Sneak Non-Review: Vicky Cristina Barcelona

November 26th, 2008

Ein echter Kritiker würde nie einen Film kritisieren, den er nicht bis zum Ende gesehen hat. Ein echter Kritiker wird allerdings auch dafür bezahlt alles bis zum bitteren Ende durchzusitzen, während ich mein eigenes Geld ausgebe für das Prärogativ einen Film vorzeitig zu verlassen und trotzdem “Bah! Humbug!” zu granteln.

Rebecca Hall ist der Stereotyp der konservativen, angepassten, gefühlsunterdrückenden Studentin, die glaubt sich nach Sicherheit zu sehnen und deshalb auf direktem Wege eine Ehe mit einem Wall-Street-Langweiler-aus-Suburbia anstrebt und das offenherzige Angebot auf schnellen Sex mit Javier Bordem, dem suaven Latin Lover aus dem Lateinamerika Europas (Spanien) so heftig ablehnt, dass sofort klar ist, dass die beiden ziemlich bald in der Kiste landen werden. Scarlett Johansson ist der Stereotyp der pseudo-intellektuellen, abenteuerlustigen Studentin die einen pseudo-intellektuellen, abenteuerlustigen Kurzfilm darüber gedreht hat, warum Liebe so schwer zu definieren ist, weshalb sofort klar ist, dass ihr irgendwer (vermutlich der suave Latin Lover aus dem Lateinamerika Europas, der nebenbei weltoffener Nihilist ist) ziemlich bald zeigen wird, dass sie in erster Linie ein Kind ist, das von keine Ahnung vom Leben hat oder auch nur von dem was sie wirklich will. Studenten sind in diesem Film Stereotypen die man sonst als Touristen bezeichnet. Barcelona ist eine Stadt die aus stereotypen Postkartenmotiven besteht. Penelope Cruz taucht in dem stereotypen Teil des Films den ich gesehen habe noch nicht auf, wird aber sicher in das stereotyp-amoröse Geflecht verwickelt sein, sobald sie anwesend ist. Christopher Evan Welch ist (im Original) der allwissende Erzähler aus dem Off, dessen Funktion es ist - anders als die Funktion guter Erzählstimmen - zu erzählen was man gerade auf der Leinwand sieht, was man eben auf der Leinwand nicht gesehen hat oder was die Charaktere denken und fühlen. Das ist ökonomischer als von Scarlett Johansson zu erwarten, dass sie diese Gedanken und Gefühle in Gestik, Mimik und Tonlage zum Ausdruck bringt. Filmstudenten sind Stereotype, die erklären werden, welchen tieferen Sinn diese Erzählweise hat, während ich ein Stereotyp bin, der der Meinung ist, dass so eine Erzählform im Handwerkskasten eines erfahren Regisseurs nichts verloren hat. Woody Allen ist besagter erfahrener Regisseur, weshalb der Film trotzdem gut ankommen wird und all das was mich tierisch genervt hat, als gewagte Absicht zu interpretieren ist.

Zwanzig Minuten ist die Zeitspanne, die ich es bei Vicky Cristina Barcelona im Kino ausgehalten habe, ehe ich ganz dringend weg musste. (Wobei es nur einen Bruchteil der Zeit gedauert hat, um jede einzelne Figur auf der Leinwand zu hassen.) Mehr als genug Zeit ist also vorhanden, in der der Film in eine innovative, smarte, unterhaltsame Richtung gleiten kann, die mein voreiliges Verdammen als Irrtum enttarnt. Wahrscheinlich ist das allerdings nicht. Und wenn ich Recht haben sollte, dann ist das hier der Song, den Allen als ehrliches Titellied hätte auswählen müssen.

Freundliche Mitteilungen zum Wochenende

November 21st, 2008

Hey, Jugend! Die Süddeutsche hat mal wieder ein Interview mit dem “Gaming-Experten Rainer Fromm” geführt. Also, Interview wie in: Herr Fromm leiert eine Rede runter und an den passenden Stellen setzen wir dann sowas wie Fragen ein, damit es optisch etwas frecher wirkt. Für wirklich kritische Nachfragen bleibt keine Zeit im schnellebigen Internet-Geschäft. Ich werde auf den Inhalt jetzt gar nicht eingehen, denn den kennt man schon wenn man aus Versehen mal irgendwo anders über ein anderes Rainer-Fromm-Interview gestolpert sein sollte. Außerdem richtet sich das hier ja gar nicht an Rainer Fromm, sondern an dich, aufgeweckte Zukunft unseres Landes.

Könnt ihr vielleicht endlich mal eure Bill-Kaulitz-frisierten Ärsche aus eurer ADHS-Version von Grease bewegen (der Langenscheidt meint, dass ich sagen muss “die Socken scharf machen“, damit ihr versteht was ich meine) und in zackigen Tanzschritten - aber nicht denen, die ihr aus Dance Dance Revolution kennt, sonst kommt ihr ja nie von der Stelle - auf den freien Markt turnen und ein eigenes, neues, geiles Medium für eure Generation fordern? Oder euch wegen mir auch irgendein nicht-mediales Hobby suchen, das ich nicht verstehe und über das ich dann fluchen und zeter-und-mordioen kann und bei dem ich dann betonen werde, dass es unsere schöne Gesellschaft völlig verroht? Der “sinister cult of Emo” ist schon ein guter Anfang, reicht aber noch nicht so ganz. Ich bin inzwischen zu alt um für mein Hobby stigmatisiert zu werden und würde gerne Yakuza 2 endlich genießen können ohne die ständigen schrillen Zwischenrufe der Herren Fromm und Pfeiffer.

Außerdem bin ich inzwischen so alt und so spießig angepasst, dass ich jetzt mein Bürgerrecht einfordere irgendwelche Jugendlichen willkürlich für ihr Hobby stigmatisieren und mich als {MEDIUM}-Experte aufspielen zu dürfen, quasi mit fragwürdigen Behauptungen und willkürlichen Auslassungen den Zac-Efron-Imitatoren den Blutdruck durch die Decke zu treiben. Also, könnt ihr da endlich mal was auf den Tisch legen? Als meine Generation in eurem Alter war, haben wir nicht so lange gebraucht um für die Stammesälteren schockierende Hobbies zu entwickeln! Faules Gesindel…

Achja, eines noch: HEY YOU KIDS! GET OFF MY LAWN!

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Hey, Hollywood! Man muss nicht alles verfilmen! Wirklich, auch wenn du’s mir nicht glauben willst. Wie ich darauf komme? Seit gestern ist Max Payne in den deutschen Kinosälen anzutreffen, wo er sein trauriges, freudloses Dasein fristet. Ein Jahr nach Shoot ‘Em Up, was die Frage nach dem Sinn dieses Vehikels noch deutlicher aufwirft. Und für mich stellt sich darum eben auch die Frage: Wer hatte die grandiose Idee Max Payne in einen Film zu verwandeln? Hier nochmal zum mitschreiben, ein kurzes FAQ.

F: Warum gibt es Max Payne das Videospiel?

A: Weil man endlich dazu in der Lage war Actionfilme in Form eines Videospiels umzusetzen. Max Payne ist das Software gewordene Destillat all der Momente als man ein qualitativ mieses VHS-Tape mit A Better Tomorrow oder Hard Boiled oder der Lobby-Szene aus The Matrix anschaute, dann auf seinen Atari 2600 blickte und sich dachte: “Wäre es nicht toll wenn…?” Und das war Max Payne: Ein Actionfilm zum selber spielen.

Vielleicht bin ich zu hart, wenn ich nur Hollywood attackiere, darum: Hey, Fanboys! Wisst ihr was ihr seid? Idioten! Jawoll, Idioten. Jeder einzelne der Max Payne gespielt hat und sich dabei dachte: “Hey, wäre das wäre doch super wenn es das als Film gäbe.” Klingeling, Telefon: Das gibt es schon! In gut! Aus Hong Kong! Nur darum gibt es das verbleepte Spiel ja überhaupt erst! Abgesehen davon: Ihr sitzt vor dem Rechner und denkt euch: “Woah! Wäre es nicht voll tuffig und super, wenn irgendwer das wichtigste Element aus Max Payne rausnehmen würde?” Nein, nicht die Bullet Time, sondern den Umstand, dass man selbst die Action bestimmt, die Immersion selbst der Actionheld zu sein. Wenn euch das wirklich so wichtig ist: HIER! Und jetzt hört endlich auf den Schwachköpfen in Hollywood solche Flausen in den Kopf zu setzen, verdammt nochmal.

(Übrigens, Hollywood, falls du mitliest: Hast du mein Skript bekommen? Ich bin mir sicher, dass die Welt nur auf Darren Aronofskys Tetris wartet!)

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Hey, Warner Brothes! Man muss nicht alles versoften! Wirklich, auch wenn ihr’s mir nicht glauben wollt. Nachdem ich mich an den Gedanken einer Verfilmung von Stan Lee’s Watchmen ja so langsam gewöhnt habe (siehe auch: “alles verfilmen, man muss nicht”), werde ich jetzt weiter desensitiviert durch Screenshots aus dem Watchmen-Brawler. Dem Watchmen-Brawler… mit Rage-O-Meter. Wie ging nochmal diese eloquent-geistreiche Reaktion darauf, die ich seit Tagen ausgeknobelt habe: Oh, ja! Geht sterben!

Hoffentlich sind die englischen Friedhöfe gut gesichert. Gerüchten zufolge ist ein langbärtiger Chaosmagier mit fragwürdigem Hutgeschmack derzeit mit einer Schaufel unterwegs und lässt nächtlich Leichen im Grabe rotieren…

Ah, und weckt mich doch bitte, wenn endlich LEGO Watchmen in den Regalen liegt. Danke.

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Hey, Guns ‘n’ Roses! Wollt ihr am kommenden Montag wirklich “Chinese Democracy” auf den Markt werfen? Ehrlich? Echt? Ganz sicher? Ausgerechnet in der Rezessions-Phase zwingt ihr Dr. Pepper dazu 305.705.998 Gratis-Colas auf den Markt zu hauen und die Firma so möglicherweise in den Ruin zu treiben? Ihr seid echt Helden. Und euch ist schon klar, dass kein Schwein tatsächlich Interesse an eurem mittelprächtigem Geschrammel hat, sondern alle an dem Album nur wegen der Vaporware-Witze interessiert waren? Toll gemacht, ihr Deppen. Wenigstens gibt’s noch 3D Realms. Die wissen wie man einen Witz so lange am laufen hält, bis er von “nicht mehr witzig” zu “wieder witzig” zurückschwappt.

Sneak Review: Madagascar 2

November 19th, 2008

Wie kann man einen Film, der immer wieder kurz angenehm anarchischen Humor aufblitzen lässt, nur so vollpacken mit einer derart klebrigen Masse an klischeebeladenen, zweidimensionalen Lektionen-fürs-Leben-Sequenzen, die ich schon als Kind in den Achtzigern unglaublich öde und altbacken fand?

Die Szenen mit den Kapitalisten-Pinguinen, der Affengewerkschaft und Sacha Baron Cohens Lemurenkönig sind trotzdem ein Spaß.

2/5

Quantum of Solace - Ein Häufchen Elend

November 17th, 2008

Wie wir alle mitbekommen haben, bin ich fest in dem Lager zu Hause, das Casino Royale für einen der besten Bond-Filme hält. Daniel Craig als Bond und die bodenständigere Gangart jenes Vehikels empfand ich als perfekten Fall von “richtiger Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit” um das Franchise vor dem Sturz in die völlig trashigen Selbstparodie zu retten, in dem es sich zuletzt in der Phase ab Moonraker befand, als ein ledriger Roger Moore den Rentenalter-Bond geben durfte, der älter war als Connerys Bond im selbstironisch inoffiziellen Never Say Never Again. Irgendwo zwischen unsichtbaren Autos und Denise Richards als Atomwissenschaftlerin steckte Brosnans Bond zu tief in den oberflächlichen Albernheiten der Neunziger, jener Dekade als angesehene Herren wie Franz Fukuyama von oberflächlichen Albernheiten wie dem “Ende der Geschichte” salbadern durften, als dass er für die Welt zwischen Putin, Bush, Cheney und Bin Laden noch zeitgemäß erschien. Obschon man versuchte zumindest in Die Another Day von der Achse des Bösen zu profitieren. Und obwohl das ganze vielleicht sogar zu spät kam und nun das “Risiko” besteht, dass die neue Grimmigkeit im Rahmen der Obama-Präsidentschaft schon in wenigen Jahren ebenfalls altmodisch wirkt. (Nicht dass ich da die Luft anhalten würde…)

Trotz meiner Vorliebe für Sean Connery als Bond bin ich ja immer noch der Meinung, dass es zwar Bond-Elemente gibt, die die Filme enthalten sollten, dass es aber keine Blaupause gibt, an die man sich millimetergenau halten muss. Bond-Filme reflektieren auch immer die Zeit, in der sie entstanden sind: Von den vom eskalierenden Kalten Krieg geprägten frühen Connery-Filmen, über Daltons Drogenkriegs-Bond bis hin zu den oberflächlich-aalglatten Brosnan-Streifen für die Clinton-Ära. Und Casino Royale war ein hervorragend gemachter Film, der eben dem - böses Wort - Zeitgeist entsprach und es wagte aus dem Schnürkorsett der Formelhaftigkeit auszubrechen. Immer ein riskantes Unterfangen, wie in den Sechzigern schon der “vergessene Bond” George Lazenby feststellen musste, als In Her Majesty’s Secret Service gewagt wurde, das Schema aufzubrechen und mit dem neuen Gesicht auch einen menschlicheren Bond auf die Leinwand zu bringen. Anders als damals (oder heute, Secret Service bekommt immer noch unverhältnismäßig viel Dresche dafür, dass es eigentlich ein ziemlich guter Film ist) schaffte es Casino Royale die Mehrheit der Zuschauer mit der neuen Bond-Vision zu überzeugen.

Von Quantum of Solace kann das leider schon nicht mehr behauptet werden… schon mit dem zweiten Film schleicht sich das unangenehme Gefühl ein, dass Bond seinem alten Korsett entflohen ist, nur um den Ausbruch aus der Formel zur neuen Formel, zur neuen Zwangsjacke werden zu lassen. Da wo Casino mutig Kaugummi trat und Ärsche kaute, da begnügt sich Quantum zu sehr damit das “grim and gritty” des letzten Films zu imitieren, ohne dessen stilvolle Retro-Ambitionen mitzunehmen und ohne je daran interessiert zu sein, das Franchise voran zu bringen. Hey, das Experiment mehr Experimente zu wagen hat im letzten Film funktioniert. Jetzt bloß keine Experimente mehr wagen…

Dabei mag ich den “Back to the Basics”-Approach noch immer, der ist, anders als einige Kritiker das sehen, nicht per se das Problem. Das Problem ist nur, dass man gerade dabei ist die Auswüchse der Brosnan-Ära überzukorrigieren. Das Kind mit dem Bade auszuschütten. Man rutscht vom Kitsch der Brosnan-Filme zur Depression die man täglich in der Zeitung findet. “Kein Gadget-Overkill” bedeutet ja nicht, dass man vollends auf die technischen Spielereien verzichten muss. Es gibt eine Mitte zwischen “unsichtbares Auto” und “gar kein Auto” (nicht das man den Unterschied sehen würde… *ba-da-dish*). Und “nicht mit trockenem Humor verwässern” (was habe ich mir denn bei dem Metapherngemische letztes Jahr gedacht?) heißt auch nicht, dass die neuen Bond-Filme keinen Funken Humor im Leib haben dürfen. Es heißt nur, dass Bond an einem Todeskampf nicht nur deshalb teilnehmen sollte, damit er danach einen One-Liner absondern kann.

Craig ist meiner Meinung nach immer noch ein sehr guter Bond, die Glätte eines Brosnan oder Moore würde nicht zu diesem Bond passen. Wo deren Bonds Gentlemen waren, die bei Bedarf zu ruchlosen Killern werden konnten, ist sein Bond, dem frühen Connery ähnlicher, ein Soziopath der sich bei Bedarf als Mensch in guter Gesellschaft tarnen kann. Das ist in Ordnung, jeder Schauspieler brachte eine andere Interpretation der Doppelnull mit (Connery sogar zwei, die Prä- und Post-Goldfinger-Interpretation). Die Kritik, dass wir wieder einen Bond brauchen, der sich eher an Moore und Brosnan orientiert, greift meiner Ansicht nach nicht tief genug und ist schlicht reaktionärer Reflex (wobei ich kein Problem damit habe, wenn Craigs Bond sich in diese Richtung bewegt, solange er dabei weiterhin diese gewisse Rauheit und Kantigkeit behält, die ihn in diesen beiden Filmen auszeichnet), denn selbst wenn Bond in jeder Szene mit Raketenrucksack (okay, das war Connery in Thunderball, nicht Moore) rumgeflogen wäre, hätte das Quantum of Solace nicht gerettet.

Quantums zentrales Problem ist nämlich nicht, dass der Film zu weit von dem abrückt, was gerne als quintessentielle Bondformel gesehen wird, nein, Quantums zentrales Problem ist, dass er dabei kein sonderlich guter Film ist. Bond-Filme leben auch immer von ihren Set Pieces. Ein starkes Bond-Girl und ein starker Schurke können einen Bond-Streifen aus dem Mittelmaß erheben, ihre schwachen Gegenparts können das Gegenteil bewirken. Genau das ist hier der Fall. Mathieu Amalric mag ja ein toller Schauspieler sein, aber als Dominic Greene hat er ungefähr das gleiche Bedrohungspotential wie Thom Yorke und in meinen alten Chemiestunden am Gymnasium gab es mehr Chemie statt als zwischen ihm und Craigs Bond herrscht. Was schon etwas heißen will, bedenkt man, dass wir in drei Jahren Chemie damals nicht über den Stoff der ersten zwei Stunden hinausgekommen sind. (Und selbst davon bei mir nichts hängen geblieben ist…)

Dominic Greene ist einer der schwächsten Schurken der Bondhistorie. Und nicht im Sinne von “so mies, dass es schon wieder lustig ist” wie etwa Schnick Schnack, der Killerzwerg in The Man with the Golden Gun oder der Kerl mit dem Killer-JoJo im Octopussy, sondern im Sinne von “belanglos und vergesslich” wie Kamal Khan oder Brad Whitaker. Und wenn Sie, geliebte Leserschaft, sich jetzt fragen: “Wer?” Richtig.

Unterstützt wird das noch dadurch, dass er gleich noch einen der nutzlosesten Handlanger der Bondhistorie mitbringt (auch das eine Leistung, denkt man an bedrohliche Klassiker wie Bullion… und auch hier gilt wieder: “Wer?” Genau.): Den bedrohlich benannten Elvis, bei dem das Tier das ihm auf den Kopf gekrochen und da verreckt ist, bedrohlicher wirkt als der Rest des Schurken. Wirklich, ich hätte mehr Angst vor seinem Friseur als vor dieser Haarbaracke. Dementsprechend gelangweilt wird er dann vom Skript auch aus dem Wege geräumt, ohne je Haar Hand an Bond zu legen.

Scheiße, zwischen Bond und Felix Leitner herrscht eine bessere Chemie und mehr Spannung als zwischen Bond und irgendeinem Fiesnick in diesem Film. Kein gutes Zeichen, da Jeffrey Wright in der Rolle als CIA-Mann eigentlich nur seine Zeit absitzt, in der Hoffnung mehr Bedeutung in einem späteren Film zu erhalten. In den Reigen der Belanglosigkeiten reihen sich die beiden Bond-Girls ein. Zugegeben, es war schwer Eva Green als Vesper Lynd zu übertrumpfen, peinlich wird es aber, wenn eine nichtmal in einem Flashback präsente Eva Green tatsächlich die vorhandenen Bond-Girls überschattet. Olga Kurylenko kann man eine exotische Sexyness nicht absprechen, aber ihre schauspielerischen Mängel verhindern, dass ihre eigene Rachestory den Zuschauer je emotional berührt. Gewagte Prognose: Kurylenkos, an deren Rollennamen ich mich schon nicht mehr erinnern kann, wird ins Pantheon der vergessenswerten “Bondinen” eingehen, zusammen mit Frauen wie Carol Bouquet (die ähnlich rachefixierte Melina Havelock aus For Your Eyes Only), Pam Bouvier oder Maryam D’Abo. Nicht schrecklich peinlich, wie Denise Richards in The World is Not Enough oder Britt Ekland The Man with the Golden Gun, sondern einfach nur egal.

Ähnlich egal ist Gemma Arterton als Miss Fields (Strawberry Fields, wie der Abspann verrät), die verhindert das ein Bondfilm völlig ohne Sex endet (eine implizierte Vergewaltigung durch einen feisten bolivianischen Generalissimo mal geflessentlich ignoriert), hätte aber eigentlich eher zu einem Brosnan-Film gepasst, als zum neuen Faux Realismus des Franchises. Ignorieren wir mal ihr professionlles Geheimdienstauftreten in Strippertrenchcoat und Cowboystiefeln (niemand würde vermuten, dass sich eine Spionin in der Karibik so auffällig kleidet… genial, genial)… warum schickt MI6 eine unerfahrene, junge Frau um diesen Bond, Mr. Force of Nature, aufzuhalten? Arterton ist nur da, dass Bond eine weitere Kerbe in seinen Bettpfosten ritzen darf, sprengt dabei aber die innere Logik des Films. Wir haben hier einen Bond, der immer noch zwischen Zorn auf und Liebe zu Vesper hin- und hergerissen ist. Warum dann diese Sexszene nicht zur Charakterentwicklung nutzen, statt sie einfach nur in den Film zu hämmern, weil mindestens eine Eroberung pro Film von Bond vertraglich erwartet wird? Chancentod…

Aber zumindest geht Frau Erdbeerfeld wie sie erschienen ist, als großes Logikloch. Ja, ihr Tod ist eine Anspielung auf den ikonischen Tod Shirley Eatons in Goldfinger. Und im Kino, fand ich das sogar ganz nett. Nur, wie ist sie - im doch jetzt angeblich realitätsnahen Bond-Universum - eigentlich ums Leben gekommen? Haben die Schurken spontan und unbemerkt ein Ölfass durch die Eingangshalle des Luxushotels geschleppt? Haben sie Fields anderswo eingeölt und dann ins Hotel geschleppt? Dafür wirkt der Raum sehr sauber. Es ist eine dieser Szenen, die ich akzeptieren würde in einem Film, in dem Bond gezielt und augenzwinkernd die Gesetze der Natur regelmäßig außer Kraft setzt, aber im Rahmen des neuen “Realismus” wirkt die Szene im Nachhinein deplatziert…

Ohnehin, der ganze Film wirkt, als habe er absolut keine Ambition mehr zu sein als ein lockerer Anhang an Casino Royale, als wäre er absolut zufrieden damit nichts zu bieten, das irgendwie im Gedächtnis bleiben würde, vom ungemein ohrwurmfeindlichen “Another Way to Die” (das allerdings nicht das schlechteste Bond-Theme aller Zeiten ist, die “Ehre” gebührt auch weiterhin A-Ha mit “The Living Daylights” oder Madonna mit “Die Another Day” oder Garbage mit “The World is Not Enough” oder Lulus “The Man with a Golden Gun”… wenn ich’s recht bedenke, war die überwiegende Mehrheit der Bond-Themes grotesker bis belangloser Schlonz) bis hin zum absolut unterwältigenden Showdown…

Wenn Casino Royale eine Schwäche hatte, dann das antiklimatische Ende. Die letzte Actionsequenz in Italien war, wie wir Profigolfer sagen “par for the course”, aber eben nicht der Knaller den man am Ende eines großen Films erwartet hat, besonders nachdem die Parcour-Szene am Anfang des Films die Action-Messlatte so hoch gesetzt hatte. Aber, wie ich in der damaligen Rezi auch schrieb: Geschenkt. Der Film vorher bot genug um das Verschmerzen zu können. Quantum hat diesen Bonus nicht. Es gibt ein paar Actionszenen vorher, die finden aber - ähnlich wie die Sexszene mit Frau Fields - primär statt, weil sie stattfinden müssen. Wirklich eingebunden in den filmischen Kontext sind sie nicht, was gerade die arg angepappte Bootszene demonstriert. Aber auch das wäre verschmerzbar, wären die Actionszenen kompetent geschnitten. Sind sie aber nicht…

Okay, Marc Foster hat keine Ahnung von Action. Wegen mir. Dann soll er für die Szenen jemanden ans Werk lassen, der Ahnung davon hat. Die Pre-Credits-Actionszene ist eine der… scheiß drauf… die am beschissensten geschnittene Actionszene die ich seit langem gesehen habe. Schnittgewitter trifft es nicht. Das ist zum Teil zum Schnittgewitter was Stroboskoplicht zu Flutlicht ist. Ich saß im Kino und zählte mit (”Einundzwanzig, zweiundzwa…”) und siehe: Ganze zwei Einstellungen aus dieser Sequenz sind länger als drei Sekunden! Schnell, zappelig, wackelig und nah ist nicht das gleiche wie dramatisch. Es ist nur unübersichtlich und vergessenswert, weil es genau der gleiche ADHS-Quark ist, den inzwischen jeder Film präsentiert. Gott, wann ist die Idee aufgekommen, dass eine Actionszene darunter leidet, wenn der Zuschauer dem was gerade geschieht folgen kann? Das ganze ist eine Affenschande, weil ich sicher bin, dass die Stuntmen bondtypisch gute Arbeit geleistet haben. Nur sieht man davon halt nichts.

Ich habe mir eben nochmal zwei alte Actionszenen angesehen: Die Verfolgungsjagd mit dem Tanklaster aus Mad Max 2 - Road Warrior und die Autoszene in Bullit. Beide Szenen wirken nach heutigen Standards etwas träge, aber beide Szenen funktionieren trotzdem noch immer. Weil man ein Gefühl dafür hat, wer sich gerade wo befindet. Weil man erkennt, was vor sich geht. Die Dramatik erwächst aus den Szenen selbst. Foster in Quantum verwechselt hingegen Dramatik schlicht mit Hektik. Die späteren Actionszenen sind nicht mehr ganz so hektisch geschnitten, aber immer noch hektisch genug um zu nerven und mit nutzlosen Zwischenschnitten zu irrelevanten Ereignissen (Pferderennen, Oper auf jener Seebühne, die im Sommer die Heimat von JBK, Urs und Kloppo war) gespickt. Neue Regel: Actionszenen müssen dem Zuschauer die Möglichkeit geben mehr als nur zu erahnen was vor sich geht. Wenn die Mehrheit der Einstellungen weniger als fünf Sekunden dauert… zurück an den Schneidetisch.

Nach diesen vergesslichen Actionsequenzen (verschnittenes Autospektakel, Verfolgungsjagd die nach jener in Casino Royale automatisch zweitklassig wirkt, unnötige Bootsverfolgung, viel zu kurzer Shootout in Österreich) hofft man, dass zumindest das Finale nochmal richtig Zunder hätte… aber: nix ist. Ein Hotel (das eher nach braunteppiger Bahnhofsabsteige als nach Internationalem Luxus aussieht) in der Wüste (gähn) fliegt in die Luft (bumm), weil der Architekt die so genannten Kabummstoffe (oder in Laiensprech: Hydrogen Storage Tanks) einfach überall da im Hotel hat einbauen lassen, wo gerade eine Explosion gefordert war und weil bei einem Finale halt was in die Luft fliegen muss. Dann haut Dominic Greene sich ‘ne Axt in den Fuß… Ende des Showdowns.

Ähnlich wie oben beim Auto schon: Es gibt einen Unterschied zwischen “total übers Ziel hinausschießen” und “es gar nicht erst versuchen”. Quantum schwingt zu weit in die letztere Richtung, was auch für die Pläne Dominic Greenes gilt. Bloß weil man dem Schurken keine Weltraumbasis mit Weltraumsoldaten in gelben Weltraumoveralls und mit Weltraumlasergewehren verpasst, heißt dass ja noch nicht, dass man ihn derart kastrieren muss. Da inzwischen eh jeder sein eigentliches Ziel kennt: Bolivien das Wasser abklemmen und es dann total überteuert an die Bolivianer zurückverkaufen? Muhahahaha… ha?

Hey, ich habe nichts dagegen, dass wir mit Quantum endlich wieder eine große Weltverschwörung bekommen, so eine Mischung aus SMERSH und SPECTRE. Und sowas kann man auch in einem semi-realistischem Kontext anwenden. Gerade in einer Zeit, da der Kalte Krieg 2.0 vor der Tür zu stehen scheint und der Kreml von einem Mann kontrolliert wird, gegen den wahrscheinlich nicht einmal James Bond ankäme. Aber… sollte die bedrohliche, globale Verschwörung nicht vielleicht Ziele verfolgen die latent schurkischer sind als die der Unterwäschegnome? Einen der ihren zum Präsidenten der USA machen? Einen Atomkrieg zwischen den USA und Russland auslösen und davon profitieren? Versuchen ein ganzes Land zu übernehmen, von dem aus man dann die Welt erpressen kann? Die Sonne verfinstern? Weihnachten stehlen? Alte Leute vor Busse schubsen? Kleinen Kindern die Lollies wegnehmen?

Besonders wo Mr. White am Anfang des Films noch betont, man habe überall Agenten, also auch im MI6 und klar wird, dass sogar ein enger Berater des Premierministers Quantum angehört? Nur fällt der Plotfaden, der die Spannung und Relevanz hätte hochtreiben können, dann völlig unter den Tisch. Denn bei aller neuen und von mir gemochten Bodenständigkeit, das hier ist immer noch immer James Bond und nicht Syrianna. Dementsprechend kann ich auch auf die real-politischen Einschübe verzichten, zumindest wenn sie in einer Form stattfinden, die man scheinbar von der Buchrückseite eines beliebigen Michael-Moore-Wurfklotzes abgeschrieben hat. Westliche Regierungen machen Geschäfte mit Schweinediktaturen und der amerikanische Geheimdienst verkauft einen Verbündeten schneller an den Feind, als Marc Foster Actionsequenzen schneidet? Sach an, das ist ja ganz was Neues. Die Szenen die reines “Politdrama” sind, schaffen es dann auch dem Film sein Tempo zu nehmen und ihm Längen zu verpassen, die nicht vorhanden sein dürften, im kürzesten aller Bond-Filme. Längen die selbst der letzte Streifen in dieser Form nicht hatte. Und das war der Streifen mit der zwanzigminütigen Pokerrunde.

Das sind die Probleme von Quantum. Nicht dass er zu sehr von der “alten Formel” abweicht, sondern dass er beim Abweichen keinerlei Ambitionen hat. M und Felix Leitner sind da, weil sie ihre Plätze warm halten, das Bondgirl, der Bondschurke, die Bedrohung und die Actionszenen sind ähnlich erinnerungswürdig wie ein Wahlversprechen nach der Wahl und am Ende des Films sind wir in etwa da, wo wir am Anfang waren. Gut, Bond hat Vesper überwunden, weiß jetzt dass es die Organisation Quantum gibt und es gab einige Andeutungen, dass der “klassische” Bond in Craigs Bond durchbricht (der Vodka Martini schmeckt ihm und er besteht in der einzig wirklich humorvollen Szene des Films darauf im Luxushotel untergebracht zu werden, dazu die Gun-Barrel-Szene am Ende des Films), aber dafür das ganze Bruhaha? Wären die James-Bond-Filme eine Fernsehserie, Quantum of Solace wäre das, was man gemeinhin als Filler bezeichnet. Die Bond-Filme sind keine Fernsehserie. Trotzdem verdient sich Quantum das Attribut Filler. Knapp zwei Stunden Film dafür, dass wir im Kern nicht viel weiter sind, als wir es nach Casino waren? Das hätte man, hätte man gewollt, auch ohne weiteres in einer Prä-Credits-Sequenz unterbringen können. Erstaunlich und erschreckend zugleich, dass man direkt nach dem großartigen Casino in ein derart auf der Stelle tretendes Mittelmaß verfallen konnte…

Quantum fühlt sich an wie der ambitionslose, mittlere Teil einer Trilogie, ohne echten Anfang und ohne echtes Ende (und das man gute Mittelteile drehen kann, wissen wir dank The Empire Strikes Back und The Two Towers), ohne Sinn und Verstand, ohne Antrieb und Ziel. Ein Bondfilm, der da ist um das Zwei-Jahres-Schema nicht zu runieren, der keine totale Katastrophe ist, aber - so wie im Sommer schon Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull - in seiner Gesamtheit so belanglos und scheißegal, dass ich Ende der Woche schon vergessen haben werde, das der Film überhaupt existiert. Ein Film der sich an den Katzentisch jener Bondfilme gesellt, die weder wirklich gut, noch wirklich schlecht, sondern einfach nur da sind, obwohl es auch keiner merken würde, wären sie nicht da (Octopussy, License to Kill, For Your Eyes Only, You Only Live Twice).

Die Einzelteile um zeitgemäße Bond-Filme zu drehen, sind am Ende von Quantum of Solace durchaus vorhanden. (Nur waren sie das natürlich auch nach Casino bereits.) Bond ist über Vesper hinweg, Daniel Craig hat selbst in diesem Mittelklassevehikel zeigen können, dass seine Interpretation von Bond funktionieren kann und mit Quantum hat man theoretisch den ersten wirklich großen Gegner für Bond seitdem Blofeld am Anfang von A View to a Kill unzeremoniell in einen Schornstein geworfen wurde. Allerdings muss Bond 24 den Anspruch haben weit mehr zu sein, als nur ein adäquater Actionfilm, der sich einfach an die Frackzipfel des fähigeren Vorläufers hängt. Ansonsten ist nicht auszuschließen, dass wir wieder ein paar Jahre Pause zwischen Bond 24 und Bond 25 haben werden, weil das Reboot gerebootet wird…

2/5

Zwischenlink: Death Magnetic

September 15th, 2008

Immer noch keine offizielle Rückmeldung, aber ein freundlicher Hinweis. Wer nicht den gleichen Fehler wie bei der St. Anger machen und die Katze im Sack kaufen, aber das neue Album auch nicht torrenten will, weil er Angst davor hat, dass Lars Ulrich persönlich vorbeikommt und einem den Arsch unterm Hintern wegklagt, der kann sich das vollständinge neue Metallica-Album auf der offiziellen Homepage legal und für lau als Stream anhören. Faires Angebot.

Man soll es einer Band ja zugestehen, wenn sie sich lernfähig zeigt. Plattendiskussionen in der Kommentarsektion definitiv erwünscht, ich selbst brauche noch ein paar Durchgänge ehe ich eine Meinung bilden kann. Besonders weil ich eigentlich seit einigen Jahren kaum noch Metal gehört habe. Besser als St. seit 2003 nie wieder in den CD-Player geschoben klingt es bisher allemal…

Nachtrag: Tag nicht vor dem Abend loben…

MST4K: Kafkas Wilhelm Tell

August 12th, 2008

Wenn es schon an neuem Material mangelt, dann kann ich ja auch einfach mal fünf Jahre alte Schmierzettel hervokramen um der Verspinnwebung des Blogs entgegenzuwirken. Natürlich nicht einfach nur so, sondern mit voll dem Zeitbezug, Digger.

Kafkas Wilhelm Tell

(Disclaimer: Das Mystery Sketchbook Theatre 4000: In der Uni hingeschmierte Kritzeleien, mit einer Digikam abphotographiert und dann ins Blog gestellt… entweder sehr Dogma 95 oder einfach nur mangelnden handwerklichen und technischen Möglichkeiten geschuldet.)

Bloody Stupid Brown Books: Watch on the Rhine

August 8th, 2008

Exordialtopik

Ich bin zu negativ. Sagt man. Zumindest wenn es darum geht, was mich aus meinem traumhaltigen Schlaf in meinem Haus in R’lyeh reißt und zum Blog zurück bringt. Ich sollte etwas Positives bloggen. Dass ich The Dark Knight in der Sneak gesehen habe und der Film nicht nur der beste Superheldenfilm ist den ich kenne. Und vielleicht die faszinierendste und spannendste Interpretation der Figuren Joker und Batman seit Frank Millers The Dark Knight Returns und Adam Moores The Killing Joke. Dass Heath Ledger wirklich so gut in der Rolle ist wie alle sagen und dass das ganze Gerümpel zudem auch als Film ohne das Präfix “Superhelden-” ziemlich gut und überraschend vielschichtig und intelligent ist. (Weshalb ich nicht mehr mit euch rede, wenn ihr euch über “oberflächliche Sommerblockbuster” aufregt und dann diesen Film ignoriert.) Oder darüber, was für eine geniale und unterhaltsame, hervorragend gemachte Serie Life on Mars ist. Ja. Darüber könnte ich bloggen. Tue ich aber nicht. Weil ich das Blog gerade für einen anderen Zweck brauche. Katharsis.

Bei der Suche nach solider Military-SF im Stile von Heinleins Starship Troopers und Haldemans Forever War stieß ich auf ein Buch, das so daneben, “offensive” und bizarr klang, dass ich dachte: Hey, das könnte ja sogar auf eine dumme Art und Weise fast schon unterhaltsam sein. Namentlich: John Ringos und Tom Kratmans Watch on the Rhine (Die Wacht am Rhein). Offenbar der siebte Teil einer langen “Aliens überrennen die Erde”-Buchserie, aber mir auch als Stand Alone angepriesen, das man lesen kann ohne den Rest der Geschichte zu kennen. Worum es geht? Hier mal die Synopsis die mir amazon frei Haus lieferte:

In the dark days after the initial Posleen attack, but before the primary invasion, the Chancellor of Germany faces a critical decision. Over the years, with military cutbacks, the store of experienced German military personnel had simply dwindled. After the destruction of Northern Virginia, he realized that it was necessary to tap the one group he had sworn never, ever, to recall: the few remaining survivors of the Waffen SS. Has he made a devil’s bargain, or is this a chance for the reviled SS at last to fight the good fight? And, perhaps, gain redemption. . . ?

Ich lasse das mal noch einen Moment unkommentiert stehen, damit die Grundidee sacken kann. …

Okay. Also, die Erde wird von fleischfressenden Echsenaliens bedroht und alles was Deutschland noch retten kann, ist die wiederverjüngte Waffen-SS. Ich habe in meinem Leben schon viele Konzepte gehört, die irgendwo zwischen amüsant-blödsinnig und hochnotpeinlich anzusiedeln sind, aber das hier nimmt nicht nur den Kuchen mit nach Hause, das entführt gleich den ganzen Bäckereibetrieb. Der Red Ghost will mit einer Armee intelligenter Superaffen den Mond für das Kommunistische Imperium besetzen? Gekauft. Jesus Christ, Vampire Hunter? Warum nicht. Die Karriere des Mannes der Citizen Kane gedreht hat, geht so den Bach runter, dass er einen Transformer voiceacten muss? Klingt schon unwahrscheinlicher, aber auch gekauft… aber: nur die Waffen-SS kann die Welt vor Aliens retten? Puuuuh-leeze. Nowai!

Trotzdem dachte ich, dass das Buch aufgrund des dem total abstrusen Konzept schon inne wohnenden Peinlichkeitsfaktors das Potential zu einem möglicherweise unterhaltsamen Trainwreck haben könnte. *Nääääähhhht!* Falsch! Das Buch ist schlecht geschriebener, unspannender Dreck. Wobei es auf jeder Seite mindestens eine Szene - meist sogar zwei oder drei - hatte, bei der ich mich fast verschluckt hätte, weil ich gleichzeitig aufstoßen, lachen und heulen wollte. Und nach 447 Seiten von dem Mist habe ich soviel braune Scheiße in mich aufgenommen, als hätte ich mich auf einer Scat Porn Party (das ist ein Suchbegriff den ihr nicht aus Versehen durch Google Images jagen wollt… vertraut mir) mit Hotte Mahler befunden. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll… darum gehe ich dieses Buch an wie einen B-Film und beginne am Anfang. Da war bekanntlich das Wort. Wäre es nur bei einem Wort geblieben.


Inhaltsangabe

Viel Zeit verschwenden die Herren Ringo und Kratman (also: Kratman… wir wissen ja wie das mit Büchern von zwei Autoren ist, der unbedeutendere Kerl schreibt es, Tom Clancy setzt seinen Namen drüber) nicht um gleich mal zur Sache zu kommen. Nach einem kurzen Ausflug in die frühen Tage des alliierten Europafeldzugs und einem kurzen Überblick darüber, worum es hier eigentlich geht (die echsenartigen Posleen überfallen die Erde und fressen Menschen und werden dabei von den verweichlichten Darhel unterstützt, die laut Wikipedia die Banker und Anwälte (oha!) der Galaxie sind… einzig die technisch genialen Indowy unterstützen die Menschheit), beginnen wir mit dem Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland - der in seiner Funktion so aufgeht, dass er keinen anderen Namen hat als Bundeskanzler, Kanzler oder Herr Kanzler - der die absolute Verwüstung betrachtet, die die Posleen in Fredericksburg, PA angerichtet haben. Neben ihm steht sein nicht ganz so treuer Lakai “Günter, the Green“. Gut Günter heißt eigentlich Günter Stössel, aber das Epiphet “the Green”, das auch gerne mal verwendet wird, macht viel deutlicher klar woher der Wind weht. Und es erspart es Ringo/Kratman den Mann definieren oder weiter beschreiben zu müssen. This man is evil. Evil, I tell ya!

Anyway. Im Jahre 2004 machen der Grüne Günter und der kanzelnde Kanzler der Deutschen das, was sich anbietet, wo Außerirdische eine ganze Gruppe Menschen getötet und verspeist haben: Sie greifen zum Nazivergleich. Und stellen fest: Die Nazis waren schlimmer. Wobei Günter und der Kanzler konstant “ourselves” in einer Form verwenden, als wären sie beide direkt Teil des Dritten Reichs gewesen. Scheinen also beide weit über 70 Jahre alt zu sein, wenn ich den Satz “We have been worse, Günter, far worse. We were worse because what we did, we did to our own. Cities burned away. Lampshades. Soap. Dental gold. Einsatzgruppen. Gas chambers and ovens. A whole gamut of horror visited upon the innocent by our ancestors . . . and ourselves.“, richtig verstehe. Die Sache mit der Deutschen Schuld habe ich als Spätgeborener nämlich nie so verstanden, dass ich bei einer Diskussion über den Holocaust eine “direkte, ganz persönliche” Schuld einräumen würde.

Interessant ist derweil, wie stringent die Charakterisierung ist. Günter, der sich bald als fanatisch nazihassender Verräter an der Menschheit erweisen wird, fragt nämlich: “And Dresden? [...] Hamburg? Damstadt?“. Oh ja, der Stachel von Darmstadt sitzt tief im deutschen Fleisch. Und die Grünen sind natürlich immer vorne mit dabei, wenn es darum geht Dresden, etc. als Kriegsverbrechen der Alliierten zu deklarieren. Aber eigentlich geht es nur darum, den moralischen Relativismus so früh wie möglich zu beginnen. Denn der Kanzler antwortet aus dem SS… öh… FF: “I didn’t say, my young friend, that we were alone in our guilt.

Whoa! Der deutsche Bundeskanzler, der mit Hilfe der Grünen regiert und offenbar zur SPD gehört, bezeichnet die Alliierten Bombardements deutscher Städte offen als Kriegsverbrechen und stellt sie mit den Menschenhautlampenschirmen, etc. auf eine Stufe. Gewagte These, Herr Kundesbanzler. Bombenholocaust, ick hör dir trappsen. Leitet aber nur dazu über, dass dem Kanzler, sofort nach dem er das Massaker von Fredericksburg gesehen hat, klar wird, dass es nur eine Lösung gibt um Deutschland zu retten: Die Waffen-SS verjüngen. Ist übrigens auch Günter sofort klar, was sein Boss da meint. Weil, hey, sooo abstrus ist der Gedanke doch auch wieder nicht. Oder? Oder? Und das alles auf den ersten Seiten nach dem Prolog.

Auf der nächsten Seite geht es dann auch schon um unsere Freunde im Westen: Die Franzosen. Wer jetzt glaubt der Wiki-Link wäre übertrieben: Nein. Denn die Franzosen haben nichts besseres zu tun, als gegen die Amerikaner zu demonstrieren, die es wagen den menschenfressenden Aliens die ihre Städte zerstören und ihre Bevölkerung verspeisen den Krieg zu erklären. Die müssen ja Schuld sein am Galaktischen Krieg, die Amis. Und darum fordert usere Fokus-Friedensaktivistin auch gleich mal die Kapitulation vor den Aliens. Und außerdem hat sie schon früher demonstriert: “Then it had been the Americans she had protested; them, and the war they had inherited from France. Now it was France she protested against, France and the war it had seemingly inherited from the Americans.

Im Weltkrieg gab es keine Seite die schlimmer war als die anderen und die Franzosen wollen sofort wieder kapitulieren. Und das wo die USA doch schon vor kurzem ihren Vietnamkrieg für die ‘zossen haben kämpfen müssen. Ja, die Herren machen keine Gefangenen. Und dann lassen sie die Aliens mal Europa charakterisieren. Wenn man wissen will, was der gemeine Faschist Konservative in den Staaten so von Europa denkt, bitte sehr:

It is a strange place, this ‘Europe,’ as they call it. United and divided. Wise and senseless. Fierce and timid. Heedless in peace, so say the records we have gleaned, but potentially fearsome in war.

Krieg kann Europa, sonst nix. Nach diesem Interludium befinden wir ns im Bundestag, wo der Bundeskanzler gerade über die Rejuvenation der Waffen-SS abstimmen lässt. Der Kanzler weiß übrigens nicht wen er mehr fürchtet. Die Linken, die ein Amtsenthebungsverfahren fordern werden, oder die Rechten die fordern werden, dass er endlich den Titel “Führer” akzeptiert. Weil, ganz ehrlich, der Begriff ist in Deutschland nicht so vorbelastet, dass man ihn in Zeiten der Not nicht wieder aus dem Giftschrank der Geschichte holen könnte. Ich frage mich, wen Kratman hier mit den Rechten meint. Sitzt in seinem Universum die NPD im Bundestag? Geht es um den rechten Flügel der CDU? CSU? Oder stelle ich Fragen die irrelevant sind, weil Kratman so weit gar nicht recherchiert haben dürfte? Egal.

Es gibt eine kurze Debattenrunde, in der Herr Kanzler einmal mehr zeigen darf, dass man heute lockerer und neutraler mit der Geschichte umgehen kann. Böse Zungen würden gar von moralischem Relativismus oder Verharmlosung reden. Denn als man von den Kriegsverbrechen der Waffen-SS spricht, antwortet der Kanzler: ““Were this true [...] then equally guilty would be Heinz Guderian, Erich Manstein, Erwin Rommel, or Gerd von Rundstedt. They actually did the higher level planning for that war. The people I propose to bring back were low-level players indeed compared to those famous and admired German soldiers.”” Und auf den Vorwurf, dass sie Gefangene erschossen haben hat der Kanzler folgendes Bonmot als Antwort parat: ““In that war everyone murdered prisoners.” Bei the way: Die Pro-SS-Fraktion spricht ruhig, sanft und beherrscht, während die Anti-SS-ler sie niederbrüllen und sich total unangemessen und radikal verhalten. Wie damals in Weimar. Nicht dass noch irgendjemand glaubt, es gäbe Argumente nicht sofort total begeistert zu sein von der Idee die Waffen-SS zurückzubringen.

Es wird also abgestimmt und am Ende kommt es auf die Stimme von Annemarie Mai an. Die Frau ist Grüne, Sozialistin und aus Wiesbaden. In der Reihenfolge der Schlechtigkeit. Und als jemand der sich mit dem Parlament nicht übermäßig auskennt (aber hoffte, dass die entscheidende Stimme von Jakob Maria Mierscheid ausgeht) stellt sich für mich die Frage: Wäre die Wahl über die Wiedereinführung der Waffen-SS nicht vielleicht eine, die … öhm… frei und geheim stattfinden sollte, statt öffentlich? Und dann auch der Reihe nach, statt dass alle zeitgleich abstimmen? So dass die Waffen-SS später mal eindeutig weiß, wer gegen sie gestimmt hat. Aber, hey, das sind ja anständige Soldaten. Die würden sich nie gegen einen demokratisch gewähltes Gremium erheben.

Egal. Annemarie Mai hasst Amerika (aber nicht die Amerikaner) mit glühender Leidenschaft und freut sich einen Wolf, dass Washington D.C. zerstört worden ist. Ja, so sind sie die Ökosozen. Warum hasst sie Amerika? Simpel: Imperialismus, kein Umweltschutz und “their insistence on an outdated economic system that had the infuriating habit of making her own preferred statist system seem inefficient“. Uuuuuuh, ice burn! Trotzdem stimmt sie für die SS.

Und - schnell, schnell! - bevor irgendwelche Netzspasten ‘ne Demos organisieren oder Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe einreichen können, lässt der Kanzler die überlebenden SS-Mitglieder zur Verjüngung schaffen. Das übernimmt der BND. Der wird wie folgt beschrieben

Another man, one of a pair, clad in the leather trench coat that marked him as a member of the Bundesnachrichtendiest—the Federal Information Service, Germany’s CIA—answered, “We shall take care of him from here on out. You and your home need trouble yourselves no further.” [...]

And when will the Gestapo, under whatever name they chose to go by, realize that those coats mark them for what they are as clearly as my Sigrunen—the twin lightning bolts—used to mark me.

Genau. Der BND, mit seinen Gestapo-Mänteln. Darum heißen Geheimagenten in Deutschland ja auch Schlappmäntel, oder so. Und sie fungieren offenbar als persönliche, grimmige Leibgarde des Kanzlers. Übrigens, Baen preist das Buch an als “meticulously researched“. Dabei sollte man wissen, dass “re-searched” hier soviel heißt, wie das Buch ist mal verloren gegangen, dann wurde es wiedergefunden und dann ging es wieder verloren. Weshalb es Kratman schon wieder suchen musste. Und dafür hat er jeden Zentimeter seines Wohnbunkers abgeklopft. Als er dann in was braunes, weiches gegriffen hat, da wusste er: Ah, da ist ja Watch on the Rhine. Um hier mal kurz vorzugreifen: Andere “meticulously researchte” Dinge sind die Spätzle aus Bayern, die Bundespost die noch 2004 für die deutsche Telekommunikation zuständig ist, die Kriegsmarine und - zumindest in der Online-Ausgabe - der Umstand, dass man nicht mal Hakenkreuz richtig schreiben konnte, sondern vom “Hakenkreutzer” sprach. Was ich mir sehr gut vorstellen könnte, als etwas dass in einer alten Ausgabe von Captain America vorkommt. So ein Naziboot in Hakenkreuzform. Meticulously researched, mein Arsch.

Der Kanzler trifft sich nun mit Mühlenkampf, dem Head-Honcho der neuverjüngten Waffen-SS. Und der liest erstmal Günter dem Grünen - der übrigens, wie deutlich betont wird, aus Hass auf die Armee seinen Zivildienst geleistet hat - die Leviten bezüglich seiner politischen Einstellung:

“A political fanatic is dangerous no matter if he wants to hang capitalists or to gas Jews or to make economic life impossible, Herr Kanzler.”

“I am no fanatic, SS man,” bridled Günter.

“Neither am I, bureaucrat,” answered Mühlenkampf, coolly. “I am a soldier and I rather doubt the chancellor brought me here to discuss politics. But to my mind a Red fanatic and a Green fanatic are indistinguishable. And Germany has had more than enough of both.”

Richtig. Die Grünen wollen die Wirtschaft lahmlegen und sind damit mindestens so schlimm wie die Nazis. Wozu die SS nicht gehörte. Das waren ja nur Elitesoldaten, die sonst nirgendwo anders hin konnten. Allesamt unpolitisch bis zum geht nicht mehr. Und wenn ich den vorletzten Satz richtig lese, dann ist Mühlenkampf Rot-Grün-Farbenblind. Hoffentlich muss er im Kampf gegen die Aliens nicht irgendwo eine Ampel überqueren. Echt jetzt, sich von einem SS-Mann Lektionen in Sachen Fanatismus anhören zu müssen… bitter, bitter. Und auch andere Mängel an der Gegenwart stellt Mühlenkampf fest: Wegen “certain types of Gästarbeitern” (lies: Moslems) darf die Bundewehr nicht mehr in Uniform auf die Straße gehen. Und der Kanzler will die SS der Bundeswehr - Pussywehr, wie sie im Buch auch gerne genannt wird - unterstellen. Das geht natürlich gar nicht. Wie Caesar geht es auch Mühlenkampf nur um seine “Würde”. Und diese Würde, ohne die der Soldat nicht kämpfen könne, zeigt sich darin, dass die SS a.) ihre schicken schwarzen Uniformen braucht, b.) ihre Siegrunen und c.) ihre alten Divisionsnamen. Okay, mit einer Ausnahme: Die SS-Division Hitlerjugend (angelastete Kriegsverbrechen wurden wahrscheinlich eh von der Wehrmacht, nicht der ehrenwerten SS begangen, wie der Mühlenklops referiert) wird umbenannt in die SS-Division Jugend. Das ist für die SS zwar ungewohnt, aber Raider heißt jetzt ja auch Twix: Sonst ändert sich natürlich nix. Die Waffen-SS ist - laut Mühlenkampf - so apolitisch wie eh und je. Habe Hitler und Himmler selbst wiederholt gesagt, dass sie sich mal ficken können. Und diese Unabhängigkeit symbolisieren die Siegrunen. Sicher, Dicker.

Achja, wie findet der gemeine Deutsche eigentlich die SS-Idee, Herr Kanzler? “While, I assure you, there are some people, especially down in Bavaria, [...] who would welcome the return of the SS with cheers, most of our people would turn away.” Das Schlimme daran: In Kratmans Weltbild sind diese Bayern - denn Bayern ist ja das Texas Deutschlands - die einzig vernünftig reagierenden Deutschen, während der Rest liberale Pussies sind. Denn die SS war ja unglaublich toll:

“There is one other thing, Herr Kanzler. The SS was perhaps the most cosmopolitan armed force in history, certainly the most cosmopolitan force of its size. We had battalions, regiments, brigades and divisions of Dutch, Belgians, French, Danes, Swedes, Latvians, Estonians . . . damned near every nationality in Europe. We even had control for a while, though they were not part of us, of one Spanish Division, the Spanish Azul, or Blue, Division. Moslems? Lots. I have no doubt but that, had we won the war and some of the Reichsheini’s wilder schemes for a Jewish Homeland come to pass that there would eventually have been a brigade of the Waffen SS that would have sported armbands reading, ‘Judas Maccabeus.’ Yes, I am serious,” the former SS general concluded.

*sigh* Wo soll man bei dem Bullshit zu schaufeln anfangen? Also, dass die SS Mitglieder fast jeder Nationalität hatte ist natürlich nett. Besonders wenn man bedenkt, dass die meisten Nationalitäten nur deshalb in der SS waren weil wir vorher ihre bekackten Länder erst überfallen und eingenommen haben, verdammte Scheiße. Auffällig, dass es keine englische SS-Brigade gab, oder? Und soweit ich weiß hat die SS weder Juden noch Slawen aufgenommen, das waren ja auch “Untermenschen”… aber, hey, was ist das schon unter Freunden? Und nach Kriegsende hätte man ja eine jüdische Division aufgestellt. Und bis es soweit war hat man sich halt die Zeit damit vertrieben aktiv in Heydrichs Einsatzgruppen hinter der Front mitzuwirken, die zu einem Drittel aus Einheiten der Waffen-SS bestanden und unter anderem fahrende Gaskammern betrieben und schon bis Ende 1941 eine halbe Million Juden umgebracht hatten. Von den Partisanen, Behinderten, Sinti und Roma ganz zu schweigen. Was Kratman, oder seine Figuren, darauf antworten würden ist klar: Das waren ein paar schlechte Äpfel, einige wenige, aber wegen denen darf man doch nicht den ganzen Baum fällen. Das ist nämlich die Kernagenda dieses Buches: Die Waffen-SS, mit der Ausnahme einiger weniger “böser” Menschen, aus dem Kontext Holocaust rauszunehmen. Der Rest hat halt das getan, was alle guten Soldaten getan haben: Befehle befolgt für das Vaterland… ist mir schlecht.

Anyway, das “jewish homeland” in Madagaskar… urks. Der eher oberflächlich bedachte Plan war schon 1940 aufgegeben worden. Und mehr als genug Historiker melden ihren Zweifel an, ob der Plan jemals wirklich umgesetzt werden sollte. Aber, hey, es passt halt schön in das Bild der sauberen, ehrlichen, anständigen, weltoffenen Waffen-SS, das Kratman hier zeichnet. Der Umstand, dass nach diesem Plan der Weg direkt nach Auschwitz und Birkenau ging? Geschenkt. Achja, die angeblich geplante SS-Division Judas Maccabaeus: Judas Maccabaeus hat hat einen Aufstand gegen das Seleukiden-Reich in den 160ern v.Chr. geleitet. Obwohl Kratman das natürlich alles “meticulously researched” hat, habe ich nie etwas von einem solchen Plan gelesen und behalte mir bis auf weiteres mal die Meinung vor, dass Kratman sich das alles aus seinem eigenen Arsch gezogen hat. Und dann hat der Divisionsname eine Bedeutung: Die Seleukiden waren die Nachfolger des Alexanderreichs und saßen zwischen Zweistromland und China. To wit: Proto-Moslems. Da liegt für Kratman die eigentlich Gefahr.

Und all dieser Blödsinn, und noch viel mehr den ich hier übersprungen habe, tritt alleine im ersten Kapitel zu Tage. Ich kürze ab jetzt bei der Zusammenfassung mal ein wenig ab. Also, in Kapitel 2 sind die SS-Männer erstmal schockiert über den Zustand der Bundeswehr, die wegen den gutmenschlichen Multikultireformen nur noch aus fetten, faulen, unfähigen Rekruten besteht, die hart wie Butter, schnell wie Eric Moussambani im 100-Meter-Freistil und zäh wie ein Filet Mignon sind. Und schlimmer noch: Die verweichlichte deutsche Gesellschaft hat dafür gesorgt, dass keiner von denen religiös ist. O tempora, o mores. Und noch schlimmer, weil Deutschland ja eine ökostalinistische Diktatur ist, demonstrieren Tausende im Angesicht der Alieninvasion gegen eine Panzerfabrik, die die Umwelt verschmutzen würde und gegen den Einsatz von atomar angetriebenen Panzern.

Es liegt also an den SS-Männern die deutschen Müttersöhnchen zu retten. Und wie geht das? Mit den alten Mitteln. Stechschritt und Marschlieder. Denn wie Mühlenkampf weiß: “The skinheads never got anywhere, Hansi, [...] because this is Germany and the assholes never learned to march in step . . .” Eben. Der Deutsche an sich ist ja nur zufrieden, wenn er im Gleichschritt marschieren darf. Und dann wird erstmal das Horst-Wessels-Lied angestimmt. Was kann denn das arme, unschuldige Lied dafür, dass es missbraucht wurde… missbraucht, sage ich. Schade, dass Kratmans und Ringos Deutsch offensichtlich nicht gut genug ist, um zu erkennen, dass in dem Lied die von seinen SS-Leuten verachtete SA besungen wird oder die Hitlerfahnen, obwohl die SS ja Hitler nie (nie!) gemocht hat. Au Mann. Aber all das ist natürlich nötig um die deutsche Jugend aus den Klauen der rotgrünen Musel-… öh… Alienappeaser zu befreien:

Ah, but Hansi, they forget something, those Reds and Greens. Several things, really. Germany was no less decadent, divided and weak in the 1920s. I was there. I remember. Yet we shook the world in the ’40s. Why? Because transformations like that are as superficial and shallow as they are easy. Those boys down there are Germans, Hansi—lemmings, in other words.

“Lemmings, they are, Hansi. Germans: mindless herd animals, at best.” The brief and indulgent smile was replaced in turn by a feral grin. Mühlenkampf slapped Brasche heartily on the shoulder, adding, “But they’d rather be in a pack than a herd, my friend . . . a pack of wolves.”

Über das da transpornierte Deutschlandbild schweige ich mal lieber. Deutschland war schwach in den ‘20ern, aber schon in den ‘40ern haben wir, in Form eines unprovozierten Angriffskriegs der rund 50 Millionen Menschen das Leben gekostet hat, die Welt erschüttern können. Und vorher sind wir intern noch unsere Dissidenten, unsere Linken, Homosexuellen, Behinderten und “Rassenverräter” losgeworden. Ja, das klingt doch nach einer Zeit, die man so bald wie möglich mal wieder nachstellen sollte. Gerade weil Deutschland heute wieder genau so dekadent, schwach und gespalten ist. Ein paar ordentliche Rassengesetze und der Laden läuft wieder. Wobei natürlich die neuen Rassengesetze, dem Weltbild Ringos und Kratmans folgend, wohl eher gegen Moslems gerichtet sein sollten. Und das wäre dann natürlich eine legitime Verteidigung.

Also gut… also schlecht… also also, die SS verschärft die Grundausbildung so weit, dass ein Prozent der Rekruten schon in der Ausbildung ins Gras beißt: “not merely an acceptable, but a desirable figure“. Härtet die Burschen ab. Denn was sie nicht umbringt, macht die Jungs ja bekanntlich stärker. Ähm, außer natürlich das eine Prozent Jungs, die das umbringt. Die “Pussywehr” weigert sich aber leider dem heroischen Vorbild des SS-Trainings zu folgen. Der Grund: “There, the few Wehrmacht veterans scattered about were impotent to change things from the politically correct, multiculturally sensitive stew the politicians had made of the German army.” Gut dass wenigstens die SS-Männer wissen “what Germany, what Europe, what humanity, needed“.

Dumm nur, dass die SS-Kaserne zu dicht an Hamburg, Berlin, Essen und Frankfurt liegt. Wie das geographisch möglich ist, das sei mal dahingestellt, aber offensichtlich ist alles oberhalb des Weißwurst-Äquators stalinistisches Kernland und ideologisch verblendet, weil aus all diesen Städten zehntausende linksgrünschwule Friedensdemonstraten kommen (wie erwähnt wird, wählen 60% davon Grün) um gegen die SS zu demonstrieren. Faschisten! Also, die Demonstranten, nicht die Waffen-SS, versteht sich. Achja, die Friedensdemonstraten wurden angeleitet von den rot-grünen Politikern, die mit den intergalaktischen Bankern kooperieren. Und sie fordern “Freundschaft mit unseren außerirdischen Brüdern” und schlagen erstmal die anwesenden Polizisten samt und sonders nieder. Kennt man ja von den Ostermärschen, wie brutal diese “unwashed, long-haired young men” unsere durch Deeskalationsstrategien entmannte Polizei regelmäßig vermöbeln. Oder die Friedensmärsche gegen die Pershing-Stationierungen in den Achtzigern. Dagegen waren die Chaostage ein Zuckerlecken.

Die Frage ist nun natürlich, was soll die arme, von den Hippies bedrohte SS tun, nun da die Polizei ausgeschaltet wurde? (Vielleicht eine kurze Pause um die Täter-Opfer-Rolle hier nochmal einwirken zu lassen: Die Friedensbewegung hat die Polizei niedergeknüppelt und bedroht nun die arme, unschuldige, wehrlose Waffen-SS.) Klar: Sich verteidigen. Und so marschieren sie, das Panzerlied singend, aus der Kaserne heraus, um zu dem Teil zu kommen, bei dem Kratman die Hand in der Hose aufgeregt auf- und abbewegt haben wird, als er ihn schrieb. Der erste Cumshot in diesem SS-Porn. Denn jetzt bekommen die Ökos das, was sie im Weltbild von PI oder Kratman verdienen. Richtig schön aufs Maul:

Muscle and bone augmented by the same process that had returned the octogenarian Brasche to full youth, Hans’ fists leapt and flew like twin lightning bolts. Wading into the crowd, he strode over a medley of bleeding, tooth-spitting, choking, bruised and gagging leftists. Behind him, the singing grew louder and closer.

Dreckig kämpfen natürlich nur die Linken. Ist klar, die sind ja auch “ungewaschen”. (Verstanden? Dreckig… ungewaschen? Ba-da-dish!) So kann der SS-Mann Brasche beispielsweise keine Frau schlagen und wird sofort von den Friedensdemonstranten angefallen, als er zögert. Wobei dieses Beispiel von mutigem Widerstand gegen faschistische Gutmenschen scheinbar so toll ist, dass einige anwesende Demonstraten sich sofort bei der SS einschreiben. Sogar die emaskulierten “pansy boys” die sich vor der Armee gedrückt haben und ihren Zivildienst leisteten. Generalmajor von Ribbentrop (nein, nein, nein… different other chap), “an absolute weenie, a posturer, a knave” von der Bundeswehr gibt den Juden die Schuld an den Demonstranten. Aber, anders als die Bundeswehr, ist die neue Waffen-SS ist ja absolut antisemitismusfrei und darum erwähnt Mühlenkampf, dass die es Juden nicht sein können. Anders als die Bundeswehr können die Israelis nämlich kämpfen. Da, kein Antisemitismus in der Waffen-SS. Fall geschlossen, wo ist mein Hut. Stattdessen hat Mühlenkampf die wahren Feinde sofort erkannt: “Those papers contain the names of those I most strongly suspect of being our foes. You might let the men see those names before they sign out of the camp.

Ah, Proskriptionslisten für die SS. Mit den Namen derer, die Mühlenkampf “most strongly suspect[s]“. Betonung auf “suspects”. Beweise hat er keine. Braucht er aber auch nicht. In Kratmans und Ringos verschrobenen Weltbild sind ja die Philosophenkrieger von der SS das moralische Zentrum. Die machen keine Fehler. Und wenn doch: Da muss man halt mal im Namen der Freiheit dran glauben, wenn man sich verdächtig gemacht hat. Im Krieg gegen den Terror… öh… die Aliens kann man keine Rücksicht auf Verluste nehmen: “Of thirteen panzer Korps, fully a dozen have had their training sabotaged through propaganda, insistence on the rights of junior soldiers, withholding of vital supplies and equipment, and rigorous application of environmental regulations.” Bah! Das bestehen auf den Rechten von Wehrpflichtigen. Linker Faschismus, sowas. Also: Rechte, statt Pflichten.

Wir bekommen dann einen Nebenplot in dem der junge Freiwilige Dieter (alle Deutschen heißen natürlich Johann, Dieter, Klaus, Hans, Otto, Fritz und nicht etwa Kevin, Bill, Ronny, Murat oder Birkan) das deutsche “Fraulein” (natürlich nutzen auch alle Deutschen Worte wie “Fraulein”, “Libchen” oder “Lieber Gott im Himmel”) Gudrun für sich gewinnt, indem er betont, dass er trotz SS-Uniform kein Nazi ist (sein Oppa meinte er würde bei der SS besser ausgebildet werden als bei der Pussywehr… die haben ja auch die schneidigen Uniformen). Und schon ziehen die deutschen Soldaten in den Krieg. Und im Bus singen die Soldaten: “Muss i denn, muss i denn, zum Städele hinaus”. Weil, ganz ehrlich, dieser ganze neumodische Scheiß den die Marines hören um sich zu thrillen, Bodycount oder “Rock the Casbah” von The Clash oder so, der funktioniert natürlich nicht für Deutsche Soldaten. Der Deutsche braucht Heimatlieder, sonst kämpft er nicht. The StUffz don’t like it, rockin’ the Heide.

Und dann beginnt der Krieg. England hält das Gebiet südlich des Hadrianswall, der offenbar gegen raumfahrende Aliens genau so toll funktioniert wie gegen primitive Pikten. Italien und die BeNeLux-Staaten fallen. Die wilden, schluchtenscheißenden Alpenvölker verjagen die Aliens aus ihren Tälern. Für Frankreich und Polen sieht es derweil nicht gut aus. Und in Deutschland landen 30 Millionen Aliens. Ein fairer Kampf. Der in Mittelhessen besonders geführt wird. In Gießen und Marburg. Oh, hey, Marburg. Da habe ich ja bisher ein knappes Viertel meines Lebens verbracht. Da bin ich doch mal gespannt, wie ausführlich diese Stadt beschrieben wird. Wie dicht an der Realität das Buch ist. Also, gut Kratman, gib’s mir. Beschreib mir Marburg an der Lahn:

The ancient stone castle stood silent and untroubled, overwatching the ancient town below. From his hastily scraped fighting position, the castle and town beckoned Pieter Friedenhof with the hint, if not the promise, of safety.

Wooooow! Es ist als hätte Kratman sein Leben lang in Marburg gewohnt. “The ancient stone castle” und “the ancient town”. Wie schön, wie präzise, wie genau. Gut, es gibt hier auch noch eine “ancient church” in der Paule Hindenburg begraben liegt und oben auf den Lahnbergen gibt es ein Virologie-Forschungszentrum, wo man an Ebola, den Pocken und anderen Pandämieauslösern rumforscht, was man vielleicht in die Story hätte einbinden können, aber ich will mich nicht beschweren. Marburg bekommt mit diesen zwei Sätzen schon mehr Beschreibung ab als Hammelburg, Berlin, Gießen, Kiel oder Magdeburg zusammen. Und mit deskriptiven Parts haben es Ringo und Stratman ohnehin nicht so. Gedanken und Dialoge werden wiedergegeben, es wird auch gesagt was jemand macht, aber sowas wie eine Einleitung in der mal ein Handlungsort skizziert oder eine Person ein wenig äußerlich definiert wird oder sowas, das ist für linksgrüne Literatenschwuchteln. Echte Männerprosa braucht sowas nicht. Ist vielleicht auch besser, denn wenn Kratman und Ringo lyrisch werden, dann kommt sowas dabei raus:

Weather reports spoke of snow coming from the south, but Pieter felt already as if a blizzard had descended upon his heart and soul.

Achja, Landserromantik. Und während die Grünen die Pläne der Bundeswehr an die Aliens verraten - in der Hoffnung dass diese gewinnen und der Überbevölkerung durch den Virus Mensch ein Ende bereiten (ja, so denkt er, der gemeine Grüne) - haben sie mit der SS weniger Glück. Die weigert sich der Politik ihre Pläne zu verraten. Wo kämen wir denn da hin, wenn sich unsere Militärelite, die nur unser Bestes will, vor der verräterischen Politeska verantworten müsste. Abstruse Idee. Abstrus. Ungehindert von politischen Ränkespielen funktionieren Armeen doch immer am Besten. So wie damals in Griechenland, als die Obristen das Land vor der Rotfront gerettet haben. Hätte die die Armee kontrolliert, dann wäre sowas nie passiert. Gut, all das hier wäre dann auch nie passiert, aber es war doch zum Wohle des Volkes. In Kratmans Welt muss der Moloch Regierung nunmal kontrolliert werden von einem Gegenwicht, bestehend aus einer unkontrollierten Elite-Armee.

Achja, und die Armee hat Neutronenbomben, Atom- und Antimateriewaffen und setzt Depleted-Uranium-Munition ein. Muss sie natürlich heimlich tun, weil sich sonst die linksgrünen Ökofaschischten sich beschwert hätten:

As for the DU penetrators themselves, the left would have shrieked their fury to a ritually denied Heaven could they have known how the otherwise simple rounds had been modified . . . and why. The use of depleted uranium itself had been a close run thing in the Bundestag, the German Parliament. “Ecologically unsound. Environmentally unsafe. Polluting . . . filthy.” Aesthetically unappealing. Heretical. Upsets me at my vegetarian breakfast. Forces me to contemplate that which must be denied.

Ebend. Ökologisch unsicher, verschmutzend, dreckig. Und noch dazu ästhetisch unattraktiv. So denkt er, der frühstücksvegetarische Linke. Ich frage mich ja, ob Ringo oder Kratman je einen Linken oder Grünen getroffen haben. Also, einen den sie sich nicht selbst aus Stroh zusammengebaut haben. Gibt ja auch keinen wirklichen Grund nicht begeistert davon zu sein, dass strahlende Mun verwendet wird. Aber kehren wir zum Krieg zurück.

Die von der Pussywehr verteidigten Städte wie Aschaffenburg fallen fast sofort. Auch Marburg fällt, weil der Ex-Freund von Gudrun (der Romantik-Subplot, wir erinnern uns) sich auf seine Trennung, statt den Krieg konzentriert und dann vor Panik flieht, woraufhin ihm alle anderen Pussywehr-Gefreiten folgen. Die Schlachtbeschreibungen sind öde, dröge und sehr blablablabla. Da wünscht man sich Clancys Prosa aus Red Storm Rising zurück. Also, die Fronten bröckeln. Die “innocent, bright, [...] “battle maiden” who would never hurt a soul” Gudrun wird gefangen genommen und verspeist und es gibt weitere Prosaperlen. (”He watched as a human—a female he thought, based on the curious bumps on the creature’s chest—had her nestling torn from her arms.“… hihihihi, Titten… echt gezz, Kratman/Ringo, werdet erwachsen.) Der SS wird klar, dass sie durchgreifen muss, um Deutschland zu retten: “It’s true, Dieter. The rot must be stopped as soon as it starts. Sometimes, if you train them right, the rot doesn’t start for along time; maybe not until the war is over. But when you have as much rabble in uniform as Germany today has, you don’t have much choice but to use harsh measures.

Das haben wir gerne: Erst alle zum Wehrdienst zwingen und sich dann beschweren, dass die Leute keine Top-Soldaten sind. Aber das muss ja so sein: Wenn sich Menschen um den Dienst in der Armee drücken dürfen, wie soll man dann merken, wer ein schlechter Soldat ist? Und wer ein schlechter Soldat ist, der ist nach dem Krieg ja eindeutig auch ein schlechter Bürger, der seinem Land schadet. Nur darum ist Deutschland ja in dieser desolaten Verfassung. Wie gut, dass der liebe Gott das Seil und den Galgen erfunden hat um solche Probleme zu lösen. Und nur damit das keiner vergisst: Die SS-Leute die so argumentieren, sind Kratmans und Ringos Helden und die einzigen im ganzen Buch, die “vernünftig” und “moralisch richtig” agieren. Vielleicht nochmal eine kleine Prosaperle zu den Deserteueren:

Of course they had taken to their heels. These were the fleet-footed remnants, the early deciders, the least brave of all. Any good men, any good leaders? These were those most likely to have held on that fatal few seconds too long before, during the wretched rout at Marburg. In short, these were long since stuffed, in butchered parts, down alien gullets; and then, long since, deposited in malodorous lumps onto the soil thus soiled.

The good of the 33rd Korps had become shit . . . while the shit had become a sort of human diarrhea. This loose shit ran.

Eine äußerst beschissene Metaphorik, wenn ich das mal so anmerken darf. Nun gut. Die SS schießt nun also die Deserteure ab (”spoiled by mama’s teat and weakened military training“) und verurteilt danach, nach römischen Recht, jeden zehnten Deserteur zum “Todt durch dem strang.” Ähm… Todt?

Teile der Regierung (lies: die Grünen) waren zwar dagegen und das Kanzleramt forderte die Herausgabe der Deserteuere, aber die Bundeswehr verweigerte diesen Befehl (Bürger in Uniform, die nicht einfach nur Befehle ausführen… wie schön, so haben sich die Väter des Grundgesetzes das gedacht) und gibt sie lieber der SS heraus. Dann kommt der nächste Porno-Part. Wo man zuletzt mastrbierte weil Linksgrüne aufs Maul bekommen, da masturbiert man nun weil Feiglinge baumeln. Ich spul mal vor, die Exekutionsszene dauert ein wenig.

Der neue Stand des Krieges: Deutsche Soldaten halten die Oder-Neiße-Linie (wie gut, dass keiner der SS-Leute ein Heimatvertriebener ist, der Probleme mit dieser Grenze hat) und die Siegfried-Linie, während die letzten französischen Truppen (die bald erkennen, dass seit Napoleon I. keine französische Regierung mehr etwas getaugt hat und sich dem Kommando der SS unterwerfen) die Maginot-Linie halten. Irgendwofür muss das Ding ja gut sein. Schade, dass man den Atlantikwall nicht mehr verwendet. Und mit Deutschland geht es derweil bergauf. Zumindest wenn man Ringo Kratmans wirren Gedanken folgt, denn der Kanzler hat die Faxen dicke, dass die Grünen der Armee im Weg stehen und lässt darum rund fünf Prozent der Regierung von der SS verhaften, weil die Polizei am Ende noch weibische Verfassungseinwände hätte:


“Germany has enemies, enemies she has nurtured at her own breast. They cannot be allowed to sabotage us any longer.

“No, damn them!” fumed the Kanzler. “Nor will they until about five percent of them are removed from office!”

“Well, Herr Kanzler, surely your precious democratic constitution has provisions . . .”

“Not for this, General. Not for what must be done now.”

“Ohhh, I see. You want my Korps to break the law, do you?”

The chancellor glared. “Desperate times, General . . .”

Und nochmal dran denken: Die Politiker, die meinten dass es eine dumme Idee wäre die SS wieder einzuführen, werden als Paranoiker dargestellt, während dieser Akt hier nicht nur sinnig, sondern legitim ist. Weil Deutschland doof genug war nach dem zweiten Weltkrieg keine Ermächtigungsklausel in die Verfassung einzubauen. Als Dank für diese kleine Gefälligkeit darf die SS dann auch endlich wieder ihre Siegrunen tragen. Und zwar auf einem wunderschönen Fackelzug, der nicht nationalsozialistisch ist, weil er ganz ohne Hakenkreuze auskommt. Und wie der Kanzler ernsthaft denkt: “I wish that I had had the foresight to have Leni Rieffenstahl rejuvenated before she passed away in 2003. What a propaganda scene she could have made from this.

Fackelzüge und Riefenstahl und nur auf ihre Ehre bedachte, apolitische Nazis. Wie schon bei den Marschliedern zeigt sich übrigens auch hier: Der Deutsche hat sich nicht geändert. Auch nicht in seinen Ansprüchen. Riefenstahl-Propaganda, die funktioniert immer noch für ihn. Dann dürfte dem durschnittlichen Deutschen dieses Buch ja liegen. Grünspan-Günni, der von “our holy mother earth” faselt (denn alle Grünen sind gaia-anbetende Heiden) ist schockiert und droht - total undemokratisch, da sieht man wo die Macht in einem Staat liegt, der kein funktionales Zwei-Parteien-System hat - damit, dass die Grünen dem Kanzler die Unterstützung kündigen und ihn stürzen könnten. (Sowas würden andere Parteien bekanntlich nie tun.) Und ganz der Demokrat der er ist, wie ist dieser Faschist eigentlich an die Macht gekommen?, antwortet der Kanzler darauf mit diesem Wittizismus: “ I used to need your Green Korps. But now? Now I have the Black Korps, my green-hued friend.” Und lässt Günter abführen. Genau das hat dem Kanzler in den letzten fast sechzig Jahren gefehlt: Eine Praetorianer-Garde unter seinem persönlichen Kommando. (Außer wenn sie nicht auf ihn hören will.) Schöne neue Welt.

Aber natürlich muss der Kanzler nochmal klar machen, dass das hier was ganz anderes ist als damals und so fragt er den Ex-Zivi-jetzt-SS-Jungen, ob er Nazis in der Waffen-SS kenne. Dessen Antwort: “One, mein Herr. [...] He is a bad man and we all hate him. He is, however, a very good tank driver so we put up even with him, for the Fatherland.” Ein einziger Nazi in der Waffen-SS, den alle hassen? Na dann ist ja gut.

Wie geht denn der Putsch… öh… die Befreiung Deutschlands von der linksgrünen Diktatur voran? Gut: “The general reports that most suspect members of the Federal Legislature are under arrest, along with the A list of suspects within the Bundeswehr higher command echelons. In addition, leaders of the more radically antihuman of the political parties are almost entirely in the bag . . . Though some have already been executed . . . er, shot while escaping.

Neben dem kleinen Witz, dass man ein paar sofort exekutiert… öh… auf der Flucht erschossen hat (hahaha… dieser wacky conservative humor), lese man nochmal ein Adjektiv besonders heraus “suspect“. Die SS beseitigt hier nicht Leute von denen sie weiß, dass sie mit den Aliens kooperieren, sondern Leute die nur “verdächtig” sind. Was für Kratman und Ringo aber keinen Unterschied macht: Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns. Und wer nicht bedingungslos hinter der Waffen-SS steht, der hat es verdient von der Waffen-SS vernichtet zu werden. Oder in Schutzhaft zu landen. Ich frage mich, was aus Annemarie Mai geworden sein mag, jener Grünen-Abgeordneten die die entscheidende Stimme für die SS abgegeben hat.

Auch anderswo räumt Deutschland endlich so auf, wie es wohl mal nötig war:

Yet there was a new ruthlessness in Germany, a ruthlessness that cared little for the “rights” of individuals, much for the survival of the Volk.

Student deferments? Gone. Alternative service? Gone. Refusal to serve? Conscientious Objector status claimed? The Penal Formation once known as the 33rd Korps grew to meet and then exceed its former strength. And the hangmen were often kept quite busy.

Nice, safe and comfortable billets in the rear? “No more, my son. You are going to the front. Women can do your job well enough.”

Only workers vital to the war effort were spared the sweep of conscription. Many of these were agricultural. Many others were industrial. Some were scientific and industrial both.

So stellen sich Ringo und Kratman das perfekte Deutschland vor. Unter Waffen, jeder dient, keine Intelligentsia sondern nur Bauern, Arbeiter und Soldaten. Jede Opposition wird ausgeschaltet und all diese von den kommunistischen Arschpiraten erfundenen “Rechte” (bah!) die das Individuum für sich verlangt, müssen hinter dem Volkswillen zurücktreten. Also, im Kern das Dritte Reich, nur dieses Mal ohne die Judenverfolgung. Der Rest war ja offensichtlich ganz toll, wenn ihn nur die zwei oder drei echten Nazis nicht mit ihrer Endlösung in Verruf gebracht hätten… argh!

Und jedes Schuldgefühl für den Holocaust endet damit, dass die SS-Division Judas Maccabaeus endlich eingerichtet wird. Israelis in Deutschland tragen die Uniform der Waffen-SS (nur mit Davidsstern statt Siegrunen) und kämpfen gemeinsan gegen die Aliens. Nur die Franzosen, die weigern sich den Juden in dieser Stunde der Not zu helfen. Grund: “[A]nti-Semitic France’s strong and vocal Muslim minority had put up vigorous protests towards the notion of sheltering the religious and cultural enemy.” Ja, alle Menschen sind endlich Brüder. Bis auf die Moslems, die Grünen und die Franzosen. Welche der Gruppen Kratman schlimmer findet, das muss man selbst entscheiden.

Und die SS marschiert. Singend. Über Kopfsteinpflaster. Weil ganz Deutschland scheinbar nur aus Kopfsteinpflastern besteht. Ist aber vielleicht einfach nur der bessere Marschierboden. Was weiß ich. Wenn die Waffen-SS mal nicht marschiert, dann wächst und wächst sie. Neben den Israelis dienen hier auch immer mehr Deutsche, die der “political correctness that had infected [the Bundeswehr]” zu entkommen versuchen und nun von der SS, wie es ein Ausbilder auszudrücken pflegt, endlich wieder “härter als Kruppstahl” gemacht werden. Auch Fünfzehnjährige tun endlich wieder freiwillig ihren Dienst. Und der Eifer der Truppen steigt, seitdem man angefangen hat Zivilisten zu exekutieren, “who had interfered with the army’s training and morale“. “Interfered with army’s morale” ist wahrscheinlich die freundliche Version von: Haben Kritik an der Armee und ihren willkürlichen Exekutionen geübt. Wobei, willkürlich? Nein, diese ehrbare Armee doch nicht.

Zudem hat die SS endlich ihren total geilen, atomgetrieben, Railgun-Superpanzer bauen können (dieses Mal ohne logistische Probleme), den man eiskalt “Brünnhilde” nennt. Und dann macht man eine Testfahrt während der Ritt der Valkyren aus den Lautsprechern erklingt. Der Panzer hat die Macht des Klischees. Und um das Klischee vollzumachen, hat er zudem eine Künstliche Intelligenz, die nicht nur altklug ist, sondern es auch noch mag mit den Panzerkommandanten zu debattieren. Weil Waffen mit KI ja so eine tolle Idee sind. Au mann…

Das Problem: Die SS ist so gut, dass die Aliens von ihr lernen, wie man richtig kämpft. Und deshalb hat man ja schon in Russland verloren: “It seemed the Germans had managed to do what they had done before, even with the Russians: teach an enemy to fight as a combined arms team.” Ich hatte ja gedacht, dass der Winter irgendwo Einfluss auf die Niederlage an der Ostfront hatte, aber offensichtlich war die SS viel zu gut um zu gewinnen. (Was für eine absolut blödsinnige Idee.) Und so fällt bald auch Mainz und die gesamte Rhein-Main-Region. Zumindest helfen die Deutschen den Flüchtlingen bereitwillig mit dem letzten bisschen aus, was sie selbst haben. So wie damals, als man sein Herz den Ostvertriebene öffnete. … Oh, halt.

Und selbst jetzt, da es eng aussieht für Deutschland, kämpfen die Deutschen wie die Berseker. Wie ein Franzose begeistert feststellen muss: “Give the bastards their due. When their blood is up, when it really matters, they know how to die.” Ja wie sterben sie denn, wie sterben sie denn? Antwort: Mit pathetischen Reden:

“We have been under siege for five days. For five days we have had no food. In ten minutes the enemy will attack; we can hear him massing now. I have only one magazine left for my rifle. The mines are expended. The machine gun is kaput. We are out of range of mortar support and I cannot raise the artillery. We have rigged a dead-man’s switch on our last explosives to ensure our bodies do not go to feeding the enemy. Tell my family I have done my duty and will know how to die. May the German people live forever!”

Ja, möge das deutsche Volk auf ewig leben, so dass es ewig im Krieg sterben kann, wie sich das gehört. Und zwischen belanglosen Panzerkriegsszenen geht Deutschlands Reise in die “gute alte Zeit” weiter. SS-Lazarette entstehen, mit Siegrunen neben dem Roten Kreuz und Feldlazarett in guten, alten gothischen Buchstaben geschrieben, nicht in dem neumodischen romischen Kram. Denn wenn die SS eines weiß, dann dass die in der PISA-Studie diagnostizierte Leseschwäche der deutschen Schüler daher kam, dass diese gezwungen wurden undeutsche Buchstaben wie das “c” zu verwenden, während klassische toitsche Buchstaben wie das “uuaer” oder das “thyth” verschwunden sind. Echt gezz, Kratman, als könnten Fettie und die Unterschichten-SS das gothische Alphabet entziffern. Oder Fraktur. Oder Sütterlin. Die können ja noch nicht mal Plastikspielzeig von Schokolade unterscheiden. Dafür stehen sie aber tierisch auf den guten, alten Roggenmehl-Ersatzkaffee, den ihnen das Heer gibt. Der hat uns schließlich schon in Stalingrad treue Dienste geleistet.

Ansonsten geht es weiter mit dem was Deutsche so lieben: Marschieren und singen, singen und marschieren. Mutig dem Tod entgegen. Mit einer Treue heißenden Ehre, die die Politiker ihnen bisher verwehrt hatten. Und so ist unser alter SS-Haudegen Mühlenkampf auch zu Tränen gerührt, als er folgende Szene mitbekommt: “Some of that sausage-bound flesh, in the form of the infantry division marching to the front to be butchered, sang under Mühlenkampf’s window.” Schön. Wobei ich nicht sicher bin, ob die Pathostriefigkeit dieser Szene nicht noch schöner gewesen wäre, ohne den Würstcheneinschub. Aber es geht hier ja um Deutschland. Insofern: Wahrscheinlich nicht.

Zwischendrin nutzen Kratman und Ringo die Gelegenheit nochmal um den Unterschied zwischen der ehrbaren SS und den echten Nazis deutlich zu machen. Nimmt sich eigentlich nicht viel, nur dass der Nazi die jüdisch-slawischen Untermenschen hasst, während der ehrbare SS-Mann alle Menschen liebt (bis auf Deserteure, Vaterlandsverräter, Kriegsschädlinge, Volksschädlinge, Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten, Demokraten, Grüne, Gutmenschen, Bildungsbürger, kinderlose Frauen, Lesben, Schwule, Wehrdienstverweigerer… oh und Nazis, die hasst der ehrbare Waffen-SS-Mann an sich wie kein Zweiter). Und darum kann man die Waffen-SS klar von den Nazis unterscheiden, während “Krueger [der eine Nazi in der ganzen Waffen-SS] would have been appalled to learn that, at the level of core philosophy, he, the Nazi fanatic, and Günter Stössel, the Reddish Green fanatic, were not so far apart after all.

Nun ist Strohmann Stössel, der Grüne, natürlich eine sehr abstoßende Figur, aber ich unterstelle Kratman und Ringo mal schweinefieserweise, dass es ihnen hier gar nicht um den einen Radikalen am äußersten Rand geht. Denn während in der SS nur einer ein Nazi ist, sind die Grünen durch die Bank weg menschenverachtende Radikalinskis. Achja, was macht Günter eigentlich jetzt, da er von der SS abgeholt wurde? Nun, er und seine 447 anderen Mitverräter verrotten lebenslang in Spandau. Erst wollte der Kanzler sie alle hinrichten lassen, aber er hatte Angst, dass sie dann für die Gutmenschfaschisten zu Märtyrern werden. Kluger Mann, der Kanzler. Da kann sogar Helmut Schmidt noch von lernen.

Bedauerlich für das tolle, neue Sparta Deutschland ist leider eines: Es wird nicht mehr lange halten. Die Fronten sind am kollabieren und der Rhein wird gefrieren, so dass die Posleen einfach drübermarschieren können. Mist. Dieser verdammte, linksgrüne, vaterlandsverräterische Rhein! Jetzt wo es dem Ende entgegen geht, stellt man sich natürlich die ernsten Fragen. Etwa: Wie konnte es damals zum Holocaust kommen? Wie konnten normale Menschen sowas zulassen? Schwierige Fragen, die unsere Moralphilosophen in sechzig Jahren nicht haben lösen können. Wie gut dass wir Kratman und Ringo haben, denn die finden die Antwort in weniger als einer Seite:

“They gave of their blood and they gave of their hearts. They fell in battle in droves for their ‘German Fatherland.’ Ten thousand of them fell in battle, Rinteel . . . giving all they had to give for what they thought of as their country. Rinteel, ten times that many served. More than the national average. They were us.

“And so, Indowy Rinteel, it is as if God used us, we Germans, to some purpose of his own . . . but we just don’t know.”

The Indowy digested that . . . thought upon the foolishness . . . thought upon the pain in Mueller’s voice. Finally he said, “It was a madness then.”

Mueller agreed. “Yes Rinteel, it was a madness.”

Eine Mischung aus “die Wege des Herrn” sind unergründlich und Wahnsinn. Na, war das jetzt so schwer, dass wir uns darüber über ein halbes Jahrhundert den Kopf zermartern mussten? Okay, Ende der Frontphilosophie. Zurück in die Realität. Da überqueren die Posleen gerade den Rhein und sie benutzen ihre menschlichen Gefangenen als lebende Schutzschilde. Und Waffen-SS-Mann Schulz ist schockiert, denn er weiß dass das ein Erfolg der Posleen wird. Nicht aus PR-Gründen, sondern weil die deutschen Soldaten nicht zu “that kind of soldier” ausgebildet worden sind, die aus der Hüfte Zivilisten erschießen können, wenn es Not tut. “Shit.“. Man beachte nochmal: Das Problem ist nicht, dass die Posleen menschliche Schilde verwenden, das Problem ist, dass wir unsere Soldaten nicht dazu ausgebildet haben, Zivilisten ohne zu zögern abzuknallen. Also opfert sich die SS und nur die SS und übernimmt das für die verstörten, schlecht trainierten Kinder. Und um das richtig schön reinzuhämmern: Das sind die moralisch richtig handelnden Helden. Klar, die Tat ist unschön, aber man nimmt die Schuld fürs Vaterland auf sich. Zumindest empfinden das alle, bis auf den einzigen Nazi in der Waffen-SS, als unangenehm. Der eine Nazi hat derweil jede Menge Spaß.

Schade nur, dass anderswo die Pussies die Lage kontrollieren: Denn ein französischer Jungsoldat, Sohn der Anti-Kriegsdemonstrantin aus Kapitel 1, ist nicht in der Lage eine mit Zivilisten besetzte Brücke zu sprengen. Das verübelt ihm zwar hinterher keiner, er ist ja nicht ordentlich ausgebildet worden, aber trotzdem geht damit die Westfront flöten. Und seine Mutter muss schon bald eines einsehen. Das hier ist alleine ihre gutmenschliche Schuld, dass sie es gewagt hat ihrem Sohn Respekt vor dem Leben einzubleuen. Dran denken, sowas ist auch wichtig für den Fall eines spontanen Ausbruchs von Zombieismus. Naja, zumindest lernt sie aus ihren Fehlern:

I made you to be a fine boy, warm and kindhearted and good. And so, when the time came, and you needed to do something horrible to prevent something worse, you could not. But it was my hand that froze yours, my loving mother’s heart that pierced your own. The guilt, my son, is all mine. And none of the blame is yours.

And so, tomorrow when you awaken to breakfast . . . and for every morning to come, you will find a mother who will give her heart and soul into making you what I never wanted you to be: a soldier. You will find a mother who will advise you and prompt you and support you in becoming the best French soldier in a century.

For “Survival cancels out programming.”

Nach der Westfront fällt auch die Ostfront, aber man geht zumindest mit wehenden Fahnen unter, seinem letzten Sieg entgegen. Und auf die Frage aus dem Werbespruch, ob die SS “redemption” erlangen kann. Die Antwort darauf überlassen Kratman und Ringo nicht dem Leser. Am Ende kommt der noch auf dumme und falsche Gedanken: “Hans’ left hand stroked his right lapel, feeling the Sigrunen sewn there. And they are clean, my soldiers. No crimes to their name, not even the crimes of necessity. Their sins, if any, I have assumed. And I was likely damned anyway.” Und dann legt SS-Mann Brasche die Siegrunen ab, denn er hat ihre Ehre wiederhergestellt und braucht sie jetzt nicht mehr. Außerdem “They were only a symbol, after all, one that meant different things to different people.” Eben.

Es ist ja nicht so, dass bestimmte Symbole so fest mit einer Institution verbunden sind, dass diese Konotation alle anderen überlagert. Das ist offensichtlich nur eine Meinungsindoktrination der Deutschland beherrschenden Rotgrünfaschisten gewesen. Und als nächstes befreien wir dann Symbole wie das Hakenkreuz, Zahnbürstenschnurrbärte, den roten Stern und Stefan Effenbergs Mittelfinger. Achja, falls jemand Kratman und Ringo widersprechen will, dann könnt ihr das Vergessen. Die beiden berufen sich nämlich auf “authority by holocaust”. Selbst der jüdische SS-Mann akzeptiert, dass “the Sigrunen meant something different now—the lightning sword of vengeance—to most Germans, to most Europeans, and even to a fair number of Israelis“. Für ihn persönlich zwar nicht, aber im Generellen akzeptiert er das. Bitte sehr, wenn selbst ein Jude - gut, ein von Kratman und Ringo geschriebener, fiktiver Strohmann-Jude in SS-Uniform - sagt, dass das alles in Ordnung ist, wie kann man dem dann widersprechen?

Und damit nähern wir uns dem Ende des Buches. Die Bayern und Alpenvölker kämpfen zwar noch, aber der Rest der Deutschen zieht sich langsam nach Skandinavien zurück. Der eine, alleinige Nazi in der SS wird von seinem Kameraden erschossen, der vor dem Weltkrieg ein Jüdin geheiratet und nach dem Weltkrieg in der israelischen Armee gedient hat (”you NAZI SON OF A BITCH“). Günter und die anderen Grünen werden von lachenden Wachen in Spandau zurückgelassen und von den Posleen gefressen. Selbst die Anti-Kriegsfranzösin ist zu Tränen gerührt, dass nun auch Zwölfjährige ihren Dienst in der Waffen-SS tun. Hach schee, Kindersoldaten. Das waren schon immer die verblendetsten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Kratman und Ringo Tränen der Rührung in den Augen hatten, als Zitterhand-Adolf in Der Untergang seine Berlin verteidigende Hitlerjugend geehrt hat. I’m doing my part, too!

Und ein Soldat nimmt bei der Nordflucht etwas deutsche Erde mit in seinem Helm, denn “someday, children will ask us, ‘What is Germany?’ And I thought I might be able to point to this helmet, filled with the rich soil of home and the last remains of as pure a spirit and heart as Germany ever produced, and encased in and protected by a helmet of war as only soldiers ever could have protected Germany. And with that, maybe I will be able to explain.” Ist ja gut. Blut und Boden, wir haben’s verstanden. Ob die Kinder das natürlich verstehen, das sei mal dahingestellt. Aber ist natürlich sicher ein tolles Postermotiv für die nächste “Du bist Deutschland”-Kampagne. “Mutti, Mutti. Was ist eigentlich Deutschland?” - “Äh, so Dreck von draußen in ‘nem Pott für’n Kopp.” - “Hä.” - “Vergiss es, das ist ‘ne Allegorie für irgendwas, dafür bisse noch zu jung. Oder so.”

Aber irgendwie hat es sich ja auch gelohnt, die Alieninvasion, denn wie Mühlenkampf festhält:

We have saved nearly twenty million of our own people here; a like number have found safety in the Alps. Add to that several million more French and Poles and Czechs and Italians.

The people we saved, too, are the most precious: women to breed more soldiers in abundance, wise farmers, skilled workers. And enough soldiers have been saved to make a seed from which mighty armies will grow. North and south we shall grow again; we shall marshal and build our strength. And the enemy has no chance of digging us out from either Scandinavian snows or Alpine fortresses; they’ll starve first.

“But we will not starve, Herr Kanzler. Oh, yes, rations may be a little scant and bland until we can break out from our mountain fastnesses. So what? The Volk had become pudgy with prosperity, and a lean wolf is a fierce one.

“No, Herr Kanzler, the war in not lost, but only beginning.”

Oh schöne neue Welt, der Krieg hatte auch was Gutes. Zumindest haben die fleischfressenden Aliens den bösartigen Tumor Zivilgesellschaft aus dem kränkelnden Volkskörper herausgeschnitten. Die Schwachen sind gestorben, die Starken haben überlebt. Bauern, Arbeiter, Soldaten und Frauen um mehr Soldaten “auszubrüten”. Und das Brutprogramm um diesen gewissen Nukleus des deutschen Volks zu erretten, verlangt sicher… hrrr, hrrr… das Ende der monogamen Lebensverhältnisse. Ein Opfer das man bringen muss, für die Zukunft der deutschen Rasse. Und irgendwo im Hintergrund erhebt sich Dr. Seltsam aus seinem Rollstuhl und erwähnt: “Mein Führer! I can walk!

Epilog

Jahre in der Zukunft, das deutsche Volk hat sich erholt und sich zu einem weiteren Klischee entwickelt: Nazis im Weltraum. Pardon, habe ich doch glatt die ehrbaren, apolitischen Waffen-SS-Arschlöcher aus dem Buch schon wieder als Nazis bezeichnet. Tsk, tsk, tsk. Wie komme ich da nur drauf? Vielleicht weil sie all ihren Schiffen Namen der Kriegsmarine gegeben haben? Übrigens arbeiten sie mit der japanischen Raumflotte zusammen. Alte Freunde, kann niemand trennen… oder so. Wo ist denn bitte schön der Raumkreuzer Scipio Africanus, wenn wir schon die Achse wieder zusammentrommeln? Na gut. Statt der Italiener kämpfen jüdische SS-Raumschiffe mit. Hey, moment! Jews in Space? Im Ernst? Da Kratman die Raumschiffe nicht im Ansatz beschreibt, gehe ich mal eiskalt davon aus, dass das wirklich so aussieht.

Und die Weltraum-Nazis haben es nun geschafft, den Heimatplaneten der Banker-Aliens zu finden, die die Posleen finanziert haben. Und sie Bomben ihn aus dem Orbit kaputt, wobei sie auch fliehende Zivilschiffe zerstören. Ist aber alles total legal: “[T]he ships attempted to run the human-imposed blockade. But centuries-old human laws of war held it perfectly legitimate to engage civilians trying to flee a siege.” Und Mühlenkampf, jetzt Chef der Weltraumflotte, stellt klar, was das Ziel dieses Angriffs ist: “[O]ur sights are set lower. We only wish to change you from living to extinct.”

Gut, die Ausrottung außerirdischer Rassen ist ein bekannter Topos in der SF, aber hier wirkt er natürlich besonders effektiv. Denn dieser neue Holocaust ist ja, anders als der letzte Holocaust, ein “guter” Holocaust. Weil er ja die richtigen trifft. Aliens, die es verdient haben. weil es da keine Unschuldigen, keine zehn Gerechten, kein einziges Alien geben wird, dass vielleicht gegen diese Politik war oder versuchte sie zu verändern. Anyway: So endet das Buch, das mit der Verjüngung der Waffen-SS begonnen hat, ganz themengerecht mit der kompletten Ausrottung einer außerirdischen Spezies. You get what you pay for.

Fazit

Der hier drüben musste während meiner Lesephase ein wenig als seelische Schrägablage dienen, weil ich mir meinen Hass auf das Buch schon beim Lesen in Form von E-Mails von der Seele schreiben musste. Und dabei kam die Frage auf, ob ich sicher bin, dass das nicht alles nur verdammt clevere Satire ist. Naja, das wäre es beispielsweise, wenn sich auf der letzten Seite rausstellt, dass die vollen vierhundertschlagmichtot Seiten davor ein Manuskript von Martin Bornmann oder Heinrich Himmler sind, der sich beim Schreiben ordentlich einen geschubbert hat und jetzt nochmal volles Rohr über die Seiten kommt. Quasi wie in Spinrads The Iron Dream.

Aber es ist keine Satire. Und um das auch dem letzten Deppen deutlich zu machen, fügen die Autoren auch noch ein Nachwort an. Ich will jetzt nichts über die Leserschaft mutmaßen, aber vielleicht hatten Kratman und Ringo tatsächlich Angst, dass ihrer Leserschaft der allegorische Hammelsprung in diesem Werk verloren geht. Denn natürlich hat dieses 2005 erschienene (sprich: zu einer Zeit als man noch “Freedom Fries” gegessen hat= Meisterwerk eine politisch Intention, die über die Reinwaschung der Waffen-SS hinausgeht: Na, welche Bevölkerungsgruppe trägt im Buch nichts zur Verteidigung der Erde bei, sondern behindert sie sogar noch? Auch wenn das nur einmal explizit gesagt wird? Was? Ja, gut die rotgrünfaschistischen Multikultischgutmenschschwuchteln. Gut, das wird ja öfter erwähnt. Aber wer noch? Achja: Die Moslems. Und warum ist dem so? Nun, man muss nicht David Icke sein um zu verstehen, was hier vor sich geht. Aber dankenswerter Weise wird es uns ja nochmal detailliert erklärt. Kratman, Ringo. Hier ist eure Seifenkiste:

Right now, Western Civilization, however much many of its members may refuse to admit it, is involved in a world war. No, it has seen no entire cities destroyed; no trenches have drawn their scars across entire continents. It is a world war all the same. Moreover, it is a world war that is putting to the test every notion of individual liberty, freedom of conscience, and rule of law that the West prizes. And should we lose we will see, or our grandchildren will, the erasure of all that is good in Western Civilization.

We cannot afford to lose.

Yet winning will have its price, too. Just as the invasion John described is ordained to change humanity into something that one of Hitler’s Waffen SS would recognize and call home, so too will this war change us. Because side by side with the virtues of Western Civilization are paired vices that may destroy us: a narrow legalistic mindset, an emphasis on form over substance, and an unwillingness to do the ruthless and violent things we must if we are to survive. This list is not exhaustive. Perhaps worse than these things, however, the West has nurtured at its own breast a set of execrable, vile, treacherous and treasonous villains that seem to seek at every opportunity to do all they can to ensure its destruction.

Yet there is hope. “Survival cancels out programming.”

Und selbst wer es geschafft die braune Scheiße bis hierhin als amüsant oder bestenfalls lantent peinlich zu empfinden, als konservativ aber nicht bedrohlich, dem kommt hoffentlich jetzt endlich die Galle hoch. Die menschenfressenden Posleen = der Islam. Im Internet wird inzwischen zu schnell, viel zu schnell, Godwin’s Law gezückt. Dabei wird eine Sache oft und schnell übersehen: Wenn der eingesprungene Nazivergleich angemessen ist, dann sollte man ihn auch verwenden. Und diese verschissene krypto-islamophobe Kacke ist schlicht das: brauner Dreck. Eine abgestande Rotze die zu gleichen Teilen Hitlerjunge Quex und Jud Süß ist. Dass die Gleichsetzung “menschenfressende Moslems” und “Islam”, oder im direkteren Kontext “Irak”, dabei unehrlich bis zum äußersten ist, muss ich nicht mehr erwähnen, oder? Dass es leicht hyperbol wirkt, wenn man Irakkriegsgegner mit Leuten gleichsetzt, die auch mit kinderfressenden Aliens kollaborieren würden? Fein.

Bei all dem schafft es das Buch zudem noch auf eine Art und Weise dreist zu sein, die einem die Schuhe auszieht, um sie einem dann mit voller Wucht ins Gesicht zu werfen: Kratmans Fiction wird als “well-thought political views with a practical voice” beschrieben. Und ungefähr auf diesen Zug springen auch die meisten Rezensenten bei amazon.com auf. Im Kern läuft es darauf hinaus: Wer das Buch kritisiert ist links. Wer das Buch als demokratieverachtende, faschistische Wichsvorlage kritisiert, der belegt damit nur wie richtig Ringo und Kratman in ihrer Darstellung der Linksgründyaddayadda lagen. Und wenn man den Autoren eine Glorifizierung des Nationalsozialismus vorwerfen würde, dann würden sie betonen, dass der einzige vorkommende Nazi am Ende doch seine verdiente Strafe abbekommt und die Waffen-SS immer wieder ihre Abscheu gegenüber dem Nationalsozialismus bekundet.

Und in einer Hinsicht stimmt das sogar: Watch on the Rhine würde beispielsweise auf den Stormfront Messageboards nicht gut ankommen, weil die Israelis zu gut wegkommen. Das dürfte aber auch das einzige sein, was die inzestuösen Herrenmenschenverschnitte aus dem Mittleren Westen an Watch on the Rhine auszusetzen haben könnten. Und die Juden haben in diesem Buch eine ganz entscheidende Rolle, die sie beispielsweise auch haben wenn ihnen PI die Freundschaft erklärt: Sie sind dankbare Smoke Screens, hiter denen man den eigenen Rassismus verstecken kann. Denn wer für Israel eintritt, der kann ja kein brauner Abschaum sein. Und wenn man sich die Juden anguckt, die Kratman und Ringo in diesem Buch schreiben, dann haben sie alle - ausnahmslos! - eine Funktion: Der SS-Division “Alte Herren” immer und immer und immer und immer und immer wieder zu bestätigen, dass sie keine Schuld am Holocaust trifft und man ihnen eigentlich nichts wirklich übel nimmt. Und wenn man dann zusammen Krieg führt, dann sind keine negativen Schwingungen mehr da. Was sind schon 6.000.000 unter Freunden.

Feiglinge. Zumindest stehen die Turner Diaries ganz offen zu dem, was sie sind und verstecken ihre brechreizerregende Haltung nicht hinter “Neutralität” oder dem Kampf gegen die “politische Korrektness”. Bei Watch on the Rhine drängt man sich mit jeder angebrachten Kritik mehr und mehr in die Opferrolle und sieht das alles als weiteren Beweis dafür an, dass alle anderen Amerika hassen und die Meinungsfreiheit der Autoren beschneiden wollen. Ist so eine Masche, die seit einiger Zeit gut zu ziehen scheint. So wie jetzt Rechte auch gerne mal bei Aussagen wie “Wir wollen keine Nazis in unserer Nachbarschaft” die Frage stellt, ob die Zivilgesellschaft sowas auch akzeptieren würde, wenn da statt “Nazis” jetzt “Juden” stünde.

So: Und warum bezeichne ich das hier als eine scheißbraune Nazi-Apologetik, ohne da auf die Godwin-Mäßigung zu setzen? Weil es genau das ist: Auch wenn das Buch das natürlich anders sieht. Für Kratman und Ringo scheint festzustehen, dass nur die (paar) Leute Nazis waren, die aktiv am Holocaust beteiligt waren. Und der Holocaust und die Judenverfolgung waren scheinbar auch das einzig kritikwürdige am Dritten Reich. Alles andere, die schicken Uniformen, die schön funkelnden Siegrunen, die Marschlieder, die Kameradschaft, die kruppstahlharte Jugend, das Ausschalten der politischen Oppostion, das alles war hingegen der richtige Weg in den Idealstaat. Und dann mussten diese herumschnüffelnden Kinder und ihre verdammte Endlösung kommen und alles kaputt machen… dass das eine nicht ohne das andere möglich gewesen wäre, dass der Holocaust eben aus dieser Perversion und Abschaffung jeder Form von Zivilgesellschaft hervorging, das wird dezent ausgeblendet. Hey, das ganze Marschieren, Aufrüsten und Einfallen hat Deutschland immerhin aus der Krise der Weimarer Republik gerettet. Das Dritte Reich war für Kratman, bis auf den Holocaust, ein Quantensprung nach vorne. Scheiß auf die Angriffskriege.

[A]n unwillingness to do the ruthless and violent things we must if we are to survive“. Darin sehen Kratman und Ringo die Wurzel allen Übels in der westlichen Gesellschaft. Und mit dem Satz disqualifizieren sich beide für die Verteidigungslinie “ein Autor muss nicht alles meinen, was er schreibt… Jonathan Swift wollte auch nicht wirklich Babies fressen”. Denn wer so einen Satz in sein Nachwort schreibt, gerade in Kombination mit all dem davor, der steht 100% hinter dem, was seine ach so moralischen Helden von der Waffen-SS fordern und durchsetzen. Sprich: Kratman und Ringo würde voll einer abgehen, wenn die “execrable, vile, treacherous and treasonous villains that seem to seek at every opportunity to do all they can to ensure [the West's] destruction” (lies: Rot-Grün) endlich aufgehängt würden, wenn eine soldateske Elite-Einheit ohne parlamentarische Behinderung Dissidenten verschwinden lassen könnte, wenn Wehrkraftzersetzer und Deserteuere aufgeknüpft würden, wenn man Soldaten und Bürgern ihre verweichlichenden Bürgerrechte abnehmen würde, wenn deutsche Landser Lieder singend und mit stolz geschwellter Brust freiwillig in den Tod marschieren würden, wenn die verschissenen Zivildienstschmarotzer verschwinden würden, wenn endlich Kindersoldaten wieder für das Vaterland dienen dürfen, wenn die Gesellschaft reduziert würde auf einen Bauern-Arbeiter-Soldaten-Staat in dem Frauen die Wahl haben: Massenhaft Kinder bekommen oder in der Armee dienen. Und jetzt möge man unter diesen Gesichtspunkten und diesem Konnex zur echten Welt und dem “Clash of the Cultures” den Epilog nochmal bedenken, in dem eine ganze außerirdische Rasse ausgerottet wird und man sogar noch ausdrücklich betont, dass man keine Zivilisten mehr kennt. Es gibt halt offenbar gute und schlechte Genozide.

Genau. Wenn wir das alles eingeführt haben, worüber Kratman und Ringo sich literarisch so einen hobeln, dann haben wir “all that is good in Western Civilization” für unsere Kinder und Kindeskinder gerettet. So wie die US-Army damals “Ben Tre” gerettet hat. Und selbst wenn nur jemand Nazi sein könnte, der auch Antisemit ist, dann vertreten die rechtsspackigen Autoren hier immer noch eine antidemokratische, antiaufklärerische und antihumanistische Faschistenscheiße, die ausreicht um das kalte Kotzen zu bekommen. Und noch kälter wird das Kotzen, wenn man bedenkt, dass das ein Weltbild ist, dass sich in einer kaum abweichenden Form auch in Deutschland wieder zeigt und das zum Teil bis in die Mitte der Gesellschaft. Wie man täglich in der Kommentarhölle von PI lesen kann. (Wer sich nicht direkt dahintraut: Hier gibt es ein Worst Of in ausgewählter, kommentierter Form.) Und irgendwas sagt mir, dass Watch on the Rhine in dem Blog zu wahren Jubelstürmen führen würde. Und das macht mir Angst.

Oh, dass der Schnodder zudem sowohl im Bereich “science” als auch im Bereich “fiction” komplett abstürzt, sollte auch noch erwähnt werden. Und bevor irgendwer auf den (dummen) Gedanken kommt, sich das Buch jetzt aus bloßer Neugier zuzulegen, hier ein Vorschlag: Die Onlineversion verwenden und das gesparte Geld lieber in Haimo Kinzlers schwarzhumorig-bitterböse Weltkriegssatiere Krigstein investieren. Ihr könnte es mir dann später danken.

Ich überlege derweil, was ich mit der Offline-Papierversion des Buchs mache. Sowas ist ja nunmal keine Lösung. Oh, ich hab’s. Watch on the Rhine landet ganz unaufregend im Altpapier. Ich bin es los, es kann mal was ordentliches daraus werden und ich habe noch dazu linksgrüngutmenschlich was für die Umwelt getan. Und das dürfte Kratman und Ringo wirklich ankotzen… gut so…

(Dieses Auftauchen wurde Ihnen von einer Mischung aus richtig stehenden Sternen und akuter, dringend wegzutippender Abscheu präsentiert. Bis auf Weiteres versinkt Agitpop damit wieder zum Weiterträumen in die Tiefen des Pazifiks. Iä, iä, usw. usf.)