsemen

Thursday, July 30th, 2009

Rev. Lovejoy: “Homer, ich möchte sie an Matthäus Kapitel 7, Vers 26 erinnern: ‘Denn der ist eines törichten Mannes gleich, der sein Haus auf Sand gebaut hat.’

Homer: “Und darf ich sie erinnnern … an Matthäus… Kapitel 21, Vers 17?”

Rev. Lovejoy: “‘Und er ließ sie da und ging zur Stadt hinaus gen Bitanien und blieb da selbst.’”

Homer: “Ja! Denken sie mal drüber nach!”

Mir wird in letzter Zeit gerne vorgeworfen, ich wäre Filmen gegenüber zu negativ. Das ist nicht wahr. Ich wage es nur auch weiterhin gewisse Standards zu haben und nicht jeden Scheiß abzunicken und so zu tun, als wäre ich dankbar dafür, dass ein beliebiges Zelluloidprodukt ja immer noch besser ist als ein Schlag auf den Hinterkopf mit einem spitzen Stein. Im Ernst: Was ist inzwischen der Mindeststandard für Filme? Jener Standard über dem man keine Kritik mehr üben darf, weil der Film ja gar nicht die Wiedergeburt von Citizen Kane sein will? Sicher, The Proposal war kein guter Film, blablabla, aber er war auch nicht so schlimm wie der Völkermord in Dafur, also sollte man auch keine Kritik daran üben! Feh, sage ich, feh!

Anyway: Mit Horsemen wird der Trend nicht gebrochen… ganz im Gegenteil: Horsemen ist der schlechteste Film den ich seit langem sehen durfte. Und ich meine damit: “So schlecht, dass er eine körperliche Reaktion hervorruft”. Ich habe mich im Kinosessel gewunden in einer Mischung aus Abscheu, Wut, Verachtung und Fremdschämen. Ich möchte sogar so weit gehen und sagen: Ich habe diesen Film irgendwo ab Minute 15 verabscheut, ab Minute 30 gehasst und ab Minute 45 war ich gewillt ihm meinen künftigen Erstgeborenen zu opfern, wenn er nur bitte endlich zuende geht. Und nein, ich hätte nicht das Kino verlassen können: Dafür war der Film zu schlecht.

Ich weiß schon, dass ich einen Film nicht mögen werde, wenn ich mir vorstellen kann, wie der Pitch aussah: “Es ist Se7en, aber mit der Ästhetik von CSI und der schamlosen Gewaltfixiertheit von Saw und Hostel.” – “Wird der Film eine eigene Identität haben? Planen Sie irgendwo eine kreative Eigenleistung?” – “Iwo, das erscheint mir zu riskant.” – “Gekauft!”

Wenn irgendjemand dumm genug ist freiwillig in den Film zu gehen, dann nehme er bitte Stift und Papier mit, denn man kann Filmklischee-Bingo spielen (und nach anderthalb Minuten gewinnen). Unser Held: Der von seinen Kindern entfremdete Bulle, der eigentlich zu alt, fertig und zerknautscht für den Job ist, dessen Frau an Krebs verstarb, während er einen Fall gelöst hat, der sich völlig in diesem neuen Fall des religiös motivierten Serienmordens verliert? Nie gesehen, sowas. Mindestens so klischeebeladen wie unser Hauptdarsteller sind auch viele Momente, die man gerne mal gefühlt Einstellung für Einstellung aus anderen, besseren Filmen übernimmt. Hey, die Einstellung wenn die Spitze einer Zigarette in Nahaufnahme aufglimmt, weil gerade an der anderen Seite der Buffe gezogen wird: An der kann ich mich gar nicht sattsehen. Und wenn man nicht schamlos klaut, dann nutzt man ungewohnte Perspektiven einfach nur weil man es kann oder greift aus dem gleichen Grund in den großen Sack kameratechnischer Spielereien. Wenn die Kamera auf Dennis Quaids Gesicht zoomt, während Dolly der Kamerawagen zurückfährt: Ist das nicht cool? Mindestens so cool wie sinnlos in der Szene, gell?

Normalerweise wittere ich bei sowas ein Erstlingswerk, aber Jonas Åkerlund hat erschreckenderweise bereits einen Film gedreht. Bekannter ist er aber für seine Videoclips: ‘Smack My Bitch Up’ für The Prodigy, ‘Favorite Game’ für die Cardigans oder ‘Turn the Page’ für Metallica. Der alte Kinokritikkampfbegriff “Videoclip-Ästhetik” ist hier also zumindest angebracht.

Kehren wir zurück zu den Klischees. Was in diesem Film ein Synonym ist für: “Jede einzelne Figur die irgendwann innerhalb der quälend langen 90 Minuten auf der Leinwand auftaucht”. Ich habe amerikanische Propagandafilme über Japan aus dem Jahr 1943 gesehen, in denen weniger klischeebeladenen Figuren auftauchten. Den zerknitterten, heruntergekommenen Bullen mit dem guten Herzen, der entfremdeten Familie und der toten Alten hatten wir ja schon. Aber wir haben noch mehr im Angebot. Etwa seinen knallharten Boss, der nur in einer Szene auftaucht um genau das zu tun, was Polizeichefs immer tun: Dem Protagonisten den Fall entziehen wollen, sich dann aber von den Protesten seines Angestellten umstimmen lassen. “Sie haben 24 Stunden um diesen Fall zu lösen!” Im Ernst! Das sagt er wirklich. Oh, the pain… the pain!

Auch angestellt bei NYKlischee Blue: Der Kollege: Der hat nicht einen charakterisierenden Moment, dafür aber einen dümmlichen Namen (Stingray) einen Pornoschnauzbart, eine Schmalzfrisur, sowie einen schlecht geschnittenen Anzug. Der Kerl wirkt als wäre er direkt aus ‘Sabotage‘ entlaufen. Eine Mischung aus Sammy Davis, Jr. und Louie aus den Simpsons. Ja, sowas gilt heute schon als Charakterisierung. Oh, und statt Stingray hätte man ihn auch Red Shirt nennen können, denn vom ersten Moment an ist klar, dass er der Kerl ist, der später mal ‘überraschend’ sterben wird um zu zeigen: Unser eigentlicher Protagonist befindet sich in einer gefährlichen Situation. Einfach weil das diese Art von Film ist. Wobei: Ich war überrascht. Er stirbt nämlich scheinbar nicht, sondern wird nur schwer verletzt. Glück gehabt, Junge.

Glück gehabt auch, dass man dir keine “Tiefe” gegeben hat. Denn damit ist Stingray der beste Charakter auf der Leinwand, weit besser als all die “interessanten” Figuren die ebenfalls auftreten und bei denen man sich nicht nur auf visuelle Klischees verlassen hat. So wie etwa das verschüchtert wirkende medizinische Wunderkind, dessen älterer Bruder (der wiederum nur ein visuelles Klischee ist: der vor Testosteron triefende, männlich-maskuline Alpha-Mann mit US-Flagge am Revers seiner Dienstjacke) ihn nicht akzeptiert und als ‘Schwuchtel‘ schmäht. Oder die asiatische Adoptivtochter des schmierigen Kerls mittleren Alters, der sie natürlich missbraucht hat. (Der Stiefvater ist übrigens auch ein rein visuelles Klischee, wenn auch nicht dieses Klischee hier.)

Das sind übrigens (und ich spoilere jetzt mal wie die Hölle, weil dieser Film so schlecht ist, dass er mit Spoilern nicht mehr weiter verdorben werden kann) zwei der Serienkiller, die Komissar Knitter in diesem Film sucht. Und am Ende wird noch das Mastermind hinter diesen Morden enthüllt, der Mensch der das alles orchestriert hat, dieser Napoleon des Verbrechens. Im Anti-Klimax des Filmes, der sich 85 Minuten lang mit einem völligen Verzicht auf Spannung oder Überraschung darauf hinvegetiert hat, wird enthüllt, dass es sich bei dem Genie im Hintergrund um… Trommelwirbel, bitte… den entfremdeten, seltsamen Sohn der Hauptfigur handelt. Jenen Jüngling, der sich bisher dadurch auszeichnete, dass er immer wieder erklärt wie sehr er sich von seinem Vater zurückgesetzt fühlt, der in der Kirche starr zum Altar blickt und die Bibelpassagen mitmurmelt. Und das obwohl er offenbar nicht alle Murmeln beisammen hat, was wir daran sehen, dass er seiner toten Mutter noch immer jedes Jahr einen Geburtstagskuchen backt. Wow! Who could have guessed? Das habe ich gar nicht kommen sehen, obwohl man doch diese subtilen Hinweise eingestreut hat. Und subtil bedeutet hier: Dem Sohn wachsen keine Teufelshörner aus der Stirn und er ruft nicht die ganze Zeit: “Ich war’s! Ich habe sie umgebracht!” Wobei es aber wirklich nur eine planck’sche Maßeinheit subtiler ist.

Dinge die mich ähnlich überrascht haben wie diese Enthüllung:

*Doping bei der Tour der France
*Gebrochene Wahlversprechen
*Schlechte, von Michael Bay produzierte Filme

Wobei der Nicht-Twist am Ende des Filmes völlig zur totalen Inkompetenz passt, die das Drehbuch bis dahin schon zur Genüge an den Tag gelegt hat. Etwa wenn der Miststreifen fast 30 Minuten braucht, ehe Columbo herausfindet, dass die an den Tatorten gefundene Aussage “Come and See” aus der Bibel stammt (ist wohl kein Johnny-Cash-Fan, nehme ich mal an) und sich auf die vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes bezieht.

Danke, Filmverantwortliche, dass ihr euch die Zeit nehmt dieses kleine Mysterium so lange am Laufen zu halten… … …nachdem ihr es ja nur im verfluchten Titel des Filmes vorweg nehmt! Im Ernst: Wovon gehen die Filmfritzen hier aus? Dass man den Teller mit den Zähnen sieht, den die Polizei am Anfang des Filmes findet, und dann in Kombo mit dem Titel denkt, dass das sicher die Zähne sein werden die Ric Flair, Tully Blanchard und die Four Horsemen ihren Gegnern bei WCW Starrcade 1986 ausgeschlagen haben?

Himmel!

Wobei mir der Wrestling-Gag ja sogar noch lieber wäre als diese halbgare theologische Suppe die uns hier vorgesetzt wird. “Wir brauchen einen Thriller mit biblischem Leitmotiv, aber die sieben Todsünden sind schon weg. Was gibt’s da noch?” – “Oh, die Offenbarung des Johannes geht immer.” Und zack: Schon haben wir Morde die sich an den vier Surfern des Apocalypso orientieren. Respektive: An irgendwelcher semi-mythologischer Teenagertheologie, die kein Redakteur in einem Groschenroman würde durchgehen lassen und auf die dann mal eben das Signet “Reiter der Apokalypse (4)” draufgepappt wurde. Wenn der katholische Priester unserem herzensguten Bullen erklärt, dass die vier Schneider der Aproposkalypse in der Offenbarung auftauchen, die dem Apostel Johannes direkt von Jesus Christus diktiert wurde, dann rollen sich mir die Fußnägel auf. Moderne Bibelexegese ist dieses Filmes stärke scheinbar nicht. Dann wiederum: Nichts ist dieses Filmes Stärke.

Es sei denn wir zählen “dumme Logiklöcher haben” als Stärke. Dann ist der Film bärenstark und könnte mehrere Produktions-LKWs nur mit den Zähnen aus dem Bullshit ziehen, der en masse aus dem Skript fließt. Etwa in jenem Moment, wenn die Polizisten nach mindestens einer Stunde am Tatort feststellen, dass in einem Wandschrank noch eine gefesselte Geisel sitzt, nachdem sie es darin scheppern hören. … WAS? Der Film versucht das zu entschuldigen, wenn Hauptkommissar Strubbelhaar die anderen Polizisten anschnauzt, dass sowas ja nicht passieren dürfe und ein Zeichen für ‘schludrige Polizeiarbeit’ sei. Falsch! Falsch! Falsch! Es ist ein Zeichen für ein schludriges Drehbuch, das auf Logik scheißt um eine ‘spannende’ Szene zu bekommen, die aber natürlich nicht spannend ist, weil jedem klar ist, was man da im Schrank finden wird. An anderer Stelle ist das so ähnlich: Da wird am Tatort schon seit Ewigkeiten fleißig photographiert, ehe mal jemand auf die Idee kommt dem Überlebenden die Haken aus der Haut zu entfernen, die der Täter ihm da reinsteckte. Weil sonst der visuelle Ekel bei dem Dialog zwischen diesem Opfer und der Polizei fehlen würde.

Und wer am Ende des Filmes noch seine ‘Radaufhängung des Unglaubens‘ aufrecht erhalten kann, der schluckt auch wirklich alles (zum Beispiel, dass ich für nur 500 Euro völlig unsichtbare Glücksatome verkaufe… legen Sie bei Interesse einen Verrechnungsscheck und einen frankierten und adressierten Rückumschlag bei). Also: Vati findet heraus dass Junior ein böser, böser Junge war und als “weißer Reiter” diese apokalyptischen Morde geplant hat. Und sein Sohn schilt ihn: “Daddy, du hättest das alles schon viel früher herausfinden können, wärest du in den letzten drei Jahren mal in meinem Zimmer gewesen.” Das hat der nämlich, seinem Nom de Plume entsprechend, völlig in weiß gestrichen… inklusive seinem Notebook, das auch komplett weiß angemalt ist. (Bis auf die F-Tasten, auf denen die Farben seiner Mitmörder zu finden sind… warum dem so ist? Keine Ahnung, aber die hat von den Machern dieses Flmes auch keiner, zumindest wenn es um Computer geht.) Aber immerhin: So ein Notebook scheint trotz Farbtropfern in der Tastatur auch weiterhin zu funktionieren. Trotzdem: WAS?

Junior malt sein Zimmer, seine Schränke, seinen Bürostuhl, seinen Schreibtisch, seine Fenster, seine Bilder, sein Bett, seinen Boden, seine Decke, einfach alles weiß an und sein Vater bekommt das drei Jahre lang nicht mit? Ach .com, gut gezz. Der Mann ist also ein Spurenleser (phorensische Zahnmedizin), wundert sich aber nicht woher der leicht benebelnde Geruch im ersten Stock seines Hauses oder der Berg an Alpina-Weiß-Eimern im Garten stammt? Aber sicher doch, liebes Drehbuch.

Mein persönliches Headdesk-Highlight kam aber schon in der Mitte des Filmes, als man in der Leiche eines Opfers einen Computerchip findet, beschriftet mit Exodus 9,15. (Was es damit auf sich hat, wird im Film nicht mehr erwähnt, es ist aber auch eine apokalyptische Drohung: “Denn ich hätte schon jetzt meine Hand ausgereckt und dich und dein Volk mit Pestilenz geschlagen, daß du von der Erde vertilgt würdest.”) Dieser “Chip”, der von der Größe her aussieht als habe man ihn frisch aus Univac ausgebaut, ist die einzige Spur die man in diesem Mordfall hat. Und was tut man? Man geht zu den ‘Computergeeks’ der Polizei.

Wer jetzt noch Kaffee, Tee oder ähnliche Flüssigkeit im Mund hat, der möge sie nun herunterschlucken. Ich übernehme keine Verantwortung dafür, dass ihr sonst eure Rechner ruiniert. Also, Inspektor Gadget fragt den Computergeek ob er herausfinden kann wo der Chip herkommt und der antwortet: “Sicher, wenn der zum Chip gehörende Computer online angemeldet wurde, dann kennen wir seine IP. Und dann können wir ihn über GPS lokalisieren.”

… … …
WAS?

Ich bin mir nicht sicher ob irgendwer der für diesen Film verantwortlich ist auch nur eine grobe Vorstellung davon hat, wie Computer funktionieren. Wobei der Technobabble zwar schmerzhaft war, aber nicht so schmerzhaft wie die “dramatischen” Dialoge zwischen Polizeichef Wiggum und der vergewaltigten asiatischen Killerin. Die sind nämlich sowas ähnliches wie Gespräche zwischen Jodie Foster und Sir Anthony Hopkins in Hannibal, nur dass das in diesem Film so wirkt, als habe ein Fanfiction-Autor mit Zugang zum Grundwörterbuch Philosophie die Gespräche mit Wachsmaler auf eine fleckige KFC-Serviette geschmiert, während er in Gedanken schon bei seinem nächsten Slashfiction-Epos war. Die Dialoge sind so grotesk überzeichnet und lächerlich in ihrer prätentiösen Sinnlosigkeit (Referenzrahmen: der Merowinger in Matrix Reloaded), dass selbst Zhang Ziji da nichts mehr reißen kann, Golden Globes und BAFTA Awards hin oder her.

Und dabei dreht sie doch schon alle Regler auf 11. Im Ernst: Das einzige was in diesem Film noch überzogener ist als das Drehbuch, ist das Schauspiel der armen Schweine die versuchen aus diesem hanebüchenen Blödsinn noch irgendwas rauszuholen. Das Resultat das bekommt, wenn man schlechten Schauspielern gute Drehbücher gibt, dass sie versuchen ihre eigenen Mängel durch Overacting zu kompensieren? Das gibt es auch in die Gegenrichtung: Nur dass dann das Overacting die Mängel des Drehbuchs ausgleichen soll. Und da ist einfach Hopfen und Malz verloren.

Wenn das Drehbuch wenigstens nur schlecht wäre. Aber leider ist es nicht nur schlecht, es ist auch noch verachtenswert reaktionär. Das erkennt man daran, aus welcher Gruppe sich die Serienkiller, die vier apoplektischen Router rekrutieren. Jener Großgruppe, die in der Literaturkritik gerne zusammengefasst wird als ‘The Other‘. Unsere Serienkiller sind “anders” und darum gefährlich: Es sind Homosexuelle, Asiaten, Gothen, Emos, Menschen mit sexuellen Fetischen und natürlich Computerfreaks. Merke: Wenn es nicht ist wie du und nicht in dein WASP-Raster fällt, dann wird es dich vermutlich umbringen. Und um dieser Gruppe zugeordnet zu werden, reicht es schon aus einen leichten Emo-Haarschnitt zu haben. Denn Lektion 2 ist natürlich: Unsere Kinder werden uns alle umbringen. Klar, das ist schon den ollen Griechen bekannt gewesen, als sie die Geschichten rund um Elektra und Tyrannosaurus Oedipus Rex verfasst haben, aber seit Columbine und V-Tech (oder hier drüben: Erfurt und Winnenden) hat dieser Topos nochmal eine ganz neue Relevanz für die Allgemeinheit erhalten.

Es ist eine Konspiration der Emos. Yep, dieser Leute hier. Denn in dem Moment, in dem die Jugend sich eine Frisur zulegt die ihre Eltern nicht mehr verstehen, sind sie eine Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung. Wobei aber auch das filmisch gesehen natürlich nichts neues ist. Schon der von mir sehr geschätzte Dirty Harry bediente ja beispielsweise massivst die Angst der breiten amerikanischen Mehrheit vor der Hippie-Kultur. Wobei es heute scheinbar schon ausreicht DVD-Hüllen der Happy Tree Friends (“Ist sie nicht etwas alt für Zeichentrickfilme?”) im Zimmer zu haben und ein analoges Buch mit mystischen Zeichen vollzukritzeln und das dann damit zu untermauern, dass man Bilder von “Emily the Strange” da reinklebt. Yep, dem “Hello Kitty” für Mädchen die glauben Fall Out Boy würden ansprechende Musik mit inspirierenden Texte produzieren.

Und weil das alleine noch nicht ausreicht nimmt sich der Film gleich noch der zweiten großen Gefahrengruppe unserer Zeit an: Den sogenannten “Onlinecommunitybenutzerm”. Denn Leute die denken, dass man über einen Computerchip von der Größe Rhode Islands die IP des zugehörigen Computers feststellen kann, die halten auch das Internet für einen rechtsfreien, bedrohlichen Raum. Die vier Emos der Afrocalypse streamen all ihre Morde natürlich live für das Internet. Namentlich für ein Forum namens “We are the nothing”, das – als es Inspecteur Clouseau endlich findet – gerade “wegen Reparaturen” für einen Tag down ist. Worauf der ganz messerscharf kombiniert: “Morgen wird etwas großes passieren.”

Ich bin mir sicher, dass Filme wie dieser Rotz einer der Gründe dafür sind, dass Menschen wie #Zensursula mit dem Rasenmäher über die Meinungsfreiheit fahren dürfen und von einer großen Bevölkerungsgruppe dafür auch noch Zustimmung ernten. Denn auch wenn man Computer nur über eine ihrer Komponenten per GPS lokalisieren kann, an das anonyme Netzforum kommt man natürlich nicht ran. Das kann man nicht vom Provider aus dem Netz nehmen lassen, da kann man keine IPs der Betreiber oder Hauptposter feststellen, da ist man als Polizei absolut machtlos. Darum brauchen wir die Stoppschilder fürs Internet! Jetzt! Schnell! Bevor die Französische Revolution für Emos losbricht und wir alle knietief durch Tränen und Kajal waten müssen.

Anyway: Das Netzforum bekommt am Ende des Filmes nochmal große Relevanz, wenn der Ober-Emo sich selbst umbringen will (was natürlich auch gewebstreamt wird) und betont, dass die Millionen (Millionen!) Nutzer des Emo-Boards nur darauf warten, dass er stirbt. Denn wenn er stirbt ist der Schleier gelüftet (wusstet ihr schon, dass “Apokalypse” eigentlich nur Enthüllung heißt, wie wir von ihm lernen… wären wir ja nie drauf gekommen bei einem biblischen Buch namens “Offenbarung” oder “Revelation”) und die Millionen (Millionen!) Emos auf diesem Board werden dann “die Hölle auf Erden” lostreten. Im Ernst, wovon reden wir hier? 4Chan? Tyler Durdens Project Mayhem? Hackern auf Steroiden? Einer Internet Hate Machine.

Im Ernst: Ich habe am Ende des Films nicht den Hauch einer Ahnung gehabt, was diese Emokalypse sein soll, die über uns alle hereinbrechen wird sobald Mr. Weißer Reiter stirbt. Hören dann all die Millionen (Millionen!) Nutzer des Boardes auf sich Make Up zu kaufen und treiben damit die Wirtschaftskrise noch weiter voran? Dass ich keine Ahnung habe, vor welcher ominösen Bedrohungslage ich Angst empfinden sollte ist aber okay. Einerseits kenne ich das Gefühl ja dank der Reden des badischen Kofferbombers im Bundesinnenministerium zur Genüge, zum anderen hat der Schreiberling dieses Schweizer Käses, den er ein Drehbuch nennt, vermutlich ebensowenig Ahnung davon, worum es sich bei der bevorstehenden Katastrophe handeln könnte. Da ist dann so eine obskure Gefahrensituation ja viel angenehmer, weil sich jeder seine eigene Emo-Horrorvision da reinmalen kann. Dass von den Millionen Nutzern eines öffentlichen Boards nicht einer das Gefühl hat, er sollte die Polizei wegen dem kontaktieren, was da regelmäßig gestreamt und diskutiert wird, ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie absolut habebüchen dieser Film ist. (Da gibt es noch unzählige andere offene Fragen und unlogische Abstrusitäten, auf die ich jetzt aus Platzgründen aber nicht eingehen werde.)

Dass er dann mit einem Ende schließt, das ein Schlag ins Gesicht ist, macht zu dem Zeitpunkt eigentlich auch nichts mehr. Papa Polizei verhindert den Suizid seines Sohnes, drückt ihn an sich und betont, dass er jetzt ein besserer Vater sein wird, einer der sich mehr Zeit für seine Kinder nehmen wird. Liebt ihr Filme mit Happy End nicht auch? Vati hat erkannt, dass er seinen Kindern mehr Aufmerksamkeit schenken muss, und alles was es bis dahin gebraucht hat, sind vier Morde. (Eigentlich fünf, denn der zweiten ermordeten Person wurde auch noch schnell ein Fötus aus dem Bauch geschnitten). Family values? Saved. Denn alles was diese Emos mit ihrem komischen Haar wollen, ist mal so richtig von ihren Eltern gedrückt werden. Schlichte Weltbilder für schlechte Filme.

All diese Schwächen versucht Åkerlund damit zu verdecken, dass er die Kamera immer schön draufhält auf die ekligen Szenen. Dass er, wie in CSI, zeigt wie sich die Luftröhre mit Blut füllt, dass er nicht wegschneidet wenn sich die Knochensäge in die Brust fräst, die Haken im Fleisch nochmal schön in Großaufnahme zeigt und wir natürlich auch den blutigen Fötus in der Plastiktüte vor Augen gehalten bekommen. Was dann zu mehreren Abgängen aus dem Kino-Saal führte. Wobei irgendwer Åkerlund doch bitte mal sage, dass Gore kein Ausgleich für ein vernünftiges Skript ist und nicht einmal zwangsläufig Spannung oder Unbehagen erschafft. Denn Unbehagen ist ein anderes Gefühl als Ekel. Ekel geht bei mir übrigens oft mit Genervtheit einher, weil man versucht mich so platt zu manipulieren.

Horsemen ist das, was man auf dem Emo-Messageboard im Film vermutlich als Epic Fail bezeichnen würde. Ein Film der einfach nur unglaublich schlecht ist. Und nicht schlecht, aber tolerierbar wie The Proposal, sondern so schlecht, dass ich am liebsten die ganze Zeit die Kinoleinwand angeschrien hätte. Unlogisch, fürchterlich geschauspielert, mit grässlichen Dialogen, reaktionären Konzepten und sinnloser Gewalt angefüllt. Und am schlimmsten: Wie ein frankenstein’sches Monster komplett aus den Ideen, Konzepten und Szenen besserer Filme zusammengeflickschustert. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass ich mich von diesem Film persönlich beleidigt fühle!

Im Ernst, Lionsgate, habt ihr eure gesamte QA-Abteilung gefeuert? Solltet ihr nicht viele, viele Chancen gehabt haben dieses Projekt zu kippen? Oder gar nicht erst zu starten? Irgendwer muss das Skript gelesen und gedacht haben, das wäre eine gute Idee. Irgendwer muss die ersten Szenen aus dem Film gesehen und beschlossen haben, ihn trotzdem nicht in der Production Hell verenden zu lassen. Irgendwer muss das fertige Produkt begutachtet und einen Release dieser Spökenkiekerei abgenickt haben. Wo ist der Fehler im System, das sowas nicht schon frühzeitig ausgesondert wird. Wir sprechen hier ja nichtmal über einen Film wie Transformers 2, der zumindest damit zu rechtfertigen ist, dass er ja die guten, kleinen Filme mitfinanzieren muss (was so ist, als wenn man Drogenverkäufe legitimiert, solange ein Teil der Erlöse an Waisenhäuser gestiftet wird). Dieser Film hingegen ist so ähnlich wie viel Geld auf einen Haufen zu packen und es dann zu verbrennen. Nur weniger spannend, logisch oder sinnvoll.

Bah! Wenn jemand einen guten Serienkillerfilm mit biblischem Leitmotiv sehen will, dann soll er lieber zum Original greifen und sich nochmal Se7en angucken. Oder Zodiac. Der hatte zwar kein biblisches Motiv, war aber einfach so ein Spitzenfilm. Oder überhaupt ein Film. Nicht nur eine Anhäufung von Szenen und Klischees, in deren Nähe durch Zufall eine Kamera rumstand. Produziert hat das ganze übrigens, wie oben schon angedeutet, unter anderem Michael Bay. Ein weiterer Indikator dafür, dass Bay seit The Rock nicht an einem einzigen guten Film mitgearbeitet hat, sondern – ganz im Gegenteil – die noch zuckende Leiche namens “Kino das mehr will, als den kleinsten gemeinsamen Nenner finden” Schaufel um Schaufel und Film für Film unter einem großen Haufen dampfender Scheiße begräbt.

Ich hasse dich Michael Bay!

Ich hasse dich!

0/5

I Am Legend (a.k.a. Jesus Christ Vampire Hunter)

Saturday, May 23rd, 2009

Bilderraetsel

Um mal zu beweisen, dass wir hier bei der Jungen Union bei Agitpop nieder mit den Kindern sind, haben wir eine Rezensionsform gewählt, die sich auf einen erfolgreichen Schlager der Jugendikone Smiley Virus (Kudos an Stephen Fry, dem ich hier eiskalt den Witz geklaut habe) bezieht: Seven Things I Hate About You.

Gut, eigentlich brauchte ich nur eine Phrase, der diese Kurzrezi zusammenfasst und möglicherweise in Zukunft öfter mal genutzt werden kann, jetzt da wir hier den Content eher in Häppchenform rausklotzen. Ich hätte auch 10 Things I Hate About You nehmen können, aber – ganz ehrlich – ich hatte einfach keine Lust mir noch drei zusätzliche Punkte (thematisch angemessen) aus der Halsschlagader zu saugen. Worum sollte es hier nochmal gehen? Achja: I am Legend (den Film aus dem Jahr 2007, nicht das Buch aus den ’50ern).


1.) This Quiet Earth gab es schon. Die erste Hälfte des Films ist definitv besser als die zweite Hälfte, leidet aber deutlich darunter, dass ich konstant das Gefühl hatte, hier ein durchwachsenes Remake von Quiet Earth – Das letzte Experiment zu sehen, einer völlig unterschätzten und zu Unrecht im deutschen Nachtprogramm versteckten neuseeländischen Genre-Perle aus den späten Achtzigern.

Zugegeben: Szenen in denen der Protagonist durch eine menschenleere Stadt irrt, sind auch keine Erfindung von Quiet Earth gewesen, aber die Art wie Will Smith (alias Dr. Neville) hier durch das gottverlassene Manhattan irrt, erinnert doch arg an die Art wie Bruno Lawrence (alias Dr. Hobson) durch das gottverlassene Neuseeland irrt. Inklusive der Lautsprecherdurchsage wo andere Überlebende, so es sie denn gibt, diesen speziellen Überlebenden finden können und inklusive der Art wie Pappaufsteller oder Schaufensterpuppen in beiden Filmen als Ersatzbevölkerung dienen müssen. Und Quiet Earth spielte das Motiv “letzter Mensch auf Erden” besser und weit radikaler aus als I Am Legend aus, wo Will Smith gerade mal mit der Corvette auf dem Time Square Rotwild jagen darf und sich täglich ‘ne DVD ausleiht. Na gut, dafür müssen wir zumindest nicht den halben Film lang Will Smith im Tutu ertragen.


2.) Auch wenn der Anfang sich hemmungslos bei Quiet Earth bedient, zumindest steckt in diesem Anfang theoretisch ein guter Film über einen Mann, der daran zerbricht, dass er wirklich alles verloren hat. Und das ist hier nicht nur eine hohle Phrase, sondern stimmt im wahrsten Sinne des Wortes. Leider verschiebt sich der Fokus schnell von der Geschichte über “a boy and his dog” hin zu einem total egalen Monsterfilm. Was natürlich der Vorlage geschuldet ist, in der halt Vampire vorkamen. Trotzdem geht ab dem ersten Auftauchen der “Vampire” die halbwegs interessante Ebene mehr und mehr flöten, während sich der Film immer mal wieder in einen generischen Horrorschlockbuster verwandelt.

Diese Tonfall-Verschiebung ist allerdings ein Problem, das wiederholt auftritt (Quiet Earth verliert an Fahrt als die Frau mit dem Achtzigerhaar und der Maori auftauchen, The Descent war ein absolut gelungenes Psychodrama bis Graf Gollum und seine eineiigen Zwillinge die Party sprengen, danach verlieren beide Filme an Fahrt). Was aber keine Entschuldigung dafür ist, dass man dieses Problem in I Am Legend auch nicht behebt, sondern sehenden Auges in die Falle tappst.


3.) Und wenn der Film sich schon einen reinen Monsterfilm verwandelt, dann soll er sich gefälligst zumindest in einen guten reinen Monsterfilm verwandeln. Tut er aber nicht. Die Actionsequenzen sind dünn und unspannend, wirkliche Dramatik oder Sorge um das Wohlergehen der Hauptfigur kommt nie auf. Vielleicht auch, weil die bestenfalls mäßigen CGI-Effekte (siehe unten) den Zuschauer aus dem Film reißen. Lowlight dabei war die Sequenz in der Neville in einer CGI-Corvette durch lauter CGI-Vampire mäht. Die selbe Szene hätte man mit einer echten Corvette und traditioneller Stunt-Arbeit umsetzen können und sie hätte sogar nach etwas Ordentlichem ausgesehen. Diese CGI-Pest sollte, wie die Unart des Schnittgewitters, den Weg des Dodos gehen und verschwinden.


4.) Die Monster sind gleich auf mehreren Ebenen ein Problem. Zum einen tragen sie die Schuld daran, dass der Film (siehe oben) relativ schnell an Stimmung verliert und ins völlig Generische abrutscht. Zum anderen sind die Biester einfach nicht gut gemacht. Und wenn ich sage nicht gut gemacht, dann meine ich damit: Vielleicht die am schlechtesten gemachten Monster die ich seit langer Zeit in einem Hollywood-Großprojekt sehen musste (von “durfte” will ich hier nicht reden). Immerhin ist das Monsterdesign unglaublich einfallslos: Ein Hauch von Graf Orlok, vermischt mit einem Spurenelement Gollum. Fertig ist der Vampyr wie man ihn sich heute vorzustellen hat. Hätte sich Will Smith irgendwann während des Films in eine Gruppe der Crawler aus The Descent vermischt, es hätte niemand bemerkt.

Schlimmer als die Einfallslosigkeit beim Design ist aber der Umstand, dass man die Figuren komplett via CGI pimpen musste, damit sie, immer wenn sie im Bild sind, ihren Kiefer ausrenken und Will Smith ins Gesicht rülpsen können, so wie man das aus “Come to Daddy” von Aphex Twin kennt, das übrigens in unter sechs Minuten verstörender und unheimlicher ist als I Am Legend in seinen vollen anderthalb Stunden.

Theoretisch sollten die Monster auch gefährlicher wirken, weil man via CGI ja eine Schnelligkeit, Beweglichkeit und Stärke der Vampire (jaja, der Infizierten… ist schon gut, Danny Boyle) zeigen kann, die mit einem menschlichen Darsteller nur äußerst schwer machbar wäre. Nur klappt das halt nicht, weil diese Viecher einfach so unglaublich schlechte CGI-Effekte sind. Ich meine wirklich, richtig, derbe, holladiewaldfee schlechte CGI-Effekte. Wir reden hier von Effekten, die in dem selben Slum hausen wie die Effekte aus Perlen wie Boa vs. Python oder Attack of the Sabretooth. Effekte die meine Oma auf ihrer Nähmaschine besser hinbekommen würde. (Was übrigens auch für die komplett unnützen CGI-Hirsche am Anfang des Films.) Es ist ausgesprochen schwer sich Sorgen um das Wohlbefinden der Hauptfigur zu machen, wenn man konstant das Gefühl hat, dass sie und die Monster nicht einmal auf der selben Ebene im Film existieren, dass sie nur nebeneinander (aber nie miteinander) agieren.

I Am Legend hätte definitiv davon profitiert, hätte man gesagt: “Scheiß auf CGI, lass uns ein paar echte Menschen mit solidem Make Up in groteske Bestien verwandeln.” In Zombie-Filmen funktioniert das doch auch richtig gut.


5.) Ich gebe der Fairness halber zu, Kritikpunkt 5 wird für viele kein Kritikpunkt sein und ist noch willkürlicher als all die anderen Kritikpunkte hier. Kritikpunkt 5 ist ein ganz persönlicher Kritikpunkt, der da lautet: Will Smith. Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich habe nichts gegen Will Smith, anders als bei John Travolta oder Tom Cruise, durch deren bloße Präsenz ich einen Film schon abzulehnen tendiere. Nur: Will Smith ist für mich immer Will Smith, egal wen er spielt. Der segelohrige Prinz von Bel-Air. Der Pharao der jiggy mit es wird. (Whooo. Uh! Uh!)

Es ist nicht einmal so, dass Smith wirklich schlecht wäre in diesem Film. Er trägt die Szenen am Anfang, in denen nur er und sein Hund unterwegs sind, relativ gut (auch wenn die Shrek-Imitationssequenz schrecklich aufgesetzt wirkt). Trotzdem habe ich den ganzen Film hindurch nie Dr. Neville gesehen, sondern immer nur Will Smith, wenn auch dieses Mal mit mehr Muskeln. So ging es mir auch schon in The Pursuit of Happiness. Da sehe ich nicht einen glücklosen, aber tapferen Vater, da sehe ich Will Smith. Will Smith mit graumelierten Haaren und einer Rotzbremse, aber nichtsdestoweniger: Will Smith. Aber, wie gesagt, dieser Kritikpunkt ist wirklich völlig subjektiv.


6.) Sie sind unterwegs im Auftrag des Herrn. Später im Film, nachdem der Hund schon tot ist, wird das schäferhundförmige Loch im Drehbuch dadurch geschlossen, dass zwei Überlebende (eine Frau, ein Kind) auftauchen. Was sie in New York tun? Sie sind unterwegs zu einer Überlebendenkolonie in… ich glaube es war Vermont. Woher sie von dieser Kolonie wissen? Wie sie Dr. Neville in Manhattan gefunden haben? Nun… ähm… Gott hat es ihnen verraten. Zugegeben, wenn jemand im wahrsten Sinne des Wortes das Recht hat in einem Film als Deus Ex Machina aufzutauchen, dann ist es natürlich Der Herr der Herrlichkeit persönlich. Das macht den Deus-Ex-Machina-Effekt als solchen aber nicht besser. Vor allem, da er schon sehr wunderlich erscheint: Wurde am Anfang des Films nicht etabliert, dass Manhattan als Ground Zero dieser neuen Seuche von der Außenwelt abgeriegelt wurde? Ist nicht die zerstörte Brooklyn Bridge ein bedeutsames Bild für den Film? Wie also kommen Maria und Jesus die Frau und ihr Kind auf die Insel?

Dieses religiöse Element stört mich an Filmen. Nicht weil ich anti-religiös bin, sondern weil ich finde das aufgepropfte christliche Botschaften einem Film abträglich sind, wenn sie sich nicht der inneren Logik unterwerfen. Figuren sind religiös motiviert? Habe ich kein Problem mit. Gott löst Probleme für die Figuren? Empfinde ich als Schreibfaulheit. (Vergleiche auch Shyamalans Signs, wo Gott den Protagonisten dankenswerterweise verrät, wie man eine ganz spezielle Situation im Detail meistern kann… aber Shyamalan tendiert nunmal in diese Richtung.)

Dieser religiöse Rahmen für Verfilmungen von I Am Legend ist nicht ganz neu, schon The Ωmega Man hat jede Form von dezenter Anspielung zugunsten des Jesus-Hammers aufgegeben, als Charlton Heston am Ende in der Körperhaltung des Gekreuzigten aus dem Leben scheiden durfte. Aber diese Verfilmung setzt dem ganzen nochmal die (Dornen-)Krone auf und spielt sogar die zeitgenössische “Scientism”-Karte: Denn während Gott die Menschheit rettet (er schickt Frau und Kind nach Manhattan, damit sie den suizidalen Neville retten, der ihnen sein Blut (Eucharistie) gibt, in dem das Antivirus für die Seuche zu finden ist, und das sie dann zur ihnen von Gott offenbarten Überlebendenkolonie in Vermont bringen), hat die Wissenschaft sie verdammt, entsprang das Virus doch dem Versuch eine Impfung gegen Krebs zu erschaffen. (Eine Warnung vor Gardasil?) Das passt insofern zum Quellenmaterial, als schon in Matthesons Buch die Wissenschaft (damals noch die Atomenenergie) die Vampirplage lostrat, der Roman aber das Übernatürliche nicht im Gegenzug als “Heilsbringer” aufbaut, sondern auch die Vampire hier mit der wissenschaftlichen Methode verstanden werden konnten und nichts Übernatürliches an sich hatten. Gott spielte in dem Buch schlicht keine Rolle.

Nochmal: Mein Problem mit dem Film ist nicht, dass hier religiöse Figuren auftreten, mein Problem ist, dass man Lücken in der Handlung einfach mit “deus vult, deus vult” wegerklärt.


7.) Das Ende. Oh Gott, das Ende. Jetzt gilt es erstmal zwei Kritizismen direkt abzuwehren. Einmal, dass ich ein Ende ablehne, weil es nicht so ist wie im Buch. Was nicht stimmt. Ich lehne dieses Ende einfach ab, weil es deutlich schlechter ist als das Ende im Buch. Was zu Kritizismus Zwei führt: “Björn, ein Ende das sich an das Buch-Ende anlehnt, gibt es als Alternatives Ende. Hast du dir das auch angeguckt?” Worauf ich sagen muss: Ja, habe ich.

Aber hier gilt ein ehernes Gesetz, das ich auch schon den Herren Lucas und Abrams um die Ohren gehauen habe: Alles was für mich als Zuschauer relevant ist, hat im Film stattzufinden. Nicht in den Büchern zum Film, nicht im Spiel zum Film, nicht in den Comics zum Film, nicht in den alternativen Szenen (Filme zu Serien sind hier die einzigen Ausnahmen die ich akzeptiere). Letztlich ist der Film wie er auf der Leinwand zu sehen war, das finale Produkt für das sich das Studio entschieden hat und damit das Einzige was für mich relevant ist (zumindest bis der Director’s Cut das Originalende an den Streifen leimt). Zumal das Alternativ-Ende auf meiner Kauf-DVD gar nicht erst erhalten war, ich also auf YouTube zurückgreifen musste.

Das Ende sieht also auf der DVD so aus, dass Dr. Neville einen finalen Stand Off gegen die Vampirmonster in seinem Labor hat und sich selbst opfert, damit das Antivirus und Maria und Jesus die Alte und das Blag zur Überlebendenkolonie kommen (die ungefähr so pittoresk und idyllisch aussieht, wie Unsere kleine Farm, in der inzwischen die Waltons eingezogen sind). Fade to black: Maria Die Frau erzählt aus dem Off, dass Neville für unsere Sünden gestorben ist und so zur Legende wurde. Film vorbei. Buch total falsch verstanden. Setzen. Sechs.

Das Alternativende ist zwar nicht perfekt, entspricht dem Buch aber zumindest etwas mehr, dessen Ende ich vielleicht mal kurz erklären sollte: Also, Dr. Neville erkennt am Ende des Buches, dass ein Teil der Vampire sehr wohl intelligent ist und inzwischen soziale Strukturen aufgebaut hat. Er erkennt außerdem, dass er das “Monster ist. Ein atavistischer Schrecken, der die Vampirfamilien überfällt wenn sie am schwächsten sind (bei Tageslicht) und wahllos Mitglieder ihrer Gemeinde entführt, um dann in seiner Festung an ihnen Experimente durchzuführen. Wenn der Mensch dem Menschen Wolf ist, dann ist dieser Mensch dem Vampir Vampir. Ein schöner Twist und vielleicht eines der genialsten Enden aller Zeiten, das mit unseren Erwartungen spielt, denn als Leser identifizieren wir uns natürlich mit dem Menschen und kommen gar nicht auf die Idee, dass sein Verhalten falsch sein könnte.

Eine derart nuancierte Sichtweise traut Hollywood allerdings nun schon in der dritten Verfilmung dem Publikum nicht zu und wählt stattdessen erneut die Variante: Guter Mensch versus böse nicht-menschliche Monster, die kein Mitleid verdienen. Die Zuschauer in irgendeiner Weise herausfordern? Keine Chance. Hollywood wird nunmal immer noch von den Sidney Sheinbergs regiert, zumindest wenn es um potentielle Blockbuster geht.

Das ist doppelt bitter: Nicht nur, dass man hier ein total banales Ende hat, man macht damit sogar retroaktiv noch den Film davor kaputt. Denn im Film davor fanden sich kleine Touches die darauf hindeuteten, dass die Vampire doch mehr als eine völlig hirnlose Monstergemeinde sind (sie stellen Neville Fallen) und dass Neville moralisch bestenfalls fragwürdig ist und zudem noch die Situationen völlig falsch einschätzt (der Boss-Vampir folgt Neville nicht ins Sonnenlicht weil er keinen Verstand besitzt, sondern weil Neville gerade seine Lebensgefährtin gestohlen hat). Nur: Nichts davon hat irgendeine Relevanz ohne ein Ende das enthüllt, dass die Vampire eben doch mehr sind als blutlüsterne Bestien. All diese Sequenzen zappeln damit plötzlich sinnlos in der Luft, so wie ein roter Hering an der Angel.

Aber, hey, ein Film braucht nunmal klar gesteckte Fronten zwischen Gut und Böse. Wie Filmproduzentin Marge Simpson zu sagen pflegt: “Friends with mutants? Rrrrright.


(So: Und damit man mir nicht vorwirft ich wäre nur negativ, hier noch ein paar Dinge die ich an dem Film mochte:

*Das menschenleere New York sah richtig toll aus, besonders die Kornfelder am Time Square haben es mir angetan. Ist also nur folgerichtig, dass das Team hinter I Am Legend auch The World Without Us verfilmen darf.

*Der Hund war als Rolle gut angelegt und auch zudem gut gespielt. Der Schäferhund mag nicht das Niveau von Moose erreicht haben, aber nicht jeder kann Dogbert De Niro sein. Auf jeden Fall war die Mensch-Hund-Dynamik in diesem Film besser als die Mensch-Volleyball-Dynamik aus Castaway.

*Die Flashbacks in die Zeit als die Seuche gerade ausbrach, hatten emotionale Resonanz. Besonders die Sequenz mit der Frau die Neville bittet, er möge doch zumindest ihr Kind aus Manhattan fliegen lassen, fand ich persönlich sehr bitter. Wobei solche Szenen natürlich immer den Vorteil haben, dass sie nicht unbedingt aus sich heraus überzeugen müssen, sondern einfach nur die uns spätestens seit Ebola oder SARS allen im Rückenmark hockende Angst vor der globalen Pandämie anzapfen müssen.)

So gesehen: Ein Film den man mal gesehen haben kann, aber nicht zwangsläufig gesehen haben muss. Besonders wenn man This Quiet Earth noch nicht gesehen hat, den man davor wirklich mal gesehen haben sollte. Sehen Sie?

2/5

Star Trek

Sunday, May 17th, 2009

Präambel: Star Trek and Me

Muss ich hier meine Nerd-Kredentialien nochmal auf den Tisch legen? Vermutlich nicht, darum hier die Cliff-Notes-Version zum Thema “Björn und Star Trek“: Irgendwann in den späten Achtzigern von der Folge “Wildwest im Weltraum” der Originalserie angefixt worden. Dann in den Ausläufern der Achtziger und den ganz frühen Neunzigern unglaublich aufgeregt gewesen, weil eine neue Raumschiff-Enterprise-Serie kommen würde. Sowas erfuhr man damals, in Zeiten vor dieser Röhrenreihe namens Internet, noch ganz primitiv und barbarisch durch Zufall. Zufall in Form eines Werbeprospekt der Hörspielfirma Karussell, die Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert bald schon in Form von Kassetten (das waren sowas wie rechteckige MP3s, liebe jüngere Leser) veröffentlichen würde, während bald darauf das ZDF das Ganze auch im Fernsehen (das war sowas wie YouTube für Clips von mehr als zehn Minuten Länge, liebe jüngere Leser) präsentieren würde.

Hatte mich TOS angefixt, machte mich TNG zum Junkie. Bis heute gehöre ich zu jener Fraktion, die zwar zugibt, dass Kirk das bessere Haarteil hatte, Picard aber der bessere Captain war. Wie das wohl vielen so ging, in einer Zeit als Nerd sein keine akzeptable, im Netz auslebbare Alternative, sondern ein sicherer Pfad in die soziale Isolation war: TNG gab mir einen gewissen Rückzugsraum. Große Weltraumabenteuer, eine positive Botschaft, viel soziale Utopie, viel Wissenschaft (oft ‘junk science’, aber teils überraschend zeitgemäße, solide Wissenschaft) und vor allem Techniker, Computergeeks und Gebildete als Helden. Natürlich fühlt man sich da als leicht entfremdetes Kind und bald darauf ähnlich entfremdeter Jugendlicher wohl. Und zumindest für die positiven Werte die mir Jean-Luc Picard eingetrichtert hat, bin ich durchaus dankbar. So scheel man für so eine Aussage auch angesehen wird, in einer Zeit in der alles ironisch gebrochen sein muss (und, ja, der zuständige Redakteur weiß sehr wohl, dass er sich selbst dieses Verbrechens wiederholt schuldig gemacht hat)…

Dann kam Deep Space 9 und wurde, nach einem schwachen Start (und durch massiven Klau bei Babylon 5) zur besten Trek-Serie, während der Verfasser dieser Zeilen in die Hochphase seiner Trek-Begeisterung ein- und einem Trek-Forum im Netz beitrat. Von da an ging es dann rapide abwärts: Voyager sah ich, weil ich Trek noch immer mochte, obwohl mir die Serie mit ihrer Rückkehr zur Einzelepisode und der kritikresistenten Betonfrisur auf der Brücke nur selten wirklich zusagte. Das Trek-Forum enthüllte mir die Borniertheit und Kritikunfähigkeit vieler “Trekkies” und dann kam auch schon Enterprise… eine Serie zu der ich ja in der Vergangenheit genug gesagt habe. (Kurzfassung: “Ja, Kruzifix, woas oan Schmarrn!”)

Björns Trek-Begeisterung war sogar noch vor Enterprise gestorben. Klar, ich hege immer noch gewisse Sympathien für Star Trek und seine Grundideen, war aber nach dem Ende von Enterprise ziemlich sicher, dass das Franchise auf Jahrzehnte tot und begraben ist… und dass das nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss. Sowas passiert mit Serien die fast zwei Dekaden am Stück laufen: Sie werden inzestuöse Eitergeschwüre, zu konvolut um für Neulinge zugänglich zu sein und zu selbstbezogen um wirklich noch “tapfer dahin vorzudringen”, wo nie zuvor eine Fernsehserie gewesen ist. Insofern stand ich dem Reboot auch relativ offen gegenüber. Hey, es ist nicht so als ob J.J. Abrams noch groß was auf jener Star-Trek-Wiese hätte zertrampeln könnte, über die Picard schon 2002 ohne Rücksicht auf Verluste mit dem Midlife-Crisis-Mobil aus Nemesis pflügte, bevor Archer anfing darauf seine Töle Gassi zu führen.

Before They Were Stars

Vorwarnung: Arrrr, here be spoilers.

Für den neuen Film wählte J. Jonah Abramovic, bekannt dafür bei Cloverfield nicht Regie geführt zu haben, also ein Reboot der Original Series. Per se keine schlechte Idee, wird man so doch viel Ballast los, der sich in den letzten fast 45 Jahren angesammelt hat und der besonders den letzten Auswüchsen des Franchises gerne mal wie eine Bleikugel am Bein hing. Trek-Fans können beckmessernde Bastarde sein, wie Phil Farrand in gleich vier Büchern exzessiv unter Beweis gestellt hat. Ein frischer Start macht das Franchise also Neulingen zugänglicher (was man ja schon bei Enterprise versuchte, nur um dann doch wieder in den tiefsten Gefilden des Canon zu versumpfen) und gibt gleichzeitig den Autoren mehr Freiraum um eine zeitgemäße Interpretation auf die Leinwand zu bringen, ohne dabei bei jedem Satz fürchten zu müssen, dass man gerade einer unglaublich wichtigen Information aus einem Nebensatz der Voyager-Folge “The Threshold” widerspricht, weshalb tausende Voll-Trekkies einen Herzinfarkt bekommen, zeitgleich umkippen und so ein Erdbeben auslösen, das San Francisco endgültig im Meer versinken lässt. Was unschön wäre, weil ja die Starfleet Academy in SanFran lokalisiert ist und wenn es die Stadt nicht mehr gäbe, dann käme man ja in ganz schöne Erklärungsnot und… okay, ihr versteht das Problem.

Natürlich gab es sofort wieder die üblichen Netz-Reaktionen: Igitt, man will uns unsere Serie wegnehmen! Jay Jay Okochabrams ist gerade dabei, eine klassische Science-Fiction-Serie zu vergewaltigen! (Unter der Stufe “Vergewaltigung” geht es bekanntlich in Netzdebatten über sowas gar nicht erst los.) Den Produzenten geht es nur ums Geld, ihnen fehlt jedes Gefühl für die beste Serie aller Zeiten! Und so weiter, und so fort.

Denn seien wir ehrlich: Star Trek ist zumindest in Teilen des Netzes nicht nur eine Serie oder wegen mir auch noch eine Weltanschauung, es ist wirklich eine vollständige Religion geworden. (Wie ja auch Futurama erkannte, in einem der besten Trek-verwandten Stücke Fernsehgeschichte.) Und damit wird zumindest die Originalserie völlig aus dem Kontext gerissen und in Sphären gepustet, in denen sie nichts zu suchen hat. Und in denen sie sich aus freien Stücken sicher nicht tummeln würde. TOS war spaßiger, unterhaltsamer, bunter Science-Fiction-Action-Camp. Nicht weniger. Nicht mehr. Mit vielen guten Ideen, sicher. Auch mit einer positiven Kernaussage, vielen revolutionären Elementen (ein Russe an Bord der Enterprise mitten im Kalten Krieg, der erste Fernsehkuss zwischen einer schwarzen Schauspielerin und einem weißen Schauspieler) und einigen richtig tollen Folgen (vor allem natürlich The City on the Edge of Forever)… aber eben auch mit Weltraum-Abraham-Lincoln, Themenpark-Planeten (der Wildwestplanet, der Römerplanet, der Gangsterplanet, der Naziplanet [nein... nicht die Erde]) und mit Folgen die so schlecht sind, dass man glaubt NBC-Verantwortlichen hätten sie damals aus dem Altpapiercontainer eines Groschenromanverlags geklaut. Spock’s Brain, anybody? Plus: Seien wir ehrlich. So spaßig das Spiegeluniversum mit Spitzbart-Spock auch ist (und ich liebe alle Folgen von Trek die im Spiegeluniversum spielen): Tiefschürfende Science Fiction ist es nicht.

Von den Außerirdischen sollten wir gar nicht erst sprechen. Die Klingonen waren in der ersten Serie nie mehr als die fiesnackigen Weltraumrussen und trotzdem zusammen mit den Vulkaniern und Romulanern die wichtigste Spezies der Serie. Vielleicht auch, weil sie nicht unter jenem Make-Up und jenen Kostümen litten, die die anderen Außerirdischen erdulden mussten und die man nur noch als “camp” bezeichnen kann. Die schweinenasigen Tellariten? Die wickblauen Andorianer mit den kleinen Antennen an der Birne? Der als Horta bezeichnete schimmelige Putzlumpen? Die kristallinen Tholianer? Die griesgrämigen Gummi-Echsen namens Gorn? Der Salzvampir von M-113? Die excalbianischen Steinhaufen? Und wer könnte den Mugato vergessen? Den Mugato, um Himmels willen. Hey, ich mag diesen gehörnten Albinogorilla so sehr wie der nächste Nerd. Ich wäre sofort dabei, würden wir den National Mugato Suit Day einführen… aber man muss sich die Realität schon sehr mit saurianischem Brandy und romulanischen Ale schön saufen, um die Serie in der diese Kreaturen vorkommen, als ernsthafte und tiefsinnige Form der Unterhaltung zu verklären, die dann von den Fanboys und -girls auch schnell mal auf den selben Sockel gehievt wird, auf dem schon Shakespeare, Goethe, Kafka und Tom Kratman stehen. (Wobei man der Fairness halber anmerken sollte, dass die CGI-Aliens im neuen Film wahrscheinlich in wenigen Jahren ähnlich peinlich und veraltet wirken werden, wie die Kreaturen aus der Fernsehshow der Sechziger… se a vida é.)

Insofern: TOS ist (noch) kein heiliger Text… warum sollte man also schon im Vorfeld ablehnen, dass die Produzenten jetzt an dieser Stelle der Future History einsteigen und nochmal bei Null beginnen? Ich kann damit sogar aus einem ganz anderen Grund leben: Die Zeitlinie die uns TOS präsentierte, ist eine Zeitlinie die vor weit über 40 Jahren entworfen wurde. Auf der einen Seite wurden bestimmte prägende Elemente unserer Gesellschaft natürlich nicht vorhergesehen (die weite Verbreitung von Handys, das Internet oder der plötzliche Zerfall der Sowjetunion: In The Voyage Home (1986) kennt man im 23. Jahrhundert noch die Stadt Leningrad), auf der anderen Seite passen Elemente der Star-Trek-Historie einfach nicht mehr zur Geschichte wie sie in der Realität stattfand. Bestes Beispiel sind die Eugenischen Kriege, die theoretisch in den 1990ern stattfanden und durch die ein Khan Noonien Singh (Sie wissen schon: Khaaaaaan) plötzlich einen Großteil der Menschheit kontrollierte. Warum Sie sich daran nicht erinnern können, werter Leser? Um, das waren die Neunziger. Vermutlich waren Sie gerade mit Ecstasy zugedröhnt auf dem Mayday als das passierte, oder so.

Im Ernst: Nachdem man in Voyager die Erde der 1990er besuchte und keine Eugenischen Kriege erwähnt wurden, ging ich davon aus, dass man diese aufgegeben oder zumindest verschoben hätte. In Enterprise kehrten sie dann zurück, mit all den logischen und temporalen Problemen die sie mit sich brachten. Der neue Film wäre eine Chance gewesen hier die Axt anzusetzen und wirklich radikal nochmal bei Null anzufangen, Daten ein bisschen zu schieben und die ganze Backstory etwas mehr in Einklang mit unserer eigenen Realität zu bringen. Tut man aber nicht. Und das ist direkt ein Kritikpunkt den ich Star Trek vorhalte: Der Bruch mit der Vergangenheit ist nicht radikal genug.

Ganz ehrlich, wenn man eh gerade großreinemacht, warum nicht auch die Fenster putzen? Warum nicht ganz neu anfangen, dem Franchise die Battlestar-Galactica-Behandlung geben und diesen Neustart in einem ganz eigenen Universum spielen lassen, ohne direkten Rückbezug auf die andere Continuity? In dieser Form ist das neugestartete Franchise ein seltsames Zwitterwesen, in dem zwar keines der Ereignisse aus TOS, TNG, DS9 oder VOY stattgefunden haben (stattfinden werden?), aber alle historischen Infos die wir aus diesen Serien über die Zeit vor 2233 (dem Jahr in dem die neue Zeitlinie beginnt) erhalten haben, weiterhin gültig sind. Ein glatter Bruch sieht anders aus.

Persönlicher Hass natürlich auch dafür, dass ausgerechnet die Ereignisse aus Enterprise theoretisch weiterhin im Canon gültig sind. (Und Scotty erwähnt ja sogar Admiral Archer… Admiral wird bei Starfleet auch wirklich jeder, der lange genug dabei ist, oder?) Sowieso, der Canon. Sich völlig davon zu befreien, hätte nicht geschadet. So beginnt der innere Geek in mir schon wieder zu mäkeln: Wieso kennt man eigentlich im Jahr 2253 schon die Romulaner so gut? Und kann in einer Bar einen Cardassian Sunrise trinken? Klar, das sind Nerd Gripes. Irrelevante Nerd Gripes, die man leicht wegerklären kann mit der Veränderung der Zeitlinie, die halt auch alles andere verändert hat… aber warum überhaupt erst diese Dose Würmer offen lassen?

(Einschub: Wo wir schon bei Zeitlinien und im vollen Nerd-Modus sind: Ich gebe ja Janeway die Schuld an der ganzen Misere. Jene die Galaxie bedrohende und Romulus zerstörende Supernova (by the way: eine Supernova, die die ganze Galaxie bedroht? Im Ernst, gezz?) scheint es ja nicht gegeben zu haben in jener Zeitlinie, in der sie mit der Voyager regulär erst 2394 in den Alpha-Quadranten zurückkehrte. Dann musste Janeway natürlich in der letzten Voyager-Episode im Gewebe der Zeit rumfuschen, weil ihr das alles nicht schnell genug ging… und plötzlich haben wir eine Supernova, die die ganze Galaxis zerstören könnte. Da es die vorher nicht gab, muss Zeitreise-Janeway in irgendeiner Form daran Schuld sein. (Gut, vielleicht auch Jake Sisko in “The Visitor”… aber Janeway mag ich weniger, darum gebe ich ihr die Schuld.) Habe ich ja von Anfang an gesagt, dass die Olle im Serienfinale absolut rücksichtslos und unverantwortlich handelt. Und jetzt haben wir den sternefressenden Salat. Ferner Donner, und so. Tolle Cervelatwurst, Janeway, hast mit deiner unnützen Zeitreise selbst dafür gesorgt, dass du nie existieren wirst. Na, das war hoffentlich die gesparten zehn Jahre Reisezeit wert.)

Wo waren wir? Achja, das Reboot: Was man den Machern und den Akteuren auf jeden Fall zugestehen muss, ist wie souverän sie mit der alten Serie umgehen. Sie wird nicht mit aller Gewalt referenziert, man erstarrt nicht voll Ehrfurcht vor ihr, hat aber genug kleine Anspielungen und Verweise auf sie beibehalten, um als smarte Hommage durchzugehen. Dialoge aus alten Filmen werden aufgegriffen (“Sie waren und werden immer mein Freund sein”, aus The Search for Spock, der Verweis darauf dass Spock nicht “lügt” sondern ein wenig “übertreibt” aus The Voyage Home oder der junge Spock, der Sherlock Holmes zitiert, so wie sein Alter Ego in The Undiscovered Country), kleine Szenen erinnern an die alten Filme (statt Scotty knallt Kirk mit der Omme gegen einen tiefhängenden Balken), Dr. McCoy erwähnt Schwester Chapel (im Original gespielt von der erst kürzlich verstorbenen Majel Barrett-Roddenberry), die Ceti-Aale heißen jetzt centaurianische Schnecken (und Raider heißt jetzt alter Witz), Christopher Pike imitiert Shatners Sitzhaltung und Patrick Stewarts Unart sich die Uniform zurecht zu zupfen, Uhuras bisher nur semi-kanonischer Vorname wird offiziellisiert und ein Red Shirt verreckt auf der ersten Außenmission. All das zeigt schon ziemlich deutlich, dass Jott Jott Abrams, Roberto Orci und Alex Kurtzmann die alte Serie so völlig scheißegal nicht sein kann, es ist aber nie so in den Vordergrund gespielt, dass es den Film aus der Spur wirft. Es ist präsent, aber nie störend. Nicht-Trekker werden das kaum bemerken. Einen ähnlichen Respekt merkt man auch beim Casting und den Rollendefinitionen.

Meet the Crew

Ein Reboot hätte natürlich auch die Chance geboten abgesehen von den Namen völlig von den Eigenheiten der Originalcrew abzurücken, was nicht schlimm sein muss, wie das Reboot von Battlestar Galactica mit der weiblichen Version von Dirk Benedicts Starbuck zeigte. Man hätte, so das gewünscht worden wäre, ohne weiteres einen schwarzen Kirk casten können oder einen weiblichen Dr. McCoy. Hat man aber nicht. Stattdessen hat man weitgehend darauf geachtet, dass die Darsteller die man für die Rollen gewählt hat, den Originaldarstellern möglichst nahe kommen. Was natürlich dem harten Kern des Fandoms immer noch nicht ausreichte. Hat Pavel Chekov doch jetzt plötzlich Locken statt seinem Monkees-Haarschnitt! Die Figur ist damit auf ewig ruiniert! Giftig! Septisch! Wissen die Macher denn gar nichts, über das Sixties-Revival im 23. Jahrhundert? Abraaaaaaams, du hast meine Kindheit vergewaltigt! Warum hasst du Star Trek so sehr?

But seriously: Die Figuren sind durch die Bank weg gut gecastet und gut geschrieben. Teils sogar noch besser: In Sachen ideal gecastet und ideal geschrieben kann ich gar nicht anders, als Karl Urban für seine Rolle als Dr. Leonard “Pille” McCoy zu loben (und ich muss auch mal die oft gescholtene Synchro hervorheben, beklagt sich der geschiedene Arzt im Original das seine Ex-Frau alles bekommen habe, “she left me nothing but my bones“, beschwert er sich im Deutschen, dass das “schon ‘ne bittere Pille” war… sehr gut gemacht, liebes Synchronstudio, ganz im Ernst). Urban hat die Mannerismen, den Gestus und Habitus des verstorbenen DeForest Kelly so verdammt gut drauf, dass er die Rolle wirklich zur Perfektion ausfüllt und einen vergessen macht, dass je ein anderer Schauspieler Pille war. Oder eher: Dass er nicht die junge Version jenes Schauspielers ist, der in den Sechzigern Schiffsarzt auf der Enterprise war. Dass McCoy zudem wie im Original als bärbeißiger, grummeliger, nörgeliger Weltraummedikus ausgelegt ist, rundet die Sache ab. Ich mochte McCoy schon immer, aber in diesem elften Film ist er zumindest der heimliche Star. Auch wenn die Aufmerksamkeit natürlich auf dem Comedy-Duo Spitzohr und Bauerntölpel liegt.

Spock ist für mich hier plötzlich ein viel interessanter Charakter als er es je zuvor war, da man in der neuen Version einen noch stärkeren Fokus auf seinen Status als Halb-Mensch/Halb-Vulkanier platziert, für den er von den ach so aufgeklärten Vulkaniern konstant diskriminiert wird (in direkter Weise von seinen Schulkameraden, in hochgestochener Weise vom Rat der vulkanischen Wissenschaftsakademie). Der neue Spock hat seine Emotionen längst nicht so gut unter Kontrolle wie der Sechziger-Jahre-Spock, was natürlich auch hart ist für einen Mann, der relativ früh im Film seinen Heimatplaneten und seine Mutter verliert und das durch eine fiese Schlägerei, eine übertriebene Entscheidung (okay, Kirk nervt ihn… aber den man gleich auf einem Eisplaneten aussetzen?) und eine angedeutete Romanze mit Uhura kompensiert. Spock ist hier nicht weniger Rebell als Kirk, nur dass er keine Autos schrotet und sich in Kneipen prügelt (was natürlich beste TOS-Tradition wäre), sondern sich von der vulkanischen Standardkarriere abwendet.

Damit ist der neue Spock in diesem Film definitiv eine besser angelegte Rolle als der gebrauchte Spock (oder wegen mir auch wie im Abspann ‘Spock Prime’… Charaktere die mit Nachnamen Prime heißen, scheinen prädestiniert zu sein das Gefüge der Realität zu ruinieren), der hier in der Mitte des Films die Funktion des Basil Exposition übernimmt: “Hallo junger Sternenflottenkirk. Hier mal schnell die Backstory. Nun aber husch, husch zurück auf die Enterprise. Wir sehen uns am Filmende nochmal.” Eine wirklich relevante Rolle sieht anders aus.

Während ich Spocks Art der Rebellion mag, muss ich zugeben, dass ich mit dem neuen Kirk den ganzen Film über nicht warm geworden bin. Und bevor man mir hier vorwirft, ich würde kritisieren dass das Neue nicht ist wie das Alte: Ich kam schon mit dem alten Kirk nicht wirklich klar. Wie gesagt: Ich war, und werde es immer sein, ein Picard-Anhänger. War mir der alte Kirk etwas zu sehr actionorientiert-schweregenötigter Weltraumcowboy, ist der neue Kapitän Körk mir eindeutig zu sehr einer dieser geschniegelten Nullachtfuffzehn-Rebellen ohne Grund, wie wir sie in der näheren Vergangenheit ein paar mal zu oft gesehen haben: Jemand der James Dean und Marlon Brando (der Junge, nicht der fette Alte) sein will, aber stattdessen rüberkommt wie Fonzie aus Happy Days oder John Travolta in Grease. Hätte man auf halber Strecke Young Kirk gegen Mutt Williams aus Indiana Jones und die unnötigen CGI-Affen ausgetauscht, ich hätte es nicht gemerkt.

Kirks Rolle in diesem Film ist mir noch zu sehr auf Krawall gebürstetes Arschloch, zu sehr nervig pseudocooler Rebell. Ja, sicher, das liegt daran dass Novus Ordo Kirkularis ohne seinen Pa aufwachsen musste, was ein schweres Schicksal ist, aber trotzdem… hätte man den Obnoxious-Regler nicht eine Stufe runterdrehen kännen? Mir ging es zudem auch ein wenig auf den Sack, dass Kirk hier konstant auf der Karriereleiter nach oben geschoben wurde, nur weil sein Vater toll war und alle sicher sind, dass er der Messias ist zu größeren Dingen berufen sein muss. Hey, mir ist schon klar, dass man Kirks Reifungsprozess jetzt zeigen kann und in zwei oder drei Filmen darauf hindeuten, wie weit Kirk seit dem Reboot gekommen ist… aber deshalb muss ich den Tiber-James in diesem Film ja noch nicht mögen.

Die übrigen Besatzungsmitglieder bekommen deutlich weniger Leinwandzeit zugestanden, machen aber allesamt einen guten und kompetenten Eindruck: Libuda Uhura ist eigenständig, kann es verbal locker mit Kirk aufnehmen und beweist sich als Sprachexpertin, die sicher keine analogen Wörterbücher braucht um Klingonisch zu radebrechen. Einen wirklichen Sprung nach vorne macht Pavel Chekov, der hier weit mehr tun darf als die Enterprise rückwärts einzuparken und sich als echtes Wunderkind in Sachen Mathematik und Astrogation entpuppt (und die Sache mit der “victor/wiktor”-Ausspracheschwierigkeit war ein netter Rückgriff auf die “noo-clear wessels” in The Voyage Home).

Scotty ist auf jeden Fall kompetent und Simon Pegg ist auf der Leinwand immer eine Freude, aber stellenweise war mir der feine Herr Montgomery etwas zu sehr auf “lustitsch” getrimmt, etwas zu stark darauf ausgelegt, alle paar Minuten einen kessen Spruch von der Lippe tröpfeln zu lassen, etwas zu sehr das Comic Relief. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht plötzlich in Gimli-Regionen wiederfindet. Und sein kleiner Kumpel aus dem Star-Wars-Universum (erinnerte mich an eine Mischung aus den Ugnaughts und den Ewoks aus dem lucas’schen Effektepos) ging nun wirklich nicht. Gaaar nicht. Null, nada, niente, zero, zip. Wirklich, Schää Schää Abruzze, wenn der Comedy-Gnom beim nächsten Mal nicht wieder auftaucht, wird sich keiner beschweren. Einzig Sulu wirkte hier noch ein wenig verloren und kam nicht über die Rolle als Japaner-mit-Klappschwert hinaus. Aber zumindest hatte er den einen Moment. In Ensemble-Filmen ist sowas ja längst nicht garantiert. Und, was man diesem Ensemble-Film zugestehen muss: Die Figuren untereinander klicken, der Umgang mit einander wirkt nicht gestelzt. Die Chemie der alten Serie wurde hier wirklich gut eingefangen. Es macht Spaß den Figuren zuzusehen, wie sie miteinander interagieren. Damit wird der Film einem ganz zentralen Element des alten Star Trek hier definitiv gerecht.

Leider kann dieses generelle Lob nicht auf den Bösen im Spektakel ausgedehnt werden…

Haven’t we met before?

Es war schon ein schlechtes Zeichen, dass ich im Trailer das erste Mal Kapitän Finster sah und mir dachte: “Moment. Ist Shinzon nicht in Nemesis gestorben?” Ist er. Das hier ist ein anderer fiesnackiger, spitzohriger, gesichtstätowierter Glatzkopf. Womit wir auch schon Mitten in seiner Charakterisierung sind: Der Alte hat eine Glatze und ein tätowiertes Gesicht, der kann ja gar nicht anders als böse sein. Nero ist absolut unspektakulär: Emotional uninteressant, mit einem grenzdebilen Racheplan der nur deshalb akzeptiert wird, weil Nero eindeutig wahnsinnig ist. In keinem Moment scheint der Film Interesse daran zu haben, Nero etwas genauer zu untersuchen, etwas deutlicher zu fragen was genau hinter dem Henna-Tattoo auf der Stirn vor sich geht. Dabei hätte man eine ideale Chance gehabt uns Nero etwas näher zu bringen: Captain Pike ist den Großteil des Films auf Neros Schiff gefangen, warum nicht zwischendrin mal ein paar Szenen schalten in denen sich Pike und Nero ernsthaft unterhalten.

Stattdessen ist Nero den gesamten Film hindurch eine charakterlich egale Rolle, die weniger echte Figur als eher plot device ist. Hey, wir brauchen einen Grund warum Vulkan zerknuspert und die Zeitlinie umgestellt wird. Und irgendwas worauf die Enterprise ballern kann. Und Kinderschokolade. Los, Drehbuchhengste, schreibt da mal was. Schade drum, aber Nero liegt selbst im nicht unbedingt mit ikonischen Bösewichten vollgepackten Trek-Universum (da ist Khaaaaaan, da ist die Borgkönigin, Chang aus The Undiscovered Country, vielleicht noch Lore… und dann wird’s auch schon eng) weit unter dem Durchschnitt. Letztlich tritt Nero ebenso unspektakulär ab, wie er gelebt hat. Eric Bana ist in dieser Rolle völlig vergeudet. Zumindest hat, anders als Soran in Generations, hier nicht ein total unspektakulärer Langweiler eine ikonische Figur umbringen dürfen. Dankbar sein für kleine Freuden.

Design Fetish

Hm. Beim Design geht es mir ähnlich, wie bei Casting und der Rollengestaltung: Enterprise hui, Schurke pfui. Beginnen wir mit dem Schlechten: Den Schlechten. Dass Shinzon, äh, Nero bööööööööse ist, sieht man nicht nur an Glatze und Gesichtstattoos, sondern auch daran, dass sein Schiff in Sachen Design böööööööse ist. Ganz ehrlich: Das Ding ist der totale Übermord und sieht aus wie etwas, das man den Schatten aus Babylon 5 geklaut hat. Das wäre ja okay, aber: Das soll einen Minenschiff sein? Wirkt nicht sonderlich praktisch.

Von der Inneneinrichtung ganz zu schweigen, hier weiß man auch ab der ersten Einstellung woher der Wind weht: Denn gute Menschen (oder humanoide Lebensformen) sitzen nicht die ganze Zeit auf dreivierteldunklen Brücken rum, die nur hier und da mal grün angestrahlt werden. Sowas kann einfach nicht funktionell sein. Captain, mir ist der Zündschlüssel runtergefallen und ich kann ihn in diesem Zwielicht nicht finden. Dass die Brücke zudem scheinbar aus Prinzip nicht aufgeräumt wird und überall Dinge im Weg stehen oder lustlos in der Gegend rumhängen, unterstreicht die Attitüde noch. Nützlich ist das nicht… aber böööööööse. (Obwohl die Zimmer der meisten Trekker vermutlich nicht anders aussehen.) Wo man schon dabei war, hätte man Nero auch gleich noch einen Ledermantel verpassen können. Für den Fall dass der Letzte noch nicht gemerkt hat, dass Nero eher ungut ist. (Zum bööööösen Design gehört auch, dass man auf den seltsamen Plattformen am Planetenbohrer keine Sicherheitsgelände anbringt… böööööööse wie man ist, schert man sich einen feuchten Kehricht um Arbeiterschutzbestimmungen… und Überstunden werden auch nicht abgegolten… muhahahahahaha… *räusper*, Verzeihung. Das war natürlich Dieter Hundt, nicht Nero.)

Im Gegenzug muss ich Scotty rechtgeben wenn er ausruft: “I like this ship! It’s exciting!”

Die neue Enterprise ist definitiv sehr schick: Gleichzeitig sehr eng an der Enterprise und Enterpise-A aus den ersten sechs Filmen (Beweisstück A: die blau leuchtende Deflektorscheibe, die jetzt wieder vor dem Schiff und nicht im Bauch des Schiffs zu finden ist) und trotzdem an vielen Ecken galant und unaufdringlich modernisiert. Der Rumpf ist etwas geschwungener, der Hals ein wenig kürzer und die Warp-Gondeln wirken jetzt definitiv organischer (mag nur mir so gehen, aber die Linienführung der Gondeln erinnerte mich an H.R. Giger). Alles in allem ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man mit wenigen, kleinen Kniffen etwas ikonisch halten und trotzdem modernisieren kann.

Radikal umgestaltet wurde dafür das Brückendesign, das einmal mehr belegt, dass die Zukunft immer so aussieht, wie die hippsten Produkte der Gegenwart: Ich war schon froh, dass nirgendwo auf der neuen Brücke das Apple-Logo prangte (immerhin hat man vorher schon die Zeit gefunden, um Product Placement für Nokia, Budweiser, Slusho (hihi) und Jack Daniels unterzubringen). Aber trotzdem: Die neue Brücke wirkt sehr zeitgemäß mit ihren abgerundeten Kanten, den vielen strahlenden Weißflächen, den blauen Neonlichtern und den gläsernen Computerbildschirmen. Sauber und elegant. Allerdings kann man die Brücke selten genießen, weil Abrams in den inzwischen wohl gesetzlich vorgeschriebenen “alle paar Sekunden muss ein Einstellungswechsel erfolgen”-Modus schaltet, und die Sache mit den Lens Flares…? Ganz ehrlich, Doublejay, die Hälfte davon wäre immer noch viel zuviel gewesen.

Was mich derweil an der Brücke stört (und damit haben wir wieder Nerdfaktor 9, Mr. Sulu): Ein Glasfenster auf der Brücke der Enterprise (statt des bisherigen Bildschirms)? Ist das nicht eine, äh, dumme Idee? Ich war schon kein Freund davon, die Brücke irgendwo anders als mitten im Schiff unterzubringen (was bisher damit erklärt wurde, dass man die Brücke so schnell vollkommen austauschen konnte… modulare Bauweise, yaddayadda), aber: Ein Glasfenster? Das bei der Raumschlacht gegen Neros Minenmonstermobil eindeutig Risse aufweist? Ist das nicht ein schrecklicher Unfall, der nur darauf wartet stattzufinden?Aber, wie gesagt, das ist ein Nerd Gripe.

Der Rest des Designs gefällt mir wieder sehr gut: Klassische Elemente kehren in leicht modernisierter Form zurück. Die Kommunikatoren, die im Zeitalter des Mobiltelefons so gar nicht futuristisch wirken, der seltsame Stöpsel an Uhuras Ohr (allerdings weit weniger massiv als bisher), die Phaserpistolen und der medizinische Tricorder geben sich ihr Stelldichein. Das gilt auch für die traditionellen Uniformen, wie sie in der Fernsehserie zu sehen waren, statt den schweren Klotschen aus den Filmen 2-7 (oder den legeren Siebziger-Freizeit-Uniformen aus The Motion Picture). Auch hier gilt: Das ikonische der Sixties-Uniformen ist unverkennbar vorhanden (in the old days operations officers wore red, command officers wore gold and women wore less), ohne dass die Uniformen an sich altbacken wirken würden. Besonders die leichte Musterung der neuen Uniformen, die sie etwas trikothaft aussehen lässt, sagt mir echt zu. Falls Paramount ein Buch über das Design des neuen Trek-Universums verlegen möchte, einen sicheren Kunden haben sie. Jetzt aber genug des Desing-Nerdgasmus.

Die Uniformen sind auf jeden Fall das deutlichste Zeichen dafür, dass man hier nicht das Star Trek aus den Kinofilmen einfangen möchte, sondern jenes Star Trek, das in den Sechzigern als leicht pulpige TV-Show lief, die sich selbst noch längst nicht so ernst nahm, wie sie später von den Fans genommen wurde. Die Uniformen und der Umstand, dass am Ende des Filmes nicht das orchestrale Theme aus den Kinofilmen oder dem Vorspann der Next Generation erschallt, sondern das Aaaahaaaa-aaaahahahaha aus dem Vorspann der Fernsehserie. (Worüber Spock auch gleich den Text aus jenem Vorspann spricht, wobei im Deutschen weiterhin fälschlich davon gesprochen wird, dass die Enterprise in Galaxien vordringt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Das ist vermutlich inzwischen auch ikonisch, geht also in Ordnung. Außerdem war die Enterprise in Deutschland im fünften Film ja auch exklusiv “Am Rande des Universums“.) Insofern ist es eigentlich okay, wenn der Film gezielt sagt, er möchte eher auf Action und Abenteuer denn auf Philosophie und Palaver setzen. Leider kann man damit auch übers Ziel hinausschießen.

Und damit kommen wir zum problematischen Teil des Abends: Dem Film selbst. Wer sich wundert, wieso ich soviel über das Casting und das Design gesagt habe, aber so wenig über den Film an sich, der erhält jetzt die Antwort: Weil der Film selbst nur wenig bietet, über das etwas gesagt werden könnte.

The Star Trek Wars

Um direkt damit herauszurücken: Ja, der Film ist wirklich gut in der Art wie er die Figuren etabliert, wie er mit den Figuren umgeht, wie er Trek modernisiert… aber er ist für sich betrachtet kein guter Film. Nicht das wir uns falsch verstehen, Star Trek ist auch kein schlechter Film, aber er ist längst nicht die Perle, die viele Kritiken in ihm sehen. Ganz ehrlich: Hinter der schönen Fassade steckt ein kurzweiliger, aber auch strunzdummer Sommer-Actionblockbuster. Trek leidet ganz eindeutig an einem akuten Fall von Teil-Einseritis. Tritt man mal einen Schritt zurück, lässt man den Reboot außer Acht, dann bleibt nicht viel außer einer losen Reihung an Actionszenen, die man irgendwie um die doch ziemlich egale Story gewickelt hat.

In der Kurzform: Action, Action, Action, Kirks Vater stirbt, Klein Kirk fährt Auto, Spock prügelt sich, Teenie-Kirk prügelt sich, Akademie, Action, Action, Action, Vulkan geht drauf (was dank des Trailers in dem Moment klar war, als Nero den Bohrer in den Planeten dübelt), Action, Action, Kirk landet auf dem Eisplanet, Action, Action, Action, Kirk und Spock stoppen den Bösewicht, Ende. Ein ausgefeilter Plot sieht anders aus, besonders weil die Autofahrsequenz völlig überflüssig ist: Was erfahren wir dadurch? Das Kirk schon als Kind aufmüpfig war? Toll, hätte wir ja nicht gedacht, bei der Art wie er sich als Teenager gibt. Gut, so haben wir die Beastie Boys, die Nokia-Werbung und etablieren, dass Kirk gerne über Abgründen baumelt, was er im weiteren Film wiederholt tun wird, aber hätte diese Szene gefehlt, es hätte keinen Unterschied gemacht.

Ähnliches gilt eigentlich auch für den Eisplaneten, auf dem Kirk von zwei außerirdischen Monstern (Cameo: das Cloverfield-Alien) gejagt wird. Kirk hätte den faltigen Spock auch anderswo treffen können (by the way: man spreche mal von galaktischen aber für den Plot sehr angenehmen Zufällen, dass Kirk nur wenige Kilometer von Renten-Spock auf diesem Eisklotz ausgesetzt wird… die Enterprise muss neben dem Warp- auch einen Unwahrscheinlichkeitsantrieb an Bord haben), um sich die Dosis “Was bisher geschah” abzuholen. So fühlt sich die Szene doch sehr star-warsig an, besonders die großes-Monster-wird-von-größerem-Monster-gefressen-Einstellung.

Der Rest ist solide Action, durchaus schick gemacht, wenn auch unter der Idee leidend, dass in einem Actionfilm die Kamera keine Sekunde ruhig stehen darf, weil sich das Publikum sonst langweilt. Die neue Enterprise hat einen ganzen Fanblock voller Torpedos und Phaser, die sie zeitgleich in alle Richtungen abfeuern kann (erinnert mich etwas an die ISS Enterprise aus dem Spiegeluniversum), leider erkennt man das nur schwer, weil die Kamera konstant zu dicht dran und definitv zu hektisch ist. Ich mache drei Kreuze, wenn der Trend endlich vorbei ist und man mal wieder erkennen kann, was in einer Actionszene geschieht, statt es nur zu erahnen.

Verflucht, das hier ist wirklich ein extrem kurzer Textblock, aber es gibt über die Geschichte eben echt nicht viel zu sagen. Der Film wird getragen von den starken Figuren, nicht von der Handlung. Was mich vielleicht am meisten an ihm stört, ist das hier die Actionszenen nicht der Story dienen, sondern die Schmalspur-Story (nicht drüber nachdenken, sonst fällt sie in sich zusammen) da ist um die Figuren von einer Actionszene zur nächsten zu schleusen. Da wird der Wagen vor das Pferd gespannt. Das scheint zwar inzwischen Standard für Sommerblockbuster zu sein und dieser Film soll vorrangig die neue Realität und die neuen (gebrauchten) Figuren einführen, aber ich hätte mir dann doch ein kleines bisschen mehr Tiefe erhofft.

The Final Frontier

Ich denke, das kann ich so als Fazit stehen lassen: Star Trek ist nicht der geniale Film, als der er derzeit heiß gehandelt wird, sondern ein grundsolider, wenn auch relativ geistloser, Actionblockbuster mit einem extrem dünnen Handlungsimitat, der genau so schnell verdaut und vergessen sein wird, wie er geschnitten ist. Das Signet “moderner Klassiker”, das manche Kritiker hier schon vergeben, stelle ich mal ganz dezent in Frage.

Ein relativ typischer Teil Eins, also. Aber, und das ist die gute Nachricht, auch wenn Star Trek kein wirklich großartiger Film ist, der Streifen überzeugt vollkommen in dem, was seine Hauptaufgabe ist: Dem Franchise eine Frischzellenkur verpassen und den neuen Status Quo einführen. Er ist respektvoll gegenüber dem Original und ist trotzdem für Einsteiger absolut offen und zugänglich. Er präsentiert die wichtigen Figuren, legt in Grundzügen ihre Persönlichkeiten fest und zeigt Richtungen auf, in die sich die Figuren entwickeln können. Plus: Die Art wie sich die Crew untereinander verhält macht definitiv Lust auf mehr.

Ist Star Trek also ein guter erster Teil? Ja. Definitiv. Aber wenn man diese Funktion wegdenkt und sich nur auf den Film als Film konzentriert, dann stellt man schnell fest, dass der Kaiser zwar nicht nackt ist, seine Unterhose aber zumindest löchrig ist. Der Film ist unterhaltsam und kurzweilig, aber um einen Film wirklich über den grünen Klee zu loben, erwarte ich dann doch mehr. Das Handlungsgerüst ist bestenfalls funktional, etwas mehr Handlung, ein Faden mehr Tiefgang, etwas mehr sozialer Kontext und ein Fingerhut voll Diplomatie, dafür dann etwas weniger Geballer, das wäre mir lieber gewesen gewesen. Und ja, da bin ich einer dieser verkrusteten Treksäcke für die der Film gar nicht gedacht ist. (Darum finden sich in ihm ja auch all die Insider-Witze, weil er nicht für die alten Trek-Seher gedacht ist) und da lasse ich mir auch gerne Ewiggestrigkeit vorwerfen und schraube mir eine Augenklappe an den Schädel.

Hey, ich sage ja gar nicht dass man einen quälend langweiligen Film wie Star Trek: The Motion Picture drehen soll, aber ein oder zwei zusätzliche Atempausen zwischen den Actionszenen und das Gefühl, dass die Actionszenen der Handlung dienen und nicht umgekehrt, das würde mir für den nächsten Film schon ausreichen. Denn abgesehen davon habe ich an Star Trek wenig auszusetzen: Das Design ist toll, das Casting gefällt, den Geist der Serie hat man eingfangen. Mit diesen Figuren hätte ich auch gegen eine neue Voyage Home nichts. Wobei vermutlich erstmal die Klingonen oder der neue Khaaaaaan im nächsten Film genutzt werden. Was für mich beides völlig in Ordnung geht.

Wenn Star Trek also auch nicht der beste Trek-Film sein mag, er findet sich definitiv in meiner Top Five wieder. Dass er sein volles Potential noch nicht ausschöpft? Kann ich tolerieren, einfach weil der Film gleichzeitig andeutet wieviel Potential vorhanden ist. Und zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt habe ich wieder richtiges Interesse an Trek entwickelt und bin wirklich gespannt darauf, wie es mit dem Reboot weitergehen wird. Der Film mag als Film an sich nicht völlig gelungen sein, die Operation Frischzellenkur allerdings darf als voller Erfolg gewertet werden. Und das ist doch auch schon was.

3/5

(Und nun mag das Flaming in der Kommentarsektion beginnen.)

Sneak Non-Review: Vicky Cristina Barcelona

Wednesday, November 26th, 2008

Ein echter Kritiker würde nie einen Film kritisieren, den er nicht bis zum Ende gesehen hat. Ein echter Kritiker wird allerdings auch dafür bezahlt alles bis zum bitteren Ende durchzusitzen, während ich mein eigenes Geld ausgebe für das Prärogativ einen Film vorzeitig zu verlassen und trotzdem “Bah! Humbug!” zu granteln.

Rebecca Hall ist der Stereotyp der konservativen, angepassten, gefühlsunterdrückenden Studentin, die glaubt sich nach Sicherheit zu sehnen und deshalb auf direktem Wege eine Ehe mit einem Wall-Street-Langweiler-aus-Suburbia anstrebt und das offenherzige Angebot auf schnellen Sex mit Javier Bordem, dem suaven Latin Lover aus dem Lateinamerika Europas (Spanien) so heftig ablehnt, dass sofort klar ist, dass die beiden ziemlich bald in der Kiste landen werden. Scarlett Johansson ist der Stereotyp der pseudo-intellektuellen, abenteuerlustigen Studentin die einen pseudo-intellektuellen, abenteuerlustigen Kurzfilm darüber gedreht hat, warum Liebe so schwer zu definieren ist, weshalb sofort klar ist, dass ihr irgendwer (vermutlich der suave Latin Lover aus dem Lateinamerika Europas, der nebenbei weltoffener Nihilist ist) ziemlich bald zeigen wird, dass sie in erster Linie ein Kind ist, das von keine Ahnung vom Leben hat oder auch nur von dem was sie wirklich will. Studenten sind in diesem Film Stereotypen die man sonst als Touristen bezeichnet. Barcelona ist eine Stadt die aus stereotypen Postkartenmotiven besteht. Penelope Cruz taucht in dem stereotypen Teil des Films den ich gesehen habe noch nicht auf, wird aber sicher in das stereotyp-amoröse Geflecht verwickelt sein, sobald sie anwesend ist. Christopher Evan Welch ist (im Original) der allwissende Erzähler aus dem Off, dessen Funktion es ist – anders als die Funktion guter Erzählstimmen – zu erzählen was man gerade auf der Leinwand sieht, was man eben auf der Leinwand nicht gesehen hat oder was die Charaktere denken und fühlen. Das ist ökonomischer als von Scarlett Johansson zu erwarten, dass sie diese Gedanken und Gefühle in Gestik, Mimik und Tonlage zum Ausdruck bringt. Filmstudenten sind Stereotype, die erklären werden, welchen tieferen Sinn diese Erzählweise hat, während ich ein Stereotyp bin, der der Meinung ist, dass so eine Erzählform im Handwerkskasten eines erfahren Regisseurs nichts verloren hat. Woody Allen ist besagter erfahrener Regisseur, weshalb der Film trotzdem gut ankommen wird und all das was mich tierisch genervt hat, als gewagte Absicht zu interpretieren ist.

Zwanzig Minuten ist die Zeitspanne, die ich es bei Vicky Cristina Barcelona im Kino ausgehalten habe, ehe ich ganz dringend weg musste. (Wobei es nur einen Bruchteil der Zeit gedauert hat, um jede einzelne Figur auf der Leinwand zu hassen.) Mehr als genug Zeit ist also vorhanden, in der der Film in eine innovative, smarte, unterhaltsame Richtung gleiten kann, die mein voreiliges Verdammen als Irrtum enttarnt. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht. Und wenn ich Recht haben sollte, dann ist das hier der Song, den Allen als ehrliches Titellied hätte auswählen müssen.

Freundliche Mitteilungen zum Wochenende

Friday, November 21st, 2008

Hey, Jugend! Die Süddeutsche hat mal wieder ein Interview mit dem “Gaming-Experten Rainer Fromm” geführt. Also, Interview wie in: Herr Fromm leiert eine Rede runter und an den passenden Stellen setzen wir dann sowas wie Fragen ein, damit es optisch etwas frecher wirkt. Für wirklich kritische Nachfragen bleibt keine Zeit im schnellebigen Internet-Geschäft. Ich werde auf den Inhalt jetzt gar nicht eingehen, denn den kennt man schon wenn man aus Versehen mal irgendwo anders über ein anderes Rainer-Fromm-Interview gestolpert sein sollte. Außerdem richtet sich das hier ja gar nicht an Rainer Fromm, sondern an dich, aufgeweckte Zukunft unseres Landes.

Könnt ihr vielleicht endlich mal eure Bill-Kaulitz-frisierten Ärsche aus eurer ADHS-Version von Grease bewegen (der Langenscheidt meint, dass ich sagen muss “die Socken scharf machen“, damit ihr versteht was ich meine) und in zackigen Tanzschritten – aber nicht denen, die ihr aus Dance Dance Revolution kennt, sonst kommt ihr ja nie von der Stelle – auf den freien Markt turnen und ein eigenes, neues, geiles Medium für eure Generation fordern? Oder euch wegen mir auch irgendein nicht-mediales Hobby suchen, das ich nicht verstehe und über das ich dann fluchen und zeter-und-mordioen kann und bei dem ich dann betonen werde, dass es unsere schöne Gesellschaft völlig verroht? Der “sinister cult of Emo” ist schon ein guter Anfang, reicht aber noch nicht so ganz. Ich bin inzwischen zu alt um für mein Hobby stigmatisiert zu werden und würde gerne Yakuza 2 endlich genießen können ohne die ständigen schrillen Zwischenrufe der Herren Fromm und Pfeiffer.

Außerdem bin ich inzwischen so alt und so spießig angepasst, dass ich jetzt mein Bürgerrecht einfordere irgendwelche Jugendlichen willkürlich für ihr Hobby stigmatisieren und mich als {MEDIUM}-Experte aufspielen zu dürfen, quasi mit fragwürdigen Behauptungen und willkürlichen Auslassungen den Zac-Efron-Imitatoren den Blutdruck durch die Decke zu treiben. Also, könnt ihr da endlich mal was auf den Tisch legen? Als meine Generation in eurem Alter war, haben wir nicht so lange gebraucht um für die Stammesälteren schockierende Hobbies zu entwickeln! Faules Gesindel…

Achja, eines noch: HEY YOU KIDS! GET OFF MY LAWN!

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Hey, Hollywood! Man muss nicht alles verfilmen! Wirklich, auch wenn du’s mir nicht glauben willst. Wie ich darauf komme? Seit gestern ist Max Payne in den deutschen Kinosälen anzutreffen, wo er sein trauriges, freudloses Dasein fristet. Ein Jahr nach Shoot ‘Em Up, was die Frage nach dem Sinn dieses Vehikels noch deutlicher aufwirft. Und für mich stellt sich darum eben auch die Frage: Wer hatte die grandiose Idee Max Payne in einen Film zu verwandeln? Hier nochmal zum mitschreiben, ein kurzes FAQ.

F: Warum gibt es Max Payne das Videospiel?

A: Weil man endlich dazu in der Lage war Actionfilme in Form eines Videospiels umzusetzen. Max Payne ist das Software gewordene Destillat all der Momente als man ein qualitativ mieses VHS-Tape mit A Better Tomorrow oder Hard Boiled oder der Lobby-Szene aus The Matrix anschaute, dann auf seinen Atari 2600 blickte und sich dachte: “Wäre es nicht toll wenn…?” Und das war Max Payne: Ein Actionfilm zum selber spielen.

Vielleicht bin ich zu hart, wenn ich nur Hollywood attackiere, darum: Hey, Fanboys! Wisst ihr was ihr seid? Idioten! Jawoll, Idioten. Jeder einzelne der Max Payne gespielt hat und sich dabei dachte: “Hey, wäre das wäre doch super wenn es das als Film gäbe.” Klingeling, Telefon: Das gibt es schon! In gut! Aus Hong Kong! Nur darum gibt es das verbleepte Spiel ja überhaupt erst! Abgesehen davon: Ihr sitzt vor dem Rechner und denkt euch: “Woah! Wäre es nicht voll tuffig und super, wenn irgendwer das wichtigste Element aus Max Payne rausnehmen würde?” Nein, nicht die Bullet Time, sondern den Umstand, dass man selbst die Action bestimmt, die Immersion selbst der Actionheld zu sein. Wenn euch das wirklich so wichtig ist: HIER! Und jetzt hört endlich auf den Schwachköpfen in Hollywood solche Flausen in den Kopf zu setzen, verdammt nochmal.

(Übrigens, Hollywood, falls du mitliest: Hast du mein Skript bekommen? Ich bin mir sicher, dass die Welt nur auf Darren Aronofskys Tetris wartet!)

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Hey, Warner Brothes! Man muss nicht alles versoften! Wirklich, auch wenn ihr’s mir nicht glauben wollt. Nachdem ich mich an den Gedanken einer Verfilmung von Stan Lee’s Watchmen ja so langsam gewöhnt habe (siehe auch: “alles verfilmen, man muss nicht”), werde ich jetzt weiter desensitiviert durch Screenshots aus dem Watchmen-Brawler. Dem Watchmen-Brawler… mit Rage-O-Meter. Wie ging nochmal diese eloquent-geistreiche Reaktion darauf, die ich seit Tagen ausgeknobelt habe: Oh, ja! Geht sterben!

Hoffentlich sind die englischen Friedhöfe gut gesichert. Gerüchten zufolge ist ein langbärtiger Chaosmagier mit fragwürdigem Hutgeschmack derzeit mit einer Schaufel unterwegs und lässt nächtlich Leichen im Grabe rotieren…

Ah, und weckt mich doch bitte, wenn endlich LEGO Watchmen in den Regalen liegt. Danke.

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Hey, Guns ‘n’ Roses! Wollt ihr am kommenden Montag wirklich “Chinese Democracy” auf den Markt werfen? Ehrlich? Echt? Ganz sicher? Ausgerechnet in der Rezessions-Phase zwingt ihr Dr. Pepper dazu 305.705.998 Gratis-Colas auf den Markt zu hauen und die Firma so möglicherweise in den Ruin zu treiben? Ihr seid echt Helden. Und euch ist schon klar, dass kein Schwein tatsächlich Interesse an eurem mittelprächtigem Geschrammel hat, sondern alle an dem Album nur wegen der Vaporware-Witze interessiert waren? Toll gemacht, ihr Deppen. Wenigstens gibt’s noch 3D Realms. Die wissen wie man einen Witz so lange am laufen hält, bis er von “nicht mehr witzig” zu “wieder witzig” zurückschwappt.


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