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Liebling des Monats – Juni 2007

Wednesday, August 1st, 2007

Die Einschläge kommen in kürzerer Folge. Lag letztes Mal noch eine Periode von fast 18 Monaten zwischen zwei “Liebling des Monats”-Auszeichnungen, hat es dieses Mal nur ein knappes halbes Jahr gedauert bis wir wieder unsere Besten auszeichnen. Denn nach dem Auftreten im Liga-Pokal ist es an der Zeit, dass der FC Bayern Deutschlands wertvollste Auszeichnung an einen verdienteren Kandidaten abtritt:

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Sat.1

Sat.1 ist dieser sympathische Sender, der es irgendwie in seinen 23 Jahren Existenz nie geschafft hat ein echtes Image jenseits des Bällchen-Senders zu entwickeln. Man hatte fast alles was die anderen Sender auch hatten… aber irgendwie fühlte sich das auf Sat.1 immer kleiner, provinzieller, betagter an. Den Massenappeal von RTL oder die jugendliche Coolness von Pro7 hatte Sat.1 nie. Wenn man denn wollte, man könnte Sat.1 als die DDR der deutschen Vollprogramme bezeichnen. Aus dem Stegreif könnte ich jetzt nicht einmal mit Sicherheit bestätigen, dass Sat.1 in Farbe und nicht in Schwarz-Weiß oder Sepia sendet.

Eine Zeitlang hatte man mit Harald Schmidt die heißeste Attraktion im deutschen Fernsehen. Kein Quotengarant, ganz im Gegenteil, aber ein Aushängeschild, dass den Anspruch untermauerte ein echter Sender zu sein. So wie die DDR sich Erichs Lampenladen auf ins Zentrum von Ostberlin bastelte, nur um den Anspruch zu untermauern ein echter Staat, mit eigenen Schlüsseln und eigener EC-Karte zu sein. Aber das – sowohl die DDR, als auch Harald Schmidt auf Sat.1 – ist nun auch schon wieder gefühlte hunderttausend Jahre her. Und irgendwie hatte man danach nichts mehr im Programm, was wirklich gezogen hätte. Der Sender hat den Inverted Midas Touch: GSG9, R.I.S. – Die Sprache der Toten, Blackout, diese eine Sendung mit Christoph M. Ort da auf dem Lande, Anke Engelke als Harald Schmidt oder Christoph M. Herbst in dieser Hochzeits-Sitcom… nichts davon setzte die Welt in Brand. Gut: Verliebt in Berlin war ziemlich erfolgreich, aber darum schob man dann gleich Verliebt in Berlin II nach, das sich zum Vollflop entwickelte. Man will ja nicht den schönen Senderschnitt mit so einem Ausreißer nach oben versauen.

Die Zeiten von größenwahnsinnigen Großangriffen wie “Volle Stunde, volles Programm” – damals als man der Tagesschau den supersexy Sendeplatz um 2000h streitig machen wollte – sind längst vergangen und eigentlich konnten nur noch echte Medienprofis und Sofakartoffeln bestätigen, dass es den Sender tatsächlich noch gab. Zumindest bis letzten Monat, denn da startete Sat.1 eine Offensive, die stehende Ovationen im “Alex DeLarge Fernsehsaal” des agitpop’schen Führerbunkers einheimste. Da gab man folgende Parole aus: “Wenn wir schon kein gutes Programm auf die Beine stellen können, dann unterhalten wir die Leute halt anders!” Sprach’s und begann einen Teil der eigenen Sendungen einzustampfen.

Zuerst traf es Sat.1 am Mittag, eine Infotainment-Parade die einen überraschend starken Zuschaueranteil von bis zu 18% einfuhr. Die Kosten/Nutzung-Rechnung in der Führungsetage der ProSiebenSat.1 Media AG ergab allerdings, dass man bei weniger Quote trotzdem mehr Gewinn machen kann, wenn man das Mittagsmagazin aus dem Programm kippt und stattdessen eine zusätzliche Stunde Wiederholungen von Richterin Rhababera Salesch ausstrahlt. Gesägt, tun getan.

Dass Sat.1 nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Moderatoren drückt zeigt sich in der hochklassigen Art und Weise wie Mareile Höppner von dem Ende des Nachrichtenverschnitts erfuhr: Man verklickerte ihr aus der Regie – während sie live auf Sendung war – dass das hier die letzte Ausgabe sein würde. Dafür wurde Sat.1 stellenweise kritisiert. Zu Unrecht, wie wir finden. Sicher war Sat.1 nur am Wohl der Zuschauer interessiert. Durch den Schock, so hoffte man garantiert, würde sich Mareile Höppner in Howard Beale verwandeln und dem ganzen Unterschichtenpack vor der Glotze mal in einem radikalen Ausraster die Augen öffnen und so den wichtigsten, medienpädagogischen Akt der Weltgeschichte vollziehen. Das Frau Höppner dies nicht tat, ist wohl kaum dem Sender anzulasten.

Das gilt auch für die Art wie man Thomas Kausch das Ende seiner Sendung mitteilte: Kurz vor Urlaubsantritt erklärte im Sat.1-Boss Matthias Alberti, dass Kausch am Montag nicht mehr zu kommen brauche. Auch das zeugt von der Qualität und Menschlichkeit des Senders, der es mal wieder allen zeigt. Alberti verzichtete darauf einen klassischen Entlassungsscherz zu machen (“Klopf. Klopf.” – “Wer ist da?” – “Sie ab Morgen nicht mehr!”) und Kausch hatte ja sowieso Urlaub geplant, so dass er das Ende seiner Fernsehpräsenz ganz relaxt überdenken konnte. Das ist Human-Ressources-Management in seiner herzlichsten Form.

Aber, wie so oft, der Prophet gilt im eigenen Lande nichts. Anstatt dankbar zu sein, dass Sat.1 im Namen der Volksbildung Fettie und der Unterschichtenbande ein wenig kostenlose Rechtsbelehrung und Staatsbürgerkunde präsentieren wollte (Was haben wir bei Frau Salesch gelernt, Charlie Brown? Verbrechen lohnt sich nicht! Irgendwer hat immer gerade eine Kamera zur Hand und sieht wie man die fachgerecht zerlegte Edelnutte im Kofferraum des Ford Taurus verschwinden lässt.), wurde Sat.1 heftigst attackiert weil man den Nachrichtencontent zurückschraubte.

Wo sollten die Fernsehzuschauer jetzt erfahren, ob vier von fünf Männern tatsächlich echte Titten nicht vom Silikonimitat unterscheiden können, ob es modischer String zu tragen oder gleich Kommando zu gehen und ob es ein viertklassiges Möchtegernplaymate schafft Männer während der WM davon zu überzeugen, ihr bei der Nacktwäsche eines Autos und nicht Deutschland beim Wegputzen von Schweden zuzugucken. Besonders da sich Die Tagesschau ja unverständlicherweise weigert solche Schlüsselthemen aufzugreifen. Wofür bezahlt man denn da noch GEZ-Gebühr? Was? Das könnte man auch bei RTL Aktuell, der TV gewordenen ZEITUNG sehen? Ach, hör mir auf…

Mit der Absetzung von Sat.1 am Mittag hatte der Sender eines der spannendsten Naturphänome geschaffen, das der Menschheit bekannt ist: Ein Sommerloch. Das Sommerloch taucht jedes Jahr nur für einen kurzen Zeitraum von Anfang Juni bis Ende August auf, konnte in Laborversuchen im Winter noch nicht reproduziert werden (vgl. Kugelblitz) und übt einen interessanten Einfluss auf das Verhalten von Politikern aus, die sein Schwerefeld geraten. Diese Politiker verlieren dann kurzzeitig die Kontrolle über ihre Gedanken und Handlungen und können nicht anders, als volles Karacho in das Sommerloch hereinzuspringen. (Interessanter Faktoid: Einige Bürgerinitiativen planen ein Sommerloch zu schaffen, das so groß ist, dass jeder deutsche Politiker gezwungen ist hineinzuspringen, dann einen Schaufelbagger kommen zu lassen und das Sommerloch mit Erde anzufüllen.)

So regte sich Markus Söder, Generalsekret der CSU, Klingone ehrenhalber und heimliches Vorbild für uns bei Agitpop, richtig derbe auf, dass man den ganzen Saftladen dann ja auch mal sofort an Springer hätte verticken können. Das wäre besser gewesen und das hatte Bayern ja – aus rein humanitären Gründen – schon immer gefordert. Und Manfred Helmes, Chef der Landesmedienanstalt in Rheinland-Pfalz, drohte dass Sat.1 die vorrangige Einspeisung ins deutsche Kabelnetz verlieren könnte. Vom Himmel fallende Sterne, ausgegossene Schalen, bleicher Reiter auf weißem Pferd mit der Hölle im Schlepptau, das ganze apokalyptische Brimborium halt. Denn Landesmedienanstalten mögen nicht in der Lage sein gegen Call-TV-Nepper, -Schlepper und -Bauernfänger vorzugehen, aber wenn ein Sender seine Bikini-Tests einstellt, dann hört der Spaß auf!

Da Sat.1 aber (noch) ein Vollprogramm ist, kann man die Unterhaltungsoffensive abseits des Bildschirms ja nicht nach einem halben Monat einstellen: Also griff man sich flux die vakant gewordenen Rechte für die Tour de France, nachdem ARD und Zett De Eff aus unerfindlichen Gründen absprangen. Böse Zungen behaupteten, dass Sat.1 gesehen habe, wie sich am Tag nach dem Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen die Quoten bei Eurosport verdreifacht hätten und vor Dollarzeichen in den Augen der Blick für die Realität, Moral und Anstand, Recht und Ordnung, Lolek und Bolek, Friede, Freude und sogar Eierpfannkuchen getrübt gewesen wäre. Hogwash!

Bei Sat.1 erkannte man einfach, dass es nicht sein kann, wenn eine dahergelaufene Medien-Junta entscheidet was der deutsche Michel sehen darf und was nicht. Das wäre ja wie unter Adolf Nazi. Dachte sich ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzender Guillaume de Posch und sprach:

Die Tour ist ein großer Wettbewerb. Ich mag nicht einsehen, warum ein TV-Sender da die Zensur einführt. Der Zuschauer soll entscheiden, ob er die Rennen verfolgen will oder nicht.

Gedankt wurde es ihm von höchster Stelle. Jan Ullrich, bester Tour-de-France-Gewinner aller Zeiten und Kämpfer gegen deutsche Miesmacherei und Meinungsdiktatur, zeigte sich erfreut über die die Ausstrahlung der Tour auf Sat.1. Denn er konnte es “bis jetzt immer sonst nur mit, äh, nur mit Bild gucken und ohne Ton, halt.” Denn hier bei Sat.1 stand der “wunderschöne Sport, knallhart” im Zentrum und nicht immer nur “Doping, Doping, Doping“. Denn “das wird da völlig übertrieben.”

Aber, da Undank bekanntlich der Welten Lohn ist, kreiirte Sat.1 hier unwillentlich ein zweites Sommerloch. Und wieder lenkte die unsichtbare Strahlung die von diesem Sommerloch ausgeht die Hinterbänkler aller Parteien von ihren Flügen in den Süden ab und direkt auf die Mikrophone der versammelten Presse zu, von wo aus sie einen erneuten dreifachen Rittberger hinein ins Sommerloch sprangen. Peter Dankert, politisches Schwergewicht als Sportausschuß-Vorsitzender der SPD, demonstrierte gleich mal sein Demokratieverständnis und mokierte sich darüber, dass die Privaten “ja machen, was sie wollen. Und das [...] offensichtlich gerade” täten. Sofort einen Chavez abziehen und verstaatlichen, den Scheiß!

Da kann Klaus Riegert, politisches Schwergewicht und sportpolitischer Sprecher der CDU, natürlich nicht hintan stehen und demaskierte das Verhalten von Sat.1 als “unsolidarisch” und konstatierte: “Außerdem ist zu befürchten, dass ein privater Sender nicht ganz so kritisch über das Doping-Problem berichtet.” Sofort einen Chavez abziehen und verstaatlich… äh… moment, von der CDU? Solltet ihr nicht für die Privatisierung sein? Verdammte, verschwommene Parteigrenzen. Wo sind nur die klar abgesteckten Feindbilder geblieben?

Zurück zur SPD. Dagmar Freitag, politisches Schwergewicht und Sportpolitikerin, sah im Sat.1-Einstieg in die Tourberichterstattung “eine Katastrophe und das falsche Signal“. Winfried Hermann, politisches Schwergewicht und Grünen-Politiker bewies derweil, dass man die ganze Situation am besten mit blankem Zynismus angehen sollte. Bitte, beim Geiste Herbert Wehners und Franz Josef Strauß’, lasst die folgende Aussage zynisch gemeint sein:

Ich halte die Entscheidung für einen Skandal. Man kann auch von den privaten Sendern erwarten, dass sie ethische Maßstäbe bei ihrer Programmauswahl ansetzen und nicht nur auf den schnellen Profit achten.

Blöd nur für Sat.1, dass außer den vier Politgiganten und Jan Ullrich niemand die Tour einschaltete. Quoten im einstelligen Prozentbereich und nie auch nur Ansatzweise 1.000.000 Zuschauer. Und im Zuge dieser Quoten wird Sat.1 wohl die Werbe-Preise um möglicherweise bis zu 50% senken müssen. Ein Preis, den der Sender nur zu gerne dafür bezahlt, an vorderster Front für die Meinungsfreiheit im deutschen Fernsehen kämpfen zu dürfen.

Dieser Einsatz, nicht eine Sendung im Programm zu haben, die uns hier bei Agitpop interessieren würde, und uns darum einfach außerhalb des Programmplans den ganzen Juli hindurch zu unterhalten, hat uns den höchsten Respekt abverlangt. Dazu kommt noch der wagemutige und teuer bezahlte Kampf für den Meinungspluralismus und der Umstand, dass uns Sat.1 in diesen unsicheren Zeiten, in denen man sich auf nichts mehr verlassen kann, zumindest einen Fels gibt, an den wir uns immer klammern können: Eher geht die Sonne mal nicht im Osten auf, als dass ein Sommer käme in dem Sat.1 nicht konsequenterweise die gesamte Asterix-Reihe wiederholen würde.

Bei all diesen schlagenden Argumenten können wir ja gar nicht anders, als Sat.1 zum Liebling des Monats zu küren. Respekt, Bällchen-Sender. Weiter so.


Loser’s Corner – Der Fiat-Punto-Clio-Cup

Die Tour de France

Versuchte mit den selben Mitteln zu arbeiten wie Sat.1. Da das Ereignis in der Agitpop-Sportredaktion niemanden vom sportlichen Stellenwert her interessiert (weil höchstens Skispringen noch langweiliger ist als Radfahren in der Glotze) versuchte die gute, alte Tour de Franka Potente sich halt anderweitig bei uns einzuschleimen. Selbst ernsthafte Reporter durften sich endlich mal so richtig dem Wortspielteufel hingeben (Spritzensportler, Spritztour de France, Rollende Apotheken, Tour de Farce). Gleich mehrere Träger des gelben, gepunkteten oder roten Trikots mit der Nummer 176-167 flogen wegen Dopings oder Dopingverdachts aus der Wertung. Es gab wieder ein paar der amüsantesten Erklärungsversuche aller Zeiten, dafür wie das Fremdblut ins Eigenblut, das Eigenblut ins Eigenblut oder das Epo ins Fremdblut im Eigenblut gekommen sein mag. (Der Hund hat’s gefressen!)

Und nebenbei durften sich ein paar Radelsführer so richtig schön in Interviews austoben. Jens Voigt erkannte, dass alle Wege der Tour-de-France-Absetzung direkt nach Moskau führen und Andreas Klöden hört die jüdisch-kommunistisch-freimaurerische Weltverschwörung trappsen: “Es geht um viel Geld. Was ist, wenn manipuliert wird, um alles kaputt zu machen, um dann die Reste zu übernehmen?” Oha! Oder was wenn die Kassel Huskies nachts den Tour-Führenden Fremdblut spritzen um den Radsport kaputt zu machen und mehr Sendezeit für Eishockey im deutschen Fernsehen zu bekommen? (Was wir hier bei Agitpop voll unterstützen würden.)

Die ARD berichtet derweil als Aufhänger in der Tagesschau über den Doping-Skandal des Tages, einfach nur um Zweitverwerter Sat.1 ans Zeug zu flicken. Und am Ende der Tour hat man einen Sieger, dessen Sauberkeit eher kritisch betrachtet wird und wahrscheinlich das endgülitge Aus des Radsports im deutschen Fernsehen. Was wir, die wir Piloten nicht vom Peloton unterscheiden können, total knorke finden. Und für die Leistung wollten wir die Tour de France auch zum LdM küren. Die Lobeshymnen waren geschrieben, das Treppchen vorm Arc de Triomphe aufgebaut… und dann stellte sich raus, dass die Tour de France diese Leistung nicht aus eigener Kraft hinbekommen hat. A- und B-Probe wurden positiv getestet. Und aus den Videospielen der frühen Neunziger haben wir von FBI-Direktor William S. Sessions eines gelernt: “Winners don’t use drugs!

Und darum: Kein LdM für die TdF.

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Kurt Beck

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SdPD) kündigte diesen Monat an, dass es nach der Bundestagswahl 2008 keine Fortsetzung der Großen Koalition geben würde. Und um sicherzugehen, dass sie nicht am Ende doch wieder so viele Stimmen erhält, dass sich nur eine Koalition mit den Christdemokraten anbietet, ernennt sie auch gleich mal Kurt Beck zum Kanzlerkandidaten.

Eigentlich finden wir es ja total tuffig und super, dass die SPD sich für einen Kandidaten entscheidet der keine Schnitte hat im zweistelligen Prozentbereich zu landen (Kurt Beck wird auch schon als das Sat.1 unter der Kanzlerkandidaten bezeichnet). Aber muss es ausgerechnet jemand sein, der ein so dünnes Fell hat, dass er die Titanic abmahnen muss? Hätte man sich nicht für Ludwig Stiegler oder Rudolf Scharping entscheiden können? Und falls das Abmahnen der Titanic zu den Eingangsvorrausetzungen für SPD-Kanzlerkandidaten ohne Erfolgschancen gehört, hätte man dann nicht Björn Engholm nochmal ausgraben können?

Für diesen potentiellen Kanzlerkandidaten gibt es in anderthalb Jahren keine Stimmen und heuer keinen LdM.

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Die Atomkraft

Geliebt, gehasst, vergöttert. Jahrelang hatte die Atomkraft einen Stammplatz in der Achse des Bösen sicher und es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch das letzte deutsche Atomkraftwerk würde dicht machen müssen… und dann, wie der Phoenix aus der Asche oder der Radioactive Man aus dem Ground Zero, kehrte die Atomkraft zurück. Ihr Lebensretter? Die selben Ökohippies, die sie in den Achtzigern mit ihrer Flower Power vernichten wollten. Denn, so die Argumentation: Wenn man den CO2-Ausstoß verringern will, dann muss man auf Kernfusion setzen. Wer B sagt, muss auch A wie Atomkraft sagen. Wie uns Smilin’ Joe Fission garantierte: Atomkraft ist sicher, strahlend und sauber. Abgesehen von der Frage wo wir den Atommüll endlagern sollen, aber da findet sich im Zweifelsfalle immer eine afrikanische Nation mit hervorragenden Sicherheitsstandards, die unseren Abfall und unsere Devisen nur zu gerne in Empfang nimmt.

Tja. Und dann? Binnen eines einzigen Monats schafft es die Atom-Lobby all diesen gewonnen Boden aus eigener Kraft heraus wieder zu verlieren. Erst beweist die Vattenfall, dass ein Super-GAU auch auf der PR-Bühne möglich ist, dann vergibt der sympathische Atom-Zwerg Frankreich ganz uneigennützig einen Atomreaktor an den lupenreinen Demokraten in Libyen. Und – zack! – sofort schreit der wütende und wakelmütige Mob wieder nach dem Ende der Atomkraft.

Eigentlich hatten wir daran gedacht, der Atomkraft den LdM einfach aus Solidarität zu verleihen. Aber bevor sich die Vattenfall, Frankreich oder Monty Burns nicht durchringen lönnen Atomwaffen gegen Castor-Demonstranten-Hippies einzusetzen, wird daraus nichts.

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Live Earth

Speaking of hippies. Nachdem man mit globalen Großkonzerten schon Afrika schuldenfrei, das Ozonloch wieder zu und den sauren Regen süß gerockt hat, setzte man sich bei Live Earth das Ziel die Power of Rock zu nutzen um das böse CO2 aus der Atmosphäre zu vertreiben. Wenn Tenacious D Dämonen zurück in die Hölle und Val Kilmer die DDR zur Demokratie rocken können, dann sollte doch so ein Fliegengewicht wie CO2 gar kein Problem mehr sein, oder?

Sollte man meinen. Wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre, die Matthew Bellamy – Frontmann der großartigen, wenn auch live nicht so genialen Band Muse – wie folgt zusammenfasst: “Private jets for climate change, not sure about it that seems to be a bit on edge really.” Private Jets for Climate Change. Klingt übrigens auch nach ‘nem tollen Bandnamen. Dass das alles keine hedonistische Feel-Good-Veranstaltung, sondern “serious business” mit ökologischem Gewissen war, kann man auch an den tausenden Plastikbechern im Wembley Stadion sehen, die die Fans einfach auf den Boden warfen, statt wie gewünscht nach schlechten Bands oder in die vorhandenen Recyclingcontainer. Und wenn sich jetzt noch Fergie, Joss Stone, James Hetfield, Billy Corgan oder einer der anderen Teilnehmer an diesem Event mal ‘nen Nachmittag frei nimmt um 100.000 Bäume zu pflanzen, dann ist man klimapolitisch auch wieder im grünen Bereich.

Ganz ehrlich: Der Auftritt von Spinal Tap mit jedem Bassisten im bekannten Universum und die Ironie der ganzen Veranstaltung ist uns die 100.000 Bäume und auch fast einen LdM wert. Woran es gescheitert ist? Zum Einen hat die Band nichtStonehenge” gespielt, zum Anderen ist einer der Grundsatzpunkte der Agitpop-Verfassung (neben der Nicht-Arkennung der deutschen Wiedervereinigung, der Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel und der Ablehnung jeglicher Form von politischem Totalitarismus): “Kein LdM für Hippies.”

(Nachtrag: Wie mir per E-Mail zugetragen wurde, spielten die ehemaligen The Thames Men doch Stonehenge auf dem Klimawandel-Wacken in London. Ich korrgiere mich also. Da die Hippie-Regel aber noch immer gilt, bleibt das Fazit:)

Und darum auch kein LdM für Live Earth.

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Kalle Schwensen

Kalle Schwensen war in Deutschland jahrzehntelang unter dem Rufnamen bekannt, den ihm die deutsche Bullerei in den Achtzigern wegen seiner Hautfarbe anhängte und der von der linguistischen Struktur her anderen Kiez-Namen wie Chinesen-Fritz”, “Lackschuh-Dieter”, “Bayern-Peter” oder “SS-Klaus” entsprach. Inzwischen möchte Schwensen nicht mehr so tituliert werden, was sein gutes Recht und auch ohne weiteres akzeptabel ist.

Wenn sein Anwalt dann aber vier Blogger in kurzer Folge abmahnt und für jede Abmahnung fast 900 Euro haben möchte, dann finden wir das nicht mehr so cool. Kurz Technorati anwerfen, den kritischen Suchbegriff eingeben, bei den Trefferseiten das Impressum anklicken, einen Formbrief in vierfacher Ausfertigung anfertigen… und schon hat man knappe 2.800 Euro erarbeitet. Dafür muss ‘ne alte Frau lange stricken.

Eigentlich mögen wir ja Schwensens öffentliche Auftritte, aber von einem der so gut austeilen kann wie er (gerne erinnern wir uns wie er mal bei Big Brother werten sollte, welche Kandidatin nun am besten tanze… was nicht so recht gelingen wollte, weil Schwensen die Tanzeinlagen durch die Bank weg scheiße fand) hätten wir erwartet, dass er seine Anwälte an einer kürzeren Leine hält und erstmal weniger kostenpflichtige Wege der Verständigung sucht. Und ganz im Ernst: Damals, als Agitpop noch ein Edel-Bordell auf der Reeperbahn war, da hätten wir statt eines Anwalts einfach das Inkassoteam Moskau losgeschickt, den Leuten mal richtig aufs Maul gegeben und der Drops wäre gelutscht gewesen. Aber anwaltliche Abmahnungen? Das ist uns zu provinziell spießig und darum auch keinen LdM wert.

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Brigitte Zypries

Erklärte erst heldenhaft, dass man Dr. Strangelove im Streit um die Online-Durchsuchung einen Kompromiss abgetrotzt habe, nur um dann sofort zurückzurudern. Warum? Wir haben hier einen Verdacht.

Günter “Ich will Ede werden, anstelle des Ede” Beckstein erkannte nämlich folgendes : Unserer Justizministerin ihre “Ablehnung der Maßnahmen gefährde die Sicherheit in Deutschland“. Und wenn jemand etwas gefährdet, was ist er oder sie dann? Richtig: Ein Gefährder!

Und wen gedenkt Wolfgang Schäuble präventiv zu internieren? Haargenau! Aber weil wir nicht in der Rasterfandung hängen bleiben und dann neben Frau Z. in Deutsch-Guantanamo auf dem Bismarck-Archipel landen wollen, machen wir sie auch nicht zum LdM.

Liebling des Monats – Januar 2007

Thursday, February 1st, 2007

Lang, lang ist’s her, dass wir bei Agitpop das letzte Mal einen Liebling des Monats gekürt haben. Aber der Januar hat uns soviel Schönes, Gutes und Wünschenswertes gebracht, dass wir die Kategorie doch mal wieder aus dem Giftschrank der Geschichte holen und einen Rundumschlag zum Monatsende verteilen. Mit einem überraschenden Sieger:


Der FC Bayern München

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Ein Überraschungssieger auf den letzten Metern. Und bei der starken Konkurrenz die unter “Ferner liefen” zu finden ist, wird der ein oder andere Leser vielleicht entrüstet “Buh” und “Pfui” hervorbringen, von Schiebung und dem Meisterbonus sprechen und sich aufmachen, empörte Kommentare in die Kommentarsektion zu schreiben. Kommentare, die die Agitpop-Antwortäffchen (die an den 1.000 Schreibmaschinen) dann geflissentlich ignorieren. Das ist Ihr gutes Recht, werte Leserschaft, aber wir finden: Leistung muss sich wieder lohnen und Hartnäckigkeit muss sich auszahlen.

Immerhin versucht der FCB konstant und konsequent den begehrten Titel als LdM einzusacken. Angetestet hat man das mit der schockierenden Enthüllung, dass Mehmet Scholl in Rente gehen würde. Ein geschickter Versuch der alten Füchse Uli Hoeness und Kalle Rummenigge um im Palais Agitpop Altersangst zu schüren: Der Scholl, begnadeter Ballkünstler und Held meiner Jugend, geht in Rente? Ist der denn schon… das kann doch nicht sein, der war doch höchstens 22 als ich angefangen habe mich für Fußball zu interessieren. Sind das wirklich schon vierzehn Jahre…?

Aber: Das reicht nicht aus um sich den LdM zu holen, besonders da Scholl seit längerem nur noch eine Halbtagsstelle bei den Bayern ausfüllte und international irrelevant geworden war, nachdem er 100% aller deutschen Tore bei der EM 2000 erzielt hatte. (In realen Zahlen: Eins.) Die Quote war einfach nicht zu toppen. Also legten die Bayern noch einen drauf: Hassan “Brazzo” Salihamidzic würde Deutschland verlassen und nach Italien wechseln, weil er es sich noch einmal beweisen wolle. Okay, auch das überraschte uns und wurde gebührend bedauert, hatten wir den Brazzo doch wegen seiner Malocher-Spielerweise als “echten” Bayern akzeptiert und hieß das doch, dass zwei Sympathieträger nächste Saison weg sein würden. Aber auch das reichte noch nicht für den LdM.

Also beschloss man im Führerbunker an der Säbener Straße die großen Geschütze auszupacken und schickte Sebastian Deisler in Frührente. “Basti Fantasti”. Das Wunderkind. Den größten Fußballer seit Pelé. Und welche Namen wir diesem Jungen noch gegeben haben, damals in den finsteren Nationalmannschaftstagen als wir noch Punktelieferant für Fußballgrößen wie Lettland oder Rumänien waren. Da war immer die Hoffnung, dass Deisler kommen und uns aus dem Elend und zurück zum Glanz alter Tage schießen würde. Und selbst bei dieser WM existierte der Gedanke: Wenn jetzt noch Deisler ins Team stieße… wer wollte uns dann noch aufhalten.

Dementsprechend kam es als echter Schock, dass Deislers Karriere von psychischen und physischen Problemen beendet wurde, noch ehe er jemals wirklich zeigen konnte, was in ihm steckte. Und – jetzt mal ohne jeden triefenden Zynismus – das finden wir ungemein bedauerlich, aber wir freuen uns, dass Deisler den Absprung geschafft hat, ehe ihn der Fußball kaputt gemacht hat. Es gibt wichtigere Dinge als das Gepöhle. Soviel dazu. Jetzt zurück zum triefenden Zynismus.

Denn, da war einer, der sich das nicht bieten lassen wollte. Eine Rampensau. “Rücktritt der bayerischen Lichtgestalt schockiert Deutschland”. Solche Schlagzeilen über einen, der nicht Edmund Stoiber und dann nicht einmal ein echter Bayer ist? Wo doch Ede, der einzig wahre Retter Deutschlands war. Derjenige über den gefälligst geredet werden sollte. Und so sagte Ede dann seinen eigenen Rücktritt an und eroberte Titelblätter und besagte Schlagzeilen für sich. In your face, Deisler. Wir wollen hier ja mal nicht vergessen, wer der Mittelpunkt des Universums ist.

Jetzt kommt der Punkt, an dem die Bayern sich den LdM wirklich verdient haben. Denn im Trainingscamp der Bayern rauchten die Köpfe: Wie das toppen? Wie doch noch den begehrten Pott bekommen? Kahn feuern? Schweinsteiger in Rente schicken? Den Verein auflösen? Ein Plan wurde geschmiedet und konsequent darauf hin trainiert. Denn eine Lauffaulheit und galante Chancenvergabe wie man sie gegen Dortmund und Bochum sehen konnte… sowas kann nicht von Natur aus kommen. Dahinter steckt viel harte Arbeit.

Nachdem der FC Bayern dann den Dortmundern ein sicher geglaubtes Spiel noch geschenkt hat, die Bochumer aber trotz aktiver Offensivverweigerung nicht dazu überreden konnte, ihm ein oder zwei Tore einzuschenken (die Bochumer müssen sehr nette Menschen sein, die einen Mann nicht treten, wenn er schon am Boden liegt), musste Felix Magath nur noch das lange eingeübte “Werden wir halt nicht Meister”, aussprechen und schon konnte man den Putsch gegen Erich “Wir können auch mal ein paar Jahre keine Titel holen” Ribbeck aus der Saison 1993/1994 nachspielen.

Und hier zeigt sich das Kalkül der Bayernfüchse: Magath schmeißt man achtkantig raus, wegen angeblicher Ideenlosigkeit, weil er die Mannschaft nicht mehr motivieren konnte und weil er taktisch nichts mehr riss. Und wen holt man um das kenternde Boot zu retten? Ottmar Hitzfeld, den man vor zweieinhalb Jahren gehen ließ. Wegen angeblicher Ideenlosigkeit, weil er die Mannschaft nicht mehr motivieren konnte und weil er taktisch nichts mehr riss. Ein derart verschlagener Plan, wie ihn nur das Gespann Hoeness-Beckenbauer-Rumpelstilzchen ausarbeiten kann. Jenes Gespann, das die Liga auch mit dem Mörderplan “Spieler teuer einkaufen und dann für lau gehen lassen” überrascht hat. Man hat’s ja. Ein derart hellsichtiges Gespann , dass es erkennt: Man braucht Ribery nicht. Man kann ja auch Jan Schlaudraff kaufen. Genies. If you can’t beat them, surprise them.

Was Felix Magath jetzt tun wird, das weiß man noch nicht. Unbestätigten Gerüchten zufolge hat sich Thomas Doll allerdings mit einer Schrotflinte in den Katakomben der AOL-Arena verschanzt hat und ruft: “Ihr kriegt mich nicht! Lebend geh’ ich hier nicht wieder weg!”

Bei den Bayern hingegen, da sind wir sicher, wird jetzt alles ganz tuffig und super: Das klaffende Loch im Mittelfeld wird sich von selbst schließen. Die heilende Hand von Hitzfeld wird dafür sorgen, dass Philipp Lahm wieder Beine wachsen. Michael Ballack und Zé Roberto werden den Bayern das Geld spenden, dass ihr jeweiliger Transfer eingebracht hätte, wenn man normal geplant hätte. Und Lukas Podolski wird auf einen Schlag den Unterschied zwischen Tor und umliegender Peripherie erkennen und nur noch auf ersteres Ziel schießen. Große Zeiten brechen an, die Meisterschaft 2006/2007 kann den Bayern jetzt eigentlich keiner mehr nehmen.

Der “FC Hollywood” wäre wieder da, nur dass die neuen Problemstars eher aus der deutschen Seifenopernriege stammen (Ottl, Lahm, Schweinsteiger, Görlitz). Egal. So oder so: Wir finden’s toll, dass der FC Bayern immer und immer wieder nachlegte um LdB zu werden und dann in allerletzter Sekunde – als würde man bei eBay bieten – noch einmal einen richtigen Hammer losgelassen hat, nur damit einem der Titel auch ja nicht nochmal von Stoiber strittig gemacht werden kann. (Der hätte im Gegenzug wahrscheinlich Merkel entlassen und Schröder wieder als Kanzler eingestellt.) Und manchmal muss man Hartnäckigkeit belohnen. In diesem Fall mit dem Liebling des Monats.

Glückwunsch, Großkopferte, und genießt es: Denn zu mehr Titeln wird’s diese Saison wohl nicht reichen.


Loser’s Corner – Ferner liefen:

Edmund Stoiber:

Wie gesagt: Wir respektieren dass der Mann versucht hat den Rücktritt Sebastian Deislers zu überschatten, weil es sein Ego nicht zulässt, dass mal ein anderer Bayer auf den Titeln der deutschen Zeitungen firmiert. Besonders weil Stoiber ja vorher auf dem Parteitag noch sagte, er würde bis 2713 oder so Parteichef bleiben. Sowas hätte LdM-Potential.

Aber zwei Dinge verhindern den sicheren Titelgewinn. Erstens: Rücktritt? Wegen so einer Lappalie? Ey, Stoiber, geht’s noch? So einen Sturm im Wasserglas hätten Helmut Kohl oder Franz-Josef Strauß auf einer Backe abgesessen. Ganz im Ernst: Zwei oder drei Wochen noch und das übliche Medienverhalten wäre eingetreten. Die Deutschen sind von der Story gelangweilt und die Medien, zuerst natürlich die ZEITUNG, fangen an Moped-Gabi kritisch zu betrachten und dann als fiese Isebel zu beschreiben. Und – zack – du gehst stärker aus der Sache hervor als je zuvor. Chance vertan.

Die andere Sache, Ede: Du gehst, nimmst aber Günter Beckstein nicht mit, sondern machst den Prinz der Finsternis zum neuen Herrscher über dein Reich? “Killerspiele = Kinderporno”-Beckstein? “Schily ist ‘ne liberale Gefahr”-Beckstein? Das meinst du nicht ernst, oder? Nicht umsonst wird Bayern auf neuen Deutschlandkarten schon als Mordor tituliert. Für den LdB hat’s eh nicht gereicht, also – Ede, alter Hauptbahnhof – denk nochmal drüber nach und tritt nicht zurück. Oder nimm zumindest den Beckstein mit. Dann machen wir dich vielleicht doch noch zum LdB.

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Der deutsche Bundestag

Wie hilft man den Deutschen, ihre Demokratiemüdigkeit zu überwinden und zeigt, dass die Politik keine abgesonderte Kaste ist, die sich das Recht biegt wie es ihr gefällt? Einfach: Man verhängt quasi überall ein Rauchverbot… nur im Bundestag nicht. Das ist konsequent und kommt gut beim Wähler an. Nur: Für den LdB reicht es nicht. Da hätte man im Bundestag auch schon das Heroin- und Kokainverbot aufheben müssen. Plus: Dann könnte Ulrich Meyer nicht mehr so betroffen und schockiert gucken, wenn wieder Koksspuren auf Bundestagsklobrillen gefunden werden. Aber da fehlt den Politikern mal wieder der Mut zur Reform.

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Iraks Henkerszunft

Nachdem man schon Saddams Exekution ordentlich versemmelt hatte, griff man zu noch härteren Bandagen um die Exekution von Saddams Bruder noch effektvoller zu gestalten: Seil zu straff, Rübe ab. Hier bekommt der Kunde noch was für sein Geld. Warum dann kein LdM? Weil wir bis heute kein Video davon bei YouTube gefunden haben. Was bringt einem denn da die Seuche Internet?

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Der Sturm Kyrill

Was wurde uns nicht versprochen: Der Sturm des Jahrhunderts. Twister. Tornado. Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Fliegende Kühe. Umgeworfene Kulissen in Bielefeld. Die Nordsee überflutet den ganzen Norden der Republik. Die gesamte Ückermark wird bis nach Sibirien geweht werden. Und was passiert? Nicht viel. Ein paar umgeknickte Strommasten. Etwas Stromausfall. (Können wir auch ohne Sturm. Und zwar besser.) Hier ein Baum weg, da ein Haus abgedeckt. Nett, aber irgendwie hatten wir uns mehr versprochen. Nicht einmal einer der Außenmoderatoren (stehen mit Windblazer auf dem Brocken… weil keiner glaubt dass es wirklich stürmt, wenn das Fernsehen nicht jemanden aus einem Sturmgebiet heraus moderieren lässt) wurde weggeweht und ladete dann, wie weiland der olle Rust, auf dem Roten Platz. Naja, dem Klimawandel sei Dank bekommt der Sturm ja sicher bald eine zweite Chance. Und dann klappt’s vielleicht auch mit dem LdM.

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Der Berliner Hauptbahnhof

Hängt mit Kyrill zusammen. Wenn der Berliner Hauptbahnhof (vormals: Lehrter Bahnhof) nur vier Jahre zu spät öffnet und gerade mal ein ein paar Millionen teurer als geplant ist, dann kann man doch keine ordentlich verschweißten Stahlstreben erwarten. Wo leben wir denn? Darum bleibt ein Teil des Bahnhofs jetzt bei starkem Wind (irgendwer stellt irgendwo in Berlin einen Fön an) geschlossen. Für den LdM ist uns das aber nicht konsequent genug: Entweder den Bahnhof ganz schließen oder beim nächsten Sturm den Bahnhof komplett kollabieren lassen. Aber so ist das doch nix Halbes und nix Ganzes.

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Final Fantasy VII

Schade. Fast hätte es geklappt: Berichteten die Medien (sprich: die ZEITUNG und ihre Abschreiber) doch zunächst, dass der eiskalte Mord in Tessin erneut durch ein Killerspiel ausgelöst wurde. Und es schien hinzukommen: Das Töten hatten die freundlichen Jungen in den rundenbasierten Kämpfen gelernt und ein Flucht-Chocobo stand schon bereit. Es schien alles Sinn zu ergeben. Bis sich herausstellte, dass es gar nicht um Final Fantasy VII das Spiel, sondern um Final Fantasy VII: Advent Children den Film ging. Oops. Unsere Medien, die sich bekanntlich nicht von “Fakten” ablenken lassen wenn es um eine gute Story geht, machten aus dem FSK-12-Japano-Geschwurbel schnell ein “Gewaltvideo” und ignorierten das Thema dann, ehe jemand bemerken konnte, dass sie keine Ahnung haben, wovon sie da eigentlich schreiben. Damit ist Final Fantasy VII gleich doppelt gearscht: Offenbar doch kein Killerspiel und darum auch kein LdM.

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Frank-Walter Steinmeier

Frank-Waltraud Steinmeier. Der erboste Leser wird nun fragen: Wieso ist dieser Mann nicht unser LdM. Naja, es war eine extrem knappe Entscheidung, die wir hier getroffen haben. Eigentlich sind wir ja stolz auf den zynischen Technokraten, dessen Verteidigungsstrategie im Falle Kurnaz bisher selbst das uneheliche Kind von Matlock und Perry Mason hätte vor Neid erblassen lassen: Der Kurnaz ist ein islamistisch-angehauchter Unsympath und außerdem Türke. Da unsere Medien aber gelegentlich mal den Ball nicht fallen lassen und die Killerspiel-Panikartikel jetzt anders gefüllt werden müssen, hakte man nach. Und schon stand eine neue Strategie zur Hand: Die USA haben nie angeboten den Kurnaz freizulassen. Wenn doch, dann weiß Frank-Waltraud nichts davon. Und wenn er sich heute entscheiden müsse, er würde sich wieder so entscheiden… öh… für Unwissenheit und kein Angebot.

Wie moralisch fest man steht, dass merkt man immer dann wenn einem Franz-Josef Wagner von der ZEITUNG zur Hilfe eilt. Der fasste den Steinmeier-Kurnaz-Fall sehr schön zusammen: Franz-Josef Wagner kennt den Kurnaz nicht persönlich. Ich kenne den Kurnaz nicht persönlich. Who gives a damn? Eben, was interessiert mich das Schicksal von Leuten die ich gar nicht kenne. Nur dass Otto “Lord Helmchen” Schily, selbst Demokrat reinster Lupe, und der Problembär sich einschalten und FraWa verteidigen mussten, das fanden wir dann doch zu unsouverän für den LdM. Aber – Kopf hoch! – mit einem guten Walzer auf dem Parkett des Untersuchungsauschusses (wir denken da an Fischers Vorbild) steht dem LdM eigentlich gar nichts mehr im Wege. Das packst du, Steini.

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Die Operation Mikado

Alte Regel. Schon drüber gejammert, darum kaum Chancen auf den LdM. Und das obwohl immer noch die Frage im Raum steht: Die Kinder, die Kinder. Denkt denn hier niemand an die Kinder?

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Die Alt-68er

Uschi-Obermaier-Film. Rudi-Dutschke-Straße. Freiheit für Klar und Moorhuhn. Alte gesellschaftliche Bruchstellen sind wieder da. Rüstige Rentner und wertkonservative Mittzwanziger liefern sich eine Schlacht um die Zukunft der Republik. Themen, die seit dreißig Jahren keine Sau mehr interessieren dürfte, sind plötzlich wieder relevant. Und nostalgisch dürfen beide Seiten die “gute, alte Zeit” verklären. Da darf man dann heulen, wie die ’68er den demokratischsten Staat aller Zeiten an die Wand gefahren haben oder sich auf die Schulter klopfen, weil man Deutschland vor dem Faschismus gerettet hat. Toll gemacht. Und jetzt geht wieder in eure eigene Dekade zurück, ihr zeitreisenden Hippies. Und den LdM, den ihr für das Generve nicht bekommt, den könnt ihr gleich mitnehmen.

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Wolfgang Schäuble

Eins muss man Dr. Seltsam ja lassen: Hartnäckig ist er. Ihm geht es wie Grandpa Simpson: Einmal im Leben sollte ein Mann einfach ein deutsches Flugzeug abschießen. Und weil der Bundestag ihm das Budget für die Starstreaks am Raketenrollstuhl nicht finanzieren will, muss halt die Bundeswehr ran. Warum Deutschland nur am Hindukusch verteidigen. Die Paragraphenreiter in Karlsruhe sagten da zwar “Nein”, aber das stört Wolle herzlich wenig. Und wenn man rechtlich nicht gewinnen kann, dann halt semantisch. Mit dem Quasi-Verteidigungsfall. Toller Plan, aber für ‘nen Quasi-Verteidigungsfall gibt es auch nur ‘nen Quasi-LdM.

Liebling des Monats – Juli 2005

Sunday, July 31st, 2005

So schnell kann das gehen. Da war Tom Cruise eben noch unser Liebling des Monats und heute kann ihn das LdM-Kommittee schon nicht mehr von Tom Hanks und Onkel Tom mit seiner Hütte unterscheiden. Also, gemäß dem alten Bismarck-Wort vom gestrigen Geschwätz, hier unser neuer Liebling des Monats:

Die NASA

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Zu gleichen Teilen geliebt und gehasst. Verhasst, weil sie mit ihren Projekten Milliarden an Steuergeldern verschlingt, die seit 1970 ohne sichtbares Ergebnis geblieben sind (Apollo 13 war die letzte NASA-Mission die sich als verfilmbar erwies), geliebt weil sie in Präsident Bush die Hoffnung weckt zwischen 2015 und 2020 wieder auf dem Mond und kurz danach auf dem Mars zu landen. Zweifellos um Kontakt mit den Mondnazis aufzunehmen, herauszufinden wo die Massenvernichtungswaffen wirklich abgeblieben sind und um endlich das Benzin für die Kettensäge abzuholen.

Aber um dahin zu kommen, muss man erstmal mit altmodischem Gerät vorlieb nehmen: Dem guten, alten Space Shuttle, der Tante Ju unter den Raumfahrzeugen. Nachdem die letzte Mission eines Space Shuttles bekanntlich einen eher katastrophal endete, war man dieses Mal natürlich mit äußerstem Bedacht an Werk. Unter den wachsamen Augen der Öffentlichkeit, die sich immer dann für die Raumfahrt interessiert wenn sie hofft eine spektakuläre Explosion sehen zu können (gerade jetzt, da die Fahrer in der Formel 1 offenbar Unfallverbot haben), sagte man den ersten Start ab nachdem man Probleme mit der Treibstoffanzeige hatte.

In den folgenden Tagen wurde das Problem exzessiv analysiert, wenn auch ohne Erfolg. Und an dieser Stelle zeigt sich, dass die NASA-Experten eine ähnliche Strategie verfolgen wie ich mit meinem Rechner: Schwerer Ausnahmefehler, der gelegentlich auftritt, von dem ich aber keine Ahnung habe wieso er das macht? Hmmm… naja, solange es noch irgendwie geht brauche ich das System ja nicht neu aufsetzen. Ich finde das durchaus sympathisch, dass wissenschaftliche Experten ein Multimillionendollarshuttle mit sieben Menschen an Bord genau so behandeln wie ich einen Rechenknecht im Wert von knapp 1000 Euro, der immerhin eine 256MB-Grafikkarte an Bord hat.

Nach dem Start zeigte die NASA dann wie kompetente PR-Arbeit aussieht: Nachdem der Shuttle zunächst einen Bilderbuchstart hinlegte, stellte man kurz danach drei kleine Pannen fest, aber das macht nichts, denn immerhin sind die Schäden nicht zu ernst, der Rückflug zur Erde ist nicht gefährdet. Er findet sogar, nur weil’s da oben so toll ist, einen Tag später statt als geplant. Ja, alles läuft so glatt, dass die NASA alle weiteren Shuttle-Flüge aussetzt und die Astronauten eine riskante Mission, die die Experten nervös macht unternehmen müssen.

Man merkt, für die NASA arbeiten offenbar die gleichen PR-Strategen, die auch das Weiße Haus in Sachen Irakkrieg beschäftigt: Snafu! Situation normal, all fucked up! Derweil wird in den USA die Kritik laut, dass diese “Augen zu und durch, wenn’s nicht ganz kaputt ist, reparier’s nicht”-Taktik vielleicht nicht ganz so smart war. Dass man die zwei Jahre seit der Columbia-Katastrophe vielleicht doch eher für ausführliche Tests und kritischere Debatten hätte nutzen, bekannte Probleme nicht hätte ignorieren und die kritischen Standards nicht hätte aufweichen sollen, nur um an diesem Starttermin festzuhalten. Aber -hey!- wenn der Start sich verzögert hätte, dann wäre das ein PR-Desaster gewesen, das… äh… naja, sicher ähnlich peinlich gewesen wäre, wie das jetzige PR-Desaster… äh… und sicher nicht ganz so schlimm wie das PR-Desaster, sollte der Shuttle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Außerdem hat man das “Return to Flight”-Logo und die passende Website schon stehen. Das will man ja auch nicht für nix und wieder nix gemacht haben. Gute Arbeit, Eierköpfe.

Aber, seien wir ehrlich, die NASA konnte den Fehler nicht finden, immerhin hat sie es hier nicht mit Naturwissenschaft und Technik zu tun, sondern mit höherer Gewalt. Der höchsten Gewalt sogar. Der sympathische Pastor Fred Phelps weiß woran es wirklich liegt, dass der Space Shuttle in die Bredouille geraten ist: Schwule in der US-Armee, keine harte Strafverfolgung von Totenbeschwörern in den USA, die generelle Arroganz, die das Raumfahrtprogramm repräsentiert und nicht zuletzt das Vorgehen gegen Phelps Westboro Baptist Church. Darum hat Gott persönlich ja auch schon die Columbia zerstört. Wenn Gott der Herr persönlich gegen so ein Projekt ist, dann kann man natürlich nichts machen…

Aber, bei aller Ironie: Wir wünschen der Besatzung der Discovery einen problemlosen und erfolgreichen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und eine sichere Landung. Immerhin kann die Crew am wenigsten dafür, dass die NASA-Administration hier Politik spielen musste. Hoffentlich haben die Jungs und Mädels ihren seelenlosen Stahlbolzen dabei.

Loser’s Corner – Better Luck Next Time

Borussia Dortmund

Haben als großes Ziel die Champions-League-Teilnahme im nächsten Jahr angepeilt. Dazu muss man sich aber voll auf die Bundesliga konzentrieren und kann seine Kräfte nicht auf den UI- oder gar den UEFA-Cup vergeuden. Also, möglichst schnell ausscheiden. Und wenn der Gegner zu blöd ist das Tor zu finden, dann muss man halt selber dafür sorgen, dass man ausscheidet. Nur: Wenn man nichtmal in der Lage ist ordentlich zu verlieren, dann verdient man es auch nicht LdM zu werden.

Deutschland Sucht Den Superstar

Ja, lang, lang ist’s her. Aber die Durststrecke ist endlich vorbei, die dritte Staffel Deutschland sucht den Superstar steht uns endlich ins Haus. Eigentlich will zwar keiner mehr mitmachen, aber Bohlen braucht scheinbar, der letzte Penisbruch liegt ja nun doch ein paar Tage zurück, mal wieder ein bisschen Selbstpromotion. Und Deutschland braucht mehr musikalische Talente aus Castingshows, die ähnlich erfolgreich den Markt aufmischen wie Elli oder die Preluders. Von filmischen Genies wie Daniel dem Zauberer oder modernen Adornos wie Alexander Klaws ganz zu schweigen. Zu dessen Biographie müssen wir einfach aus einer Kritik bei Amazon.de zitieren: “Desweiteren verabeitet er [...] wenn auch nicht so offensitlich (sic!), aktuelle WEltpolitsche (sic!) Themen wie den Irak konflikt (sic!) und den 11. September. Dies alles ist in einer sehr kindlichen und naiven Sprache verfasst damit es auch für jüngere oder geistig nicht so weitentwickelte Leser/innen interessant bleibt.” Ja, dufte Sache, das. Trotzdem: Nur mit Eulen nach Athen tragen wird man nicht LdM.

WASG/Die Linkspartei (PDS)

Nachdem es Gregor Gisys Gehirn in der ZEITUNG (nicht zu verwechseln mit Gregor Samsas Apfel im Rücken) letzten Monat nicht schaffte LdM zu werden, schrammt dieses Mal die Parteienkoalition die er und Oskar Lafontaine uns geschenkt haben, knapp an der Agitpop-Fünf-Prozent-Hürde vorbei. Dabei hat man uns beim spaceshuttlegleichen Aufstieg zur drittstärksten Kraft in Deutschland viel Spaß, Spannung und Grund zum Lästern gegeben. Und wenn wir in der Redaktionskonferenz ehrlich sind, eigentlich hätte es auch zum Platz an der Sonne gereicht, aber die “seelenloser Stahlbolzen”-Referenz gab den Ausschlag für die NASA. Schade, Linkspartei, aber ihr dürft euch zu Recht beschweren: Um den LdM haben wir euch betrogen. Falls ihr möchtet dürft ihr “LdM der Herzen” auf eure Wahlplakate drucken.

FOX News

Hat sich mit der Berichterstattung zu den Bombenattentaten in Lodon schon ein eigenes Post verdient, hat aber offenbar die Idiotiemesslatte nochmal ein bisschen höher gelegt, als man dort mutmaßte, dass der Brasilianer den die englische Polizei irrtümlicherweise für einen Terroristen hielt und erschossen hat, ein Al-Quaida-Lockvogel gewesen sein könnte, der sogar erschossen werden wollte, damit die Alliierten im Krieg gegen den Terror™ schlecht aussehen. Glückwunsch, aber ihr habt euch schon eine ausführliche Verbalwatschn abgeholt. Darum reicht’s nicht zum LdM.

Viva PLUS

Benutzt das 1984-Konzept des progressiven Wandels: Gestartet als VIVA 2, der Musiksender für Menschen die alt waren als Elvis noch jung war. Dann zu einer Alternativschiene umgebaut worden, die uns tolle Sendungen wie 2Rock, Twelve, Kamikaze und Zwobot gebracht hat. Dann mit einem PLUS versehen und zu einem Sender gemacht worden, der Musik spielt wie jeder andere, aber nebenbei Menschen die am Tourette-Syndrom leiden eine Handycam gibt und sie in die globale Diaspora schickt. Diese Leute dann gefeuert und angefangen Jugendlichen dafür das Geld aus der Tasche zu ziehen, dass sie für die Clips stimmen (pardon, voten), die man ohnehin spielen würde. Soviel Kaltschnäuzigkeit hat uns schon Respekt abverlangt. Inzwischen so ziemlich alle Sendungen eingestellt, die noch eine Redaktion brauchen. Nur noch 15 Quotenmenschen arbeiten bei dem Sender der jetzt zu einem Telephonquizsender à la 9Live umgebaut werden soll. Ein kleiner Schritt für euch Euch, aber ein großer Sprung für die Fernsehlandschaft. Trotzdem, für das bloße Kopieren von 9Live gibt’s keinen LdM.

Peter Hartz

VW-Manager, Erfinder des nach ihm benannten Reformprogramms und Mensch mit dem tollsten Portrait in der Wikipedia überhaupt. Nach kleinen Unregelmäßigkeiten bei Volkswagen nicht arbeitslos gemeldet, sondern in Rente gegangen und damit der ZEITUNG die Chance genommen eine Schlagzeile wie “Hartz IV für Hartz I… Kann er Nutten, Champagner und Sexreisen absetzen?” Okay, die ZEITUNG hätte eine schmissigere Schlagzeile gehabt, aber darum ist das hier nur ein popeliges Blog und nicht Deutschlands meistgelesene Tageszeitung. Anyway, wer der ZEITUNG nicht mal so weit entgegenkommt, der wird auch nicht LdM.

Liebling des Monats – Juni 2005

Thursday, June 30th, 2005

Schon wieder ein ganzer Monat vergangen seitdem das westphälische Wahlvolk sich für Jürgen Rüttgers als zukünftigen König ausgesprochen hat und Ping-Ping-Gerd ist immer noch Kanzler. Nun, das kann uns jetzt egal sein, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und kann gehen. Wir hier bei Agitpop haben einfach nicht die Aufmerksamkeitsspanne die nötig wäre um so einen Wahlkampf bis zum bitteren Ende mitzuverfolgen und darum suchen wir uns einen neuen Lebensabschnittspartner, der diesen Monat unser verehrter und vergötterter “Liebling des Monats” (LdM) werden soll. Wen wird unser Zufallsgenerator unser überparteiliches Wahlkommittee für diese prestigeträchtige Position ausgewählt haben? Die Antwort ist:

Tom Cruise

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Jawohl, mit einem Millionen-Dollar-Mega-Wird-Hollywood-
Retten-Blockbuster in der Tasche hat er es geschafft dem medialen Vergessen nicht anheim zu fallen. To the contrary: Mr. Cruise hat es erreicht die kollektive Medienlandschaft mit einem Flächenbombardement an Omnipräsenz zu überziehen, das dafür gesorgt hat, dass viele Deutsche im Juni öfter Tom Cruise als ihre Kinder und/oder Ehepartner zu Gesicht bekamen. Und nicht nur, dass Tommy-Gun uns den Glauben an die wahre Liebe zurückgegeben hat, dass er uns bewiesen hat, dass man sich mit seiner Ex-Frau weiterhin verstehen kann, dass man ein großer Hollywoodheld und trotzdem ein demütiger Action-Star seines eigenen Lebens sein kann, dass er uns den Weg aus der Drogensucht gezeigt hat (unser Hausdealer hat als einziges permanentes Mitglied des Agitpop-Internetsicherheitsrates gegen die Wahl von Tom Cruise zum LdM gestimmt)… nein, Tom Cruise hat im Alleingang – und nur bewaffnet mit seinem blendenden Aussehen, seinem jungehaften Lächeln und seinem überragenden Charisma – die Welt der Psychologie revolutioniert. Wir sind froh, dass wir endlich unseren Helden Tom Cruise zum Liebling des Monats wählen, ihm eine Statue vor unserem Hauptquartier errichten und dieser nun täglich Opfergaben darbringen können. Ja, das war der eigentliche Grund warum dieses Weblog gestartet wurde… um endlich sagen zu können: Danke, Tom Cruise. Danke.

… … halt, moment! Das stimmt nicht: Was ich eigentlich sagen wollte war: Fuck you, Tom Cruise! Fuck you! Und das musste schon seit 1997 raus, als Mr. Cruise am kreativen Prozess zu Mission: Impossible beteiligt war. Ich bin ein riesiger Fan der Fernsehserie Kobra, übernehmen Sie und ich nehme es Tom Cruise nicht übel, dass er ein Stück meiner Kindheit aus dem wohlverdienten Grab gerissen hat. Was ich ihm übel nehme ist dass er den Kadaver mehrfach vergewaltigt, ausgeweidet und dann in die offene Leiche geschissen hat. Einen großen, dampfenden Haufen! Man verzeihe mir mein französisch. Aber mal im Ernst: Jim Phelps, jahrzehntelang einziger Garant für Frieden und Freiheit vor dem fiesen internationalen Kommunismus ist ein feiger Verräter, ein Kameradenschwein und Freundesmörder? Am Arsch, du megalomaner Giftzwerg, am Arsch! Hey, wo du schon meine Kindheitshelden tot haust: Es gibt immer noch keinen A-Team-Film und ich würde liebend gerne sehen wie Hannibal Smith sein Team an Colonel Decker ausliefert, B.A. mit schlechter Milch vergiftet und Murdock in einer Elektroschocktherapie zu Tode gebrutzelt wird. Das wäre doch sicher spaßig. Oh, und wo wir schon dabei sind: Komm doch gleich vorbei und reiß mir mein verdammtes Herz raus und spuck mir ins Gesicht…. ja, verdammt: Fuck you, Cruise! Fuck you with a fuckin crowbar!

[Die Mitarbeiter der geschlossenen Abteilung des Arkham Asylums möchten sich für das vorangegangene Traktat entschuldigen. Der Patient wird zukünftig nicht mehr ans Keyboard gelassen bevor er nicht seine Tagesdosis Prozac geschluckt hat. Der offensichtlich unter wahnsinniger Paranoia bzgl. Mr. Cruise leidende Patient wird für den Rest dieses Textes von einem der 1000 Affen an 1000 Schreibmaschinen ersetzt.]

Da der “Liebling des Monats” die größte Auszeichnung ist, die man in der freien Welt erhalten kann (weit vor einem Nobel- oder Pulitzerpreis, höchstens noch geschlagen von der Auszeichnung “König von Mallorca” die derjenige erhält, der Jürgen Drews im Wettmelken seiner Ehefrau schlagen kann), soll es hier darum gehen die Verdienste von Mr. Cruise zu preisen und nicht Björn ein Forum für seine selbstdarstellerischen Frustrationen zu geben. Und es gibt viel, wofür man Rain Mans Bruder im letzten Monat preisen muss. Oder man macht es wie die ZEITUNG und preist einfach gleich diesen großen kleinen Mann als Gesamtwerk:

Tom ist kein Gott. Er ist verdammt menschlich. Er ist der Action-Star seines eigenen Lebens – live: “Es gibt so viel Leid! Ich muß helfen. Wenn ich am Ende des Tages meine Kinder sehe, will ich etwas Gutes getan haben…

Ja, zur Apotheose hat es leider noch nicht ganz gereicht, aber als “Action-Star seines eigenen Lebens” (noch dazu “live”, was nach dem kopfschmerzenerregenden Slogan der hessischen Jugendherbergen klingt: “Das Leben live erleben!”) ist das ja auch schon was. Und wie wir im Satz vorher erfahren: “Seine Körpersprache atmet Demut“, wie andere Menschen Luft atmen. Denn Tom ist der legitime Erbe des großen Kommunikators Ronald Reagan. Im Alleingang führt er hier im “Narconon”-Center den Kampf gegen die Drogen mit einer Verbissenheit, dass man fürchtet, dass er im nächsten Moment im Alleingang in Kolumbien einmarschieren wird. Aber die Pantienten danken es, ihm denn “Diese Augen lächeln, wenn sie Tom Cruise sehen.” Und bei Phrasen wie “Seine Körpersprache atmet Demut” und “Diese Augen lächeln” ahnen Sie es bereits, auch die ZEITUNG wird von 1000 Affen an 1000 Schreibmaschinen geschrieben.

Das Narconon-Programm hat es Tom Cruise angetan. Was für einen Sinn hat es, ein großer kleinwüchsiger Hollywood-Star zu sein – gar ein Action-Star seines eigenen Lebens – wenn man nicht in der Lage ist, anderen zu helfen den wahren Weg zu sehen. Und wie Tom Cruise dem SPIEGEL an anderer Stelle mitteilte: Das Narconon-Programm ist das einzige Drogenentzugsprogramm der Welt das wirklich funktioniert. Und er persönlich (!) hat Hunderten durch ihren Entzug geholfen. Gerade darum ist es ihm so wichtig. Denn das Narconon-Programm hat schwer zu kämpfen. Nur weil die bösartige liberal-katholisch-freimaurerische Weltverschwörung da draußen es auf Scientology abgesehen hat, muss ein gutes und solides Drogenprogramm dran glauben.

Aber – und auch das zeichnet einen echten Helden aus – davon lässt sich Tom Cruise nicht entmutigen: Denn während der Rest der Welt unfairerweise Narconon als gefährlichen Humbug geißelt, konzentriert sich Mr. Tom auf den wahren Feind den die schweigende Mehrheit der Verschwörung deckt. Die Psychatrie. In der Today Show mit Matt Lauer erklärte er Ritalin den Kampf. Einer gefährlichen “Straßendroge”, wie er sagte. Denn seien wir ehrlich, wieviele Ritalintote müssen noch in deutschen Bahnhofstoiletten gefunden werden ehe wir das Problem begreifen. Das Problem ist, wie der Action-Star seines eigenen Lebens zu Tom Lauer sagte: “You don’t know the history of psychatry. I do.

Das Problem mit diesen Drogen ist, dass sie “mind-altering” sind und dazu führen werden, dass wir alle in Huxleys “brave new world” enden. Dass dieser Fernsehschmierfink, ohnehin sicher Mitglied der liberalen Medienlandschaft, Tom erzählt, dass er Menschen kenne, denen Psychopharmaka geholfen haben, davon lässt sich Tom Cruise nicht stoppen. Stattdessen enttarnt er Lauer als das was er ist: Eine Werbemarionette und ein Apologet für die Gehirnwäschepsychologie. Ja, und weil Tom Cruise sich so gegen die “schöne neue Welt” einsetzt und nicht will, dass Drogen unseren “Verstand verändern” möchte er auch dass “mehr Menschen Scientology verstehen”. Wer sonst soll Menschen vor Gehirnwäsche schützen wenn nicht L. Ron Hubbards Kuschelreligion? Wie er am Anfang des Interviews sagte: “[Psychatry] is a pseudo science.” Als Mitglied einer Pseudo-Religion ist Mr. Cruise schließlich Fachmann für sowas.

Außerdem erklärte er in diesem Interview das Geheimnis seines Erfolgs: “I don’t talk about things that I don’t understand.” Und das stellte Mr. Cruise Missile auch gleich mal in einem Interview mit Entertainment Weekly unter Beweis, wo er weiterhin seinen einsamen Kampf gegen die Psychatrie führte:

EW: Yeah, but Scientology textbooks sometimes refer to psychiatry as a ”Nazi science”…

CRUISE: Well, look at the history. Jung was an editor for the Nazi papers during World War II. [According to Aryeh Maidenbaum, the director of the New York Center for Jungian Studies, this is not true.] Look at the experimentation the Nazis did with electric shock and drugging. Look at the drug methadone. That was originally called Adolophine. It was named after Adolf Hitler… [According to the Dictionary of Drugs and Medications, among other sources, this is an urban legend.]

Entertainment Weekly, nicht gerade bekannt als Keimzelle des investigativen Journalismus, fühlt sich berufen schwachsinnige unliebsame Aussagen von Tommy-Boy noch im Interview zu korrigieren zu diskreditieren. Aber seien wir ehrlich: Das ist nur ein weiterer Versuch der Hasspresse Tom Cruise schlecht zu machen. Denn mal im Ernst, wem würden Sie eher glauben: Einem charismatischen Filmstar ohne Schulabschluss oder einer Organisation, die sich schon “Center for Jungian Studies” nennt und einem “Dictionary of Drugs and Medications”, wo schon der Titel besagt, dass man für Drogen und Medikamente ist? Und warum sollte man Tom Cruise nicht vertrauen können? Er hat doch selbst gesagt, dass er nicht über Dinge redet von denen er nichts versteht und dass er die Geschichte der Psychatrie studiert hat. Außerdem baut Cruise hier gleich zwei Nazi-Vergleiche ein, bekanntlich die Königsdisziplin jeder Argumentation. Und kein ehrbare Scientologe würde einen Nazi-Vergleich benutzen, wenn es nicht zwingend nötig wäre. Das wissen wir alle seit diesem offenen Brief aus dem Jahre 1997 der – zu Recht – kritisiert, dass die Scientologen in Deutschland verfolgt werden, wie die Juden in den 1930ern. Oder wann haben Sie das letzte mal in einem scientologischen Geschäft eingekauft? Eben!

Prof. Dr. Cruise, wie wir ihn von jetzt ab respektvoll nennen werden, hat in diesem Interview auf jeden Fall einen wichtigen Punkt unterstrichen: Warum sollte man einem ausgebildeten Psychiater, der allen ernstes glaubt, dass Kinder in ihren eigenen Fäkalien spielen sollten (bei uns Affen ist das was ganz anderes) und dass Träume über Zahnverluste Potenzängste ausdrücken (eindeutig Bullshit), hunderte Euro für eine Therapie zahlen, wenn man mehrere hunderttausend Dollar an einen Kerl zahlen kann, der daran glaubt, dass der intergalaktische Despot Xenu vor 76 Millionen Jahren Milliarden Aliens in den Vulkanen von Teegeeack (der Erde) getötet hat, deren Seelen (Thetanen) noch heute die Menschheit davon abhalten, ihr göttliches Potential zu erreichen (wissenschaftlich erwiesener Fakt)? Genau, wir sehen auch keinen Grund dazu…

Was uns besonders freut, ist dass Dr. Cruise uns nicht nur mit seinem Kreuzzug gegen die Nazipsychologie auf die Eier ging belehrte, sondern uns auch noch den Glauben an die wahre Liebe zurück gab: Denn wenn ein alternder Action-Star seines eigenen Lebens und eine junge Hollywood-Dirne… äh… Diva sich medienwirksam unter dem Eiffelturm verloben, zu einem Zeitpunkt an dem neue Filme von beiden Turteltauben in die Kinos kommen, dann muss das wahre Liebe sein. Aaaah, schön. Und wenn man dann noch bedenkt, dass diese Verlobung unter dem Eiffelturm stattfand, obwohl der mal den Nazis gehört hat, dann zeigt dass wie tolerant man als Scientologe sein kann. Und sogar seine Ex-Frau läd er zur Hochzeit ein. Schön. Und so romantisch: Wenn man sich das Video anschaut, das zeigt wie Prof. Dr. Cruise seine Liebe zu Katie Holmes bei Oprah gesteht und dabei rumhüpft wie ein tollwütiger Schimpanse der sich in einen brennenden Terminhaufen gesetzt hat (mein Cousin Ed hat das auf der letzten Weihnachtsfeier gemacht, nachdem er die halbe Schüssel Bowle alleine gesoffen hat), dann fallen einem dazu nur zwei Dinge ein: Entweder das ist wahre Liebe und Tom fühlt sich zwanzig Jahre jünger… oder der gute Mann sollte seine Einstellung zu Ritalin doch nochmal überdenken.

Und weil Dr. Cruise mit seiner revolutionären Reevaluation der Psychologie und Psychiatrie und seiner schüchternen Kindergartenliebschaft zu Katie Holmes vielleicht nur 22,5 und nicht 24 Stunden am Tag von deutschen Fernsehschirmen und Zeitschriftenständern grinsen würde, ist da ja auch noch sein neuer Blockbuster Krieg der Welten, in dem die Erde von fiesen Aliens angegriffen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte nicht bestätigt werden ob sich Xenu unter ihnen befindet oder nicht. Dafür ist bestätigt, dass sich am Drehset ein Scientology-Informationszelt befand, das E-Meter-Test für den Fall anbot, dass ein Schauspieler das Gefühl hatte, dass seine grottenschlechte Leistung an den Körper-Thetanen in seinen Mundwikel gelegen hat. Okay, das ist jetzt eine Vermutung von mir. Aber das Zelt war auf jeden Fall da.

Und offenbar hat sich der Vertrieb gleich mal mit den Scientologen abgesprochen und das ultimative Scientology-Erfolgsgeheimnis in Anspruch genommen: Wenn sie über dich schreiben, verklag sie! Immerhin ist Scientology die einzige Religion, die ihre religiösen Schlüsseltexte mit einem Copyright geschützt hat, so dass sie im Zweifelsfalle Seiten schließen können, die darüber schreiben… oder sie aus dem Wayback-Archive und Google löschen lassen können (und tschüß, lustige Suchbegriffe). Und, echt gezz , eine so großartige Geschichte wie die rund um Xenu, Teegeeack, die Thetanen und DC-8s im Weltraum… da muss man schon aufpassen, dass die nicht von fremden Ideendieben beschmutzt wird. Am Ende macht noch jemand einen Film daraus, der der Geschichte nicht gerecht wird. Will sagen: Der Film könnte irgendwas taugen oder halbwegs glaubwürdig sein. Nein, da setzt man lieber auf Menschen, die sicherstellen, dass die Qualität des Originals erhalten bleibt. Das hat auch schon bei Battlefield Earth funktioniert.

Eine verschlagene Taktik, das mit dem Copyright, denn seien wir ehrlich: Hätten die Juden ihre Torah rechtzeitig mit einem Copyright belegt, dass Christentum in seiner heutigen Form hätte es vor Gericht schwer. “Herr Richter, es ist eindeutig, dass der Gott, den Jesus Christus als seinen Vater benennt, der Gott des Alten Testaments ist, einem Text der zu einem Großteil 1:1 aus unserer Torah übernommen wurde, ohne dass wir Lizenzgebühren dafür gesehen haben… damit ist das Neue Testament eindeutig eine illegaler Bruch unseres Copyrights, da er als Fortsetzung einer Geschichte fungiert, deren Rechte bei meinem Mandanten, Herrn Moses, liegen und nicht bei den Angeklagten.”

Anyway, in einem geschickten legalen Schachzug legte der Verleih fest, dass Krieg der Welten vor dem offiziellen Starttermin nicht rezensiert werden durfte. Wer es doch tat, wie etwa der der Filmdienst, riskierte ernste Vertragsstrafen. Ja, so ist er, der gute Tom… tatsächlich ein Action-Star seines eigenen Lebens (live). Da wo der Durchschnittsdeutsche schon Probleme hat sich in der Halbzeit von Deutschland – Tunesien aufzuraffen um ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen, da ist Dr. Cruise in der Lage zeitgleich öffentlich die schönste Romanze seit dem Hitler-Stalin-Pakt zu zelebrieren (halt! Das war ein Nazi-Vergleich! Sowas machen wir hier nicht…)… die schönste Romanze seit Dieter Bohlen und Verona Feldbusch zu zelebrieren, für die ehrlichste und freundlichste Religion der Welt zu missionieren, nebenbei noch persönlich hunderten Drogensüchtigen zu helfen von ihrer Sucht runterzukommen, die Pseudowissenschaft der Psychatrie als den Nazischweinkram zu enttarnen, der sie wirklich ist und außerdem noch an einem Film mitzuwirken, der die Pressefreiheit in Deutschland fördert… und all das während er “passionate about life,” ist, das ist schon wirklich großartig. Da können wir doch gar nicht anders als Prof. Dr. Cruise zu unserem LdM zu machen.

Und nachdem er damit jetzt die zweitprestigeträchtigste Auszeichnung der Welt erhalten hat (immerhin sind alle Mitglieder des Vergabekommittees mindestens OT – XV und damit so “clear” wie es nur geht) würden wir sagen, hol die Thetanen aus den Silikonbusen von Jürgen Drews Ehefrau und dir so den Titel als “König von Mallorca” und dann, wenn du das alles geschafft hast, setz dich zur Ruhe und verschwinde in der Versenkung. Denn besser wird es nicht mehr. Aber für deine unehrmüdliche Arbeit und deine großartigen Leistungen sei dir hiermit von der ganzen Agitpop GmBH & Ko KG gesagt: Herzlichen Glückwunsch, Tom.

Herzlichen Glückwunsch und ALL HAIL XENU!

Losers’ Corner: Wir müssen draußen bleiben

Gysis Gehirn: In jedem großen Mann steckt auch ein großes Gehirn. Und während sich der langweilige Rest der Presselandschaft darum sorgte, welche Funktion Gregor Samsa gegenüber Herrn Lafontaine einnehmen würde (Chauffeur, professioneller Speichellecker, parteiinterner Dagegenseier), wusste die ZEITUNG was wirklich zählt: Gysis graue Zellen. Und die schwarzen Flecken. Worauf hin sich relevante Fragen ergaben wie: Ist Gysis gesund genug um zu kandidieren? Hat sein Leib- und Magenarzt die CAT-Scans gegen Gysis Willen herausgegeben? Ist das überhaupt Gysis Gehirn, das wir da sehen? Und falls ja: Wird Gysis Gehirn bei der Bundestagwahl gegen seinen Körper für die CSU antreten? Fragen über Fragen, die uns tierisch bewegt haben. Leider ist diese Stadt nicht groß genug für zwei Politikerhirne und wenn es darauf ankommt, dann bewegt uns Hitlers Schädelfüllung im Glas doch noch mehr als Gysis Gehirngrütze. Der Brainiape ist dann halt doch toller als eine ZEITUNGs-Schlagzeile. Gehirn, aber keine Nazigröße? Dann auch kein LdM.

Der Grand Prix von Indianapolis: Na also, Michael Schumacher kann doch noch gewinnen. Alles was es dazu braucht ist ein Starterfeld von weniger als sieben Autos. Und endlich waren die Zuschauer mal in den Rennprozess eigebunden: Schafft es jemand, einem der Piloten eine Wasserflasche an den Helm zu donnern und ihn so in die Wand krachen zu lassen? Die Antwort ist: Nein. Für Spaß und gute Laune war trotzdem gesorgt, spätestens als Ralf “Porno-Ralle” Schumacher via Telephon anfing die RTL-Kommentatoren und Ferrari-Apologeten live und in Farbe als inkompetente Deppen rund zu machen. Unvergessen auch der Moment des Jordaniers (oder wie auch immer man die Jordan-Piloten nennt), der sich freute dass er endlich mal auf dem Treppchen landete, seine Champagnerflasche ordentlich schüttelte, bereit war alle anderen einzusauen… und dann feststellen musste, dass der Rest der “Gewinner” sich wegen der ziemlich unschönen Buh-Rufe schon wieder vom Podium verabschiedet hatte und er nun alleine da stand. Trotzdem: Ein Formel 1-Rennen, bei dem niemand ausscheidet? Nachdem Michael Schumacher und Rubens Barichello uns mit ihrem Beinahecrash den Mund so wässrig gemacht haben? Das ist doch tierisch langweilig. Und darum auch nicht LdM.

Bill Gates: Von Microsoft ist man Service und Qualität gewohnt, egal ob es nun leicht zu bedienende, qualitativ hochwertige und stabil laufende Software ist oder ein fairer und anerkennender Umgang mit der Konkurrenz und den Kritikern. Aber jetzt müssen wir Microsoft wirklich Respekt zollen, denn wie kein anderer setzt sich die sympathische, kleine Kompanie dafür ein, dass sich China zu einem modernen und weltoffenen Staat entwickelt, in dem es keine Tabus gibt. Und da kann man es einfach nicht zulassen, dass dieses zarte Pflänzchen Hoffnung von irgendwelchen Anarchisten und Terroristen zerstört wird, die in ihrem Blog mit Hassparolen wie “Demokratie”, “Menschenrechte” oder “Tibet” um sich werfen. Damit ist wieder mal bewiesen: Moral und Ethik stehen für Microsoft an erster Stelle… gleich nach Geld machen, die Kunden ausspionieren, kleine Welpen anzünden, Satan lobpreisen und allem anderen. Aber nach allem anderen kommen sofort Moral und Ethik. Wenn wir Nazi-Vergleiche machen würden, dann würden wir dieses Bild hier verlinken. Da wir so was aber nicht machen, wissen wir nicht, wie wir damit umgehen sollen. Auf keinen Fall indem wir Bill Gates zum LdM machen. Nächster.

Michael Jackson: Swan, swan, hummingbird. Hooray we’re all free now. Hat es geschafft in so ziemlich jedem Anklagepunkt freigesprochen zu werden, was uns unglaublich bewegt hat. Wirklich. Immerhin haben wir jeden Tag vor Jacko – Der Prozess gehangen, uns die Debatte um den Jesussaft angehört und die Frisur des Chefanklägers bewundert. Es ist schön, dass ein so klares Urteil gefällt wurde. Denn wenn man den Geschworenen in einem Staat, in dem O.J. Simpson zeitgleich sowohl schuldig als auch unschuldig sein kann und in dem Mr. “Phantom Kommando” zum Gouverneur gewählt wurde, nicht trauen kann, wem kann man denn dann noch trauen? Damit kann die Karriere des großen, alten Mannes des Pop ja jetzt wieder richtig durchstarten. Michael sieht immerhin ziemlich fit aus… halt, das war ja LaToya… das hier ist Michael. Kein unheimlicher Kinderschänder, sondern einfach nur unheimlich. Aber, durch den Freispruch wird Charles Manson weiterhin ziemlich alleine im H Hochsicherheitstrakt des Corcoran State Prison einsitzen. Dabei hatten sich schon hunderte TV-Kommentatoren und Late-Night-Talker auf die “Charlie & Jacko”-Witze gefreut. Wer diese Menschen so kläglich hängen lässt und sich so unsozial verhält, den machen wir garantiert nicht zum LdM.

Liebling des Monats – Mai 2005

Monday, May 30th, 2005

Ein Monat ist ins Land gezogen und somit wird es Zeit uns von unserem aktuellen “Liebling des Monats”, Herrn Uwe Warrior, zu verabschieden und uns einen neuen LdM zu suchen. Sie, oder Sie… oder vielleicht sogar Sie? Nein, doch nicht… dann doch lieber:

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westphalen

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Ja, Jessesmariaundjehosaphat. Wer rechnet denn mit so was? Da wird im Westen gewählt und im Osten gehen die Lichter aus. Obwohl Onkel Jürgen in den beiden Fernsehduellen nicht gerade solide wirkte und Punkte verloren hat, weil Peer Steinbrück als überheblicher Scheißkerl auftrat (“Na, da haben Sie ja ihren ganzen Zettelkasten mitgebracht.”) gelang es ihm schließlich die sozialdemokratische Bastion im Süden Westphalens abzuspalten und so das rote Kernland von Bochum bis Dortmund mit kompletter Schwärze zu umklammern, so dass die rot-rote Regierung in Berlin inzwischen überlegt eine Luftbrücke ins Ruhrgebiet zu errichten um die Wähler mit sozialdemokratischen Carepaketen zu versorgen und sie so bis zum Herbst am Leben zu erhalten. Aber seien wir ehrlich: Der steinbrück’sche Peerikles hatte nie wirklich eine Chance, gehört Rüttgers doch dem überlegenen katholischen Menschenbild an.

Doch es kann der Beste nicht in Frieden leben wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Und der böse Nachbar sitzt in Berlin. Ping-Pong Gerd reißt nach der Wahl der Geduldsfaden und er schmeißt hin… be zett weh, weil er ein Macher ist lässt er im Herbst vom Wähler hinschmeißen. So geht Basisdemokratie. Und mit dieser Nachricht hat er es natürlich auch geschafft, dass die versammelte Journaille Rüttgers allein in Düsseldorf stehen lässt, wo nun keiner mehr seine Siegesfeier bestaunen kann. Och Menno, nach 8 Jahren endlich erfolgreich und keiner nimmt’s wahr, weil gleich danach das bedeutsamere Spiel angepfiffen wird. Das ist ja so als wenn man den Damen-DFB-Pokal gewinnt und es keinen interessiert, weil gleich danach die Herren antreten.

Auf jeden Fall hat die NRWahl als Türöffner für die Neuwahlen im Herbst sofort ein Medienecho sonders gleichen ausgelöst: Politisches Straßentheater, das sonst bis Herbst 2006 hätte ausreichen sollen, muss man nun in kaum 4 Monaten verbraten und man legt sofort los: Kann der Kanzler einfach so Neuwahlen ansetzen? Spricht man ihm das Misstrauen aus? Oder werden die Quertreiber und Kanzlerfeinde diesen Plan unterminieren, indem sie dem Kanzler kollektiv das Vertrauen aussprechen? Auszuschließen ist das bei der SPD ja nie. Stellt Hotte Köhler dem Kanzler ein Ermächtigungsgesetz aus, damit dieser den Bundestag zerschlagen darf? Und was ist dem mnemonischen Joschka los? Zu fett für Neuwahlen? Die ZEITUNG bereitet sich schon darauf vor den Witz abzudrucken, dass der Turnschuhminister so fett ist, dass er seinen eigenen Wahlkreis erhält. Exklusivinterview mit Rainer Calmund zum Thema folgt. Angela Merkel freut sich derweil. Sogar so sehr, dass sie binnen einer Woche von der griesgrämigen, pottschnitttragenden Ostmagd zum strahlenden, hocherotischen Aushängeschild der Republik geworden ist. Playboyphotos kommen kurz vor dem Wahltag, hört man. Wird die Mehrwertsteuer erhöht? Wird die Eigenheimzulage gekippt? Guido hat inzwischen ernstere Probleme: Das Guido-Mobil ist noch bei den Jungs von “Pimp my Ride” und es ist unklar, ob es bis zum September so weit aufgepimpt werden kann, dass damit ein ordentlichen Wahlkampf möglich ist. Zudem ist man sich mit dem Koalitionspartner CDU eigentlich über gar nichts einig, außer dass Rot-Grün für Schwarz-Gelb nicht so gut ist.

Ping-Pong Gerd und seine Lakaien genießen inzwischen das Wissen, dass sie jetzt bis September einen Freifahrtschein haben. Mit Rainer Calmund: “Wenn wir schon nicht gewinnen, dann treten wir ihnen zumindest den Rasen kaputt.” Endlich kann sich schon mal präventiv über die CDU kaputt lachen und dem grünen Koalitionspartner mal all das an den Kopf werfen, was man schon immer loswerden wollte. (“Der Zecke geht es immer besser als dem Wirtstier.” – Michael Glos.) Eigentlich haben wir euch ja ohnehin nie gemocht. Ihr stinkenden Hippies. Immer Extrawürste haben wollen. Aus Tofu. Und dann dieser Schabernack mit der Windkraft, dem Dosenpfand, dem Ministerposten für Jürgen Trittin. Und mal im Ernst: Kann man tatsächlich als politische Partei gelten wenn man Claudia Roth als Aushängeschild hat? Also echt gezz, ich würde ja gerne sagen, dass die letzten sieben Jahre mit euch als Koalitionspartner Spaß gemacht ha’m, aber dann würd’ ich lügen müssen und sowatt macht der Kanzler nicht, nech? Also, macht euch ma vom Acker, geht zurück in eure Kommune und entlaust euch gegenseitich. Ach und Joschka, nimm ab. Sieht nicht gut aus. Echt gezz. Und während Kermit Bütikofer im Fernsehen versucht abzuwiegeln (“Der Kanzler sagt ihr seit Witzfiguren und ihr hättet seinen Stil ruiniert.” – “Ach, das ist doch vollkommen aus dem Kontext gerissen, das war eigentlich ein Lob.”), stimmt sogar Siegmar Gabriel in das fröhliche Grünenknüppeln ein. Immerhin sind die daran schuld, dass er seinen Spitzenjob als Bundespopbeauftragter verlieren wird und sich in Niedersachsen wieder mit Christian Focke-Wulf herumschlagen muss. Und das macht halt nicht soviel Spaß wie auf einer Stehparty mit dem Ch!pz rumzuhängen oder mit dem überzüchteten Kind das “Schni-Schna-Schnappi” singt im Ballgehege von MacDonalds rumzutollen. Besten Dank auch, Joschka. Vielleicht ist die Stelle als Bürgermeister in Berlin ja noch frei, das ist ja quasi so was wie Bundespopbeauftragter.

Angefressen ist natürlich auch der hessische Dagon, der sich eigentlich fest vorgenommen hatte 2008 das Reich der Finsternis zu errichten, vorher galt es halt nur noch “das Mädchen” aus dem Weg zu räumen. Durch diese Rechnung dürfte ihm der Kanzler nun effektiv einen Strich gemacht haben, was Dagon eindeutig gegen selben gehen wird. Auch wenn er bereits am Montag den Kniefall vor Angela machte und bat: “Lasst mich der Darth Vader zu eurem Darth Sideous sein.” Und wie Dagon, Seehofer und Stoiber heute uniso betonten: Für das Finalziel ist es sogar egal, dass die Olle eigentlich heidinischen protestantischen Glaubens ist. Ist doch schön. So geht multikulturelle Gesellschaft anno 2005.

Und als wäre all das noch nicht genug: Auch ein anderer, alter Bekannter nutzt die Anarchie die Ping-Pong Gerd am Sonntag ausrief (wir alle wissen ja aus “Civilization” dass das mit dem Regimewechsel immer ein wenig dauert) um sein Comeback bekannt zu geben. Herr Oskar “Laffo” Lafontaine. Angetrieben von Müntes Rückkehr zur leninistisch-stalinistischen Parteilinie (Feriengulags für aufmüpfige Landtagsmitglieder in Schleswig-Holstein) fühlt sich der Saar-Napoleon berufen der Welt Frieden, Wohlstand und soziale Gleichheit zu bringen. Zur Seite stehen soll ihm dabei Gregor Gysi. Was nichts anderes bedeutet, als dass hier eine Partei entsteht, die sich aufmacht der FDP weiterhin wertvolle Stimmen zu mopsen, denn Deutschland ist eindeutig zu klein für zwei erfolgreiche Spaßparteien. Unser politisches Kompetenzteam sieht daher die einzige Chance der FDP den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zu packen darin, einen alten Topstar zu reaktivieren (siehe unten).

Ja, all das wegen der Wahlen in NRW. Gabriel gegen die Grünen. Bundespräsident gegen Verfassungsordnung. Vertrauen gegen Kanzler. Katholiken für Merkel. Laffo für Gisy. Mit Gastauftritten von Dagon, Ede und Westerwelle. Schockwellen gehen durch die Republik. Die nrwierenden Wahlen in Nordrhein-Westphalen galten immer als die spaßigsten und spannendsten in der Republik. Eine Position die ihnen Anfang des Jahres von den Schweinen in Schleswig-Holstein strittig gemacht wurde, als man sich dort dazu entschloss einfach eine Seifenoper rund um die hauptberufliche Hutträgerin und Hobbypolitikerin Heide Simonis zu veranstalten. Doch der erfahrene Hase NRW schlug zurück, stürzte mit dem Wahlausgang gleich mal die gesamte Republik in eine tiefe Sinnkrise und konnte in der Folgewoche jeden A-, B- und C-Profi der Republik als Gaststar verbuchen. Und da sind die spaßigen Vorwochen, in denen die SPD-Parteizentrale die Räterepublik ausrief und sieben biblische Plagen prognostizierte (blutige Gewässer, Maul-und-Klauen-Viehpest, saurer Froschregen, Investorenheuschrecken, Finsternis im Bundesrat, Tod aller Erstgeborenen, Hartz IV), noch nicht eingerechnet.

Wenn man es so souverän schafft mit einer popeligen Landtagswahl das ganze Land in seinen Grundfesten zu erschüttern und noch mindestens vier Monate lang zynisch-politische Nachbeben zu verursachen, dann ist uns das schon einen Liebling des Monats wert. Außerdem wollten wir erwähnen, dass uns Rüttgers auf dem Photo irgendwie an ihn hier erinnert hat:

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Glückwunsch, Wahl in Nordrhein-Westphalen.

Losers’ Corner: Die es nicht schafften

George Lucas: Kongratulation. Nach dem kindischen “The Phantom Menace” und dem grottenschlechten “Attack of the Clones” hat es der große, alte Mann des Autorenfilms geschafft mit “Revenge of the Sith” einen Film hinzulegen, den die Kritiker einhellig als… “naja, gar nicht so schlecht wie wir befürchtet haben” einstufen. Und das Volk jauchzte. Trotzdem, zwei Filme lang die Messlatte so weit nach unten zu legen, dass selbst Tom Cruise ohne Trittleiter drübersteigen könnte und das dann als Erfolg feiern zu lassen ist nichts, was wir bei Agitpop gut heißen können. Darum kein LdM.

Zombie-Möllemann: Was hat der Mann nicht alles einstecken müssen. Schmiergeld und… was? Ach so, das andere einstecken. Genau. Einkaufswagenaffäre? Kann passieren. Antisemitismusvorwürfe? Und wenn schon. Schuld am schlechten Wahlergebnis der FDP 2002? Pöh. Nichts und niemand hat Mölli stoppen können und so waren wir uns ziemlich sicher, dass auch der Fallschirmspringerunfall den Schnurrbart des Schreckens nicht davon abhalten würde 2004 bei der Landtagswahl wieder dabei zu sein. Immerhin arbeitet Michel Friedman auch an einem Comeback. Und kann Dr. Octopus ohne Spider-Man oder der schwarze ohne den weißen Spion auskommen? Aber… der Wahltag kam und Mölli war nicht da. Mit dem Resultat, dass die FDP gleich über 2 Prozent an Stimmen einbüßen musste. Wer unsere Hoffnungen so enttäuscht, der wird auch nicht LdM. Aber schon im Herbst gibt’s ja die nächste Comebackchance. Kämpfen, Jürgen, kämpfen…

Das Champions-League-Finale: Spannung. Dramatik. Richtig guter Fußball. Sechs Tore in der regulären Spielzeit. Ein egalisierter 3:0-Rückstand (der dafür gesorgt hat, dass die ’99er-Bayern nicht mehr unangefochten sind im Kampf um die schmerzhafteste CL-Niederlage aller Zeiten). Ein Torhüter dessen Zappelphilippsyndrom Epileptikern in der ganzen Welt neue Hoffnung auf sportlichen Ruhm gibt. Das nennt ihr ein Finale? DFB-Pokalfinale Bayern – Schalke: So hat ein Finale auszusehen. Unansehnlicher Rumpelfußball. Keine 30 Sekunden ohne grobes Foul. Ein Schieds- und zwei Linienrichter die alles Mögliche gepfiffen haben, nur nicht das gerade laufende Spiel. Und dazu soviel Gift und Galle, dass man die stadioninternen Wasserwerfer einsetzen musste um zu verhindern, dass da eine Massenschlacht zwischen den autonomen Blöcken beider Teams entsteht. Weil das CL-Finale die gute Finaltradition so mit Füßen trat: Kein LdM.

Gracia Baur: Schrammte tatswahrhaftig haarscharf am LdM vorbei. Generell guter Ansatz: Mit Pseudoskandälchen die Doppelmoral der deutschen Plattenindustrie präsentieren, zeigen wie echte Profis argumentieren (“Jeanette hat auch ihre eigenen Platten gekauft. Och, menno.”) und dann in die Ukraine fahren und mit einem grandiosen letzten Platz demonstrieren wie viel Castingshows die Dieter Bohlen vertrauen wirklich wert sind. Das ist eine hochintelligente Torpedierung der Musikindustrie und des Castingshowwahns von innen heraus. Medienguerilla vom Feinsten. Finden wir eigentlich gut. Aber vier Punkte? Stone & Stone sind 1996 mit dem Malteser Ehrenpünktchen heimgekommen. Bestmarke nicht unterboten, darum reicht’s auch nicht zum LdM.

Europa: Auf den letzten Drücker ins Auswahlverfahren gelangt. Hat über Jahrtausende hinweg der Welt Zivilisation und Kriege der Spitzenklasse gebracht, bis es in beiden Sportarten von den amerikanischen und asiatischen Mannschaften überflügelt wurde. Hat sich dann in aufgeblähter Politik versucht, was aber nicht im Ansatz so spannend und lustig ist wie Krieg machen. Wenn wir das richtig verstanden haben wurde Europa mit dem Votum in Frankreich gestern offiziell aufgelöst und muss sich nun der Schweiz anschließen. Kein LdM, da wir Vorurteile den Eidgenossen gegenüber haben.

The Ultimate Warrior

Saturday, April 30th, 2005

In respektvoller Erinnerung möchte ich hier eine Kategorie klauen, die mir lange Zeit eine der liebsten in der “Harald Schmidt Show” war. Den “Liebling des Monats”. Klar, als das nicht mehr via Filmeinspieler (Magnetbandaufzeichnung, wie wir im Szenejargon sagen) gemacht wurde und das Publikum entscheiden durfte, ging die Kategorie den Bach runter. Aber hier bei “Agitpop” leben wir Gott sei Dank in einer ordentlichen Diktatur, also wird das nicht passieren. Da ich allerdings auch keine unterbezahlten, kettenrauchenden, kaffeesüchtigen Gagschreiber habe, wird das auch nicht so lustig wie in der “HSS”. Naja, man kann nicht alles haben. Ende der Exordialtopik, auf zum ersten “Liebling des Monats”.

The Ultimate Warrior

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Es mag jetzt einige Leser geben, die gleich zur Verliererecke kommen und sagen: “Hey, einer dieser Verlierer wäre ein viel würdigerer ‘LdM’ als der blöde Ultimate Warrior!” Nun, denen kann ich nur antworten: Welchen Teil von “Diktatur” habt ihr nicht verstanden? Zudem sehen wir von der “Agitpop GmBH & KoKG” unser kleines, mittelständisches Familienunternehmen als popkulturellen Zulieferbetrieb. Und was könnte popkulturiger sein, als ein ausgebrannter Profiwrestler mit einem Messias-Komplex?

Ja, der Ultimate Warrior war einer der ganz großen in der Welt des “Sports Entertainment”, damals in den frühen Neunzigern. Dann wurde es still um diesen großen Knuddelbären, doch diesen Monat hat der Mann, dessen bürgerlicher Name Jim Hellwig war, bewiesen, dass man immer noch mit ihm rechnen muss und dass er heutzutage knuddelbäriger denn je zuvor ist. Sein erster Schritt zurück in das so verdiente Rampenlicht war ein Auftritt bei einer “Liberalismus gg. Konservativismus”-Podiumsdiskussion an der Universität von Conneticut. Nach seiner Feststellung “Queering don’t make the world work”, und dem Ratschlag an einen iranischen Diskutanten, er solle sich erstmal ein Handtuch holen (insert “Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” joke here) hatte der gute Mann beim Publikum verloren. Es kam zu Protesten, Zwischenrufen und kleineren Rempeleien zwischen Studenten und Sicherheitskräften. Die “College Republicans”, die für die Einladung zuständig waren, entschuldigten sich am nächsten Tag dafür, dass der Ultimate Warrior ihre Standards nicht erfüllen konnte.

Ja, es ist schwer zu Glauben, dass ein Neonschlüpfer tragender Steroidklumpen mit Clownsschminke im Gesicht und quietschbunten Freundschaftsbändchen am Bizeps die an ihn gestellten Standards nicht erfüllt. Eingeladen wurde der Ultimate Warrior übrigens, weil er seit Jahren auf seiner eigenen Homepage seine konservative Philosophie vertritt. Eine Philosophie die geprägt ist von dem Glauben an körperliche und geistige Stärke und die sich auf den Endkampf gegen Homosexuelle, Liberale und Ausländer vorbereitet. Und gegen homosexuelle Ausländer. Und liberale Homosexuelle. Und ausländische Homosexuelle die lieberal sind… und aus dem Ausland kommen. Whoooo! Auf der Seite lassen sich in langen, gerne auch inkoheränten, Essays solche Perlen finden wie: “The grass is more times than not never greener on the other side.

More times than not never… ja, klar.

Das Alles hat einen leicht kultischen Geruch, denn der Ultimate Warrior nimmt seine Mission ernst. Sehr ernst. So Ernst, dass er seinen Namen gerichtlich hat ändern lassen. Sein vollständiger Name ist jetzt – kein Scheiß – Warrior! Das heißt Mr. Warrior für dich, Punk. Aber seine Freunde dürfen ihn Ultimate nennen. Oder U.W. Ich denke, als Freund der Familie werde ich ihn auch Uwe nennen. Das Schlüsselelement in Uwe “The Ultimate Warrior” Warriors neokonservativen Masterplan für ein moralisches Amerika ist: Destrucity. Whoooo! Wenn ihr jetzt verzweifelt euer “Oxford Dictionary of Contemporary English” durchblättert und dieses Wort nachgucken wollt, spart euch die Mühe. Ihr werdet es da nicht finden. Denn Uwe Warriors Mission ist so bedeutungsvoll und seine Philosophie ist so tiefgreifend, dass alle Worte der englischen Sprache zusammengenommen nicht ausreichen um sie zu beschreiben. Darum muss Herr Warrior neue Worte erfinden, damit ihr kleingeistigen Menschen zumindest in etwa versteht, worum es Warrior bei Warriors Philosophie geht. Whoooo! Quasi L. Ron Hubbard mit missglücktem KISS-Makeup.

Ja, die Podiumsdiskussion war der erste Beweis, dass Herr Uwe Warrior nicht tot ist. Dabei wurde er totgeschrieben. Die Freundschaftbändchen um seinen Arm sollen ihm die Blutzufuhr abgeschnitten haben. Whooooo! Blödsinn. Die Blutzufuhr zum Gehirn vielleicht, aber das hat einen Wrestler noch nie aufgehalten. Und Uwe Warrior hat den College Republicans auch eine Antwort geschrieben. Wirklich lustig ist die Antwort übrigens, wenn man sich vorstellt wie Professor Warrior von der “Warrior University” (die er wirklich gegründet hat) in voller Montur (Neonslip, Freundschaftsbändchen, Zottelfrisur, Kindergartenschminke) diese Antwort in ein von “Mean”Gene Okerlund gehaltenes Mikrofon schreit, sich dabei auf der nackten Brust herumtrommelt und manchmal auf und ab springt wie ein wütendes Rumpelstilzchen. Ein Highlight:

A little advice — don’t try to out-diss or talk over a guy who’s skilled in doing pro-wrestling promos, especially after he grabs a mike to get the job done even better. And, look, if you expect a guy who’s swam the back-biting, shark-infested waters of pro-wrestling to cower and run for cover just because of some obnoxious personal slights, well, you are just wasting your time. My skin is thin and the meat of my body thick, and my self-confidence runs deep — real deep.

Ja, ihr weinerlichen Hippies! Versucht nicht einen Mann auszudiskutieren, der Pro-Wrestling-Promos gemacht hat. Denn wie will man jemanden ausdiskutieren, der sein verbales Repertoire schon in der WWF unter Beweis gestellt hat:

You know, when Amanda came out and did cartwheels and handstands for the Ultimate Warrior, I knew right then that this little girl had an ultimate love for the Ultimate Warrior. And to all my Warriors, I have and give the same ultimate love. That ultimate love breeds ultimate courage and ultimate emotion. [...]

Macho King Randy Savage, prepare yourself to feel the intensity! Prepare yourself to feel the rage! Prepare yourself, Macho King, to feel the consequences of humiliation! Prepare yourself for the Ultimate Champion! And most important, try to prepare yourself for the Ultimate Warrior!

Wie soll sich jemand mit der Redegewandheit eines Mannes messen, der in der Lage ist jedes Nomen mit dem Adjektiv “ultimate” zu schmücken und der seine Gegner damit verwirrt, dass er, wenn er über sich redet, ständig zwischen der dritten und der ersten Person wechselt. Seine Redeskills sind ultimate, dank der Macht von Destrucity! Whoooo! Und diese Eloquenz zeigte der Ultimate Warrior auch in Phase zwei seines diesmonatigen Comebacks. Der Ultimate Uwe steht über den Regeln der jämmerlichen Menschen und hat eine Mission. Ein Projekt. Das Project Warrior, wie er auf seiner Website schreibt. Und diese Website und dieses Projekt hat sich einen Awful Link of the Day bei den grimmigen Miesmachern von “Something Awful” erarbeitet. Das gefällt Uns Uwe nicht. Und weil Uwe auf einer Mission ist, lässt er sich von Paragraph 2, Artikel 8 des “U.S. Internet Communication Act” von 1874 auch nicht aufhalten.

Internet Communication Act – §2, Art. 8: Don’t fuck with the goons from ‘Somethingawful.com’! Seriously. Don’t.

Aber menschliche Gesetze sind Senor Warriors Sache nicht. Und so kommt es, wie es kommen muss: The Uwe droht “Something Awful” zu verklagen. Nicht er selbst, sondern sein “Director of Communications” (Rich Kyanka von “Something Awful” dazu: “I guess that’s the guy who picks up the phone when it rings and then turns it around the correct way so Mr. Ultimate Warrior is speaking into the correct end.“). Der E-Mail-Austausch zwischen dem DoC und Mr. Kyanka lässt sich in hier in seiner ganzen epischen Bandbreite finden. Wie fast alles, was “Something Awful” macht, ist das ganze sehr schön zusammengefasst und mit das Lustigste was ich den ganzen Monat gelesen habe. Darum sollte von allen genossen werden. Ernsthaft. Immerhin kann man hier von Commandante Warriors Handpuppe lernen, wie das U.S.-Rechtssystem läuft und beobachten wie alle Instanzen ausgeschöpft werden: Mit einer Verleumdungsklage drohen, sich über das Aussehen vom Mr. Kyanka lustig machen, betonen, dass man weiß wo Kyanka und seine Ehefrau wohnen, Prügel andeuten und schließlich die Königsdisziplin der Rechtswissenschaften – Mr. Kyankas Vater anrufen! Whooo!

Ja, wenn ein Mann wie Genosse Warrior es schafft eine Collegediskussion in “Wrestlemania XXVII” zu verwandeln und dann auch noch den ungestümen Wagemut hat, sich mit “Something Awful” anzulegen, der Instanz in Sachen Internetgeschmacklosigkeit, dann beweißt das, dass der Ultimate Warrior wieder da ist. Destrucity ist der Weg und wenn andere Wrestler Gouverneure oder Schauspieler werden, was sollte dann Warrior vom Präsidentenamt fernhalten? President Warrior! Whoooo! Ultimate President Warrior! Whoo! The Ultimate President Ultimate Warrior McUltimate! Whooo! Das unterstützen wir natürlich und um unsere unnachgiebige Loyalität mit dem Anliegen… nay, mit der Vision dieses Mannes zu demonstrieren machen wir den Ultimate Warrior hiermit zum ersten Liebling des Monats. Glückwunsch, Uwe.

Whooooo!

Loser’s Corner – Die, die es nicht schafften

  • Joschka Fischer: Schaffte es im Untersuchungsausschuß trotz gewaltigen Filmrisses sich daran zu erinnern, dass sein zweiter Vorname Maria ist. Und war sogar noch in der Lage einen Krokodilstränenwitz anzubringen. Leider war das comedytechnisch nicht èn par mit dem großen Handtaschenwedeln von 2003 (“Eventkultur im deutschen Bundestag.”) und somit nicht gut genug für den LdM.
  • Der Patriotismus: In aller Munde und auf allen Seiten. Im Wahlkampfteam mit Münte erklärt er die Wirtschaftsbosse für unpatriotisch. Im Klassenkampfteam mit den Wirtschaftsbossen erklärt er Münte für unpatriotisch. Und beim Gastbesäufnis mit der JU Sachsen erklärt er alles und jeden für unpatriotisch. Wir finden es unpatriotisch vom Patriotismus, dass er keine klare Linie findet und flippfloppt wie John Kerry auf dem Trampolin. Darum zu Recht nicht LdM geworden.
  • Christean Wagner: Hessischer Justizminister, hatte die geniale Idee Langzeitarbeitslose für Fesselspiele zu gewinnen und so auf den letzten Metern noch LdM zu werden. Disqualifiziert, weil Investigator Schockwellenreiter herausfand, dass die Idee von der Kieler Fraktion geklaut wurde.
  • Die ZEITUNG: Verkündet, dass wir alle Papst sind und löst damit den größten reformatorischen Prozess seit Martin Luther aus. Da aber Franz Josef Wagner – der feststellt, dass Glück weder aufgespritzte Lippen noch ein Arschgeweih ist – sogleich Besitzanspruch auf den Papst erklärt und von “mein Papst” schreibt, verliert die Sache ihren Witz. Agitpop verbietet den schwedischen Sklavenkinder, die die Texte hier von Hand nagen, Papst zu sein, wenn sie damit Eigentum von FSJ werden. Trotzdem nur haarscharf am LdM vorbeigeschrammt.

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